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Die Schwerter des Monarchen

von achat
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12 / Gen
01.02.2021
15.03.2021
5
12.962
7
Alle Kapitel
8 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
14.02.2021 2.486
 
Hallo Zusammen,

willkommen zu Kapitel drei.
Ich freue mich darüber, dass sich scheinbar doch ein paar Leser gefunden haben und mich würde ja ehrlich mal brennend interessieren, wie viele von euch von SAO angelockt wurden und wie viele von euch wegen SoloLeveling hier sind.
Außerdem ist mir aufgefallen, dass ich bisher etwa einmal die Woche ein neues Kapitel hochlade und bevor Hoffnungen oder Erwartungen entstehen: Das ist reiner Zufall. Ich lade die Kapitel hoch, wie sie fertig werden.
Und einen Beta-Leser gibt es übrigens auch nicht. Ich hoffe, dass das bisher keine negativen Auswirkungen hat, aber sollte ihr anderer Meinung sein, dürft ihr das gerne zurückmelden. Ich bin für konstruktive Kritik immer offen.

Und weiter gehts!



3. Kapitel


Noch ein Tag bis zum Bruch des Portals. Selbst der Stadtteil in dem Kirito lebte, gute 5 km vom evakuierten Bereich entfernt, war inzwischen wie ausgestorben. Nur wenige Menschen begegneten ihm noch auf offener Straße, viele Läden waren verschlossen und verrammelt. Die Menschen, die Kirito sah, eilten mit gestressten und ängstlichen Gesichtsausdrücken an ihm vorbei vorbei. Keiner wollte sich lange draußen aufhalten. Dabei zweifelte er daran, dass es in den Gebäuden im Falle einer Katastrophe sicherer wäre.
Über der ganzen Stadt hing eine zum Zerreißen gespannte Stimmung.
"Hey, Kirigaya! Da bist du also!" riss ihn da eine nasale Stimme aus seinen Gedanken. Überrascht drehte er sich herum.
Ein Mann, nur wenig älter wie er, eilte auf ihn zu. Er hatte schwarze, gegelte Haare, trug eindeutig neue Markenkleidung und schmückte sich mit goldenen Kettchen und Ohrsteckern. Ihm folgten zwei grob aussehende Männer in dunkler Kleidung und mit kahl rasierten Köpfen.
Kirito musste kurz überlegen, bis ihm einfiel, dass der Mann in der Mitte Kazutos früherer Arbeitgeber, Herr Toru, war. Ein unfreundlicher und gehässiger Mann, der seine Mitarbeiter gerne erniedrigte und sie rücksichtslos ausbeutete. Er hatte sich darauf spezialisiert, junge Männer wie Kirito einzustellen, die keinen Schulabschluss, keine wirklichen Freunde und Familie und keine guten Zukunftsaussichten hatten und auf das geringe Gehalt angewiesen waren, das er ihnen zahlte. Damit stellte Toru sicher, dass seine Mitarbeiter das Mobbing, welches gelegentlich auch in körperliche Gewalt ausartete, hinnahmen und alles still schweigend über sich ergehen ließen. In ihrer Verzweiflung sahen sie oft keine andere Möglichkeit und hatten nur Angst, ihren Job und damit den letzten Rest ihres Lebens zu verlieren.
Kirito ballte die Hände zusammen.
"Hallo Mr. Toru", begrüßte er den Mann, bemüht höflich. "Haben Sie die Stadt noch nicht verlassen?"
"Die Stadt verlassen? Pah, ich bin nicht so ein Feigling!", spottet der größere Mann, dann packte er Kirito ohne Vorwarnung am Kragen und zog ihn zu sich heran. "Aber mal was völlig anderes, du kleine Ratte! Was fällt dir ein, einfach so zu verschwinden und deine Arbeit liegen zu lassen? Glaubst du, dass du das so einfach machen kannst? Du wirst deinen Job gefälligst beenden und er ist zu Ende, wenn ich es sage!", zischte Toru versucht furchteinflößend. Spucke flog dabei aus seinem Mund und Kirito konnte nur angeekelt das Gesicht wegdrehen. Das wiederum missfiel Toru noch mehr und er stieß Kirito mit Gewalt zu Boden.
