Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Das geblümte Hündchen

KurzgeschichteDrama, Schmerz/Trost / P6 / Gen
01.02.2021
01.02.2021
1
1.369
1
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
01.02.2021 1.369
 
Weit von hier, in einem Land, das heutzutage längst vergessen wurde, lebte einst ein kleines Hündchen. Alle freuten sich auf die Geburt des kleinen Hündchens; es ließ lange auf sich warten. Das Hündchen war allerdings alles andere als ein normaler Hund. Kurz nach seiner Geburt begann sich sein Rückenfell zu verfärben. Es wurde strahlend grün; so grün wie die Wiesen auf den Feldern im Hochsommer. Nach einigen Tagen sah man kleine bunte Blüten aus dem grasgrünen Fell emporsteigen, die in allen Farben der Erde erstrahlten. Diese Besonderheit verlieh ihm eine Einzigartigkeit, von der bisher noch niemand je berichtet hatte und machte ihn zum Gespött des Hofes. Das Hündchen sah nicht aus, wie ein gewöhnlicher Hund, was den Hofbewohnern Angst bereitete.  
Die Mutter schämte sich für das Aussehe ihres Sohnes. „Welche Sünde habe ich begangen, damit Gott mich derart Bestrafen tut?“ Diese Frage stellte sie sich immer wieder. Sie verachtete ihren Sohn für sein Aussehen; fühlte sich schuldig. Die Mutter versuchte das Hündlein in ihrer Hütte zu verstecken.
Eines Tages hatte das Hündchen Langeweile, es wollte die schöne Umgebung erkunden. Den Hof entdecken und bei Tageslicht betrachten. So schön und geheimnisvoll war er bei Nacht. Wie solle er dann wohl bei Tage aussehen? Von Neugierde getrieben verlies es die Hundehütte und wagte den Schritt auf den Hof. Die Sonne erwärmte sein grasgrünes Fell und ließ die Blumen auf seinem Rücken vor Freude strahlen.
Das Hündchen kam vorbei an einem großen Hühnerstall vor dessen Tür kleine Küken spielten und sich zankten. Sie warfen sich kleine Körner zu und stritten sich um den wohl einzigen Wurm, der zitternd aus der Erde herausragte und halb im Munde eines der Küken feststeckte. Als das Hündlein vorbei ging starrten alle Küken es an. Die Körner fielen zu Boden. Das Küken, welches den Wurm festhielt, öffnete vor Schreck den Schnabel. Der Wurm konnte entkommen. Er verschwand im Erdreich, schneller als der Wind im Sturm. Eins der Küken begann zu lachen und sagte:  
„Seht euch dieses hässliche Hündchen an; wie es hier herumstolziert; als wäre es etwas Besonderes.“  Alle anderen stiegen in das Gelächter mit ein; sie krümmten sich vor Lachen.  
„Was bist du für einer? Wieso siehst du so komisch aus?“ fragte ein anderes Küken.
„Solch ein hässliches Hündchen habe ich noch nie gesehen“, stieg selbst die Katze mit ein. Sie war schwarz, wie die Nacht und ihr fehlte auf der linken Seite ein halbes Ohr. Verstümmelt sah es aus, als hätte es ihr jemand zerfetzt.
Das Hündchen lief schnell nach Hause. Es war betrübt von dem Spott. Es versuchte sich zu verstecken, doch die Küken, Hühner und die schwarze Katze folgten ihm. Sie machten sich weiterhin über ihn lustig.
„Lasset mich in Ruhe! Ich tue doch niemandem etwas zuleide!“ versuchte das Hündchen sich zu verteidigten.  
So lief es an diesem Tag und später wurde es schlimmer und schlimmer. Das arme Hündchen wurde von allen bedrängt. Die Küken piksten es, die Hühner schlugen es und die Katze fauchte nach ihm.
„Wärest du doch anders geboren! Hättest du doch nie das Haus verlassen! Jetzt sind wir das Gespött des Hofes.“ schimpfte die Mutter.  
Da lief das Hündchen, voller Traurigkeit, über den Hof, hinaus aus dem Tor und hinein in den tiefen dunklen Wald. Die Rehe vorne im Wald liefen erschrocken davon. „Das geschieht sicher, weil ich so anders bin“, dachte sich das Hündchen und lief mit gesenktem Kopf weiter. So kam es immer tiefer in den Wald hinein. Alle Tiere flüchteten vor ihm.
Stundenlang lief es durch den Wald, ohne Orientierung und ohne Ziel. Völlig erschöpft ließ es sich auf ein großes Bett aus Moos fallen. Es war Nacht geworden und die Erde wurde bedeckt mi einer, von winzigen, am Himmel hängenden, Lichtern durchbohrten, Dunkelheit. Das Moosbett war schön weich, jedoch leicht feucht. Das Hündchen schlief, bis die ersten Sonnenstrahlen ihren Weg durch die grüne Blätterpracht der Bäume fanden und ihn kitzelten. Schläfrig öffnete es die Augen; es fühlte sich so allein. Sein Blick fiel auf einen kleinen, halbmondförmigen See. Die Sonnenstrahlen ließen den See schimmern, wie kleine Edelsteine. Mitten auf dem See, schwammen eine Herde von Schwänen. Sie sahen so fröhlich aus, als hätten sie keine Last zu tragen. Das Hündchen beobachtete die Schwäne eine Weile und wurde erfüllt von Traurigkeit. Er fühlte sich einsam.    
Einer der Vögel schwamm geradewegs auf ihn zu. Das Hündchen glaubte er wollte ihn schlagen und stolperte vor Schreck über eine Wurzel, welche sich hinter ihm aus dem Boden ragte. Der Schwan begann zu lachen. Das Hündchen versteckte sich schnell hinter dem Moosbett.
„Hast du dich verletzt?“ fragte der Schwan ganz besorgt. Langsam streckte das Hündchen seinen Kopf heraus, doch es gibt dem Schwan keine Antwort.  
„Wer bist du? Was willst du hier bei uns im Wald?“ fragte der Schwan weiter. „Du musst dich doch nicht verstecken. Ich tu dir nichts!“ Langsam, zögernd kam das Hündchen aus seinem Versteck heraus. Es stellte sich innerlich bereits auf Spott und Gelächter ein.
„Was trägst du denn da auf dem Rücken?“ Das Hündchen schämte sich und senkte den Kopf. „Das sieht ja so schön bunt aus“, sagte der Schwan und lächelte dem Hündchen zu. Langsam fasste das Hündchen vertrauen; es erzählte vom Hof und seiner Flucht in den Wald. Diese Geschichte berührte den Schwan so sehr, dass er ihm ebenfalls von seinem Schicksal als hässliches Entlein erzählte.
„Genau wie du wurde ich von allen, wegen meines Aussehens, verspottet. Ich wurde als Teil einer Entenfamilie geboren. Alle nannten mich bloß das hässliche Entlein und beschimpften und schlugen mich. Ich hielt all dies nicht mehr aus und lief davon. Ich war fast am Ende und hatte keine Kraft mehr, doch dann fand ich die Schwäne und aus dem hässlichen Entlein wurde ein wunderschöner Schwan.“ Das Hündchen hörte gespannt seinen Worten zu.
„Draußen, hinter dem Wald, erstreckt sich eine Wiese, so schön wie die Blüten auf deinem Rücken. Dort findest du kleine Wesen, die werden dir sicher freundlich gesandt sein. Glaube mir!“ sagte der Schwan. Das Hündchen bedankte sich und machte sich voller neuer Hoffnungen in die, ihm gezeigte, Richtung auf, doch wie konnte es sich wüschen Liebe zu finden? Es wäre doch bereits froh gewesen, wenn es zu Hause auf dem Hof von den anderen geduldet würde.
Hinter den Wäldern erstreckte sich, genau wie der Schwan es vorausgesagt hatte, eine Wiese voller Blumen. Sie leuchteten in den unterschiedlichsten Farben und die herrlichsten Gerüche schwebten ihm um die Nase. Das Hündchen lief durch die Wiese und erfreute sich den Farben und den Sonnenstrahlen, welche sein grasgrünes Fell streichelten.
Mitten auf der Wiese kam ein kleines funkelndes Licht auf ihn zugeflogen; es sah aus, als würde es Funken sprühen. Es raste geradewegs auf ihn zu; das Hündchen versuchte auszuweichen, doch das kleine Licht flog ihm geradewegs gegen die Nase und fiel zu Boden. Genauer betrachtet sah es aus, wie ein winzig kleiner Mensch. Es handelte sich um eine kleine Elfe mit glänzenden Flügeln. Sie trug ein aus Blüten bestehendes, violettes Kleid. Es sah aus, als würde sie von einer Blume umarmt.    
„So was Schönes habe ich ja noch nie gesehen,“ sagte die kleine Elfe, nachdem sie wieder in der der Luft war; sie umkreiste das Hündchen und landete geradewegs auf seinem Rücken. Sie schnupperte an seinen Blumen und tanzte auf seinem Rücken, als wäre sie auf einem königlichen Fest und würde zur prachtvollsten Musik tanzen. Das Hündchen verrenkte sein Köpfchen und beobachtete das Schauspiel.
„So schön und so prächtig!“ sagte die kleine Elfe und rief all ihre Freunde herbei. Sie alle bewunderten die Blumenpracht des Hündchens und verneigten sich vor ihm. Der Elfenstaub, der ihre Flügel umgeben, kitzelte dem Hündchen in der Nase, so dass er niesen musste und die kleine Elfe auf seinem Rücken ins Wanken kam. Die Elfen lachten alle, doch diesmal lachten sie nicht über ihn. Sie wünschten ihm Gesundheit und kraulten ihm hinter den Ohren. Das mochte das Hündchen besonders gerne.
Das Hündchen war froh und fühlte sich glücklich und geliebt. Es dachte an all die Tiere, welche ihn verspotteten und hörte den Elfen zu, wie sie ihn lobten und schön fanden. Hier war er zu Hause.
Soviel Glück hatte es sich nicht träumen lassen, als es noch der entstellte Hund war.
ENDE
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast