Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

In Sickness and in Health [1. Teil]

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Historisch / P18 / MaleSlash
30.01.2021
23.10.2021
35
89.786
24
Alle Kapitel
61 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
17.02.2021 2.734
 
C H A P T E R 3:

Obwohl es bereits spätabends war und die zwei kleinen Petroleum Lampen Eleanor und Grayson nur in begrenzter Art und Weise Licht spendeten, kamen die beiden Angestellten des St. Thomas Hospital gut mit der Sortierung der medizinischen Utensilien voran.
Dem Blondhaarigen schwirrte bereits der Kopf bei den zahlreichen lateinischen Medikamentenbezeichnungen und er war sich sicher, dass er sich diese niemals vollständig verinnerlichen könnte. Er konnte zwar die Tupfer in allen erdenklichen Formen sowie die blütenweißen Verbände voneinander unterscheiden, jedoch endeten hierbei auch schon Graysons medizinische Kenntnisse.
Er nahm die kleinen Fläschchen aus den Kartons und las der jungen Krankenschwester stockend die kompliziert klingenden Etiketten vor. Eleanor nahm diese aus seiner Hand und vermerkte sie auf der Liste und hakte die bereits sortieren Medikamente ab, bevor sie sie in dem großen Wandschrank ordnete.
Grayson wischte sich seine wirren, blonden Haare aus der Stirn und er seufzte erschöpft: „Ich weiß überhaupt nicht, ob ich mir diese komplizierten Bezeichnungen jemals merken kann.“
Die junge Krankenschwester, deren honigbraune Locken aus der weißen Haube hervorblitzten, legte ihrem frisch gebackenen Kollegen eine Hand auf die Schulter und sie lächelte Grayson zu.
Sie meinte mit beruhigender Stimme zu ihm: „Das wird sich schon alles mit der Zeit finden, Grayson… Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Wir alle haben Zeit gebraucht, um uns an die Arbeit hier zu gewöhnen.“
„Ich hoffe es…“, murmelte Grayson und mit fahrigen Bewegungen reichte er Eleanor eine aus braunem Glas bestehende Flasche. Der Blondhaarige sorgte sich immer noch um seine kleine Schwester und Grayson hoffte zutiefst, dass sie komplizierte Blinddarmoperation gut überstanden hatte.
Die braunhaarige Krankenschwester schien mit der außergewöhnlichen Gabe, Gedanken zu lesen, gesegnet zu sein, denn sie nickte ihm aufmunternd zu und sagte zu Grayson: „Ich bin mir sicher, dass es deiner jüngeren Krankenschwester gut geht… Professor Hamilton versteht sein Handwerk sehr gut.“
„Hierbei hast du wohl Recht…“, flüsterte er der jungen Krankenschwester und er konnte sich ein müdes Gähnen nicht verkneifen. Grayson war schon den ganzen Tag auf den Beinen gewesen und neben der harten Arbeit in einer von Londons zahlreichen Fabriken hatte ihm zudem die Sorge um seine jüngere Schwester beinahe selbst krank gemacht.
„Ich fühle mich nur für sie verantwortlich… Sie ist vier Jahre jünger als ich und ich war immer schon ihr Beschützer… Nur bei dieser Krankheit konnte ich ihr nicht helfen und ich fühlte mich vollkommen hilflos…“, klagte Grayson seiner Kollegin sein Leid und er offenbarte ihr, wie er sich in dieser Sekunde fühlte.
Eleanor schenkte ihm ein weiteres aufmunternd wirkendes Lächeln und sie strich ihm beruhigend über den Arm: „Du musst dir keine unnötigen Schuldgefühle einreden, Grayson… Du hast alles in deiner Macht Stehende getan, um deiner Schwester zu helfen. Immerhin hast du sie hierhergebracht und hier im St. Thomas konnte man ihr zum Glück helfen.“
„Und du arbeitest zudem auch hier, um die Behandlungskosten abzuarbeiten… Das ist sehr edel von dir, Grayson… Nicht jeder würde so selbstlos handeln“, ergänzte die hübsche Krankenschwester noch.
Der Blondhaarige strich sich über seine angespannte Stirn, hinter welcher sich schon drückende Kopfschmerzen ankündigten und er sagte noch: „Ich hoffe nur, dass ich mich nicht als unnütz erweise…“
„Ach das wird sich schon alles fügen... Am Anfang wird Margaret eher die simplen Aufgaben und Tätigkeiten auftragen… Wie beispielsweise das Einsammeln der Fieberthermometer oder die Leerung der Bettpfannen.“
