Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Winnetou Überraschung zum Geburtstag

von Onlyknow3
OneshotFreundschaft / P12 / Gen
Old Shatterhand Winnetou
05.02.2021
05.02.2021
1
5.734
4
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
 
05.02.2021 5.734
 
Heute gibt es etwas kurzes für zwischendurch. Der Anlass dazu, ist der Geburtstag von unser aller Winnetou (Pierre Brice Geboren am 06. 02. 1929 – Gestorben am 06. 06. 2015).
Darum nehme ich  den 6ten Februar, als den Geburtstag unseres Winnetou, bitte nicht Böse deshalb  sein da Karl May in keinem seiner Bücher so wirklich erwähnt wann, es gibt auch nur eine Andeutung auf Winnetous alter als er Scharlih zum ersten mal trifft bei den Bahnarbeitern.
Deshalb habe ich hier ein Fiktives Alter genommen, was in deren Gegenwart real wäre.
Ich hoffe das der Onshot gefällt euch, mir hat es Freude bereitet ihn zu schreiben.
Viel Spaß beim lesen wünsche ich euch. Achtet nicht so sehr auf Fehler in der Grammatik, oder Zeichensetzung, Schule ist bei mir schon 40 Jahre her, seit also bitte da Nachsichtig.

LG
Onlyknow3


Winnetous Geburtstag

Ich befand mich auf dem Weg zum Pueblo. Winnetou ahnte nichts davon, doch ich folgte ihm, war er doch nur einen Tag vor mir von St. Louis aufgebrochen.
Ich hatte Winnetou in meinem letzten Brief geschrieben, dass ich wohl erst zum Herbstfest bei ihm eintreffen würde. Eine Antwort von Winnetou dazu war ausgeblieben. Ich nahm an, dass er enttäuscht war.
Von Mr. Henry allerdings hatte ich erfahren, dass er momentan viel zu tun hatte, weil es ständig irgendwelche Streitigkeiten zwischen den anderen Stämmen gab. Es waren wieder vermehrt Übergriffe und Raubzüge von Banditen im Apachengebiet aufgetreten. Jetzt müsste Winnetou allerdings wohl auf dem Rückweg zum Pueblo sein, jedenfalls war er gestern erst bei Henry gewesen und hatte Patronen, Pulver und Blei gekauft.

Also war er mit nur einem Tag Zeitvorsprung vor mir, und wenn ich Hatatitla reiten würde, könnte ich ihn damit auch noch einholen, jedoch nicht mit dem Pferd, das ich gerade ritt. Ich konnte allerdings die Nacht zwar durchreiten, da Winnetou wohl lagern würde, da er ja keine Eile hatte, allerdings hätte er dann immer noch einen signifikanten Vorsprung. Einen Versuch war es aber allemal wert, vielleicht war der Häuptling ja doch irgendwo aufgehalten worden, also gab ich meinem Hengst die Fersen leicht zu spüren, und schon jagte er davon.

Nach ein paar Stunden hielt ich an einem Bach an, ließ das Pferd trinken und grasen, dann galoppierten wir weiter. Früh am nächsten Morgen hielt ich erneut an, um dem Tier eine Pause zu gönnen, und sattelte es dafür auch ab. Müde war ich nicht, deshalb sah ich mich um, schritt meinen Lagerplatz in alle Richtungen ab und fand auch wirklich ein noch leicht rauchendes Lagerfeuer.

Wenn ich bedachte, dass es wohl Winnetou gewesen war, der hier gerastet hatte, wollte ich mich bemerkbar machen und schoss mit meinem Henrystutzen, dessen Klang er sofort erkennen würde, zum Zeichen zweimal hintereinander in die Luft. Ich sattelte dann erneut mein Pferd und ritt weiter, aber Winnetou begegnete mir nicht. Dann hatte er den Schuss entweder doch nicht gehört, oder ich würde ihm nun jeden Moment begegnen.

Von Lagerplatz führte mich mein Weg die letzten Stunden weiter über die Prärie, und um mich herum wuchsen nur Gras und einige wenige kleinere Büsche, hinter denen man sich nicht verstecken konnte. Deshalb ging ich davon aus, dass Winnetou noch eine andere Richtung eingeschlagen hatte, trotzdem musste sich sein Weg schließlich doch mit dem meinen kreuzen.

So ritt ich weiter, und irgendwann führte eine Fährte von links auf meine Richtung. Ich hatte recht, es war Iltschi, der hier entlang galoppierte. Die Eindrücke waren keine halbe Stunde alt, darum strengte ich meinen Braunen noch mal an, und als ich jetzt wieder freie Sicht hatte, sah ich Winnetou vor mir. Als er mich bemerkte, galoppierte er direkt auf mich zu und stieß den
Schlachtruf der Apachen aus. Dann blieb Iltschi direkt vor mir halten, ohne dass Winnetou etwas tun musste. Sofort sprang mein unvergleichlicher Blutsbruder vom Pferd und kam mir regelrecht entgegengeflogen. Winnetou zog mich an sich, und wir lagen uns nun nach zwei Jahren wieder in den Armen.

