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Lost Soul

von Scarabina
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Mix
Betty Cooper Fangs Fogarty Kevin Keller OC (Own Charakter) Sweet Pea Toni Topaz
31.01.2021
04.03.2021
18
56.770
2
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23.02.2021 4.178
 
Für Alle, die diese Geschichte verfolgen. Ich habe die Tage an einer potentiellen Storyline für eine Fortsetzung gewerkelt und denke, dass ich diese die Tage auch beginnen werde, je nachdem wie viel Zeit bei mir über ist, da ich mich zunächst auf die Überarbeitung dieser Geschichte konzentrieren wollte.

Bis dahin, viel Spaß mit dem neuen Kapitel :)
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Stunden später saßen wir im Whyte Wyrm und warteten darauf, dass Jane uns mit einigen Informationen versorgte. Sie tippte hektisch auf der Tastatur von Bettys Laptop ein und fluchte. Das passierte in den letzten Stunden ständig. Doch diesmal klappte sie den Laptop zu und raufte sich die Haare ehe sie entschuldigend aufsah. „Sorry, aber… keine Chance. Das Sicherheitssystem ist besser als ich vermutet habe,“ sie seufzte und kniff sich dann mit ihrem rechten Daumen und Zeigefinger in den Nasenrücken. Dabei schloss sie die Augen und wirkte als ob sie angestrengt nachdachte. Ich stand von dem Nachbartisch auf und stellte mich neben die Anderen. Meine Arme verschränkte ich vor meiner Brust und starrte die Gruppe vor mir mürrisch an. „Und was jetzt?“ fragte ich nüchtern. „Wenn wir die Informationen nicht bekommen die wir brauchen können wir unser zu Hause vergessen.“ Wütend trat ich mit meinem linken Fuß gegen die Bank auf der Jughead und Betty saßen. Betty sah mich mit hochgezogener Augenbraue an. Offenbar gefielen ihr meine ehrlichen Worte nicht. Jughead starrte mich nur an. Sein Unterkiefer mahlte. Er dachte also nach, gut. Toni und Cheryl sahen sich unsicher an. Cheryl lag etwas an Toni, dass wussten wir alle. Ihr war es offenbar wichtig, dass sie Toni in einer gewissen Sicherheit wusste. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie die hübsche Blondine Bettys Laptop wieder aufklappte. Nach einer kurzen Zeit sah sie auf. Ihr Blick war auf niemand bestimmen gerichtet. „Hat mal jemand ein Handy für mich?“ Ohne zu zögern reichte ich ihr meines. Vorsichtig nahm sie es entgegen. Dabei streiften sich unsere Finger. Fast sofort wurden die Stellen warm, an der ihre Finger meine berührten. Sie schien genau dasselbe zu bemerken, denn als ich zu ihr hinuntersah trafen sich unsere Blicke. Mein Herz machte einen Satz. Was war das denn? Seit wann reagierte ich denn so empfindlich auf eine solch kleine Berührung? Wir hielten mein Handy vielleicht eine Sekunde zu lange fest. Ich schluckte und nickte ihr zu. Danach riss ich mich von ihrem Blick los. Dabei bemerkte ich gerade noch, wie Jughead und Betty sich einen fragenden Blick mit einem kleinen Grinsen zuwarfen. Meine dunklen Augen richteten sich finster auf das Paar. Beide zuckten entschuldigend mit den Schultern, grinsten aber weiter. Währenddessen hielt sich Jane das Handy bereits an ihr Ohr. „Adrian. C’est moi, Jane,“ plapperte sie in fließendem französisch los. Sowohl Jughead, Toni, als auch ich starrten sie mit offenem Mund an. Betty kicherte und Cheryl nickte wissend. Ich musste gerade ziemlich dämlich aussehen. Kurz schüttelte ich mich, ehe ich versuchte mit meinen brüchigen Französischkenntnissen etwas von dem zu verstehen, was das junge Mädchen mit demjenigen am anderen Ende der Leitung besprach. „Je sais qu'il est tard mais tu dois me rendre service.“ Sie grinste, zuckte dann aber kurz, fast unmerklich zusammen und besann sich dann auf ein mildes Lächeln. Ihr lädiertes Gesicht schien Schmerzen zu verursachen. Ich legte den Kopf schief, als ich sie näher betrachtete. Die kaputte Lippe war bei dem Grinsen schon wieder aufgesprungen. Auch sie hatte das bemerkt und leckte das Blut schnell von ihrer Lippe. So wie die Farbe des Blutergusses aussah, würde sie diesen noch ein paar Tage mit sich herumtragen. Wer auch immer sie geschlagen hatte war nicht gerade zimperlich gewesen. „J'ai essayé, mais vos conseils n'ont pas fonctionné. Pas avec le système de sécurité de mon père. Avant de demander. C'est tout ce que tu as besoin de savoir Est plus sûr, croyez-moi. Pouvez-vous me fournir des informations?“ Nach diesem Wortschwall war ich raus. Jane sprach viel zu schnell und ich verstand kein Wort mehr. Kopfschüttelnd ließ ich mich wieder an den Nachbartisch sinken, sodass ich mich entspannt dagegen lehnte. Ich werde nicht der Einzige sein, der das nicht versteht. Sie wird es erklären müssen.

*** Janes POV***
Ich teilte Adrian die wichtigsten Informationen mit, die er wissen musste ohne zu viel preis zu geben. Er musste nicht tiefer mit hineingezogen werden und seine Spuren konnte er gut verwischen. Außerdem wusste ich nicht, ob man ihm trauen konnte, jetzt wo ich wusste, dass auf dem Internat auch die Kapos der Lodges rumliefen. Mein kleiner nerdiger Schulfreund war der Beste, wenn es um Computerangelegenheiten ging. Immerhin hatte er mir alles was ich wusste beigebracht und mir mehr als einmal den Arsch im Unterricht gerettet. Adrian hingegen war sofort Feuer und Flamme für die Aufgabe. Er liebte schwierige Aufgaben. Dann kam jedoch die Frage vor der ich mich gefürchtet hatte. „Que me donnez-vous pour cela?“ Ich schluckte und versuchte nicht zu unsicher auszusehen, da ich die Blicke aller anderen auf mir spürte und hoffte, dass keiner von ihnen so fließend französisch sprach um den unangenehmen Teil zu verstehen, den ich noch klären musste. Das war Adrian wie er lebte. Seine Eltern hatten ihn mehr oder weniger loswerden wollen. Sie bezahlten ihm das Internat, damit sie ihn nicht sehen mussten, hatten ihm aber sonst den Geldhahn zugedreht. Er bekam nicht einen Cent mehr als er für das Internat brauchte. Also finanzierte er sich sein Leben mit kleinen illegalen Gelegneheitsjobs. „Adrian, je suis assez serré pour le moment. Je ne peux pas te payer.“ Er seufzte. „Chérie, tu sais que je ne travaille pas gratuitement. Pas même pour toi.“ Ich kniff die Augen zusammen und biss mir dabei auf die kaputte Unterlippe. Ein kleiner schneidender Schmerz durchzuckte mich, den ich weitestgehend ignorierte. Ich schmeckte Blut im Mund. Mein Verstand arbeitete auf Hochtouren und ging durch, was ich ihm als Bezahlung anbieten könnte. Der metallische Geschmack meines Blutes lag mir dabei die ganze Zeit auf der Zunge. Auch nach kurzer Überlegung fiel mir nichts ein, was in meiner derzeitigen Situation einen besonderen Wert hatte. Nachdenklich griff ich an meinen Hals und spürte unter meinen Fingern die goldene Kette mit dem Engelsflügel. Diese war ein Geschenk meiner Großmutter und sie hasste billige Sachen. Vorsichtig setzte ich daher an: „La seule chose de valeur que je possède actuellement est ma chaîne. Je peux le vendre et vous transférer le prix que j'obtiens.“ Während ich das sagte blickte ich zu Betty. Diese hatte offenbar verstanden und sah mich irritiert an. Doch ehe sie etwas sagen konnte, brachte ich sie mit einer kurzen Handbewegung zum Schweigen. „Envoyez-moi la chaîne.“ Erleichtert atmete ich aus. Ich hatte gar nicht bemerkt, wie ich die Luft angehalten habe. „Bien. J'espère avoir de vos nouvelles bientôt. Jusque-là, Adrian.“ Damit legte ich auf und streckte das Handy in Sweet Peas Richtung. Dieser nahm es mir aus der Hand, diesmal jedoch darauf bedacht mich nicht zu berühren. Ich sah kurz zu ihm auf und als seine dunklen Augen über mein Gesicht glitten, fing mein Herz an lauter zu klopfen als es das vermeintlich sollte. Großartig. Mochte ich ihn doch mehr als ich mir eingestand? „Was zur Hölle war das denn gerade?“ platzte es aus Toni heraus. Irritiert sah ich die kleine quirlige junge Frau an. Ein kurzer Blick in die Gesichter der Anderen zeigte mir, dass auch Jughead und Sweet Pea verwundert waren. Nur Betts und Cheryl mussten ein Lachen unterdrucken. Dann viel es mir wie Schuppen von den Augen. „Achso, sorry. Meine Mutter ist Französin. Ich bin zweisprachig aufgewachsen und die letzten eineinhalb Jahre? Die habe ich zusätzlich genutzt um meine Französischkenntnisse etwas auszubauen, wenn ich schon in einem Internat leben musste, konnte ich es wenigstens etwas ausnutzen.“ Ich zuckte verlegen mit den Achseln. „Abgefahren,“ murmelte Toni. Jughead und Sweet Pea nickten nur.
Doch dann griff Betty nach meinen Händen. „Hast du gerade die Kette deiner Großmutter verscheuert für Informationen?“ Der Blick den sie mir zuwarf zeigt Besorgnis. „Das Geld meines Vaters kann ich ja derzeit nicht wirklich anbieten, oder?“ „Das ist das Einzige was du noch von ihr hast!“ protestierte sie mit leiser Stimme. „Betts, es ist okay. Meine Grandma hätte es wahrscheinlich genauso gemacht. Sie war stur und hat immer genau das bekommen was sie wollte. Dafür hat sie auch gerne mal etwas Kostbares abgegeben.“ „Danke!“ war Bettys ehrliche Antwort darauf. Ich lächelte sie warm an. Sie sollte deswegen keine Schuldgefühle haben. Ehrlich gesagt machte mir das Ganze Spaß. Immerhin würde es bei meinen Eltern für etwas Chaos sorgen, wenn der Angriff Adrians geschah. „Verrätst du uns mal auf was für einer krassen Schule du warst?“ wollte Sweet Pea nun wissen. Ich blickte zu ihm hinüber. Fassungslos sah er mich an. Seine Augen waren…misstrauisch. Er traute mir immer noch nicht über den Weg, wenngleich er deutlich netter zu mir war als noch vor ein paar Tagen. „Was für Leute hast du da kennengelernt?“ „Du meinst wegen Greta und Adrian?“ fragte ich. Mit einem düsteren Gesichtsausdruck nickte er und bewegte seinen angespannten Unterkiefer. „Sweet Pea!“ ermahnte ihn Jughead und schüttelte den Kopf. „Schon okay, Jughead,“ sagte ich dann. „Ich war auf einem dieser Internate für Reiche in Frankreich. Natürlich stecken die jeweiligen Eltern der dortigen Schüler viel Geld in die Unterrichtung ihrer Kinder. Manche sind da, weil sie gut zu ihren Eltern stehen und irgendwann das Unternehmen ihrer Eltern übernehmen wollen. Andere…sind da, weil ihre Eltern sie loswerden wollen. Gehört man zu letzterer Gruppe findet man leicht Zugang zu etwas, sagen wir, anderen Aktivitäten. Über die Jahre hat man gelernt still zu protestieren und gegen die Eltern zu rebellieren. Dabei nutzt man dann gut und gerne mal das Geld, welches einem die eigenen Eltern als Schweigegeld zur Verfügung stellen.“ Ich zuckte mit den Schultern. „Und wie du bereits festgestellt hast, war ich nie ein Liebling meiner Eltern.“ Mit so viel Ehrlichkeit hatte Sweet Pea offensichtlich nicht gerechnet. So wie er gerade aussah wusste er nicht, ob er mich verachten oder mögen sollte. Ich stand auf, lächelte und klopfte ihm auf den Oberarm. „Entspann dich Großer. Ich bringe schließlich niemanden um.“ Das schien ihn aus seiner Starre zu holen. „Das ist nicht der Grund,“ murmelte er nur und sah zur Seite. Seufzend sah ich nun wieder zu den Anderen. „Also, was ist dein weiterer Plan, Betts?“ Die Angesprochene sah mich nachdenklich an. „Ich denke, wir werden warten was das alles bringt. Vielleicht erfahren wir ja auch etwas von V.“ Ich nickte stumm. Stimmt. Die anderen hatten noch ein paar Schultage zu bewältigen dieses Halbjahr. Wir hatten das Schuljahrhalbjahr bereits beendet. Für meinen Abschluss hätte ich nur noch weitere eineinhalb Jahre gebraucht. Das war es dann wohl mit dem College und dem Willen Medizin zu studieren. Innerlich verkrampfte sich mein Magen. Ich hatte bereits so viele Vorbereitungskurse besucht. War eine der Besten in den Kursen gewesen was das Nähen von Wunden anging. All diese Arbeit war jetzt umsonst. Ohne die finanziellen Mittel meiner Eltern würde ich weder die Schule abschließen können, noch aufs College gehen. „Also gut,“ sagte ich dann. „In der Zwischenzeit kann ich mich mal nach einem kleinen Job umsehen. Solange wie ich noch hierbleibe, muss ich ja niemanden auf der Tasche sitzen.“ „Im Bijou ist gerade eine Stelle frei geworden,“ sagte Jughead. Betty sah ihn entsetzt an. Jughead zuckte lediglich mit den Schultern. Wieder nickte ich. „Klingt nach einem Anfang. Immerhin müsste ich mein Motorrad auch wieder auf Vordermann bringen, damit ich einigermaßen mobil bin.“ „Das erledigen Archie, Mr. Andrews und ich!“ sagte Betty schnell. „Das Motorrad steht schon bei den Andrews in der Garage.“ Überrascht sah ich meine Freundin an. „Wie?“ fragte ich. „Haben wir gestern noch erledigt, bevor wir deine Sachen holen waren,“ beantwortete Jughead meine Frage. „Ihr seid unglaublich!“ lachte ich und zu Betty gewandt: „Danke!“ Diese nickte nur.

Eine ganze Weile saßen wir noch in der kleinen Runde, ehe sich die kleine Gruppe zerstreute. Auch ich schlenderte zurück zum Wohnwagen.

Ein paar Tage vergingen in denen ich mir einen Job im Bijou sicherte und auf den Rückruf Adrians wartete. Die Nächte in Tollboys Wohnwagen schlief ich mehr schlecht als recht, aber immerhin konnte ich nun zumindest einen kleinen Teil Miete zahlen. Immer wieder ließen mich die alten Albträume aus dem Schlaf hochschrecken. Danach versuchte ich oftmals nochmal in den Schlaf zu finden, was in den meisten Fällen leider nicht gelang. Ich begann dann mir etwas von dem Trailerpark anzusehen. Mit der Zeit wurde ich mutiger und traute mich etwas weiter hinaus. Ab und zu traf ich den ein oder anderen Serpent und unterhielt mich kurz mit diesen. Nicht alle waren dabei so freundlich wie Toni, Jughead oder Hawkeye. Meistens kehrte ich zurück zum Wohnwagen, wenn die meisten verschlafenen Personen aus ihren Wohnwagen kamen.

Auch heute war einer dieser Tage. Ich schlenderte gerade von einem meiner frühmorgendlichen Ausflüge zurück zum Wohnwagen. Die Sonne stand bereits am Himmel und hatte ungewöhnlich viel Kraft für die Jahreszeit. Der Schnee taute langsam weg und hinterließ Matsch im Trailerpark. Kurz bevor ich meinen Wohnwagen erreichte, wurde ich heute von Sweet Pea abgefangen. „Warst du schon wieder unterwegs?“ fragte dieser misstrauisch. Ich seufzte. „Du misstraust mir immer noch oder?“ Seine dunklen Augen waren auf mich gerichtet, als ich auf meinen Wohnwagen zuging. „Das ist es nicht. Aber die Southside ist nicht sonderlich sicher, Jane.“ Ich blieb stehen und sah zu ihm auf: „Machst du dir etwa Sorgen?“ neckte ich ihn. „Um eine Northsiderin? Ich? Niemals.“ Doch auch ich konnte erkennen, dass hinter der Aussage ein leichter Klang von Belustigung mitschwang. „Im Ernst Sweet Pea. Ich kann nur nicht lange schlafen. Konnte ich noch nie.“ Sweet Pea nickte. Dabei knirschte seine lederne Kutte. „Das habe ich wohl mitbekommen.“ Interessiert blickte ich zu ihm hoch. „Schnüffelst du mir etwa hinterher?“ Der Gedanke daran kränkte mich. Ich hatte gerade das Gefühl gewonnen, dass er sich mir gegenüber öffnete. In den letzten Tagen haben wir uns oft gesehen. Wir haben zwar nicht viel miteinander geredet, aber die angespannte Stimmung war verflogen. Seltsamerweise fiel es mir bei Sweet Pea noch nichtmal schwer eine gewisse körperliche Nähe zuzulassen. Zuckte ich sonst vor jeglichen Berührungen männlicher Mitmenschen zurück, waren seine kleinen Berührungen angenehm. Ich mochte es, wenn wir uns neckten und uns spielerisch boxten. Der erste Tag hier im Trailerpark kam mir wieder in Gedanken. Auch da war es für mich kein Problem gewesen seine Hand zu halten. Ganz im Gegenteil, ich hatte mehr Angst davor, dass er loslassen würde, als dass er mich berührte. Aus irgendeinem Grund fühlte ich mich zu ihm hingezogen. Ich musste aufpassen, dass daraus nicht zu viele Gefühle wurden. Immerhin hatte ich mir geschworen die Gegend zu verlassen. „Ich wohne gegenüber Jane. Und da ich für gewöhnlich ziemlich nachtaktiv bin, sehe ich öfter mal Licht in dem Wohnwagen brennen.“ Seine Ausführungen rissen mich aus meinen Gedanken. Sweet Pea wohnte also in dem Wohnwagen schräg gegenüber. Ich lächelte. Irgendwie war es ein schönes Gefühl zu wissen, dass jemand den ich kannte und nicht fürchten musste in der Nähe war. „Heute ist Samstag oder?“ wechselte ich das Thema. Verdutzt antwortete er: „Ja, wieso?“ „Prima,“ entgegnete ich. „Dann können wir ja zusammen frühstücken gehen.“ Jetzt grinste er spielerisch: „Wenn du mich einlädst?“ „Wenn du fährst?“ Er lachte und nickte in Richtung Parkplatz. Auch wenn ich auf meine Gefühle aufpassen musste, würde ich weiterhin versuchen ihn dazu zu bewegen mir nicht mehr zu misstrauen. Er sollte wissen, dass er sich auf mich verlassen konnte und mir vor allem trauen konnte, auch wenn ich von der anderen Seite der Schienen kam. „Warte kurz,“ sagte ich. „Ich hol nur meine andere Jacke aus dem Trailer.“ Ohne seine Antwort abzuwarten ging ich schnellen Schrittes in Richtung Tollboys Wohnwagen. Hinter mir hörte ich seine schweren Schritte in dem nassen Boden. Glücklich lächelte ich vor mich hin und blieb abrupt stehen, als ich sah, was auf der Treppe des Wohnwagens wartete.

*** Sweet Peas POV***
Die letzten Tage hatte ich damit verbracht mir über die ganze Situation mit den Northsidern und Jane Gedanken zu machen. FP und Jughead hatten ausnahmsweise mal keine größeren Aufgaben zu erledigen, sodass die Tage recht ruhig verliefen. Oft saß ich nachts wach und dachte über einiges nach. Gleichzeitig sah ich ständig auf mein Handy. Ich hatte Angst, dass ich den Anruf von diesem ominösen Adrian verpassen würde. Ständig ging mir durch den Kopf, dass mein französisch nicht so gut war. Was würde ich machen, wenn ich ihn nicht verstand und er mich nicht verstand? Ebenso bemerkte ich, dass auch Jane oft nachts wach war. Die erste Zeit blieb sie dann in ihrem Wohnwagen und losch das Licht nach einer Weile wieder. Später fing sie an auf dem Trailerpark herumzustreifen. Kopfschütteln ging ich ihr dann in einigem Abstand nach. Die Southside war nicht gerade ein Ort an dem man nachts alleine unterwegs sein sollte. Überrascht musste ich jedoch feststellen, dass sie schnell anfing einige Kontakte unter den Serpents zu knüpfen und die meisten von ihnen waren durchaus freundlich zu ihr. Immer mal wieder liefen wir uns auch tagsüber über den Weg. Wir tauschten dann einige Freundlichkeiten aus und es überraschte mich, wie leicht es mir mittlerweile fiel normal mit ihr umzugehen. Mein anfändliches Misstrauen war verschwunden. Diesem Gefühl war etwas anderes gewichen. Umso mehr Zeit ich mit ihr verbrachte, umso mehr fing ich an sie zu mögen. Ich konnte nicht genau sagen warum, aber aus irgendeinem Grund gab sie mir das Gefühl etwas besonders zu sein. Irgendwann wusste ich, dass sie den Trailerpark nicht verließ und solange wie sie auf Serpentterritorium war, würde ihr niemand etwas tun. Dafür hatten FP und Jughead gesorgt.

Heute wollte ich eigentlich gerade zu FP und Jughead hinübergehen um in Erfahrung zu bringen, ob sich hinsichtlich der Lodge Pläne in einer andere Art etwas getan hatte. Doch dann entdeckte ich die kleine zierliche Blondine in einiger Entfernung. Sie war gerade zurück zum Wohnwagen. Kurzer Hand entschloss ich, dass ich Jughead auch später fragen konnte.

Und jetzt würde ich mit ihr frühstücken gehen. Wahrscheinlich im Pop’s. Als ich ihr zu Tollboys ehemaligen Wohnwagen folgte lächelte ich auf das hübsche Mädchen vor mir hinab. Als diese plötzlich vor mir stehen blieb, wäre ich fast in sie hineingerannt und hätte sie wahrscheinlich umgerissen. „Was…“ fing ich an, doch dann folgte ich rasch ihrem Blick und sah das kleine Paket auf den Treppen des Wohnwagens vor uns. „Scheiße,“ fluchte Jane vor mir, ehe sie raschen Schrittes auf das Paket zuging. „Was ist das?“ fragte ich perplex. „So wie das aussieht? Ein Geschenk meiner Eltern,“ sie seufzte, griff sich das Paket, ließ sich dann auf die Treppe fallen und legte das Paket auf ihren Schoß. Es war recht klein, wirkte aber stabil. Außerdem war es ziemlich dekadent in einem grünen Papier eingewickelt. Eine kleine Karte wies den Namen „Nessi“ auf. „Nessi?“ fragte ich immer noch perplex. Gott ich muss wirklich dumm wirken. „Mein zweiter Name ist Vanessa,“ erklärte sie mir leise. „Meine Eltern haben mich früher immer Nessi genannt.“ „Bist du dir sicher, dass es von deinen Eltern ist?“ stellte ich eine weitere Frage und hoffte, dass ich meine Stimme soweit im Griff hatte, sodass ich nicht mehr allzu dumm wirkte. Langsam ließ ich mich auf die Treppe neben sie fallen. Sie blickte mich mit ihren klaren grünen Augen ernst an. „Das werden wir erfahren, wenn wir da reinsehen. Aber wer soll das sonst gewesen sein?“ Damit fing sie an das Papier von dem Paket zu lösen. Unter dem Papier war ein kleines Pappschächtelchen mit einem Deckel. Auch diesen öffnete sie und wir beide starrten das Handy an, welches in diesem lag. Irritiert zog ich eine Augenbraue hoch. „Ein Handy?“ Und schon wieder eine dumme Frage. Natürlich war das ein Handy. Ich Dummkopf.
Plötzlich fing das Handy an zu klingeln. Jane, die so dicht neben mir saß, dass unsere Schultern sich berührten, zuckte zusammen und blickte entsetzt auf das Handy. Auch ich zuckte bei dem Klingelton zusammen. Es war eine schräge Version von „Hit the Road Jack“. Auf dem Display erschien der Name „Dad“. Ich schluckte. Wenn das wirklich von ihren Eltern kam, dann war das krank. Richtig krank. Ich sah Jane an. Sie wirkte sowohl verunsichert, als auch trotzig. Ihre schlanken Finger griffen nach dem Handy, welches immer noch klingelte. Dann atmete sie einmal tief durch und nahm das Telefonat an. „Dad?“ fragte sie mit fester Stimme. Ich konnte nicht verstehen, was die Stimme auf der anderen Seite des Telefonats sagte, also beobachtete ich stattdessen Janes Reaktionen. Kurz nachdem sie das Telefonat angenommen hatte, wurde sie blass. Richtig blass. Sie schlug sich mit der flachen Hand vor den Mund und riss vor Entsetzen die Augen auf. Dann ließ sie die Hand mit dem Handy von ihrem Ohr sinken und starrte tonlos auf das Handy. Tränen traten ihr in die Augen. „Jane?“ fragte ich so vorsichtig und sanft wie ich konnte. Zaghaft streckte ich meinen Arm aus und legte ihr diesen auf den Rücken. „Jane? Was ist passiert? War das dein Vater?“ Diese Frage riss sie aus der Starre. Sie blickte zu mir hoch. Stumme Tränen liefen ihr über die Wange. „Mir ist schlecht,“ hauchte sie dann nur noch, ließ das Handy fallen und rannte in den Wohnwagen. Von drinnen kam das furchtbare Geräusch eines krampfhaften Würgens. Was hatte sie so verstört? Anstatt ihr hinterher zu gehen, hob ich das Handy auf und sah, dass zwei Nachrichten angekommen waren. Beide waren von „Dad“. Schnell tippte ich darauf und wünschte sofort, dass ich das nicht getan hätte. Eine der Nachrichten war ein Foto. Dieses zeigte einen toten dunkelhaarigen Jungen mit aufgeschlitzter Kehle, der vor einigen erleuchteten Bildschirmen saß. Auch ohne die Nachricht darunter wusste ich, dass es Adrian war. Die weitere Nachricht, die der Anrufer hinterlassen hat lautete: „Ich habe dich gewarnt. Das passiert mit jedem, der diese Grenze überschreitet. Pass also gut auf dich und deine Schlangen auf.“ Sofort stieg Wut in mir auf. Ich ballte die freie Hand zu einer Faust, sprang auf und schlug mit Wucht gegen den Wohnwagen. Das Metall unter meiner Faust vibrierte leicht und zwei meiner Fingerknöchel platzten auf. „Scheiße!“ brüllte ich. Erst dann bemerkte ich, dass es ruhig in dem Wohnwagen war. Ich atmete kurz durch, ehe ich die Treppe in den Wohnwagen hinaufging und langsam die Tür aufstieß. „Jane?“ fragte ich, immer noch dabei meine Wut zu unterdrücken. Sie gab keine Antwort, aber ein leises Schluchzen verriet mir, wo ich sie suchen musste. Außerdem war der Trailer nicht groß.

