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In Sickness and in Health [1. Teil]

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Historisch / P18 / MaleSlash
30.01.2021
23.10.2021
35
89.786
24
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Dieses Kapitel
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17.10.2021 2.310
 
C H A P T E R 29:

Verwirrt blinzelte Grayson seine junge Kollegin an und er fragte sich in diesem Moment, ob er sich eventuell eben noch verhört haben könnte: „Was…was meinst du denn mit „noch einmal stehe ich diese beschämende Tortur nicht durch!“? Was möchtest du denn damit andeuten, Eleanor?“
Die hübsche Krankenschwester senkte betreten ihren Kopf und sie murmelte kaum hörbar: „Vor knapp drei Jahren, mit sechzehn Jahren war ich schon einmal schwanger gewesen…“
Betreten schaute Grayson ihr ins Gesicht und er zupfte leicht verlegen am Saum seiner ausgeblichenen Krankenpfleger Uniform des St. Thomas herum: „Aber… aber was ist denn mit dem Kind geschehen?“
Die hübsche Krankenschwester seufzte nochmal auf und sie sah ihren Kollegen mahnend an: „Na gut…Ich muss dir über dieses schlimme Kapitel meiner Vergangenheit erzählen…Dann wirst du sicherlich meine Beweggründe verstehen, weshalb ich dieses Kind nicht behalten möchte…“
Eindringlich blickte sie Grayson in die Augen und sie befahl ihm: „Du musst mir aber versprechen, dass du es niemanden erzählst! Lediglich die beiden Professoren und Schwester Margaret wissen davon und so soll es auch gefälligst bleiben!“
Der blondhaarige Krankenpfleger nickte betreten und Eleanor nickte daraufhin. Dann legte sich ein dunkler Schatten über ihr sommersprossengesprenkeltes Gesicht und sie meinte: „Erinnerst du dich an unser Gespräch auf dieser Bank vor dem Eingang des St. Thomas, Grayson?“
Der Angesprochene nickte und er murmelte leise: „Das ist doch der Abend, an dem Harry seinen Einstand in die Studentenverbindung zusammen mit den anderen gefeiert hatte…“
„Ja, genau an diesen Abend spiele ich an“, knurrte Eleanor leise und leicht erschrocken musterte der blonde Krankenpfleger seine Kollegin.
„Du erinnerst dich noch an den Sohn der hohen Familie, bei derer ich als Stubenmädchen angestellt gewesen war?“, fragte Eleanor ihn und Grayson sagte daraufhin: „David war sein Name gewesen, oder?“
„Ja, genau…“, erwiderte Eleanor ihn und sie atmete noch einmal tief durch, bevor sie Grayson über dieses dunkle Kapitel ihrer Vergangenheit in Kenntnis setzte:

„Du musst wissen, dass ich nicht ganz freiwillig aus den Diensten des Hauses geschieden war…Ich hatte dir ja erzählt, dass die Mamsell des Haushalts von unserem heimlichen Verhältnis Wind bekommen hatte und mich daraufhin auf die Straße gesetzt hatte…
Dies entspricht aber nicht der kompletten Wahrheit, Grayson… Der eigentliche Grund war gewesen, dass ich von David, dem einzigen Sohn des hohen Herren, bei dem ich beschäftigt gewesen war, ein Kind erwartet hatte…Natürlich war meine Vorgesetzte geschockt von dieser Botschaft gewesen und so hatte sie mich ohne großes Trara buchstäblich vor die Haustür eskortiert und dass ich bloß mich nie wieder hier blicken lassen sollte…Ich hätte den Hausherren ohnehin genug erzürnt…“

Die hübsche Krankenschwester seufzte leise und Grayson sah, dass sich bereits leichte Tränen in ihren blauen Augen spiegelten. Zögerlich legte er einen Arm um die schmalen Schultern seiner Kollegin und er meinte zu ihr: „Du musst nicht weitererzählen, wenn du dies nicht willst, Eleanor…“
Die Krankenschwester schniefte leicht und wischte sich mit dem Ärmel ihres grauen Uniform Kleides flüchtig über die Augen: „Nein, auch wenn es mir schwer fällt über diese Zeit zu reden…Aber du sollst es wissen, Grayson, weshalb ich dieses Risiko auf mich nehmen würde…Denn noch einmal stehe ich diese Tortur nicht durch!“

„ In meiner Verzweiflung habe ich mich dann ans St. Thomas gewandt… Dort gab es früher noch eine größere Station für ledige Mütter… Zuerst war ich sehr froh gewesen, dass sich man mir angenommen hatte und mir ein warmes Bett sowie mir Essen gegeben hatte…Und dass sich die Angestellten des Klinikums wirklich aufrichtig um uns gekümmert hatte… Aber dann habe ich erst nach einer Weile realisiert, dass wir für die Mitarbeiter und vor allem für die beiden Professoren lediglich Versuchsobjekte waren…Sie haben sich nicht für uns als Person interessiert, sondern nur für die Wissenschaft…Heimlich haben sie und auch die anderen Patienten mit dem Finger auf uns gezeigt und uns unterschwellig zu verstehen gegeben, welch eine Schande sei, wenn man ohne einen dazugehörigen Mann ein Kind erwartet…“
„Aber das schlimmste stand uns noch bevor…Als ich damals im voll besetzten Vorlesungssaal in Anwesenheit von dutzenden Studenten sowie Professor Hamilton und Professor Abernathy meine Tochter gebären musste, war dies das beschämendste, was ich zu diesem Zeitpunkt jemals in meinem Leben mitgemacht habe…“


„Und was ist dann geschehen, Eleanor?“, mitfühlend blickte Grayson zu seiner jungen Kollegin und die Krankenschwester erzählte weiter:
„Damals habe ich mir geschworen, dass ich mich nicht niemals wieder wie ein Forschungsprojekt behandeln lassen möchte…So habe ich in einer Nacht meine Sieben Sachen gepackt und habe mir meine Tochter geschnappt und bin aus dem St. Thomas geflüchtet…Ich machte mich auf den Weg zurück nach Belgravia…. In meiner naiven Vorstellung hatte ich gedacht, dass sich David über sein Kind freuen würde und er mich freudestrahlend in die Arme schließen würde… Aber dem war natürlich nicht so…Noch an der Hauspforte hatte er mich abgewiesen…Er hat so wütend ausgesehen und er hatte mich angespuckt und gemeint, dass er sich von einem Gossenmädchen kein Balg andrehen lassen würde und dass ich gefälligst von ihrem Grundstück verschwinden sollte…Sonst würde er die Sittenpolizei kommen lassen…So habe ich die Nacht mit meinem erst vor wenigen Tagen geborenen Baby auf der Straße in einer dunklen Gasse verbracht…“

„Es war eiskalt gewesen und ich hatte sie lediglich in eine dünne Decke gewickelt, da ich ja davon ausgegangen war, dass mich David sogleich wieder freudig in ihrem Haus willkommen heißen würde…Am nächsten Morgen waren ihre Lippen bereits blau angelaufen gewesen…So habe ich mich zusammengerissen und bin auf schnellstem Wege zurück ins St. Thomas gelaufen…“

Schmerzvoll schaute Eleanor dem blondhaarigen Krankenpfleger in die Augen und ihre Stimme brach, während die junge Krankenschwester leidvoll aufschluchzte:
„Aber war bereits zu spät…Die beiden Ärzte haben nichts mehr für sie tun können… Ich habe daraufhin im St. Thomas angefangen zu arbeiten, damit ich erst einmal nicht auf der Straße sitzen musste und ich ohnehin Geld für die immensen Behandlungskosten auftreiben musste…Insgeheim bin ich froh, dass mir Schwester Margaret damals ins Gewissen geredet hatte…Denn sonst wäre ich als ein gefallenes Mädchen in der Gosse gelandet…“
Eleanor weinte nun richtig und Grayson schloss seine junge Kollegin schnell in seine Arme, während er immer noch vollkommen geschockt von dieser Offenbarung war…
Kein Wunder, dass die Krankenschwester keinem der adeligen Studenten über den Weg traute, wenn sie bereits so schlechte Erfahrungen mit Menschen aus dieser Gesellschaftsschicht gemacht hatte.
Es stimmte wohl, dass diese Menschen lediglich auf ihr eigenes Wohl bedacht waren und Grayson wurde schlecht bei dem Gedanken, dass seiner kleinen Schwester wohl fast dasselbe Schicksal ereilt wäre, wenn er nicht ihr heimliches Intermezzo mit Kieran O’Connor unterbrochen hätte.

