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Ein ganz alltäglicher Mord in Frankfurt

GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P16 / Het
Kriminalhauptkommissar Fritz Dellwo Kriminalhauptkommissarin Charlotte Sänger
04.02.2021
01.04.2021
2
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04.02.2021 3.056
 
Aufgrund der Rarität der Frankfurt FFs mit Fritz und Charlotte wollte ich jetzt einfach mal meinen Beitrag leisten, da ich die beiden sehr mochte und es schade finde, dass sie nicht mehr dabei sind. Die beiden haben meiner Meinung nach allerhöchstes Ship-Potenzial, und mir schwirren schon viel zu lange sehr viele Bunnys im Kopf rum, und das Beste hab ich jetzt mal spontan aufgeschrieben. Bitte seid nicht zu streng mit mir; das ist meine erste Fanfiction, die ich tatsächlich veröffentliche.
Da ich noch zur Schule gehe, werde ich nicht regelmäßig neue Kapitel uploaden, aber ich werde wohl etwa alle 3-4 Wochen eines fertig haben.
Härtere Romantik als Geknutsche und Kuscheln erwartet euch in keinem der Kapitel, also keine Panik;)
Es besteht Episodenbezug zu der Folge „Wo ist Max Gravert?“, aber ich denke, man kann die Geschichte auch ohne Kenntnis des Tatorts gut verfolgen (ich hab mir größte Mühe gegeben;)
Um dem Copyright noch die Ehre zu geben, muss ich erwähnen, dass weder die Figuren, noch die größten Teile der Handlung (der Kriminalfall) mir gehören, allein die Nebenhandlung (der Ship von Fritz und Charlotte) ist meiner Phantasie entsprungen. Um Verwirrung vorzubeugen, werde ich Zitate aus der Folge mit einem * kennzeichnen; die Idee stammt übrigens nicht von mir, sondern von meiner/-m sehr geschätzten Kollegin/-en Arkia, bei der/dem ich mir das abgeschaut habe, weil ich es durchaus praktisch finde. Ich hoffe also, das wird nicht falsch aufgegriffen ;)
Da ich auch nur ein Mensch bin und Fehler mache, könnt ihr mir sehr gerne ein Review dalassen, das würde mich riesig freuen;)
So, und da nun hoffentlich alles geklärt ist, gehts endlich los!




Der erste Morgen im trauten Heim

Von der Sonne geblinzelt, die durch sein neues Schlafzimmerfenster scheint, wacht Fritz Dellwo an diesem Morgen gut gelaunt auf. Unter anderem gut gelaunt, da die improvisatorische Matratze, die ihm bis zur Ankunft seines neuen Betts als Schlafstätte dienen wird, ihm diese Nacht kein bisschen Rückenschmerzen beschert hat, wie er es eigentlich erwartet hätte. Achtlos auf dem Boden neben ihm seine Klamotten, und die von noch jemandem; von wem, das kann er im Moment selbst noch nicht sagen. Um darüber nachzudenken ist es in Fritz’ Augen noch viel zu früh; die altbekannte hessische Gemütlichkeit eben.
Dies ist also der erste von vielen Morgen, die er hier so aufwachen wird. Allein oder mit noch jemandem. Selig lächelnd streckt er seine Finger der Sonne entgegen, die ihm warm auf sein Gesicht scheint und ihn angestrengt, aber nicht genervt, blinzeln lässt.
Neben ihm auf noch einer Matratze regt sich jemand wohlig seufzend. Das wird dann wohl Christiane sein, die mit ihm die erste Nacht in seinem neuen Haus verbracht hat. Wieder muss er schmunzeln. Was sie beide eigentlich für eine Beziehung führen, ist ihm selbst ein Rätsel. Doch es gefällt ihm, das ist sicher, und solange ist ihm alles Schnuppe. Fritz nimmt seine Hand wieder runter, gähnt leise und dreht sich auf die linke Seite, um noch ein bisschen weiter zu träumen. Nach einer Weile legt sich eine ziemlich kalte Hand um seinen Bauch und ein Körper schmiegt sich eng an seinen.
