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Normalerweise kümmert es ihn nicht

von NixParva
Kurzbeschreibung
OneshotAllgemein / P12 / Gen
Megumi Fushiguro Yuji Itadori
01.02.2021
01.02.2021
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Normalerweise kümmerte es ihn nicht.

Zumindest sagte er sich das und scheinbar dachten so auch die anderen.

Aber normalerweise war eben nur meistens und auch wenn er darüber nicht nachdenken will, kommt es doch immer wieder hoch. Manchmal zu den unpassendsten Zeitpunkten.

Es ist unförmig. Es ist immer da, schlummert unter der Oberfläche. Es ist, als wäre das Gefühl, die Vorstellung, das Empfinden wie in einer Blase. Normalerweise hielten ihre Wände. Doch sie waren dünn. Sie waren dünn und er wusste es, auch wenn er es ignorierte.

Nur, dass das Wegsehen nicht heißt, dass die hauchzarten Wände dieser Blase stärker werden oder überhaupt halten. Sie war dazu bestimmt zu platzen. Früher oder später wird und muss sie das tun. Es nicht möglich einen Ballon immer weiter aufzublasen und anzunehmen, dass es funktionieren würde. Dass er nicht platzen würde.

Aber diese Ansammlung von Gefühlen und Erinnerungen, Vermutungen und Ängsten war unpraktisch. Er wollte sie nicht immer und überall hin tief in sich herumtragen. Das Gefühl allein zu sein. Die Erinnerung an ein schemenhaftes Gesicht. Die Vermutung, für die er das Wissen nicht hatte und auch nicht haben wollte. Die Angst, dass sich dieser eine Umstand nicht ändern würde.

Seufzend senkte er den zuvor nach draußen gerichteten Blick auf seinen Schoß. Seine Hände strichen immer wieder sanft durch das Fell des Shikigamis dessen Kopf auf seinem Oberschenkel lag. Die Augen des Hundes blickten in die seinen, fast als würde er ihn trösten wollen.

Konnten seine Shikigamis eigentlich empfinden?

„Es ist schon erbärmlich, meine Technik dazu zu verwenden mir Gesellschaft zu leisten, wo ihr doch eigentlich für den Kampf seid.“

Mit den Händen in dem weichen Fell kam eine gewisse Ruhe mit sich und die kreisenden Gedanken ließen sich besser ausblenden. Ein kleines trauriges Lächeln bildet sich auf seinen Lippen als er so auf den Hund blickte.

„Trotzdem danke, dass du da bist.“

Seine Shikigamis waren das Einzige, was ihn immer begleitete. Sie waren etwas, was nur ihm gehörte. Das Einzige, was immer nah war. Sie beurteilten ihn nicht nach irgendwelchen Vorstellungen oder Klischees.

Um Menschen herum behielt er immer seine Distanz. Das mochte zwar abweisend und manchmal sogar arrogant wirken, aber das scherte ihn nicht. Sie mussten schließlich nicht verstehen, was er dachte und in ihm vorging. Und so behielt er für sich, was eigentlich tief drinnen, knapp unter der Oberfläche schlummert.

Nur allein brauchte er nichts verstecken. Wenn niemand anwesend ist, warum etwas verbergen?

Und so wurde sein Gesicht lebhafter und die Emotionen deutlicher von jenem ablesbar. Die Maske, die er nach außen trägt, fiel und zerbrach. Allerdings bleiben die Scherben immer nah genug, um sie wieder zusammenzufügen und erneut zu tragen. Es musste schließlich niemand wissen, wie es darunter aussah.

Es war ja auch nicht so, als würden es besonders viele versuchen. Nach dem ersten Eindruck, ein wenig Geduld und vielleicht noch eine Frage in die Richtung von Warum erzählst du nicht auch mal was von dir hörten die meisten auch auf. Er machte es schließlich mehr als eindeutig.

Eine der wenigen Personen, die schon immer unter seine Maske schauen konnten, egal was er auch versuchte zu verbergen, war seine Schwester gewesen.

Sie hat immer an das Beste in ihm geglaubt und war jedes Mal von neuem enttäuscht, wenn sie sah, was er tat. Er hatte damals nicht darum gebeten. In seinen Augen war es sinnlos, immer wieder zu glauben und zu hoffen, nur damit man sah, dass es doch anders passierte.

Heute wollte er sie fragen, fragen, warum sie immer hinter ihm stand und sich um andere sorgte. Auf eine gewisse Art und Weise war es für ihn faszinierend. Allerdings hatte er auch mit ansehen müssen, wohin es seine Schwester geführt hatte. Und wenn er ganz ehrlich war, vermisste er sie. Er vermisste sie und machte sich Sorgen.

Was wäre gewesen, hätte er sich anders verhalten oder anders gedacht. Was wäre gewesen, wenn ihre Umstände anders gewesen wären. Wenn man sie nicht allein gelassen hätte, zwei Kinder, die man ihrem Schicksal übergab.

Darüber nachzudenken würde zu nichts führen. Das war ihm durchaus bewusst, hielt seine Gedanken aber nicht davon ab immer mal wieder in diese Richtung der Wenn´s und Aber´s zu pendeln.

Seit er denken kann, war außer seiner Schwester niemand wirklich da gewesen. Bis schließlich Gojo auftauchte. An Mutter und Vater hatte er keine Erinnerung und wenn er ehrlich war, sein Vater konnte sich noch so viel in der Weltgeschichte herumtreiben, so richtig interessierte es ihn nicht. Der Schnitt war vor langer Zeit gemacht worden und so würde es auch bleiben. Mag er tot oder lebendig sein, ihm war es egal. Dementsprechend würde er Gojos Angebot auch nicht annehmen.

Eine gewisse Einsamkeit beschlich ihn durch das Treiben seiner Gedanken.

Der Himmel draußen schien seine Stimmung zu spiegeln. Den ganzen Tag schon war das Himmelszelt eine unförmige graue Masse gewesen. Man wusste nicht, ob es den ganzen Tag noch so weiter gehen sollte, oder ob es doch noch umschlagen würde. Es war fast so, als könnte sich jemand nicht entscheiden. Ein wenig bedrückend.

Mit einem Ellbogen auf der Fensterbank und den Blick ziellos nach draußen gerichtet entwich ihm ein erneutes Seufzen.

Entgegen seiner eigentlichen Einstellung wünschte er sich manchmal, er könnte all das mit jemandem teile. Es würde schon reichen zu wissen, dass ihm jemand zuhörte, ohne ihn danach zu beurteilen oder zu bemitleiden. Mitleid war einer der Gründe, warum er all seine Gedanken und eigentlich die meisten Tatsachen seiner Vergangenheit bei sich behält.

Wer wollte schon für etwas bemitleidet werden, was sich eh nicht ändern ließ. Außerdem macht dich auch deine Vergangenheit im Endeffekt zu der Person, die du nun bist. Dabei ist es überhaupt nicht relevant, ob die Erlebnisse nun durchweg gut oder eben durchstreut mit Negativem sind. Die Erfahrung formt dich, macht dich stärker, verletzt dich und beeinflusst deinen Blick auf die Welt.

Es wäre selbstheuchelnd zu sagen, seine Erfahrungen hätten nicht maßgeblich dazu beigetragen, dass er sich so verschloss. Die Frage blieb bloß, ob es etwas geben würde, was in ihm vielleicht sogar den Wunsch erwecken würde, sich zu öffnen. Ihm dabei helfen würde, ein kleines bisschen loszulassen.

Er hatte schon lange nicht mehr so viel über all das nachgedacht. Eigentlich schätzte er seine Ruhe sehr, aber manchmal tat ein Einschnitt durch eine von Gojos Aktionen oder einfach der Wirbel seiner Existenz auch ganz gut. Nach außen mag das zwar nicht so scheinen, aber insgeheim brauchte er einfach ein wenig Ablenkung.

Im Hinblick auf die letzten Ereignisse, wird es durch den Zuwachs an Erstklässlern wohl insgesamt etwas lebhafter werden.

Allerdings muss das nicht heißen, dass er sich deswegen an irgendwas anpassen würde. Ja, es würde lebhafter werden, aber ihm war klar, er würde seine Distanz behalten. Daran würde sich wohl nichts ändern. Nur weil mehr Menschen in seiner Nähe waren, ändert sich nicht zwingend etwas an der Gesamtsituation.

Und das, auch wenn sich etwas, wie ein drückendes Gefühl auf seine Brust legte bei dem Gedanken an all jenes, was zwischen ihm und den anderen wie eine Wand stand. All das Unausgesprochene, das Ungefragte, das Unbeantwortete. Es war unsichtbar und doch war es nun einmal da.

So war es schließlich besser, oder?

Die Blase mit den dünnen Wänden würde noch halten. Das musste sie schließlich und so war es am besten.

Vielleicht…

Was ist, wenn sie es nicht tun würde?

Wie würde es ihn beeinträchtigen, wenn sie platzen würde? Wenn sich alles mehr oder minder offenbaren würde?

Was würde passieren, wenn er tatsächlich jemanden in sein Inneres schauen ließ?

Bei dem Gedanken schnaubte er nur und schüttelte entschlossen den Kopf. Das würde nicht passieren.

Ein plötzliches Klopfen riss ihn aus seiner Auseinandersetzung mit sich selbst. Beinahe ertappt drehte er den Kopf zu der sich nun öffnenden Tür.

Es war Yuji.

„Hey. Gojo Sensei hat vorgeschlagen zusammen essen zu gehen, Kommst du mit?“

Bei dem Anblick von Yuji, der dies fröhlich vom Türrahmen aus verkündete, fiel es ihm fast ein bisschen schwer, denselben müden Gesichtsausdruck beizubehalten. Die Begeisterung war schon fast beeindruckend.

Trotz dessen blieb seine Antwort trocken.

„Wenn er euch nicht wieder reinlegt und dann eine seiner Aufgaben übernehmen lässt.“

„Ja, ja. Solange wir hinterher dann essen, ist es mir egal. Wir warten gleich vorne.“

Als der andere sich umdrehte schlich sich ein klitzekleines Lächeln auf seine Lippen.


Vielleicht war es doch gar nicht so schlecht, dass mehr Leute eingezogen waren.




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AN//:
Danke an alle, die bis hierhin gelesen haben!
Das ist das erste Mal, dass ich etwas zu diesem Fandom und den Charakteren schreibe, weswegen ich hoffe, dass es zumindest etwas gefällt.
Ich muss sagen, ich war etwas überrascht in dieser Kategorie nur eine Hand voll von Geschichten vorzufinden. Andererseits hat mich das auch ein bisschen motiviert, etwas zu diesem Fandom beizutragen.  :)
Im Endeffekt ist dieser Oneshot daraus und aus einer eher negativen Stimmung meinerseits entstanden, die ich durchs Schreiben hierrein verarbeiten konnte. Mir kam das irgendwie sehr passend zu Megumi vor. (Vor allem, wenn man im Manga schon ein bisschen weiter als der Anime ist)

Meinungen und konstruktive Kritik sind überaus erwünscht. ^^

LG
NixParva
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