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Wintermomente

GeschichteHumor, Familie / P6 / Gen
OC (Own Character) Ran Mori Shinichi Kudo Yukiko Kudo Yusaku Kudo
31.01.2021
04.05.2021
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18.836
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21.02.2021 1.967
 
Kapitel 2: Ein perfekter Tag... oder?

Mit einem unverwechselbaren Geräusch öffnete Ran schwungvoll die Vorhänge und liess die Sonne herein.
Shinichi kniff die Augen zusammen und drehte sich auf die andere Seite.
"Ran, noch fünf Minuten, bitte", stöhnte er müde und zog sich dann die Decke über den Kopf.

"Nichts da!", sagte sie und zog ihm sofort die Decke weg. "Heute ist ein wunderschöner Tag, die Sonne scheint, und ich glaube, es ist nicht so kalt wie gestern. Du hast also keinerlei Argumente, den heutigen Tag im Bett zu verbringen, mein Lieber."
"Ich bin müde", sagte er, obwohl es in Rans Ohren eher wie eine Frage klang. "Du weisst doch, dass Familienferien Vollzeit-Babysitterjobs sind, das war es zu Hause schon. Also-"
"Dieses Argument zählt nicht", unterbrach Ran ihn sofort und warf ihm seine Kleidung aufs Bett. "Shinichi, Reika, Shunsaku und Miyuki sind bereits auf den Skiern, sie sagten, es gäbe heute einen Anfängerkurs im Freestyle, an dem sie unbedingt teilnehmen wollten, und dein Grossvater ist auch bereits weg. Er hat sich angeboten, heute wieder auf Yuriko und Yusaku aufzupassen, damit wir ungestört sind, und macht jetzt mit den zwei Kleinen einen Spaziergang."
"Wie bitte?"
"Du siehst, es sind nur noch wir da, aber ich möchte nicht den ganzen schönen Tag hier drin hocken und nichts tun. Wir sind in die Berge gefahren, um die Natur zu geniessen, und nicht, um dem Matratzenradio zu lauschen, so wie du es bis vorhin noch getan hast. Das können wir auch zu Hause tun."

Shinichi liess sich von Rans Tatendrang nicht wirklich anstecken, er lächelte nur und warf seine Kleidung beiseite.
"Du scheinst mir auch nicht ganz ausgeschlafen zu sein, also komm zu mir ins Bett. Ein zusätzliches Stündchen Schlaf würde auch dir guttun."
"Shinichi, ich will meine Worte nicht wiederholen."
"Ich meine auch nicht."
Ran baute sich vor ihm auf und stemmte die Fäuste in die Hüfte.
Für eine Millisekunde war sie geneigt, seinem Vorschlag zuzustimmen und noch eine Ehrenrunde einzulegen, schliesslich wusste sie, dass ihre zwei Jüngsten in guten Händen waren. Nach einem Blick aus dem Fenster jedoch schmetterte sie seinen Vorschlag ab.
"Nichts da. Wenn du schlafen willst, gehst du heute Abend einfach früher ins Bett, aber jetzt stehst du auf. Komm schon, ich will auch auf die Skipiste!"

Shinichi stöhnte leise ins Kissen.
Schade, aber ein Versuch war es wert gewesen.
"Gib mir zehn Minuten, okay? Ich kann ja schlecht im Schlafanzug Ski fahren gehen."
Ran grinste.
"Na ja, gehen würde es schon, ohne Probleme sogar, aber das Material ist alles andere als vorteilhaft, und ich will auf keinen Fall, dass du dich erkältest, solange wir hier sind."
"Ich auch nicht."
"Na gut", seufzte Ran daraufhin und wurde wieder ernst. "Ich gebe dir zwanzig Minuten, danach erwarte ich dich fixfertig vor der Tür. Ich warte draussen auf dich."
"Okay."
"Bis später."

Dann war Ran weg, und Shinichi stiess erneut einen Seufzer aus.
Am liebsten würde er immer noch im Bett bleiben, aber eigentlich hatte Ran Recht. Sie waren nicht in die verschneiten Berge gefahren, um den ganzen Tag im Bett zu bleiben, denn das konnte er auch zu Hause noch tun. Aber dort konnte er nicht Ski fahren. Und was war das für ein Anfängerkurs, von dem Ran gesprochen hatte? Freestyle?
Der Detektiv rollte mit den Augen.
"Na toll, Shinichi wird sich da den Hals brechen", murmelte er zu sich selbst. Zwar fand er Freestyle cool, aber zu wissen, dass seine eigenen Kinder das machen wollten... Sollte er ihnen dabei zuschauen oder es doch besser sein lassen? Manchmal war es besser, nicht zu sehen, was die Kinder anstellten...

"Shinichi! Die Zeit läuft!"
Rans Stimme wehte durch die Holztür zu ihm. Hatte sie etwa geahnt, dass er noch immer im Bett lag?
Bevor seine Frau ihn nochmal zur Eile antreiben konnte, stand er auf und zog sich an. Er lag noch immer gut in der Zeit, aber bevor er die Blockhütte schliesslich verliess, machte er noch einen Telefonanruf. Dummerweise erwischte er nur den Anrufbeantworter, so dass er notgedrungen nur eine Nachricht hinterlassen konnte.
Seufzend verliess er schliesslich die Blockhütte und ging zu Ran, die ein paar Meter weiter bei einer Baum-Gruppe stand und Fotos von ihnen machte.
Als sie hörte, wie er näherkam, drehte sie sich um.
"Da bist du ja endlich. Und, bereit?"
"Wie immer."
Ran lachte.
"Ja, klar."

Eine halbe Stunde später stand das Ehepaar auf ihren Skiern und machte die Piste unsicher. Die Schneeverhältnisse waren perfekt, es befanden sich trotz des wunderschönen Wetters nicht viele andere Menschen auf den Pisten, so dass es Momente gab, in denen sie ihre gewählte Abfahrt ganz für sich alleine hatten. Sie genossen es in vollen Zügen, bis sie beschlossen, zu der Piste zu fahren, wo der Freestyle-Anfängerkurs stattfand. Hier gab es ein paar Skifahrer mehr, die dem Treiben der Kursteilnehmer zuschauten, und Shinichi und Ran gesellten sich unauffällig zu ihnen. Wenn der Meisterdetektiv des Ostens erkannt wurde, war es mit der Ruhe definitiv vorbei, und das wollten sie um jeden Preis verhindern.

"Wo sind sie?", fragte Ran leicht beunruhigt, als sie sah, wie einer der Teilnehmer mit dem Rettungsschlitten zur Talstation gebracht wurde. "Ich hoffe, das war keiner von ihnen?"
Shinichi musterte die restlichen Kursteilnehmer und entdeckte schliesslich Miyuki, Reika und Shunsaku. Sie standen bei einer anderen Gruppe und schauten gebannt die Piste hoch. Shinichi tat es ihnen nach und erkannte dann seinen erstgeborenen Sohn, der auf sie zu fuhr.

Shinichi Jr. fuhr über die präparierte Schanze und machte eine Schraube. Dummerweise besass er einen solchen Schwung, dass er nicht eine ganze Umdrehung in der Luft machte, sondern noch zusätzlich eine halbe. Es kam, wie es kommen musste; er stürzte und legte sich flach auf den Rücken.
Ran schlug sich vor Schreck die Hände vor den Mund, sie wollte sofort zu ihm, doch Shinichi hielt sie zurück.
Der Sechzehnjährige lachte vergnügt, als er aufstand und zu seinen ebenfalls lachenden Geschwistern fuhr; er hatte sich nichts getan.
Shinichi lächelte.
"Es scheint, als hätten sie alle einen Riesenspass", sagte er leise zu Ran, die sich wieder vom Schrecken erholt hatte. "Lassen wir sie weiter üben, okay? Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob sie sich konzentrieren können, wenn sie wissen, dass wir zuschauen."
Ran nickte.
"Stimmt. Ich möchte ihnen aber trotzdem kurz Hallo sagen."
"Na gut."

"Hey Dad! Hallo Mum!", rief Shinichi Jr. und winkte, als er seine Eltern erkannte, und winkte sie energisch zu sich her. "Habt ihr mich vorhin gesehen? Das ist so cool!"
Er und seine Geschwister redeten daraufhin alle gleichzeitig los, so dass Ran und Shinichi Mühe hatten, alles zu verstehen, doch glücklicherweise rief der Kursleiter sie zu sich; der Kurs war noch lange nicht zu Ende.
"Viel Spass weiterhin!", wünschten sie ihrem Nachwuchs, dann waren die Vier auch schon wieder weg.
"Was für ein toller Tag", seufzte Ran und gab Shinichi einen Kuss. "Ich glaube, wir sollten unseren Aufenthalt hier verlängern, der Wetterbericht sagt schönes Wetter für die ganze Woche voraus."
Shinichi lächelte verlegen.
"Na ja, schauen wir erst mal, ob die Kinder heute Abend alle noch unverletzt sind, dann können wir darüber streiten, ja?"
"Ich will aber nicht streiten."
"Du weisst, wie ich das meine."
"Ja..."
Ran gab ihm erneut einen Kuss, dann fuhr sie los. "Wer zuerst unten ist!"

Während der nächsten fünf Stunden machten sie weiter die Pisten unsicher, sie liessen sogar das Mittagessen ausfallen und vermieden es, wieder zu der Piste zu fahren, auf der ihre Kinder den Kurs absolvierten. Sie liessen die beiden Zwillingspaare ihren Spass haben und genossen den Tag zu zweit.
Sie beide vergassen die Zeit, bis Ran doch mal eine Pause machte und für sich und Shinichi ein Getränk holte.

Der Detektiv nutzte die Gelegenheit und rief seinen Grossvater Shunsaku an, um zu fragen, ob bei ihm noch alles in Ordnung war und ob sich die Zwillinge benahmen.
"Oh Shinichi, schön dass du anrufst", sagte Shunsaku und freute sich, die Stimme seines Enkel zu hören. "Wie sind die Schneeverhältnisse?"
"Die sind perfekt, die Kinder und wir haben viel Spass", antwortete Shinichi, bevor er auf den eigentlichen Grund seines Anrufs zu sprechen kam. "Wie geht’s mit den zwei Kleinen? Ist alles in Ordnung?"
Shunsaku lachte.
"Den Zwillingen geht’s gut, sehr gut sogar, leider wollen sie nicht schlafen."
"Ja, da haben sie so an sich, wenn sie nicht zu Hause sind", seufzte Shinichi, der wortwörtlich ein Liedchen davon singen könnte. "Und wie geht’s dir?"
"Mir geht’s gut."

Diese Tonlage... Das gefiel Shinichi gar nicht.
"Grossvater, bitte lüg mich nicht an. Geht’s dir gut? Wo bist du?"
"Mir geht’s gut, Shinichi, wirklich. Ich bin nur ein bisschen müde."
Der Detektiv seufzte.
"Na gut, Ran und ich kommen zurück und übernehmen die Zwillinge, dann kannst du dich hinlegen und ausruhen."
Shunsaku winkte sofort ab.
"Ihr müsst nicht herkommen, wirklich nicht. Ich sitze hier auf einer Bank gleich bei einer Feuerstelle und geniesse den leckeren heissen Tee, den mir ein äusserst liebeswürdiges Pärchen spendiert hat. Ich habe sie unterwegs beim Spazieren getroffen, weisst du. Sie haben gesehen, dass ich müde bin, und angeboten, auf die Kinder aufzupassen, während ich mich ausruhe. Sie sind mit ihnen weiter spazieren gegangen und sollten in etwa einer halben Stunde wieder zurück sein. Das haben sie mir zumindest gesagt."

Shinichi fiel vor Schreck fast das Handy aus der Hand.
Ein wildfremdes Pärchen passte auf seine Zwillinge auf? Woher wollte Shunsaku wissen, dass es nicht irgendwelche Entführer waren?
Er schluckte trocken.
"Grossvater, wie konntest du-?", keuchte er geschockt. "Du kannst doch die Kinder nicht einfach irgendwelchen fremden Leuten-"
"Shinichi, ich bitte dich, es ist alles in Ordnung", versuchte Shunsaku seinen Enkel zu beruhigen. "Bleib, wo du bist, geniesse mit Ran den Tag auf der Skipiste, ihr habt es euch wirklich verdient. Ich habe hier alles unter Kontrolle, keine Sorge."

Shinichi schloss die Augen.
Shunsaku hatte seine Zwillinge irgendwelchen fremden Leuten übergeben.
Seit wann konnte er sich nicht mehr auf seinen Grossvater verlassen? Seit wann gab er sein eigen Fleisch und Blut in fremde Hände? Gestern hatte doch auch alles geklappt! Shunsaku wusste doch, wie wichtig ihm seine Familie war und welche Angst er um sie hatte...!Hatte er es etwa vergessen? Waren das etwa die ersten Anzeichen einer altersbedingten- ?
Shinichi schüttelte den Kopf.
Nein, daran durfte er gar nicht denken.
Welche Lügen hatte dieses angeblich liebenswerte Pärchen ihm bloss aufgetischt? Sie konnten doch niemals so liebenswert sein, wenn sie Urgrossvater und Urgrossenkel trennten?

Er schaute auf die Uhr. Es war kurz vor vier Uhr, sie konnten nur noch eine gute Stunde fahren, bevor die Skilifte den Betrieb einstellten.
Er musste sofort zurück. Doch wie sollte er es Ran erklären? Sie hielt ebenfalls sehr grosse Stücke auf Shunsaku, es würde ihr das Herz brechen, wenn sie erfuhr, dass Yuriko und Yusaku Jr. nicht mehr bei ihm waren...

"Hier bitte", sagte Ran und hielt ihm eine Flasche Eistee hin, kaum stand sie vor ihm. "Sie hatten leider nichts anderes mehr, es gibt erst morgen wieder Nachschub."
Shinichi starrte sie an.
Wie um alles in der Welt sollte er es ihr erklären? Er konnte es ja selbst noch gar nicht richtig fassen...!

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Fortsetzung folgt...
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