Fritz stutzt. Eigentlich macht Christiane das nie, und kalte Hände hat sie normalerweise auch nicht... Mit gerunzelter Stirn denkt er nach und ein paar Sekunden später dämmert ihm etwas, das ihn von Kopf bis Fuß erschaudern lässt: Könnte das ... Bestände die geringste Möglichkeit, dass... Nein, niemals! Oder doch?
Ahnend und sehr langsam dreht der Kommissar sich um ... Und erstarrt. Neben ihm, bei lebendigem Leibe, liegt seine Kollegin Charlotte Sänger. Fassungslos und mit leicht geöffnetem Mund starrt er sie an. Wie um alles in der Welt...? Könnten sie tatsächlich...? Als ungefähr eine Viertelminute verstrichen ist, blickt Fritz verstohlen nacheinander unter seine und dann Charlottes Decke, die es nicht gut meinen mit seiner Hoffnung, sie hätte nur bei ihm übernachtet: Sie sind beide splitterfasernackt und das ist nicht gut, gar nicht gut. Gerade als Fritz überlegt, ob er Charlotte wecken soll oder so verweilen soll, da ihn der Schock noch nicht wieder verlassen hat, schlägt diese ihre Augen auf. Fritz erschrickt erneut, und ihre Reaktion ist ganz ähnlich wie seine: sie erstarrt wie zu Stein und starrt ihn ungläubig an. Eine Weile gucken sie sich so an, keiner von ihnen sagt ein Wort. Dann regt Charlotte sich: Sie runzelt die Stirn, wie aus fassungslosem Unglauben, öffnet den Mund und holt tief Luft, als wolle sie etwas sagen, schließt den Mund aber wieder und rückt peinlich berührt ein Stück von ihm weg. Ihrem Kollegen ist dabei nicht entgangen, dass sie ihre Decke eng um ihren Oberkörper geschlungen hat.
„Fritz“, ist das Einzige, das ihr leise über die Lippen kommt.
„Ehm“, stammelt der Angesprochene nach einer Weile, in der er sich, ebenfalls peinlich berührt und in seine Decke einwickelnd, räuspert, „Wenn heute Nacht was passiert ist, was du nicht ... also falls du nicht drüber reden willst ... ich meine es ... tut mir auch echt leid ... ‘ch wollte das nich ...“
Doch seine Kollegin scheint über nichts verärgert zu sein, eher gleichgültig, denn sie meint dazu nur: „Du kannst dich also auch an nichts erinnern?“ Ihr Ton klingt dabei, als würden sie über einen Fall reden, als wäre das reine Routine, nichts weiter. Für Fritz ist es viel mehr. Schon seit viel zu langer Zeit unterdrückt er manchmal mehr, manchmal weniger gekonnt seine wahren Gefühle gegenüber Charlotte, denn der bloße Gedanke daran, es ihr offensichtlich zu zeigen oder gar zu sagen, lässt eine kleine spöttische Stimme in seinem Kopf höhnisch auflachen.
‚Du? Und sie? Merkst du eigentlich noch irgendwas? Du, der Mit-Dem-Kopf-Durch-Die-Wand-Typ und sie, die scheue uns stille Denkerin? Unterschied merkst‘e selbst, ne?‘
Und trotzdem hatte ihn das nicht davon abgehalten, sich in Nächten mit Christiane statt ihrer Charlotte in seinen Armen vorzustellen. Und beschlossen, dass er der glücklichste Mensch der Welt wäre, wenn eines Tages Charlotte tatsächlich in seinem Arm liegen würde. Doch die Tatsache, dass Charlotte nie im Leben etwas von ihm wollen würde, hämmerte sich immer gerade dann härter denn je in seinem Verstand vor, wenn er mit einem glücklichen Lächeln um halb zwei Uhr nachts schlaflos in seinem Bett lag und sich zumindest eine geringe Chance bei ihr ausrechnete. Ja, diese Frau hatte ihm alles genommen: Jeden Schlaf, den er vorher mal gehabt hatte, alle vernünftigen Gedanken wenn sie in der Nähe war, all seine Prinzipien. Sie hatte ihn eine Menge gekostet, aber nicht etwa an Geld oder Zeit, sondern an Verstand und Kontrolle, die er sonst so dringend brauchte, um jede Art von Beziehung einzugehen. Mit Charlotte war alles anders; vieles so leicht und unkompliziert, und dann alles wieder schwierig und undurchsichtig, was, seiner Meinung nach, nur an ihr lag.
Aus diesem Grund hatte Fritz vor einiger Zeit beschlossen, sogar eher so zu tun, als würde er sie nicht gerade mögen und mit ihrer Arbeit ziemlich unzufrieden zu sein. Das brachte ihm wieder das Gefühl zurück, die Kontrolle über sich und seine Gefühle zu haben, was, wenn er komplett ehrlich zu sich selbst war, so gut wie gar nicht der Fall war. Dass ihm diese Strategie auch noch die ganze Zeit nur Ärger mit Charlotte einbrachte, verbesserte seine Laune nicht gerade.
„Nich‘ wirklich“, antwortet Fritz schließlich, wie fast immer wenn er müde ist, murmelnd, „nur an  ‘ne Menge Alkohol und ...“, er fasst sich an die Stirn, „höllische Kopfschmerzen.“
Seine Aussage entlockt Charlotte ein kurzes, kleines Lächeln, was ihr Kollege aber nicht mitbekommt, da er sich mit vor Schmerz zusammengekniffenen Augen übers Gesicht reibt. Fritz hat wirklich einen schlimmen Kater, was Charlotte wohl nie wieder passieren wird. Das einzige Mal, da sie sich wirklich betrunken hatte, war an dem Tag gewesen, da sie ihren 18. Geburtstag gefeiert hatte. Sie hatte sich zum ersten und letzten Mal in ihrem Leben hemmungslos volllaufen lassen und hatte einen schlimmen Filmriss erlebt. Dass kn dieser Nacht etwas sehr dummes passiert war, hatte sie erst durch ihre damalige beste Freundin erfahren, und was das gewesen war, hatte sie bis heute niemandem erzählt. Seitdem war sie gegenüber jedem Mann, dem sie begegnete, skeptisch gewesen. Dass sie diesen Vorsatz bei Fritz einfach über Bord geschmissen hatte, konnte sie sich selbst nicht erklären.
Charlotte hatte seit je her nie wieder wirklich Alkohol getrunken; einerseits hasste sie es, die Kontrolle über sich und Situationen zu verlieren und wollte so etwas wie an ihrem Geburtstag nie wieder erleben, andererseits fand sie den Geschmack einfach jedes alkoholischen Getränks schlicht weg ekelhaft.
Während Fritz also erst noch richtig wach werden muss, räuspert Charlotte sich vernehmlich.