„Das sind ja erfreuliche Aussichten“, nuschelte Grayson, woraufhin ihn die aufgeweckte Krankenschwester angrinste: „Jeder von uns hat mal klein angefangen, Grayson…“
„Zumindest bist du hier freiwillig im St. Thomas Hospital…“, entgegnete Grayson, woraufhin sich das Gesicht der hübschen Krankenschwester verfinsterte.
„Sozusagen…“
„Entschuldige, Eleanor.“, sagte der Blondhaarige schnell zu seiner Kollegin und er bereute sogleich seine Aussage.
Eleanor winkte mit einer Handbewegung ab und sie strich sich eine verirrte Strähne ihres braunhaarigen Haars hinter die Ohren: „Machen wir uns weiter an die Arbeit, in Ordnung?“
Grayson nickte und machte sich fleißig daran, weitere Arzneien sowie Verbandsmaterialien auszupacken und in den sorgfältig beschrifteten Regalfächern zu verstauen.
Die junge Krankenschwester ging ihm helfend zur Hand und so arbeiteten die beiden für eine Weile still und schweigsam nebeneinander, als hätten sie nie etwas anderes gemacht.
Grayson räusperte sich nach einer Weile und er flüsterte Eleanor zu: „Ich bin ja froh, dass Mister Edwards Charlie und mich auf dem Krankenhausflur unter der Masse entdeckt hat. Er hatte augenblicklich bemerkt, dass es meiner kleinen Schwester nicht gutging und dass sie dringend eine Behandlung benötigte. Er war es auch gewesen, der Professor Abernathy auf uns aufmerksam gemacht hat.“
„Ja, Harry gehört wahrhaftig zu den Guten… Was man von dem Großteil der anderen Medizinstudenten nicht gerade behaupten kann...“, murmelte Eleanor mit einem grimmigen Gesichtsausdruck und Grayson bemerkte, dass ihre Stimme einen bitteren Klang angenommen hatte.
„Was möchtest du damit andeuten?“, wollte der Blondhaarige von ihr wissen, während ihr ein kleines Fläschchen reichte.
Eleanor nahm das Medikament entgegen und während sie es auf der Liste notierte und abhakte, rückte sie mit der Sprache heraus: „Die meisten Herren Studiosi halten sich für etwas Besseres… Für sie sind wir Krankenschwestern und Krankenpfleger nur minderwertige Helfer, welche ihnen gnädigerweise zur Hand gehen dürfen… Obwohl sich ein Großteil von Ihnen schon für Götter in Weiß hält, sind wir es, die die meiste Arbeit vollbringen.“
„Wir sind es, die die Kranken pflegen… Sie durch ihre hitzigen Fieberträume begleiten, ihren Nachtschweiß trocknen… Ihre Exkremente säubern und sie auf ihrem Heilungsprozess begleiten… Und ihr Leid lindern und ihnen Trost spenden“, redete sich die junge Krankenschwester in Rage. Grayson konnte auf gewisse Art und Weise ihre Verbitterung nachvollziehen, jedoch erlaubte er sich kein Urteil darüber zu fällen.
Immerhin hatte er erst einen Tag im St. Thomas verbracht und er kannte sich mit den Gepflogenheiten und Sitten des großen Klinikums nicht aus.
Für mehrere Minuten arbeiteten die beiden stillschweigend Hand in Hand und als sie diese unliebsame Tätigkeit beendet hatten, öffnete sich plötzlich wieder die Tür zu der kleinen Kammer. Margaret, die bullige Oberkrankenschwester, stand im Türrahmen und begutachtete die beiden jungen Menschen mit ihrem wachsamen Blick.
„Habt ihr eure Arbeit vollbracht?“, fragte sie die beiden und Grayson und Eleanor nickten eifrig.
„Alles ist einsortiert, Margaret“, informierte Eleanor ihre gemeinsame Vorgesetzte und diese nickte kurz. Die ältere Frau nahm eine der beiden Petroleumlampen in die Hand und sie deutete den beiden mit einer Handbewegung an, ihr zu folgen.
„Ich zeige dir nun den Schlaftrakt…Komm mit mir!“
Folgsam trippelten Eleanor und Grayson der strengen Oberschwester hinterher und der Blondhaarige sah sich neugierig in dem langen Gang um. Vor einer großen Eichentür, von welcher zwei weitere Gänge abzweigten, blieb Margaret stehen. Diese zog einen großen Schlüssel aus dem Bund, welcher an dem Gürtel ihrer Schürze befestigt war, hervor und sie meinte eindringlich zu Grayson: „Diese Tür symbolisiert die Grenze zwischen den beiden Schlaftrakten… Links befindet sich der Trakt, in welchem die Krankenschwestern untergebracht sind… Auf der anderen Seite schlafen die Männer…“

Margaret musterte Grayson mit einem strengen Blick und sie ermahnte den jungen Mann: „Grenzüberschreitungen werden strengstens bestraft… Stelle dir einfach vor, dieser Gang wäre der von dem römischen Kaiser Hadrian errichtete Grenzwall in Nordengland. Es ist für alle strikt verboten, die Schlafräume des gegensätzlichen Geschlechts zu betreten…Ohne Ausnahmen… “
Grayson schluckte für einen Moment, bevor ihm die wahrscheinlich sehr unnötig erscheinende Frage herausrutschte: „Und wie… wie werden diese Vergehen… geahndet?“
Eleanor musste für einen Augenblick leise kichern.
„Natürlich auf dieselbe Weise, wie die römischen Legionäre irische oder schottische Rebellen bestraft haben… Sie haben ihnen einen Pfeil durch den Schädel gejagt“, scherzte die junge Krankenschwester und sie grinste, als sich Graysons blaue Augen erschrocken geweitet hatten.
Margarets Augen verengten sich bei diesem Satz und sie stemmte einen Arm in ihre füllige Hüfte: „Hast du etwas gesagt, Eleanor?“
Die junge Krankenschwester schüttelte bei dem strengen Blick ihrer Vorgesetzten schnell ihren Kopf und sie verneinte dies.
„Das Geräusch, was du vermutlich eben vernommen hast, sind wahrscheinlich diese elendigen Mäuse gewesen, die sich in den Mauern tummeln… Der Hausmeister oder der Portier sollten neues Rattengift oder neue Mäusefallen aufstellen, um dieser lästigen Plage Heer zu werden.“
Margaret zog eine Augenbraue in die Höhe und Grayson konnte ihr ansehen, dass sie Eleanor nicht ganz glaubte. Aber aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit beließ die stämmige Oberschwester es damit.
„Gute Nacht“, knurrte sie lediglich in Graysons Richtung und sie wies Eleanor an, sich in den Schlaftrakt der weiblichen Mitarbeiterinnen zu begeben. Grayson winkte seiner Kollegin noch einmal zu, bevor er von Margaret folgte.
Diese zeigte ihm die kleine Kammer, welcher er sich mit Liam teilen sollte und er wünschte ihr ebenfalls eine erholsame Nacht.
Die Oberschwester brummte nur etwas Unverständliches und sie erinnerte ihren neuen Schützling noch einmal mit einem strengen Blick: „Vergiss es ja nicht! Dienstantritt ist morgens um fünf Uhr und Frühstück gibt es eine halbe Stunde vorher…“
Margaret hob noch einmal ihren Zeigefinger und schärfte Grayson ein: „Und sei lieber pünktlich! Wer zu spät kommt, kriegt keinen Haferbrei!“
„Gute Nacht!“, rief die bullige Krankenschwester noch einmal in die Richtung des Blondhaarigen und sie verschwand wieder mit schnellen Schritten aus dem Männertrakt.


Eine knappe Stunde später saß Grayson an Charlies Krankenbett und hielt die schmale Hand seiner kleinen Schwester fest in seiner umklammert. Kaum hatte sich der Blondhaarige in der kleinen Kammer, welche ihm Margaret zugewiesen hatte, umsehen und sich seiner Kleidung entledigen können, bevor er todmüde in das kleine Metallbett gefallen war.
Graysons Gesicht hatte nur für wenige Minuten das weiche Laken seines Kopfkissens berührt, als sich auf einmal die Tür zur Kammer geöffnet hatte und Professor Abernathy mit hektischen Handzeichen hinausgescheucht hatte.
Seine kleine Schwester war aus der Narkose erwacht und obwohl sich der Blondhaarige vor Müdigkeit kaum noch auf den Beinen halten konnte, hatte er sich hektisch wieder angezogen und war Professor Abernathy in den Krankenhaussaal gefolgt.
„Grayson…“, wimmerte Charlie schlaftrunken und ihr älterer Bruder strich ihr beruhigend über ihre schweißnasse Wange. Ihre sonst immer wunderschön wirkenden, blonden Locken, klebten an ihrer glühend heißen Stirn.
„Ich bin ja da, Charlie…“, versuchte er seine kleine Schwester zu beruhigen. Mister Abernathy kontrollierte mithilfe eines Fieberthermometers die Körpertemperatur seiner jungen Patientin und vermerkte diese auf der Tabelle, welche in Papierform über dem Krankenbett hing.
„Wird sie wieder vollkommen gesund, Herr Professor?“, wollte Grayson bittend von dem Professor wissen und blickte den Mediziner flehend an. Mister Abernathy strich sich über seinen dunklen Bart und er legte dem jungen Mann beruhigend eine Hand auf Graysons zitternde Schulter.
„Sie hat die Operation gut überstanden… Sofern sich die Sepsis nicht entzündet, bestehen gute Heilungschancen für deine Schwester…“, erklärte Professor Abernathy ihm.
„Aber das geschieht doch nicht häufig, oder? Also dass sich die Wunde entzündet?“, fragte der Blondhaarige besorgt nach, während er in beruhigenden Kreisen über den zitternden Handrücken seiner kleinen Schwester strich.
„Habe jedoch keine Sorge, Grayson… Hier im St. Thomas wird deine Schwester bestens versorgt. Solange der Wundverband täglich erneuert wird, können auch möglichst wenig Keime in die Wunde gelangen und das Risiko einer Blutvergiftung wird möglichst geringgehalten“, sagte Mister Abernathy und leicht beruhigt atmete Grayson auf.

Der Professor kontrollierte noch einmal den richtigen Sitz des Verbandes an Charlottes Körperseite und er ließ das Geschwisterpaar allein, da er während der nächtlichen Visite noch viele weitere Patienten aufsuchen musste.
Grayson hielt sich verhalten eine Hand vor den Mund, als er sich ein lautes Gähnen nicht verkneifen konnte. Am liebsten hätte er sich vor Müdigkeit ebenfalls in Charlies Krankenbett gelegt.
Die blütenweißen Bettlaken wirkten verlockend auf den jungen Mann, aber er wusste, dass er bald in seine zugewiesene Kammer zurückkehren musste.
Der Blondhaarige sah überrascht auf, als sich die Tür zum Krankensaal der Frauen erneut öffnete und er die hochgewachsene Gestalt des jungen Medizinstudenten erkannte, welcher das Geschwisterpaar vor wenigen Stunden in der Eingangshalle entdeckt hatte.
Der künftige Doktor trug über seinem Anzug einen langen weißen Kittel, welcher um seine schlanken Beine schwang und in den Händen hielt er eine bräunliche Flasche sowie einen kleinen Löffel.
Die grünen Augen sahen Grayson verständnisvoll an, nachdem er den älteren Bruder der Patientin auf der Bettkante erkannt hatte. Der junge Student hielt die Arznei in seinen Händen in die Höhe und er flüsterte: „Ich habe hier ein Beruhigungsmittel… Professor Abernathy hat mir aufgetragen, dass ich diese deiner Schwester geben soll… Um ihre Schmerzen zumindest ein wenig zu lindern und ihr einen erholsamen Schlaf zu ermöglichen.
Grayson nickte nur kurz und er stand von Charlies Krankenbett auf, um dem Medizinstudenten Platz zu machen.
Der junge Mann, welcher nur wenige Jahre älter als Grayson sein musste, setzte sich auf die Kante des Bettes und tröpfelte ein paar Tropfen der hellen Flüssigkeit auf den mitgebrachten Löffel und flößte sie der jungen Patientin ein. Der Blondhaarige beobachtete fasziniert, wie sanft und beruhigend der Student auf seine kleine Schwester einredete, welcher sich wimmernd und zitternd in dem kleinen Bett hin und her wühlte.
„Das Mittel sollte in wenigen Minuten wirken…“, meinte der junge Medizinstudent prüfend.
Er strich sich eine seiner halblangen, dunkelbraunen Locken hinters Ohr, bevor er sich zu Grayson umdrehte und ihm seine Hand entgegenhielt: „Ich glaube, man hat uns vorhin in der Hektik noch gar nicht aneinander vorgestellt.“
Er schenkte dem jungen Mann ein strahlendes Lächeln und er sagte: „Mein Name ist Harold George Edwards, Duke of Richmond.“
Leicht nervös und ehrfürchtig schüttelte Grayson die angebotene Hand und ein wenig schämte er sich aufgrund seiner niederwertigen Herkunft.
„Grayson Brown…Nur Grayson Brown“, murmelte er und obwohl er sehr leise gesprochen hatte, schien der Medizinstudent seine Worte verstanden zu haben.
„Eigentlich bin ich noch gar kein richtiger Duke… Mein Vater trägt diesen Familientitel… Aber irgendwann werde ich wohl zwangsläufig von ihm erben.“
„Die meisten Leute nennen mich aber Harry“, erklärte er Grayson mit einem beruhigenden Lächeln. Er strich noch einmal über Charlottes blonde Locken und er nickte zufrieden, als die junge Patientin allmählich in einen ruhigen Schlaf glitt. Offenbar schien das Medikament, welches er Charlie vor wenigen Medikamenten verabreicht hatte, allmählich zu wirken.
Grayson seufzte erleichtert auf, als seine kleine Schwester ruhig und beständig atmete und anscheinend nicht mehr von großen Schmerzen geplagt aufstöhnen musste.
„Danke…“, flüsterte er dem Medizinstudenten zu und dieser schenkte ihm erneut ein sanftes Lächeln: „Nichts zu danken…Ich hätte ebenso gehandelt, wenn das Leben meiner Schwester auf dem Spiel gestanden wäre…“
„Haben Sie…“, begann Grayson, „Also hast du auch eine jüngere Schwester?“
Der Blondhaarige fühlte sich ein wenig unwohl, dass der Adelige, welcher eigentlich aus einer komplett verschiedenen und damit auch aus einer gehobenen Gesellschaftsschicht stammte, so offen und unbeschwert sich mit ihm unterhielt.
Harry schüttelte lachend seinen Kopf: „Nein, meine Schwester Gwen ist zwei Jahre älter als ich… Sie lebt ebenfalls in London und sie bringt unseren Vater regelmäßig zur Weißglut…“
Auf Graysons fragenden Blick erklärte er ihm: „Meine Schwester Gwendolyn ist eine glühende Suffragette… Sie setzt sich für die Rechte der Frauen ein, geht auf Demonstrationen und Protestmärsche… Und sie lässt sich beinahe regelmäßig alle zwei Wochen verhaften… Mein Vater hat sich schon so oft über meine in seinen Augen missratene Schwester aufregen können. Am liebsten wäre es ihm, wenn sie einen der jungen Gentlemen, welche unser Vater ihr vorgeschlagen hätte, ehelichen würde und somit den Familientitel weiterführen würde und für Erben sorgen würde…“
Harry lachte auf: „Aber das ist zum jetzigen Zeitpunkt das letzte, was Gwen möchte… Sie möchte frei und ungebunden bleiben…“
Der junge Medizinstudent seufzte kurz auf: „Zumindest ich habe den richtigen Lebensweg nach der Meinung meines Vaters eingeschlagen… Ich studiere Medizin und möchte später einmal als Arzt tätig sein.“
„Damit kannst du bestimmt einmal sehr viel Geld verdienen“, sagte Grayson und er sah den jungen Mann vor ihm an, welcher ihn mit Sicherheit um einen Kopf überragte, sodass Grayson ein wenig zu ihm aufblicken musste.
Harry strich noch einmal sanft über Charlies blasse Hand, bevor er leise zu dem Blondhaarigen meinte: „Das Ansehen oder das Geld, was man durch diesen Beruf gewinnt, ist mir hierbei nicht ausschlaggebend… Ich möchte nur den Menschen helfen und ihr Leid lindern…Allein aus diesem Grund habe ich mich für das Medizinstudium entschieden.“

Ehrfürchtig sah Grayson den groß gewachsenen Medizinstudenten an, welcher ihm noch einmal zu lächelte, bevor er aufstand und seine langen Beine ausstreckte. Harry blieb kurz am Türrahmen des Krankenhaussaals stehen und schenkte dem Blondhaarigen noch einmal ein kleines Lächeln: „Ich muss jetzt Professor Abernathy bei seiner nächtlichen Visite helfen… Ich wünsche dir eine gute Nacht… Wir sehen uns mit Sicherheit bald wieder.“


-----------------------------------------------------------------------------------------------
Heute kommt mal wieder ein neues Kapitel :)
Vielen Dank an NancyBoy und Nymphae, die zum letzten Kapitel ein Review hinterlassen :)) Und natürlich danke ich euch auch für die 6 Empfehlungen!
LG Laura
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast