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Living in the Scorch

von MaryB
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Minho Newt OC (Own Character) Teresa Agnes Thomas Winston
31.01.2021
28.02.2021
14
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Miles



In unserem Zimmer war es so dunkel, dass man nur noch schemenhafte Silhouetten erkennen konnte, und die anderen Jungs schliefen längst. Nur ich war noch wach und starrte an die Decke.

Nachdem Aris alles erzählt hatte, was er wusste, hatten wir uns erstmal eine Weile beraten, waren aber zu keinem Ergebnis gekommen. Doch wir hatten Minho einstimmig zu unserem Anführer gewählt, da das ja auch sein Name von ANGST war. Meine Bezeichnung kannten nur Winston und ich selbst, was ich auch nicht ändern wollte.

Eigentum von ANGST


Gruppe A, Proband A20


„Der Verratene“


Das war mein Name und das ließ mich nicht schlafen. Teresa war „die Verräterin“ und ich „der Verratene“, das konnte doch kein Zufall sein.

Bei dem Gedanken an sie zog sich mein Magen schmerzhaft zusammen und ich schloss einen Moment die Augen.

Was zur Hölle hatte ANGST nur mit ihr vor?

Ich krallte mein Finger in das Bettlaken und meine andere Hand ballte sich zur Faust.

Vielleicht hätten wir sie retten können, vielleicht hätten wir irgendetwas tun können, aber wir hatten es nicht getan und Teresa hatte den Preis dafür bezahlt.

Plötzlich nahm ich im Augenwinkel eine Bewegung wahr und kniff die Augen zusammen, um in der Dunkelheit besser erkennen zu können, was los war.

Eine zierliche Gestalt mit langen Haaren rappelte sich aus einem der Betten auf und schlich hinüber zum Ausgang. Zitternd drückte sie die Klinke nach unten und die Tür sprang auf.

Der schmale Lichtstrahl, der jetzt ins Zimmer fiel, ermöglichte es mir, zu erkennen, wer die Person war. Es war Malia, die einen kurzen Blick zu Thomas warf, der seelenruhig schlief, und dann durch den Türspalt schlüpfte.

Kurz zögerte ich, bevor ich mich ebenfalls aufsetzte. Vorsichtig, darauf bedacht niemanden zu wecken, schlich ich zur Tür hinüber und folgte ihr nach draußen.

Die Lampen in dem weißen Gang flackerten noch immer, doch sie spendeten genug Licht, damit ich Malia sehen konnte. Sie stand vor den schwarzen Buchstaben, die seit heute Morgen an der Wand standen. Die Nachricht mit Teresas Namen, das Letzte, was wir jetzt noch von ihr hatten.

Malia strich gedankenverloren darüber, dann ließ sie sich mit dem Rücken an der Wand zu Boden sinken. Langsam zog sie die Knie enger an ihren Körper und schlag die Arme um die Beine.

Schweigend setzte ich mich neben sie und richtete den Blick auf den Boden.

Eine Weile herrschte Stille zwischen uns, dann hob sie den Kopf.

„Es tut mir leid“, murmelte sie leise und ich warf ihr einen Seitenblick zu.

„Es ist nicht deine Schuld“, erwiderte ich und starrte auf meine Füße.

„Vielleicht ja doch.“ Malias Stimme war nicht mehr als ein Flüstern.

„Wieso glaubst du das?“, fragte ich und wandte mich ihr zu.

In ihren Augen glitzerten Tränen, doch sie hielt sie zurück.

„Ich denke ich sollte dir alles von diesem Abend erzählen“, meinte sie und strich sich die Haare aus dem Gesicht.

„Teresa hatte schon geschlafen, aber ich noch nicht. Keine Ahnung, ich war einfach so … misstrauisch. Ich bin aufgestanden und habe festgestellt, dass die Tür abgeschlossen war. Teresa ist aufgewacht und wir haben überlegt, was wir tun sollten. Auf einmal haben wir Schritte gehört und jemand hat die Tür aufgeschlossen. Teresa hat sich die Nachttischlampe geschnappt und dann sind sie reingekommen“, fing Malia an und drehte ihr Gesicht von mir weg.

Auf ihren Wangen glitzerten jetzt tatsächlich ein paar Tränen und ich legte ihr vorsichtig eine Hand auf die Schulter.

Obwohl ich ihr das zwar nicht weiter antun wollte, musste ich trotzdem wissen, was geschehen war.

„Was ist dann passiert?“, fragte ich leise und Malia wischte sich mit ihrem Ärmel einmal über ihr Gesicht.

„Naja, die ANGST-Leute haben uns angegriffen und wir haben uns gewehrt. Teresa war ziemlich gut, sie hat einen der Kerle mit einem Schlag ausgeknockt.“ Sie lachte leise und auch ich musste bei diesem Gedanken schmunzeln.

Das klang wirklich nach Teresa.

Das taffe und mutige Mädchen, das jeder kannte. Ich war der Einzige, der auch ihre andere Seite kannte. Ihre zerbrechliche und sanfte Seite.

Ich vermisste sie, ich vermisste sie beide.

„Auf jeden Fall haben wir es geschafft auf den Gang zu flüchten und während ich die Tür zugehalten habe, hat Teresa einen der Tische geholt, damit wir sie einsperren konnten. Aber ich …habe es nicht geschafft und die ANGST-Leute kamen raus. Sie haben sich Teresa geschnappt und ihr diese Spritze mit dem weißen Zeug in die Schulter gerammt, danach haben sie dasselbe auch mit mir gemacht. Ich weiß nur noch, dass sie sie mitgenommen haben, alles danach ist verschwommen und einfach weg.“ Malia brach ab und zog die Knie fester an ihren Körper.

„Deswegen ist es meine Schuld, wenn ich die Tür länger zugehalten hätte, wäre Teresa vielleicht noch hier“, murmelte sie und wandte den Blick von mir ab.

Ein paar Sekunden war ich wie erstarrt und in meinem Kopf existierte nur noch der Gedanke, dass ANGST für das, was sie Teresa angetan hatten, bezahlen würden. Doch als ich Malias unterdrücktes Schluchzen hörte, verschwand dieser Racheplan fürs Erste.

„Ich gebe dir nicht die Schuld, Malia. Keiner tut das und Teresa sicherlich auch nicht“, meinte ich und sie hob langsam den Kopf.

„Woher willst du das wissen?“

„Weil ich sie kenne. Sie würde dir niemals die Schuld dafür geben“, erwiderte ich und zog Malia in eine Umarmung.

Ich weiß nicht, wie lange wir so dasaßen, doch irgendwann löste sie sich wieder von mir und lächelte zaghaft.

„Danke.“ Sie wischte sich die Tränen von den Wangen und blickte mich besorgt an. „Du hast mir jetzt zugehört, aber wie geht es dir?“

Mit dieser Frage hatte ich nicht gerechnet. Doch meine Antwort, überraschte mich noch mehr. „Ich weiß es nicht.“

Malia nickte langsam und zwischen uns entstand wieder Schweigen.

Diesmal wurde es jedoch von mir unterbrochen.  „Wir sollten versuchen noch etwas zu schlafen, komm.“ Ich rappelte mich auf und hielt Malia meine rechte Hand hin.

Zusammen gingen wir zurück in den Schlafraum und ich schloss leise die Tür hinter uns. Malia schenkte mir noch ein kurzes Lächeln, dann kroch sie wieder unter ihre Decke und ich kletterte wieder in mein Bett.

Ich hatte diesen Albtraum schon oft gehabt. So oft, dass ich aufgehört hatte zu zählen. Er verfolgte mich seitdem ich damals im Gehöft aufgewacht war. Seit ich diese unerträglichen Schmerzen in meinem ganzen Körper gespürt hatte. Aber es war mir egal, ich hatte es verdient, dass es mir jedes Mal aufs Neue vor Augen gehalten wurde.

Vielleicht war das meine Strafe dafür, dass ich fast den schlimmsten Fehler begangen hätte, den es gab.

Die steinernen Mauern, der Efeu, die Tore, die sich bald schließen würden.

Ich spürte den Schweiß, der mir von der Stirn lief und in meinen Augen brannte.

Sah das schleimige Monster auf mich zukommen, das Metall im Sonnenlicht aufblitzen.

Ich spürte den Schmerz, der sich in meinem Kopf ausbreitete.

Hörte das Knacken und da war wieder der stechende Schmerz, aber diesmal in meinem Bein.

Schreie, aber alle klangen so weit weg. Wenn ich mich nicht täuschte, dann riefen sie meinen Namen, doch es war auch einer dabei, der vor Schmerzen schrie.

Vielleicht war das ich, aber ich war mir nicht sicher.

Ich spürte den kalten Steinboden unter mir und sah die rote Flüssigkeit die sich vor mir ausbreitete.

Ich hatte den metallischen Geschmack im Mund und würde das Zeug am liebsten ausspucken, doch dafür fehlte mir die Kraft.

Da waren schwarze Punkte, jemand schrie ganz in meiner Nähe meinen Namen, doch die Stimme klang seltsam dumpf und verzerrt.

Noch einmal schoss der Schmerz durch meinen Körper und brannte wie Feuer, doch dann - nichts mehr.

Alles um mich herum verschwand in einer ewigen Dunkelheit, einem endlosen Nichts und tief in mir spürte ich dieses Gefühl, für das ich mich hasste.