Grayson streichelte sanft mit seinen Händen über Eleanors bebenden Rücken und er wartete geduldig darauf, bis sich die junge Krankenschwester wieder so gesammelt hatte, dass sie weitersprechen konnte.
„Eleanor…wer…ich meine, weiß du, wer der Vater ist?“, fragte der blondhaarige Krankenpfleger seine Kollegin, welche ihn daraufhin leicht wütend anblitzte: „Denkst du etwa, dass ich mich leichtfertig mit einer Vielzahl von Männern einlasse?“
„Nein, natürlich nicht…“, ruderte Grayson schnell zurück und seine Stimme wurde noch einen Ton sanfter: „Aber vielleicht wäre es sehr hilfreich, wenn du mir seinen Namen nennen könntest, Eleanor…Vielleicht würde er dir einen Teil des Geldes für den Engelmacher geben…“
„Mhm…“, meinte Eleanor und runzelte nachdenklich die Stirn, bevor sie noch einmal einen tiefen Atemzug nahm und ihm antwortete: „Vielleicht hast du Recht, Grayson…Also es ist…“

                                 ***
Später am Nachmittag wartete Grayson ungeduldig vor Professor Hamiltons Vorlesungssaal und er wartete, dass dieser endlich seine Vorlesung beenden würde, damit er einen der Studenten noch rechtzeitig abfangen könnte.
Endlich erhörte Gott die Gebete des blonden Krankenpflegers und Grayson drückte sich tiefer hinter die Säule, damit die herausströmenden Studenten ihn in seinem Versteck nicht sogleich sahen.

Als schlussendlich auch der ältliche Professor den langen Gang des St. Thomas in Richtung seines Laboratoriums verschwand, traute sich Grayson hinter der Säule hervor und er drückte sich an der Masse an Medizinstudenten vorbei, um in das Innere des großen Hörsaals zu gelangen.
Und zu seinem Glück fand er genau noch jenen jungen Adeligen vor, welcher gerade im Begriff war, seine Vorlesungsunterlagen in seiner braunen Ledertasche zu verstauen.

„Ach…Mister Brentwood ....“, begrüßte Grayson den schwarzhaarigen Studenten und dieser blickte verblüfft zu dem Krankenpfleger auf, während er immer noch in seiner Tasche herumwühlte.
„Machen sie etwa auch noch etwas anderes in ihrer Freizeit, als junge Frauen in ihr Unglück zu stürzen?“, rückte Grayson sogleich mit der Sache heraus und verschränkte zur Untermalung seiner Worte seine Arme vor der Brust.
Eigentlich hatte ihm Eleanor eingeschärft,  dass er niemanden im St. Thomas und schon gar nicht dem werdenden Vater von ihrer Schwangerschaft erzählen sollte, jedoch wollte Grayson den Übeltäter unbedingt für sein Verhalten zur Rechenschaft ziehen.
„Ich weiß nicht, wovon du sprichst, kleines Helferlein…“, schnaubte Nicholas und wandte seinen Blick von dem blondhaarigen Krankenpfleger ab.
„Ich weiß, dass du Eleanor an diesem einen Abend nach der Feier im Verbindungshaus Gewalt angetan hast, Nicholas…“, konfrontierte Grayson den jungen Adeligen, welcher sich offenbar immer noch keiner Schuld bewusst war.
„Und was möchtest du nun von mir, Grayson?“, fragte Harrys Kommilitone ihn und er verschränkte nun ebenfalls die Arme vor seiner Brust.
„Nicholas, sie erwartet ein Kind von dir…“, informierte Grayson ihn mit einem ernsten Gesichtsausdruck und er sah kurz, wie leichte Besorgnis in dem Gesicht des jungen Adeligen aufblitzte, bevor er den Krankenpfleger wie gewohnt leicht spöttisch anlächelte:
„Woher kann ich denn wissen, dass es sich überhaupt um mein Kind handelt?
Der Student lächelte Grayson arrogant an und er meinte: „Da hatte ich ja doch wohl recht, dass die Angestellten des St. Thomas wohl bald für die nächste Generation an Krankenschwestern sowie Krankenpflegern sorgen werden!“
„Nicholas!“, Grayson wurde nun erst recht wütend auf den arroganten Medizinstudenten und er zischte: „Bitte, du musst ihr hierbei beistehen…Sie ist verzweifelt…Eleanor möchte unbedingt zu einem Engelmacher gehen und es heimlich wegmachen lassen…“
„Das wäre wohl das beste für alle…“, murmelte Nicholas leise und Grayson schnaubte daraufhin leicht abwertend, während er ernst den Adeligen vor sich musterte: „Bitte, du musst sie davon abbringen! Du weißt doch als Medizinstudent selbst, wie viele Gefahren und Risiken bei einem solchen Eingriff entstehen können…“

„Damit möchte ich nichts zu tun haben… Ich bin doch nicht verantwortlich, mit welchen Männern sich dieses Flittchen rumgetrieben hat…“, meinte Nicholas uninteressiert und er wandte sich bereits zum Gehen, als er plötzlich von dem blonden Krankenpfleger am Ärmel seines Jacketts zurückgehalten wurde: „Bitte, fass dir doch ein Herz, Nicholas…Falls du überhaupt solch ein Organ in deiner Brust besitzt…“
„Sonst…“, meinte Grayson in einem leicht drohenden Unterton und Nicholas zog spöttisch eine Augenbraue in die Höhe: „Sonst was, kleines Helferlein? Möchtest du mir etwa drohen?“
Der blondhaarige Krankenpfleger nickte leicht, um den jungen Adeligen zu einem Handeln zu bewegen. Er wollte zwar, dass der werdende Vater zumindest Eleanor in finanzieller Art und Weise unter die Nase greifen würde, jedoch würde er seine Kollegin niemals hintergehen.
Denn Eleanor wollte auf keinen Fall, dass die beiden Professoren oder am schlimmsten noch die brummige Oberschwester von ihrem Vorgehen Wind bekommen könnten.

Nicholas kam näher an den schmächtigen Mann heran und er zischte ihm zu: „Untersteh dich! Sonst werde ich dein Verhältnis, was du mit unserem lieben Harold hast, an die Sittenpolizei verpfeifen!“
„Du bist so ein Ekel!“, spuckte Grayson aus und blinzelte den jungen Medizinstudenten zornig an, während dieser seine Sieben Sachen hastig zusammenpackte und den blonden Krankenpfleger an der Tür noch einmal arrogant anlächelte:
„Man sieht sich, Grayson…Und denk an meine Worte! Wenn du es wagen solltest, mein Geheimnis zu verraten, dann werde ich die Behörden von dieser geheimen Liebelei zwischen einem adeligen Medizinstudenten und einem ärmlichen Krankenpfleger hier im St. Thomas in Kenntnis setzen!“
Mit diesen Worten verschwand Nicholas aus dem großen Vorlesungssaal und knallte hinter sich die große Eichentür ins Schloss.
Geschafft ließ sich Grayson auf einem der Vorlesungsbänke nieder und er hielt frustriert den Kopf in seinen Händen…
Wie sollten er und Eleanor nur das notwendige Geld für den Engelmacher in East End auftreiben können?

Das Schicksal schien es jedoch gut mit dem blonden Krankenpfleger zu meinen, denn dieser blinzelte zunächst verwirrt, als er eine kleine Tasche aus bräunlichem Leder unter der Bank entdeckte.
Nicholas hatte wohl vorhin bei seinem überstürzten Aufbruch sein Portemonnaie liegen lassen und diese Nachlässigkeit kam Grayson in diesem Augenblick gerade recht. Denn niemals würden Eleanor und Grayson mit ihrem schmalen Gehalt das nötige Geld für den dringend benötigten Eingriff rechtzeitig auftreiben können.
Obwohl der blondhaarige Krankenpfleger niemals etwas von einem anderen Menschen stehlen wollte, nahm er schnell die gut gefüllte Geldtasche des Adeligen in die Hand und entwendete mit zitternden Fingern hastig mehrere Geldscheine aus dieser und steckte diese schnell in seine Hosentasche.

Plötzlich öffnete sich knarzend die schwere Tür zu Professor Hamiltons Vorlesungssaal. Grayson war wie erstarrt und er zuckte zusammen, als er in dem Türrahmen einen gewissen hochgewachsenen Studenten erkannte.
Mit gerunzelter Stimme musterte Harry die Geldbörse in Graysons Händen, während der junge Krankenpfleger in diesem Moment wie erstarrt war.
„Was machst du denn mit Nicholas Geldtasche?“, wollte der künftige Duke of Richmond von dem Blonden wissen und blinzelte diesen überrascht an.

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Nun steckt Grayson wieder gehörig in der Misere...Denkt ihr, dass er sich Harry dennoch anvertrauen wird?  Eleanors Geheimnis ist nun auch gelüftet und falls ihr mehr über ihr Schicksal erfahren möchtet, dann solltet ihr euch das Kapitel 7 noch einmal durchlesen :)
Ich finde es ehrlich gesagt schade, dass so wenig Rückmeldung in letzter Zeit kommt...Obwohl ich ja sehe, dass so viele Leute die Geschichte favorisiert haben :/
Das Ende von "In Sickness and in health" steht kurz bevor, 3 Kapitel habe ich noch geplant..
Danke jedenfalls an NancyBoy für das Review zum letzten Kapitel :)
Einen schönen Sonntag noch!
LG Laura
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