„Scharlih, mein Scharlih! Winnetou ist voller Freude, dich endlich wieder bei sich zu haben!“

„Das, mein lieber Freund, glaube ich dir sogar nach dieser Begrüßung! Doch auch ich freue mich nicht weniger, dich wieder in die Arme schließen zu können. Wir hätten uns aber auch schon vor zwei Stunden begrüßen können, ich war an deinem letzten Lagerplatz, kurz nachdem du ihn verlassen hattest!“

„Uff! Dann war Scharlih der schnelle Reiter? Hätte Winnetou das gewusst, wäre er dort geblieben. Winnetou sollte sich doch so ein Glas holen, wie es Scharlih besitzt, womit das, was weit fort ist, ganz nah sieht!“

„Ja, das solltest du tun, Winnetou!“, schmunzelte ich. Ja, ja, mein Fernglas, es hatte uns schon das eine oder andere Mal das Leben gerettet. Was ich nicht aussprach, sollte es doch eine Überraschung werden: Ich hatte ihm schon längst ein solches gekauft, denn genau das wollte ich ihm am Wochenende zum Geburtstag schenken. Es war natürlich von ebenso guter Qualität wie das meine, das ich immer bei mir trug, er kannte also den Umgang damit.

„Wollte Scharlih nicht erst zum Herbstfest kommen? Winnetou glaubt sich zu erinnern, dass er das in einem seiner Briefe geschrieben hat.“

„Ja, eigentlich schon!“

„Aha! Dennoch ist er jetzt hier, worüber sich Winnetou sehr freut! Scharlih! Winnetou kann gar nicht in Worte fassen, wie glücklich er über dein Kommen ist. Und du siehst, da freut sich noch jemand.“

Iltshi war bereits nahe an mich herangekommen, als Winnetou mich begrüßt hatte, und nun wollte ich auch den treuen Rapphengst zum Wiedersehen liebkosen. Während ich das tat, musterte Winnetou das Tier, das ich ritt, mit seinem Kennerblick. Trotz des schnellen Ritts, den wir hinter uns hatten, schäumte es nicht, auch sein Atem war ruhig, als käme es eben erst von der Weide.

„Scharlih hat sich ein gutes Pferd ausgesucht. Winnetou kennt viele Pferde, dieses hier gehört einem Indianer, er hat sein Zeichen hinterlassen. Winnetou wird den Hengst in seine Zucht nehmen. Das Tier hat wache Augen, einen schmalen Hals und kurze, feine Fesseln. Auch das Gebiss sieht gut aus. Darf Winnetou ihn reiten?“

„Ja, mach nur, ich setze mich und werde die Zeit nutzen, um etwas zu essen.“

„Scharlih sieht müde aus!“

„Ich bin ja auch die ganze Nacht durchgeritten, nachdem mir Henry gesagt hat, dass du den Tag vorher bei ihm warst. Ich wollte dich einholen, und das ist mir gelungen, aber jetzt gönne ich mir etwas Ruhe.“

Winnetou nahm den Sattel vom Pferd und reichte ihn mir, und als ich mich darauf niederließ, war es Iltshi, der sich auch hinlegte, weshalb ich, den Sattel unter dem Kopf, die Augen schloss. Ich musste wohl wirklich fest eingeschlafen sein, denn als ich die Augen wieder öffnete, saß Winnetou an einem kleinen Feuer und es war bereits dunkel geworden.

„Scharlih sollte essen, dann können wir aufbrechen. Die Pferde haben sich ausgeruht, sie stehen am Bach und grasen. Will mir Scharlih jetzt erzählen, was er erlebt hat, während er nicht bei mir war?“

„Da gibt es nicht viel zu erzählen, Winnetou. Nach meiner Abreise wollte ich mich mit Halef treffen, doch daraus wurde nichts. Meine Eltern brauchten mich nötiger, also saß ich dann abends in meiner Stube und habe geschrieben, erst für die Zeitung und dann noch nebenbei an meinem Buch. Schließlich bot mir der Redakteur an, einige Aufsätze aus dem Englischen ins Deutsche zu übersetzen. Das Geld sparte ich mir, um dich zu besuchen. Aber wieder lief es anders als gewollt, denn in unserem Dorf brachen die Masern aus, es gab keine Familie, die nicht betroffen war. Bei uns waren zwei meiner Schwestern und mein Vater erkrankt. Da ich wegen meiner vielen Reisen geimpft bin und gesund blieb, musste ich mithelfen. Darum verschob ich meine Reise zu Halef ein weiteres Mal. Als ich wieder auf den Kalender sah, durchfuhr es mich wie ein Blitz, wie lange ich in der Heimat gewesen war.“

„Darum also traf erst so spät deine Nachricht bei Winnetou ein!“

„Ja, deshalb hat es so lange gedauert.“

„Scharlih schrieb doch, dass er erst im Herbst kommen könne. Dennoch ist er schon hier, wird er Winnetou sagen warum?“

„Das kann ich dir jetzt noch nicht sagen, Winnetou. Auf die Antwort musst du noch warten. Das soll eine Überraschung sein. Winnetou mag mir deshalb nicht zürnen.“

„Winnetou zürnt seinem Freund nicht. Er kann warten, freut er sich doch schon so sehr darüber, dass Scharlih wieder da ist.“

Winnetou war näher zu mir herangerückt, und nun lag sein Kopf auf meiner Schulter, und wir genossen die Nähe des anderen. Manchmal wünschte ich, es könnte noch mehr Nähe zwischen uns geben, doch die Distanz, die Winnetou sonst zu mir hielt, verbot es mir. So war ich in meine Gedanken versunken und bemerkte auch den Blick nicht, den mir Winnetou von der Seite zuwarf. Erst seine Stimme brachte mich wieder ins Hier und Jetzt.

