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Wintermomente

GeschichteHumor, Familie / P6 / Gen
OC (Own Character) Ran Mori Shinichi Kudo Yukiko Kudo Yusaku Kudo
31.01.2021
04.05.2021
11
18.836
1
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11 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
11.03.2021 1.575
 
Happy Birthday, P.M.! ^^

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Kapitel 4: Des einen Freud, des anderen Leid

Shinichi Jr., Reika und Miyuki lachten sich tot.
Ihr kleiner Bruder Shunsaku fand es zwar lustig, gleichzeitig aber auch wieder nicht.
Ran lächelte leicht schadenfreudig.
Shunsaku Senior grinste breit.
Sogar Yuriko und Yusaku Jr. lachten, obwohl sie gar nicht wussten, wieso eigentlich.

Und Yusaku und Yukiko kicherten ebenfalls.

Der einzige, der es nicht lustig fand, war Shinichi.
"Schön, dass es euch gutgeht und ihr euch auf meine Kosten amüsiert", knurrte er und verschränkte die Arme vor der Brust. "Hättet ihr euch nicht einen anderen Streich ausdenken können? Wenn es schon unbedingt einer sein musste?"
"Ach komm, sei bitte nicht beleidigt", versuchte Shunsaku Shinichi zu besänftigen, trat an seine Seite und legte ihm die Hand auf die Schulter, doch der Detektiv schüttelte sie sofort ab.
"Mit dir habe ich sowieso noch ein Hühnchen zu rupfen, also-"
"Shinichi, jetzt beruhige dich doch-", begann Yusaku, doch der Schriftsteller wurde von seinem Sohn ziemlich unfreundlich angeschnauzt.

"Nein, jetzt hört ihr mir mal zu", knurrte der sechsfache Familienvater und richtete sich zu voller Grösse auf. "Ihr alle wisst, wie gefährlich meine Arbeit sein kann, ihr alle wisst, dass ich eigentlich gar nicht mehr am Leben sein dürfte, nach allem, was schon passiert ist. Und ihr alle wisst, welche Angst ich um euch habe. Grossvater, du weisst das genauso gut wie die anderen, also was zum Teufel hast du dir dabei gedacht? Ich hatte schon die Befürchtung, dass du an Demenz erkrankt wärst!"
"Ich-"
"Was, wenn es wirklich so wäre und du die Zwillinge einem wildfremden Pärchen gegeben hättest? Wie hättest du das Ran erklärt?"
"Aber-"
"Die zwei Kleinen sind nicht nur meine Kinder, sondern auch Rans! Sie ist ihre Mutter!"
"Shinichi-"
Der Detektiv liess seinen Grossvater gar nicht zu Wort kommen, auch dann nicht, als er Shinichi Jr.,Reika, Miyuki und Shunsaku anschaute.
"Und ihr lacht auch noch darüber? Habt ihr schon all die vielen Momente vergessen, in denen-"
"Nein, Dad."
"Warum lacht ihr dann? Was, wenn die zwei Kleinen jetzt wirklich in der Obhut von irgendwelchen fremden Leuten wären? Habt ihr vergessen, was ein paar Tage nach ihrer Geburt passiert ist? Damals im Krankenhaus?"