In der Ecke, in der es zum Badezimmer ging wurde ich fündig. Jane saß mit dem Rücken zur Wand, weinend am Boden und lehnte den Kopf an die Wand. Weitere Tränen liefen ihr die Wangen hinab. Sie so aufgelöst zu sehen schnürrte mir die Kehle zu. Verdammt noch mal. Ich mochte dieses Mädchen wirklich. Vielleicht sogar schon etwas zu viel. „Hey,“ sagte ich vorsichtig, ehe ich mich neben ihr auf den Boden sinken ließ. Unsere Schultern berührten sich wieder. Überfordert mit der Situation, wusste ich nicht, was ich sagen sollte. Im Inneren hatte ich immer noch mit meiner eigenen Wut zu kämpfen und mit den seltsamen aufwallenden Gefühlen für das hübsche Mädchen neben mir. Der Bastard hatte nicht nur einen ihre Freunde umgebracht, sondern ihr und den ganzen Serpents gedroht. „Es ist meine Schuld Sweet Pea,“ sagte sie mit gebrochener Stimme. „Was?“ fragte ich entsetzt und wusste worauf sie hinauswollte. Gerade als ich anfangen wollte ihr zu erklären, warum sie keine Schuld an dem Tod Adrians hatte, schluchzte sie: „Er ist wegen mir gestorben. Ich wusste das Mr. Lodges Kapos in Frankreich in dem Internat waren. Er hatte Greta gedroht. Ich habe es ignoriert. Adrian ist wegen meiner Überheblichkeit gestorben. Wegen meines dummen Gedankens in das Leben meiner Eltern etwas Chaos zu bringen. Ich war egoistisch Sweet Pea. Und deswegen ist er gestorben. Ich bin schuld an seinem Tod.“ Ihre Schultern bebten, als sie von einer neuerlichen Welle der Trauer erfasst wurde. Sie so zerrissen zu sehen tat mir weh. „Nein,“ sagte ich entschlossen und legte gleichzeitig meinen Arm um sie und zog sie an mich. Dankbar ließ sie ihren Kopf an meine Brust sinken und vergrub ihr Gesicht in mein Shirt darunter. „Nein!“ sagte ich nochmal, diesmal ernster. „Das ist nicht deine schuld! Die einzige Person die daran Schuld trägt ist dein Vater, nicht du. Du hast ihn nicht umgebracht. Du konntest nicht wissen, was passieren wird. Dich trifft keine Schuld!“ Kurz blickte sie auf und sah mir in die Augen. Ihre sonst so wunderbaren grünen Augen waren nass vor Tränen und wirkten glasig. Plötzlich wirkte die sonst so taffe und mutige Blondine so zerbrechlich in meinem Arm. Ich suchte den Blickkontakt mit ihr und sagte leise, aber mit felsenfester und ernster Stimme: „Gib dir dafür nicht die Schuld, Jane.“ Sie sah weg, ihr Schultern bebten erneut. Mit der freien Hand drückte ich sanft ihren Kopf gegen meine Brust. Ich hielt sie eine Ewigkeit so in meinem Arm, während sie die stummen Tränen des Verlustes weinte. Während der ganzen Zeit kreisten meine Gedanken nur um eins. Ich würde niemals wieder zulassen, dass dieses hübsche, zerbrechliche und doch so mutige Mädchen in meinen Armen nochmal so verletzt werden würde.
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