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Dich zu lieben ist Ketzerei

OneshotFreundschaft, Erotik / P18 / MaleSlash
Anthony J. Crowley Erziraphael
01.02.2021
01.02.2021
1
6.732
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3 Reviews
Dieses Kapitel
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Hallo ihr Lieben,

Heute gibt es mal was Interessantes :)! Das hier ist eine Fanfiction Version eines Patreon Comics, den die wundervolle 'Selene' gezeichnet hat. Ich habe selbstverständlich vorher ihre Einwilligung eingeholt ;). Ein paar Dinge seien hierzu gesagt:

1. Das Original ist in Englisch, deswegen musste ich die Dialoge teilweise ein wenig anpassen.

2. Der Comic basiert auf der Buchversion, weswegen Crowley hier z. B. dunkle Haare hat, anstatt rote (also nichts, was stört ;))

3. Das hier ist kein typischer Sex Oneshot. Selene malt äußerst gefühl- und geschmackvoll und ich hoffe, dass ich das hier ein wenig wiedergeben kann.

Es ist ein wenig länger geworden, nehmt Euch also Zeit, alles in Ruhe zu lesen :).

Ich suche außerdem noch jemanden, der Lust hat, das Ganze ins Englische zu übersetzen, damit die Künstlerin das Ganze auch lesen kann <3 (Sie wartet voller Hoffnung :D).

Wenn ihr Lust habt, euch ihre Version der Beiden anzuschauen (ich bin so verliebt :O), dann folgt dem Link zu Instagram, dort findet ihr zwei Bilder, die ich mit ihrer Erlaubnis dort posten darf :).

Und jetzt genug Gelaber, viel Spaß <3! Über eure Meinung freue ich mich wie immer sehr :)!


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Die Türglocke klingelte und schloss sich hinter dem letzten Kunden des Tages. Aziraphale seufzte leise. Nur widerwillig hatte er der jungen Frau eins seiner Bücher verkauft und hatte deswegen jetzt ein schlechtes Gewissen. Nicht wegen des Verkaufs, sondern weil er es widerwillig getan hatte. Er sollte nicht auf diese Weise an diesen irdischen Dingen hängen.

"Vielleicht hätte ich es für sie segnen sollen..." murmelte er in sich hinein und strich sich mit einer Hand durch die blonden Locken. In Gedanken versunken schlenderte er durch seinen Buchladen und steuerte auf das kleine Hinterzimmer zu, das durch einen schweren, staubigen Vorhang vom Rest des Buchladens getrennt wurde.

"Crowley?" rief er fragend, als er den schweren Stoff zur Seite zog. "Bist du immer noch hier drin?"

"Jap." kam die knappe Antwort, wobei der Dämon das 'P' übermäßig betonte.

Der Dunkelhaarige hatte sich lässig auf Aziraphales alter Couch niedergelassen. An seinem dunklen Hemd waren einige Knöpfe offen und die viel zu enge, hoch geschnittene Lederhose betonte seine schmale Taille. Beim Anblick, der in seinem Mundwinkel qualmenden Zigarette, verzog der Engel pikiert das Gesicht. In den schlanken Händen hielt er überraschenderweise ein Buch, dessen Titel Aziraphale von seinem Standpunkt aus nicht erkennen konnte.

"Du liest?" fragte er erstaunt. "Ich dachte, dass interessiert dich nicht."

Crowleys gelbe Augen blickten weiterhin auf das Buch, während er genüsslich eine Seite umblätterte.
"Hmm, also diesen Katalog hier finde ich schon ganz interessant. Du solltest ihn irgendwo anders aufbewahren, Engel. Nicht so... öffentlich". Seine Stimme klang ein wenig, als wollte er etwas bestimmtes andeuten, doch Aziraphale ignorierte es geflissentlich.

"Stell ihn bitte dorthin, wo du ihn her hast, wenn du fertig bist. Ich such uns in der Zeit schonmal zwei Gläser raus für gleich." sagte er deshalb nur und wandte sich zum Gehen. Crowley hingegen schien das Gespräch nicht als beendet anzusehen.

"Ja, sicher. Aber wo wir gerade davon sprechen. Interessierst du dich für das Sexleben der Menschen?"

Der Engel erstarrte und ihm wurde abwechselnd heiß und kalt.

"Bitte was?" fragte er schockiert. Crowley grinste und drehte die Vorderseite des Buches endlich zu ihn. 'Homoerotische Sammlung' stand auf dem leicht abgegriffenen Hochglanzcover.  Der Dämon zwinkerte verschwörerisch.

"Ich meine, warst du nur neugierig, oder hat das einen besonderen Grund?"

Crowley schien sich augenscheinlich prächtig zu amüsieren, doch Aziraphale rührte sich nicht mehr.

"Mein Lieber, ich bin mir sicher, dass alles was du gerade denkst, absolut falsch ist. Können wir bitte einfach gehen, uns betrinken und Musik hören? So wie immer?"

Er klang irgendwie betroffen, wenn man genau hin hörte, doch bei Crowley schien das nicht anzukommen. Er hatte die Augen geschlossen, eine Hand entspannt in seinen wilden, dunklen Haaren vergraben und wedelte mit dem Katalog in der anderen in Aziraphales Richtung.

"Engeln ist es streng verboten, mit Menschen zu schlafen, aber du hast dir hier sogar Notizen gemacht. Lüg mich doch nicht an... Das Zeug hier ist ein bisschen sündiger, als sich den Bauch mit Süßigkeiten voll zu schlagen, meinst du nicht auch?"

Seine Augen waren immer noch belustigt geschlossen und sein Lächeln mittlerweile so breit, dass die Zigarette heraus zu fallen drohte. Dann zischte es plötzlich vor seiner Nase und er öffnete irritiert die Augen.

Aziraphale stand jetzt nah bei ihm und zerbröselte gerade die Reste der Zigarette zwischen Daumen und Zeigefinger. Er sah ernst aus und hatte die Augenbrauen auf diese ganz bestimmte Art und Weise zusammen geschoben, wie jedes Mal, wenn Aziraphale Crowley etwas nicht sagen wollte.

"E-Engel?" fragte er überrascht und hörte auf zu lächeln. Ein ungutes Gefühl breitete sich in seinem Magen aus und krallte sich kalt in seine Eingeweide.

"Ich werde mit dir nicht darüber reden, Crowley."

"Ich verstehe."

Der Dämon blickte zur Seite und verzog verbittert den Mund.

"Du denkst, ich könnte körperliche Liebe nicht wirklich verstehen, weil ich ein Dämon bin, heh?"

Aziraphale seufzte laut und knetete sich die Stelle zwischen seinen Augenbrauen, knapp oberhalb seiner Lesebrille.

"Das habe ich doch überhaupt nicht gesagt, was ist denn heute nur los mit dir? Außerdem bleibt da immer noch die Tatsache, dass du ein Dämon bist und ich ein Engel."

Crowleys Hände krallten sich in die alten Decken, die hier schon seit Ewigkeiten auf der Couch lagen. Eine für ihn und eine für Aziraphale. Keiner von Beiden wusste mehr, wann genau sie hier gelandet waren, nur, dass sie einander ergänzten. Er schnaubte leise.

"Guter Punkt. Ich wäre nicht fähig zu echter Liebe, also lässt du mich außen vor und ertränkst deine Neugier lieber in diesen Geschichten hier. Wir haben doch immer alles geteilt, warum ist das hier denn jetzt auf einmal etwas anderes?"

Irgendwie war ihm während seinen Worten sowohl der harte Zug um seinen Mund, als auch seine Ironie verloren gegangen. Stattdessen hörte man nun die bittere Enttäuschung aus seiner Stimme heraus und das kam äußerst selten vor. Niemand anderen als Aziraphale würde er diese Seite von sich jemals sehen lassen. Das hier war ihres, ihre Blase in Zeit und Raum, und nun wollte der Engel ihm anscheinend  auch das noch nehmen.

Er erwartete, dass der Andere ihn mit einer Floskel abwiegeln würde, so wie er es immer tat, wenn sie dieses empfindliche Territorium streiften. Stattdessen schien er etwas in sich zusammen zu fallen und fuhr sich fahrig durch die blonden Haare, die blauen Augen zum Boden gerichtet.

"Natürlich ist es anders, du dumme, kindische Schlange..." erwiderte er verzweifelt.

Der Dämon sah hoch, für Aziraphales Verhältnisse kam das hier schon fast fluchen nahe.

"Ich habe Angst ein Wesen zu lieben...".

Er stolperte fast über die Worte, schien sie aufhalten zu wollen, doch es war zu spät. Zu lange hatten sie dort gelauert und auf ihren Moment gewartet. Dort, in den geheimen Räumen seiner Gedanken. Und jetzt stürmten sie über seine Zunge, um ihn ins Verderben zu stürzen.

"... Ein Wesen, dass ich überhaupt nicht auf diese Art und Weise lieben sollte. Das selber überhaupt nicht lieben können sollte und doch weiß ich nur zu gut, dass es das kann... Um Gottes Willen Crowley, es ist einfach viel zu gefährlich. Für uns Beide."

"Feigling."

Es schien plötzlich, als wäre ihm alle Luft aus den Lungen genommen worden. Er hatte nicht mitbekommen, dass Crowley sich während seiner Worte aufgerichtet hatte. Natürlich nicht. Seine Augen hatten es schließlich sorgsam vermieden, sein Gegenüber anzusehen, während er redete und hören konnte man die Bewegungen des Dämons äußerst selten. Meistens war er einfach auf einmal da. So wie jetzt.

So wie jetzt, als seine Hände sein Gesicht umfassten und er einen Hauch Hölle einatmete, bevor er ihn küsste. Einfach so.

Aziraphales blaue Augen weiteten sich einen Moment erschrocken. Er wollte sich lösen, ihn von sich weg drücken, aufhören. Sie mussten dringend aufhören. Aber er tat es nicht.

Viel zu lange hatte er sich hiernach gesehnt. Nach seiner Nähe und seinem Geruch. Seine Lippen waren warm und weich und er schmeckte nach Tabak und dem Zitronensorbet vom Abendessen. Und so gewann die Sehnsucht und Aziraphale schloss die Augen und lehnte sich ihm entgegen.

Schließlich war es Crowley, der sich von ihm löste. Nur wenige Millimeter, nur so viel, dass er das sagen konnte, was gesagt werden musste.

"Guter Gott, Engel, manchmal bist du so blind. Du denkst immer, alles wäre einfach nur schwarz oder weiß und übersiehst dabei, dass das was du willst, genau in der Mitte liegt."

Er hielt sein Gesicht immer noch fest umschlossen und sein Atem strich sanft über Aziraphales Lippen. Die gelben Augen sahen aus, als würden sie in Flammen stehen.

"Du könntest alles von mir haben, wenn du nur fragen würdest, Engel."

Einer von Aziraphales Armen hob sich hilflos in die Luft, alles in ihm brannte drauf, den Anderen zu berühren. Doch er fühlte sich hilflos und zerrissen.

"Das würde ich niemals tun. Crowley, Engel sind nicht gedacht für körperliche Nähe. Wir... Wir sollten das nicht tun."

Er wollte weitersprechen, ihn abhalten von diesem Fehler und gleichzeitig in ihm versinken. Doch alles, was er tun konnte, war, auf seine Lippen zu sehen und sich zu wünschen, er würde ihn erneut küssen. Dabei fiel ihm etwas auf.

"Eh, hast du..." er schluckte hart. "...Hast du gerade meine Brille verschwinden lassen?"

Crowleys Mundwinkel zuckte kurz, sein Daumen strich über Aziraphales Wangenknochen.

"Entschuldige, dass war wohl etwas unverschämt... Aber so küsst es sich besser."

Seine Hände umschlossen immer noch das Gesicht des Engels und sein Mund war nur Zentimeter von dem des Anderen entfernt. Crowleys Körper strahlte Wärme und Verlangen aus und Aziraphale spürte, dass sein Atmen schneller ging.

" Jetzt bist du eigentlich dran, aber ich trage heute keine Sonnenbrille. Du könntest auch ein Wunder benutzen, nur... Bitte... Tu irgendwas."

Seine Stimme klang jetzt fast verzweifelt und der Engel fühlte eine nie gekannte Hilflosigkeit in sich aufsteigen. Natürlich wollte er Crowley. Mehr als alles andere auf dieser und allen anderen Welten. Aber er wusste nicht wie. Er klammerte sich an das Hemd des Dämons und neigte sich noch näher zu ihm hin, zu dessen schlankem Körper.

"Crowley... Ich... Ich merke gerade, dass darüber zu lesen etwas anderes ist, als es wirklich zu tun. Du musst Geduld mit mir haben, ansonsten werde ich dich wohl enttäuschen, mein Lieber."

Crowley stieß ein leises Glucksen aus. Er kniete immer noch auf der Couch. Seine Hände schlangen sich jetzt sanfter als erwartet um Aziraphales Hals und zogen ihn in eine feste Umarmung. Damit der Engel nicht das Gleichgewicht verlor, stützte er sich mit einer Hand auf der Rückenlehne des alten Möbelstücks ab.

"Du könntest mich niemals enttäuschen Engel. Und schließlich ist es doch dein Job, mir wegen all meiner Bosheiten eine Lektion zu erteilen, oder?"

Aziraphale hörte das Lächeln in seiner Stimme und vergrub seine Nase an Crowleys Hals.

"Wie romantisch..." antwortete er und der leicht sarkastische Unterton ließ den Dämon leise lachen.

Sie verharrten noch einen Moment, dann atmete der Engel einmal tief durch und schob Crowley ein Stück von sich. Er ergriff die warme Hand des Dunkelhaarigen und sah ihm geradewegs in die goldenen Augen, die jetzt so viel wärmer aussahen. Abwartend und liebevoll.

"Hör Zu, Crowley. Ich will nicht, dass wir hierfür irgendwelche Wunder benutzen. Wenn wir das tun, will ich es auch richtig machen... So wie die Menschen."

Er griff sich nun auch die andere Hand und sah ihn lächelnd an.

"Ich habe extra ein paar Änderungen vorgenommen... Da unten."

Crowleys Gesichtszüge veränderten sich schlagartig. Er wurde rot und sah aus, als könnte er nicht glauben, was er da gerade gehört hatte.

"Eh, wie bitte?"

Der Engel lächelte noch ein bisschen breiter und zwinkerte ihm verstohlen zu.

"Oh, ich bin sicher, du weißt ganz genau, was ich meine."

Es war äußerst amüsant zuzusehen, wie die Erkenntnis im Kopf des Dämons Gestalt annahm und seine Augen zu glänzen anfingen. Er sah aus wie Aziraphale, wenn der ein äußerst köstliches Dessert in Aussicht hatte.

"Ahh, das."

Aziraphale nickte und griff dann plötzlich in den Kragen seines Hemdes, um ihn zu sich zu ziehen. Er küsste ihn mit einer neu entdeckten Leidenschaft, die Crowley so niemals bei ihm vermutet hätte. Er wusste nicht, wie oft der Engel sich schon ein Geschlecht verpasst hatte, doch die Wirkung sprach für sich. Eine heiße Zunge stupste gegen seine Lippen und er riss im ersten Moment erstaunt die Augen auf. So zurückhaltend der Engel eben noch gewesen war, so entschlossen schien er nun zu sein und wer war Crowley schon, sich dagegen zu wehren?

Normalerweise brachte er zwar Menschen dazu, seinen eigenen Versuchungen zu unterliegen, doch wenn es um den Blonden ging, war das ein ganz anderes Thema. Er überspielte seine Gefühle seit 6000 Jahren und wusste jetzt, dass es Aziraphale genau so gegangen war. Doch hier und jetzt, in diesem Moment, gaben sie Beide endlich auf.

Crowley öffnete den Mund und ließ den Anderen hinein. Dieser Kuss war anders, als ihr erster. Nicht mehr vorsichtig, sondern gierig. Wie packte man eine Ewigkeit an Liebe in eine Berührung? Wie ging man damit um, wenn man nach all der Zeit endlich das bekam, von dem man seit Anbeginn der Welt träumte?

Crowley wusste es nicht. Es fühlte sich an wie Fliegen. Nicht wie ein normaler Flug mit den Flügeln, die ihm geblieben waren. Eher wie das Gegenteil von fallen. Es war erhebend und überwältigend. Seine Gedanken waren nur wirre Enden, die keinen Halt fanden. Lose Fetzen, die ihm ein ums andere Mal 'Engel' und 'Liebe' und 'Will dich' zuriefen. Bis Aziraphale am Kragen seines Hemdes zog und ihn in die Wirklichkeit zurück holte.

"Warte..." flüsterte er und legte seine heiße Stirn an die des Engels, um wieder zu Atem zu kommen. Eine seiner zitternden Hände griff nach Aziraphales  Pullunder.

"Komm mit aufs Sofa."

Er küsste ihn erneut und griff nach den Händen des Blonden. Dachte an den Anfang. An einen Engel, der nett zu ihm war. Ein sanfter Krieger mit weicher Haut und gütigem Herz.

Er ließ sich zurück auf das weiche Polster sinken, saß vor ihm, so dass er zu ihm aufschauen konnte. Das dämmrige Licht der Lampe erhellte Aziraphales blonde Locken wie einen Heiligenschein und warf Helligkeit auf seinen unsicheren Gesichtsausdruck.

"Du brauchst nicht zweifeln, Engel. Komm her..."

Er umschloss die kräftigen Oberarme und zog vorsichtig. Der Engel gehorchte und beugte sich über ihn. Stützte die Knie auf den Polstern ab und seine Hände neben Crowleys Kopf. Sah auf den schlanken Körper unter sich und öffnete den Mund, um leise die Luft auszuatmen, die er unbemerkt angehalten hatte. Einige der weichen Locken fielen ihm sanft in Stirn. Crowley umschloss vorsichtig seinen Nacken.

