Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Der Besuch bei Onkel Timm

von missnini
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P12 / Het
Benny Handler Sarah Wittner William "Willi" Tagert
30.01.2021
11.04.2021
11
15.501
 
Alle Kapitel
19 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
08.02.2021 2.155
 
Fluchtartig geht Sarah auf die Tür des großen Wohnzimmers zu, schließt hinter sich die Tür und rutscht an ihr herunter, während ihr schon Tränen in die Augen steigen.
Sie konnte einfach nicht glauben dass Will sie so fallen ließ. Das hätte sie niemals geglaubt.
Plötzlich spürt Sie einen Druck im Rücken, offensichtlich wollte jemand die Tür öffnen, vor der sie ja immer noch saß.
"Sarah? Hier ist Eva. Lass mich bitte mal rein."
Sarah wischt sich die Tränen weg und steht auf. Eigentlich wollte sie jetzt lieber alleine sein aber Sie konnte Bennys Mutter ja schlecht den Zutritt in ihr eigenes Wohnzimmer verwehren.
Die dunkelhaarige Frau lächelt kurz und nimmt Sarah direkt in den Arm.
Sarah war sehr dankbar darüber, Eva vermittelte so ein Gefühl von Geborgenheit, wie es die eigene Mutter einem vermittelte.
Sie zieht Sarah am Jackenärmel mit sich zum Sofa und streichelt ihr über die Schulter.

"Was ist denn genau passiert zwischen euch?" möchte Sie wissen.
Sarah sieht Eva überrascht an.
Woher wusste sie das jetzt schon?
Eva lächelt zart.
"Guck nicht so, ich merke doch schon länger dass ihr beiden füreinander schwärmt, schließlich ist Will wie mein Sohn, da erkenne ich sowas direkt."
"War das so offensichtlich?" fragt Sarah
"Für mich schon." gibt Eva zu und grinst.
Sarah seufzt und beginnt zu reden.
"Will war ab dem Zeitpunkt in dem wir zusammen im Zug saßen auf dem Weg zu Timm, ganz anders als sonst, er hat sich mir gegenüber so anders verhalten, er war so offen, hat mir ständig Komplimente gemacht und hat mir offen Gefühle gestanden und da hat sich in den paar Tagen viel zwischen uns entwickelt, das ging alles so schnell dass ich es selbst nicht so richtig begreifen kann. Und dann, je näher die Heimreise kam, änderte die Stimmung sich plötzlich wieder, so als würde er gar nichts mehr mit mir zu tun haben wollen und gar kein Interesse mehr an mir haben.
Ich fühl mich unglaublich dumm dass ich darauf so reingefallen bin. Er hat so mit mir gespielt. Man treibt sowas doch nicht so weit dass man jemandem küsst und ihm Hoffnungen macht ohne Ende um ihn dann fallen zu lassen. Vorallem hätte ich es niemals von Will gedacht,ich weiß gar nicht da sich darüber denken soll, ich dachte ich kenne ihn. Ich bin nur unendlich verwirrt und..."
"Sarah, ganz ruhig." sagt Eva und unterbricht so den Redeschwall der Blondine. Diese blickt Sie mit ihren großen blauen Augen an.
"Weißt du, ich bin mir sehr sicher dass Will alles so gemeint hat wie er es gesagt oder getan hat."
"Wie soll ich das verstehen?" fragt Sarah
"Unser Will hat eben ein paar Probleme, die für euch als Gruppe gar nicht so ersichtlich sind. Sicher weißt du was er schon alles mitgemacht hat oder?"
Sarah nickt nur betroffen
"Du meinst die Sache mit seinen Eltern." gibt Sarah kleinlaut von sich
"Ja auch, da war er ja noch klein und als dann mein Schwiegervater noch gestorben ist, bei dem er ja bis zu seinem 10Lebensjahr war, brach für ihn komplett die Welt zusammen.
Wir kamen fast gar nicht mehr an ihn ran, er hat wenig gesprochen und viel geweint. Richtig schlimm wurde es dann erst, als er sich Tagelang eingeschlossen hat und nicht mehr am Familienleben teilgenommen hat.
Wir haben ihn damals zu Timm geschickt weil wir dachten es wäre gut das der Junge mal was anderes sieht als immer nur die Umgebung in der er mit uns und seinem Großvater zusammengelebt hat und das hat dann letztendlich auch funktioniert.
Er hat ein halbes Jahr bei Timm und Caroline gelebt und ist dort so aufgegangen dass er dort gar nicht mehr weg wollte.
Wir wären sofort damit einverstanden gewesen, dass er ganz dort hin zieht aber die berufliche Situation von Caroline hat das damals nicht zugelassen. Immerhin hatten die beiden damals ja auch Lara, die noch recht klein war und es wäre schwierig gewesen.
Mit einer Therapie haben wir das alles hinbekommen und Will hatte wieder Freude am Leben, er ist bei uns auch endlich angekommen und fühlt sich hoffentlich in unsere kleine Familie aufgenommen aber leider ist es so dass Will seine Höhen und Tiefen hat. Er spielt uns allen was vor aber eigentlich hat er ziemliche Probleme damit größere Bindungen einzugehen.
"Aber das mit mir ist ihm wirklich sehr leicht gefallen." stellt Sarah skeptisch fest.
Eva nickt
"Ja, es ist so, er kann sich dass wahrscheinlich selbst nicht erklären aber jedesmal wenn er zu Timm fährt und danach wieder nachhause muss ist da so ein Chaos.
Tage vorher sprudelt alles aus ihm heraus und er platzt vor Freude und dann bekommt er wieder so eine  depressive Phase wenn er in den Alltagstrott zurück kehrt. Wie eine Phase mit guter Laune und eine Phase mit schlechter Laune. Ich will dich nicht erschrecken aber das ist eben eine psychische Krankheit die man nicht einfach abstellen kann und von der sicher keiner von euch wissen sollte. Er weiß dass er ein Problem hat und möchte es nicht offen zeigen.
Ich denke dass er das mit dir schon so lange in sich rein gefressen hat und das nun bei Timm alles raus konnte, er konnte seine Gefühle zeigen und jetzt wo er wieder in seinen Altag verfällt, merkt er erst wie viel Angst er davor eigentlich hat dass sich etwas verändert.
Ich hab ihm eben sofort angesehen dass er
nicht möchte dass es dir so schlecht geht und es ihm unheimlich leid tut dich da reingezogen zu haben, aber er kann einfach nicht aus seiner Haut raus. Er hindert sich selbst daran.