„Scharlih ist nun fertig, so können wir aufbrechen.“ Damit löste Winnetou sich von mir, und auch ich stand auf und sattelte mein Pferd, ohne etwas zu sagen. Winnetou durfte von meinen Gefühlen in meinem Inneren nichts erfahren, deshalb ließ ich ihn meine Enttäuschung nicht sehen.

„Lass uns reiten, Winnetou, dann können wir morgen Mittag im Pueblo sein!“

Als auch Winnetou sich auf Iltschi schwang, gab ich meinem Braunen die Ferse und schnalzte mit der Zunge, und schon stoben die Pferde los. Selbst in der nun herrschenden Dunkelheit war es ein Genuss, mit Winnetou über die Ebene dahinzujagen. Dennoch hielten wir zwischendurch auch an oder ritten langsam, um die Pferde zu schonen.


Als es zu grauen begann, hielten wir eine kurze Rast, um auch selber noch etwas zu essen.
Da es nicht mehr weit war, sah ich mich um, wo wir waren, und als ich den Ort erkannte, pfiff ich einmal kurz meine Melodie. Ja, da kam er angerannt, mein Hatatitla, und wie sehr er sich freute, mich zu sehen! Wie er sogleich an meinem Jagdrock zupfte, zeigte mir, was er wollte und so schwang ich mich auf seinen Rücken, ohne Halfter oder Trense, und auch ohne Sattel. So jagte er mit mir über die Prärie dahin, woher Winnetou und ich gerade gekommen waren. Über eine Stunde lang tobte sich der brave Hengst aus.

Dann waren wir wieder bei Winnetou, der voller Freude war, hatte er doch gesehen, dass der Hengst einiges seiner indianischen Schulung gezeigt hatte. Nach einigen Minuten der Ruhe ritten wir dann weiter, der Braune ohne Reiter neben uns her, und gerade als die Sonne sich über den Horizont schob, erreichten wir das Pueblo, das zu dieser frühen Stunde noch im Schlaf lag.
Nur die Wächter begrüßten uns leise. Nach dem Absteigen nahm ich die Gewehre und Satteltaschen an mich, den Sattel würde man mir nach bringen, brauchte ich diesen ja nur, wenn wir weiter fort ritten. Oft ritt ich auch ganz ohne Sattel auf Hatatitla.

Gerade wollte ich in meine Räume treten, da hielt Winnetou mich davon ab. „Scharlihs Räume müssen erst geheizt werden!“, gab er als Begründung an. Ich nickte, trat aber dennoch in meine Räume, um meine Gewehre und die Satteltaschen darin abzulegen. Winnetou war mir gefolgt und bemerkte, dass ich mich umsah, nachdem ich meine Gewehre neben dem Eingang abgestellt hatte.

„Fehlt etwas, Scharlih?“

„Nein, es ist alles da, ich habe eben nur über etwas nachgedacht. Doch das müsste klappen, das passt so, wie es sein soll. So komm, hier ist es wirklich kalt drin.“

Wir betraten seine Räume, wo uns eine wohlige Wärme entgegenschlug. Ich trat ein, ließ die Decke hinter mir zufallen und setzte mich an die Feuerstelle, die Winnetous Räume wärmte. Winnetou reichte mir Wasser und einige Früchte zu unserem Fleisch, und schweigend nahmen wir unser Mahl ein. Es war fast schon zu still, doch war ich es gewohnt, dass Winnetou beim Essen meist schwieg.

Als er dann ein Seufzen hören ließ, war mir klar, dass er etwas auf dem Herzen hatte, aber nicht wusste, wie er mit mir darüber sprechen sollte. Da er auch nach dem dritten Seufzen nichts sagte, nahm ich mir ein Herz und sprach ihn an: „Hat Winnetou wegen irgendetwas Sorgen? Kann ich ihm helfen?“

„Winnetou weiß nicht, wie er es benennen soll. Er spürt, dass Scharlih etwas vor Winnetou zu verbergen sucht. Winnetou spürt das schon, seit wir uns getroffen haben, das macht ihn traurig. Sonst konnte doch Scharlih stets mit ihm über alles reden!“

Soviel dazu, dass ich es verbergen wollte, das hatte offenbar nicht so geklappt, wie ich mir das gedacht hatte…

„Manchmal gibt es Dinge, die besser nicht ausgesprochen werden. Würde ich dir das offenlegen, müsste ich euch heute gleich wieder verlassen. Frag bitte nicht mehr danach, es ist besser so.“

„Dann werde ich der Bitte von Scharlih nicht widersprechen; wenn es ein Geheimnis ist, soll es das bleiben. Winnetou wird warten, bis Scharlih dazu bereit ist, sich seinem Bruder zu öffnen, er wird ihn nicht drängen.“

Nachdem wir unser Mahl beendet hatten, stand ich auf, verließ Winnetous Räume und begab mich in meine. Das erste, was ich machte, war, das lange Bärenfell am Eingang zu befestigen, dann entzündete ich ein Feuer, und als dieses brannte, schritt ich nach hinten in mein Bad. Dann wusch ich mich, zog mich um und kroch unter meine Decken und Felle. Nur wenig später war ich eingeschlafen. Ein dumpfes Geräusch holte mich aus meinen Träumen und ich lauschte, doch es wiederholte sich nicht.

