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About Magic

GeschichteDrama, Familie / P18 / Het
Filius Flitwick Hermine Granger OC (Own Character) Ronald "Ron" Weasley Rose Weasley Severus Snape
03.02.2021
23.06.2021
42
215.348
48
Alle Kapitel
277 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
02.05.2021 5.468
 
Guten Morgen allerseits! :)
Was haltet ihr von einem mal etwas ruhigeren Kapitel? Gute Idee? Gute Idee. ^^
Ich danke euch für die Reviews und Empfehlungen! Habt viel Spaß beim Lesen!

Kapitel 26 – Herstellung einer Verbindung

What I've felt, what I've known
never shined through in what I've shown.
Never free, never me,
so I dub thee unforgiven.

(Metallica – The Unforgiven)


 Rose hing auf seinem Rücken, als Ron das Flohpulver in den Kamin warf, den Kopf hineinsteckte und „Harry Potters Büro!“ sagte.

 „Ongel Harry!“, rief sie, als er vor seinem Bürokamin erschien. Offensichtlich hatte sie sich inzwischen so weit über seine Schulter gelehnt, dass sie mit gucken konnte.

 „Hey Rosie“, sagte er und grinste. „Was machst du denn in meinem Kamin?“

 „Ich hab ein neue Besen!“, sagte sie und hampelte so sehr auf Rons Rücken, dass er sich ein Stück zur Seite lehnen musste, damit sie nicht herunterrutschte.

 „Einen neuen Besen“, korrigierte er dabei wie von allein. Erst als Harry die Augenbrauen hochzog, fiel es ihm auf und er merkte, wie ihm die Hitze ins Gesicht stieg.

 „Hermine steckt an, hm?“

 Ron schluckte schwer. „Ja“, sagte er schwach. Und dann an Rose gewandt: „Dann hol mal deinen neuen Besen.“

 „Oh ja!“ Sie rutschte von seinem Rücken und lief aus dem Wohnzimmer.

 Ron nutzte ihre kurze Abwesenheit, um Harry die Pergamentrolle zu geben, wegen derer er ihn überhaupt kontaktiert hatte. „Hier, mein Bericht für die suspekte Leiche.“

 Er nahm sie ihm ab und legte sie beiseite. „Danke. Geht es euch gut?“

 Rons Herz machte einen Satz. „Was meinst du?“

 Harry kratzte sich hinter dem Ohr. „Na ja, es war schon alles ein bisschen … merkwürdig, oder? Deine Reaktion bei Fayette und deine Weigerung mir zu sagen, was es damit auf sich hat … Und dann brauchst du plötzlich Urlaub und Hermine ist in Schottland …“

 „Ach das“, murmelte er leise und senkte den Blick. Adrenalin pulsierte durch seinen Körper und sein Herzschlag flatterte wie ein gefangener Vogel. Er wusste, worauf es beim Lügen ankam. Also begegnete er kurz Harrys Blick, bevor er ein verlegenes Lachen hervorzwang und sagte: „Ja, es geht uns gut. Bei Fayette, da …“ Er unterbrach sich und verzog den Mund. „Weißt du, Hermine geht es gerade echt nicht gut und ein paar der Dinge, die Fayette aufgezählt hat, sind mir auch bei ihr aufgefallen …“

 Harry sagte nichts. Presste nur die Lippen aufeinander und sah ihn ernst an.

 Dass Harry sich von seinem Verdacht so wenig überrascht zeigte, ließ Ron kurz stocken. „Jedenfalls … Kurz dachte ich wirklich, sie würde … du weißt schon.“

 Er atmete scharf aus und runzelte die Stirn. „Und?“, fragte er knapp.

 Ron schluckte und holte tief Luft, wappnete sich gegen die größte Lüge, die er seinem besten Freund seit achtzehn Jahren nun auftischen würde. Ignorierte das Brennen in seiner Brust und ballte abseits vom Feuer seine Hand zu einer so festen Faust, dass ihm seine Fingernägel schmerzhaft in die Handfläche drückten. „Ich hab sie darauf angesprochen und natürlich ist das Blödsinn. Es ist … einfach nur eine harte Zeit und sie weiß genauso wenig wie ich, wie sie damit umgehen soll.“

 „Tatsächlich?“, fragte Harry.

 „Ja … Dass Moira jetzt gestorben ist, macht es auch nicht besser …“ Ron wandte den Blick ab, als er Rose ins Wohnzimmer zurückkommen hörte. „Na, bist du fündig geworden?“, fragte er.

 „Jaah!“, rief sie und kam so schwungvoll neben ihm zum Stehen, dass sie beinahe durch das Feuer zu Harry gestolperte wäre. „Guck ma, Ongel Harry. Der kann sogar Looping!“

 „Was, ehrlich?“, fragte Harry und riss die Augen auf.

 „Ja! Guck!“ Sie ließ das Besenmodell zu ihm ins Büro fliegen, wo es mehrere Loopings schlug, bevor es auf Harrys Schreibtischplatte landete.

 „Nicht zu fassen!“, sagte der und streckte sich, um den kleinen Besen erreichen und durch das Feuer zurückfliegen lassen zu können.

