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Der Wurm drin

von ama
KurzgeschichteHumor / P12 / Het
Ingo Zadek Jenny Steinkamp Marian Ötztürk
02.02.2021
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Ich sitze momentan auf über 50.000 Worten unveröffentlichter Jingo-Fanfiction, weil ich die jeweiligen Projekte erst zu Ende bringen will, bevor ich sie veröffentliche. Weil mir aber mal wieder nach etwas Humor war, habe ich mich spontan dazu entschieden, den Anfang meiner jüngsten Idee zu posten. Vielleicht gefällt’s ja irgendwem.

Einordnung: Kurz vor Folge 3500. Mit der wesentlichen Änderung, dass Ingo weiterhin von Jenny träumt.


Der Wurm drin

“Ich fass’ es nicht”, prustet Marian entgeistert. “Du hattest ‘nen Sex-Traum von Jenny!”

Sofort wirft Ingo einen panischen Blick über die Schulter, um sicherzugehen, dass sich niemand von Bedeutung in Hörweite befindet. Es wäre ja auch noch schöner, wenn demnächst halb Essen seinen Geisteszustand in Frage stellen würde.

“Sag mal, hackt’s bei dir? Nicht so laut!” Glücklicherweise haben sich zu dieser Uhrzeit nur die üblichen, untereinander tratschenden Cappuccino-Mütter in der Sieben versammelt. Ingo wendet sich also aufatmend wieder zu seinem an der Bar stehenden Freund um. Trotz der unmittelbaren Erleichterung, die ihn durchflutet, schlägt ihm das Herz bis zum Hals. “Und das war kein Sex-Traum! Wie oft soll ich’s denn noch wiederholen?”

Marian quittiert den Protest mit einem schelmischen Grinsen, für das man ihm eigentlich direkt die Fresse polieren müsste. Die Lage ist immerhin ernst und definitiv kein Anlass zum Feixen. Das ist jetzt nun schon Ingos vierter Traum von Jenny in kurzer Zeit gewesen. Und in der letzten Nacht, nun ja, da ging’s ans Fleisch. Wortwörtlich. Ingos Fleisch, nämlich.

“Ich bleib dabei. Es war ein Sex-Traum”, meint Marian und sieht dabei sehr zufrieden mit sich aus. Er lehnt genüsslich gegen die Theke wie ein abwartendes Raubtier, das Blut in der Luft wittert. ”Bis du mir endlich erklärt hast, wie es keiner sein kann, wenn dein Würstchen sogar die Hauptrolle übernommen hat.”

Verdammt! Er hätte diesem Bastard wohl von Anfang an Schweigegeld anbieten sollen.

“Scheiße, wie du das sagst, klingt das fast pornös.” Ingo stöhnt gequält auf und vergräbt das Gesicht in den Händen. Seine Stimme klingt gedämpft in seinen Ohren, als er weiterspricht, “Dabei hab ich einfach nur im Park gestanden und unter Engelschören und Harfenklängen nichtsahnend die perfekte, goldbraune Wurst gegrillt. Bis plötzlich Jenny hinter mir aufgetaucht ist...”

“...und sie dir weggegessen hat”, vervollständigt Marian den Satz.

Offenbar hat jemand aufgepasst. Aber Ingo hat ihm ja nicht umsonst in epischer Breite von diesem neuerlichen, äußerst verstörenden Hirnschiss berichtet. Da kann man so was schon erwarten.

“Genau, aber nicht nur das!”, ereifert sich Ingo und fährt hoch. Allein bei der vagen Erinnerung an das Schreckensbild, verspürt er einen leichten Brechreiz seine Kehle hochkriechen. Gut, dass das rettende Klo sowie natürlich auch sein tröstendes Pils nicht unweit entfernt sind. “Sie hat die Wurst wie ‘ne Schlange...” Er legt demonstrativ den Kopf in den Nacken und gestikuliert ausladend zu seinem weit aufgerissenen Mund, ohne dabei auch nur für eine Sekunde in seiner Erzählung zu stoppen. “Also, stell dir vor, so ‘ne australische Busch-Python mit ‘nem klitzekleinen, kuscheligen Mäuschen. Schlund auf, Unterkiefer aushaken und dann mit einem Happs weg damit!”

Nach dieser sehr bildhaften Beschreibung wird das Lächeln auf Marians Gesicht breiter, erhält sogar eine Spur von Schadenfreude. Ingo kennt sein Gegenüber gut genug, um zu wissen, was jetzt kommen muss. Die ultimative Retourkutsche für die vielen Male, in denen er Marian bereits zum leidigen Mitwisser all der abstrusen, durchgefurzten nächtlichen Produkte seines kranken Gehirns gemacht hat.

“Du willst mir also ernsthaft verklickern, du träumst von Jenny ohne Würgereflex, die ausgerechnet an dein Würstchen will? Und das soll kein verkappter Sex-Traum sein?”

“Ja, verdammt, Dr. Freud! Es war wie aus ‘nem schlechten Horror-Film!” Ingo verzieht leidend das Gesicht. Er bemerkt, wie sich eine einsame, männliche Träne als Zeuge stummen Leides in seinen linken Augenwinkel stiehlt und blinzelt sie entschlossen weg. “Nur, dass hier der maskierte Killer mit kreischender Kettensäge durch eine unersättliche Grill-Nymphomanin namens Jennifer Steinkamp ersetzt wurde! Mir ist’s kalt den Rücken runtergelaufen. Und nicht warm vorne in die Sackkarre, wenn du weißt, was ich meine.”

“Alter, trotzdem!” Marian legt den Kopf schief, sein Ton nun hörbar mehr mitleidig als amüsiert. “Das ist mittlerweile, was? Dein dritter Traum von ihr? Mensch, wenn das so weitergeht... Du brauchst dringend ‘ne Frau. Oder ‘nen Therapeuten.”

Ingo nickt nachdenklich und trinkt einen verhaltenen Schluck aus seinem Bierglas. Sein viertes heute. Schließlich hat er eh einen totalen Dachschaden, da kann er sich also gleich direkt ins Koma saufen. Besser jedenfalls, als demnächst nochmal von fleischigen Gelüsten in Verbindung mit einer Jennifer Steinkamp im Schlaf heimgesucht zu werden.

“Das ist es ja.” Ingo seufzt tief und fährt sich mit der Zungenspitze über die obere Zahnreihe. “Die eine Neue an der Zentrumsbar wirft mir schon tagelang Stielaugen zu. Und dann ist da noch Tina ausm Aqua-Kurs, die ständig an mir rumgräbt.”

“Wow, du arme Sau bist also heiß begehrt! Was zur Hölle stoppt dich?” Marian fixiert ihn prüfend, dann weiten sich seine Augen, als hätte er soeben eine göttliche Offenbarung gehabt. “Warte mal, du willst mir doch jetzt nicht etwa sagen, dass du in Jenn-...”

“Was?” entrüstet sich Ingo. Allein bei der Vorstellung, das Verliebtheits-Fiasko von vor einigen Wochen wieder aufleben zu lassen, verknotet sich etwas heiß und ungemütlich in seinen Eingeweiden. “Natürlich nicht! Daran hat sich rein gar nichts geändert. Jenny und ich? Das ist doch total bescheuert! Und unprofessionell sowieso!” Er wedelt unschlüssig mit den Händen vor seiner Brust herum. “Halt gerade einfach kein Bedarf. Erst der Stress wegen Marie und Deniz. Und jetzt sind wir eben auf der Zielgeraden mit der Therapie. Außerdem bin ich Bens Go-To-Babysitter.”

“Klar, Zadek! Viel zu beschäftigt für Gefühle. Da beginnt man dann eben schon mal von der Frau zu träumen, die man eigentlich nicht leiden kann, der man aber wochenlang ‘nen Kaffee bringt.”

Ingo entscheidet sich dafür, den Sarkasmus seines Freundes geflissentlich zu überhören. Widerworte bringen immerhin eh nichts, wenn Marian sich erst mal sein eigenes Urteil gebildet hat. Ganz egal, wie abenteuerlich und pervers es auch sein mag.

“So bin ich halt”, sagt er also bloß und lacht unglücklich in sich hinein. Wenn er nicht so nett wäre, dann wäre dieser ganze Mist mit Jenny niemals passiert. Das ‘Date’, oder was auch immer es gewesen ist, im Chez Christine. Ihr gemeinsamer Tanz. Der erste Albtraum von ihr und jetzt der ganze, ihn seelisch vernarbende Rattenschwanz hintendran. “Und natürlich kann ich Jenny leiden! Nach endloser Konfrontationstherapie und erfolgreicher Desensibilisierung durch unsere Reha. Dank ihr bezieh’ ich schließlich auch ‘n doppelten Lohn. Sie hält mich aus. Was gibt’s da nicht zu mögen?”

Marian hebt jetzt eine süffisante Augenbraue.

“Aha, dann hat Jenny in eurer Beziehung also die Hosen an. Überrascht mich nicht”, stellt er gut gelaunt fest. “Apropos, was trug sie eigentlich...”

“Igitt, du Judas! Warum zur Hölle fragst du mich bloß solch widerliche Kacke?” Bevor er überhaupt über das Thema nachdenken kann, leert Ingo das vor ihm stehende Glas Bier in einem Zug und gestikuliert hastig nach dem nächsten. “Keine Ahnung, was sie anhatte, aber sie war definitiv nicht nackt! Deswegen war’s ja auch hundertprozentig kein Sex-Traum! In meinen Sex-Träumen trägt keiner was beim Grillen, außer mir.” Auf Marians fragenden Blick hin schiebt Ingo schulterzuckend nach: “Meine Stiefel, natürlich. Was denkst du denn?”

– Fortsetzung folgt –


Ich kann derzeit keine regelmäßigen Updates versprechen, aber ich tue, was ich kann. ;)
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