Als ich dennoch aufstand, sah ich, dass jemand Holz ins Feuer gelegt hatte, das war es dann wohl gewesen, was mich geweckt hatte. Das Fell zur Seite haltend, sah ich, dass Krieger vor meinem Eingang saßen, diese lächelten mir zu, als sie mich jetzt sahen.

So trat ich zurück, warf mir meinen dicken, warmen Jagdanzug über, der so angenehm auf der Haut lag, ohne dass er kleben blieb. So eingepackt begab ich mich nach unten, was den Jubel im Dorf erschallen ließ. Von vielen wurde ich mit Handschlag begrüßt, andere nickten mir nur zu.

An einem der Feuer sah ich Yato Ka, Entschah Ko und Til Lata sitzen, zu ihnen schritt ich hin, als ich aus dem Augenwinkel sah, dass auch Winnetou herunter kam. Er hatte wohl den Jubel gehört, den ich hervor gerufen hatte. Auch er kam zu uns ans Feuer, wo dann die Pfeife erst einmal herumgereicht wurde.

Da wir schon am Beratungsfeuer saßen, fragte ich, ob es etwas gab, was besprochen werden müsste, doch es gab nur das Übliche, weshalb ich nicht lange sitzen blieb und erst mal zu den Pferden ging. Mir war bei Hatatitla am Morgen aufgefallen, dass er den linken Hinterhuf nicht richtig aufsetzte, trotz seiner wilden Toberei war mir das nicht entgangen. So ließ ich auf Rufweite meinen Pfiff hören, und ja da kam er auch schon angerannt.

„Na du? Was hast du wieder getrieben? Lass mal sehen, wie schlimm es ist.“


An den Fesseln war nichts zu sehen, erst als ich den Huf anhob, entdeckte ich einen Dorn oder Stachel, den er sich eingetreten haben musst. Es dauerte einige Minuten, bis ich ihn heraus hatte, leider eiterte die Winde schon, weshalb ich die Pferdewache zu Winnetou schickte, um diesen zu holen.

„Was hat Scharlih? Ist etwas geschehen?“

„Hatatila lahmt, er hatte diesen Stachel im linken Hinterhuf stecken. Die Wunde muss gereinigt werden, da lasse ich keinen ran außer dir, Winnetou! Sieh es dir selber an!“

Hatatitla hatte sich gelegt, wohl um den Huf nicht weiter belasten zu müssen. Winnetou sah sich die Wunde an, nahm sein Messer und schnitt etwas weg, dann sah er sich den Stachel an.

„Scharlih, hol mir meine Kräutertaschen in meinen Räumen, bring eine Schale mit für Wasser, alles andere, was ich brauche, ist in der Tasche.“

So rannte ich zurück ins Pueblo und holte, was Winnetou benötigte, und eilte im Laufschritt zu Winnetou zurück. Ich hatte zwei Schalen mitgebracht, eine für das Wasser, die andere, um die Paste für die Medizin herzustellen.

Während Winnetou die Verletzung säuberte, ging ich ihm zur Hand, da er mehrfach Wasser brauchte, das ich ihm dann vom Pecos holte, der hier ein flaches Ufer hatte. Nach etwas über einer halben Stunde stand Hatatitla wieder, erst langsam, doch bald jagte er wieder wie immer über die Weide. Nach einigen Minuten kam er wieder, bedankte sich bei uns, wie er es immer tat, und stob erneut davon.

Dennoch würde ich ihn die nächsten Tage noch nicht wieder reiten können. Da schob sich jemand an mich heran und zupfte an meinem Ärmel. Es war mein Brauner, der jetzt meine Aufmerksamkeit wollte, und auch Hatatitla kam wieder zurück, weshalb ich nun beiden eine Handvoll Mais gab. Hatatitla liebte das, und so wie es aussah, auch mein Brauner.

„Langsam wird es Zeit, dass ich dir einen Namen gebe. Wie wäre es mit Avani, da du so braun bist wie Erde?“ Die Antwort war nur ein Schnauben, und dann drückte er sich an mich, so wie es auch Hatatitla immer tat.

„Das bedeutet wohl, dass dir dein Name gefällt?“ Als er nun zu Nicken begann, konnte Winnetou ein leises Lächeln nicht unterdrücken. „Das hat er sich bei Hatatitla abgeguckt, der tut das auch, wenn man mit ihm spricht.“

„Ich weiß, das habe ich ihm beigebracht, als ich das letzte Mal hier war. So jetzt aber ab mit euch beiden sonst wird Iltschi noch eifersüchtig. Hatatitla, ich sehe später noch mal nach dir. Ja, auch nach dir, Avani. So, jetzt gibt es nichts mehr, morgen wieder.“

Mit einem Klaps schickte ich die beiden nun wieder zur Herde. Wir begaben uns zurück zum Pueblo, wo wir dann Essen gereicht bekamen, das wir unten am Feuer einnahmen. Danach stieg ich in meine Räume, gab vor, dass ich schreiben wollte. Das tat ich dann auch, doch nebenher richtete ich in der Wohnstube alles so ein, dass ich an Winnetous Geburtstag alles griffbereit haben würde, was ich brauchte.

Darüber war der Rest des Tages vergangen, das Abendessen nahm ich heute allein ein. Ich hielt die mir auferlegte Distanz zu Winnetou ein, auch wenn es diesen wohl traurig stimmte. Doch er würde meine Gefühle nie teilen, nicht nachdem er es doch wohl fast schon erraten hatte, denn Winnetou war doch ein ganz besonderer und außerordentlich feinsinniger Mensch. Später in der Nacht ging ich schlafen und legte vorher noch schnell etwas Holz nach, danach zog ich mich um. Gerade wollte ich das Licht löschen, da blieben Schritte vor dem Eingang halten.

„Winnetou, ich bin noch wach, komm herein!“, rief ich ihn, denn er betrat meine Räume nie ohne Einladung. Da sich nichts tat, stand ich auf, warf mir meinen Jagdrock erneut über, um in den Wohnraum zu gehen und dort öffnete ich ihm schließlich selbst den Vorhang.

„Was bedrückt dich so, Winnetou?“

„Scharlih zieht sich von mir zurück! Winnetou weiß nicht warum! Hat er etwas falsch gemacht, hat er Scharlih mit Worten verletzt?“

Um ihn zu beruhigen, zog ich ihn, ohne groß darüber nachzudenken, doch in meine Arme und hielt ihn so fest, wie es sich in diesem Moment für mich richtig anfühlte. Ich gab ihm obendrein einen Kuss auf seine Stirn. Doch Winnetou reagierte nicht, wie auch Nscho-tschi damals nicht reagiert hatte. Wie gleich sich doch die Situationen waren, nur dass ich Winnetou wirklich aus tiefstem Herzen liebte, aber sagen durfte ich es nicht. Winnetou würde unsere Freundschaft lösen, und das wollte ich auf keinen Fall riskieren. Dann doch lieber schweigen.

„Winnetou hat nichts falsch gemacht, er hat mich auch nicht mit Worten oder Taten verletzt. Es ist doch alles in Ordnung zwischen uns, es gibt nichts, was nicht sein soll. Winnetou mag sich nicht sorgen, es ist alles gut!“

„Scharlih verschweigt mir nichts?“

„Nein, es gibt nichts, was ich dir sagen müsste.“ Dass ich ihn gerade belogen hatte, tat mir in der Seele weh, doch zum Glück sah er mir gerade nicht in die Augen. Ich hoffte einfach, dass er es nicht merken würde.

„Winnetou genießt es, dir so nahe zu sein, er hat das so sehr vermisst. Doch Winnetou ist sich nicht sicher, ob Scharlih das auch möchte, es tut gut, seinen warmen Körper zu spüren. Nein, sag nichts, Winnetou geht wieder, er will sich nicht aufdrängen. Scharlih mag meine Störung verzeihen, Winnetou wird nun in seine Räume gehen.“

Aber er konnte nicht, da ich ihn immer noch festhielt, nicht mit Gewalt. Winnetou hätte sich lösen können, doch er tat es nicht, stattdessen drückte er sich noch näher an mich.

„Was fühlt Winnetou, wenn wir uns so nahe sind?“, fragt ich ihn. Das musste ich jetzt wissen, vielleicht konnte ich mich ihm doch öffnen.
Für einen Moment versteifte Winnetou in meinen Armen, doch er entspannte sich sogleich wieder. Ich hörte, wie er tief ein- und ausatmete.

„Winnetou fühlt Wärme in seinem Herzen, wenn er Scharlih so nahe ist. Winnetou wünscht sich mehr davon, doch er weiß, dass es bei den Bleichgesichtern verboten ist, dass sich zwei Männer so nahe sind. Scharlih ist selbst ein Weißer, daher hat er bisher darüber geschwiegen. Das unerwartete Kommen von Scharlih, hat nun aber mein ganzes Sehnen nach ihm hervorgerufen und lässt sich nicht mehr wegsperren. Verzeih mir, wenn ich dir Dinge sage, die ich nicht sagen sollte.“

Nun hob ich sein Gesicht an, so dass er mich ansehen musste und lächelte ihn an. Nein, er sollte keine Zweifel mehr haben, dass er seine Gefühle zeigen durfte. Mit einem „Scharlih!“ warf er sich an meine Brust und schlang seine Arme um meinen Nacken.

„Mein Scharlih, endlich kann ich es dir sagen! Und Scharlih fühlt wie Winnetou, das ist dein Geheimnis, das du mir nicht offenbaren konntest, nicht wahr? Scharlih, mein Scharlih, du gehörst mir ganz allein!“

Den Kuss, den ich nun so sanft auf seine Lippen legte, wurde von ihm so gierig erwidert, dass uns beiden die Luft wegblieb. Aber dieses Strahlen in seinen Augen, das Glitzern von Tränen war genug für den Moment.