„Könntest du dann ... ehem ... dann vielleicht kurz weg gucken damit ich ... also, ins Bad kann?“
Leicht überrascht schaut der Kommissar auf, fährt sich kurz durch die verwüsteten Haare und antwortet in gewohnt murmelndem Ton: „Ja, na klar. Von hier Erste rechts.“
Die Decke eng um ihren Körper geschlungen, steht Charlotte zögerlich auf und sammelt ihre Klamotten vom Boden auf, wobei Fritz sie gegen sein Versprechen nicht aus den Augen lässt. Kurz bevor sie den Raum verlassen will, fragt sie noch in leicht scheuem Ton:
„Darf ich auch deine Dusche benutzen?“
Fritz schaut sie halb verständnislos, halb belustigt an. „Charlotte. Das war jetzt wohl ne rhetorische Frage, oder?“ Er lächelt sie zustimmend an, worauf sie nur kurz ein aufgesetztes Schmunzeln über ihr Gesicht zucken lässt. Erst nachdem sie die Tür hinter sich geschlossen hat, lässt Fritz sich wieder zurück in sein Kissen fallen. Was gestern noch sein Wunschtraum gewesen war, war heute eher sein schlimmster Albtraum. Obwohl sie ja nicht mal genau wussten, ob sie miteinander geschlafen hatten; die Chancen, dass es nicht so war, standen leider ziemlich schlecht. Einerseits fühlt Fritz sich super gut, weil er mit Charlotte zusammen aufgewacht war und sie sogar kurz ihre Hand um seinen Bauch gelegt hatte, andererseits plagen ihn auch Schuldgefühle. Sein Verhältnis zu ihrer Rechtsmedizinerin ist ja eine Sache, aber mit der arbeitet er auch nicht besonders eng zusammen. Im Gegensatz zu Charlotte: Wenn sie das nicht schnell vergessen, würde das ihre Zusammenarbeit nachhaltig beschädigen.
Als Fritz sich noch bemüht, sich an den gestrigen Abend zu erinnern, hört er im Nebenraum Wasser rauschen. Mit einem Seufzen steht er langsam auf und sucht auch seine Klamotten zusammen, wirft sie aber in den Wäschekorb links von der Tür seines Schlafzimmers. Nachdem Charlotte fertig ist, muss er nämlich auch mal wieder duschen und sich neue Klamotten anziehen. Zum Glück hängt sein Bademantel noch über einem Stuhl mitten im Zimmer, so dass er sich, bis seine Kollegin fertig geduscht hat, darin einwickeln kann.
Erneut seufzt Fritz, fährt seine Finger durch seine Haare und setzt sich auf den Stuhl. Gerade hört das Geräusch von prasselndem Wasser nebenan auf und eine Stimme dringt stumpf durch die Wand.
„Fritz?“
„Hm?“
Hast du irgendwo...“, Charlottes bricht kurz ab, fasst sich dann aber wieder,
„Hast du irgendwo ein anderes Handtuch?“
Das wird schonmal schwierig, denkt Fritz sich, ruft aber zurück: „Ich guck mal, wo ich eins hab.“
Ein leise gemurmeltes Danke dringt noch an Fritz‘ Ohr, als er an der Badezimmertür vorbei in seinen Kisten sucht.

Als eine halbe Stunde später auch Fritz gähnend und immer noch mit Kopfschmerzen die Treppe runter in seine Küche kommt, ist Charlotte bereits drinnen und steht etwas unbeholfen mitten im Raum. Als ihr Kollege sie so sieht, huscht seine Hand durch seine Haare und er murmelt: „Du hättest dich ruhig hinsetzen können oder dir n Kaffee machen, musst nicht so schüchtern sein.“
Charlotte nickt stumm und erwidert dann in üblich leisem Ton: „Ich hatte keine Ahnung, wie man deine Maschine bedient, also hab ich es lieber gelassen.“
„Hm“, macht Fritz nur, die Hände in den Hosentaschen und auch nicht wissend, wohin mit sich. Kurz fängt er Charlottes Blick auf, doch sie schauen beide schnell wieder weg. Erneut fährt er sich durch die Haare, verwirrt und irgendwie glücklich zugleich. „Tja, dann mach ich mal welchen, ne.“ Fritz fängt also an, etwas unbeholfen Kaffee zu machen, während Charlotte sich vorsichtig auf einen ausgesessenen Stuhl am Küchentisch setzt. Sie schaut sich um. Im kompletten Wohn- und Essbereich ihres Kollegen sieht es aus als hätte eine Bombe eingeschlagen, doch da Charlotte weiß, dass Fritz erst kürzlich eingezogen ist, kann sie das nachvollziehen. Auf dem Küchentisch steht ein benutzter Teller, in dem gestern Abend allen Anscheins nach Nudeln mit Tomatensoße dringewesen waren, mit einer Bierflasche. Während Fritz zwei große Tassen aus dem Schrank holt und sie nochmal verstohlen mit einem Küchentisch bearbeitet, räuspert Charlotte sich.
„Kann ich dir … irgendwie helfen? -Ich fühl mich so unhöflich, wenn ich nichts mache“, fügt sie noch beinah bittend hinzu, als Fritz schon abwehrend die Hände hebt und zum Sprechen ansetzt. Der Kommissar überlegt kurz, dann antwortet er: „Du könntest gucken, ob Post da ist. Schlüssel hängen am Brett im Flur, überm Telefon.“
Charlotte nickt kurz, froh, eine Aufgabe zu haben, und ist dann auch schon im Hausflur verschwunden. Fritz seufzt schon zum wievielten? Mal an diesem Morgen und holt Milch aus dem Kühlschrank und Zucker aus einem Holzschrank in der Ecke. Dieses Rumgerede brachte doch auch nichts, irgendwann würden sie über den Vorfall reden müssen, damit abschließen, damit sie so weiterarbeiten konnten wie zuvor.
Als Charlotte mit der Nachricht, dass keine Post angekommen war, zurück ist, und auch der Kaffee fertig gebrüht ist, setzen sich Fritz wie Charlotte an den etwas ausgemergelten Tisch.
„Möchtest du was essen? Ich hab Müsli da, und Brot“, murmelt Fritz in seine Tasse, wobei ihm plötzlich schlecht wird. Er hat ein bisschen Angst, dass das Alles eskalieren würde.
„Nein, danke“, kommt die Antwort gegenüber von ihm, „Aber wenn du Hunger hast, iss ruhig, ich hab nichts dagegen.“
Fritz schüttelt den Kopf, wobei sein Blick kurz in ihre Richtung wandert. Ein bisschen bessert sich die Übelkeit, die er gerade noch verspürt hat. Er nimmt noch einen Schluck des erquickenden Gebräus und fühlt sich plötzlich entschlossen, das Ganze hier und jetzt zu klären. Charlotte weiß, dass er ein sehr direkter Typ ist und kennt ihn schon etwas länger, also sollte es sie nicht allzu sehr erschrecken. Fritz stellt seinen Humpen auf dem Tisch ab, holt tief Luft und sagt dann:
„Charlotte, was immer heute Nacht passiert sein sollte, es tut mir leid, echt. Ich ... war ja anscheinend ziemlich betrunken, und ich hoffe, du hasst mich jetzt nicht. Es ist nur so...“
„Ich könnte dich nie hassen, Fritz“, unterbricht Charlotte ihn mit einer ungewohnten Weiche in der Stimme.
Verwundert schaut Fritz auf; während er seine kleine Rede gehalten hatte, hatte er hauptsächlich auf den Tisch gestarrt. Als er den Blick seiner Kollegin auffängt, wird sein Hals urplötzlich trocken wie Stein und ein dicker Kloß bildet sich in Richtung seines Kehlkopfs; ihr Blick ist so zärtlich und voller Liebe, dass er nicht genau weiß, wohin mit seinen teilweise widersprüchlichen Gefühlen. Wer hätte gedacht, dass er sich nochmal so halb pubertär und krass verlieben würde?
Nachdem er sich errötet geräuspert hat, meint Fritz: „ Das ist, eherm, nett von dir Charlotte, ich hab da halt nur auch andere Erfahrungen gemacht, deswegen ... Ich hoffe jedenfalls, das steht jetzt nicht zwischen uns oder unserer Arbeit.“
Mit zum Tisch gesenktem Blick schüttelt Charlotte den Kopf. „Nein, natürlich nicht.“
Schweigend trinken sie weiter ihren Kaffee und hören den Vögeln beim zwitschern zu. Die Sonne scheint schön warm durch das große Wohnzimmerfenster und flutet den Raum mit angenehmem Licht.
Gerade als Fritz‘ Tasse fast leer ist, klingelt sein Handy in die friedliche Stille hinein. Beinah schon etwas genervt zieht er es aus seiner Jeanstasche, doch als er sieht, wer da anruft, scheint der genervte Ausdruck auf seinem Gesicht zu schwinden.
„Kruschke, was gibt’s?“, sagt Fritz und stellt auf Freisprechen, damit Charlotte alles mitbekommt. Er liebt seinen Job einfach über alles und fiebert jedem Fall entgegen, den er kriegen kann.
„Wir haben ne Leiche; männlich, circa 30 Jahre alt, Schusswunde“, dröhnt Kruschkes Stimme aus dem Lautsprecher, „Auf m Platz vor der Jakobskirche.“
„Hm“, macht Fritz und stellt wieder auf leise, „Wir sind gleich da.“
„Wir?“, fragt sein junger Kollege irritiert.
Fritz Herz rutscht in die Hose, und auch Charlotte blickt alarmiert auf.
„Hrm, also ich ruf Charlotte an, meine ich, und hol sie ab“, zieht Fritz sich geschickt aus der Affäre, „Wartet da.“
Nachdem sie sich auf hessische Art knapp verabschiedet haben, legt Fritz auf und atmet mit dem Kopf in den Händen erleichtert durch.
„Grad nochmal gut gegangen, was?“, meint Charlotte etwas zaghaft.
„Das kannste laut sagen“, murmelt Fritz und nimmt den letzten Schluck aus seiner Tasse. „Fertig?“
Charlotte nickt, steht auf und will ihre Tasse greifen, aber Fritz legt seine Hand auf ihren Arm und murmelt: „Alles gut, ich mach das schon.“
Charlotte lächelt und bedankt sich leise. Ein Schauer läuft ihr über den ganzen Körper von dem Punkt, an dem Fritz Haut ihre berührt hat. Sie beobachtet ihn, während er zur Spüle geht, die Tassen darauf platziert und Zucker und Milch zurück an ihren Platz stellt.
Dann kommt er zurück und räuspert sich leicht. „Ehm, ich hab jetzt keine zweite Zahnbürste, also falls du dir keine mit mir teilen willst, musst du wohl mit Kaugummi Vorlieb nehmen.“
„Klar, das passt“, meint seine Kollegin abwehrend und schaut sich die Wände an, als wären sie grün-blau gestrichen.
Fritz hakt ein wenig verwirrt nach:
„Eh, was passt, also Kaugummi oder ...“
„Der Kaugummi“, antwortet Charlotte knapp und tut so, als hätte sie nicht bemerkt, dass Fritz insgeheim auf Zweites gehofft hat.
Fritz murmelt irgendwas von wegen natürlich, geht in den Flur, holt seine Autoschlüssel, kramt kurz in seinem Audi herum und kommt mit einem Behälter Minzkaugummis zurück. Dankend nimmt Charlotte sie an und steckt sich nach Nachfrage auch zwei in den Mund.
„Ja, ehrm, ich geh dann mal ins Bad.“
Charlotte nickt nur. Fritz verschwindet im Flur, doch bevor er die erste Treppenstufe nimmt, hält er nochmal inne. Er lauscht angestrengt. Und tatsächlich, er hört Charlotte seufzen und mit einem „Oh Gott“ hinsetzen. Fritz spürt, wie sich etwas in seiner Magengegend schmerzhaft zusammenzieht. Seine Kollegin findet die Situation also furchtbar; warum war ihm das nicht gleich klar gewesen? Wie hatte er sich auch nur eine Chance, wenn auch nur eine minimale, ausrechnen können, dass sie das alles nicht als Katastrophe empfand, sondern eigentlich ganz angenehm? Er spürte, wie sich Enttäuschung in ihm breit machte und Traurigkeit seinen Enthusiasmus hemmte.
‚Mann, als wenn wenn dich das jetzt aus der Fassung bringt!‘, ermahnt Fritz sich und zwei Stufen auf einmal nehmend hastet er nach oben in sein Bad, froh, endlich allein zu sein.
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