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Auf den Gipfeln das Glück

von Mira93
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Katharina Strasser Markus Kofler Michael Dörfler OC (Own Character) Rudi Simon Plattner
30.01.2021
03.03.2021
8
13.016
8
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23.02.2021 1.475
 
Der Schatten des Gipfels – Teil 6

Amelie zuckte zusammen als ihr Blick in die Richtung fiel, aus der der Lärm gekommen war. Ihre Augenpaare trafen in der Ferne, die eines Mannes, der ihr ziemliche bekannt war. David

Sie schauderte es und eine Gänsehaut breitete sich auf ihren Armen aus. Konnte das sein, dass er hier war? Er wusste es doch gar nicht, dass sie nach Ramsau gereist war. Amelie schüttelte etwas und so schnell der Blickkontakt gewesen war, so schnell war der Mann auch hinter dem Schaufenster wieder verschwunden. Starr konnte die junge Frau ihren Blick nicht von der Ecke abwenden, an der sie vermeintlich David gesehen hatte.
Mittlerweile machte ihr der Physiotherapeut etwas Angst. Sie gab das ja nur ungern zu, aber ihr gruselte etwas und wenn er sie jetzt bis Ramsau verfolgte …
Amelie schüttelte sich und wandte sich mit ihrem Blick etwas ab. Reichte der Nachrichtenterror nicht?

„Alles okay bei dir?“, Simon berührte Amelie sanft an der Schulter und sie zuckte erschrocken zusammen. Sofort nahm der Bergretter seine Hand zurück und musterte das etwas versteinerte Gesicht von Amelie. Auch er hatte den Lärm gehört und die urplötzlich Anspannung, die sich über die Schwester von Markus gelegt hatte, war ihm natürlich nicht entgangen. Besorgt musterte er sie und es dauerte eine Weile bis Amelie schließlich den Kopf schüttelte und Simon direkt anblickte. „Ich habe gerade gedacht ich habe meinen Ex gesehen“
Sie stand auf und ging zum Mülleimer. Dort warf sie mit viel Schwung ihre Eisbecher hinein. Simon war ihr mit seinem Blick gefolgt und hatte nur irritiert eine Braue nach oben gezogen.
„Aber das ist doch völlig Quatsch“, Amelie ließ sich wieder neben Simon auf die Stufe fallen und erneut schüttelte sie den Kopf. Eine Strähne hatte sich in ihr Gesicht verbannt und energisch pustete sie diese weg. „Ich meine David weiß überhaupt nicht, dass ich hier bin und außerdem er arbeitet in München“

Simon hatte noch immer seine Brauen in die Höhe gezogen und sagte dazu erstmals nichts. Er betrachtet die junge Frau gedankenverloren wie sie nervös ihre Hände knetete und starr den Boden zwischen ihren Füßen hypnotisierte. Simon war sich nicht ganz sicher, ob sie mit ihrer Aussage nicht mehr sich selbst, als ihn überzeugen wollte.

„Amelie darf ich dich was persönliches fragen?“, Simon brach die Stille und er strich vorsichtig das Taschentuch auf seinem Oberschenkel glatt. „Hmm?“, ruhig fuhr Amelie herum und sie sah den Bergretter dabei direkt in die Augen. Dies ließ sein Herz erneut unweigerlich höhe schlagen und er hätte sich für sein Verhalten ohrfeigen können.
„Hast du Angst vor ihm?“, setzte Simon vorsichtig mit leiser Stimme an und sein Blick ruhte weiter auf Amelie, die bei seinen Worten etwas erstarrte. Sie wandte ihr Gesicht von Simon etwas ab, damit er ihr nicht direkt in die Augen blicken konnte. Amelie seufzte und strich sich fahrig mit etwas zittrigen Händen eine lose Haarsträhne hinter das Ohr.

„Ich weiß es nicht“, erwiderte sie leise und wagte es nicht Simon anzusehen. Stattdessen zerknüllte sie ein Taschentuch zwischen ihren Händen und fixiertes es mit ihren Augen. „Es ist vielleicht totaler Schwachsinn aber irgendwie fühle ich mich nicht mehr ganz wohl“, fuhr Amelie fort und seufzte etwas auf.

Sie schämte sich fast für diese Gedanken, denn sie wollte David auf keinen Fall irgendetwas unterstellen und schließlich hatte sie ihn einmal sehr gemocht, aber die letzten Tage und Stunden hatten ihre Gefühle zum Kippen gebracht und sie hatte das Gefühl, dass sie plötzlich an David eine ganz neue Seite zu sehen bekam und diese behagte Amelie überhaupt nicht.

Simon hatte ihren Blick gesehen und die leisen Worte hatten ihm verdeutlicht, dass sie sich schämte für das was in ihr vorging und, dass sie dies fast nicht aussprechen mochte.

„Hey“, er rückte ein Stück näher zu Amelie und sah ihr dabei zu, wie sie das Taschentuch zwischen ihren Händen immer und immer wieder zu einem Knäul verwandelte.
„Das was man fühlt, dass ist nie völliger Quatsch“, ging er auf ihre Gedanken ein und knetete seine Hände. Gerne hätte er ihr über die Schulter gestrichen aber das kam ihm irgendwie in diesem Moment falsch vor.

„Vielleich hab ich mich ja auch getäuscht.“, wiegte Amelie ab und überschlug energisch ihre Knie. „Ich bin mir ja überhaupt nicht sicher ob ich ihn überhaupt wirklich gesehen habe.“, sie zuckte  mit den Schultern und wandte sich wieder Simon zu.

„Der ganze SMS-terror macht mich schon ganz verrückt“, versuchte sie sich zu rechtfertigen und seufzte dabei. Das Taschentuch fiel ihr zu Boden und die junge Frau bückte sich danach, um es in ihre Jackentasche einzustecken.
„Du brauchst dich mir gegenüber für nichts rechtfertigen“, versicherte ihr Simon und rang sich schließlich doch dazu durch ihr eine Hand auf den Oberschenkel zu legen.

Amelie zuckte kurz zusammen, doch sie merkte wie gut sich diese einfache Berührung von Simon doch anfühlte. So sicher und so geborgen. Seine große Hand verströmte eine wohlige Wärme auf ihrer Haut und sie merkte wie sich diese Wärme in ein Kribbeln verwandelte. Augenblicklich schlug ihr Herz etwas höher.

„Soll ich dich nach Hause fahren?“, Simon entzog seine Hand und griff nach den Taschentüchern, die noch ein letztes Indiz für ihr Malheur von vorhin waren.
Viel zu schnell, hatte er für Amelies Geschmack die Hand zurückgezogen und sie merkte wie die Stelle an ihrem Oberschenkel, an der er sie berührt hatte kalt wurde und das Prickeln langsam Schritt für Schritt nachließ.

Amelie erwiderte seine Antwort mit einem Nicken und die beiden standen fast etwas wiederwillig von ihrem Platz auf. Schweigen gingen sie zum Auto des Bergretters.



Es war still im Wagen, da keiner irgendetwas sagen wollte. Amelies Gedanken kreisten immer noch um David, den sie vermeintlich vorhin am Marktplatz gesehen hatte. Ihr wollte es einfach nicht aus dem Kopf gehen.
Hin und wieder ruckelte das Auto etwas auf der Straße und Simon warf der Schwester von Markus Kofler das ein oder andere Mal einen verstohlenen Blick zu, den sie völlig versunken in ihre Gedanken überhaupt nicht bemerkte. Ihr Blick fiel starr aus dem Fenster der Beifahrerseite, doch Simon war sich sicher, dass sie die vorüberziehende Landschaft nicht wirklich wahrnahm, viel mehr war sie in völlig in ihre eigene Welt der Gedanken gekehrt.
Wer war dieser David bloß? Simon umklammerte mit beiden Händen das Lenkrad und schaltete in einen höheren Gang. Das Auto machte einen kleinen Hüpfer ehe es wieder ruhig auf der Landstraße dahinglitt.
Er hatte mitbekommen, dass ihr der Mann immer wieder Nachrichten schrieb. Sicher konnte sie sich dort vorhin im Dorf auch getäuscht haben, aber war es so unmöglich, dass er ihr gefolgt war?
„Links“, rief Amelie plötzlich und Simon zuckte zusammen. „Oh Mist!“, stöhnte er auf und Amelie lachte auf.

„Sag mal wo warst du denn gerade mit deinem Gedanken, dass du gleich die Abzweigung zum Hof versäumst?“, breit grinsend sah sie Simon an und schüttelte dabei den Kopf.

Zügig wendete er in einer Parkbucht und bog schließlich in der richtigen Einfahrt zum Hof von Emily ein. „Sorry“, er grinste und warf der jungen Frau einen kurzen Blick zu. „Macht der Gewohnheit. Ich wäre jetzt zu mir nach Hause gefahren“

„Ach so einfach machst du dir das mit dem Abschleppen“, zog ihn Amelie belustigend auf. „Du lässt die Frauen einfach überhaupt nicht aussteigen“

„Erwischt“, stieg Simon in den Spaß mit ein und zuckte spielerisch unschuldig mit den Schultern. „Aber verrat mich nicht“

„Ich werde Schweigen!“, ernst sah Amelie den Bergretter an und unterstrich ihre Aussage, indem sie ihren Mund wie einen Reisverschluss pantomimisch verschloss.

Beide lachten auf und ihre Blicke trafen sich, als Simon den Motor auf dem Hof abstellte.
… und da war es wieder dieses Kribbeln am ganzen Körper. Sie konnten den Atem des jeweilig anderen spüren und Amelie merkte wie sich eine leichte Gänsehaut auf ihren Armen ausbreitete.

„Danke!“, hauchte sie leise und schluckte. Simon hatte so wunderschöne Augen. „Es war ein wunderschöner Tag“

„Das fand ich auch“, erwiderte Simon leise und lächelte etwas. So gerne würde er der jungen Frau eine Strähne aus dem Gesicht streichen und sie ganz vorsichtig küssen. Doch irgendetwas in seinem inneren hinderte ihn daran es tun. Er konnte sie nicht einfach so überfallen.
„Na dann“, Amelie wandte sich von ihm ab und lächelte ihn an, was sein Herz unheimlich schnell klopfen ließ. „Geh ich mal“, sie grinste verlegen und hätte sich am liebsten selbst für diese Aussage geohrfeigt.
Sie öffnete die Wagentür und stieg mit wackligen Knien aus.

„Amelie!“, Simon war ihr gefolgt und sah sie mit einem Lächeln an.

Ihr Herz schlug etwas höher und sie runzelte die Stirn.

„Wenn ich dir irgendwie helfen kann oder du einfach jemanden zum reden brauchst“, er lächelte sie freundlich an und die junge Frau wusste, dass der Bergretter auf die Situation mit David anspielte.

„Ruf mich an“, er wandte sich etwas von ihr ab und Amelie nickte ohne etwas zu sagen.

„Zu jeder Zeit!“, fügte Simon noch hinzu.
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