"Alles ist gut, Engel. Keine Eile, wir haben Zeit."

"Keine Eile..." wiederholte er leise und sah fest in die gelben Augen. Der Andere erwiderte seinen Blick, dann löste sich eine Hand von seinem Nacken und schob sich langsam über seine Brust weiter nach unten. Sie zog das helle Hemd aus seiner Hose und hakte sich unter den Stoff.

Als Crowley das erste Mal seine Haut berührte, seufzte der Engel leise. Die blauen Augen schlossen sich und sein warmer Atem strich über Crowleys Gesicht. Der Dämon war froh darüber. Er hatte keine Ahnung, wie er selber in diesem Moment aussah. Es war in all den Jahrtausenden quasi nie vorgekommen, dass er die Fassung verlor. Weswegen auch? Menschen waren recht vorhersehbar, manchmal wundervoll und öfter grausam. Doch Aziraphale und all das hier - das warf ihn aus der Bahn.

Seine Hand wanderte höher, schob den Stoff mit sich. Kleidung, die Aziraphale Stück für Stück liebevoll ausgewählt hatte. Er war nicht wie Crowley. Alles war er tat, alles war er trug und aß, war darauf ausgerichtet, die Welt ein bisschen besser zu machen. Er schätzte alles, was Gott erschuf. Menschen, Nahrung und ja - auch Kleidung. Und Crowley. Er küsste ihn und es machte ihre Welt besser.

"Bei dir alles ok, Engel?" fragte er atemlos zwischen zwei Küssen und der Blonde nickte lächelnd.

"Ja, ich denke, es geht mir gut mein Lieber. Und was ist mit dir?

"Hmm, ein bisschen nervös."

Aziraphale rückte ein Stück von ihm ab und sah fragend auf ihn hinab.

"Nervös? Warum das denn?"

Der Dämon fletschte die Zähne und vergrub eine Hand in seinen dunklen Haaren.

"Verdammt Aziraphale, hast du dich mal gesehen?"

Die blauen Augen weiteten sich kurz, dann sah er auf diese bestimmte Art und Weise auf ihn hinab, die Crowley schon immer atemlos gemacht hatte. Unschuldig, die reinste Verkörperung eines Engel, mit strahlendem Gesicht und makelloser Schönheit. Und gleichzeitig mit diesem kleinen Funken Verruchtheit, weswegen er ihn so sehr liebte. Dieses kleine Funkeln in den Augen, gepaart mit einem zuckenden Munkwinkel, der ganz und gar nicht unschuldig aussah.

"Ehrlich gesagt, nein. Aber ich sehe dich, du wunderschöne Kreatur..."

Er griff um Crowleys schlanken Oberschenkel herum und zog ihn so ruckartig zu sich, dass der Dämon nach Luft schnappte. Sein Mund senkte sich auf die Stelle unter Crowleys Kinn, an der sein rasender Puls zu spüren war.

"Meine perfekter, sinnlicher Dämon... Komm schon, mein Lieber. Ich denke, wir müssen jetzt unsere Kleidung ausziehen." sprach er ihm auf die heiße Haut und der Dunkelhaarige biss sich auf die Lippen, um ein Stöhnen zu unterdrücken.

Er war sprachlos. Aziraphale war dabei so anders, als er es sich jemals vorgestellt hatte. Aber vielleicht hatte er sich auch nur nicht getraut, den Engel so zu sehen. Noch nicht einmal in seinen Tagträumen.

Er lag immer noch dort, unbewegt und mit leicht geöffnetem Mund, während Aziraphale schon aufgestanden war und begann, die obersten Knöpfe seines hellen Hemdes zu öffnen.

"Also... Welche Position bevorzugst du?"

Crowley erhob sich mit tauben Fingern und pochender Erektion und erstarrte in der Bewegung. 'Hat er das gerade wirklich gesagt?'

Er schnalzte mit der Zunge.

"Engel, ich hab gerade erst begonnen, dass Ganze zu verarbeiten..."

Aziraphale begann damit, sich Hemd und Pullunder gleichzeitig über den Kopf zu ziehen. Der Ansatz seines rundlichen Bauches schaute bereits darunter hervor, und verschaffte dem Dämon einen trockenen Mund. Blondes Haar, auch hier. Vom Bauchnabel bis weit nach unten...

"Ach Crowley... Sei doch bitte mal ernst..." schnaufte der Engel leicht gedämpft unter dem Stoff hervor und zog dann mit einer schwungvollen Bewegung seinen Kopf hervor.

Er hatte es nicht einmal gemerkt, doch plötzlich war er nackt. Nein, es war kein Wunder gewesen. Niemals hätte er seinem Engel einen Wunsch abgeschlagen. Aber sein Körper hatte anscheinend ohne sein Zutun reagiert. Und so saß er nun da, ein Kribbeln im ganzen Körper und sah auf zu Aziraphale, dessen nackter Oberkörper vor ihm aufragte. Es war lange her, dass er ihn so sehen durfte. Nichts hatte sich verändert. Der Engel war alles, was man von ihm und seinem Wesen erwartete. Stark und hell. Seine Haut war weiß wie Marmor, ein Ebenbild aller Statuen, die je aus Stein gehauen wurden. Muskeln unter weicher Haut. Helles Haar auf weichen Rundungen. Sein Körper war genau so, wie seine Seele. Stark und beständig strahlte er Ruhe und Wärme aus. Etwas, was man lieben musste.

"Crowley..." sagte er leise und sah mit einer Art leichter Rüge auf ihn hinab. "... Wie kannst du schon nackt sein? Wir haben doch gesagt, keine Wunder..."

Crowley beugte sich ein Stück weiter zu ihm und streckte vorsichtig eine Hand nach ihm aus. Er wusste, dass er in mit Anbetung ansah, doch es war ihm egal. Er hatte nicht mehr viel, was es wert war, angebetet zu werden. Nur Aziraphale. Und der war es tausendmal wert.

"Ich... Ich hab nicht geschummelt. Ich bin einfach nur schnell. Wollte dich nicht enttäuschen."