Ich spürte die Genugtuung und die Erleichterung.

War zufrieden, denn ich hatte mein Ziel erreicht, für das ich mich selbst abgrundtief hasste.



Keuchend setzte ich mich auf und versuchte meinen Herzschlag zu beruhigen.

Erst als ich das geschafft hatte, sah ich mich um.

Die Lampe an der Decke brannte und die meisten Lichter zogen sich bereits ihre Alltagsklamotten an. Die Tür zum Badezimmer war verschlossen, was nur heißen konnte, dass Malia sich dort umzog.

„Miles, alles klar bei dir?“, riss mich Winstons Stimme zurück in die Realität und ich drehte mich zu ihm um.

Er zog sich gerade sein T-Shirt zurecht und warf mir einen besorgten Blick zu.

„Ja“, erwiderte ich langsam und stand auf.

Er zog eine Augenbraue hoch und schien mir meine Antwort nicht wirklich abzukaufen, was allerdings auch kein Wunder war.

Winston war mein bester Freund und einer der Wenigen, die wussten, was passiert war. Außer ihm wussten es nur noch Newt, Minho, Jeff und Alby. Doch zwei von ihnen waren tot.

Bei diesem Gedanken zog sich mein Magen schmerzhaft zusammen und ich schüttelte schnell den Kopf, um die Erinnerungen, die in mir aufstiegen, zu verbannen.

„Hier, Miles.“ Newt warf mir ein weißes T-Shirt entgegen und sah dabei nicht minder besorgt aus, als Winston.

Ich bedankte mich mit einem Nicken, wobei ich ihm aber mit einem genervten Blick klar machte, dass er aufhören sollte sich Sorgen zu machen, denn das konnte ich jetzt wirklich nicht gebrauchen.

Schnell zog ich mir das frische Oberteil an und streifte mir meine Turnschuhe über, dann blickte ich mich in unserem Schlafraum um.

Wir waren alle fertig umgezogen und als hätte Malia das gewusst, öffnete sich genau in diesem Moment die Tür zum Badezimmer.

Sie machte sich gerade noch einen Pferdeschwanz, als sie nach draußen trat und mir einen kurzen Seitenblick zuwarf, bevor sie sich an Thomas wandte.

Er lächelte und gab ihr einen flüchtigen Kuss auf die Wange, was Minho grinsend die Augen verdrehen ließ.

„Gut, ich weiß nicht, wie es euch Strünken geht, aber ich möchte erst mal etwas essen, dann machen wir uns auf die Suche nach einem Ausgang“, meinte er und öffnete die Tür zum Flur.

Zusammen mit den Anderen trat er nach draußen und ich wollte ihnen gerade folgen, als Winston mich an der Schulter zurückhielt.

„Was ist los mit dir?“, fragte er und zog fragend eine Augenbraue hoch. „Ich weiß, dass es dir wegen Teresa nicht gut geht, aber das ist nicht das Einzige.“

Ich schwieg und hoffte inständig, dass ich so diesem Gespräch entkommen konnte, aber da hatte ich die Rechnung ohne meinen besten Freund gemacht.

„Liegt es an deinem … Unfall?“, hakte er nach und ließ mich los.

„Winston, mir geht es gut“, erwiderte ich, drehte mich um und verließ ebenfalls den Raum.

Ja, er war mein bester Freund, doch über dieses Thema sprach ich mit niemanden, auch nicht mit ihm.

Plötzlich hörte ich lautes Stimmengewirr und das Fluchen von Minho, das aus dem Raum kam, in dem wir Pizza gegessen hatten. Sofort beschleunigte ich meine Schritte und erreichte dann das Zimmer, in dem die Lichter standen und alle kurz davor waren in Panik auszubrechen.

„Was zur Hölle ist denn hier los?“, wollte Winston wissen, der kurz nach mir ankam und Malia und Thomas einen fragenden Blick zuwarf.

„Die Vorräte, die gestern noch da waren, einfach alles, was essbar ist, ist weg“, erwiderte sie.

„Was meinst du mit weg?“ Verwirrt blickte ich die beiden an, das konnte doch nicht ihr Ernst sein.

„Weg, verschwunden. Wir haben nichts mehr zu Essen, gar nichts mehr“, antwortete Thomas und Winston und ich erstarrten.

„Aber dann … “ Mein bester Freund beendete seinen Satz nicht und warf stattdessen einen kurzen Blick zu Newt und Minho, die verzweifelt versuchten für Ruhe zu sorgen.

„Richtig“, murmelte Malia zögernd. „ANGST hat wohl beschlossen, dass es am besten wäre, uns verhungern zu lassen.“
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