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Ich bin mal wieder dabei mein Herz zu verlier'n

von veronikaf
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Het
Jan "Farin Urlaub" Vetter OC (Own Character)
05.02.2021
23.02.2021
9
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05.02.2021 1.749
 
Ich saß an der Bar und starrte der hübschen Barkeeperin auf den Hintern, als sie sich von mir wegdrehte um einen anderen Gast zu bedienen. Ich seufzte leise und versuchte meinen Blick abzuwenden, der aber einfach immer wieder zu ihrem Hinterteil zurückwanderte, bis ich es schließlich aufgab und einfach ungeniert weiterstarrte.
Ich wusste, dass ich es selbst hassen würde, wenn mir jemand so auf den Körper starren würde, aber in dem Moment war mir das egal.
Meine beste Freundin, die mich hierher geschleppt hatte um den Abschluss unseres 4. Semesters zu feiern, war sonst wohin verschwunden und hatte mich alleine an der Bar stehen gelassen, wo ich meine Bisexualität mal wieder nicht unter Kontrolle bekam und die arme Barkeeperin anschmachtete.
Zu meiner Verteidigung: Das Mädchen war wirklich einfach nur heiß mit ihren blonden, schulterlangen Haaren und ihrer schlanken Figur, die aber trotzdem noch Platz für wohlgeformte Brüste und Hintern ließ, auf den ich traurigerweise immer noch starrte.
„Hey, Cathy!“, rief ich ihr zu mit dem Hintergedanken im Kopf, ich könne mit ihr ein wenig flirten, während ich mir eine neue Cola bestellte, aber die schöne Barkeeperin hörte mich gar nicht.
Ich seufzte wieder und sah in mein Glas bevor ich den letzten Schluck Cola herunterschüttete.
„Ich fürchte sie steht nicht auf Frauen“, hörte ich plötzlich eine Stimme neben mir und ich erschrak so sehr, dass ich mein Glas fast fallen gelassen hätte. Ein blonder, hochgewachsener Mann hatte sich neben mich auf einen Barhocker gesetzt und sah mich gleichzeitig belustigt und eine Spur mitleidig an.
„Was?“, fragte ich bevor ich überhaupt versuchte seine Worte zu verstehen.
„Naja, sie gibt mir nicht wirklich diese Vibes von … naja … Lesben“, erklärte der Mann und grinste mich mit einem unglaublich sympathischen, großen Lächeln an. Ich bewunderte seine geraden, weißen Zähne und mir fiel auf, dass der Typ echt gar nicht so schlecht aussah. Seine kurzen Haare standen ihm wirr vom Kopf ab, aber das passte gut zu seinem schmalen Gesicht. Schmal war auch der Rest seines Körpers, wie ich bemerkte als ich mit meinem Blick immer weiter nach unten wanderte. Der blieb dann aber an seiner hochgekrempelten Hose und seinen schwarzen Vans hängen, die ich in selber Ausführung aber ein paar Nummern kleiner selbst trug.
Als ich meinen Blick wieder nach oben schweifen ließ, sah ich, dass auch die Ärmel seines T-Shirts nach oben gerollt waren, und als ich in zurück in sein Gesicht sah bemerkte ich einen Ohrring an seinem rechten Ohr. Links ist cool, rechts ist schwul. schoss mir durch den Kopf. Gott, woher kannte ich diese dummen Sprüche überhaupt?
Aber trotzdem: Gecuffte Jeans und T-Shirt, Vans, Ohrring und dann hatte er mich darauf angesprochen, dass ich einem Mädchen hinterhergaffte. Ein Zufall zu viel, wenn ihr mich fragt.
„Bist du…?“, flüsterte ich ihm zu und grinste, als er im selben Moment genau dasselbe tat.
„Bi“, sagte ich leise und legte mir eine Hand auf die Brust als würde ich mir vorstellen.
„Ich auch“, sagte der Typ und sein Grinsen hatte immer noch nicht sein Gesicht verlassen. Er war ziemlich hübsch fiel mir auf und ich wollte mich gerade daran machen, die Barkeeperin abzuschreiben und meine Aufmerksamkeit lieber an den süßen Typen zu verschwenden, als Cathy, die ebengenannte Barkeeperin, plötzlich vor mir stand.
