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Der Besuch bei Onkel Timm

von missnini
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P12 / Het
Benny Handler Sarah Wittner William "Willi" Tagert
30.01.2021
11.04.2021
11
15.501
 
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11.04.2021 1.492
 
Sarah wurde wach und nahm das grelle Licht wahr, dass durch das halbgeöffnete Rollo hineinschien.
Erschrocken setzt sie sich auf und ihr erster Blick fällt auf den Wecker.
Es war bereits 10Uhr und sie war bei Will eingeschlafen.
Ihre Eltern starben sicher schon fast vor Sorge.

Vorsichtig dreht sie sich um und erkennt eine ziemlich zerknüllte Decke neben sich.
Will war nicht mehr da, aber das wunderte sie nicht.
Nachdem er gemerkt hatte, dass sie hier schlief, war er sicher in Panik aufgestanden weil er es nicht aushielt ruhig neben ihr zu liegen oder ähnliches.
Und wenn er die ganze Nacht wirklich hier gelegen hatte, dann war es sicher spätestens heute morgen der Fall, dass er in einem Panikattakenartigen Zustand geflüchtet war.

Sie war nicht mal sauer deswegen. Auch wenn sie sich gewünscht hätte dass Will noch neben ihr liegt, kannte sie seine Macken mittlerweile.

Seufzend nimmt sie sich ihr Handy.

-5 entgangene Anrufe und unzählige Nachrichten ihrer Eltern und ihrer Schwestern-

Also wählt sie die Nummer von Zuhause.

"Olivia Wittner?" erklingt die Stimme ihrer Mutter.

"Hallo Mama, tut mir leid dass ich mich jetzt erst melde, ich hatte einen anstrengenden Tag gestern und bin irgendwie auf der Ranch bei Benny auf der Couch eingeschlafen." flunkert die Blondine, denn ihre Mutter wusste dass es keine Seltenheit war dass Sarah die Abende auch mal öfter mit ihrem guten Freund Benny auf der Ranch verbrachte. Das mit Will und seinen Problemen, musste sie allerdings noch nicht unbedingt wissen, das würde sich mit der Zeit sicher ergeben. Ihre Mutter würde auch gar keinen Aufstand machen wegen Will , aber wenn ihr Vater es herausfinden würde, dann würde er Will erst mal Löchern und das könnte er sicher im Moment gar nicht gebrauchen.

"Ich weiß wo du bist." entgegnet ihre Mutter .

"Ou, aber woher?" fragt Sarah

"Ich dachte es mir und hab auf der Ranch angerufen, nachdem du nicht ans Telefon gegangen bist, Eva-Maria Handler hat mir dann gesagt dass du dort bist." Erklärt ihre Mutter

"Tut mir leid Mama."

"Schon gut, nur lass das bitte nicht zur Gewohnheit werden, du weißt dass dein Vater sich immer gleich das schlimmste ausmalt wenn einer von euch nicht pünktlich nachhause kommt. Der hat gestern nach einer halben Stunde schon auf die Lösegeldforderung gewartet." witzelt ihre Mutter.

Das brachte Sarah etwas zum grinsen.
Sie konnte die Sorge ihrer Eltern gut verstehen, aber ihr Vater übertrieb gerne mal.

"Wir sehen uns später Mama." sagt Sarah noch und legt auf.

Als nächstes geht sie ins Badezimmer und spritzt sich etwas Wasser ins Gesicht, als sie sich zur Seite dreht, liegt da eine Zahnbürste und ein Zettel mit ihrem Namen.
Will hatte wohl doch an sie gedacht.
Also nimmt sie die Zahnbürste und putzt sich die Zähne, bevor sie ihre Haare halbwegs richtet und nach draußen geht.

Auf dem Hof war es ungewöhnlich still.
Es war keiner zu sehen.
Nicht mal die Pferde waren draußen.
Also geht sie zum Stall und sieht sich um.
Alle Boxen waren leer, ausgenommen die von Scarlett, Jimber und Atztek.

Bei Atztek war das kein Wunder, denn Benny war immer noch Fußkrank.
Aber wo waren die anderen?

"Guten Morgen Scarlett." begrüßt sie die Araberstute und streichelt ihr über die Nase.
Diese drückt freundlich ihren Kopf gegen Sarah und schnaubt.
Plötzlich spürt Sarah 2 Hände auf ihren Schultern und sie dreht sich vorsichtig um.

Sie war verwundert, denn es war Will, der sie da angefasst hatte und sie jetzt mit seinen leuchtenden blauen Augen anschaute.
-sie hätte dahin schmelzen können, so schön waren sie.-

"Guten Morgen, hast du im Bad alles gefunden?" fragt er schüchtern.
"Ja danke." antwortet Sarah genauso schüchtern zurück.
"Wir sind gestern wohl ziemlich schnell eingeschlafen." sagt Will verlegen und fasst sich an den Hinterkopf.
"Ja, tut mir leid, ich weiß dass es dir schwer fällt."
"Schon gut, ich war froh dass du bei mir warst." gibt Will zu und streichelt ihr sogar einmal über die Wange.

Sarah lief ein Schauer über den Rücken.
Warum war er plötzlich so mutig?

"Wo sind die anderen?" fragt Sarah
"Ich hab sie in die Stadt geschickt, um Werbungsflyer für Horseland zu verteilen, ich wollte mit dir alleine sein, ich möchte dir nämlich was zeigen, wo ich ungern noch jemand anderen dabei haben will." erklärt Willl leise und wendet sich nun von ihr ab.

Das Wort -alleine- machte Sarah umso glücklicher. Was wollte er ihr zeigen? Und was hatte ihn so zum Umdenken gebracht?
Seit dem Besuch bei Timm, war es das erste mal dass er ihr von sich aus, so nahe kam und das ohne große Probleme damit zu haben.
Trotzdem war er etwas nervös, das spürte die Blondine ganz eindeutig.


Also satteln die beiden Scarlett und Atztek, denn der musste schließlich auch mal bewegt werden und machen sich auf den Weg.

"Wohin bringst du mich?" fragt Sarah nach einer Weile des schweigens.
"An einen Ort der mir seit Jahren furchtbare Angst macht, ich war dort seit bestimmt 10 Jahren nicht mehr, aber ich denke ich muss mich meinen Ängsten stellen und mit dir an meiner Seite kann ich das, auch wenn das hier vielleicht nur ein kleiner Anfang ist." erklärt er

Sarah war verwirrt
Wo ritten sie bitte hin? Er machte ihr schon fast etwas Angst.

Nach einer Weile sieht Sarah ein eingemäuertes Grundstück und je näher die beiden kommen, desto schlagartiger wird ihr klar dass es wohl der örtliche Friedhof sein musste auf den sie da gerade zu ritten.
Ihr Herz klopfte wie wild und sie hielt Scarlett schlagartig an, als sie verstand wo es hingegen würde.

Will stoppt auch und sieht zu Sarah rüber.
"Will du musst das nicht tun, du sagtest du hast Angst davor, du musst mir nichts beweisen." erklärt Sarah und schüttelt ungläubig den Kopf.

Doch er ignoriert sie und treibt Atztek wieder an.
Verdattert folgt ihm Sarah und sie binden die Pferde an einer Bank, vor den Friedhofsmauern fest.

Will schnappt nach Luft als er den Griff des Friedhofstor in die Hand nimmt.
Sarah ist sofort an seiner Seite.
"Will, hör auf, du musst das nicht tun, du musst mir nichts beweisen!"

Er dreht sich zu ihr und hält sie an den Schulter, während er ihr tief in die Augen sieht.

"Ich mache das nicht für dich Sarah, ich mache das für mich, ich muss einfach was ändern und das hier ist glaube ich der erste Schritt, ich möchte einfach nur dass du bei mir bist. Ich will niemand anderen neben mir, sondern dich. " erklärt er und verliert sie nicht aus den Augen.

Das war so unglaublich von ihm.
Sie verstand den plötzlichen Sinneswandel immer noch nicht, aber es freute sie umso mehr dass er von sich aus was verändern wollte und dass sie an seiner Seite sein durfte.

Suchend blickt Will sich um und dann geht er plötzlich vorsichtig und gezielt auf ein Grab zu. Überwältigt geht er auf die Knie und ihm schießen Tränen in die Augen.

Sarah folgt ihm und geht nun auch auf das Grab zu, auf dem deutlich zu lesen war:

Hier ruhen
Lillian, Alexander und Haley Taggert

Ihr lief es kalt den Rücken herunter.
Ein Elternpaar mit ihrer kleinen Tochter lag hier, völlig unvorhergesehen aus dem Leben gerissen, ein Familiengrab, Wills Familie.

Vorsichtig kniet sie sich neben ihn und zieht ihn an sich heran.
Sie spürte wie sein ganzer Körper zitterte und wie schwer er atmete.
Dann plötzlich greift er nach Sarahs Hand und drückt seinen Kopf an ihren.
"Danke." flüstert er ihr zu.

"Ich danke dir, dass du willst dass ich bei dir bin." Sagt Sarah leise

Will drückt Sarah nochmal fester an sich heran, und es dauert eine Zeit lang bis er sie wieder los lässt und aufsteht.

Vorsichtig und mit schweren Beinen geht er zu einem anderen Grab und steht nur davor.

Sarah folgt ihm, dieses Grab war mit den selben Blumen bepflanzt, wie das Grab seiner Eltern und Sarah wusste, bevor sie den Namen auf dem Grabstein gelesen hatte, dass es sich hier um den Großvater von Will und Benny handeln musste.

"Danke." flüstert Sarah wieder leise, denn sie konnte es immer noch nicht fassen, dass er seit Jahren nicht hier war und jetzt ausgerechnet sie an seiner Seite haben wollte.

"Dank ihm, er hat mir die Augen geöffnet." sagt Will und deutet auf das Grab seines Großvaters.

Sarah wusste nicht wie das genau gemeint war, aber es musste etwas passiert sein, dass ihn zum Umdenken gebracht hatte.
Ihr war egal was oder wer es war, für den Moment war sie einfach nur froh hier zu stehen und ohne Angst seine Hand zu halten und sein Vertrauen zu spüren.
Auch wenn ein Friedhof nicht gerade der romantischste Ort dafür war.
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