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About Magic

GeschichteDrama, Familie / P18 / Het
Filius Flitwick Hermine Granger OC (Own Character) Ronald "Ron" Weasley Rose Weasley Severus Snape
03.02.2021
09.05.2021
28
146.273
32
Alle Kapitel
161 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
05.05.2021 5.609
 
Es ist wieder Mittwoch. :)
Ich danke euch für die Reviews für das letzte und wünsch euch allen, aber heute insbesondere mal meinen zahlreichen Schwarzlesern, viel Spaß mit dem neuen Kapitel!

Kapitel 27 – Der Albtraum einer zweiten Chance

Help, I have done it again.
I have been here many times before.
Hurt myself again today
and the worst part is there's no-one else to blame.

(Sia – Breath me)


 Es war kurz nach zehn am Morgen, als Severus in Spinner's End apparierte und die Arme hob, um sein Gleichgewicht zu finden. Er verzog das Gesicht, sowohl wegen der Schmerzen, die vom Apparieren nicht gerade besser wurden, als auch wegen des Anblicks. Das Haus seiner Eltern, sein Haus, ragte wie ein dunkler, steinerner Koloss vor ihm auf. Beinahe zwölf Jahre war es her, dass er das letzte Mal hier gewesen war. Und die Banne, die er auf dieses Haus gelegt hatte, hatten dafür gesorgt, dass das auch für jeden anderen Menschen galt.

 Er ließ seinen Blick über die benachbarten Häuser gleiten. Zumindest hier in dieser Seitenstraße schien niemand mehr zu leben. Ob es wohl mal Pläne gegeben hatte, diese Gegend neu zu bebauen? Falls das der Fall gewesen sein sollte, hatten die Banne, die auf seinem Haus lagen, sie vermutlich schnell wieder zunichte gemacht. So sehr er dieses Haus auch hasste, es war zu wichtig gewesen, um es ungeschützt zu lassen. Es beherbergte das einzige Labor, das er außerhalb von Hogwarts hatte nutzen können – und er hatte nicht geglaubt, das jemals wieder tun zu müssen.

 Er hatte den Keller um- und auszubauen begonnen, nachdem er die Stelle in Hogwarts angenommen hatte. Zuerst aus reinem Trotz seinem Vater gegenüber; dieser Magier-Kram wäre ihm niemals ins Haus gekommen. Und irgendwann weil er einfach schon zu viel Geld investiert hatte, um es nicht zu nutzen.

 Severus drehte den Kopf in dem sinnlosen Versuch, die Schmerzen zu lindern, die wie Feuer über seine Haut wanderten. Als erstes musste er den Schmerztrank zubereiten. Er festigte den Griff um die kleine Papiertüte mit den dafür notwendigen Zutaten und ging die letzten Schritte bis zu den drei Stufen, die zur Eingangstür hinaufführten. Ließ seinen Blick über den Vorgarten wandern. Er war verwildert, das Unkraut stand bis zu den Fenstern im Erdgeschoss hoch. Müll lag dazwischen, zusammen mit ein paar Dachschindeln. Er musste das reparieren, wie vermutlich vieles andere auch.

 Kurz schloss er die Augen, als die Absurdität dieser Probleme ihn zu überwältigen drohte. Es gab Momente, in denen hätte er schreien können, weil er wieder am Leben war. Und dann gab es Momente, in denen es sich anfühlte, als wäre er niemals tot gewesen. In denen das, was er im Jenseits erlebt hatte, hinter einem so dichten Nebel lag, dass es nur Einbildung gewesen sein konnte.

 Aber das war es nicht. Er war tot gewesen. Und jetzt war er es nicht mehr. Es waren über elf Jahre vergangen in dieser Welt. Ohne ihn. Und er hatte nicht das geringste Interesse daran herauszufinden, was er verpasst hatte. Er wollte nicht wieder Teil dieser Welt sein. Aber er wusste auch nicht, was er stattdessen sein wollte.

 Sein Blick glitt hinab zu seinem neuen Zauberstab. Pinie und Drachenherzfaser, aber diesmal waren es 12¾ Zoll. Das kleine Stück, das dieser Stab länger war als sein alter, irritierte ihn mehr, als er zuzugeben bereit war. Er hatte seinen Zauberstab immer in seinem Ärmel verstaut, aber dieser war einfach zu lang. Er musste sich etwas dafür überlegen.

 Schließlich riss er sich aus seinen Gedanken, legte die Hand an die Türklinke und ließ die Banne ihn erkennen und ihm den Weg freigeben. Als es leise klickte, stieß er die Tür auf. Es war düster, auf allem lag eine dicke Staubschicht. Ein modriger Geruch hing in der Luft; anscheinend war das Dach nicht erst kürzlich kaputt gegangen.

 Severus seufzte und lehnte sich von innen gegen die Haustür. Als wäre er nie weg gewesen. Als hätte er Narcissa erst gestern dort vorn den Unbrechbaren Schwur geleistet. Als wäre Wurmschwanz erst gestern sein ungebetener Gast gewesen. Er konnte ihn sogar in seinem Kopf jammern hören.  

 Ihn und Du hast deinen Weg gewählt, ich den meinen.

 Er schloss die Augen und versuchte, beide Stimmen zu vertreiben. Okklumentik war noch ungewohnt und fiel ihm schwer. Nach all der Zeit, die er so tief versunken in seinem Geist mit nur diesem Satz als Beistand verbracht hatte, war es anstrengend, nicht wieder abzudriften. Nicht wieder zu versinken. Er hatte nicht gewusst, dass es auch hier möglich war, sich so tief in sich selbst zu verlieren. Er hatte gedacht, das wäre ein Jenseits-Nebeneffekt gewesen. Offensichtlich hatte er sich darin getäuscht. Granger hatte ihn schon mehrmals daraus geweckt und jedes Mal hatte es sich angefühlt, als würde ein Bergtroll ihn mit seiner Keule direkt ins Gesicht treffen. Es schmerzte und knirschte und im ersten Moment wusste er nie, wie ihm geschah. Und wenn er es wieder wusste, wollte er schreien.

 Granger … Er rümpfte die Nase. Von allen Menschen, die er kannte, hatte Granger allein niemals weit oben auf der Liste der Leute gestanden, die ein Problem für ihn werden könnten. Zusammen mit Potter schon, aber nicht allein. Er hatte immer geglaubt, sie würde die Grenzen kennen und wissen, welche man zu übertreten wagen konnte und welche einfach tabu waren. Er ballte die Hände zu Fäusten.

 Severus hatte den Tod willkommen geheißen, als er ihn geholt hatte. Sein Leben hatte ihm schon lange nichts mehr bedeutet, es war ihm nicht schwergefallen, es herzugeben. Er war regelrecht erleichtert gewesen, als Potter ihn dort in der Heulenden Hütte gefunden hatte. Erleichtert, dass er das Gegengift in seiner Tasche nicht nehmen musste. Dass er seinen letzten Auftrag erfüllen und trotzdem gehen konnte. Lilys Augen waren das Letzte, was er gesehen hatte, bevor …

 Seine Schulter kribbelte, als er daran dachte. Gestern, als Granger geschlafen hatte, hatte er sich in diesem Cottage umgesehen und schließlich den Kleiderschrank mit der Spiegeltür gefunden. Er hatte seinen Hals begutachtet, aber es war nichts mehr zu sehen von Naginis Angriff. Nicht mal kleinste Narben. Die Wunden waren quasi sofort geheilt worden – auch wenn über elf Jahre zwischen dem Biss und dieser Heilung lagen. Es war so unbegreiflich, dass er die Stelle, die immer noch zu kribbeln schien, minutenlang angestarrte hatte.

 Dann hatte er sich das Hemd ausgezogen, in das er den fremden Bademantel verwandelt hatte, und sich seine Schulter angesehen. Auch sie schien zu kribbeln. Als würde ein kleines Tier darüber krabbeln oder ein loses Haar auf seiner Haut liegen. Aber es war nichts dergleichen. Es war ein Handabdruck auf seiner Haut. Dort, wo der Tod ihn berührt hatte. Ein weiteres dunkles Mal, denn manche Berührungen hinterließen einfach Spuren, und Severus erinnerte sich an das Gefühl. An die Eiseskälte, die ihm die Haut zu verbrennen schien. Und dann hatte er seinen Körper verlassen und war … aufgestiegen. Danach erinnerte er sich erst wieder an das Jenseits. An den Fluss und den Fährmann und sein Entsetzen, als er den Preis für die Überfahrt erfahren hatte.

 Eine gute Erinnerung hörte sich so banal an, wenn man bedachte, was ihn dafür auf der anderen Seite erwartet hätte. Aber in dieser einen Erinnerung war er Lily noch wichtig gewesen. In dieser einen Erinnerung, die der Fährmann ausgewählt hatte, hatte sie ihn noch als Freund betrachtet. Severus hatte sie nicht opfern können. Er war überzeugt, dass Lily ihn auf der anderen Seite nicht willkommen geheißen hätte. Dass sie nichts mit ihm hätte zu tun haben wollen, genauso wie vor ihrem Tod.

 Und dann war da ihr Satz in seinem Kopf gewesen: Du hast deinen Weg gewählt, ich den meinen. Also hatte er das Boot wieder verlassen.

 Eine Weile lang hatte er den Ort des Übertritts beobachtet. Er hatte Dolohov kommen sehen und Bellatrix. Der Fährmann hatte sich geweigert, einen von ihnen auf die andere Seite überzusetzen. Und er hatte den Dunklen Lord kommen sehen. Oder vielmehr das, was von ihm übriggeblieben war. Severus wusste selbst jetzt nicht, wie er das beschreiben sollte. Es war kaum noch etwas von seiner Seele übrig gewesen, als er endgültig gestorben war. Und das, was übrig gewesen war, hatte sich aufgelöst und war verschwunden, bevor er auch nur begriffen hatte, wo er war.

 Wen er nicht hatte kommen sehen, war Harry Potter. Und auch wenn er das niemals vor irgendwem zugeben würde, war er dankbar dafür gewesen. Er und Draco hatten den Krieg überlebt; das war mehr, als Severus jemals zu hoffen gewagt hatte. Was er getan hatte, war nicht umsonst gewesen.