„Darf ich dir noch was bringen?“, fragte sie mit tiefer, rauchiger Stimme, die auf jeden Fall einen flirtenden Ton angenommen hatte. Ich merkte wie mir das Blut in den Kopf schoss, als ich mich zu ihr umdrehte und mir schon eine Antwort überlegte, die am besten genau die richtige Menge an Flirt und Humor in sich hatte, aber dann merkte ich mit einem schmerzhaften Stechen in der Magengegend, dass sie gar nicht mit mir gesprochen hatte. Stattdessen lehnte sie sich leicht lasziv über die Bar und lächelte meinen Nachbarn mit einem Blick an, der gerne mir gegolten hätte.
Der süße Typ sah mich entschuldigend an, als auch er merkte, was Cathy gerade versuchte.
„Vielleicht noch ein Wasser. Willst du auch was?“, fragte er an mich gewandt und ich sagte: „Noch eine Cola bitte.“
Ich hatte es aufgegeben mit ihr zu flirten; das führte ja ganz offensichtlich zu nichts.
„Das geht auf mich“, sagte der süße Typ und bedeutete Cathy so indirekt abzuhauen. Die ging tatsächlich ziemlich schmollend davon und ich wandte mich zu dem Typ.
„Das hättest du nicht tun müssen“, sagte ich und lächelte ihn an.
„Was genau meinst du jetzt?“
„Naja, mir ein Getränk zu spendieren. Und Cathy hättest du auch nicht abblitzen lassen müssen, wenn du was von ihr willst. Das kann ich dir nicht übelnehmen.“
Der Typ (ich musste ihn auf jeden Fall endlich fragen, wie er hieß) zuckte nur mit den Schultern und erklärte: „Ich muss das fördern, dass jemand in einem Club keinen Alkohol trinkt. Außerdem ist sie so gar nicht mein Typ.“ Was ziemlich positiv für mich war, weil ich ziemlich das Gegenteil von Cathy war. Das hieß so viel wie klein, kaum Oberweite, dafür aber eine Menge Hintern, dunkelviolett gefärbte Haare und graue Augen. Ich wusste, dass ich nicht die Schönste auf der Welt war, aber ich fand mich auch keineswegs hässlich. Guter Durchschnitt würd ich sagen.
„Du trinkst keinen Alkohol?“, fragte ich und registrierte kaum, dass Cathy unsere Getränke vor uns abstellte. Erst als der Typ Geld aus seiner Hosentasche kramte, um zu bezahlen fiel mir meine Cola auf und ich nahm durstig einen Schluck.
„Nope“, sagte der Typ und ich ließ lieber die Information aus, dass ich den ganzen Abend nur Cola trank, weil ich am nächsten Tag arbeiten musste.
Ich wollte ihn jetzt endlich fragen, wie er hieß und er selbst öffnete auch den Mund um etwas zu sagen, aber wir kamen beide nicht zur Sprache, weil plötzlich ein großer, schlaksiger Typ vor uns auftauchte und laut „Du bist fahr in Urlaub“ schrie.
Was wollte der? Ich sah ihn verwirrt an, aber der süße Typ mir gegenüber sah plötzlich ein wenig rot und aufgebracht aus.
„Bin ich“, bestätigte er. Und der andere erzählte ganz aufgeregt, was für eine Ehre es sei und redete davon, was für ein großer Fan er war. Er hieß Flake oder so und spielte in einer Band namens Feeling B. Die kannte ich sogar und ich wollte gerade fragen, ob er mich nicht ein Autogramm geben könnte, als er plötzlich von dem süßen Typen ein Autogramm wollte.
Wer hatte mich da nur angesprochen?
Als er nach gefühlten Stunden endlich wieder verschwand sah mich der süße Typ entschuldigend an.
„Fahr in Urlaub?“, fragte ich verwirrt und der Typ grinste mich an. „Farin … Urlaub. Aber nenn mich Jan“, erklärte er und ich nickte langsam.
„Wer zum Teufel bist du, wenn ein Typ von Feeling B zu dir gerannt kommt?“, fragte ich und zog meine Augenbrauen nach oben.
„Du kennst die?“, fragte Jan erstaunt und ich zuckte mit den Schultern.
„Hab ich mal live gesehen, als ich bei meiner Cousine war. Sind in der DDR relativ bekannt. Wie kommt der überhaupt hier rüber?“ Wir waren immerhin in Westberlin und vom Osten aus über die Grenze zu kommen war nicht gerade einfach.