Er legte sein Kinn vorsichtig auf Aziraphales Schulter und der küsste sanft seine Schläfe.

"Du könntest mich niemals enttäuschen. Also mach es so, wie wir gesagt haben. Keine Hast..."

Der Dämon bewegte seinen Kopf ein kleines Stück, gerade so, dass er an dem Blonden hinunter sehen konnte. Zuschauen konnte, wie seine Hand langsam in den Bund seiner beigen Hose glitt.

" Tut mir leid Engel... "

Aziraphale über ihm schloss die Augen, doch das sah er nicht. Er spürte nur das leichte Zucken des kräftigen, warmen Körpers vor sich und schob sich ein Stück weiter vor.

"Ab jetzt mach ich langsam, wie versprochen."

Und dann stöhnte der Engel das erste Mal. Seine blauen Augen schlossen sich unwillkürlich und er atmete seine Sehnsucht in Crowleys dunkles Haar.

"W-Warte." brachte er krächzend hervor und schob sich ein Stück von ihm weg. "Lass mich bitte kurz meine Hose ausziehen."

Er strich dem Dämon beruhigend über den schlanken Oberarm und auf seiner olivfarbenen Haut bildete sich eine feine Gänsehaut.

"Nur eine Sekunde... Versprochen."

Er stand von der Couch auf und Crowleys gelbe Augen folgten ihm aufmerksam. Sein Blick war ungewohnt sanft.

"Sekunden, Minuten, Stunden. Ich hab so lang auf dich gewartet und würde immer wieder warten, so lange es nötig ist."

Aziraphale lächelte.
"Hey, Dämonen sollten eigentlich nicht so süß sein."

Er stieg aus seiner hellen Hose und Röte kroch in ihre Gesichter. Es war weniger die Nacktheit, die sie so verlegen machte. Nacktheit kannten sie seit Anbeginn der Zeit und es war nichts falsches daran. Nein, es war die Intimität dieses Moments. Vertrauen, dass sie sich so lange versagt hatten und die Endgültigkeit, mit der sie, wortwörtlich, alle Hüllen fallen ließen.

Auch die untere Hälfte von Aziraphales Körper war hell, weich und muskulös. Crowley hatte diese Oberschenkel schon immer berühren wollen, den kräftigen, runden Po, hatte seine Waden unter langen Gewändern bewundert und die unverschämt schönen Füße in Sandalen bestaunt. Und hier war alles. Aziraphale in all seiner Pracht und das, ohne es obzön zu meinen. Er war prächtig. Ein Krieger Gottes mit einem Herzen, reiner als das hellste Licht.

"Übrigens, ich habe gehört, dass Sex dich Sterne sehen lassen kann, wenn du die Augen geschlossen hast." sagte er unerwartet und kniete sich mit einem Bein erneut auf die Couch.

Crowley blinzelte, er musste ein kleines Lachen unterdrücken und korrigierte sich im Geiste. Rein und ein nicht allzu kleiner Hauch Bastard.

"Entschuldige bitte, was?". Er setzt sich ganz auf und zog grinsend eine Augenbraue hoch.

Aziraphale beugte sich ein Stück weiter zu ihm. Er lächelte nicht, doch seine Augen glänzten hell. So wie immer, wenn er so tat, als wüsste er nicht, was er gerade gesagt hatte. Er zuckte mit den breiten Schultern.

"Ich weiß nicht, vielleicht ist es eine Sache, die nur Menschen passiert."

Der Dämon kam ihm ein Stück entgegen, eine dunkle Haarsträhne fiel ihm in das schmale Gesicht. Die Augenbraue zog sich noch ein wenig höher.

"Ja, vielleicht. Oder dein neues 'Spielzeug' hat dich noch ein bisschen weniger engelsgleich gemacht, als sowieso schon."

Der Engel lehnte sich zurück und schnalzte in gespielter Empörung mit der Zunge.

"Wie unhöflich. Ich dachte, es wäre romantisch, so etwas zu sagen."

Crowley schüttelte sacht den Kopf, doch eine Hand hielt sich bereits an der Lehne des Sofas fest. Die andere legte sich warm und liebevoll auf den kräftigen Oberschenkel. Er sah ihm tief in die Augen, dass Lächeln war verschwunden.

"Verzeih mir, aber du solltest wirklich an deiner romantischen Seite arbeiten, Engel."

Ein schlankes Bein schwang sich über Aziraphales Schoß. Die Hand strich an seiner Flanke empor, bis sie sich um Aziraphales Nacken legte, um ihn zu umarmen. Eine geschmeidige Bewegung, flüssig und der Schlange von Eden nur allzu würdig. Sie streichelte die kleinen Locken in Aziraphales Nacken und vergrub sich dann komplett in den dichten Haaren, um ihn auch die letzten Millimeter zu sich zu ziehen.

Dieser Kuss war wieder anders. Aziraphale war erstaunt, wie viele unterschiedliche Arten es gab, sich bei einem Kuss zu fühlen. Das sie nackt waren, schien etwas verändert zu haben. Ihre Lippen schienen verbunden mit dem Rest ihres Körpers. Crowleys schlanke Gestalt auf seinem Schoß presste sich dabei eng an ihn und seine Hände schlossen sich wie automatisch um die schmale Taillie. Warme, glatte Haut, fest und ebenmässig. Verführerisch geschaffen für die Sünde, doch voll von Liebe, die er nicht spüren können sollte.

Crowleys freie Hand glitt über Aziraphales breite Brust, hinab zu den hellen Haaren in seinem Schoß und weiter. Die warmen Finger des Dämons schlossen sich vorsichtig um seine Erregung und der Engel stöhnte leise in seinen Mund.

"Bezaubernd..." flüsterte Crowley ihm auf die Lippen und Aziraphales Gedanken fingen an zu verschwimmen.