 Blinzelnd riss er sich aus seinen Gedanken. Das Jenseits war ihm noch so nahe … Seine Gedanken kehrten immer wieder dorthin zurück. Und wenn er sich dieses merlinverlassene Haus ansah, konnte er das sogar verstehen. Er holte tief Luft, stieß sich von der Tür ab und machte sich ans Werk. Er brauchte ein Labor und einen Ort, an dem er schlafen konnte, bis er sich entschieden hatte, was er mit diesem Albtraum von einer zweiten Chance anfangen wollte.

- - -

 Die Eule erreichte sie, als sie gerade nach Hause apparieren wollte. Hermine hatte es so lange wie möglich hinausgezögert, Ron zu begegnen. Sie hatte Evie über den Kamin angerufen und ihr erzählt, dass Snape ihnen helfen konnte. Sie hatte ihre wenigen Sachen aufgeräumt und in eine Ecke des Wohnzimmers gestapelt. Sie hatte sich sogar in der Winkelgasse mehr Zeit als nötig gelassen, als sie einen neuen Zauberstab für Snape und die Zutaten besorgt hatte. Aber heute war Rons letzter freier Tag. Sie hatte keine andere Wahl mehr und irgendwie mussten sie wohl auch reden über das, was passiert war. Dass Snape Rose tatsächlich helfen konnte. Und wie es jetzt weitergehen sollte.

 Allein bei dem Gedanken an dieses Gespräch zog sich ihr Magen zusammen. Zum Glück hatte sie auf ein Frühstück verzichtet. Snape hatte Nahrungskarenz als Möglichkeit genannt, um das Summen der angestauten Lebensenergie zu reduzieren; sie wollte herausfinden, wie effektiv das war. Bisher konnte sie es noch aushalten. Aber selbst wenn sie nicht auch diesen Effekt im Hinterkopf gehabt hätte, hätte sie an diesem Morgen nichts runterbekommen.

 Sie hatte also gerade die Tür zum Cottage hinter sich ins Schloss gezogen, als die Waldohreule auf dem niedrigen Gartenzaun landete, sich ausbalancierte und ihr schließlich das Bein entgegenstreckte. Mit gerunzelter Stirn nahm Hermine dem Tier die Pergamentrolle ab und beobachtete es, als es sich wieder in die Luft erhob und verschwand.

 Der Inhalt des Briefes verschwamm, nachdem sie die Überschrift gelesen hatte. Mein letzter Wille und Testament. Nur ein Halbsatz setzte sich fest und rotierte wie ein Ohrwurm in ihrem Kopf: … vermache ich, Moira Baker, mein Haus Mrs Hermine Weasley. Unterzeichnet war das Testament mit dem Datum vom 23. Juni. Eine Woche vor Moiras Tod.

 Hermine wurde schwindelig und sie setzte sich auf die Bank, die neben der Tür stand. Ihr Herz trommelte heftig, während sie das ganze Schreiben nochmal las, aber der Inhalt änderte sich nicht. Ungläubig drehte sie sich halb herum und sah die Fassade des Cottages hinauf, das nun anscheinend ihr gehörte. Sie schluckte. „Was hast du dir nur dabei gedacht?“, murmelte sie leise.

 Schließlich rollte sie das Pergament wieder ein und steckte es in ihren Umhang, bevor sie noch einmal tief durchatmete und apparierte. Sie konnte sich später um das Cottage kümmern, genauso wie um Michael Peter Dashwood. Jetzt musste sie sich erst mal mit Ron befassen.

 Aber die Wohnung war verlassen, Ron und Rose waren nicht da. Hermine sah sich um. Schluckte. Es war, als wäre das nicht mehr ihr Zuhause. Etwas hatte sich verändert, seitdem sie nach Schottland gegangen war, um das Ritual durchzuführen. Sie kannte alles hier, jedes Möbelstück, jedes Bild, jeden Fleck auf den Teppichen – und gleichzeitig wirkte alles fremd. Als würde sie ein Spiegelbild der Wohnung sehen. Am liebsten wäre sie sofort wieder zurückgekehrt.

 Sie riss sich vom Anblick des stillen Wohnzimmers los und ging in die Küche. Es ging auf den Mittag zu und selbst wenn sie nichts essen würde, konnte sie doch für Ron und Rose kochen. Sie hoffte, dass die beiden nur auf dem Spielplatz waren und nicht bei Ginny oder Rons Eltern.

- - -

 „Mummy!“

 Hermine kippte beinahe nach hinten um, als Rose ihr in die Arme flog. „Hallo Mäuschen“, sagte sie und atmete tief ihren Kindergeruch ein – und das sandige Aroma, die sie vom Spielplatz mitgebracht hatte.

 „Hermine“, sagte Ron leise.

 Sie sah über Roses Schulter hinweg zu ihm auf. „Hey“, murmelte sie.

 „Mummy, Daddy hat mich so hoch angesubst, ich hab … hab … fast rundrum gesaukelt!“, plapperte Rose und begann mit großen Gesten und noch größeren Augen von ihrem Vormittag auf dem Spielplatz zu erzählen.