Ich erinnerte mich, dass ich bei dem Konzert mit meiner Cousine den Gitarristen ziemlich angeschmachtet hatte und wurde bei dem Gedanken ein wenig rot, weil ich das Gefühl hatte, dass Jan genau wusste, woran ich dachte. Der aber zuckte nur die Schultern.
„Wie heißt du überhaupt?“, fragte er neugierig und rückte ein wenig näher zu mir. Ich spürte, wie mir erneut die Rote ins Gesicht schoss, aber dieses Mal war nicht Cathy daran schuld.
„Sylvia, kannst mich aber Sylvie nennen“, antwortete ich ihm.
„Sylvie“, wiederholte er als wolle der den Namen austesten und ich nickte. „Jep. Also woher kennt dich der Typ?“
„Oh, ich spiel in ner Band Gitarre. Die Ärzte, kennst du vielleicht“, sagte Jan und kratzte sich im Nacken.
„Nö“, sagte ich leise und verzog peinlich berührt mein Gesicht. Jan fing an zu grinsen.
„Hah, alles gut. Der Typ da drüben ist unser Schlagzeuger.“ Er deutete auf einen Typen mit schwarzen, etwas längeren Haaren, der eine Gruppe Mädchen um sich gescharrt hatte. „Also mein Schlagzeuger; wir sind nur noch zu zweit.“
Und dann erzählte er mir, warum er eigentlich hier war, nämlich hatte ihr Bassist mit ihnen gestritten und war aus der Band ausgestiegen und Dirk, der Schlagzeuger, wollte sich den Frust wegsaufen gehen. Also war Jan mitgekommen, obwohl so ein Clubleben nicht wirklich sein Ding war. Und ich erzählte ihm wie mich meine beste Freundin hat sitzen lassen und er hörte mir zu und schien ernsthaft interessiert zu sein, was ich ja einfach nur liebte.
Er versuchte dann mich doch noch mit Cathy zu verkuppeln, die sich aber weiter an ihn ranmachte, und damit sie nicht meinte, er wolle etwas von ihr, flirtete er dann mit mir und ich vergas wie auf Knopfdruck, dass ja eigentlich Cathy mein Opfer war und flirtete zurück.
Jan schien anfangs ein wenig erstaunt, aber machte dann einfach mit, bis wir irgendwann in unserer kleinen Welt aus geflüsterten Worten und vorsichtigen Berührungen waren. Gut, dass die Musik hier nur leise gespielt wurde, sonst würde das wirklich die Stimmung verderben.
Dann stand aber plötzlich Anna, meine beste Freundin, die mich vorher hat sitzenlassen, vor uns.
„Ich will heim“, sagte sie schmollend und beachtete Jan gar nicht. „Tom hat mich abgeschrieben.“
„Kannst du nicht allein heim? Ich würd gern noch bleiben“, sagte ich. Wenn sie mich vorher hängengelassen hatte, dann konnte ich das ja jetzt bei ihr auch.
„Nein, kann ich nicht. Und du musst morgen arbeiten und es ist schon zwei Uhr morgens“, sagte sie und zog an meiner Hand, sodass ich aufstand. Jan sah sich erschrocken auf die Uhr.
„Ich muss auch langsam Dirk suchen gehen“, sagte er und ich seufzte und ließ mich von Anna auf die Füße ziehen. Jan stand auch auf und erst jetzt wurde mir seine Größe bewusst. Bestimmt 1,90 m oder so. Da musste ich mit meinen 1,60 ziemlich zu ihm aufsehen.
Er grinste zu mir herunter und ich lächelte zurück und bemerkte gar nicht, dass Anna weiter an meiner Hand zog.
„Seh ich dich hier nächste Woche wieder?“, fragte ich und biss mir verlegen auf die Unterlippe.
„Aber hallo“, sagte Jan und nickte.
Bevor ich mich schlussendlich von Anna aus dem Club ziehen ließ, stellte ich mich auf die Zehenspitzen, zog Jan an seinem Nacken zu mir herunter und küsste ihn kurz auf die Lippen.
Er zwinkerte mir nach und ich spürte wie mir die Hitze mal wieder in den Kopf stieg, aber das war es mir wert.
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