Warm. So warm. Er wusste, er sollte das hier nicht so genießen. Ein Krieger des Lichts müsste eigentlich alles Höllengetier bekämpfen, bis das Gute endgültig siegen würde auf dieser Welt. Doch als er jetzt in Crowleys Augen sah, konnte er nichts als Liebe darin finden. Keine Hintergedanken, keine Tücke. Und so wie die Hand zitterte, die seinen Körper umschloss, der Mund sanft über seine Wange strich, so wusste der Engel, dass all dies richtig und gut war. Zumindest für sie Beide. Ying und Yang. Nur vereint ein Ganzes.

Er spürte, wie die Lippen des Dunkelhaarigen weiter über sein Kinn, bis hin zu seinem Hals fuhren. Eine tiefe Sehnsucht fraß sich langsam durch seine Eingeweide, steckte sein Herz in Brand und ließ seine Hände kribbeln. Er wollte ihn berühren, umarmen und in ihm versinken. Doch mit der Sehnsucht kam auch die Angst wieder. Heiße Haut. So heiß. Er schluckte hart.

"Hey." sagte Crowley da leise. "Sei ruhig mutiger. Du darfst mich auch gerne anfassen."

Aziraphales Hand lag immer noch auf seinem Oberschenkel. Seine Finger zuckten leicht.

"Ich..."

Ein weiterer Kuss. Als der andere Mund ihn verließ, folgte er ihm unwillkürlich.

"Ich berühre dich ja. Aber du brennst förmlich... Crowley, ich habe Angst, dass es an mir liegt. An meiner... Natur."

Er atmete jetzt sehr schnell, und das Crowley an seinem Hals knabberte, machte es nicht besser. Die dunklen Brauen verengten sich leicht.

"Machst du dir etwa schon wieder Sorgen? Ich 'brenne' bestimmt nicht deswegen und selbst wenn es so wäre, würde ich nicht aufhören."

Aziraphale schloss die Augen, halb im Schmerz, halb vor Verlangen.

"Das kannst du nicht ernst meinen. Ich... Ich will dir nicht weh tun. Das würde ich mir nie verzeihen."

Der Dämon hörte auf, ihn zu küssen und drückte sich ein wenig von ihm weg, so dass er ihm wieder in die Augen sehen konnte. Eine seiner schlanken Hände lag auf seiner Brust, die dunklen Haare fielen ihm in dicken Strähnen in die Stirn.

"Engel, bitte. Hör doch mal für eine Sekunde auf, dir über deine 'Natur' Sorgen zu machen.". Dann lächelte er schief. "Und vergib mir, unsterblicher Krieger, wenn ich 'zu heiß' für dich bin."

Aziraphale lehnte sich in die Berührung hinein, seine Stirn berührte die des Dämons und ihr Atem vermischte sich.

"Ich bin kein Krieger. Mach dich bitte nicht lustig über mich. Ich habe vorher noch nie die Kontrolle über meinen Körper verloren, ich dachte wirklich, es läge an mir." Er lächelte jetzt ebenfalls ein wenig. "Und du könntest niemals zu 'heiß' für mich sein."

Eine seiner großen Hände legte sich vorsichtig auf Crowleys Oberschenkel. Der Engel war vorsichtig, tastete sich vorwärts. Crowleys Haut war auch hier warm und weich. Der Kontrast ihrer Körper wunderschön. Ein Meisterwerk, von Gott geschaffen. Wie konnte so etwas wunderbares verboten sein. Vielleicht war es nicht verboten, sondern so wie Crowley gesagt hatte. Eine Grauzone. Hörte die Sünde eines Engels auf, wo die Liebe eines Dämons begann?

Seine Gedanken verdichteten sich, als der Dunkelhaarige dichter zu ihm rückte und seine Zunge heiß und feucht über seine Ohrmuschel strich.

"Hmm, dann strenge ich mich wohl noch nicht genügend an, was?"

Aziraphale erschauderte und drehte den Kopf. Ein Verlangen baute sich in ihm auf, gegen das er nicht mehr ankämpfen wollte. Man musste ihm seine Gedanken angesehen haben, denn Crowley sah ihn wieder mit dieser hoch gezogenen Augenbraue an. Er setzte sich in einer geschmeidigen Bewegung neben ihn.

"Hör auf, mich so anzuschauen, dass macht einen ja nervös."

Der Engel musste ein Lachen unterdrücken. Er war so glücklich, dass er nicht mehr wusste, wovor er Angst gehabt hatte. Die Furcht schwand mehr und mehr, je länger er den Geliebten ansah. Die goldenen Augen, geformt um zu ängstigen, schienen ihm seit jeher warm und liebevoll, wenn sie ihn ansahen. Die frechen Worte, nicht mehr als Schalen, die das Innere verbergen sollten. Der schlanke Körper, perfekt und wunderschön, gemacht, um zu verführen. Doch alles was er tat, war sich an einen Engel zu schmiegen. Er liebte ihn. Und er wollte ihn.

Er umschloss Crowleys Oberschenkel und zog ihn ruckartig unter sich.

"Tit mir leid, mein Lieber. Ich versuche wirklich mein Bestes." sagte er mit sanfter Stimme, die im harten Kontrast zu seiner gerade demonstrierten Kraft stand. Der Dämon sah ihn mit großen Augen an. Er wirkte ein bisschen, als hätte man ihm etwas Schweres über den Kopf gehauen und starrte zu dem Engel empor. Anbetung.

Aziraphale lächelte und küsste den verstummten Crowley auf die lange Nase. Von da bahnte er sich einen Weg über die harten Konturen seines Gesichts. Den Kiefer, die hohen Wangenknochen, seine Schläfen, die Stirn. Der Dämon schien von der liebevollen Behandlung schier überwältigt zu sein. Er sprach immer noch kein Wort, als könnte sprechen diesen besonderen Moment zerstören. Das erste Mal in seiner Existenz schien er sich vollkommen einem Gefühl hinzugeben. Seine Augen schlossen sich, die Beine öffneten sich entspannt, so dass Aziraphale sich noch besser zu ihm beugen konnte. Die schlanken Hände lagen wie bei einer Statue auf dem Brustkorb und er atmete schnell und flach. Feine Schweißtropfen glitzerten auf seiner olivfarbenen Haut. 'Wunderschön', dachte der Engel, und ließ eine Hand darüber streichen.

Er strich ihm über den schlanken Hals. Spürte den rasenden Puls unter der glatten Haut. Weiter, über den flachen Brustkorb und bewunderte die Gänsehaut auf diesem menschlichen Körper unter ihm. Die feinen Haare unter seinem Bauchnabel waren dunkler als sein Haupthaar, doch genau so weich. Er ließ seine Mitte aus und glitt mit der Hand bis auf Crowleys Oberschenkel. Er hätte ihn stundenlang einfach nur ansehen können. Es war, als würde man in eine schwarze Supernova schauen. Mit Freude würde man erblinden, wenn man sich nur auf ewig an diese Schönheit erinnern könnte.

"Oh mein Liebster. Womit habe ich dich wunderschöne Kreatur nur verdient?"

Crowley öffnete seine Augen einen Spalt und drehte den Kopf ein wenig zur Seite.

"Du bist nicht lustig, Engel."

"Ich weiß. Ich meinte das ernst."

Er nahm einen tiefen Atemzug und nahm dann seine Hand von dem schlanken Bein. Stattdessen ließ er sie zwischen ihre Körper gleiten und barg seine und Crowleys Erektion darin. Es war ein berauschendes Gefühl, den Geliebten auf diese Art und Weise zu spüren. Die Hand des Anderen zuckte bei der Berührung zu ihm hin und er stöhnte leise, als der Engel die erste Feuchtigkeit auf der seidigen Haut verstrich. Natürlich war es Lust, die ihre Körper gerade beherrschte, aber gleichzeitig war es viel mehr. Doch die Menschen hatten kein Wort für dieses 'mehr' und Himmel, oder Hölle wohl ebenso wenig. Sie waren neu. Die Einzigen ihrer Art. Eine Liebe, allumfassend und gegensätzlich. Doch das hier, dass war mehr, als man sagen konnte. Es war eine Tat. Und zwar eine menschliche.

"Ich will dir zeigen, dass ich deiner wert bin..." flüsterte er heiser und Crowleys Augen schlossen sich, sein Kopf sank auf die Armlehne. "... Lass mich dir Freude bereiten, so wie es unsere geliebten Menschen tun. Würde dir das etwas ausmachen?"

Crowley konnte nicht antworten. Als Aziraphale seine Hand bewegte, öffnete sich sein Mund und er drückte sich ihm entgegen.

"Ah."

Nur ein Laut. Nicht viel mehr als ein Geräusch. Doch er durchzuckte den Engel wie ein Blitz, denn er klang so anders, als sich der Dämon jemals angehört hatte. Verletzlich, hingebungsvoll. Ergeben. Nach all den lauten Tönen und verlorenen Jahren, nach allen Geheimnissen und aller Sehnsucht, konnte Crowley sich endlich fallen lassen.

Aziraphales Arme wurden bei der Stimme des Anderen plötzlich weich. Sie waren sich so nah, doch es war nicht genug. Und dieser menschliche Körper wusste das besser, als sein ätherisches Wesen. Er sank auf Crowley hinab und drückte sich feste an ihn. Seine Hände umschlossen das feste Fleisch unter sich und presste ihre Erregungen aneinander.

Der Körper des Dämons reagierte ebenfalls. Seine Beine schlangen sich um Aziraphales kräftige Oberschenkel, die Arme umschlossen seinen Nacken. Er zog ihn in einem tiefen Kuss und ohne, dass der Engel darüber nachdachte, begann er, sich zu bewegen.

Er wollte fluchen und weinen und lachen. Dieses Gefühl, all die Lust und Liebe, sein schneller Atem und der Sog zum Körper des Dämons hin - es war so viel. Und in diesem Moment begriff er die Göttlichkeit in ihrer Tat. Er sah das Himmlische in der Sünde. Natürlich hatte diese Medaille zwei Seiten. Guter Gott, um das hier zu fühlen, hatten Menschen gemordet und gelogen, Kriege angezettelt und waren gestorben. Doch wer nicht wahrhaft lieben konnte, würde niemals das bekommen, was er ersehnte. Wer nur aus Gier und Lust handelte, dem verwehrte Gott seine Güte und überließ ihm dem Feuer.

Crowley unter ihm glaubte, sich im Wirbel seiner Gefühle zu verlieren. Er atmete schnell und konnte die Augen erst wieder öffnen, als er sich an die lustvolle Verbindung ihrer Körper einigermaßen gewöhnt hatte. Was er sah, überwältigte ihn einigermaßen.

Es war plötzlich hell geworden in dem dämmrigen Raum. Blendendes Weiß nahm sein Blickfeld ein und er brauchte einen Moment, bis er begriff, dass es Aziraphales Flügel waren, die er vor sich sah. Sie waren riesig, von reinem Weiß und wunderschön. Einige kleine Daunen schwebten durch die stickige Luft des Raumes und er öffnete erstaunt den Mund.

"Engel?"

Aus Aziraphales Mund kam nichts als ein kleines, abwesendes Stöhnen, sein Körper rieb sich immer noch warm und rhythmisch an dem des Dämons.

"Sagtest du nicht, wir machen es so wie die Menschen? Gehören Flügel da normalerweise zu?"

"F-Flügel? Oh Crowley, das... das hab ich gar nicht gemerkt..."

Die Stimme des Engels klang rau und hilflos. Er wirkte fast verloren in dieser neuen Art ihrer Liebe und Crowley wurde schlagartig klar, dass Aziraphale tatsächlich noch nie Sex gehabt hatte. Es würde wohl jeden überfordern, so lange zu existieren und dann sein erstes Mal mit dem Einen zu haben, den man schon so lange liebte - jedes Gefühl und jede Berührung tausendmal verstärkt durch seine himmlische Natur.

Der Dämon ließ eine Hand vorsichtig über die weichen Ansätze der großen Flügel streichen, die andere umschloss zärtlich Aziraphales Nacken.

"Shh, es ist völlig in Ordnung so."

Er küsste den Engel sanft auf die Wange.

"Es gibt gerade so viel zu fühlen für dich. Mach dir keinen Kopf über Wunder... Lass einfach los. Für mich bist du so oder so perfekt..."

Der Blonde hatte sein Gesicht jetzt so dicht an Crowleys Hals gedrückt, dass seine hellen Locken dem Dämon teilweise die Sicht nahmen. Doch es störte ihn nicht. Er strich weiterhin behutsam durch Aziraphales weiches Gefieder und genoss jede Bewegung, mit der der Engel sich an ihm rieb. Er hatte die Flügel des Engels nicht oft zu sehen bekommen, geschweige denn, dass er sie anfassen durfte. Es war eine intime und sehr liebevolle Geste und das Aziraphale sie zuließ, war ein großer Vertrauensbeweis. Vielleicht gefiel es ihm auch mehr, als er zugeben wollte, denn seine Stimme klang mittlerweile bei jeder Bewegung lauter, sein Atem ging immer schwerer.

Es war nicht geschickt, oder besonders kunstvoll, doch das störte keinen von Beiden. Niemand außer Gott sah ihnen hierbei zu und die würde weder überrascht, noch erschrocken, oder gar zornig sein. Crowley war sogar der Überzeugung, dass sie das alles von langer Hand geplant haben musste, so wie es halt immer war. Der verdammte, unerfindliche Plan.

Crowley spürte, wie Aziraphales Bewegungen schneller wurden, und hielt ihn fester. Sein Körper kribbelte und jede Bewegung des Engels trug ihn ein wenig höher, ließ ihn wieder aufsteigen, in Richtung des himmlischen Lichts und selbst wenn es ihn erneut in die tiefsten Tiefen der Hölle gebracht hätte, würde er nicht aufhören. Er wollte nichts anderes, als das hier. Verbunden mit Aziraphale, so wie er es sich vom ersten Moment an ersehnt hatte. Tiefe Ruhe, vertraute Perfektion, menschliche Liebe.

"Crowley..." stöhnte Aziraphale leise an seinem Hals. "Crowley, ich glaube ich... komme gleich."

"Ich auch..." antwortete der Dämon leise und drängte sich näher an den Engel. Es war nicht genug. Er spürte, dass seine Kehle eng wurde und sprach weiter, bevor seine Stimme ihm gänzlich verlassen würde.

"Dich so zu sehen, ist das größte Geschenk, dass du einer unwürdigen Kreatur wie mir nur machen konntest."

Aziraphale hob langsam seinen Kopf und sah ihm dann direkt in die Augen.

Er war wunderschön. Seine helle Haut hatte sich unter der Anstrengung leicht gerötet, so dass die hellblonden Haare fast weiß erschienen. Seine blauen Augen glänzten fiebrig und jede seiner Bewegungen brachte seine Locken in Bewegung.

"Nein Crowley, du bist das Geschenk. Meine perfekte, wunderbare Kreatur. Und das du mir auf diese Art und Weise vertraust - nichts könnte wertvoller für mich sein."

Seine Worte klangen abgehackt und rauh. Von seiner üblichen ruhigen und besonnenen Art war nichts mehr zu spüren. Nur Sehnsucht und Liebe. Er krallte sich in Crowleys dunkle Haare, seine Flügel bogen sich dem Dämon entgegen und weiche Federn strichen strahlend über den schlanken Körper.

"Ich würde dir alles vergeben Crowley. Selbst wenn du dich dafür hassen würdest, einen Engel zu lieben... Ich würde es dir vergeben."

Es war, als würde eine sechstausend Jahre alte Bürde von ihen abfallen. Die Spannung, die sich unaufhörlich aufgebaut hatte, entludt sich nur Augenblicke nach Aziraphales Worten. Für Crowley war es das Wissen, dass ihm tatsächlich vergeben wurde. Nicht von Gott, oder der Welt, sondern von dem einzigen Wesen, dass für ihn zählte. Aziraphale.
Der Engel hingegen atmete ein letztes Mal tief ein und fühlte sich befreit. Er hatte all das gesagt, was er immer hatte sagen wollen. In all den Momenten, in denen er Crowley abgewiesen hatte, wollte er genau das hier tun. Ihn endlich lieben. Mit Worten und Taten. Er wollte, dass Crowley endlich wusste, dass er niemals allein gelitten hatte. Niemals.

Es war ein Moment der Stille, bevor das Licht in ihnen explodierte. Ihr Atem vermischte sich in einem Wirbel aus Essenzen und ihre Stimmen fanden einander in uraltem Gleichklang. Sie pressten sich aneinander, hielten sich fest wie Ertrinkende, während ihre Körper bebten und zitterten. Aziraphale bemerkte es nicht, aber seine Flügel strahlten blendend weißes Licht aus. Kein Mensch hätte den Anblick ertragen können, doch den Dämon unter ihm wärmte es. Anders als Feuer, oder Whiskey, sondern tief im Herzen, wo es so lange dunkel gewesen war. Ein lang ersehntes Licht, dessen Gegenstück es freudig aufnahm.

Und zwischen allen Welten, im Raum zwischen Herrlichkeit und Zeit, saß Gott und sah auf sie hinab. Sie lächelte und sprach.

"Und so habt ihr es schließlich doch erkannt, ohne es zu ahnen. Denn ihr seid das Gleichgewicht in dieser Welt. Gut und Böse, Tag und Nacht, Licht und Schatten. Einer könnte nicht existieren ohne den Anderen und eure Liebe hält diese Welt in Waage. Ein Engel, der Flammen trägt und ein Dämon, der das Leben schätzt. So seid ihr stets der Spiegel im Herzen des Anderen."

Der Herr atmete aus und eine neue Welt entstand. Für Alle und jeden Einzelnen. Es geschah unbemerkt und ungesehen. Etwas hatte sich verändert.

"Ich liebe dich." sagte der Engel.
"Ich liebe dich." sagte der Dämon.

Da ward aus Verzweiflung und Sehnsucht eine neue Hoffnung geboren. Und Gott sah, dass es gut war.
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