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In Sickness and in Health [1. Teil]

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Historisch / P18 / MaleSlash
30.01.2021
23.10.2021
35
89.786
24
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22.10.2021 2.373
 
C H A P T E R  32:
"We loved with a love that was more than love" - Edgar Allen Poe

Ein paar Tage später hielt Grayson diese unausgesprochenen Worte sowie das große Missverständnis, welches zwischen ihm und dem jungen Adeligen herrschte, nicht mehr aus.
Die junge Krankenschwester hatte den Abort schließlich überständen und auch wenn sie immer noch sehr geschwächt war, befand sie sich laut Professor Abernathy auf den Weg der Besserung.
Obwohl es ihm eigentlich gar nicht zusagte, in der tiefsten Dunkelheit und in der Eiseskälte durch das dunkle London zu stapfen, war dem blonden Krankenpfleger wohl nichts anderes übriggeblieben, wenn er diese Angelegenheit mit Harry aus der Welt schaffen wollte.
Und auch wenn ihm der Medizinstudent nicht glauben sollte, dass er nicht mit Eleanor nicht geschlafen hatte und vor allem er nicht derjenige gewesen war, der der hübschen Krankenschwester ein Kind gemacht hatte, wollte Grayson, dass Harry dies zumindest wusste.
Er schlug den Kragen seines abgetragenen Mantels hoch, als ihn eine eiseskalte Windböe streifte und er schob sich die graue Schiefermütze, welche ihm Schwester Margaret vorhin geliehen hatte und die ein Patient wohl einmal bei einem überstürzten Aufbruch im St. Thomas hatte liegen lassen.

Hoffentlich war Harry in dem Verbindungshaus der Studentenverbindung anzutreffen, denn ansonsten hätte der blondhaarige Krankenpfleger den weiten Weg umsonst auf sich genommen.
Grayson rieb sich seine juckenden, eiskalten Hände, nachdem er mit dem edlen Türklopfer an die Tür des Verbindungshauses geklopft hatte und wartete ungeduldig, dass ihm hoffentlich überhaupt jemand die Tür öffnen würde.
„Nicholas…“, sagte der blonde Krankenpfleger mit einem finsteren Gesichtsausdruck, als er Harrys schwarzhaarigen Kommilitonen und insgeheim wohl an dieser gesamten Misere mit Eleanor schuld war.
„Ach das kleine Helferlein…“, wie immer hatte das Lächeln des jungen Adeligen einen arroganten Zug um die schmalen Lippen und überrascht sah er den schmächtigen Mann vor sich an. Seine schwarzen Haare waren verwuschelt, als hätt er sich mehrmals mit den Händen durch diese gefahren und seine Augen besaßen einen seltsamen Glanz.
Grayson fühlte sich sogleich unwohl, wie der schwarzhaarige Student ihnen von oben herab musterte und schief ansah.
„Was machst du denn hier?“
„Ich möchte mit Harry reden…“, gab Grayson kurz angebunden zu sich, denn mit dem besserwisserischen und nur auf sein eigenes Wohl bedachten Studenten wollte er Gott weiß nicht mehr als nötig zu tun haben.
„Tja, das wird sich wohl als ein wenig schwieriges Unterfangen darstellen, Grayson…Unser lieber Harold hat nämlich heute Abend schon gut dem Whiskey zugesprochen…“, grinste Nicholas und ungeduldig stapfte Grayson auf der Stelle herum, um sich und seine durchfrorenen Glieder zumindest ein wenig zu wärmen.
„Dann komm herein“, sagte der schwarzhaarige Student im nächsten Moment und er bat den bibbernden Krankenpfleger herein in die warme Stube.

Grayson folgte dem Medizinstudenten und er erinnerte sich wage an die einstige Feierlichkeit, welche er nur auf Harrys Wunsch hin beigewohnt hatte.
Er erkannte die edlen, mit dunklem Mahagoniholz vertäfelten Wände des Flurs, welche zahlreiche Bilder von ehemaligen Mitgliedern zierten.
„Warte kurz hier…Ich hole mal unserem lieben Harold…Aber ich kann dir nicht versprechen, dass er nüchtern ist, kleines Helferlein…“, meinte Nicholas in Richtung des blonden Krankenpflegers und er verschwand hinter einer Tür, welche wie Grayson wusste, in den großen Sitzungssaal führte.
Aus dieser Tür ertönten mehrere durcheinander gerufene Anstößigkeiten der Verbindungsmitglieder und der Krankenpfleger dachte sich in diesem Moment, dass die Herren Studiosi an diesem Abend wohl dem Alkohol schon sehr zugesprochen hatten.
Unter den jungen Männern fielt Grayson auf ein gewisser, rotblonder Medizinstudent ins Auge.
Kieran O’Connor, der irisch stämmige Student, war offenbar schon so betrunken, dass er mit dem Kopf auf der hölzernen Tischplatt eingeschlafen war, während seine Mitbrüder immer noch laut und wild feierten.
Grayson widmete seinen Blick auf die zahlreichen Portraits der Ehemaligen des Studentenkorps und er blinzelte kurz mit den Augen, als er einen ihm bekannten Namen erkannte.
„Graham Edwards, Duke of Richmond“ stand graviert auf einem kleinen, silbernen Plättchen unter dem Gemälde und Grayson versuchte, Ähnlichkeiten im Gesicht von Harrys Vater zu dessen einzigen Sohn zu finden.
Nach ein paar Sekunden, nachdem er das Bild ausgiebig betrachtet hatte, kam Grayson zu dem Ergebnis, dass der grimmig aussehende Mann mit dem grauen Haar, dem großen Backenbart sowie dem ernsten Gesichtsausdruck äußerst wenig mit dem immer freundlich wirkenden Medizinstudenten gemeinsam hatte.
Sowohl Harry als auch seine ältere Schwester Gwendolyn sahen ihrem Herren Papa keineswegs ähnlich. Somit mussten die beiden Edwards Geschwister wohl zumindest äußerlich komplett nach ihrer Mutter kommen, schlussfolgerte Grayson schließlich.

Der schreckhafte Krankenpfleger zuckte abermals stark zusammen, als sich von hinten eine warme Hand auf seine knochige Schulter legte und sogleich drehte er sich um.
„Harry…“, murmelte er leise, als er den hochgewachsenen Studenten vor sich erblickte. Die halblangen braunen Locken des Adeligen waren nachlässig frisiert und aufgrund seiner glasigen Augen erkannte Grayson, dass der Medizinstudent ebenso wie seine zahlreichen Verbindungsbrüder stark dem Alkohol heute Abend gefrönt hatte.
„Was willst du hier, Grayson?“, wollte Harry sogleich von ihm wissen und mit einem schiefen Blick musterte er dem kleineren Mann vor sich.
„Ich möchte mich bei dir entschuldigen!“, sprudelten die Worte, welche er sich eigentlich noch vorhin in seiner kleinen Kammer im St. Thomas sorgfältig zurückgelegt hatte, aus ihm heraus.
„Es war nicht richtig, dass ich dich um Geld gebeten und deine Großzügigkeit ausgenutzt hatte, Harry… Du musst aber wissen, dass ich hierbei aus reiner Nächstenliebe und kollegialer Freundschaft zu Eleanor gehandelt habe…“
Als der hochgewachsene Student immer noch stumm blieb und dessen Miene unleserlich schien, nahm sich Grayson ein Herz und griff zögerlich nach der größeren Hand des Adeligen.
„Bitte Harry…Du musst mir glauben…Ich begehre Eleanor nicht, auch wenn sie noch so hübsch und begehrlich sein mag…“
Du bist alles, was ich will!“
Noch immer ein wenig skeptisch beäugte Harry immer noch den blonden Krankenpfleger und er hatte die Stirn gerunzelt, als würde er in Gedanken heftig darüber debattieren, ob er dem Worten des Blondhaarigen Glauben schenken sollte oder nicht. Jedoch entzog er sich Graysons Berührung nicht und dieser wertete dies zumindest mal als ein gutes Zeichen.
„Um diese Summe an Geld brauchst du dich nicht zu sorgen, Grayson…“, murmelte der Adelige leise und er fügte noch hinzu, „Du verdienst im St. Thomas nicht viel und ich weiß, dass du fast dein gesamtes Einkommen für dich und für deine kleine Schwester benötigst…“
Grayson schenkte Harry ein zurückhaltendes Lächeln und erleichtert nahm er wahr, dass die Miene des Medizinstudenten nicht mehr so steinern wie eben noch vor wenigen Minuten gewesen war. Er reckte seinen Kopf ein Stück und er sah, wie junge Adelige ihm ebenso entgegenkam.
Aber bevor sich ihre Lippen für einen zärtlichen Kuss vereinigen konnten, öffnete sich die Tür zum Salon wieder und erneut erschien Harrys schwarzhaariger Kommilitone im Türrahmen.

Schmunzelnd betrachtete er die beiden jungen Männer und er meinte in Graysons Richtung: „Du könntest dir das Geld, was du dem lieben Harold schuldest, auch verdienen, Grayson…“
Dieser runzelte sogleich die Stirn und er fragte: „Was meinst du damit, Nicholas?“
Der schwarzhaarige Student lachte leise auf und er sagte dann mit einem unverfrorenen Grinsen im Gesicht in Graysons Richtung: „Die besondere Dame, welche wir ursprünglich für den heutigen Abend bestellt hatten, hat uns bedauerlicherweise abgesagt…Nun, wie sieht es aus, kleines Helferlein?“
„Hast du Lust an einem einzigen Abend mehr zu verdienen als ein gesammeltes, halbes Jahr an Monatsgehältern im St. Thomas?“
„Ich weiß nicht…“, brachte Grayson zögerlich hervor und noch immer skeptisch betrachtete er Nicholas, welcher nun eine obszöne Geste mit seiner Zunge machte.
„Wie wäre dies, Grayson? Du verschaffst mir und meinen Verbindungsbrüdern sozusagen Erlösung unter dem großen Tisch, welche uns ursprünglich diese Dame versprochen hatte, und wir werden dich natürlich reichlich für deine Dienste entlohnen?“
„Du bist absolut widerlich!“, spuckte Grayson aus und zornig blickte er Harrys Kommilitonen ins Gesicht.
„Dass du dir auch noch denkst, dass ich auch nur darüber nachdenken würde, diesem absolut absurden Vorschlag zuzustimmen!“, echauffierte sich der blondhaarige Krankenpfleger und er baute sich vor dem Medizinstudenten auf.
„Möchtest du nicht etwas dazu sagen, Harry?“, abwartend blickte Grayson zu dem Mann, mit dem er die vergangenen Monate über so vertraut geworden und anscheinend gar nicht wusste, was er darauf antwortete.
„Ich verschwinde…“, zischte er Harry zu und schenkte dem jungen Adeligen noch einen tiefen Blick, bevor er nach der Türklinke des Verbindungshauses griff und sich zum Gehen wandte.
„Nein, warte doch, Grayson!“, hörte der blonde Krankenpfleger noch, als er Harrys aufgebrachte Stimme hinter sich vernahm, jedoch wollte er so schnell wie möglich von hier weg.

Der kalte Wind bahnte sich unter seinen dünnen Mantel und Windböen peitschten ihm ins Gesicht, als er die langen Gassen blind entlangstolperte, da sich die Tränen bereits wieder über sein Gesicht bahnten.
Erschrocken zuckte er zusammen, als ihm jemand an der Schulter packte und als er sich umdrehte, erblickte er den großgewachsenen Adeligen vor sich.
„Grayson…“, flüsterte Harry leise und der kleinere Mann versuchte energisch sich dem festen Griff des Studenten zu entziehen und dem Blick aus dessen faszinierenden grünen Augen auszuweichen.
„Lass mich, Harry…“, gab Grayson zurück und er schlug die Hände des künftigen Duke of Richmond energisch von sich. Er fühlte sich verletzt, dass sein Geliebter nicht einmal etwas zu Nicholas wahrlich unverschämten Vorschlag gesagt hatte und ihn gegenüber seinem Kommilitonen verteidigt hatte, sondern einfach nur geschwiegen hatte.
„Es tut mir so leid, Grayson…“, flüsterte Harry nun leise und er blickte den schmächtigen Krankenpfleger so gefühlvoll und liebevoll an, dass diesem unwillkürlich sehr warm ums Herz wurde.
„Ich hätte dir und deinen Worten vorhin Glauben schenken müssen…Nicholas ist ein elendiger Bastard und er muss seine gerechte Strafe dafür bekommen, dass er Eleanor Gewalt angetan hat…“
„Der Meinung bin ich auch…“
„Dennoch ändert dies nichts an der verzwickten Situation, in welcher wir uns gerade befinden, Harry…“, meinte Grayson ernst und sah dem Adeligen direkt ins Gesicht.
Harry strich mit seinem Daumen zärtlich über die bebende Wange des Krankenpflegers und sanft hauchte er ihm einen kleinen Kuss auf diese: „Ich habe immer nur dich gewollt, Grayson… Ich habe mich von Professor Hamiltons abwertenden Hassreden über Männer unserer Art sowie den gesellschaftlichen Erwartungen, welche mein Vater an mich hat, blenden lassen…Bitte kannst du mir noch eine Chance geben, Grayson?“
Statt einer Antwort reckte sich der Blondhaarige und er seufzte verzückt auf, als er endlich wieder die weichen Lippen des Studenten auf seinen spüren konnte. Harry verstärkte seinen Griff um Graysons Taille und er presste den schmächtigen Mann mit dem Rücken an die raue Backsteinmauer der Seitengasse, um den blonden Krankenpfleger noch näher an sich zu ziehen.

„Hey, Leute!“, riss die beiden jungen Männer eine sehr raue und tiefe Stimme aus ihrer zärtlichen Annäherung.
„Seht euch doch nur diese Mistgeburten an, Männer!“, brummte ein grobschlächtig aussehender Mann in einer speckigen Lederjacke, welcher mit einer Bierflasche in der Hand sowie weiteren Saufkumpanen in die Gasse gestolpert kam.
Sogleich drehte sich Harry um, griff nach Graysons kleinerer Hand und stellte sich beschützend vor den blonden Krankenpfleger, um ihn vor den Blicken der Männer abzuschirmen.
„Was wollen sie?“, fragte der Adelige den Wortführer und hielt ihm sein Portemonnaie unter die Nase: „Wenn sie mein Geld wollen, dann können sie dies gerne haben…“
„Wir wollen dein Geld nicht, reiches Söhnchen…“, gab der Mann mit der Lederjacke in einem spöttischen Ton zurück und er deutete mit seinem Finger auf Grayson, welcher sich immer noch leicht hinter Harrys breitem Rücken versteckte.
Da Grayson fast sein gesamtes Leben und seine Kindheit in dem rauen Armenviertel East End verbracht hatte, war ihm sofort klar, dass diese besoffenen Männer nicht etwa auf das Geld oder andere Wertgegenstände des Studenten aus waren.
Diese grobschlächtigen Kerle, deren Atem nach dem billigen, meist selbst gebrannten Schnaps aus White Chapel roch, waren auf Streit aus.
Und dabei kam es ihnen gerade recht, dass sie direkt in zwei, in ihren Augen wohl posierende Sodomiten gerannt waren.
„Wir haben leider kein Geld für eine Hure, welche für uns ihre zarten Schenkel spreizen kann…“, meinte der Mann und er grinste leicht in Graysons Richtung, „Jedoch denke ich, dass er sich dabei auch nicht allzu schlecht anstellen könnte…“
Grayson erzitterte bei diesen Worten und er krallte seine Finger hilfesuchend in das dunkelgraue Jackett von Harrys Anzug.
Der grobschlächtige Mann trat an den blonden Krankenpfleger heran und griff nach seinem Kinn. Anerkennend meinte er: „Er ist beinahe so schön wie eine Frau…“
„Fassen sie ihn nicht an!“, brüllte Harry den Wortführer der rüden Bande an und dieser verpasste dem jungen Adeligen sogleich einen Faustschlag, dass dieser bedenklich wankte und sich daraufhin seine Wange hielt.
„Denkst du, dass ich mir von dir Befehle geben lasse? Du reicher Pinkel…“, knurrte der Mann und verzweifelt musste Grayson mit ansehen, wie sich die weiteren Trunkenbolde auf seinen Geliebten stürzten.
„Oder bist du etwa die Frau in der Beziehung, Mistgeburt?“, fragte ein weiterer der rüden Kerle, welcher dem Anführer und den weiteren Männern an Größe und Bulligkeit nichts nachstand.
„Lauf weg, Grayson!“, presste Harry hervor, als er bereits von einem weiteren der Kerle in den Schwitzkasten genommen wurde.
„Aber, Harry…“, murmelte der blonde Krankenpfleger verzweifelt, jedoch schüttelte der junge Adelige unwirsch mit dem Kopf und befahl Grayson: „Lauf zurück ins St. Thomas und hol Hilfe!“
Der blondhaarige Krankenpfleger realisierte in diesem Augenblick, dass er allein gegen diese riesigen, grobschlächtigen Kerle mit seiner zierlichen Gestalt bei weitem nichts ausrichten konnte und er wohl dringend Hilfe aus dem Klinikum holen musste, bevor ihn diese rauen Kerle ebenso wie Harry verletzen und stark zurichten konnten.
„Ich beeile mich, Harry!“, versicherte Grayson dem Medizinstudenten und so schnell wie es ihn seine Beine trugen, machte er sich auf den Weg ins St. Thomas.
Hoffentlich würde er nicht erst dort ankommen, wenn bereits alle Hilfe für den künftigen Duke of Richmond zu spät sein würde...
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Ich kann es kaum fassen, liebe Leser...Nach knapp 10 Minuten ist das Ende von "In Sickness and in health" endlich in Sicht & ich danke jetzt schon mal allen, die mich, Grayson & Harry auf dieser Reise begleitet und tatkräftig unterstützt haben!  Dankeschön an euch alle! <3
Das allerletzte Kapitel ist noch der Epilog, bei dem noch alle offenen Frage geklärt werden und auch noch ein paar Figuren einen Gastauftritt haben werden.
Ich hoffe, dass wir uns dann bei "Till Death do us part" alle wiedersehen!
Euch allen ein schönes Wochenende,
liebste Grüße Laura
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