„Winnetou hat recht, genau das sind die Gefühle, die ich schon so lange in mir trage. Jetzt kann ich es dir sagen, dass es das war, was ich dir schon seit längerem verschwiegen habe.“

„Das ist aber nicht die Überraschung, die Scharlih für mich hat?“

„Nein, das ist etwas anderes, dennoch denke ich, dass es dir gefallen wird, Winnetou.“

„Scharlih hat immer eine Überraschung parat, wenn er zu uns kommt, warum dann nicht auch dieses Mal wieder. Winnetou wird sich gedulden, bis Scharlih es ihm verrät, was es ist.“

„Das wird dann schon in zwei Tagen sein, mein Herz.“


„Scharlih wollte sich hinlegen, als ich kam, es ist noch früh. Ist er krank?“

„Was, nein, ich bin nicht krank. Mein Rücken tut mir weh, vielleicht vom langen Sitzen.“

„Uff! Lass Winnetou mal sehen, vielleicht kann er dir helfen.“

Nachdem Winnetou mir warmes Öl, in die Haut massiert hatte, war ich eingeschlafen, wobei das warme Gefühl seiner Nähe blieb. Da er sich neben mich gelegt hatte, lag irgendwann sein Arm auf meiner Hüfte. Dass Winnetou sich so an mich kuschelte, gefiel mir, doch irgendwann fehlte mir diese Nähe, was mich schließlich aufweckte.

„Hat Winnetou dich geweckt? Verzeih, das wollte Winnetou nicht. Wie geht es deinem Rücken?“

„Das Fehlen deiner Wärme neben mir war es, was mich geweckt hat. Meinen Rücken spüre ich nicht mehr, was er bei Tage sagt, werden wir dann sehen.“


Winnetou setzte sich zu mir, sah mich eine Weile an, sagte aber nichts, und das brauchte er auch nicht. Denn ich zog ihn in meine Arme und legte dann meine Lippen auf die seinen. Winnetou quittierte das mit einem Seufzen und war wenig später in meinem Arm wieder eingeschlafen. So warf ich das Fell des Bären über uns, und schon kuschelte Winnetou sich an mich, sein Kopf ruhte an meinem Herzen.

Als wir uns dann am nächsten Tag erhoben, war es fast schon Mittag. So lange hatte ich schon seit geraumer Zeit nicht mehr geschlafen. Selbst Winnetou schien überrascht zu sein, dass der Tag schon so weit fortgeschritten war.
Doch uns störte es nicht, nach dem Waschen und Anziehen betraten wir den Wohnraum, wo unser Essen stand. Wir hatten es nicht gehört, dass es uns jemand gebracht hatte, und selbst das Feuer brannte noch, oder wohl eher schon wieder.

Danach begaben wir uns zu den Pferden, um nach Hatatitla zu sehen und den Verband am Huf zu wechseln. Dort angekommen, sahen wir, wie er über die Weide jagte, und es dauerte nicht lange, bis er uns bemerkte und wirklich in vollem Karacho auf uns zugerannt kam, zwei Schritte vor uns blieb er schließlich halten.
Der Verband an seinem Huf fehlte, denn den hatte er abgestreift, weshalb ich tadelnd den Kopf schüttelte. Hatatitla schnaubte nur, er schien jedenfalls wieder ganz in Ordnung zu sein.

Winnetou zog ihn zur Strafe an seiner Mähne und schimpfte mit ihm auf Apachi: „Du weißt schon, wofür der Verband gedacht war? Lass mich deine Wunde sehen, da muss sicher noch einmal ein Verband drum. Wehe dir, du machst ihn wieder ab!“

Hatatitla schüttelte schnaubend seinen Kopf, was Winnetou lächeln ließ, doch nur so, dass es Hatatitla nicht sah. Nicht dass der übermütige Hengst auch das nächste Mal nicht auf den Häuptling hörte, wenn der jetzt nicht streng genug zu ihm war…
„So stur wie sein Herr, wenn er etwas nicht will... Aber gut, die Wunde ist sauber und trocken. Dann lauf, es ist alles wieder gut.“

Winnetou wandte sich ab, doch noch in der Drehung schnappte Hatatitla nach Winnetous Haaren. „Wirst du das wohl lassen!“, schimpfte nun ich mit ihm. „Was soll das, Hatatitla? Du sollst doch brav sein! Wirst du das jetzt lassen! Manchmal hast du wirklich nur Flausen im Kopf, ich war wohl zu lange nicht mehr hier. Warte nur, mein Freund, das wird sich jetzt ändern, habe nämlich vor, für immer zu bleiben. Aber damit wir uns richtig verstehen. Das bleibt noch unter uns.“

Die letzten Worte hatte ich dem Tier ins Ohr geflüstert, das sollte Winnetou erst morgen erfahren, als weiteres und wohl bestes Geburtstagsgeschenk. Dafür musste ich heute noch zwei Briefe schreiben, darum ließ ich den Hengst laufen und begab mich zurück zum Pueblo. Da heute nichts Wichtiges anstand, nutzte ich die Zeit zum Schreiben.
Wie lange ich daran saß, wusste ich nicht, doch irgendwann hörte ich ein leises Räuspern. Als ich nach der Ursache schaute, sah ich Winnetou neben mir stehen.

„Wo findet man dich, wenn man dich sucht? Entweder bei den Pferden oder beim Schreiben. Scharlih sollte das Essen darüber nicht vergessen. Mineota meinte, sie habe dich gefragt, ob u zu speisen wünschst, doch du hättest nicht geantwortet!“

„Ich werde mich morgen bei ihr entschuldigen. Was ist mit dir, hast du schon gegessen?“

„Nein, Winnetou wollte das mit Scharlih zusammen machen. Er hat doch jetzt Zeit, hat er doch den ganzen Nachmittag geschrieben.“

„Dann werde ich nur noch schnell alles wegräumen und die Hände waschen, danach können wir essen.“

Gesagt, getan, und so saßen wir wenig später in seinen Räumen und aßen zusammen. Da entdeckte ich zu meiner Überraschung den ersten Band meiner Winnetou-Bücher in englischer Übersetzung. Er sah noch ganz neu aus, als ob er nur zur Zierde dastehen würde.

„Hat Winnetou ihn schon gelesen?“

„Winnetou hatte noch keine Zeit, außerdem wollte er Scharlih erst fragen, ob es ihm recht ist.“

„Das ist nicht notwendig, Winnetou, ich schreibe die Bücher zum Lesen, in diesem steht unsere Geschichte drin. Du musst mich nicht fragen, ob es mir recht ist.“

„Dann schreibt Scharlih an einem weiteren Buch über uns?“

„Ja, der erste Teil des Buches beschreibt die Geschehnisse nach dem Bürgerkrieg, und die Schlacht in der Mapimi, als du Old Death und mich aus den Comanchen herausgefischt hast, damals in diesem Tal. Der zweite Teil wird von unserem Zusammentreffen mit Old Firehand berichten und vom Geschehen in der Biberburg sowie von Harry und den Erlebnissen in New Venango. Auch heute noch, wenn ich daran denke, läuft es mir eiskalt den Rücken runter, wir wären ohne Hatatitla damals beide verloren gewesen.“

„Winnetou weiß, was du meinst, den Ritt durch das Feuer. Old Firehand war nach deiner Erzählung damals kaum mehr am Platze zu halten. Hätte Scharlih nicht geschlafen, wäre er noch in der Nacht zur Biberburg weitergeritten. Darum hat er auch seine Pläne geändert, er wollte nach seinem Sohn sehen und sich versichern, dass dem Knaben nichts geschehen ist.“

Nach dem Essen war es für einige Zeit still, es war im Gegenteil zu den vergangenen Tagen eine angenehme Stille zwischen uns. Ich konnte mir ein kleines Grinsen nicht verkneifen, wenn ich an morgen dachte. Ich freute mich schon jetzt auf sein Gesicht.

Winnetou sah mir wohl an, dass ich ihm etwas verheimlichte, doch was es war, ahnte er nicht.
Als ich mich schließlich erhob, um in meine Räume zu gehen, sah er mich so flehend an, dass ich nicht anders konnte, als mich wieder zu setzen.

„Was hat Winnetou auf dem Herzen, was beschäftigt ihn?“

„Uff! Dass Scharlih so direkt fragt, damit hat Winnetou nicht gerechnet. Doch es gibt etwas, was Winnetou möchte, er ist sich aber nicht sicher, ob Scharlih das auch möchte? Winnetou denkt dabei an die vergangene Nacht, die wir in Scharlihs Räumen verbrachten.“

Mehr sagte Winnetou nicht, doch ich ahnte, was er wollte, so kam ich ihm entgegen.

„Mir hat deine Nähe letzte Nacht auch gefallen, es war angenehm, neben dir zu liegen. Wenn es das ist, was Winnetou möchte, habe ich nichts dagegen. Nein, ich würde mich freuen, neben dir einzuschlafen und wieder aufzuwachen.“

„Scharlih hat mich verstanden, auch Winnetou würde sich darauf freuen, mit Scharlih einzuschlafen und aufzuwachen.“

„Und wo schlafen wir dann, hier in deinen oder drüben in meinen Räumen?“

„Winnetou würde gerne in seinen Räumen bleiben.“

„Gut, dann muss ich dennoch mal in meine Räume und einige Dinge holen, die ich brauche.“

„Kann Winnetou dir dabei helfen?“

„Nein, Winnetou, dann würdest du mir meine Überraschung verderben.“

Dass er nur nickte, war ein Zeichen, dass er einverstanden war, weshalb ich mich ein weiteres Mal erhob, seine Räume verließ und in meinen einige Kleidungsstücke, die Satteltasche und die Gewehre holte. Sein Geschenk war versteckt, es befand sich nicht mehr in der Satteltasche, deshalb konnte ich sie mit rüber nehmen.

Winnetou sah mich an, als ob er auf etwas warten würde, lange überlegen brauchte ich nicht, ahnte ich doch, was er wollte. Bevor ich noch etwas sagen konnte, lagen meine Lippen auf den seinen, und genüsslich schloss er seine Augen. Sein Seufzen war Antwort genug, sein Lächeln ergänzte das alles noch. Nachdem ich mich gelöst hatte, sagte mir sein Blick eindeutig, dass er mehr davon wollte. Ich zog ihn an mich und sofort schlang er beide Arme um meinen Bauch.

„Scharlih, mehr davon!“ Er bekam, was er wollte, ihm schwindelte leicht, als ich mich aus Luftnot lösen musste. Aber Winnetou lächelte und war ganz offensichtlich zufrieden.

Später als wir dann lagen, ruhte er mit dem Kopf an meiner heute nackten Brust und ich spürte Winnetous zaghaftes Streicheln über meine Brust bis zum Nabel und zurück. Das wurde mit der Zeit langsamer und hörte, als Winnetou eingeschlafen war, ganz auf. Auch er hatte alles an Kleidung abgelegt bis auf den Lendenschurz. Ich spürte seine Erregung, die gegen mein linkes Bein drückte. Langsam fielen auch mir die Augen zu.

Es war ein gehauchter Kuss, der mich weckte, draußen schob sich gerade erst die Sonne über die Ufer des Pecos und Winnetou lächelte, als er meinen Blick auf sich spürte. Es war noch ruhig im Pueblo, aber so nach und nach würden die Bewohner nun erwachen.

„Scharlih träumt noch. Darf Winnetou wissen, wovon er träumt?“

„Wenn du es auch nicht glaubst, aber ich träume schon lange von einer braunhäutigen Schönheit mit schwarzen neugierigen Augen und ebenso langen schwarzen Haaren, die ich schon immer an dieser Schönheit bewundert habe. Kennst du diese Person vielleicht, doch warte, sie liegt ja hier neben mir!“

Wie er mich gerade ansah… Als ob es je einen anderen Menschen als ihn gegeben hätte. Schnell zog ich ihn an mich und verwickelte Winnetou in einen langen Kuss, den wir aus Atemnot schließlich lösen mussten. Doch aufstehen lassen wollte er mich nicht.

„Dann möchtest du dein Geschenk nicht sehen? Gut, dann bleiben wir noch liegen!“, sagte ich lächelnd, zog das Fell wieder hoch und schloss die Augen, so als wolle ich wirklich schlafen, doch Winnetou ließ mich nicht. Sachte schlich sich eine Hand unter das Fell, fuhr damit erst über meinen Rücken, dann über meine Hüfte und schließlich über meine Brust zum Hals. Dieser Blick, der mich zu durchbohren schien, dabei fragte er sich im Stillen bestimmt, von welchem Geschenk ich sprach?

Es kostete mich alles, jetzt nicht zu lachen, weshalb ich dann aufsprang, mich schnell anzog, aus seinen Räumen flüchtete und einen mir verdutzt hinterher schauenden Winnetou zurückließ. Das war knapp, dennoch war jetzt Eile geboten, darum trat ich in meine Räume, griff hinter das Regal an der Wand, wo in einer Nische versteckt Winnetous Geschenk lag, bereits fertig verpackt, und mit dem Briefumschlag obendrauf.
Mit beidem betrat ich wieder Winnetous Räume, wo der Häuptling am Feuer saß und das Frühstück vorbereitete. Ich setzte mich neben ihn und legte sein Geschenk neben mich. Er schaute etwas trübsinnig drein und ich fragte: „Heute ist so ein schöner Tag, was treibt die Wolke auf dein Gemüt?“

„Scharlih hat recht mit der Wolke, denn Winnetou weiß nicht, wofür er ein Geschenk verdient haben sollte.“

„Dann werde ich es dir sagen. Heute ist für mich deshalb der schönste Tag, weil es dich gibt und weil du geboren wurdest. Winnetou, alles Gute zum Geburtstag!“

Damit reichte ich ihm erst den Brief, den er sofort öffnete und zu lesen begann. Was darin stand, war nicht viel, doch für ihn war es alles, teilte ich ihm doch mit, dass es ab dem heutigen Tag keine Reisen mehr für mich geben würde und dass meine Heimat hier bei ihm sei.

„Scharlih macht mir damit eine große Freude. Das war schon lange ein Wunsch von Winnetou!“

„Dann wird dir das hier noch viel mehr Freude bereiten!“, damit legte ich ihm das Päckchen in die Hand.“

„Scharlih, woher wusstest du es? Winnetou wird es immer bei sich tragen. Hab Dank, mein Freund, mein Scharlih. Winnetou liebt dich, er weiß gar nicht, wie er es dir zeigen soll.“

„Alles gut, Winnetou, ich bin jetzt hier und bleibe, wenn du das denn willst, für immer!“

Worte waren nicht mehr nötig, er hing an mir vor lauter Freude. Winnetou war außer sich vor Glück! Das war der schönste Dank, den ich bekommen konnte. Nicht viel später saßen wir mit seinen Freunden am Feuer, wo Winnetou noch mehr beschenkt wurde, hatte ich die Freunde doch vorher natürlich auf seinen 25ten Geburtstag hingewiesen. Damit war ich in meiner neuen Heimat angekommen, und von dort würde mich nichts und niemand mehr wegholen.


Ende
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast