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Wintermomente

GeschichteHumor, Familie / P6 / Gen
OC (Own Character) Ran Mori Shinichi Kudo Yukiko Kudo Yusaku Kudo
31.01.2021
04.05.2021
11
18.836
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04.05.2021 1.871
 
Happy Birthday, Shinichi Kudo und Conan Edogawa!

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Kapitel 9: Wintermomente-Erinnerungen

Alle Anwesenden wurden hellhörig, sogar die drei Frauen, die in der Küche waren, jetzt aber ins Wohnzimmer traten.

Langsam richtete Shinichi sich auf, doch der Schmerz, der daraufhin durch seinen Körper schoss, liess ihn wieder zurück in den bequemen Sessel sinken.
Er schaute seinen Erstgeborenen scharf an.
"Habe ich das jetzt gerade richtig verstanden? Du bist froh, dass ich mir das Bein gebrochen habe?"

Shinichi Jr. war sich zuerst unsicher und wollte lieber um den heissen Brei herumreden oder am besten ganz verschwinden, doch dann entschied er sich dagegen. Er hatte damit angefangen und musste es jetzt beenden, auch wenn das bedeutete, dass sein Vater danach wütend auf ihn war.
"Es tut mir wirklich leid, Dad, wirklich. Aber zum Glück habe ich dich erwischt."
"Ich hätte mir noch viel mehr brechen können", grummelte Shinichi, verschränkte die Arme vor der Brust und schaute seinen Sohn wütend an. "Ich hätte auch Verletzungen davontragen können, wegen denen ich jetzt im Krankenhaus liegen würde. Willst du das etwa, Bursche? Willst du, dass ich meine Ferien im Krankenhaus verbringe? Du weisst ganz genau, wie sehr ich dieses Gebäude hasse!"
Shinichi Jr. wurde leise.
"Nicht die Ferien, aber alles danach..."

In Shinichi machte sich Fassungslosigkeit breit, wie auch bei den anderen, besonders bei der jüngsten Generation der Familie.
"Hey sag mal, geht’s dir noch gut?", regte Reika sich auf. "Findest du es etwa lustig, einen verletzten Vater zu Hause zu haben?"
"Findet ihr es etwa lustig, einen toten Vater zu haben?", stellte Shinichi Jr. die Gegenfrage und sorgte mit diesen Worten für grosse Augen.
Shunsaku Sr. und Yusaku war sofort klar, worauf der junge Shinichi hinaus wollte, aber erst mit dem gefühlsmässigen Ausbruch des Teenagers wurde es allen anderen auch klar. "Dad, bitte glaub mir, es tut mir wirklich wahnsinnig leid, dass ich in dich reingebrettert bin. Es war ein Unfall, ehrlich, ich habe diese Erhöhung einfach nicht gesehen. Aber jetzt mit dem gebrochenen Bein und den anderen Verletzungen... Du kannst nicht zur Arbeit, also gerätst du nicht in Gefahr und kannst deswegen auch nicht... umgebracht werden... Verstehst du?"

Der Detektiv schaute ihn stumm an, und Shinichi Jr. fiel vor ihm auf die Knie.
"Ich habe erst neulich ein Buch gelesen, in dem ein Mann umgebracht wurde, weil er schlichtweg zu viel wusste und den Verbrechern im Weg war. Ich musste dabei an dich denken..."
"Junge-"
"Bist du es nicht leid, dauernd angeschossen oder anderweitig verletzt zu werden?", unterbrach Shinichi Jr. ihn. "Mum macht sich jeden Tag Sorgen um dich. Und wir vier uns übrigens auch, auch wenn wir es nie zeigen. Aber es ist so."

Der Sechzehnjährige schaute zu Boden.
"Es ist meine Schuld, dass du jetzt verletzt bist, ich weiss das und es tut mir sehr leid. Du kannst mir also Hausarrest aufbrummen, so lange du willst, ich akzeptiere alles. Nur bitte... überleg es dir."
Shinichi seufzte leise.
"Komm her."
"Dad, bitte-"
"Komm her."
Shinichi Jr. strich sich mit dem Ärmel über das Gesicht, dann stand er auf und trat zu seinem Vater. Eine Sekunde später sass er im Klammergriff auf dessen Schoss.

"Wenn meine Zeit gekommen ist, sterbe ich", sagte Shinichi leise. "Vorher nicht. Und schon gar nicht während der Arbeit. Ich entscheide immer noch selbst, wann ich die Engelchen oder Teufelchen auf den Wolken in den Wahnsinn treibe, also hör bitte auf, dich um mich Sorgen zu machen, ja? Du bist sechzehn Jahre alt, du steckst mitten in der Pubertät, also hast du weiss Gott andere Probleme als deinen alten Herrn. Okay? Mach dir keinen Kopf."
"Du bist nicht sauer auf mich?", fragte Shinichi Jr. zögernd, und Shinichi lächelte.
"Doch, den Hausarrest kriegst du, wenn du ihn willst, aber wir alle können uns glücklich schätzen, dass du nicht deine Mutter erwischt hast. Nicht auszudenken, was wäre, wenn ich euch das Essen auf den Tisch bringen müsste..."

Miyuki, Shunsaku, Reika und auch Shinichi Jr. lief ein eiskalter Schauer über den Rücken, als sie sich ihren Vater in der Küche vorstellten...
"Blutige Würmer", keuchten sie und schüttelten sich.
Der 74-jährige Shunsaku lächelte.
"Gute Detektive sind selten gute Köche, also was erwartet ihr?"
"Na, so schlecht hast du nicht gekocht, Vater, und dein Ramen ist Spitzenklasse", widersprach Yusaku sofort. "Die besten Köche der Welt kriegen es nicht so lecker hin wie du, also erzähl mir nichts von 'gute Detektive sind selten gute Köche'."
Shunsaku konnte nicht anders, er lachte.
"Deswegen habe ich es ja gesagt, Junge. 'Selten'. 'Selten' ist nicht 'nie', und ehrlich gesagt denke ich nicht, dass Shinichi so schlecht kocht. Das kann ich mir nicht vorstellen."

Shinichi spielte die beleidigte Leberwurst, als er sich an seine Kinder wandte.
"Wenn ihr meine Tomatenspaghetti nicht mögt, dann könnt ihr euch ja selber was kochen."
Reika und Miyuki schauten sich entsetzt an.
"Nö!", sagten sie sofort synchron. "Zum Glück hat Shinichi dich erwischt."
"Haha, sehr witzig."
Shinichi Jr. befreite sich aus dem Klammergriff und stand wieder auf.
"Es tut mir wirklich leid, Dad."
"Schon gut. Beende den Freestyle-Kurs und mach mich stolz. Ich will nicht umsonst ein gebrochenes Bein haben und hier in der Hütte hocken, während ihr die wunderschöne Winterlandschaft draussen geniesst."
Ran, die die ganze Zeit über kein Wort gesagt hatte, seufzte nun ebenfalls.
"Stimmt, du kannst jetzt weder Ski fahren noch sonst etwas tun. Aber wenn Yukiko unseren Aufenthalt nicht verlängern kann-"
"Lasst das meine Sorge sein", meldete sich Yukiko zu Wort und lächelte in die Runde. "Ich bin mir sicher, dass alles klappt, also habt Vertrauen."

Shunsaku Jr., der sich erst wortlos auf die Seite seines Vaters, dann auf die seines Bruders geschlagen hatte, schaute zu seinen Eltern hoch.
"Der heutige Tag ist vorbei, aber was ist mit morgen?"
Der Detektiv lachte.
"Morgen macht ihr alle genau das, was ich will, und zwar ohne Widerrede. Auch du, meine geliebte Göttergattin", fügte er hinzu, bevor er Ran am Handgelenk zu fassen bekam und auf seinen Schoss zog. "Der Wetterbericht sagt schönstes Wetter voraus, ich lasse also nicht zu, dass du den ganzen Tag bei mir in dieser Hütte hocken bleibst."
Ran lächelte ihn schelmisch an.
"Ach, wer sagt denn, dass das überhaupt mein Plan war?"
Dann gab sie ihm einen Kuss, stand auf und zauberte schliesslich ein leckeres Abendessen auf den Tisch, bei dem sich die Kinder köstlich darüber amüsierten, dass Shinichi sich selbst als 'alten Herrn' bezeichnet hatte. Der gefühlsmässige Ausbruch von Shinichi Jr. geriet dabei in Vergessenheit.


Obwohl sie es nicht als Befehl auffassten, machten sie alle am nächsten Tag trotzdem genau das, was Shinichi wollte. Die vier Kinder besuchten weiterhin den Freestyle-Kurs, Ran war mit ihren Schwiegereltern ebenfalls auf der Piste, Shunsaku machte einen langen Spaziergang mit Yusaku Jr. und Yuriko und Shinichi blieb alleine in der Blockhütte zurück.
Er nutzte die Zeit und schlief, zumindest solange das Gesetz der Stille galt, doch mit der Rückkehr des ersten Familienmitglieds verschwand die Stille und das Gesetz verlor seine Gültigkeit.
Am Abend veranstalteten sie mehrere Schneeballschlachten, bei denen Shinichi und Ran nur Zuschauer waren und Shunsaku Sr. dauernd die Seiten wechselte, so dass er sich immer auf die Seite der Gewinner schlagen konnte, wer auch immer es gerade war.

Wiederum einen Tag später hielt der Wetterbericht, was er versprach, und sie alle konnten dank Yukikos Bemühungen, ihren Aufenthalt zu verlängern, die Tätigkeiten des Vortages wiederholen. Mit der Ausnahme, dass Ran sich mitten am Nachmittag von ihren Schwiegereltern verabschiedete und zu Shinichi zurückkehrte, um die letzten Stunden gemeinsam mit ihm verbringen zu können. Sie wollten die Zweisamkeit geniessen, solange sie es noch konnten.
Als die Familie am Abend im Wohnzimmer zusammensass, breitete sich leichte melancholische Stimmung aus. Bedauern, dass die Ferien vorbei waren, Freude, dass sie nach Hause fuhren, riesige Freude über den absolvierten Freestyle-Kurs und bereits Vorfreude auf die nächsten Ferien, die sie erneut gemeinsam erleben wollten.

"Alles in allem ein gelungener Aufenthalt in den Schneebergen und den Schneemonstern, nicht wahr?", seufzte Ran und schmiegte sich an Shinichi, als sie im Bett lagen und die letzten Tage Revue passierten. "Ausser natürlich deinem Unfall, der hätte nicht passieren dürfen. Ich würde aber trotzdem gerne noch ein paar Tage hierbleiben, aber Yukiko hat getan, was sie konnte. Morgen müssen wir los."
"Jah..."
"Ist es morgen eigentlich sonnig? Ich habe heute total vergessen, den Wetterbericht zu lesen."
Shinichi lächelte müde.
"Mach dir keine Sorgen, Ran. Solange es nicht regnet, ist doch alles gut, oder?"
"Stimmt", seufzte Ran nur.
Stille breitete sich zwischen ihnen aus, bis die sechsfache Mutter noch etwas ansprach, was sie eigentlich hatte ignorieren wollen. "Was denkst du über unseren kleinen Shinichi?"
"Du meinst das, was er gesagt hat?"
"Ja."
"Na ja...", begann er, legte einen Arm um Rans Schulter und zog sie näher an sich. "Eigentlich hat er Recht, das gebe ich zu. Aber ich bin erwachsen, und es ist meine Entscheidung, welchen Beruf ich ausübe. Ihr wollt schliesslich jeden Tag Essen auf den Tisch und Kleidung, ihr wollt leben. Das kostet. Ohne Job kommt kein Geld rein, also was ist so schlimm daran, wenn ich meinen Traumberuf ausübe, auch wenn er ein gewisses Gefahrenpotenzial birgt?"
"Ich habe nichts gesagt."
"Arbeiter, die auf irgendwelchen Baustellen arbeiten, leben auch gefährlich."
"Ich habe nichts gesagt", wiederholte Ran und seufzte leise. "Lass uns jetzt nicht darüber streiten, ja? Ich möchte mir nicht ausmalen, was alles geschehen könnte. Ich will einfach..."
Sie unterdrückte ein Gähnen. "... schlafen."


Shinichi seufzte ebenfalls leise.
"Stimmt. Ja. Ich auch nicht. Ich auch", kommentierte er jeden Satz seiner Frau und drehte sich dann leicht zu ihr. So ein eingegipstes Bein konnte ganz schön nervig sein...
"Gute Nacht, Shinichi...", murmelte Ran, als ihr auch schon die Augen zufielen. Der Tag war anstrengender als gedacht, und Shinichis Brust war viel bequemer als zuerst angenommen...
Fünf Minuten nach ihr betrat auch Shinichi die Traumwelt.

Noch wussten sie nicht, dass ihnen die Wolken einen Strich durch die Rechnung machen würden.
Als sie am nächsten Morgen die Augen aufschlugen, war alles weiss.
Der Schnee lag so hoch wie das Fenster und eine Flucht durch die Holztür war ebenfalls unmöglich.
Sie wurden erneut eingeschneit! Sie konnten ihren Aufenthalt, wenn auch dieses Mal eher unfreiwillig, verlängern!

Die Familie Kudo tat das einzige, was sie jetzt tun konnte: sie alle machten das Beste aus der Situation und genossen das Beisammensein in vollen Zügen, bis sie zwei Tage später doch noch ihren Heimweg Richtung Tokyo antreten konnten.

All die vielen winterlichen Momente, die in der freien Natur wie auch diejenigen in der rustikalen Holzhütte, verwandelten sich in schöne Erinnerungen.

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Fortsetzung folgt...
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