 Hermine hörte ihr aufmerksam zu, riss an den richtigen Stellen den Mund auf und genoss diesen kleinen Moment mit ihrem Mädchen so sehr, dass sie beinahe nicht mitbekam, wie das Summen stärker wurde. Lebensenergie, dachte sie, als Rose sich kurz zu Ron umwandte, in der Tat. Sie schluckte und drängte den Gedanken beiseite, als Roses vor Aufregung glänzende Augen sie wiederfanden. „Bleibs du jetz hier, Mummy?“

 Sie schluckte und sah zu Ron. Seine Miene war ausdruckslos, er wandte den Blick ab. „Ähm … mal sehen. Wollen wir jetzt erst mal Mittag essen?“

 „Jaah!“, rief Rose und lief in die Küche.

 Hermine stand auf und weil sie nicht wusste, was sie mit ihren Händen machen sollte (und auch ein bisschen Angst davor hatte, was passieren könnte, wenn sie sie nicht unter Kontrolle behielt), verschränkte sie die Arme vor der Brust. „Können wir nachher reden, wenn Rose ihren Mittagsschlaf macht?“

 Er nickte knapp. „Sollten wir.“ Dann ging er an ihr vorbei in die Küche.

- - -

 „Warum hast du nicht mitgegessen?“, fragte Ron, als er in die Küche zurückkehrte. Es hatte lange gedauert, bis Rose akzeptiert hatte, dass er sie für ihren Mittagsschlaf hinlegen würde, nicht Hermine. Und es hatte lange gedauert, bis sie eingeschlafen war. Hermine hatte den beiden zugehört, während sie bewegungslos am Küchentisch gesessen und abwechselnd gegen das Summen und ihre Tränen gekämpft hatte.

 „Ich hatte keinen Hunger“, entgegnete sie hohl und klemmte ihre Hände zwischen die Beine.

 Es war ihm deutlich anzusehen, dass er ihr kein Wort glaubte, aber er ließ es unkommentiert. Mit verschränkten Armen sah er auf die Tischplatte hinab. „Und?“, fragte er irgendwann.

 Wieder schluckte sie gegen die Tränen an. Niemals zuvor war Ron ihr so unerreichbar erschienen wie jetzt. Niemals. Nicht als er überzeugt gewesen war, Krummbein hätte Krätze gefressen, nicht als er sie und Harry auf der Suche nach den Horkruxen im Stich gelassen hatte, nicht mal in dem Jahr, das sie allein in Hogwarts verbracht hatte, während er mit Harry seine Aurorenausbildung begonnen hatte. Da war immer ein … Band gewesen zwischen ihnen. Ihr Herz begann zu flattern, als ihr bewusst wurde, wie viel zwischen ihnen kaputt gegangen war in den letzten Tagen.

 Als er die Augenbrauen hochzog, blinzelte Hermine. „Ähm … Er kann uns helfen“, entschied sie sich, erst mal das Wichtigste zu erzählen.

 Rons Augen wurden größer. „Ehrlich?“, fragte er tonlos.

 Sie nickte. „Ja.“ Ihr Kinn begann zu zittern, als sie dabei zusah, wie sich das erste Mal, seitdem er mit Rose nach Hause gekommen war, etwas anderes als Ablehnung auf seinem Gesicht widerspiegelte. Seine Arme lösten sich aus der Verschränkung, er fuhr sich mit den Händen über das Gesicht und durch die roten Haare. „Es … funktioniert zwar ein bisschen anders, als … ich dachte, aber er kann uns helfen.“

 „Wie anders?“, fragte er argwöhnisch.

 Hermine schluckte. Hätte sie bloß den Mund gehalten. Sie senkte den Blick und schloss kurz die Augen. „Der Trank stellt … eine Verbindung her zwischen Rose und … einem anderen Menschen. Und der …“ Sie brach ab, weil ihr kein Wort einfallen wollte, das nicht so grausam klang, wie das, was dann passieren würde, war.

 Ron presste die Lippen aufeinander. „Noch mehr Schwarze Magie also“, presste er hervor.

 „Nein, es ist nur … moralisch bedenklich.“

 Er schnaubte. „Auch nicht besser. Aber was sollte es auch anderes sein, wenn es von Snape kommt.“

 Sie zuckte zusammen, als er Snapes Namen aussprach. Es lag so viel Verachtung in diesem einen Wort … „Es wird sie retten“, erinnerte Hermine ihn schwach.

 „Oder umbringen“, zischte Ron. „Genauso wie es Michael Peter Dashwood umgebracht hat.“

 Heftig atmend starrte sie einen kleinen Soßenfleck auf dem Küchentisch an, während sie wartete, dass das Brennen in ihren Augenwinkeln nachließ und das Summen ein bisschen weniger wurde und sie mit ihm reden konnte, ohne … die Kontrolle zu verlieren. Auf welche Art auch immer. „Ich werde das mit Professor Snape besprechen“, sagte sie schließlich langsam, „aber so wie es aussieht, ist das unsere einzige Chance, Rose das Leben zu retten.“ Sie hob den Blick und sah Ron direkt in die Augen. „Oder ist es dir lieber, es nicht zu versuchen und sie einfach sterben zu lassen?“

 Jetzt wandte er den Blick ab, als die Schärfe in ihrer Stimme ihn unvermittelt traf. „Das hab ich nicht gesagt“, nuschelte er.

 „Gut“, sagte sie. „Es muss dir nicht gefallen, von wem die Hilfe kommt oder wie genau sie aussieht, aber wenn du dich weigerst, es uns versuchen zu lassen, kann ich für nichts garantieren.“

 Rons Mund stand ein Stück offen, als er sie ansah. „Was willst du damit sagen?“

 „Genau das, wonach es sich anhört.“ Hermine reckte das Kinn ein Stück vor. „Ich bin einen langen Weg bis hierher gegangen, Ron. Ich werde jetzt nicht umkehren, nur weil du dich unwohl fühlst.“

 „Unwohl“, wiederholte er leise, dann stand er abrupt auf und begann in der Küche auf und ab zu gehen. „Das hier ist ein bisschen mehr als das, Hermine! Du hast … alles auf den Kopf gestellt! Du hast dich und mich und uns verraten und du hast es nicht mal für nötig gehalten, mich vorher zu fragen, ob ich damit einverstanden bin!“

 „Weil du nicht einverstanden warst!“, warf sie ein. „Als Rose den epileptischen Anfall hatte, hast du verstanden, was ich tun wollte, und du hast dich geweigert, mich gehen zu lassen.“

 „Aus gutem Grund!“

 „Deine Gründe sind mir egal, Ron! Ich werde sie nicht einfach sterben lassen, wenn es einen anderen Weg gibt!“ Das Blut rauschte in ihren Ohren und ihre Finger summten so sehr, dass sie es kaum noch aushalten konnte. „Und wenn ich diesen Weg allein gehen muss, dann ist das eben so“, fügte sie trotzdem hinzu.

 Ron blieb stehen und tastete hinter sich nach der Kante der Arbeitsplatte, so als würde er sonst das Gleichgewicht verlieren. Er starrte sie an. „Ich erkenne dich nicht wieder, Hermine. Was ist bloß aus dir geworden?“

 „Was nötig ist, um Rose zu retten.“

 Er sah die Entschlossenheit in ihren Augen, die Hartnäckigkeit, mit der sie sich zu bereuen weigerte, was passiert war, denn wenn sie das jetzt tat, würde sie zusammenbrechen und nie wieder aufstehen können und dafür hatte sie keine Zeit, denn es war so, wie Aideen gesagt hatte – sie hatte den Weg erst zur Hälfte hinter sich und Rose war immer noch krank und … sie musste durchhalten, sie musste weitergehen, sie konnte nicht zusammenbrechen. Also schob sie diese nagende Schuld von sich und weigerte sich zu bereuen, bis das alles sie ans Ziel gebracht hatte und als Ron das sah, wich ihm die Farbe aus dem Gesicht. „Du solltest jetzt gehen.“

 Hermine nickte. „Wer soll sich um Rose kümmern, wenn du wieder arbeiten gehst?“

 „Harry hat mir frei gegeben“, murmelte er, dann lachte er bitter. „Er sagte, wir beide müssten unbedingt mehr Zeit miteinander verbringen, wenn ich schon anfange, dich der Schwarzen Magie zu verdächtigen.“ Er rümpfte ein bisschen die Nase. Dann fügte er hinzu: „Ich denke, er ahnt, was wirklich los ist. Dass du das Buch gekauft hast und mir die Erinnerungen genommen hast.“

 Hermine sog scharf die Luft ein. „Hat er was gesagt?“

 Ron schüttelte den Kopf. „Aber ich kenne ihn. Wie er mich angesehen hat … Er ahnt etwas.“ Er sah sie an, die Oberlippe ein bisschen gekräuselt. „Pass auf, dass er keine Beweise findet. Es reicht, dass ich einen Mord vertuscht habe. Ich will nicht auch noch mit Harrys Erinnerungen herumspielen.“

 Sie schluckte und senkte den Blick. Rons Verachtung hing so schwer in der Luft, dass ihr ganz schlecht davon wurde. Aber er hatte recht. Sie wollte nicht auch noch Harrys Erinnerungen manipulieren müssen. Es hatten genug Schwarze Magier in seinem Geist herumgepfuscht und er war Harry! Sie könnte es bei ihm wohl eh nicht, aus den gleichen Gründen, aus denen sie es bei Ron nicht gekonnt hatte. „Wie lange hat er dir frei gegeben?“, fragte sie nach ein paar Sekunden leise. „Und was passiert danach mit Rose?“

 „Ich werd sie zu Ginny oder meinen Eltern bringen“, sagte er bitter. Und als Hermine ihn mit großen Augen ansah, schnaubte er und fragte: „Du dachtest doch nicht wirklich, dass ich sie bei dir lassen würde, oder?“

 „Ich bin ihre Mutter, Ron!“

 „Im Moment bist du hauptsächlich eine Hexe, die so tief in Schwarzer Magie steckt, dass sie sich nicht mal selbst vertraut!“ Sein Blick zuckte zu ihrem Schoß, wo sie immer noch ihre summenden Finger zwischen die Beine geklemmt hatte. „Ich frage mich, wie ich das so lange ignorieren konnte! Ich hab so viele Leute festgenommen, die sich genauso verhalten haben wie du gerade. Genauso gereizt, genauso … unberechenbar … Aber ich habe dir vertraut.“ Seine Stimme brach weg beim letzten Wort und dieses kleine Kieksen zu hören, traf Hermine so heftig, dass sie die Augen schloss und ihre Zähne aufeinanderbiss, um nicht zu schreien. Als sie blinzelte, wischte er sich gerade mit der flachen Hand über den Mund, starrte heftig atmend an die gegenüberliegende Wand. Schluckte, ehe er sie gequält ansah. „Bitte geh, Hermine. Und komm nicht mehr unangemeldet hierher.“

 Sekundenlang starrte sie ihn an. Diese Situation war so unwirklich, so … falsch. Es fühlte sich an, als würde das nicht ihr passieren. Denn das konnte nicht ihr passieren! Sie konnte doch nichts tun, das Ron sie so ansehen lassen würde, oder?

 Es war ihr Verstand, der ihr sagte, doch, während ihre Gefühle sich verabschiedeten. Sie spürte sich nicken und stand auf, als würden unsichtbare Fäden sie in die Höhe ziehen. „Ich … brauche noch ein paar Sachen“, hörte sie sich sagen und als Ron nickte, zogen die Fäden sie an ihm vorbei und aus der Küche in den Flur.

 Die Tür zu Roses Zimmer stand einen kleinen Spalt offen. Hermine schob sie ein Stück weiter auf und sah hinein. Sie lag auf dem Bauch in ihrem Bett, Mr Wautz an sich gepresst und den Daumen im Mund. Stumme Tränen begannen Hermine zu schütteln und als sie glaubte, sie müsste daran ersticken, wandte sie sich um und ging ins Schlafzimmer. Holte eine Tasche aus dem Schrank und ließ es geschehen, dass die Lebensenergie sich löste und ihre Kleidung verkleinerte und hinein dirigierte. Trotz allem fühlte sich das beinahe unerträglich gut an. Ein sanftes Kribbeln, wie Fingerspitzen auf ihrer Haut und Sommerwind in ihren Haaren. Hermine seufzte und biss sich auf die Unterlippe.

 Nachdem sie auch ihre letzten Sachen aus dem Bad geholt hatte, sah sie mit der Tasche über der Schulter nochmal zu Ron in die Küche, aber er starrte stur aus dem Fenster, sie konnte nur seinen Hinterkopf sehen. Also disapparierte sie ohne ein Wort des Abschiedes.

 In Schottland angekommen, warf sie die Tasche ins Wohnzimmer und ging raus. Erst in einem normalen Tempo, dann begann sie zu laufen. Gerade war mehr in ihr als Lebensenergie, das sie irgendwie loswerden musste. Mehr als das Summen. Sie weinte und lief und keuchte und schluchzte und all das trug sie so lange immer weiter fort von dem kleinen Dorf, in dem Moiras Cottage stand, bis ihr Körper es nicht mehr schaffte, die Bewegungen ihrer Beine zu koordinieren. Sie stolperte und fiel der Länge nach hin, ihre Hände kollidierten mit dem harten Boden, Schmerz durchzuckte sie wie ein Stromstoß.

 Und dann war alles still. Vor ihren Augen bewegten sich die Grashalme im Wind, sie atmete heftig und fühlte dem Schmerz nach. Aber die Geräusche kehrten nur langsam zu ihr zurück. Zuerst das Pochen ihres Herzens, dann das Rauschen. Der Wind in den Bäumen und das Meer, das nicht mehr weit weg war.

 Nach ein paar Minuten stemmte Hermine sich hoch, keuchte leise, weil das immer noch unerwartet heftig wehtat, und sah ihre Hände an. Die Handballen waren aufgeschürft und bluteten etwas. Sogar ihre Hose war kaputt gegangen, als sie gestürzt war, ihre Knie bluteten. Sie saß da und starrte die Wunden an und … es war still. In ihr war es jetzt still. Sie lachte bitter, winkelte die Beine an, legte den linken Arm auf ihre Knie und den Kopf darauf ab. Ließ sich vom Schmerz tragen, sowohl vom körperlichen als auch vom seelischen. Nur für eine Weile.

- - -

 Als Snape ins Cottage zurückkehrte (ohne anzuklopfen, er kam einfach rein, als wäre das sein Haus), saß Hermine in der Küche und drehte die leere Tasse der letzten Nacht vor sich auf dem Tisch. Mit der linken Hand, denn anscheinend hatte sie sich den rechten Arm schwerer verletzt, als es ihr anfangs bewusst gewesen war. Er tat höllisch weh, wenn sie es wagte, ihn zu bewegen. Er lag nutzlos in ihrem Schoß.

 Snape fand sie schnell und blieb hinter ihr im Türrahmen stehen, aber als sie nicht zu ihm aufsah, setzte er sich ihr gegenüber an den Tisch. Er trug jetzt wieder die Kleidung, die sie von ihm kannte, einen schwarzen Gehrock über einem weißen Hemd. Als wäre sie zurück in ihre Schulzeit gestolpert und genauso sah er sie auch an. „Ich habe ein Labor, in dem ich arbeiten kann“, informierte er sie sachlich. „Das sind die Zutaten, die ich brauche.“ Er schob ihr ein Pergament zu, das in der Mitte gefaltet war.

 Hermine streckte die Hand danach aus und gerade, als sie es nehmen und sich genauer ansehen wollte, griff Snape nach ihrem Handgelenk und drehte es herum, bis er ihre Handfläche sehen konnte. „Lassen Sie das“, murmelte Hermine erschrocken und entwand sich seinem Griff.  

 „Was haben Sie getan?“, fragte er scharf.

 „Nichts! Ich bin gestürzt.“ Sie zog das Pergament zu sich und kämpfte damit, es mit einer Hand auseinanderzufalten.

 „Was ist mit Ihrem anderen Arm?“

 „Nichts.“ Sie sah ihn nicht an. Stattdessen heftete sie ihren Blick auf die Zutaten, die er in seiner akkuraten spitzen Handschrift aufgeschrieben hatte. Sie bebten im Takt ihres rasenden Herzschlags. Wermut, Affodillwurzel, Löffelkraut, Jadepulver, Mondstein …

 „Ist er gebrochen?“, durchbrach er ihre Gedanken.

 Sie zuckte mit den Schultern. … Bubotubler-Eiter, Salbei, Flussgras, Fledermausmilz …

 Snape zog seinen neuen Zauberstab aus einer Innentasche seines Gehrocks und sprach den Diagnosezauber für Verletzungen über sie. Genau den gleichen, den sie Evie beigebracht hatte. Hermine schloss die Augen. Sie brannten wie ihr Gesicht, ihr Herz schlug so heftig, dass es beinahe wehtat, sie wünschte, er würde sie in Ruhe lassen. Sie ignorieren, so wie er es früher immer getan hatte. Sie war in einem Zustand der Unberührbarkeit, in einem Nebel, durch den hindurch alles gedämpft und weichgezeichnet war, und Snape wischte ihn gerade brutal beiseite. Er musste damit aufhören!

 Aber heute ließ er nicht locker. „Er ist gebrochen“, schnarrte er verärgert. „Was gedachten Sie, damit zu tun, Miss Granger? Wollten Sie es ignorieren, bis es von allein verschwindet?“

 „Das geht Sie nichts an.“

 Er schnaubte. „Mir war nicht bewusste, dass Sie so versessen darauf sind, sich umzubringen.“

 Wütend sah sie zu ihm auf.

 Aber Snape war unbeeindruckt davon. „Geben Sie her, ich heile das.“

 „Nein“, sagte sie hohl und sah zurück auf seine Liste. Aber sie schaffte es nicht, sie weiter zu lesen. Ihr Kopf verstand nicht mehr, was er aufgeschrieben hatte. Sie konnte die Worte lesen, aber sie begriff nicht, was sie bedeuteten.

 „Und Sie müssen aufhören mit der Selbstverletzung.“

 „Ich sagte doch, ich bin gestürzt!“, zischte sie.

 Er zog eine Augenbraue hoch. „Und sind dabei wiederholt mit Ihren Oberschenkeln in eine Messerklinge gefallen?“

 Sie zuckte unmerklich zusammen und wandte den Blick ab. „Lassen Sie mich in Ruhe …“

 „Dieses Privileg haben Sie verloren, als Sie mich wieder zum Leben erweckt und um Hilfe angefleht haben!“ Er fing ihren Blick ein und hielt ihn fest, so unnachgiebig als würde er es physisch tun. „Ihnen gefiel die Vorstellung, Ihr Leben gegen meines zu tauschen, besser, nicht wahr? Es hat so was Heroisches“, sagte er spöttisch. „So durch und durch gryffindor. Es wäre genau das gewesen, was man von jemandem wie Ihnen erwartet …“ Ein abfälliges Lächeln verzog seine Mundwinkel. „Haben Sie Briefe geschrieben, Miss Granger? Haben Sie sich darin entschuldigt?“

 „Nicht …“, hauchte sie und verzog das Gesicht, während seine Worte sie würgten. Sie rang keuchend nach Luft.

 Doch er achtete nicht darauf: „Wie bedauerlich, dass Sie sich nun doch nicht mit ein paar herzzerreißenden, von Tränen verschmierten Worten aus der Affäre ziehen können, nicht wahr? Was Sie getan haben, hat sich als nicht besonders gryffindor entpuppt. Ganz im Gegenteil.“

 „Bitte …“, wimmerte sie und schnappte immer wieder nach Luft, presste ihren Handballen gegen ihren Oberschenkel und bewegte die Finger ihres gebrochenen Arms, weil … der physische Schmerz gerade leichter auszuhalten war als das, was Snape an die Oberfläche zerrte. Sie konzentrierte sich darauf und versuchte, seine Worte an sich vorbeiziehen zu lassen. Versuchte abzudriften, aus dieser Küche zu verschwinden und aufzuhören zu existieren. Sie musste durchhalten, weitergehen, den Nebel festhalten, Rose …

 „Miss Granger!“

 Sie zuckte zusammen und sah ihn an. Sein Gesicht war sonderbar verschwommen; es dauerte mehrere Sekunden, bis ihr bewusst wurde, dass sie weinte.

 Snapes Miene war so hart wie seine Stimme, als er sagte: „Wenn ich das hier wieder aushalten muss, dann werden Sie das auch tun! Reißen Sie sich zusammen!“

 Ihr Kinn zitterte, während sie versuchte, die kläglichen Reste ihrer Selbstbeherrschung wieder aufzusammeln. Sie biss sich auf die Unterlippe und nickte.

 „Und jetzt lassen Sie mich den Bruch heilen“, sagte er ölig. „Sie brauchen Ihre Zauberstabhand.“

 Hermine zog die Nase hoch. „Wofür?“, fragte sie mit belegter Stimme. „Für noch mehr Schwarze Magie?“

 Er schnaubte spöttisch. „Bereuen Sie es etwa schon, sie zu einem Teil Ihres Lebens gemacht zu haben?“ Er klang entsetzlich gleichmütig.

 Hermine riss den Kopf hoch und starrte ihn an. „Ein Teil meines …“, wiederholte sie tonlos.

 „Ihres Lebens, ja. Oder dachten Sie, Sie hören einfach damit auf und das verschwindet wieder?“

 Sie schluckte. Eigentlich hatte sie genau das gedacht. Sie hatte gedacht, das wäre … vielleicht ein bisschen wie eine Drogensucht. Dass sie einen Entzug durchmachen und dann mit ein bisschen Disziplin wieder frei von den ganzen körperlichen Auswirkungen sein würde. Dass sie zwar immer würde aufpassen müssen, keine Schwarze Magie mehr zu verwenden, aber … Sie hatte gedacht, dass sie ihr altes Leben zurückbekommen würde – plus die Schuld, die sie auf sich geladen hatte natürlich. Dass die nicht wieder verschwinden würde, hatte ihr niemand sagen müssen. Snapes Blick verriet ihr, wie sehr sie sich geirrt hatte. Sie spürte, wie ihr das Blut aus dem Gesicht wich, ihr wurde schwindelig.

 Seine Mundwinkel zuckten. Er griff in seine Tasche und zog drei verkleinerte Bücher heraus, brachte sie auf ihre ursprüngliche Größe zurück und legte sie vor ihr auf den Tisch. „Ihre Bettlektüre für die nächsten Tage. Und sobald Sie mich Ihren verdammten Arm haben heilen lassen, können Sie sie sogar lesen.“

 Ihr Magen fühlte sich an, als würde er sich einmal um sich selbst drehen. „Will ich überhaupt wissen, was da drin steht?“

 „Hermine Granger will etwas nicht wissen?“, fragte er und zog eine Augenbraue hoch.

 Sie verdrehte die Augen.

 „Selbst wenn Sie es nicht wissen wollen, Sie müssen es wissen. Sie hätten es schon wissen müssen, bevor Sie überhaupt angefangen haben, Schwarze Magie zu nutzen. Ich hätte erwartet, dass Sie inzwischen gelernt haben, sich nicht blindlings in so etwas hineinzustürzen. Es würde Ihnen jetzt deutlich besser gehen, wenn es so wäre.“

 Hermine schwieg.

 „Nun?“, schnarrte er nach einer Weile und sah sie ungeduldig an.

 Sie schloss die Augen und wünschte sich ein paar Herzschläge lang, sie könnte kurz mal aufhören zu existieren. Dann hob sie ihren Arm, biss sich auf die Unterlippe und hielt ihn Snape hin. Er tippte mit seinem Zauberstab dagegen und sagte: „Episkey!“ Der Schmerz verschwand so abrupt, dass Hermine schwankte, obwohl sie auf der Küchenbank saß. Sie beugte und streckte ihre Finger. Jetzt brannten nur noch die Schürfwunden, aber die würde sie noch nicht versorgen. Sie waren es, die das Summen in Schach hielten, besser als die Nahrungskarenz und die Bewegung es gekonnt hatten. Bei dem Gedanken, dass Wunden von nun an ein fester Teil ihres Lebens werden könnten, wurde ihr allerdings wieder schwindelig.

 „Danke“, sagte sie sehr verzögert.

 Snapes Augenbrauen zuckten kurz. „Lesen Sie! Und besorgen Sie mir die Zutaten.“

 Hermine nickte. „Ich geh am Montag gleich in die Winkelgasse.“ Dann fiel ihr das Gespräch mit Ron wieder ein. „Wie genau wird das nachher eigentlich funktionieren? Rose ihre Magie zu nehmen, meine ich …“

 Er musterte sie mit schmalen Augen und ein bisschen abschätzend. „Darüber reden wir ein anderes Mal“, entschied er schließlich, stand auf und verließ Moiras Cottage genauso selbstverständlich, wie er es betreten hatte.

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Severus ist wieder in Höchstform - ich hoffe, ihr hattet damit genauso viel Spaß wie ich.
Ich hab ein paar Bilder von meinen OCs und wollte mal fragen, ob ihr Interesse daran habt, sie zu sehen. Dann habt ihr auch gleich etwas, das ihr in die Kommentare schreiben könnt. ^^
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