Nun herrschte Totenstille in der Blockhütte.
Nein, sie hatten nicht vergessen, was damals passiert war und an welcher Katastrophe die Familie knapp vorbeigeschrammt war. Sie alle wussten es – ausser Shunsaku.
Der fast 75-Jährige schaute seinen Enkel fragend an.
"Was ist denn damals passiert?"
Shinichi zog sich die Brille von der Nase und massierte sich die Nasenwurzel.
"Fünf Tage nach der Geburt der Zwillinge, als Ran mit ihnen noch im Krankenhaus war, wurde der kleine Yusaku von einer Frau entführt. Aus Rans Zimmer, während sie nur kurz auf der Toilette war", begann Shinichi zu erklären und erzählte dann die ganze Geschichte.
Nachdem er geendet hatte, schaute Shunsaku Shinichi voller Bedauern an.
"Es tut mir so leid, mein Junge. Hätte ich das gewusst, hätte ich niemals-"
"Schon gut."
"Nein wirklich, das ist unverzeihlich von mir-"
"Schon gut", wiederholte Shinichi leise. "Versprich mir einfach, dass du so etwas nie wieder tust. Wir sind nicht in die winterlichen Berge gefahren, um uns zu verletzen, egal ob physisch oder psychisch."
"Du hast absolut Recht", murmelte Shunsaku leise. "Tut mir wirklich sehr leid."
Shinichi winkte ab, er hatte sich wieder beruhigt. Zumindest für den Moment.

"Ja, Dad, es tut uns auch leid. Wir hätten nicht lachen dürfen", entschuldigte sich Reika für alle Vertreter ihrer Generation, und Yusaku und Yukiko nickten stumm. Die Idee für den Streich war auf ihrem Mist gewachsen, aber dass Shinichi so derart reagieren würde, hatten sie nicht erwartet. Ihre Überraschung ging komplett nach hinten los.
Shinichi winkte erneut ab.
Leise seufzend wandte sich der Detektiv daraufhin seinen jüngsten Zwillingen zu und nahm Yusaku Jr. auf die Arme.
"Tut mir leid, dass du und Yuriko in diese Familie hineingeboren wurdet", murmelte er leise, doch laut genug, damit alle Anwesenden es hören konnten. "Ich hoffe, ihr habt mehr von eurer Mutter geerbt, als es momentan den Anschein hat."

Yusaku Jr., der das Ganze immer noch nicht verstand, begann zu quengeln, und Shinichi überreichte ihn seiner Frau.
"Deine Mama ist die einzige vernünftige Person in diesem Haus, halte dich an sie, dann wirst du dein Leben meistern, ohne eines Tages in der Klapse zu landen. Halte dich einfach an Ran, dann geschieht dir nichts."
Niemand wagte Shinichi zu widersprechen, nicht einmal Ran selbst.
Die Freude war weg. Die Schadenfreude war weg. Und das Gefühl des Willkommens war ebenfalls weg.

"Und jetzt?", fragte Miyuki und unterbrach so die unangenehme Stille, bevor sie sich richtig ausbreiten konnte, und schaute ihre Grosseltern an. "Müsst ihr wieder gehen oder bleibt ihr hier?"
"Bitte bleiben!", rief Shunsaku sofort und hakte sich bei seinem älteren Ebenbild ein. "Es ist ein Familienurlaub, also muss auch die ganze Familie zusammen sein!"
Yukiko lächelte ihn verlegen an.
"Es tut mir leid, aber ich fürchte, wir müssen wieder gehen", seufzte sie. "Die Blockhütten sind alle ausgebucht, und das nächste freie Hotelzimmer ist über fünfzig Kilometer weit entfernt. Ausserdem glaube ich nicht, dass dein Vater uns jetzt hierbehalten möchte."
"Was?", rief Miyuki geschockt und ignorierte Yukikos letzten Satz. "Das geht doch nicht!"
Die ehemalige Schauspielerin seufzte erneut.
"Hätte Shinichi uns früher informiert, dass ihr hierher fahrt, hätten wir vielleicht noch ein Zimmer bekommen, aber jetzt..."

Ihr Sohn verschränkte wieder die Arme vor der Brust.
"Ja, ist gut, immer bin ich der Schuldige", knurrte er. "Zieht am besten alle nochmal ordentlich über mich her, aber lasst mich dann für die nächsten paar Tage in Ruhe, klar?"
Yusaku seufzte.
"Shinichi, lass gut sein, ja? Wir haben uns alle bei dir entschuldigt, also bitte."
Shinichi knurrte immer noch.
"Das wird noch ein Nachspiel haben, nur damit ihr es wisst."

Miyuki beschloss, ihren Vater einfach zu ignorieren, und erzählte dann von der Idee, die ihr gerade gekommen war.
"Bleibt doch einfach hier", schlug sie vor. "Diese Blockhütte hat acht Betten, aber wenn sich zum Beispiel Mum und Dad ein Bett teilen, wird ein Bett frei. Und wenn Shinichi und Shunsaku zusammen ein Bett benutzen, wird sogar ein zweites frei."
Shinichi Jr. reagierte entrüstet.
"Und was wäre, wenn du und Reika euch ein Bett teilt? Warum müssen immer wir Jungs euren Schwachsinn ausbaden?"
Miyuki schlug sofort verbal zurück.
"Also wenn einer von uns schwachsinnig ist, dann ja wohl du", knurrte sie, bevor sie einen anderen Vorschlag machte. "Du kannst ja auch auf dem Boden schlafen, dann behält Shunsaku sein Bett und es ist trotzdem ein weiteres frei. Fakt ist", fügte sie dann hinzu und brachte ihre Idee zum Abschluss. "Wenn wir zusammenrücken, haben wir alle Platz."

"Das stimmt!", rief Shunsaku begeistert und schaute zu seinem Grossvater hoch. "Bitte, bleibt hier! Wir können es so machen, wie Miyuki gesagt hat, dann werden es die schönsten Tage, die wir in diesem Winter haben werden!"
Reika und sogar Shinichi Jr. liessen sich von dieser Vorstellung anstecken und schauten dann bittend ihre Eltern an.
Ran zuckte mit den Schultern und warf einen Blick auf ihren jüngsten Sohn, den sie noch immer in ihren Armen hielt.
"Zwei weitere Babysitter sind sicher nicht schlecht", sagte sie. "Das mit den Betten kriegen wir ohne Probleme hin, denn genau wie Shunsaku vorhin gesagt hat: wenn wir zusammenrücken, haben wir alle Platz und es können wunderschöne Tage werden. Die Frage ist nur...", fügte sie dann hinzu und schaute Shinichi an. "Ob du überhaupt einverstanden bist."
"Oh bitte, Dad!"
"Bitte, bitte!"
"Gib dir einen Ruck, bitte, Dad!"

Sofort wurde der Detektiv von seinen Kindern bestürmt, doch erst, als er beide Hände hob, verstummten sie.
"Ich habe eine bessere Idee", sagte er und lächelte seine Eltern dann fies an. "Ihr übernehmt die Kosten für den gesamten Urlaub, wie wäre das? So als kleinen Schadensersatz für meine getöteten Nerven?"
Yukiko klappte die Kinnlade herunter.
"Ist das dein Ernst, du frecher kleiner-"
"Ich habe gesagt, dass es ein Nachspiel haben wird", unterbrach Shinichi sie. "Also entweder ihr verschwindet jetzt auf der Stelle, oder ihr erklärt euch einverstanden und macht damit euren Enkelkindern eine grosse Freude. Die Entscheidung liegt bei euch."
"Bitte, Grossvater, tut es!"
"Bitte, bitte!"
Kaum war Shinichi verstummt, wurde das ältere Ehepaar von der jungen Generation bestürmt, bis sie sich schliesslich geschlagen gaben. Wer hätte gedacht, dass ihr kleiner Streich derartige Konsequenzen nach sich ziehen würde?

Shinichi war zufrieden, die Sache hatte sich geklärt. Seine Eltern würden ebenfalls in dieser Blockhütte übernachten, und sie hatten bereits versprochen, auf ihren kleinen Namensvetter und dessen gleichaltrige Schwester aufzupassen, damit er und Ran weitere ungestörte Tage hatten, an denen sie machen konnten, was sie wollten.

Nur... ob sie auch wirklich ungestört sein würden?
Shinichi wusste noch nicht, dass die nächsten Tage alles andere als ruhig und erholsam werden würden...

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Fortsetzung folgt...
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