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Ein guter Kunde

von Calandraa
KurzgeschichteHumor, Romance / P16 / Gen
Anthony J. Crowley Erziraphael
03.02.2021
03.02.2021
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"Oh je, da ist er wieder“, seufzte Aziraphale.

"Wer?" Crowley folgte Aziraphales Blick und sah aus dem Fenster.

"Der Herr auf der anderen Straßenseite“, Aziraphale zeigte auf einen großen, dunkelhaarigen Mann, der gerade eine Zeitung kaufte. „Christopher Millberg. Obwohl er darauf besteht, dass ich ihn 'Chris' nenne."

"Tut er das?" lachte Crowley. "Ein Kunde?"

"Sogar ein guter. Er interessiert sich nicht für mein Inventar, möchte nur, dass ich bestimmte Bücher für ihn finde und feilscht nicht, akzeptiert einfach meinen Preis. Alter Geldadel, weißt du?"

"Aha", sagte Crowley verwirrt. "Was ist dann das Problem?"

"In letzter Zeit benimmt er sich sehr seltsam."

"Wie das?"

"Nun, er kommt nicht aus geschäftlichen Gründen vorbei, sondern nur zum Plaudern, und dann schwatzt er ewig lange", stöhnte Aziraphale.

"Oh?"

"Ja! Und er will nicht einmal über Bücher sprechen. Er fragt mich, wo ich mein Aftershave kaufe, da er es ‘verlockend’ findet. Ich habe ihm jetzt schon zweimal gesagt, woher ich es bekomme. Genau wie ich ihm gesagt habe, wer meine ‘extrem gut sitzenden’ Hosen schneidert. Aber er erwähnt es immer wieder."

"Ähm, Engel ..."

"Und er muss sein Sehvermögen testen lassen", sagte Aziraphale. "Er streicht ständig über meine Schulter oder Brust, weil er glaubt, dass dort Flusen oder Staub sind. Auf meiner Kleidung! Lächerlich. Oder er findet eine lose Wimper, die er wegwischen muss – in meinem Gesicht! Ich bin ein Engel, meine Wimpern fallen nicht aus!"

Crowley seufzte verzweifelt. Aber Aziraphale bemerkte es nicht. Er war in seine Tirade über Chris vertieft.

"Wenn er dann endlich genug von diesem Unsinn bekommt, lamentiert er darüber, wie viel meiner Zeit er jetzt doch verschwendet hat", fuhr Aziraphale fort. "Ich würde diese Selbsterkenntnis natürlich zu schätzen wissen, aber sie hält nicht lange an. Weil er das wieder gutmachen will, indem er mich zum Abendessen einlädt. Als würde er so nicht noch mehr meiner Zeit verschwenden."

Jetzt konnte Crowley nicht mehr anders. Er grinste breit und fing an zu lachen. Aziraphale fand das natürlich sehr unpassend. Vorwurfsvoll sah er Crowley an und schmollte.

"Also wirklich, Crowley", sagte er. "Ich weiß, dass du als Dämon im Elend schwelgst, aber wir sind Freunde und diese Situation macht stresst mich sehr."

Crowley hob beschwichtigend seine Hände.

"Okay, okay, sorry", gluckste er. "Ich muss fragen: Willst du mit diesem Kerl zu Abend essen?"

"Crowley, ich habe die letzten fünf Minuten damit verbracht, dir zu erzählen, wie irritierend er ist."

"Ich werte das mal als ein ‘Nein‘.“ Crowley nahm seine dunkle Brille ab, fokussierte sich auf Aziraphales Augen und ein geheimnisvoller Ausdruck breitet sich auf seinem Gesicht aus. "Ich kann dir helfen."

"Ja wirklich?" Aziraphale strahlte und sah ihn mit großen Augen an. "Würdest du?"

"Natürlich, aber ...", Crowley machte eine dramatische Pause, "... es könnte dich diesen 'guten Kunden' kosten."

"Du wirst ihn nicht verletzen, oder?" fragte Aziraphale.

"Nein, ich werde ihm nichts tun", versprach Crowley.

Aziraphale dachte eine Sekunde darüber nach. Aber dann schaute er aus dem Fenster und sah, wie Christopher die Straße überquerte und auf die Buchhandlung zusteuerte. Wieder hatte er diesen Ausdruck, der nicht nach Geschäft, sondern nach Geselligkeit aussah. Aziraphale schauderte.

"In diesem Fall hilf‘ mir bitte", bat Aziraphale.

Ein diebisches Grinsen breitete sich auf Crowleys Gesicht aus.

"Wie du willst", sagte er.

Als die Glocke über der Ladentür läutete, packte Crowley Aziraphale bei den Schultern und zog ihn an sich. Er neigte seinen Kopf und sein Mund fand den des Engels. Er küsste Aziraphale sinnlich in einem langsamen, zarten Rhythmus, aber seine Versuche, Aziraphales Lippen zu öffnen, war unverkennbar.

Als Aziraphale der wortlosen Bitte nachkam, begleitet von einem genüsslichen kleinen Seufzen, ergriff Crowley seine Chance, das unbekannte Territorium mit der Zunge zu erkunden. Gleichzeitig wanderten seine Hände von Aziraphales Schultern und legten sich besitzergreifend auf die anziehenden Hüften des Engels. Crowley nutzte seinen Griff, um ihre Körper noch näher zusammenzubringen und Aziraphale wimmerte hilflos. Er lag schmiegsam in den Armen des Dämons und ließ ihn den Kuss dominieren. Mit langen, langsamen Zungenschlägen neckte und erforschte Crowley. Aziraphale reagiert nur schüchtern, aber das trug nur zu Crowleys Erregung bei. Er knurrte und drückte Aziraphale gegen ein Bücherregal. Seine rechte Hand rutschte unter Aziraphales Weste und er sehnte sich danach, das störende Stück Stoff einfach wegzureißen.

Die Glocke läutete erneut, als die Ladentür zufiel. Aziraphale und Crowley wurden aus ihrem Rausch gerissen. Beide blinzelten etwas verwirrt und wandten ihren Blick in Richtung Ausgang. Sie sahen Christopher Millberg - mit puterrotem Gesicht - am Fenster entlang und außer Sichtweite eilen.

Crowley grinste den verlegenen Engel vor sich an.

"Da geht er hin", sagte er selbstgefällig.

"Da geht er hin", wiederholte Aziraphale.

Er rang mit den Händen und biss sich nervös auf die wundgeküssten Lippen.

"Weißt du", sprach er nach einem Moment und errötete noch mehr. "Wenn ich so darüber nachdenke ... ich habe viele anstrengende Kunden..."

Feixend Crowley überwand den Abstand zwischen ihnen wieder. Mit einem Fingerschnipsen schloss sich die Ladentür und das Schild verkündete "geschlossen“.

"Mach dir keine Sorgen, Engel", schnurrte Crowley. "Ich werde mich um sie alle kümmern, aber zuerst ...", er drängte Aziraphale gegen das Bücherregal, "…möchte ich meine Belohnung für diesen beanspruchen."

"Dein gutes Recht", flüsterte Aziraphale, bevor Crowley seine Lippen wieder versiegelte.

Ende
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