Sarah sitzt neben Eva und starrt sie nur an
Sie wusste dass Will viel mitgemacht hatte aber dass es so schlimm war und er regelrecht depressiv war, wusste sie nicht. Sie hatte wirklich keine Ahnung wie enorm wichtig dieser Ausflug überhaupt für Will war. Der Ausflug zu Timm wer ein kleines Stück heile Welt für ihn und dass er solche Probleme hatte, merkte man ihm wirklich nicht an.
Zögerlich sieht Sarah Eva an und wischt sich die Tränen weg.
"Aber dann bleibt noch eine Frage? Warum kann er sich plötzlich nicht auf mich einlassen? So viel ich weiß hatte er doch schon ein paar Freundinen mit denen das wirklich kein Problem war??" stellt Sarah  verwirrt fes.
Eva lächelt
"Zum einen denke ich, er hat Angst vor der Veränderung, immerhin würde sich grundlegend etwas verändert in eurer Clique wenn ihr beiden ein Paar wärt und zum anderen hab ich meine eigene Theorie aber dafür müsste ich mal mit ihm reden."

Sarah starrt auf den Boden.
Da war so viel Information über die Sie erst mal nachdenken musste.

"Mach dir mal nicht so viele Gedanken Sarah, ich weiß er mag dich sehr und ich bin sicher er braucht nur einen Schubser in die richtige Richtung. Am besten wir lassen ihn erst mal. Das ist alles nur wieder eine reine Kopfsache bei ihm, ich kenne meinen Jungen."

Sarah seufzt wieder
Die Worte von Eva taten gut und sie fühlte sich etwas besser und nicht ganz so veräppelt, wenn wirklich was größeres dahinter steckte, war sie bereit nochmal auf Will zuzugehen, auch wenn sie sehr verwirrt war und gar nicht richtig nachvollziehen konnte was in seinem Kopf los war.
Am liebsten wäre Sie direkt zu ihm gegangen um über alles zu reden, doch Eva hatte wahrscheinlich recht und er brauchte Ruhe.

Als Sarah von ihren Eltern abgeholt wird, kann sie Will an der Haustür stehen sehen, er sieht aus als hätte er geweint und er hebt  nur vorsichtig seine Hand und lächelt ihr zart zu.
Sarah lächelt zurück und steigt nachdenklich ins Auto.

Eva-Maria hat ihren Neffen vom Flur aus beobachtet und legt ihm beruhigend die Hände von hinten auf die Schultern.
"Du magst Sarah wirklich sehr oder? "fragt sie ihn.
Doch Will antwortet nicht, sondern beginnt zu weinen und fällt seiner Tante einfach um den Hals.
Diese nimmt ihn behutsam in den Arm.
"Ich kanns einfach nicht." schluchzt er nur
"Alles gut." flüstert sie ihm ins Ohr und zieht ihn die Treppe hinauf in sein Zimmer um sich mit ihm alleine unterhalten zu können.
"Sarah denkt ich hab sie veräppelt." sagt er betroffen und sieht seine Tante an.
"Ich weiß schon alles, hab ja mit ihr gesprochen." sagt Sie kurz und nickt ihrem Neffen zu.
"Und?" fragt er
"Sie ist sehr verwirrt und ich ehrlich gesagt auch. Ich meine wir kennen deine Probleme und wie du immer drauf bist wenn du bei Timm warst, aber das mit Sarah kann ich auch nicht so ganz nachvollziehen." gibt Eva zu und sieht ihren Neffen fragend an.
"Ich weiß auch nicht, als ich gehört habe, Sie fährt mit, da dachte ich nur...Wow, ich und Sarah alleine bei Timm, besser kanns nicht werden und ich hätte platzen können vor Glück. Das musste einfach raus.
Das war einfach wie ein Glücksrausch und ich konnte einfach alle Gefühle raus lassen, die sich ewig in mir aufgestaut haben und ich hätte nichts getan oder gesagt wenn ich es nicht so gemeint hätte.
Als Sarah dann angefangen hat Postkarten zu schreiben, hat mich das wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt und ich hab mir angefangen Gedanken zu machen, was andere über die Sache denken und überhaupt habe ich plötzlich unglaublich große Angst bekommen, dass das mit uns nicht gut läuft und ich weiß nicht warum aber ich kanns einfach nicht. Es kann sich so viel zum schlechten verändern und es war doch gut so wie es ist."
"Aber vielleicht wird es gar nicht schlechter, sondern besser Will, das kannst du doch gar nicht wissen." wirft Eva in den Raum
"Und genau das macht mir Angst, diese Unwissenheit, was alles passieren kann." Sagt er verängstigt.

Eva schnauft
"Und was ist bei Sarah anders als bei den zwei Mädchen die hier ein und ausgegangen sind?" Fragt Eva und versucht ihren Neffen zu verstehen.
"Einfach alles, wir kennen uns schon so lange und haben eine gute Verbindung zueinander,ich will nicht dass das schlechter wird und außerdem hab ich so eine Angst davor weil ich nicht weiß was das für Gefühle sind, die kenne ich nicht ,die sind wirklich so ganz anders als alles was ich vorher kannte." gibt Will betroffen von sich und starrt auf den Boden während ihm dicke Tränen von den Wangen laufen.

Eva fühlte sich bestätigt. Genau das hatte Sie auch geglaubt, dass Will wirklich so starke Gefühle für Sarah hatte wie noch bei keiner anderen und er deswegen so große Angst hatte.
Eva schnauft und klopft auf das Kopfkissen.
Will streift sich die Schuhe ab und lässt sich geschafft auf das Kissen purzeln.
Eva deckt ihn behutsam zu und legt sich neben ihn um ihm tief in die Augen zu schauen. So hatte Sie es auch immer getan als Will noch klein war.

"Das mit Sarah ist was besonderes für euch beide, das spüre ich und ich wünsche mir dass du glücklich bist, du musst nur endlich lernen dir nicht immer selbst im Weg zu stehen."
"Was ist wenn ich ihr weh tue?" fragt Will
"Will, du tust ihr jetzt schon weh, weil du dich ihr gegenüber so verschließt, Sie ist ein starkes und schlaues  Mädchen und wenn du dich ihr öffnest dann steht Sie dir bei, das weiß ich, du musst nicht immer den perfekten vor allen spielen, du bist  verletzlich und das darfst du zeigen." sagt Eva und streichelt ihm beruhigend übers blonde Haar.
Will nickt verstehend
"Und was ist wenn ich unsere Freundschaft kaputt mache? Und was werden die anderen denken?"
"Hör endlich auf dir Gedanken um andere zu machen, du wirst es niemals jedem recht machen können und abgesehen davon  rechnet doch sowieso schon jeder damit dass ihr beiden euch mal näher kommt.
Du wirst dir ständig die Frage stellen:
--Was wäre wenn? --
Dein ganzes Leben lang, aber so darfst du nicht denken. Was wäre wenn die Freundschaft kaputt geht? Und was wäre wenn du Sarah jetzt fallen lässt und danach noch viel mehr kaputt geht? Oder was wäre wenn du dir einen Ruck gibst und ihr am Schluss noch etwas viel besseres als Freundschaft habt?
Das kannst du alles nicht wissen, wenn du nicht endlich aus deinem Selbstmitleid heraus kommst und einfach mal machst Will."

Diese Worte rüttelten Will irgendwie wach, denn erst jetzt konnte er so richtig begreifen wie Sarah sich im Moment fühlen musste.
Seine Tante hatte Recht und er musste wirklich auch mal an Sarah denken in dieser Situation.
Wie konnte er Sie nur in diese euphorische Phase mit hineinziehen??
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast