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Auf den Gipfeln das Glück

von Mira93
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Katharina Strasser Markus Kofler Michael Dörfler OC (Own Character) Rudi Simon Plattner
30.01.2021
04.05.2021
18
27.812
13
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04.05.2021 1.392
 
Der Schatten des Gipfels – 18

„Lass mich los!“, brüllte Amelie und versuchte ihren Arm aus der Umklammerung von David zu lösen. Nicht lange hatte es gedauert und er war aus seiner Streckstarre wieder erwacht und der jungen Frau gefolgt. Sein Gemüt hatte in Wut umgeschlagen und er wollte sie einfach nur noch packen. Energisch hatte er nach ihren Arm gegriffen und sie zu sich umgedreht. Der Abgrund in die Tiefe des Tales tat sich auf der Kuppe nur wenige Meter hinter ihnen auf.

„Überlege es dir was du noch sagst“, zischte er gefährlich und seine Lippen zitterten vor Wut nur wenige Millimeter über dem Gesicht von Amelie. „Oder wir fallen beide“

„Das tust du nicht“, wisperte sie leise und ihre Stimme fing bereits vor Angst gefährlich zu wackeln an. „Oh doch“, David nickte überzeugt und presste seine Hände noch fester um Amelies Arm. „Was habe ich denn noch zu verlieren?“

„Dein Leben – dein ganzes wundervolles Leben, das noch vor dir liegt“, erwiderte Amelie mit schriller Stimme und Tränen der unendlichen Angst und Panik flossen über ihre Wangen. Das Blut aus ihrer Nase klebte ihr am Oberteil und fing allmählich zu Krusten an.

„Du bist mein Leben. Mein Ganzes und mein einziges“, David schüttelte den Kopf und sein Griff wurde noch fester. „Aua!“, wimmerte Amelie auf und schloss stöhnend die Augen. In diesem Moment existierte neben ihrer Angst nur noch der unsagbare Schmerz, der alles in zum Pochen brachte. Sie wollte, dass dies alles aufhörte – endlich!!

„Bitte lass mich endlich los“, wimmerte sie erneut und schluchzte dabei laut auf. Mit letzter Kraft versuchte sie sich wieder aus seinen Armen zu entreißen, doch David war stärker und presste sich etwas näher an Amelies Körper. Sie zuckte zusammen und wich einige Schritte nach hinten aus. Immer näher kam sie dem Abgrund und erste Steine rieselten bereits in die Tiefe, in der sie sich verloren.

Amelie spürte nur noch den Schmerz in ihrem Gesicht von dem Schlag von vorhin und der unsagbare Druck auf ihrem Arm, der sich wie ein Pochen über ihren ganzen Körper ausbreitete. Die Kraft schwand gefühlt mit jeder einzelnen Sekunde, die verstrich und sie konnte nicht mehr. Sie hatte nicht mehr die Kraft sich zu wehren und gegen David zu rebellieren. Er war ihr voraus und sie hatte keine Chance. Am liebsten wollte sie einfach nur die Augen schließen und in eine unendliche Dunkelheit versinken, doch alles blieb hell und über ihr nur der blaue Frühlingshimmel und der unendliche Schmerz in ihrem ganzen Körper.

Amelie taumelte noch einen Schritt zurück unter der Kraft, die von Davids Körper ausging, der sich dicht an sie presste. „Lass mich los“, wiederholte sie wieder, aber diesmal kaum hörbar und nur noch schwach krächzend. Kreischend zog ein Adler seine Kreise im blauen Himmel und Amelie spürte den sanften Wind, der über die Bergkuppe strich. Mittlerweile war es ihr egal, wie dies alles endetet und es fühlte sich sogar bereits befreiend an, wenn sie endlich fallen würde in die unendliche Tiefe. Sie wäre frei und würde fliegen ohne Last wie es der Greifvogel über ihnen tat. Sie atmete tief ein und schloss die Augen.

Sie konnte und wollte sich nicht mehr wehren. David hatte gewonnen und er hatte das was er immer wollte – er hatte sie bekommen.

„Lass sie los!!“, erklang urplötzlich eine Stimme aus der Ferne, die Amelie mehr als vertraut war. Simon!

Erschrocken fuhr David herum und geriet taumelnd ins Fallen. Er riss Amelie mit sich und einen kurzen Moment, dachte sie, dass jetzt der Moment des Fluges gekommen war, doch stattdessen landetet wie ein nasser Sacke Mehl auf dem harten felsigen Grasboden der Bergkuppe. Ein erneuter stechender Schmerz durchfuhr ihre kaputte Schulter und entsetzt schrie die junge Frau auf.

„Amelie“, mit wenigen Schritten war Simon auf sie zugesprungen und hatte sie einige Meter vom Abgrund in die Sicherheit gezogen. „Gott sei Dank!“, flüsterte er und strich ihr vorsichtig eine Strähne aus dem Gesicht.

„Simon“, flüsterte sie leise und sah ihn eine Weile lang an. Tränen brannten in ihren Augenwinkeln und sie lächelte ihn zaghaft an. „Du hast mich gefunden“
„Das habe ich dir doch versprochen“, er zwinkerte ihr zu und griff nach ihrer Hand, die er sanft in seinen warmen Händen bettete. Sofort durchfuhr eine wohlige Wärme ihren Körper und merkte wie allmählich wieder Leben und Kraft in ihr zurückkehrte.

„Amelie, mein Gott Amelie“, Markus war mit wenigen Schritten auf seine Schwester zugerannt und zog sie in eine Umarmung. „Markus“, Amelie schloss ihre Augen und ihr Körper begann mit allen Gliedern zu zittern. Schluchzend vergrub sie ihr Gesicht in seinem Hals und sanft strich ihr Markus über den Rücken.

„Es ist vorbei hörst du“, flüsterte er leise und versuchte seine weinende Schwester zu beruhigen. „Der Alptraum ist ein für alle Mal vorbei!“

„Danke, dass ihr mich alle nicht aufgegeben habt“, flüsterte sie und sanft drückte Markus seine kleine Schwester etwas von sich weg, um ihre eine Strähne aus dem Gesicht zu wischen.
„Niemals würde ich dich aufgeben. Niemals, nie in meinem Leben!“

Erneut brach Amelie wieder in ein Schluchzend aus und sanft griff Markus nach der Hand seiner Schwester. „Komm“, er zog sie vorsichtig hoch und musterte mit einem prüfenden Blick ihre Schulter, die etwas seltsam eingedreht war. „Katharina wartet am Heli sie soll sich dich mal etwas genauer ansehen. Kannst du aufstehen?“

Nickend stimmte Amelie ihren Bruder zu und mit zittrigen Knien stand sie auf. Simon beobachtete das Geschehen mit einem kritischen Blick etwas aus der Ferne und als Amelie ihm einen Blick zuwarf, breitete sich ein sanftes Lächeln auf seinen Lippen aus.

„Markus“, Amelie blieb plötzlich stehen und sah ihren Bruder mit großen Augen an.

„Alles in Ordnung?“, Sorge schwang in seiner Stimme mit und er erhöhte den Drucke seines Armes, den er um Amelie gelegt hatte etwas.

„Sei Simon nicht mehr böse. Er hätte gegen meine Dickschädel niemals eine Chance gehabt und hätte das alles nicht verhindern können“, sanft berührte sie ihren Bruder am Oberkörper und er blickte sie kritisch mit zusammengekniffenen Augen an.
„Bitte!“, flüsterte sie wieder und ein Lächeln legte sich über Amelies Lippen. „Er ist nicht Schuld, an dem was passiert ist. Niemand hat Schuld daran und am allerwenigsten Simon“

Markus seufzte auf und drückte seine Schwester etwas an sich. Sanft hauchte er ihr einen Kuss auf die Wange und nickte. „Ich gebe mir Mühe okay?“

„Danke!“, sie lächelte leicht und Markus zog sie erneut in eine kurze Umarmung. „Ich bin einfach nur so froh, dass du wieder da bist. Kurzzeitig dachte ich echt, dass ich dich nie mehr wiedersehen werde“

„Ich bin zäh“, Amelie zwinkerte ihm zu und die beiden traten auf den Helikopter zu. Sofort kam ihnen Katharina entgegen und erschrocken betrachtet sie Amelies blutverschmiertes Gesicht. „Alles halb so wild“ wiegte diese ab und deutete auf ihr Oberteil. „Nasenbluten, sieht echt schlimmer aus als es ist“

„Setz dich!“, wies Katharina die Schwester von Markus an und als sie auf einem Stein vor dem Heli saß, griff sie fest nach den Händen der Alpinistin. „Ich bin so froh!“
„Und ich war noch nie so froh euch zu sehen“, Amelie grinste und verzog das Gesicht als sie sich zu aprubt bewegte. „Kannst du dir meine Schulter ansehen?“

Katharina nickte und schob das Shirt der jungen Frau etwas zur Seite. Sie untersuchte die schmerzende Stelle so gut es am Berg eben ging und streifte sich danach die Handschuhe ab. „Ich glaube, dass du nur eine starke Prellung durch den Sturz hast, aber lieber bringen wir dich in die Klinik, damit du ordentlich durchgecheckt wirst“, sie nickte Michi zu und dieser schob die Tür des Helikopters auf.

Simon trat wieder auf die Gruppe zu und nickte leicht. „David haben sie gerade mit dem Polizeihubschrauber antransportiert“, sein Blick blieb wieder auf Amelie haften, die ihm ein sanftes Lächeln zuwarf.

„Ich hoffe den lassen sie nicht mehr so schnell ans Tageslicht“, Michi schüttelte den Kopf und schwang sich auf seinen Sitz. „Seit´s bereit für den Abflug?“

Markus griff nach seinen Helm und trat noch einige Sekunden von einem Fuß auf den anderen hin und her, ehe er schließlich Simon seine Hand hinhielt. „Sorry“, erwiderte er leise und überrascht sah Simon zu Markus auf.
„Sorry für alles was ich gesagt habe und, dass ich dir die Schuld gegeben habe.“, fuhr er fort und seufzte laut auf. „Ich hoffe sehr, dass du auch deine Worte nicht ernst gemeint hast und Teil des Teams bleibst!“
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