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Annalen aus Eihpos: Was siehst du im Dunkeln?

von Stormsky
GeschichteFantasy, Freundschaft / P16 / Het
Drachen Elben & Elfen Kobolde & Feen Ritter & Krieger Zauberer & Hexen Zwerge
01.02.2021
19.04.2021
21
55.757
3
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
07.04.2021 2.840
 
Halli Hallo ihr Lieben :) Wir haben schon fast die 400 Aufrufe geschafft :D
Ab jetzt geht es wieder mit den "normalen" Kapiteln weiter. In diesem wird etwas weniger gehandelt, dafür mehr geredet.

Viel Spaß beim lesen und danke für die vielen Aufrufe :*

LG Stormy

~ Kapitel 18 ~


Christopher bekam langsam das Gefühl, dass ihm alles zu viel wurde. All diese Informationen … könnte ihm jemand ein Blatt Papier und einen Bleistift geben?
Irgendwie hatte er zu Anfang gewusst, dass sich Ascal und Eve nicht so stark hassten, wie sie es vorgaben. Aber die beiden engumschlungen zu erwischen, hatte ihn dann doch überrascht. Auch Sylmares Blick ließ daraufhin deuten, dass diese Zuneigung zwischen Elaith und Hexe gar nicht verbreitet – vielleicht sogar verboten war.
Dann noch das Gespräch mit der Königin. Die Auspeitschung von Eve. Die Verwandlung vom Menschen zu einem Elaith. Das Problem mit dem Cousin von Eve. Die Prophezeiung.
Christopher bemerkte missmutig wie die allbekannten Kopfschmerzen eintraten. Wenn er nicht eine ordentliche Mahlzeit und mindestens 10 Stunden Schlaf bekam, würde er umkippen. Einfach so.

Benjamin spürte, wie Christopher langsam immer abwesender wurde. Auch seine Konzentration ließ langsam nach. Mit den Sinnen eines Elaith nahm er so viel mehr wahr. Und war unteranderem überfordert. Auch wegen der Situation. Dass Eve sie jetzt hineinzog, die Tür zu knallte und schwor sie alle zu foltern, wenn sie auch nur ein Sterbenswörtchen sagten, machte es nicht besser. Im Gegenteil.

Sylmare sah von Ascal zu Eve. Ausgiebig betrachtete sie die Hexe. Ausgiebig betrachtete sie Benjamin. Sie musste die Gelegenheit ergreifen, die Neuigkeiten jetzt loszuwerden. Der Blinde hatte schon jetzt kaum noch Konzentration übrig. Sie sah zu Christopher, der das Gesicht in seinen Händen verborgen hatte und immer wieder murmelte Ich bin tot. Ich bin tot. Ich bin tot.
Bis vor der Ankunft im Schloss hätte er das Ganze noch als einen Tagtraum abtun können. Jetzt taten sich vor ihm zwei andere Möglichkeiten auf: Entweder waren Benjamin und er in den Katakomben des Schlosses tatsächlich gestorben und waren in eine andere Welt wieder geboren worden. Oder beide befanden sich noch in den Katakomben des Schlosses und atmeten seit geraumer Zeit giftige Dämpfe ein und halluzinierten. Dabei war Möglichkeit 2 unwahrscheinlicher als Nummer 1.

Die rotbraunhaarige Elaith-Frau sah sich verzweifelt um. Niemand schenkte ihr Aufmerksamkeit. Ascal und Eve diskutierten nicht gerade leise, was sie jetzt tun sollten. Christopher verlor mehr oder weniger den Verstand. Benjamin sah so aus als würde er sich jeden Moment übergeben. Ihr Blick fiel schließlich auf ein paar Gläser, die auf einem kleinen Tisch neben einer Wasserkaraffe standen.
Jeder muss Opfer bringen, dachte sie sich.

Als das Glas mit einem Scheppern gegen die Wand in tausende Splitter zersprang, lagen alle Augen auf ihr. Sylmare schaute stur zu Benjamin und flüsterte ihm ihre Botschaft zu.

Er sagte langsam: »Sylmare möchte von Eve wissen, ob sie weiß, warum die Königin sie eingestellt hat.«
Eve zuckte mit den Schultern: »Bis jetzt ging ich davon aus, dass Fasnaey einfach eine starke Frau an ihrer Seite haben wollte. Weshalb?«
Benjamin ließ sich einige Momente Zeit: »Also … die Königin hat eine Hexe an ihren Hof geholt, um eine alte Schuld zu begleichen. Fasnaey möchte keine Kinder haben – die ihr den Thron streitig machen könnten – und die … Verhütungstränke der Heiler funktionieren nicht immer. Deshalb hat sie in jungen Jahren eine Hexe aufgesucht, die ihr … ihr die …« Benjamin schluckte. »Mit Hilfe einer blutigen, schwarzmagischen Praktik hat sich Fasnaey unfruchtbar machen können.«

Bei Christopher gingen alle Lichter aus. Er konnte jede fiktionale Serie schauen und Chips dabei essen, wenn Blut floss. Wenn davon aber im wahren Leben die Rede war, fühlte er sich zittrig und schwindlig. Ohne ein Wort fiel er um.

~


Ascal hob verblüfft die Augenbrauen: »Ich hatte ihn etwas härter eingeschätzt.«
Benjamin schnaubte wütend und kniete sich tastend neben seinen Freund: »Wir wurden in eine andere verdammte Welt verschleppt. Wir sollen jemanden besiegen, den anscheinend nicht mal eine Hexe besiegen kann. Was sollen wir dann verdammt noch mal tun?«
Bevor der Ex-Hauptmann etwas erwidern konnte, schritt die neue Führungskraft der Königsgarde dazwischen. »Ascal, du nimmst die beiden Jungen mit in deine Gemächer. Beantworte alle Fragen. Ich und das kleine Mädchen unterhalten uns. Wir beide, Ascal, reden später über diese Neuigkeit. Wir fünf sind vielleicht die einzigen denen wir hier trauen können. Und keine Wiederrede Ascal. Jetzt stehe ich im Rang über dir.«
Ihre letzten Worte wurden durch ein breites Grinsen aufgelockert.
»Wie Ihr befielt, Frau Hauptmann«, sagte er und verbeugte sich spöttisch.

Mit Leichtigkeit hob Ascal Christopher hoch und packte mit der anderen Hand Benjamin am Oberarm. Als der blonde Mann verschwunden war, wandte sich Eve zu Sylmare um.
»Du wirst jetzt mit mir sprechen, Kleines.«

~


Benjamin rieb sich die Schläfen, während Ascal Christopher vorsichtig auf einem Sofa ablegte. Er goss Benjamin ein Glas Wasser ein und drückte es dem Blinden in die Hand.
Ascal fragte nach einigen Momenten der Stille: »Warum ist diese Situation so schrecklich überfordernd für euch zwei? Klär mich bitte auf. Ich bin nur ein unwissender Unsterblicher, der zu viel gesehen hat.«
Zeitgleich zog der Elaith unsichtbare Schutzschilde um das kleine Wohnzimmer seiner Gemächer.
Der Blinde lachte leise auf und trank noch einen Schluck Wasser: »Lass mir einen Moment. Vielleicht finde ich eine Metapher, die unseren Gemütszustand beschreibt.«
Benjamin lehnte sich in seinem Sessel zurück und Ascal lehnte sich gegen eine Wand. Sein Blick interessiert auf den Neffen der Königin gerichtet. Eine Königin, der er nun nichts mehr schuldete. Jetzt war Ascal ein freier, ungebundener Mann.

Benjamin setzte langsam an: »Es ist als würde man ein Buch aufschlagen. Als würde man mit der ersten Seite in eine neue Welt eintauchen. Man weiß nicht, was man erwarten soll oder was einen erwartet. Man muss die Charaktere kennenlernen. Den Guten von den Bösen unterscheiden. Man erlebt bei den Figuren mit, wie sie sich verändern, Entscheidungen treffen müssen und einige auch sterben. In den meisten Büchern, die in anderen – ausgedachten – Welten spielen, gibt es am Ende Krieg. Einige sind tot, viele sind am Ende glücklich. Aber am Ende ist man nur ein Leser. Man schließt das Buch und es ist vorbei. Niemand ist in Wirklichkeit gestorben. Alles hat sich nur in der Fantasie abgespielt.
Christopher ist öfter in fremde Welten eingetaucht als ich. Er hat mehr Bücher gelesen. Und jetzt fühlt es sich an als wären wir in eines hineingerutscht. Nur kann man uns nicht als Nebenfiguren beschreiben, die alles nur anschauen. Wir sind – ohne dass wir ein Wörtchen mitreden konnten – zu den Hauptfiguren ernannt wurden. Es wurde von Krieg gesprochen. Es wird vermutlich Krieg geben. Und wir zwei mussten uns vor 2 oder 3 Tagen nur damit befassen, wie wir unser Menschenleben leben. Alles fühlt sich so unwirklich, so schrecklich groß an. Als … als-«

»Als würde man in ein dunkles Loch gesteckt werden. Die Zeit rennt einem davon. Man hatte keine Zeit sich von jemanden zu verabschieden. Man hatte keine Zeit über Entscheidungen nachzudenken. Sie wurden getroffen oder für einen gemacht. Man wurde einfach überfordert und es wurde einem keine Zeit gegeben, damit fertig zu werden«, beendete Ascal leise seinen Satz. Schweigend hörte Benjamin zu, als der Krieger fortsetzte.

»Ich hatte damals 200 Jahre gezählt. Ich hatte deinem Vorfahren König Edden Caillat gedient als die Großen Kriege ausbrachen. Mein Vater war Hauptmann gewesen und ich nur ein einfacher Soldat. Die Ausbilder hatten mein Talent schon früh erkannt. Wir Elaith altern anders als Menschen. Wenn ich 200 gewesen war, müsste es man mit deinem Alter gleichsetzen können. Edden schickte meinen Vater mit seinem jungen Sohn Ferren durch den Tunnel auf die Erde zu euch Menschen. Zu eben dieser Zeit wurden die ersten Dörfer von den Hexen und Hexer geplündert und niedergetrampelt. In einem dieser Dörfer lebte meine Mutter. Die Nachricht von ihrem Tod war wie ein Schlag ins Gesicht. Als ich es meinem Vater erzählte, der schließlich zurückkehrte, brach mir sein Kummer das Herz. Das war meine erste Überforderung gewesen. Ich konnte nichts verkraften, da alles so schnell ging. Der erste Kampf, die erste Schlacht meines Lebens kam. Mein Vater starb an meiner Seite. In meinen Armen. Alles war eine Verhöhnung. Die Götter spuckten mir direkt ins Gesicht. Als Soldat war ich dazu ausgebildet worden, andere zu beschützen. Meine Eltern konnte ich nicht beschützen.
Die Großen Kriege waren nach 10 Jahren zu Ende. Wir Elaith waren zerschlagen, die Faune, Zwerge, Kobolde und Menschen waren zerschlagen. Ich kam als gebrochener Mann zu Königin Fasnaey. König Edden war im Kampf gefallen. Sie gab mir drei Monate mich zu regenerieren. Ich schlief tagelang und konnte diese drei Monate mit niemanden reden. Es gab keine Freunde, die mich verstanden. Keine Familie die mich tröstete. Da war nur ich. Der Schwur meines Vaters ging sofort auf mich über. Nun war es an mir Ferren zu beschützen. Einige Monate verweilte ich als Hund auf der Erde. Dann wurde ich hier zum Hauptmann ausgebildet.
Es tut mir leid, dass ich euch beide in dieses Chaos hineingezogen habe. Ich hätte es nicht getan, wenn wir euch nicht bräuchten oder uns allen die Zeit davonliefe. Auch wenn wir Elaith unsterblich sind, sind wir nicht perfekt. Wirklich niemand in dieser Welt ist perfekt.«

Benjamin wollte irgendetwas erwidern. Auch wenn er nicht wirklich wusste was. Da kam ihm jemand zuvor.

»Du hast wirklich tagelang geschlafen? Hätte ich dir nicht zugetraut«, Christopher hielt sich seinen schmerzenden Kopf.
»Du lebst wieder. Was für ein Wunder«, erwiderte Benjamin trocken und lachte einmal auf.
»Ich kann dich doch nicht alleine durch diese Scheiße gehen lassen. Wenn ich schon sterben muss, dann an deiner Seite. Auch wenn ich nie wieder Crêpes essen werde. Was für ein Opfer«, gekünstelt schniefend ließ sich Christopher zurücksinken. Er hatte die wirklich bewegende Erzählung von Ascal mitbekommen.
»Das ist jetzt übrigens der Moment, wo du uns noch einmal alles Wichtige zusammenfasst, Ascal. Das mit Eve´s Cousin. Das mit der Königin. Und als Extra für uns, was die Elaith überhaupt sind. Habt ihr irgendwelche Superkräfte?«, fügte Christopher hinzu.
Ascal ließ sich auf einen der Sessel fallen. »Ihr helft uns also?«
Christopher verdrehte die Augen: »Das ist es, was ich mit durch die Scheiße gehen meinte.«

Der blonde Elaith räusperte sich nach einigen stillen Momenten: »Ich fange mit dem wesentlich kürzeren Teil an. Wir Elaith leben nur hier in Iqera und wurden wie die anderen Rassen in Eihpos von den Göttern geschaffen. Uns kann man in die drei Königsgeschlechter einteilen: Prionsa, Gendan und Caillat. Wobei die Caillats-Getreuen unter Fasnaey´s Herrschaft stehen. Wir können begrenzt Magie beherrschen, unsere Sinne sind besser als die der Menschen. Wir haben mehr Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit.
Dazu können wir uns in Tiere verwandeln. Der nächste Unterschied. Es gibt die Schlangen, Wanderfalken und Kolibris. Alle unter König Goras Prionsas Herrschaft. Eulen, Pferde und Hunde – unter Fasnaey Gendans Herrschaft. Adler, Katzen, Phönixe und Drachen. Wobei die beiden letzten Arten fast ausgestorben sind. Diese waren unter Edden Caillats Herrschaft. Dazu muss ich erwähnen, dass du, Benjamin, einen sehr großen Anspruch auf das Gebiet der Caillats hast. Weil du eben der letzte Caillat bist. Der Phönix ist außerdem das Wappen der Caillats. Die Schlange das der Prionsas. Die Eule das der Gendans.

Dann komme ich zu Königin Fasnaey. Sie ist als älteste von drei Kindern geboren worden. Nach ihrem Vater wäre sie einfach an einen der anderen Prinzen verheiratet worden. Goras hätte dann den Thron bestiegen. Ihre Mutter – eine große Seherin – hat dies nicht zugelassen. Und wenn man den Gerüchten Glauben schenkt, hat sie ihrem Mann am Abend vor einer Schlacht etwas Gift in den Wein gemischt. Deshalb starb der im Krieg. Fasnaey bestieg den Thron ihres Geschlechtes. Ihre Brüder wurden an die anderen Geschlechter verheiratet. Vermutlich hatte sie deshalb diese … Praktik mit sich machen lassen. Kinder stellen immer eine Bedrohung dar. Wenn sie klüger und beliebter sind als ihre Eltern, werden sie Könige. Fasnaey wollte aber an ihrem geschenkten Thron festhalten. Sie ist sehr kalt und unnachgiebig, was diese Dinge angeht. Außerdem hatte sie von ihrem jüngsten Bruder Edden ein weiteres großes Gebiet zum Regieren erhalten. Und Benjamin, als potenzieller Thronfolger, stellt eine Bedrohung dar. Deshalb hat sie Eve auspeitschen lassen. Die letzten Jahrhunderte hat es Fasnaey nicht interessiert, wenn Eve einige Soldaten tötete. Aber jetzt da ihr Neffe anwesend ist, muss sie ihn auf Abstand halten und einschüchtern. Auch wenn sie seine Hilfe braucht.

Als letztes noch zu Draven. Als ich Eve kennenlernte, hielt sie ihren Cousin für tot. Sie selbst hat ihn auf dem Schlachtfeld sterben sehen. Nur sein Leichnam wurde komischer Weise nie gefunden worden. Wir wissen selbst nicht, wie er auferstehen konnte. Vielleicht war er niemals tot gewesen. Nur ist er von einem Jungen, der um so viel schwächer war als seine Cousine, zu einem Mann geworden, der Tote auferstehen lassen kann. Wir haben da eine Theorie im Kopf, dass Draven Hilfe von jemanden hat.
Als ich Eve kennenlernte, kam es zu einigen Komplikationen. Jemand – von dem wir immer noch nicht wissen, wer er ist – hat kleine Kreaturen geschickt, um Fasnaey zu töten. Diese Dinger waren teils gegen Magie immun, aber konnten sie selbst ausführen. Dann waren da noch die Halb-Menschen. Auch gegen Magie immun – nur stärker – und konnte sie selbst ausführen. Eine Rasse, die es in ganz Eihpos nicht gibt. Damals überfielen sie die Diamantmine und färbten die weißen Steine rot. Sie sagten uns, dass ihr Meister diese bräuchte. Ob Draven ihr Meister ist oder jemand anderes, wissen wir nicht. Nur das sie vermutlich zusammenarbeiten.«

Benjamin und Christopher hatten schweigend zugehört. Das alles … es war so verdammt viel. Draven hörte sich nach einem verdammt starken Gegner an. Er war ein verdammt starker Gegner.

»Wie realistisch sind unsere Chancen ihn zu besiegen? Er hat bestimmt eine Armee von Untoten. Dann vielleicht noch eine von diesen komischen Halb-Menschen und anderen Kreaturen. Und das wichtigste, was ist sein Ziel? Warum tut er das?«, fragte Benjamin nach einer Weile nach.

»Unsere Chancen standen schlecht. Jetzt, wo wir euch drei haben, könnte es auf unseren Sieg hinauslaufen. Ich habe einige Kontakte zu Kriegern, mächtigen Kriegern. Dann wären da noch die Armee von Fasnaey und Goras Prionsa. Da sie Geschwister sind, werden sie sich verbünden. Sein Ziel … vermutlich Macht und Ruhm. Seine Absicht … das weiß niemand«, antwortete Ascal.

Benjamin hörte und Christopher sah, dass der Elaith nicht die ganze Wahrheit sagte.
»Wie sollen wir uns darauf vorbereiten? Auch wenn in der Prophezeiung von einem Krieger gesprochen wurde, bin ich keiner. Genauso wenig wie Benjamin«, meinte Christopher.
»Sylmare wird sich um Benjamin kümmern. Wie du deine Magie freisetzt und einsetzt. Oder richtig siehst. Und ich zeige dir, Christopher, wie man ein Schwert benutzt«, antwortete Ascal sofort.
Mit großen Augen sah Christopher auf das Schwert an Ascals Seite.

»Weiß man denn, wo sich Draven befindet?«, hakte Benjamin weiter nach.
Ascal überlegte einen Moment: »Mindestens 300 Carlesties von hier entfernt im Osten. Irgendwo in den alten Hexengebieten.«
»Car was?«, hob Christopher fragend die Augenbrauen.
»Carlesties«, wiederholte Ascal deutlich. »Es ist eine Maßeinheit. Ich glaube, ihr nennt es Kilome?«
»Kilometer«, verbesserte Benjamin ihn.

Christopher grummelte: »Na toll … da schlage ich mich jahrelang mit den französischen Maßeinheiten herum und dann ist doch alles anders. Wird es eigentlich eine Möglichkeit geben, dass wir beide wieder zurückkommen?«

»Vielleicht.«

~


Es war spät in der Nacht, als Eve sich in die Gemächer von Ascal schlich. Kurz und bündig erzählte Ascal ihr von dem Gespräch mit den beiden Auserwählten.
»Sie haben zugestimmt. Aber als Benjamin die Absichten deines Cousins wissen wollte, haben beide gemerkt, dass ich teils gelogen habe.«
»Das Mädchen hat auch zugestimmt, hat schließlich nichts Besseres zu tun. … Aber Ascal. Lass mich gehen und ich kann einen gesamten Krieg verhindern. Wir beiden wissen, was Dravens Absichten und Ziele sind. Wir beide wissen, dass ich es beenden könnte. Bevor das Gemetzel anfängt«, flehte Eve beinahe.
Ascal schüttelte vehement den Kopf: »Ich lass dich nicht gehen. Ich lasse nicht zu, dass er auch nur ein Haar von dir berührt. Mein Gefühl sagt mir, dass es nicht aufhören würde, wenn du zu ihm gehst. Er würde nicht aufhören, bevor wir alle tot sind.«
Ihre Schultern spannten sich an: »Er ist immer noch mein Cousin. Du kennst ihn doch gar nicht.«
»Ich bin 300 Jahre älter als du. Ich habe in einem Krieg gekämpft. Ich habe ihn überlebt. Wenn wir uns noch mit den Faunen, Zwergen und Kobolden verbünden und sie uns ebenfalls Soldaten geben können, haben wir eine reelle Chance. Gegen ihn.«
»Es wäre ein Leben gegen Tausend – vielleicht sogar eine Million.«
»Du bist die Stärkste von uns allen. Er möchte, dass du so denkst. Das du in seine Arme läufst, um uns alle zu retten. Aber wenn er dich hat und nicht aufhört, und es schafft dich gegen uns zu verwenden. Wer wird dagegen standhalten? Wer soll gewinnen?«, hielt Ascal dagegen. »Du wirst mich in Ketten legen müssen, damit ich dich gehen lassen.«

Beide starrten sie einander stur an. Mit einem Seufzen zog Ascal Eve schließlich in seine Arme.
»Ich möchte doch nur, dass dir nichts passiert«, murmelte er in ihr Ohr.
Sie seufzte ebenfalls: »Ich doch auch nicht. Über diese Sache mit Fasnaey reden wir ein anderes Mal.«
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