Bedrohlich umzingelten er und seine zwei Begleiter den am Boden liegenden Schwarzhaarigen.
Unauffällig sah dieser sich um, doch es waren kaum Passanten unterwegs und die zwei, die er sah, ignorierten das Geschehen bewusst, zu ängstlich, um ihm zu Hilfe zu eilen.
Leise seufzte Kirito.
"Ich habe gekündigt, offiziell und den Vertragsbedingungen folgend. Ich sehe also kein Problem." Vorsichtig rappelte er sich auf, überrascht, dass Toru und seine Freunde nicht einfach auf ihn eintraten. Wahrscheinlich wollten sie ihn erst noch etwas herumschubsen, bevor sie ihn richtig verprügelten.
"Und zu Ihrer allgemeinen Information: Ich habe gekündigt, da sich mir neue Berufsperspektiven geöffnet haben. Ich bin erwacht und plane eine Karriere als Jäger."
Vielleicht würde das die Schläger dazu bringen, ohne weitere Diskussion von ihm abzulassen. Immerhin waren Jäger normalen Menschen physisch überlegen.
"Du? Ein Jäger? Das ich nicht lache!", spottete Toru. Scheinbar nahm er Kirito nicht als Bedrohung wahr. "Du bist ein Spinner und Loser und nichts anderes. Selbst, wenn du erwacht sein solltest, zu mehr als einem E-Rang taugst du doch eh nicht!"
Er lachte laut und kehlig. Dann holte er weit zu einem rechten Haken aus.
Kirito warf noch einmal einen kurzen Blick auf seine Stats, die außer ihm niemand sehen konnte, dann duckte er sich unter der Faust weg, vollführte ein Drehung auf einem Bein und schlug mit dem anderen allen drei Angreifern die Füße unter ihren Körpern weg. Mit einem überraschten Aufschrei gingen sie zu Boden. Während Toru ihn verwirrt vom Boden aus anblinzelte, rappelten sich die anderen zwei schnell auf und griffen ihn von hinten an.
In Kiritos Augen waren sie nicht schneller als eine Schnecke.
Ohne zu zögern Griff er den zum Schlag ausgestreckten Arm des einen, nutzte ihn als Hebel und warf den deutlich schwereren Mann mit scheinbarer Leichtigkeit über seine Schulter in den anderen Mann hinein. Wieder gingen sie, diesmal mit einem deutlich lauteren Aufschrei, zu Boden.
"Wa.. was..." stotterte Toru, sichtlich erblasst, eine Hand scheinbar ratlos ausgestreckt und nicht sicher, ob er angreifen oder fliehen sollte.
Diesmal war es Kirito, der auf Toru zutrat und ihn am Kragen packte und zu sich heranzog. Der deutlich größere Toru musste dabei zwar in die Knie gehen, doch unter Kiritos kräftigem Griff konnte er sich nicht dagegen wehren. Sein aufgerissenen Augen zeigten deutlich, wie sehr in die Stärke Kiritos schockierte.  
"Hör zu Toru, das sage ich jetzt nur einmal: Lass mich in Ruhe! Komm am besten nicht einmal mehr in meine Nähe. Und, nimm es als ernst gemeinten Rat von mir: Verschwinde aus Tokio. Hier wird bald ein S-Klasse-Portal aufgehen und Yuri Orloff hin oder her, wenn ihr könnt, solltet ihr zur Sicherheit weit weg von hier sein, wenn das passiert."
Damit lies Kirito den Älteren los, welcher direkt wieder in sich zusammensackte. Erstaunlich... dabei hatte Kirito ihn gar nicht wirklich ernsthaft bedroht.
Ohne einen weiteren Blick auf die drei zu werfen drehte Kirito sich um und setzte seinen Weg fort.

Im Krankenhaus ging es geschäftig zu. Krankenschwestern schoben Patienten und medizinische Geräte durch die Gegend, Ärzte hetzten von Raum zu Raum und Fahrer beluden Transporter und Krankenwägen.
"Mr Kirigaya, da sind sie ja!" wurde er von einer äußerst gestressten Empfangsdame begrüßt. Sie schien sichtlich erleichtert, ihn zu sehen.
"Ein Glück sind wenigstens Sie aufgetaucht! Von den dreißig freiwilligen Helfern sind heute nur vier bisher gekommen. Sie sind jetzt der fünfte. Ich weiß gar nicht, wie wir so alle versorgen sollen und gleichzeitig die Evakuierung..."
Etwas durcheinander kramte sie in ihren Unterlagen, zog einen Zettel hervor und reichte ihn rüber.
"Das ist die Liste der Patienten, in der zweiten Spalte steht, was zu tun ist. Bettwäsche wechseln, Füttern, Waschen, ... Sie kennen ja die Aufgaben, die untrainierte Helfer ausüben können. Und wenn Sie noch Zeit haban oder früher fertig sind..."
"Dann kann ich noch bei weiteren Patienten helfen." Kirito nickte verstehend.
Vorgestern war die Evakuierung des Krankenhauses angeordnet worden. Man hatte eine Lagerhalle etwa 100 km vom Tokio entfernt gefunden, die in ein Notfalllazarett umgebaut wurde und in die alle transportfähigen Patienten inklusive Equipment, Medizin und allem weiteren Notwendigen transportiert werden sollte. Leider war es eine logistische Herausforderung, so viele Personen und Dinge über eine solch lange Strecke mit nur wenigen verfügbaren Transportern zu verlegen. Da außerdem viel Personal spontan gekündigt hatte, um sich selbst in Sicherheit zu bringen, fehlte es überall an Arbeitskräften.
Kirito hatte sich angeboten, bei der Versorgung der Patienten und weiteren alltäglichen Aufgaben im Krankenhaus zu helfen. Das Personal hier konnte momentan jede Unterstützung brauchen, die sie bekommen konnten, da ihnen die Mitarbeiter und Helfer täglich wegliefen und außerhalb von Tokio Schutz suchten.
Während Kirito es keinem Übel nehmen konnte, dass er seine Familie und sich in einer so heiklen Situation so weit wie möglich von Tokio weg bringen wollte, so fand er es auch gleichzeitig furchtbar, dass eine Einrichtung wie ein Krankenhaus derart im Stich gelassen wurde.
"Guten Morgen", begrüßte er den ersten Patienten auf seiner Liste, ein älterer Mann, dem er beim Essen und Waschen helfen musste.
"Es ist hektisch da draußen, was ist da los?" fragte der Mann und schaute interessiert aus dem Fenster.
"Sie evakuieren das Krankenhaus und verlegen alles in eine Lagerhalle außerhalb der Stadt."
"Hä? Evakuieren? Warum das denn?" krächzte der Mann, "Sind wir wieder im Krieg? Wer hat uns angegriffen? Vietnam? Die Amerikaner?"
Beruhigend legte Kirito dem Mann eine Hand auf die Schulter. Das Gespräch hatte er so oder so ähnlich bereits die letzten zwei Tage mit ihm geführt.
"Wir sind nicht im Krieg. Aber ein S-Klasse-Portal ist über dem Stadtzentrum erschienen und es gibt nicht genug S-Klasse-Jäger in Japan, um es zu schließen. Heute Nachmittag sind die zehn Tage herum und es wird aufbrechen. Alle sind in Panik darüber."
"Aha, aha..." plötzlich desinteressiert widmete sich der alte Mann wieder seinem Essen zu. Mit Portalen, die für ihn eine moderne Erfindung war, konnte er nichts anfangen.
"Und warum bist du dann noch hier?", brummelte er irgendwann.
Kirito, der gerade den Kissenbezug wechselte, musste einen Moment nachdenken.
"Zum Einen habe ich keinen Ort außerhalb Tokio, an den ich mich flüchten könnte. Das einzige, was ich habe, ist die kleine Wohnung ein paar Straßen weiter. Außerdem bin ich vor ein paar Tagen selbst als Jäger erwacht und für den Fall, dass Orloffs Barriere den Monstern nicht standhalten kann, ist es nicht schlecht, wenn ein paar Jäger noch vor Ort sind, meinen Sie nicht?"
Kirito seufzte und schüttelte den Kopf, bevor er das Kissen aufschüttelte und dem Mann hinter den Rücken schob.
"Außerdem muss ja noch jemand hier sein, um sich um Sie zu kümmern."

Es war früher Nachmittag und Kirito war gerade in der Küche damit beschäftigt, den Industrie-Geschirrspüler auszuräumen und gleichzeitig die Suppe fürs Abendessen im Auge zu behalten, als eine gewaltige Erschütterung ihn fast zu Boden riss.
"Was...?"
Er konnte sich gerade noch am Tisch festhalten. Die Teller klirrten laut, als sie gegeneinander schlugen, die Schubladen und Töpfe klapperten und aufgehängte Löffel und Kellen fielen zu Boden.
"Ein Erdbeben...? Nein, das ist doch...!"
Vor lauter Stress hatte er die Uhrzeit völlig aus den Augen verloren, aber die gewaltige Energie, die er in nicht allzu großer Entfernung spürte konnte nur eines bedeuten: Das Portal war aufgebrochen!
Dann hörte er Schreie von oben. Das restliche Küchenpersonal hatte unter Tischen Schutz gesucht, sodass Kirito freien Weg zur Treppe und damit nach oben ins Erdgeschoss hatte. Der Boden vibrierte noch mehrfach stärker, doch jetzt, wo Kirito vorbereitet war, konnte er das Gleichgewicht halten.
Oben in der Eingangshalle angekommen fiel sein Blick sofort auf einen den großen Bildschirme, der die Live-Übertagung von einem Hubschrauber aus dem Stadtzentrum zeigte. In der gesamten Lobby herrschte eine gespenstige Stille. Alle Anwesenden waren scheinbar in der Bewegung eingefroren und starrten mit einer Mischung aus Aufregung und Horror auf die flackernden Bildschirme, die überall hingen.
Es war deutlich zu sehen, wie das gewaltige Portal seine Farbe geändert hatte und riesige Kreaturen nacheinander heraus liefen.
"Riesen", murmelte einer, "da kommen Riesen raus. Als erste Monster... das kann nicht sein..."
Tatsächlich hatte jede einzelne dieser Kreaturen eine Größe von 10 Etagen oder mehr. Die rötliche Haut spannte sich über muskelbepackte Körper, die Bewegung eher langsam und schwerfällig, doch jeder Schritt schien die Erde zum Beben zu bringen.
Inzwischen hatten über zehn dieser Giganten das Portal verlassen und verteilten sich in alle Richtungen. Der erste Riese erreichte schließlich die Barriere, stutzte kurz und schlug dann dagegen. Die Barriere schimmerte kurz auf und vibrierte heftig.
"Oh Gott, oh Gott, oh Gott...", betete eine Krangenschwester, die sich am Rollstuhl eines Patienten festklammerte, "bitte lass sie halten. Sie muss einfach halten." Sie sprach wahrscheinlich allen Anwesenden aus der Seele.
Kirito konnte Yuri Orloff und weitere Jäger außerhalb der Barriere erkennen, hinter ihnen aufgereiht stand die Armee mit einer Reihe von Panzern und anderem schweren Geschütz. Wie Ameisen sahen sie auf dem Bildschirm aus, vor allem verglichen mit den Riesen, deren Anzahl kein Ende zu nehmen schien.
Jetzt schlugen auch die anderen Riesen gegen die Barriere und Kirito sah, wie Orloff selbst überrascht zurückwich. Das war kein gutes Zeichen. Und wie befürchtet, mit dem folgenden Schlag bildete sich ein großer Riss in der Barriere. Zwei, drei Hiebe später splitterte sie in tausende von Scherben.
Kurz herrschte eine gespenstige Stille im gesamten Krankenhaus.
Und dann schrien die Menschen panisch auf und rannten wirr durch die Gegend. Was man getragen hatte, wurde stehen gelassen, wer zu langsam war wurde mit Gewalt vorwärts gedrängelt, und alle stürzten zum Ausgang, um noch einen Platz in den bereitstehenden Bussen und Krankenwägen zu ergattern, die die Stadt verlassen sollten.
Wie durch einen Schleier nahm Kirito all dies wahr. Im Schutz einer Säule beobachtete er weiter die Geschehnisse auf den Bildschirmen. Yuri Orloff wurde kurzerhand zertreten und zerschmettert. Er hatte keine Chance gegen den Riesen, der ihn wie ein lästiges Insekt tötete. Einige Jäger konnten dem ersten Angriff entkommen, ihre Attacken glitten allerdings wirkungslos an den Riesen ab. Das gleiche galt für die schwerkalibrigen Geschütze der Armee. Die Panzer wurden wie Spielzeug beiseite gefegt.
Es war ein Massaker.
10 km.
Es würde nicht lange dauern, bis die ersten Riesen das Krankenhaus erreichen würden. Und noch immer schien ihr Strom aus dem Portal nicht abzureißen. Kirito schätzte, dass etwa 30 von ihnen Tokio betreten hatten, doch es folgten immer noch weitere. Keinen einzigen Riesen konnten Armee oder Jäger niederstrecken. Selbst Zeit zu gewinnen blieb nahezu erfolglos. Diese Monster schienen unantastbar zu sein.
Kirito schluckte und drehte sich ab von den grausigen Bildern. Er hatte keine Zeit zu verlieren. Jetzt konnten sie nur noch so viele Patienten wie möglich evakuieren. Jeder wurde gebraucht. Alles andere sollten sie stehen und liegen lassen.
Die nächste halbe Stunde verschwamm für Kirito in einer Welle aus Krankenzimmer nach zurückgebliebenen Patienten absuchen, Rollstühle und Liegen auftreiben und Menschen raus bringen und irgendwie in den letzten Bussen und Transportern unterzubringen.
Es standen nur noch zwei Busse und ein Transporter bereit und Kirito trug gerade eine frisch operierte noch halb narkotisierte junge Frau in einen Bus, als plötzlich die Erde unter ihm bebte.
Für einen Augenblick verharrten alle in der Bewegung. Dann, in einer synchronen Bewegung, wanderten alle Blicke die Hauptstraße vom Zentrum her hinunter. Und dort, ohne Vorwarnung, schossen drei kleine Gestalten unter Flüchen und Schreien um die Ecke, gefolgt von der gewaltigen Figur eines Riesens.
Sie waren zu langsam gewesen. Das erste Monster hatte sie erreicht.


Bis zum nächsten Mal,
                               eure achat
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