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In Sickness and in Health [1. Teil]

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Historisch / P18 / MaleSlash
30.01.2021
23.10.2021
35
89.786
24
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23.03.2021 2.970
 
C H A P T E R 7:

"When we drink, we get drunk. When we get drunk, we fall asleep. When we fall asleep, we commit no sin. When we commit no sin, we go to Heaven. So, let's all get drunk and go to heaven." (irischer Trinkspruch)


Grayson genoss in diesem Augenblick die kühle Nachtluft auf seinem Gesicht und er lehnte sich auf der klapprigen Holzbank, welche unmittelbar vor dem Eingang des St. Thomas Hospitals stand, ein wenig zurück.
Es war bereits spätabends und er und Eleanor hatten sich nach dem Ende ihrer mehr als langen Schicht hierher verzogen, um noch ein wenig Ruhe zu genießen.
Es war zwar noch knapp eine Stunde bis zur Sperrstunde und Grayson war auch bewusst, dass sie innerhalb der nächsten vierzig Minuten wieder in das Innere des Klinikums zurückkehren mussten, wenn sie nicht vor verschlossenen Türen stehen wollten. Und sofern Schwester Margaret sie hierbei erwischte, würde Grayson und Eleanor eine gewaltige Standpauke bevorstehen. Aber dies waren die beiden Angestellten des Klinikums von der ruppigen Oberschwester schon gewohnt.
Der Blondhaarige schlang einen Arm um die bereits zitternden Schultern seiner Kollegin und die braunhaarige Krankenschwester seufzte erleichtert auf und kuschelte sich an Graysons Seite. Dieser wieder rum hielt in seiner freien Hand eine der im St. Thomas sehr begehrten Glimmstängel und ließ den ungesunden Rauch in seine Mundhöhle strömen. Grayson atmete entspannt das giftige Nikotin ein und dankte in Gedanken noch einmal Liam, dass er ihnen dieses kleine Vergnügen spendiert hatte. Dann stupste er mit einem Finger die bereits schläfrig wirkende an und hielt ihr den brennenden Glimmstängel hin, den die junge Krankenschwester dankbar entgegennahm.
„Ich bin so erleichtert, dass unser heutiger Arbeitstag schon vorüber ist…“, murmelte Eleanor leise und Grayson sah seine Kollegin, welche er inzwischen mit gutem Gewissen auch als Freundin bezeichnen konnte, überrascht an.
„Aber du müsstest die harte Arbeit im St. Thomas doch inzwischen mehr als gewohnt sein, oder?“, fragte Grayson bei seiner Kollegin nach und ein sorgenvoller Ausdruck schlich sich auf sein Gesicht.
„Schwester Margaret hatte mir mal erzählt, dass du bereits fast drei Jahre im Hospital angestellt bist…“, entgegnete der blondhaarige Krankenpfleger ihr und daraufhin seufzte Eleanor lediglich.
„Dies bedeutet jedoch nicht, dass ich die harte Schufterei im St. Thomas genieße!“, brauste die sonst so stille Eleanor auf und sie hob ihren Kopf von Graysons Schulter, um ihn grimmig anzufunkeln.
Der Blondhaarige hob beschwichtigend seine Hände in die Höhe und er sagte beruhigend zu seiner Arbeitskameradin: „Das wollte ich damit auch nicht andeuten, Eleanor…Wie du weißt bin ich ja auch mehr gezwungenermaßen im St. Thomas angestellt… Margaret hatte letztens zu mir gemeint, dass ich wohl noch mehrere Wochen ohne Lohn arbeiten muss, bis die durch Charlies Operation verursachten Kosten getilgt sind.“
Grayson seufzte kurz auf, denn immer, wenn er sah, wie Eleanor und Liam pünktlich am Sonntagnachmittag ihr wöchentliches Gehalt ausgezahlt bekamen, wurde er ein wenig neidisch… Aber in früher Zukunft würde er wohl sich hoffentlich auch über die paar Taler erfreuen können.
Um das Gesprächsthema in mehr unverfängliche Bahnen zu lenken, begann Grayson Eleanor über den kurzfristigen Besuch von Harrys Schwester im Klinikum zu erzählen: „Gwendolyn Edwards war heute bei uns…“
Eleanors hübsches Gesicht verzog sich zu einer Grimasse: „Was hat dem Prinzesschen denn heute wieder gefehlt? Hatte sich wieder bei einer dieser bescheuerten und sinnlosen Demonstrationen verletzt?“
„Ist das denn schon öfters passiert?“
Eleanor nickte kaum merkbar und sie strich sich eine wirre, haselnussbraune Strähne hinter die Ohren: „Du hast keine Idee, wie oft ich diese verwöhnte Ziege schon wegen irgendwelcher Wehwehchen behandeln habe müssen… Nur weil sie immer zu diesen dummen Veranstaltungen rennen muss, an denen diese aufmüpfigen Suffragetten ihre Flugblätter verteilen.“
„Aber das ist doch eigentlich eine gute Sache? Also dass sie sich für die Rechte der Frauen einsetzen? Oder bist du diesbezüglich anderer Meinung?“
Die junge Krankenschwester seufzte kurz auf: „Nein, das bin ich keineswegs… Ich finde es nur auf irgendeine Art und Weise ein wenig lächerlich, dass gerade die, die mit einem goldenen Löffel im Mund geboren sind, gegen die ungerechte Behandlung von Frauen und der Unterdrückung durch die Männer einsetzen…“
Über das mit Sommersprossen gesprenkelte Gesicht lief eine vereinzelte Träne, welche sich aus Eleanors himmelblauen Augen gelöst hatte und sie schniefte kurz auf: „Gwendolyn Edwards hat doch gar keine Ahnung, wie es den Großteil von unseren anderen ergeht!“
Grayson konnte es kaum ertragen seine sonst so fröhliche Kameradin so aufgelöst zu sehen und deshalb zog er sie rasch in eine warme Umarmung.

„Es ist doch alles gut, Eleanor…“, flüsterte der Blonde ihr beruhigend zu und die junge Krankenschwester klammerte sich an seinem Oberarm fest und drückte ihr Gesicht in seine Halsbeuge.
„Möchtest du es mir nicht erzählen?“, meinte Grayson nach einer Weile, nachdem sie mehrere Minuten nur ruhig nebeneinandergesessen hatten und den klaren Sternenhimmel über Londons Dächern beobachtet hatten.
„Ich weiß nicht, Grayson…“, murmelte Eleanor und ihr warmer Atem streifte die empfindliche Halsbeuge des Blondhaarigen.
„Ich dränge dich auch zu nichts, Eleanor…“, sagte ihr Kollege dann schnell, denn er wollte die junge Krankenschwester noch nicht weiter aufregen.
„Du hast mir auch noch nie die Geschichte erzählt, wie du damals ins St. Thomas Hospital gekommen bist…“, fiel Grayson plötzlich auf und Eleanor fuhr sich mit einer Hand über ihr Gesicht, um ihre Tränen zu trocknen.
„Die Geschichte ist aber sehr unschön…“, flüsterte Eleanor leise, jedoch unterbrach Grayson sie schnell. Er griff nach ihrer Hand und streichelte mit seinem Daumen sanft über die zierliche Hand der Krankenschwester.
„Ich möchte sie aber dennoch gerne hören, Eleanor…“, erwiderte Grayson dann und er blickte sie ernst an, „Vielleicht kann ich dich dann besser verstehen…“

Die junge Krankenschwester nickte kaum merkbar und Grayson wollte nun von ihr wissen: „Weshalb hasst du alle Adeligen und Menschen aus der Oberschicht so?“
„Ich habe…. Ich habe schon einmal sehr schlechte Erfahrungen mit dieser Art von Menschen gemacht, Grayson.“
Eleanor seufzte abermals, bevor sie ihrem Kollegen ihr von diesem Erlebnis erzählte und somit ein Stück ihrer bewegten Vergangenheit preisgab:
„Bevor ich ins St. Thomas gekommen bin, hatte ich mehrere Jahre als Stubenmädchen für eine wohlhabende Familie in Belgravia gearbeitet. Das Paar, bei dem ich angestellt war, hatte einen Sohn, David.“
Eleanor grinste Grayson für einen kurzen Moment an und deutete mit einem Finger auf seine dunkelblonden Haare: „Er sah ein wenig aus wie du… Blonde Haare und stechend blaue Augen zum Verlieben… In meinen Augen wirkte er wie ein nordischer Gott.“
Der Krankenpfleger senkte leicht verlegen seinen Blick auf seine abgetragenen Schuhe, während Eleanor weitererzählte: „Ich war so fasziniert von ihm und seinem freundlichen Wesen… Ich war zum ersten Mal richtig verliebt… Als ich sechzehn Jahre alt wurde, hatte er meine sehnsüchtigen Blicke wohl auch bemerkt und so hatte sich etwas zwischen uns angebahnt… Wir trafen uns immer heimlich, denn seine Erzeuger hätten diese Verbindung zwischen ihrem wohlbehüteten Sohn wohl niemals akzeptiert…“
Über Eleanors helle Augen huschte ein silbriger Glanz: „Ich war so verliebt gewesen… Er hatte mir immer geschworen, dass wir zusammen wegrennen konnten und dass er mich heiraten würde.“
Eleanor schluchzte nun auf: „Wie dumm  und naiv war ich damals nur gewesen! Natürlich hatte die Mamsell unser Verhältnis irgendwann mitbekommen und sie hatte es brühwarm meiner Herrin erzählt.“
„Und was ist dann passiert?“, fragte Grayson vorsichtig nach, während er seine Arme enger um seine weinende Kollegin schlang.
„Sie hat mich wie eine Hure aus dem Haus gejagt!“, rief Eleanor schmerzerfüllt auf und sie rieb sich mit einer Hand über ihre tränennassen Augen:
„Und das schlimmste war, dass es David einfach teilnahmelos hingenommen hat, dass seine Mutter mich unter ekeligen Ausdrücken und mit Schande aus dem wohlhabenden Haus gejagt hat! Er hat nicht einmal einen müden Blick für mich übrig! Und von da an war ich ein gefallenes Mädchen….Wenn Schwester Margaret mich nicht im St. Thomas angestellt und mir trotz meines mageren Arbeitszeugnisses eine Chance gegeben hätte, wäre ich in der Gosse gelandet.“
Grayson schauderte bei diesem Gedanken… In Londons Armenviertel White Chapel gab es genügend von diesen jungen Frauen, welche für ein geringes Geld ihren Körper an ekelige Männer und besoffene Matrosen verkaufen mussten.
„Danke Grayson…“, schniefte Eleanor und sie sah ihren Kollegen dankbar an.
„Wofür denn?“
„Dafür, dass du für mich da bist… Du bist ein guter Mensch, Grayson“, meinte Eleanor leise und sie presste einen kleinen Kuss auf die Wange des Blonden. Dieser seufzte nur und legte seinen Arm schützend auf die schmale Schulter der Krankenschwester. In diesem Augenblick erinnerte Eleanor ihn an seine kleine Schwester und er spürte wie auch bei ihr ein starkes Bedürfnis, sie zu beschützen.
Ein schiefer Gesang unterbrach diese heimelige Stimmung zwischen den beiden Angestellten des St. Thomas.

„What shall we do with the drunken sailor
What shall we do with the drunken sailor
What shall we do with the drunken sailor
Early in the morning?“


Wo er doch gerade noch an betrunkene Seemänner gedacht hatte, schmunzelte Grayson und er presste Eleanor noch ein weniger näher an sich heran. Die schwankenden Gestalten kamen auf sie zu und nachdem das Licht der Straßenlaterne die Gesichter der Unbekannten beleuchtet hatte, keuchte Grayson überrascht auf.
Nicholas, der schwarzhaarige Kommilitone von Kieran und Harry, baute sich grinsend vor den beiden Mitarbeitern des St. Thomas Hospitals auf: „Eieiei… Was sehe ich da? Ein verliebtes Ehepaar?“
Grayson spürte wie sich sein Gesicht allein durch diese scherzhaft gemeinte Aussage des Medizinstudenten rötete und er nahm schnell seinen Arm von Eleanors Schulter.
„Nicholas, lass sie doch in Ruhe!“, rief Harrys irischer Kommilitone dem Adeligen zu.
„Ach… Darüber sollten wir uns doch insgeheim freuen, oder nicht? Sie zeugen dann schon die nächste Generation an Krankenschwestern und Krankenpflegern, welche uns im Operationssaal zur Hand gehen können.“
Grayson räusperte sich und wollte dann von dem Adeligen wissen: „Ist denn… der Abend in dieser Studentenverbindung gut verlaufen?“
„Natürlich…“, lächelte ihn Nicholas arrogant an, „Ich hatte keinerlei Zweifel, dass mein werter Studienkollege diese Herausforderung nicht mit Bravour meistern würde.“
Kieran, welche einen Armen schützend um den jungen Duke geschlungen hatte, damit dieser vor Trunkenheit nicht das Gleichgewicht verlor und auf den harten Asphalt stürzen würde, pflichtete Nicholas zu: „Harry ist nun ein stolzes Mitglied der Verbindung.“
Nicholas, welcher eine teuer aussehende Whiskeyflasche in der Hand hielt, prostete ihnen zu und nahm einen großzügigen Schluck aus der Flasche. Er wischte sich mit dem Ärmel seines teuren Anzugs über den Mund und er grinste ihnen zu: „Unser liebster Harry hat sich sogar seinen Schmiss verdient!“
Eleanor zog interessiert eine Augenbraue in die Höhe: „Und wo befindet sich die Narbe?“
Kieran hörte die neugierige Nachfrage der Krankenschwester und er strich schnell eine verschwitzte Strähne von Harrys Lockenpracht zur Seite, damit Grayson und Eleanor die rot schimmernde Narbe begutachten konnten.
„Hast du das genäht?“, fragte Eleanor abermals skeptisch nach.
„Pah…“, schnaubte Nicholas und er lachte auf, während er auf den Iren zeigte: „Dieser Idiot kann doch nicht einmal eine Nadel ruhig halten…. Wir wollen ja immerhin nicht, dass unser Harold künftig sein Leben als Quasimodo fristen muss.“
Harry grinste bei diesem Satz auf und er hob einen Daumen in die Höhe, bevor er leicht taumelte und beinahe auf den Boden gefallen wäre, wenn Kieran seinen Sturz nicht mit seinem Körpergewicht aufgefangen hätte.
„Der gute Harry hat am meisten von uns heute getrunken…“, meinte Nicholas dann grinsend und nickte mit dem Kopf in Richtung seines betrunkenen Kommilitonen, „Aber das hat er sich nach dem heutigen gelungenen Abend mehr als verdient. Nachdem ich und Kieran ihm eine fast volle Flasche Brandy eingeflößt haben, konnte ich die Wunde problemlos verarzten und den Schnitt nähen.“
Harry nickte noch einmal benommen in Richtung seines Kameraden und ein Blitzen erschien in seinen grünen Augen, als er Grayson und Eleanor auf dieser kleinen Bank wahrnahm.
Der blonde Krankenpfleger beobachte den Arzt wachsam, während dieser langsam seinen Rücken straffte und dann taumelnd auf die beiden zukam.
Als der Duke vor Grayson stolperte und im nächsten Moment wackelig vor dem Krankenpfleger auf die Knie fiel, keuchte Grayson erschrocken auf und er betrachtete den betrunkenen Medizinstudenten vor sich, welcher zittrig nach seiner Hand gegriffen hatte.
Die strahlend grünen Augen des hoch gewachsenen Studiousus blickten Grayson ernst an und man konnte ihn von weitem ansehen, dass er bereits mehr als genug Alkohol seinem schlanken Körper zugeführt hatte.
Harry hickste kurz und legte sich seine freie Hand über seinen Mund, bevor er leise stammelte: „Sie sind der Grund, weshalb ich nächtelang nicht schlafen kann… Ihr reizendes Gesicht und ihr strahlendes Lachen geht mir nicht mehr aus dem Kopf…Ich verliere mich immerzu in ihren wundervollen blauen Augen … Sie sind alles, was ich will…“
Der Lockenkopf atmete noch einmal tief durch, bevor er lallend fragte: „Würden sie… sie… würden sie mir die Ehre erweisen und mich heiraten ?“
Der Adelige stolperte noch einmal und dennoch hielt er Graysons Hand fest mit seiner umklammert und blickte ihm tief in die Augen.
Der Blondhaarige zog erschrocken die Luft ein. Wen von den beiden meinte Harry wohl? Er und Eleanor hatten nämlich beide blaue Augen… Könnte er etwa ihn meinen?
Grayson verbot sich dieses wahnsinnige Gefühl in sein Herz zu lassen. Dieses lebensnotwendige Organ hämmerte in seiner schmalen Brust und sein Puls raste. Er wechselte einen verwirrten Blick mit der jungen Krankenschwester, während Harry immer noch vor ihm kniete, als würde er wirklich Grayson einen Heiratsantrag machen wollen.
Jedoch wagte sich der Blondhaarige kaum zu atmen. Sie sahen einander in die Augen und um sie schien die Welt stillzustehen.
Leider unterbrach Nicholas diesen seltsamen, aber auch schönen Moment zwischen Grayson und Harry. Er packte seinem betrunkenen Kameraden am Arm und zog ihn in die Höhe: „Mein Verbindungsbruder ist anscheinend schon so benebelt, dass er schon Männer mit Frauen verwechselt… Naja, das kann ja mal passieren.“

„Hoo-ray, and up she rises
Hoo-ray, and up she rises
Hoo-ray, and up she rises
Early in the morning
Take him, and shake him, and try to wake him
Take him, and shake him, and try to wake him
Take him, and shake him, and try to wake him

Early in the morning“,
sang der braunhaarige Medizinstudent und ein glückseliges Grinsen hatte sich auf seinem Gesicht festgesetzt. Kieran griff stützend nach seinem Arm, um ihn erneut zu halten  und er meinte mit einem stolzen Grinsen: „Das ist ein irisches Volkslied… Das habe ich ihm gelehrt.“
„Das ist auch wohl das Einzige, was er von dir lernen kann“, sagte Nicholas mit einem zynischen Grinsen in die Richtung des rotblonden Iren, „Du musstest dich ja zuerst einmal übergeben, als du die Menge an Blut gesehen hast… Zum Glück hast du ihn nicht genäht, du hättest wohl aus Versehen die Nadel in seine Schläfe gerammt.“
„Hey!“, empörte sich der Ire: „Das war nur einmal, dass ich mich nach einer Anatomie Vorlesung übergeben habe… Das war nur das allererste Mal und dieses Ereignis ist schon lange her.“
Grayson verkniff sich die sarkastische Antwort, dass es wohl denkbar schlecht für einen zukünftigen Arzt wäre, wenn er kein Blut sehen konnte… Aber diese Angelegenheit ging ihn auch gar nichts an.
Er seufzte kurz, als Harry erneut aus lauter Kehle zu singen begann: „Das geht jetzt schon den gesamten Heimweg so…“
Kieran konnte sich ein schelmisches Grinsen nicht verkneifen und mit seinen hellen Sommersprossen sowie seinen rotblonden Haaren wirkte er wie ein kleiner, frecher Schuljunge.
Er fasste Harry sanft am Oberarm und meinte: „Der betrunkene Seemann muss wohl bald ins Bett…“
Auf einmal öffnete sich quietschend ein mit Gittern versehenes Fenster des St. Thomas und Grayson stöhnte innerlich auf, als er Oberschwester Margaret erkannte. Mit einem verkniffenen Gesichtsausdruck, bereits mit einem weißen Nachthemd sowie einer ulkigen Schlafhaube bekleidet, lehnte sie sich aus dem Fenster und rief: „He… Ihr Flegel! Wer wagt es denn hier spätnachts noch so herumzuschreien.“
„Macht, dass ihr schnell wieder in eure Betten kommt! Bevor ich euch erwische! Es gibt auch gewisse Menschen, die früh ihre Arbeit antreten müssen.“
„Eine Schande ist es, dass sich die Herren Studiosi immer so spät draußen rumtreiben und sich dabei auch noch betrinken müssen!“, knurrte die bullige Schwester noch und mit einem lauten Knall schloss sich das quietschende Fenster wieder.
Grayson entließ erleichtert die Luft auf seiner Lunge und er atmete erleichtert auf.
Er wollte es sich gar nicht ausmalen, welche Standpauke und welcher Strafdienst ihm und Eleanor geblüht hätte, wenn Margaret genauer hingesehen hätte und die beiden Angestellten unter den drei betrunkenen Studenten entdeckt hätte. Die bullige Oberschwester fand es ohnehin unerhört, dass Harry und die anderen vor dem Tor des St. Thomas herumkrakelten.
„Wir sollten uns dann mal schleunigst auf den Weg in unsere Quartiere machen“, sagte Eleanor und die vier Männer stimmten der jungen Krankenschwester sogleich zu. Nachdem sie und Grayson sich von der kalten Bank erhoben hatten, klopfte der Blondhaarige schnell seine graue Hose ab und vermied es zudem tunlichst in Harrys Richtung zu gucken.
War der Medizinstudent etwa in Eleanor verliebt? Begehrte er sie und wollte er sie unbedingt an seiner Seite wissen?
„Ich weiß gar nicht, wieso Schwester Margaret wegen einer solchen Lappalie immer so aufbraust…“, murmelte Kieran in Gedanken.
Er lachte kurz: „Ein irischer Trinkspruch lautet doch: „"Wenn wir trinken, dann werden wir betrunken. Sobald wir betrunken sind, schlafen wir. Wenn wir in einen tiefen Schlaf versunken sind, dann begehen wir keine Sünde.. Und wenn wir nicht sündigen, dann landen wir alle später mal im Himmel."
So, lasst uns alle betrunken werden und die Pforte des Himmels überschreiten!"
„Ein andermal, Kumpel“, entgegnete Nicholas dann nur trocken und rollte mit seinen Augen, „Ich möchte mich auf keinen Fall einer Standpauke dieser bulligen, unfreundlichen Schwester stellen.“

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Dank der 3 Reviews zum letzten Kapitel, kommt heute schon ein neues :)
Hier erfährt man auch ein wenig mehr über Eleanors Vergangenheit und wie sie ins St. Thomas gekommen ist.
Und tja... der gute Harold hat wohl ein wenig über den Durst getrunken und Frauen mit Männern verwechselt :D Naja... das passiert den besten, haha
Ich hoffe es gefällt euch!
Liebste Grüße Laura
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