 Rose zog den Kopf ein und quietschte, bevor sie sich auf die Füße stemmte und hinter ihrem Spielzeug herjagte.

 Ron schnaubte leise, ehe er sich wieder Harry zuwandte. Der studierte ihn aufmerksam. Rons Nackenhaare stellten sich auf. Er kannte diesen Blick. Harry ließ ihn jedem Verdächtigen zukommen, von dem er vermutete, dass er ihn anlog. Ron hatte nicht erwartet, jemals am empfangenden Ende dieses Blickes zu landen. Er musste sich zwingen, jetzt nicht zu schlucken.

 Schließlich seufzte Harry und wandte den Blick ab. „Nehmt euch Zeit. Du kannst auch noch länger Urlaub machen, ich regel das schon“, sagte er leise.

 „Bist du dir sicher?“, fragte Ron überrascht und musste sich mit einer Hand am Kamin abstützen, als Rose kichernd gegen ihn purzelte. Gerade war er noch überzeugt gewesen, Harry würde ihn einen Lügner nennen und ihn bedrängen, ihm die Wahrheit zu sagen, und jetzt sah er aus wie … Ron schluckte. Er sah aus wie jedes Mal, wenn einer ihrer Verdächtigen einen zu guten Anwalt oder zu gute Beziehungen hatte und sie ihn gehen lassen mussten, obwohl sie wussten, dass er schuldig war. Ron war nicht darauf vorbereitet gewesen, dass ihn dieser Anblick wie ein Hippogreif in den Magen treten würde, bis ihm die Galle hochstieg.

 Harrys Stimme durchbrach seine Gedanken. „Ja, bin ich.“ Er rang sich ein schiefes und durch und durch falsches Lächeln ab, ehe er hinzufügte: „Wenn du schon anfängst, Hermine bei so was zu verdächtigen, braucht ihr definitiv mehr Zeit füreinander.“

 Ron senkte den Blick. „Ja, du hast recht“, sagte er hohl. „Danke, Harry!“

 Das Lächeln verschwand von Harrys Gesicht, bevor er knapp nickte. Dann klopfte es an seiner Tür. „Ich muss, Ron.“

 „Ist gut. Bis bald!“ Er zog sich aus dem Kamin zurück und wandte sich gerade noch rechtzeitig um, um das Besenmodell aufzufangen, das direkt auf ihn zuflog. Er warf es in Roses Richtung zurück und verbarg das Gesicht hinter seinen zitternden Händen.

- - -

 Hermine schluckte hart, starrte ihn an. Wieder wurde ihr schwindelig, aber das lag dieses Mal nicht an ihrem miserablen Umgang mit ihrer Lebensenergie. Nein, es lag daran, dass sie vergessen hatte, wie man atmete. Die Wahrheit in Snapes schwarzen Augen hämmerte so unbarmherzig in ihrem Schädel, dass kein Platz mehr für derartig profane Dinge war. Ich habe nichts dergleichen entwickelt, hallten seine Worte zwischen jedem Herzschlag von den Wänden ihres Geistes wider.

 „Nein“, hauchte Hermine irgendwann atemlos und holte tief Luft, mehr aus einem Reflex heraus. Sie wandte den Blick ab, rieb sich mit den Handballen über die Augen und sagte immer wieder: „Nein, nein, nein, nein, nein.“ Und irgendwann: „Das kann nicht sein!“

 Selbst Snape war überrascht von der Heftigkeit ihrer Worte. Er zog die Augenbrauen hoch und schürzte die Lippen.

 Hermines Herz schlug so stark, dass sie überzeugt war, er müsste es sehen können. Ihr Blick flog durch das Wohnzimmer, während sie den Kopf schüttelte, und fiel schließlich auf die Pergamente. Sie klaubte sie zusammen und hielt sie Snape hin. „Decodieren Sie sie!“, befahl sie regelrecht und war zu aufgebracht, um sich dessen überhaupt bewusst zu werden.

 „Miss Granger …“

 „DECODIEREN SIE SIE!“, schrie sie.

 Snape sah sie abschätzig an, dann streckte er die Hand nach den Pergamenten aus, schichtete sie sorgfältig übereinander und ließ sie an seinem Daumen entlang blättern. Mit finsterer Miene reichte er sie ihr zurück.

 Hermine riss ihm die Pergamente quasi aus der Hand. Snape war ein organisierter Mensch, wie sie feststellte, als sie eine Seite nach der anderen ansah. Er hatte den Zweck eines jeden Trankes als Überschrift verwendet und so fiel es ihr leicht, ein Pergament nach dem anderen vom Stapel zu schieben und zu Boden segeln zu lassen. Mit jeder Seite, die nicht die Überschrift trug, auf die sie wartete, stieg ihre Verzweiflung. Mit jeder Seite wurde ihr kälter. Und als sie die letzte Seite zu Boden warf, liefen ihr Tränen über die Wangen.

 Wieder schüttelte sie den Kopf und weigerte sich, Snape anzusehen. Plötzlich war sie sich seiner Anwesenheit sehr bewusst und wünschte, er würde sie nicht so sehen. Aber dann drängte sich Roses Lachen in ihre Gedanken und Snape versank. Sie krümmte sich zusammen und begann haltlos zu schluchzen. Es war alles umsonst gewesen. Alles. Die Schwarze Magie, der Verrat an allen, die ihr wichtig waren, die zwei Tage mit der Lebenskerze, der Tod von Michael Peter Dashwood, Snapes Rückkehr … Alles war umsonst gewesen. Rose würde sterben und es gab nichts, das sie dagegen tun konnte.

 Nichts.

 „Miss Granger“, sagte Snape in diesem Moment. Hermine zog die Nase hoch und blinzelte durch den Schleier ihrer Tränen zu ihm hinauf, denn er stand plötzlich vor ihr und hielt ihr eines der Pergamente hin. Herstellung einer Verbindung stand als Überschrift darauf. „Was soll ich damit?“, fragte Hermine mit belegter Stimme und immer noch hicksend.

 Snape atmete scharf aus, dann deutete er mit seinem dünnen Zeigefinger auf eine Zeile des Textes am unteren Ende des Pergaments. Mglw. zum Absorbieren von Energie geeignet.

 Hermine sog scharf die Luft ein und riss ihm das Pergament aus der Hand. „Aber …“, sagte sie, während sie begierig Snapes Handschrift überflog und zu begreifen versuchte, was sie dort las. Aber es war nur die Beschreibung eines Experiments, das Rezept eines Trankes, den er anscheinend nie tatsächlich zubereitet hat.

 „Es gibt keinen Trank, der Magie absorbieren kann. Aber ein anderer Mensch kann es. Und dieser Trank ermöglicht es ihm.“ Leiser fügte er hinzu: „Wenn er so funktioniert, wie die Theorie es vermuten lässt.“

 Sie schluckte und sah mit großen Augen zu ihm auf. Dann presste sie die Lippen aufeinander. „War es wirklich notwendig, mich so fertig zu machen?“

 „Ja“, sagte er gleichmütig. „Nach allem, was Sie getan haben, hatten Sie es verdient. Sie haben mal wieder mehr Glück als Verstand gehabt, das werde ich nicht belohnen.“

 Sie sah ihn finster an, dann wischte sie sich über die immer noch feuchten Wangen und fragte: „Können Sie den Trank zubereiten? Wird er funktionieren?“

 „Das weiß ich nicht“, entgegnete Snape ungeduldig und tat einen großen Schritt über die am Boden liegenden Pergamente. „Wie Sie den Aufzeichnungen sicherlich schon entnommen haben, bin ich nie dazu gekommen, ihn weiter zu erforschen.“

 Sie nickte ungeduldig. „Aber werden Sie es versuchen?“

 Er sah sie einen Moment lang an, die Lippen beinahe angewidert verzogen. Dann nickte er. „Ich werde kein Kind sterben lassen“, schnarrte er. Und vielleicht, weil er gesehen hatte, dass Hermine Anstalten machte, aufzuspringen, fügte er hinzu: „Aber ich habe kein Problem damit, Sie umzubringen, wenn Sie es wagen, mir zu nahe zu kommen!“

 Also sank sie auf die Couch zurück und biss sich hart auf die Innenseite ihrer Lippe, bis sie sich wieder unter Kontrolle hatte. „Danke!“, sagte sie dann inbrünstig.

 Snape nickte knapp. Sein Blick fiel auf das Chaos am Boden und er sagte: „Räumen Sie das gefälligst auf, Miss Granger!“

 Sie zückte ihren Zauberstab und deutete auf die Pergamente. „Conloca!“, sagte sie ohne nachzudenken und hörte nur am Rande, dass Snape zeitgleich „Nicht!“ rief, schnappte nach Luft, als alles in ihr sich zusammenzuziehen schien. Sie kniff die Augen zu und stöhnte leise. Das fühlte sich an wie … wie in der Nacht, nachdem sie die Pergamente zu entschlüsseln versucht hatte.

 Snape schnaufte und während er ihr den Zauberstab aus der Hand nahm, zischte er: „Wollen Sie sich doch noch umbringen?“

 Sie keuchte und stützte sich zitternd am Rand der Couch ab. „Was ist das?“, fragte sie atemlos.

 „Wie ich bereits sagte, müssen Sie auf Ihre Lebensenergie achtgeben!“

 „Aber ich … wollte keine Schwarze Magie dafür benutzen!“, entgegnete sie aufgebracht. „Was hat meine … Weiße Magie mit meiner Lebensenergie zu tun?“

 „Sie brauchen für alles Lebensenergie, Miss Granger, auch zum Wirken von Weißer Magie! Und dafür sogar unerwartet viel. Haben Sie noch nie bemerkt, wie schwer es wird zu zaubern, wenn Sie erschöpft sind?“

 „Doch …“, gab sie nachdenklich zu.

 Er nickte, als wäre das Beweis genug. „Wenn Sie Ihre Lebensenergie so sehr verschwenden, weil Sie sie für Schwarze Magie missbrauchen, dann sollten Sie vorerst darauf verzichten, etwas anderes zu tun als zu essen und zu schlafen. Und insbesondere sollten Sie keine Magie wirken!“

 „'Tschuldigung“, murmelte sie.

 Snape rümpfte die Nase und drehte ihren Zauberstab in seiner Hand, bis er eine Position gefunden hatte, die anscheinend besser war als alle anderen. „Woraus besteht der?“, fragte er.

 „Weinrebenholz und Drachenherzfaser.“

 „Hm.“ Er schürzte die Lippen. Dann deutete er auf die Pergamente und sprach den gleichen Zauber, den sie vorher probiert hatte. Nur dass die Pergamente sich jetzt in die Luft erhoben, sauber übereinander schichteten und auf den Tisch flogen. Es war ihm nicht anzusehen, ob er damit zufrieden war oder nicht. Stattdessen richtete er die Zauberstabspitze auf Moiras Bademantel und dieses Mal sprach er keine Formel, bevor er ihn in eine schwarze Hose und ein weißes Hemd verwandelte.

 Hermine zog beeindruckt die Augenbrauen hoch. Sie wusste, dass Snape nonverbale Zauber beherrschte, er hatte sie in ihrem sechsten Schuljahr hinreichend damit gequält. Aber dass er sie auch mit einem fremden Zauberstab beherrschte, überraschte sie. Sie ließ ihren Blick an seiner Gestalt hinabwandern und freute sich gerade noch darüber, dass seine Schienbeine wieder bekleidet waren, als sie seine nackten Füße entdeckte. „Ich hol Ihnen ein Paar Schuhe“, sagte sie und wollte schon aufstehen, aber er stieß ein Zischen aus, das sie mitten in der Bewegung erstarren ließ.

 „Sie werden jetzt schlafen, ich werde mich hier umsehen. Und den behalte ich solange.“ Er hielt ihren Zauberstab in die Höhe und durchquerte das völlig überfüllte Wohnzimmer.

 „Aber …“, schaffte sie es trotzdem noch, Einwände zu erheben.

 „Was?“, fragte er scharf; er stand schon an der Tür.

 „Der Trank!“

 Snape sah sie finster an. „Der Trank ist meine Angelegenheit.“

 „Aber uns läuft die Zeit davon!“

 Er verdrehte die Augen. „Wenn es um Ihre Tochter bereits so schlimm steht, dass Sie nicht einmal ein paar Stunden Zeit haben, um zu schlafen, dann kann selbst ich Ihnen nicht mehr helfen, Miss Granger. Der Trank steckt noch in der Entwicklungsphase, ich brauche mindestens einige Tage, um ein wirksames Ergebnis zu erzielen.“

 Sie schluckte und obwohl Aufregung und Nervosität durch ihre Adern flossen wie eine ganze Ameisenkolonie, musste sie einsehen, dass er recht hatte. Also nickte sie. „Okay.“

 Und dann war er auch schon verschwunden. Hermine ließ sich auf die Couch sinken, atmete langgezogen aus. Es dauerte keine zwei Minuten, bis sie einschlief.

- - -

 Der Schatten war dicht vor ihr, sie konnte ihn beinahe sehen. Hermine drängelte sich durch die Massen an Menschen, die die Nokturngasse bevölkerten, und versuchte, ihn nicht zu verlieren. Immer wieder tauchten neue Roben vor ihr auf, immer wieder kreuzte jemand ihren Weg und zwang sie, auszuweichen oder stehenzubleiben.

 Sie wischte sich den Schweiß von der Stirn und duckte sich an noch mehr Menschen vorbei. Ein seltsamer Geruch lag in der Luft. Das und ein Rauschen, das sie nicht zuordnen konnte. „Bitte, bleiben Sie doch stehen“, murmelte sie und versuchte, irgendwie an den Rand der Gasse zu kommen. Vielleicht lief es sich dort besser.

 Dann stand plötzlich alles still. Jeder der Menschen in der Gasse, der Wind, ihr Herz – alles blieb stehen. Etwas Düsteres zog herauf. Der Schatten wurde größer und größer und tauchte die Nokturngasse in Dunkelheit. Hermine starrte ihn an. Dann drehte sie sich um und lief, so schnell sie konnte.

 Aber es ging nicht! Sie setzte einen Fuß vor den anderen, wieder und wieder, aber sie kam nicht voran. Ihre Beine wollten ihr nicht gehorchen, wollten sich nicht so schnell, mit nicht so großen Schritten bewegen, wie sie es ihnen befahl. Es war, als würden sie durch knöcheltiefen Schlamm waten. Immer wieder sah sie über ihre Schulter, der Schatten kam näher und näher und ihre Schritte wurden mühsamer und mühsamer.

 Als er sie verschluckte, schlug sie die Augen auf.

 Das Erste, was sie bemerkte, war ihr Herzschlag. Sekundenlang hielt Hermine die Luft an und starrte in die Dunkelheit, der sie gerade erst entkommen zu sein glaubte. Es dauerte lange, bis sie sich erinnerte, wo sie war – und warum sie hier war. Als es ihr wieder einfiel, schloss sie die Augen und wünschte, sie könnte es noch für ein paar Sekunden nicht wissen.

 Schwerfällig setzte sie sich auf. Ihr taten die Hüfte und die Schulter weh, weil sie so lange auf derselben Seite gelegen hatte. Die Couch hatte ihr nicht viel Raum für Bewegung gelassen. Mondlicht sickerte ins Wohnzimmer und tauchte alles in ein helles Grau. Es war absolut still im Haus.

 Absolut still.

 Bei diesem Gedanken machte ihr Herz einen Satz. Professor Snape! War er gegangen? Hatte er nur darauf gewartet, dass sie ihn nicht im Auge hatte und hatte sich dann aus dem Staub gemacht? Oder … Sie schluckte. Oder war mit dem Ritual etwas schiefgelaufen? War er …

 Sie sprang auf und lief auf den Flur. Dunkelheit begrüßte sie auch hier. Wie lange hatte sie eigentlich geschlafen? Es war doch noch Morgen gewesen, als sie sich hingelegt hatte! Wie hatte sie es nur zulassen können, ihn so lange unbeobachtet zu lassen?

 Schließlich steckte sie den Kopf in die Küche und sah den Schatten, der sich gegen den etwas helleren Hintergrund absetzte. Hermine atmete auf und sackte ein Stück in sich zusammen. Hier war es dunkler als im Wohnzimmer, der Mond stand auf der anderen Seite des Hauses. Nur ein paar Wolken, die das zarte Licht reflektierten, tauchten auch die Küche in genug Licht, dass sie sich orientieren konnte.

 „Professor Snape?“, fragte Hermine und ging langsam auf ihn zu.

 Er saß gerade und unbeweglich am Küchentisch. Vor ihm stand eine Tasse vermutlich längst erkalteten Tees. Seine Hände lagen im Schoß und seine Augen waren geschlossen. Er reagierte nicht auf sie.

 Hermine schluckte. „Professor Snape!“, wiederholte sie, ein bisschen lauter dieses Mal. Wieder reagierte er nicht.

 Erst als sie ihn vorsichtig an der Schulter berührte, sprang er so unvermittelt auf die Füße, dass Hermine einen kleinen Schrei ausstieß. Sie zuckte zurück und fand sich plötzlich von ihrem eigenen Zauberstab bedroht.

 Entsetzt sah sie zu ihm auf. Er überragte sie beinahe um einen Kopf und nun, da er mit dem Rücken zum Fenster stand, konnte sie nicht mal sein Gesicht, geschweige denn seine Augen erkennen. Mehrere Herzschläge lang stand sie wie erstarrt da, dann streckte sie vorsichtig die Hand aus und nahm ihm ihren Zauberstab aus der Hand. Er ließ es geschehen.

 „Lumos!“, murmelte Hermine und das magische Licht an den Wänden, das sie an diesem Morgen ausgeschaltet hatte, flammte auf. Sie blinzelte heftig, bis ihre Augen sich daran gewöhnt hatten.

 Und auch Snape schien das Licht aus seiner Starre zu reißen. Er wandte den Blick ab und rieb sich über die Augen. „Was tun Sie hier?“, zischte er leise.

 Sie schnaubte. „Wir sind im Haus meiner Freundin, ich habe jedes Recht, hier zu sein.“ Hermine konnte dabei zusehen, wie ihm einfiel, was passiert war. Seine Schultern versteiften sich ein bisschen, er biss die Zähne aufeinander. Sofort schämte sie sich für ihre schnippische Antwort. „Soll ich frischen Tee kochen?“, bot sie daher versöhnlicher an.

 Snape nickte, was kaum mehr als ein Ruck mit seinem Kopf war. Dann setzte er sich wieder und legte seine Hände flach auf den Tisch, bevor er sie zu Fäusten ballte und die Arme vor der Brust verschränkte.

 Der Schreck saß Hermine immer noch in den Gliedern, als sie die Teekanne nahm und zur Arbeitsplatte ging. Sie warf die benutzten Teebeutel in den Müll, dann spülte sie die Kanne aus, setzte frisches Wasser auf und holte neue Beutel aus dem Schrank. Obwohl Snape mit dem Rücken zu ihr saß, fühlte sie sich seltsam beobachtet bei ihrem Tun. Beinahe so wie früher, wenn er im Unterricht jeden einzelnen ihrer Handgriffe überwacht hatte, nur um eine Gelegenheit zu finden, ihr Punkte abzuziehen.

 Sie hatte nicht erwartet, dass der Eindruck des Lehrers, der er vor so vielen Jahren für sie gewesen war, jetzt noch so stark sein würde. Nicht nachdem sie schon lange keine Schülerin mehr war. Nicht nach dem, was Harry ihnen von ihm erzählt hatte.

 Der Penny fiel ihr wieder ein und sie griff in ihre Hosentasche. Als sie im Jenseits gewesen war, hatte sie ihn dorthin gesteckt, nachdem er sie zu Snape geführt hatte. Und er war wieder mit zurückgekehrt. Hermine drehte ihn nachdenklich in der Hand und als sie mit der Teekanne zum Tisch zurückkehrte, legte sie ihn vor Snape auf den Tisch. „Der gehört Ihnen“, sagte sie.

 Er blinzelte, beinahe als hätte sie ihn schon wieder zurückgeholt von wo auch immer er gewesen war. Eben und als sie ihn im Jenseits gefunden hatte. Ihn so unaufmerksam und abwesend zu sehen, war seltsamerweise noch beunruhigender als das Gefühl, wieder so wie früher von ihm beobachtet zu werden.

 „Nein“, riss seine Stimme sie aus ihren Überlegungen. „Er wurde mir nur geliehen.“ Trotzdem nahm er ihn in die Hand und ließ ihn durch seine Finger gleiten, als wollte er ihr einen Muggel-Zaubertrick damit zeigen. Erst verzögert wurde er sich ihrer Anwesenheit wieder bewusst und schloss die Faust darum.

 Hermine räusperte sich. „Ich weiß, von Lily … Evans.“ Sie hätte schwören können, dass er ein bisschen zusammengezuckt war, als sie ihren Namen aussprach. „Er hat mich erst zu ihr geführt … drüben.“

 Snapes Augen wurden fast unmerklich ein bisschen größer, dann schluckte er hohl und presste die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen. „Das geht Sie nichts an“, zischte er.

 „Ich weiß!“ Hermine hob beschwichtigend die Hände. „Aber ich … Sie bat mich, Ihnen … Danke zu sagen. Und Sie hat Ihnen den Penny geschenkt, damit ich Sie damit finden kann. Er gehört jetzt Ihnen.“

 Für einen kleinen Moment schloss er die Augen und als er blinzelte, waren sie kalt und ausdruckslos. Wie zwei schwarze Löcher in seinem Gesicht. Er öffnete die Faust, in der der Penny verborgen gewesen war, aber sie war leer.

 Hermine starrte seine Hand an, bis er seine Finger ineinander verschränkte. Ein spöttischer Ausdruck lag auf seinem Gesicht, als sie den Blick hob. „Wie stellen Sie sich das jetzt vor, Miss Granger?“, schnarrte er.

 Sie schluckte. „Was meinen Sie?“

 „Ich bereite also diesen Trank für Sie zu, damit Sie heroisch wie immer und unter Verletzung von gut einem Dutzend Gesetzen, sowie den meisten Regeln des Anstands das Leben Ihrer Tochter retten können …“ Hermine stöhnte und rieb sich die juckenden Augen, aber Snape ließ sich davon nicht im Mindesten beeindrucken: „Und was dann, Miss Granger?“

 Sie stützte den Kopf in die Hand, was ihn verstimmt eine Augenbraue hochziehen ließ. „Ich verstehe immer noch nicht, worauf Sie hinauswollen, Professor Snape.“ Was nicht ganz der Wahrheit entsprach; sie hatte eine ungefähre Vorstellung davon, was er meinte, aber sie würde sich hüten, ihm zu sagen, was er mit diesem Leben anfangen sollte.

 Die Unwissende zu spielen, stimmte ihn allerdings auch nicht gnädiger. Er runzelte die Stirn, bis eine Falte zwischen seinen Augenbrauen stand, und fragte: „Wie soll ich erklären, dass ich auf einmal wieder am Leben bin?“

 Sie zuckte mit den Schultern. „Gar nicht.“

 Snape schnaubte. „Und was soll ich Ihrer Meinung nach stattdessen tun?“

 Hermine lehnte sich zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Bei jedem anderen Menschen hätte sie tatsächlich geglaubt, dass er keine Idee hatte, wie er das irgendwem erklären oder wieder Fuß im Leben fassen sollte. Aber Snape? Sie kaufte ihm das keine Sekunde ab. „Sagen Sie einfach, Sie wären nie tot gewesen. Sie haben uns alle glauben lassen, Sie wären ein Verräter, niemand wird bezweifeln, dass Sie einen Weg gefunden haben, den Krieg zu überleben und unterzutauchen. Oder Sie tun genau das einfach jetzt: untertauchen, das Land verlassen und woanders ein neues Leben beginnen.“

 „Ein Leben, um das ich nicht gebeten habe“, grollte er.

 Sie schloss die Augen. „Ich habe bereits versucht, mich dafür bei Ihnen zu entschuldigen. Ich wollte Sie drüben fragen, ob Sie mir helfen können. Es war nicht fest geplant, Sie zurückzuholen, das war mein Plan B, von dem ich nicht gedacht hatte, dass ich ihn brauchen würde. Aber Sie waren … nicht ansprechbar. Mir blieb nichts anderes übrig.“ Und bevor er ihr wieder seinen Vortrag über Dinge, die sich nicht ändern ließen, halten konnte, fügte sie hinzu: „Jedenfalls nichts, mit dem ich hätte leben können.“ Sie seufzte. „Es tut mir wirklich aufrichtig leid, dass ich diese Entscheidung für Sie getroffen habe. Ich hoffe, Sie geben mir irgendwann die Chance, es wiedergutzumachen.“

 Er schnaubte abfällig. „Wie wollen Sie das wiedergutmachen, Miss Granger? Wollen Sie mich auch umbringen, wenn ich getan habe, wofür Sie mich brauchen?“

 Sie stieß scharf die Luft durch die Nase. „Wohl kaum.“

 „Ja, das dachte ich mir …“

 „Wollen Sie denn dorthin zurück?“, fragte sie provokant.

 „Und wenn ich zur Queen persönlich wollte …“, grollte Snape.

 „Das könnte ich vielleicht einrichten“, entgegnete Hermine und zog die Augenbrauen hoch.

 „Danke, ich verzichte“, schnarrte er. „Ich brauche einen Zauberstab. Und ein Labor.“

 „Der Zauberstab ist kein Problem. Woraus bestand Ihr alter?“

 Er rümpfte die Nase, als würde es ihm widerstreben, ihr diese Information zu geben. „Pinienholz und Drachenherzfaser, elfeinhalb Zoll.“

 Sie nickte. „Mit dem Labor wird es schwieriger. Ich hab die nötigen Tränke hier im Keller zubereitet, aber das ist kein Labor, sondern nur ein Holztisch und ein paar Kessel. Apropos … ähm … Ich hab mir ein paar Sachen aus Ihrem Labor in Hogwarts genommen. Und das Notizbuch, in dem das Rezept für das Gegengift stand.“ Sie schluckte und knetete die Hände unter der Tischplatte, während sie auf Snapes Reaktion wartete.

 Die fiel jedoch anders aus, als sie gedacht hatte: „Natürlich haben Sie das. Ist schließlich nicht das erste Mal, dass Sie sich an meinen Sachen bedient haben …“ Er zog eine Augenbraue hoch.

 Ihre Wangen wurden warm. „Ich werd sie Ihnen natürlich zurückgeben.“

 „Behalten Sie sie“, entgegnete er desinteressiert, bevor er sie wieder scharf ansah. „Abgesehen von dem Buch.“

 Hermine nickte.

 „Um das Labor kümmere ich mich.“

 Sie atmete aus. „Und was ist mit den Zutaten?“

  Er zog ein Stück Pergament aus der Tasche und gab es ihr. „Erst mal brauche ich diese.“ Er deutete auf eine kurze Liste von Zutaten oben auf dem Pergament. „Den Rest sage ich Ihnen, wenn ich ein Labor habe. Und während ich den Trank zu Ende bringe, werden Sie das hier lesen.“ Sein dünner Finger glitt weiter nach unten.

 Hermine ließ ihren Blick darüber gleiten. Anscheinend hatte er die Zeit, in der sie geschlafen hatte, unter anderem dazu genutzt, um ein paar Hausaufgaben für sie zusammenzustellen. Es war eine Liste von drei Büchern: Die Theorie der Schwarzen Magie von Dewy Stems, Dunkle Spirale – Die Auswirkungen Schwarzer Magie von Briar Catts und Die Abkehr von der Dunklen Seite von Sable Silverberry. Stimmt, er hatte gesagt, Flourish & Blott's würde Bücher über Schwarze Magie verkaufen. Aber … Sie runzelte die Stirn. „Ich kenne mich bei Flourish & Blott's so gut aus wie in meinem Wohnzimmer, und solche Bücher hab ich dort noch nie gesehen!“

 „Ich sagte nicht, dass sie offen zum Verkauf angeboten werden. Aber man hätte Sie beraten und man wird sie Ihnen bestellen.“

 Hermine legte das Pergament weg, schloss kurz die Augen. Woher hätte sie das wissen sollen? Egal. Sie konnte sie ohnehin nicht kaufen und Snape das zu erklären, würde keinen Spaß bringen. „Es gibt da ein Problem …“, sagte sie also vorsichtig.

 Er zog die Augenbrauen hoch. „Haben Sie das Lesen verlernt?“

 Sie überging seinen Einwand. „Das Ministerium weiß, dass jemand Maleficium haben will. Diese Auswahl an Büchern könnte mehr Aufmerksamkeit erregen, als ich gebrauchen kann, wenn ich meine Tochter tatsächlich aufwachsen sehen will.“

 „Warum weiß das Ministerium darüber Bescheid, Miss Granger?“

 Sie rieb sich die Stirn. „Weil Ron es rausgefunden hat und meine Obliviate genauso mies sind wie Ihre.“

 Snape zischte leise. „Ich denke, Ihr Gatte ist informiert.“

 „Jetzt schon“, entgegnete sie leise.

 Er atmete langgezogen aus. „Gibt es sonst noch Mitwisser, von denen ich wissen sollte?“

 „Nein, ich … nein.“ Snape zog eine Augenbraue hoch und sah sie solange an, bis Hermine kapitulierte und hinzufügte: „Eine ehemalige Kollegin von mir hat … zu gut geschlussfolgert, als sie vom Ministerium befragt wurde. Ich hab die verdächtigen Erinnerungen in ihrem Geist verborgen, sie ist keine Gefahr mehr.“

 „Warum haben Sie nicht gleich ein Inserat in die Zeitung gesetzt?“, fragte er mit sehr leiser, aber nichtsdestotrotz ätzender Stimme. Sie schürzte die Lippen. „Warum glauben Sie, dass Sie in derartigen Techniken geschickter sind als mit dem Obliviate?“

 „Weil ich …“, begann sie heftig und erschrak über die Lautstärke ihrer Stimme so sehr, dass sie abbrach. Ruhiger sagte sie dann: „Weil ich das Gleiche während des Krieges mit meinen Eltern getan habe und es hat gehalten, bis ich es rückgängig gemacht habe. Ich kann das!“

 Snape sah ihr in die Augen und sein Blick war so intensiv, dass es sich anfühlte, als würde er sich in ihren bohren. Legilimentik! „Hören Sie auf damit!“, sagte Hermine laut und sprang auf.

 „Auf keinen Fall!“, entgegnete er ebenso laut. „Wenn demnächst die halbe Aurorenabteilung hier vor der Tür steht, dann will ich das wissen! Also setzen Sie sich hin und zeigen Sie mir die Erinnerung, Miss Granger! Ihr Mann wird vielleicht für Sie lügen, eine Kollegin niemals.“

 Hermine schluckte und starrte ihn mehrere Sekunden lang an, aber dann musste sie einsehen, dass er recht hatte. Holly würde nicht nochmal zu ihr kommen, falls irgendein Detail der verräterischen Erinnerungen irgendwie in ihr Bewusstsein zurückkehren sollte. Und Snape war ein Meister der Legilimentik; es war vielleicht nicht verkehrt, ihn einen Blick darauf werfen zu lassen.

 Also setzte sie sich und atmete tief durch, ehe sie ihm ihren Zauberstab reichte. „Dann machen Sie es richtig“, sagte sie leise.

 Während er wieder ihren Zauberstab in der Hand drehte, versuchte Hermine, ihren Geist mit den amateurhaften Okklumentikfähigkeiten zu leeren, die sie sich selbst angeeignet hatte, bevor sie die Erinnerung an ihre Manipulation von Hollys Erinnerungen nach vorn holte. Sie begegnete Snapes Blick und er drang wortlos in ihren Geist ein.

 Bilder zogen an Hermines innerem Auge vorbei, Worte, Gefühle. „Ich werd sie doch nicht umbringen!“, hörte sie sich selbst keuchen, nachdem Moira gesagt hatte, dass sie keine Beihilfe zum Mord leisten würde. „Schick sie her. Und lass dir Zeit! Mach es gründlich statt schnell! Sie darf nichts davon bemerken und es muss halten!“ Das war Moiras Stimme, nachdem sie beschlossen hatte, ihr Rose abzunehmen. Roses Gesicht floss vorbei. Dann wieder Moiras Stimme: „Illegale Taten ziehen immer mehr illegale Taten nach sich.“ Hermine schluckte.

 Dann endlich zogen die Bilder vorbei, an denen Snape tatsächlich interessiert war. Er sah sich langsam und gründlich an, wie Hermine die Augen der geschockten Holly mit einem Zauber öffnete und in ihren Geist eindrang. Beobachtete sie, wie sie ihre Erinnerungen durchsuchte und die verräterischen in den Tiefen ihres Geistes verschwinden ließ, so weit weg, dass sie durch keinen Trigger, durch keinen noch so dummen Zufall jemals von allein wieder an die Oberfläche kommen würden. Snape sah sie zögern bei der Erinnerung an das Verhör und schließlich entscheiden, dass es zu riskant war, auch die verschwinden zu lassen. Im Ministerium war garantiert über die Verhöre geredet worden; wenn Holly herausgefunden hätte, dass auch sie verhört worden war, ohne dass sie sich daran erinnern konnte, hätte sie das dazu veranlasst, Nachforschungen anzustellen.

 Schließlich sah er sich noch Hollys Erwachen danach an. Hermine hörte sie sagen: „Stimmt. Ich bin befragt worden. Und irgendetwas … Wegen irgendetwas hab ich an dich gedacht, aber …“ Und dann hatte sie sekundenlang ins Nichts gestarrt, während ihr Geist damit beschäftigt war, eine Erklärung für diese Ungereimtheiten zu finden. Hermine hatte ihr geduldig dabei zugesehen und es nicht gewagt, sie anzusprechen. Dieser Moment war kritisch. Aber dann hatte Holly den Kopf geschüttelt. „Ich weiß es nicht mehr. Komisch“, hörte Hermine sie wieder sagen und kurz darauf zog Snape sich aus ihrem Geist zurück.

 Hermine atmete tief aus. „Und?“, fragte sie und wischte sich mit zitternder Hand eine Haarsträhne hinter das Ohr.

 „Das sieht … hinreichend aus“, beschied er und verzog den Mund. „Sind Sie ihr danach nochmal begegnet?“

 „Nein. Ich hab darüber nachgedacht, aber ich wollte es nicht riskieren, die Erinnerungen unnötig zu reizen.“

 Er nickte kurz, während er sie mit schmalen Augen musterte.

 „Was?“, fragte Hermine, als ihre Wangen warm wurden.

 „Nichts.“ Er legte ihren Zauberstab auf den Tisch, dann drehte er den Kopf auf dem Nacken, als würde er schmerzen. „Kümmern Sie sich um die Zutaten und den Zauberstab“, sagte er dann, stand auf und verließ die Küche. Kurz darauf hörte Hermine, wie die Haustür hinter ihm ins Schloss fiel.
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