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Auf den Gipfeln das Glück

von Mira93
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Katharina Strasser Markus Kofler Michael Dörfler OC (Own Character) Rudi Simon Plattner
30.01.2021
27.05.2021
21
31.662
13
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Dieses Kapitel
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01.05.2021 1.653
 
Der Schatten des Gipfels – Teil 17

„Hier trink was“, David reichte Amelie eine Flasche, doch die junge Frau schüttelte wortlos den Kopf. Zusammengekauert saß sie in der Ecke der kleinen Schutzhütte und rührte sich seit ihrer Ankunft kaum einen einzigen Millimeter.

„Trink!“, Davids Stimmte wurde lauter und seine Augen funkelenden, als er der jungen Frau die Flasche vor die Nase hielt. Ein Zittern vor Angst ging durch Amelies Körper und sie presste laut schnaufend ihre Augen zusammen. Tränen rannten über ihre Wangen und sie war einfach machtlos dagegen, denn sie hatte keine Kraft mehr diese zurück zu halten.

„Entschuldigung, Entschuldigung“; Davids Stimme war wieder etwas sanfter geworden und er rückte ein Stück näher zu Amelie. Zärtlich strich er ihr über die Wange und die junge Frau zuckte zusammen. Die Berührungen hinterließen eine Spur von Kälte, die sich langsam durch ihren ganzen Körper ausbreitete.

„Ich will nicht, dass du Angst hast, aber du musst etwas trinken. Du brauchst Kraft für die nächsten Tage“; setzte er etwas versöhnlicher an und griff dabei nach ihrer Hand. Ganz sanft öffnete er ihre Finger und legte die Flasche Wasser hinein. Zitternd und mit angehaltener Luft beobachtet Amelie das Vorgehen. Etwas Wasser schwappte aus der Flasche und ergoss sich über Beine, aber Amelie schaffte es einfach ihre Hand ruhig zu halten und sich unter Kontrolle zu bringen.

„So gerne hätte ich dir das alles hier erspart, aber du wolltest es nicht anders“, ruhig sah David Amelie an und strich ihr zärtlich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Vorsichtig hauchte er ihr einen Kuss auf die Wange und Amelie entzog sich rasch der Zärtlichkeit. „Nicht“, erwiderte sie leise und ihre Stimme klang dabei so zerbrechlich, so schwach …

„Wir werden´s schön haben“, David lächelte sie an und stand auf. Vorsichtig schob er die Gardine der Schutzhütte etwas zur Seite und die morgendlichen Sonnenstrahlen drang durch das kleine Fenster. „Wie schön, die Sonne scheint!“, er lächelte und hob die Tassen auf der Fensterbank zur Seite, um die Öffnung nach draußen zu öffnen.

Von Amelie kam keine Antwort. Immer noch saß sie bewegungslos in der Ecke des Zimmers und starrte stur auf den Boden.  Sie wollte weg, sie wollte sie gerne einfach nur von hier – von ihm – abhauen, doch sie hatte keine Kraft mehr. Sie schaffte es nicht sich gegen David zu wehren. Sie fühlte sich leer und wie der einsamste Mensch auf dieser Welt.

„Komm gehen wir nach draußen. Es ist herrlich“, David trat lachend auf Amelie zu und reichte ihr ihre Hand zum Aufstehen. „Komm!“, wiederholte er seine Worte etwas lauter, als von ihr immer noch keine Reaktion und Antwort kam. Zögerlich griff sie nach seiner Hand und er zog sie in die Höhe.

*****

„Auf neun Uhr ist nichts“, Katharina schüttelte den Kopf und wandte einen Blick auf Simon auf der anderen Seite.

„Ebenfalls negativ“, wiederholte der Bergretter und schüttelte den Kopf.

„Zefix des gibt’s doch alles nicht oder“, Michi klopfte energisch auf seinen Schenkel und schüttelte den Kopf.

„Markus mir tut das alles so Leid“. Simon presste sich sein Finger vor den Kopf und stöhnte auf. „Ich hätte sie niemals in meinem Leben alleine gehen lassen dürfen“, der Bergretter holte tief Luft und er wandte seinen Blick von Katharina ab, damit sie nicht sah wie sich kleine Tränen aus seinen Augenwinkeln lösten. „Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich mit der Bergrettung weitermachen kann, egal wie das alles hier ausgeht. Ich hab deiner Schwester gegenüber keine Verantwortung übernommen und das ist die Grundvoraussetzung in meinem Tun“

„Du willst ernsthaft deinen Job hier an den Nagel hängen?“, mit lauter Stimme fuhr Markus zu Simon herum und sah ihn mit funkelnden Augen an. „Schon ziemlich feige oder? Erst brockst du uns den ganzen Mist hier ein und dann haust du ab!“

„Markus“, versuchte Katharina ihren Freund zu beschwichtigen und legte vorsichtig eine Hand auf seine Schulter.

„Okay Jungs, jetzt haltet Mal alle die Pferde im Zaum!“, schrie plötzlich auch Michi auf und warf einen vorwurfsvollen Blick zu Markus auf seiner rechten Seite. „Eure Vorwürfe, Schuldeingeständnisse und Zukunftspläne haben hier nichts zu suchen, aber wirklich rein gar nicht. Wir müssen Amelie finden und nur das ist jetzt wichtig. Alles andere könnt ihr vertagen und dann klären!“, er schüttelte den Kopf und die Lautstärke in seiner Stimme legte sich etwas. „Und wenn ihr euch nicht endlich in Griff bekommt, dann setzt ich euch ab und ihr seid raus aus der Suche!“

„Klar?!“, er warf noch einen letzten Blick zu den beiden Männern, ehe sich bedrücktes Schweigen über den Hubschrauber legte.

****

„Ist doch herrlich hier oben so am Morgen oder?“, David legte einen Arm um Amelie und versuchte sie etwas näher an sich zu ziehen.

Hastig entwendete sie sich aus seiner Berührung und Übelkeit stieg in ihr auf. „Herrlich nennst du das?“

Lächelnd trat David einen Schritt auf sie zu und versuchte ihr über die Wange zu streichen. Doch Amelie schaffte es seine Hand auszuschlagen und selbstbewusst trat sie einen Schritt zurück. „Dann lass mich endlich gehen“

„Ich liebe dich Amelie“, er zuckte mit den Schultern. „Ich kann dich nicht gehen lassen. Wir gehören zusammen und unser Leben wird wundervoll werden. Das weiß ich!“, er lächelte sie sanft an, doch Amelie schüttelte den Kopf. „Das wird es nicht“, spie sie ihm entgegen und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Amelie, wehre dich nicht, du willst nicht, dass ich dich zwingen muss. Das wollen wir doch beide nicht oder?“, David war wieder einen Schritt auf sie zugetreten und hatte sie fest am Handgelenk gepackt. Ein Schmerz durchfuhr sie, der ihr durch alle Poren des Körpers ging. Amelie atmete tief ein und wieder aus, bis sie sich wieder etwas beruhigt hatte. Sie spürte den Atem von David auf ihrer Haut und ein Schaudern erfüllte ihren Körper, sodass sie zu zittern begann.

„Willst du ein Leben mit einer Frau verbringen, die dich nicht liebt, die es nie getan hat?“, versuchte sie es etwas vorsichtiger und legte dabei den Kopf schief. „Wie willst du je glücklich werden, wenn du weißt, dass unser ganzes Glück nur erzwungen ist.“

„David“, sie sah ihn mit fester Stimme direkt an und ihr wurden schlecht sobald sie seine Augen sah. „Du bist doch ein hübscher, toller Mann. Du kannst andere Frauen haben und du wirst deine große Lieben finden. Lass mich gehen und alles wird gut“

„Ich liebe nur dich Amelie und du gehörst zu mir“, seine Stimme wurde etwas leiser und er senkte seinen Blick. Der Griff um ihr Handgelenk wurde dabei etwas gelockert, sodass der Schmerz endlich nachließ.

„Ich gebe dich nicht her“, die Stimme von David war wieder etwas stärker geworden und sein Blick strotzte wieder vor Überzeugung und Wahn. „Wenn ich dich nicht haben kann, dann soll es auch niemand anderes, Amelie. Ich liebe dich wie ich noch nie jemanden geliebt habe“

„Lass mich endlich los“; langsam platze Amelie der Kragen und eine leichte Panik machte sich in ihr breit. „Ich hasse dich“, wisperte sie leise und schüttelte abwertend den Kopf. „Ich hasse dich dafür, dass du über mich bestimmen willst, mich nimmst wie man einen Gegenstand einfach mal so mitnimmst und ich hasse dich dafür, dass mich in keinster Weise respektierst. Ich bin dir doch egal, du willst nur besitzen.“

„Wage es nicht!“, Davids Stimme war lauter geworden und er zog Amelie etwas näher zu sich.
„Was soll ich nicht wagen? Was?“, schrie sie ihm laut ins Gesicht und auf ihrer Stirn war steile Falten abgebildet. „Das ich sage, dass ich dich hasse? Das kann ich gerne noch tausend Mal sagen. Ich hasse dich, ich hasse dich, …“, brüllte sie und wurde erst durch das laute Klatschen auf ihrer Wange zum Schweigen gebracht.

Völlig aus der Bahn geworfen hielt sie inne und sah mit Schreck geweiteten Augen David ins Gesicht, der immer noch die Hand in der Luft hatte. Ein Schmerz durchfuhr ihren ganzen Körper und ging der jungen Frau durch Mark und Bein.

Sie fühlte wie sich eine leichte Nässe von ihrer Nase aus ausbreitete und über ihr Kinn langsam auf das Shirt tropfte. Erschrocken fasste sich an ihre Nase und nun waren auch ihre Hände vom Blut überströmt.

„Es tut mir Leid, Amelie“, David zitterte etwas und ließ das Handgelenk der jungen Frau los. „Das wollte ich nicht“

Amelie trat immer noch voller Schreck einen Schritt zurück und ließ ihren Blick nicht von David ab. „Du widerst mich so an David!“

Sie wischte sich erneut das Blut von der Wange, ehe sich umdrehte und über die Wiese auf dem Berggebiet rannte, so schnell sie ihre Füße tragen konnten.

******
Markus hatte seinen Blick aus dem Fenster gewandt und still die Landschaft unter sich betrachtet. Wo war sie nur? Wo konnte Amelie nur hin verschwunden sein?

Ihr Brief ließ ihn schon die ganze Zeit nicht mehr los. Was war nur mit dem Eichhörnchen gemeint.

„Rudi für Michi?“, das Funkgerät krächzte leicht und Michi drückte sofort auf den passenden Knopf.

„Also die Schonauer Schutzhütte braucht ihr nicht abfliegen. Da sind die alten Männer vom Jagdstammtisch oben. Die hätte die beiden wenn dann schon bemerkt“, informierte Rudi die Retter aus der Zentrale.

„Danke dir verstanden!“, Michi nickte und drehte einen Hebel leicht zurück. Der Helikopter flog eine kleine Kurve und wandte sich von der Felswand ab.

„Warte mal ich glaub ich weiß wo sie sein kann!“, schrie Markus urplötzlich und setzte sich kerzengerade auf. „Rudi ist ein Held!“

„Was?“, irritiert blickte Michi zu Markus und sah ihn mit hochgezogener Braue an.

„Die Hochriesser Schutzhütte“, brüllte Markus aufgeregt und fuchtelte wild mit den Händen. „Flieg da sofort hin. Unser Nachbar ist da mit uns öfters hoch, als wir klein waren. Sie gehört dem Jagdstammtisch und hinter der Hütte in einem kleinen Raum ist damals immer ein ausgestopftes Eichhörnchen gehangen. Amelie wollte es immer füttern, damit es sich wieder bewegt.“

„Das meint sie also mit ihrem Satz, dass du ihr Eichhörnchen füttern sollst“, Katharinas Miene hellte sich auf und ein großes Lächeln erstreckte sich über ihre Lippen. „Hoffentlich geht es ihr gut!“
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