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In Sickness and in Health [1. Teil]

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Historisch / P18 / MaleSlash
30.01.2021
23.10.2021
35
89.786
24
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10.02.2021 2.183
 
C H A P T E R  2

Grayson taten schon langsam die Füße weh und auch sein Magen verlangte nach einer wohltuenden Mahlzeit, jedoch wollte er sich seine Erschöpfung vor Professor Abernathy nicht anmerken lassen.
Der sympathisch wirkende Mann hatte ihn und Liam im gesamten Gebäude herumgeführt und Charlottes Bruder fast alle Räume des weitläufigen Klinikums gezeigt. Der Blondhaarige war fasziniert von den verschiedenen Abteilungen und Mr. Abernathy hatte es offenbar gefallen, dass sich der neue Krankenpfleger so wissbegierig zeigte. Eifrig hatte er alle Fragen des jungen Mannes beantwortet und ihm jede medizinische Abteilung und jedes Instrument erklärt.
Sie hatten die Operationssäule der Chirurgie besichtigt. Professor Abernathy hatte Grayson und Liam dabei in Kenntnis gesetzt, dass er es im Gegensatz zu seinem Kollegen bevorzugte, in der Ruhe und Abgeschiedenheit des kühlen Saales zu operieren.
Der selbstbewusst und beinahe ein wenig arrogant wirkende Professor Hamilton, welcher laut Liams Erzählung schon einmal für den englischen König in seinem Lazarett gedient hatte, liebte es, seinen Studenten die Operationen sowie sein Können direkt unter die Nase zu reiben.
Mister Abernathy hatte Grayson und Liam ursprünglich auch das Laboratorium mit der reichlich ausgestatteten Bibliothek zeigen wollen, jedoch hatte Professor Hamilton sie sogleich wieder hinausgescheucht. Professor Abernathy hatte den beiden jungen Männern einen bedauernden Blick zugeworfen und die schwere Eichentür wieder hinter sich ins Schloss gezogen.
„Mein werter Kollege ist öfters mal ein wenig gereizt…. Vor allem wenn er kürzlich eine Operation hinter sich hat“, hatte Professor Abernathy gesagt und sich durch seinen schwarzen Bart gestrichen.

Der freundlich wirkende Professor hatte seine Tour durch die ehrwürdigen Hallen des St. Thomas Krankenhauses fortgesetzt und ihnen weitere Räume gezeigt.
Es gab mehrere Operationssäle, eine Gebärstation, in welchem auch unverheiratete Frauen ihre Kinder zur Welt bringen konnten… Sofern sie ihren Körper und den Geburtsprozess der Wissenschaft zur Verfügung stellten…  Dies war eine Sache, welche Grayson einen großen Schauer über den Rücken schickte…
Er mochte zwar kleine Kinder, jedoch weckte Professor Abernathys Gerede über die Leibesfrucht der Frauen und den damit in Verbindung stehenden Geburtsprozess nicht gerade Begeisterungssprünge in Graysons eigentlich nicht derart empfindlichen Magen.
Da hatte dem Blondhaarigen die Kinderstation schon eher zugesagt, auf welcher lauter kleine Knirpse auf mehreren kreisförmig im Raum verteilten Bettchen gesessen hatten und ihn und seine beiden Begleiter mit neugierigen Augen gemustert hatten. Grayson hätte gerne noch mehr Zeit dort verbracht, jedoch hatte Mr. Abernathy seine Tour durchs St. Thomas schnell fortgesetzt und Grayson hatte sich wehmütig von den Kindern verabschiedet.
Es gab in dem Londoner Klinikum auch eine Station, auf welcher sich höchst ansteckende Patienten tummelten. Diese Abteilung hatten sich aus diesem Grund natürlich nicht einfach so ohne triftigen Grund betreten können.
„Professor… Um welche Station handelt es sich hier?“, wollte Grayson von dem hochgewachsenen Mann wissen und er zuckte erschrocken zurück, als jemanden hörte, wie er von innen an der abgeschlossenen Metalltür rüttelte.
Der Blondhaarige zuckte zusammen, als er den hellen und schrillen Schrei einer jungen Frau vernahm.
„Oh Gott… Professor Abernathy… Wir müssen ihr helfen!“, rief Grayson und mit großen Augen musterte er den jungen Professor. Über Professor Abernathys Gesicht huschte der Ansatz eines Lächelns, bevor sein Gesicht wieder ernst wurde.
„Das ist das Tollhaus, Mister Brown…“, erklärte Mr. Abernathy dem jungen Krankenpfleger, welcher den Mediziner verwirrt ansah.
„Das ist das Irrenhaus, Grayson“, klinkte sich Liam sogleich in das Gespräch ein. Mister Abernathy warf dem muskulösen Krankenpfleger einen leicht tadelnden Blick zu:
„Na, na… Dieser Begriff ist sehr abwertend für diese Menschen… Es sind hauptsächlich psychisch Kranke, welche auf dieser Station behandelt werden… Da sie oftmals nicht komplett Herr ihrer Sinne sind, muss diese Tür auch immer verschlossen bleiben… Zu ihrem eigenen Schutz.“
„Ich verstehe…“, murmelte Grayson leise und sogleich rückte er nochmals ein Stück von der massiven Metalltür weg. Ihm war diese gesamte Situation nicht so recht geheuer.
Mister Abernathy fasste den jungen Mann sanft an der Schulter und er meinte zu ihm: „Dann werde ich Ihnen nun mal ihre neue Arbeitsstätte zeigen, Mister Brown.“
Auch Liam nickte ihm aufmunternd zu und gemeinsam machten sie sich auf den Weg zu den Räumen des Krankenhauspersonals.  
Wie es Charlie wohl ging? Grayson hätte am liebsten Mr. Abernathy oder Liam nach seiner jüngeren Schwester gefragt, aber diese wussten wahrscheinlich auch nicht viel mehr als er zu diesem Zeitpunkt.


Dort angekommen warteten schon eine junge Frau, welche ungefähr in Graysons Alter sein musste, sowie eine etwas mollige und streng aussehende Frau auf die drei Männer.
„Margaret, ich bringe ihn nun ihren neuen Schützling“, lachte Mister Abernathy in Richtung der älteren Frau, deren Miene aber weiterhin grimmig blieb.
Sie trug ein dunkelblaues Kleid mit einer weißen Schürze. Ihre bereits leicht ergrauten Haare waren zu einem strengen Dutt gefasst.
„Darüber hat mich Professor Hamilton schon in Kenntnis gesetzt…“, knurrte die ältere Frau und ihr Blick wanderte musternd über Graysons schmale Gestalt.
„Sind sie sich sicher, dass er mir nicht sofort zusammenklappt?“, fragte Margaret und empört schnappte Grayson nach Luft. Auch wenn er nicht so muskulös und stark wie Liam neben sich wirkte, konnte und wollte er hier im St. Thomas Hospital mit anpacken.
Schon allein, weil er seiner kleinen Schwester helfen wollte und deren durch die lebensnotwendige Operation verursachten Schulden tilgen wollte. Charlie sollte sich komplett erholen und sich dabei nicht Sorgen, um das Geld machen. Ihr älterer Bruder würde schon dafür aufkommen.

„Das ist Margaret, unsere Oberschwester… Sie führt das Regiment über die Krankenpfleger und die Krankenschwestern“, erklärte Mr. Abernathy Grayson und dieser nickte kurz.
„Margaret, das ist Grayson Brown… Wie ihnen mein Kollege mit Sicherheit schon erzählt hat, wurde seine kleine Schwester heute mit Verdacht auf Blinddarmentzündung in unser Haus eingeliefert… Mister Hamilton hat eine Notoperation durchgeführt und nun befindet sich seine kleine Schwester in unserer Obhut… Mister Brown wird ab heute hier arbeiten, um die Behandlungskosten abarbeiten zu können.“
„Darüber wurde ich schon informiert… Warten sie einen kurzen Moment.“
Margaret seufzte kurz, bevor sich in einem Nebenraum verschwand und kurze Zeit darauf mit einem Packen Kleidung für Grayson wiederkam.

Sie drückte dem jungen Mann die Kleidungsstücke in die Hand und sie ermahnte ihn: „Die Kleidung wird alle fünf Tage gewechselt… Für die Instandhaltung und das Waschen ist jeder Pfleger und jede Krankenschwester selbst zuständig. Am Samstag ist Waschtag!“
Grayson zuckte bei ihrer lauten und herrischen Stimme zusammen. Auf seltsame Art und Weise erinnerte sie ihn an eine Bulldogge.
„Die Arbeit beginnt pünktlich um 5 Uhr morgens und endet um 18 Uhr… Der Sonntag steht den Angestellten zur freien Verfügung, außer natürlich jemand wurde spontan für eine Schicht eingetragen…“, führte Margaret aus und Grayson nickte sogleich eifrig.
Die leitende Oberschwester stellte Grayson nun die junge Frau an ihrer Seite vor. Sie war sehr hübsch und vergnügte graublaue Augen blitzten ihm entgegen.
Auf ihrem Gesicht konnte der junge Mann Sommersprossen ausmachen. Sie streckte ihm ihre zierliche Hand entgegen und sie lächelte Grayson zu: „Hallo, mein Name ist Eleanor.“
Grayson stellte sich nun auch der jungen Krankenschwester vor und die beiden sahen sich in die Augen.
Der Blondhaarige hatte das beunruhigende Gefühl, dass ihn Eleanor ebenso musterte und dass ihr seine Erscheinung anscheinend auch zusagte.
Jedoch hatte Grayson keinerlei romantisches Interesse an weiblichen Wesen und er wusste nicht, wie er ihr das beibringen konnte.
Nach ein paar Sekunden räusperte sich Margaret und sie schob sich mit ihrem fülligen Körper zwischen die beiden jungen Leute.

Streng blickte sie Grayson in die Augen: „Ich möchte hiermit noch einmal betonen, dass intime Beziehungen zwischen den Angestellten des St. Thomas Hospitals strengstens verboten sind!“
Grayson errötete leicht und verlegen wandte er seinen Blick von der strengen Oberschwester ab. Wenn diese nur wüsste, dass sich der junge Mann überhaupt nichts aus Frauen machte.
Jedoch war Homosexualität im Vereinigten Königreich noch unter strenge Strafe gestellt und Grayson konnte somit nicht herausposaunen, dass er für Frauen in diesem Sinne überhaupt gar nichts übrig hatte.

Leider meldete sich ausgerechnet in diesem ungünstigen Moment Graysons Magen zu Wort, woraufhin Professor Abernathy ihm leicht zulächelte und beruhigend über seine Schulter strich.
„Ich weiß, dass es bereits abends ist und das Abendessen schon serviert wurde… Könnte Mr. Brown hier vielleicht doch noch etwas zum Essen bekommen? Er ist bestimmt ganz ausgehungert…“
Margaret verschränkte die Arme vor ihrer fülligen Brust und sie knurrte den jungen Professor an: „Mister Abernathy… Der Eintopf, den es bekanntlich jeden Abend gibt, ist bis auf den letzten Rest ausgekratzt…“
„Aber sie werden doch mit Sicherheit noch eine Kleinigkeit zu Essen für Mister Brown hier auftreiben können“, versuchte es Professor Abernathy mit einem charmanten Lächeln, welches aber bei der alten Frau nicht wirkte und nur auf Ablehnung stieß.
„Verehrter Professor… Ich habe bedeutend wichtigere Aufgaben als mich um Mr. Browns Nahrungsaufnahme zu sorgen… Ich habe hunderte von Betten zu versorgen und muss mich um meine Patienten kümmern!“
„Unsere gemeinsamen Patienten“, meinte Mr. Abernathy leicht pikiert, woraufhin Margaret abermals seufzte: „Wie sie meinen, Herr Professor.“
„Kleiner!“, rief sie und fragend sah sie Grayson an, welcher die Oberschwester leicht verwirrt ansah und mit dem Zeigefinger auf sich deutete: „Meinen sie etwa nicht?“
„Siehst du hier sonst noch jemand neuen unnötig im Weg rumstehen?“, stellte Margaret dem jungen Mann leicht spöttelnd die Gegenfrage und sie deutete ihn mit einer Handbewegung an, mit ihr mitzukommen.

Mister Abernathy klopfte ihm noch einmal aufmunternd auf die Schulter und er ermutigte Grayson noch einmal: „Das wird schon… Der Anfang ist immer schwer, aber bald wirst du dich hier eingelebt haben, Grayson.“

Der junge Professor schulterte seinen Gehrock und er wandte sich zum Gehen, sodass nur noch Liam, Grayson und Eleanor mit der unfreundlichen und grimmig wirkenden Oberschwester zurückblieben.
Wie kleine Entlein stolperten sie der herrischen Frau hinterher und hatten Mühe mit ihrem beinahe strammen Soldatenschritt mitzuhalten.

Schlussendlich blieben sie vor einer kleinen Kammer stehen.
Margaret blickte Grayson streng an: „In diesem Raum befinden sich die Medikamenten- und Verbandsvorräte. Sofern du etwas benötigst, musst du mir umgehend Bescheid geben. Denn unser Bestand wird streng kontrolliert. Dies gilt insbesondere für unsere mehr als reichhaltigen Medikamentenvorräte.“
Die Oberschwester deutete auf einen Schrank, dessen Türen mit silbernen Schlössern verriegelt waren.
Sie klopfte auf den großen Schlüsselbund, welcher an ihrer Taille hing und sie sah Grayson eindringlich an: „Nur ich besitze hierzu den Schlüssel. Nur ich allein bin dazu befugt, dir eine Arznei auszuhändigen! Und niemand anderes!“
Grayson verschluckte sich und hektisch nickte er mit seinem blonden Schopf. Obwohl die Oberschwester noch fast einen Kopf kleiner als er war, hatte er bereits gehörigen Respekt vor ihr und ihrer sehr bestimmend wirkenden Präsenz.
Eindringlich sah ihn Margaret noch einmal an: „Und es herrscht in diesem Gebäude strengstes Alkohol- sowie Zigarrenverbot!“
Liam schaltete sich ein und er versuchte, Margaret ein wenig zu besänftigen: „Ich denke nicht, dass Grayson für eine solche Sucht anfällig ist… Er wirkt nicht wie ein Säufer.“
„Ich wollte es nur noch einmal gesagt haben“, knurrte die beleibte Oberschwester und sie erklärte Grayson: „Um halb fünf gibt es Frühstück und Abendessen um achtzehn Uhr.“

Margaret deutete auf die Vielzahl an Mullbinden, welche im hinteren Bereich des Raumes verstreut und unaufgeräumt lagen.
Sie wandte sich an Eleanor und Grayson: „Heute wurden eine Vielzahl an neuen Verbandsmaterialien geliefert. Ihre Aufgabe ist es nun, diese in die verschiedenen Kisten und Behälter zu ordnen und diese auch in den Listen aufzuführen.“
Als Grayson die füllige Frau fragend anblickte, zeigte sie auf die junge Frau neben ihm und sagte: „Eleanor wird dir dabei helfen, damit du es beim nächsten Mal auch allein machen kannst.“
„Liam, dich brauche ich auf Station Nr. 5…“
Der muskulöse Krankenpfleger hob noch einmal die Hand zum Gruß und lächelte den jungen, blonden Mann an, bevor er von Margaret aus dem Raum gezerrt wurde.
Die Tür schloss sich hinter den beiden und dann waren die beiden Angestellten allein.
Eleanor stieß Grayson in die Seite und sie flüsterte: „Lass dich von der alten Fledermaus nicht so einschüchtern…“
Sie kicherte und Grayson hätte beinahe ihr Lachen erwidert, als sich plötzlich die Tür noch mal öffnete und die unfreundliche Oberschwester erneut im Raum stand.
Der Blondhaarige zuckte erschrocken zusammen, sodass ihm beinahe der Kleiderstapel, welche ihm Margaret vorhin noch mitgegeben hatte, aus der Hand gerutscht wäre.
Die dickliche Oberschwester hob drohend ihren Zeigefinger in die Höhe und sie ermahnte die beiden: „Und macht keine Dummheiten! Ich habe meine Augen und Ohren überall!“
Die Tür fiel krachend ins Schloss und verlegen fuhr sich Grayson durch seine dunkelblonden Haare.
Seine Wangen waren bestimmt vor Verlegenheit gerötet und vor der jungen Krankenschwester wollte er sich keine Blöße geben.
„Ach… Hör doch nicht auf diese alte Vettel!“, grinste Eleanor ihm zu und aufmunternd blickte sie Grayson an. Sie ging zu dem an der Seite des Raumes stehenden Schrank und kramte eine Liste aus diesem.
Grayson entließ keuchend die Luft aus seinen Lungen und er hätte sich am liebsten vor Erschöpfung einfach auf den Boden gesetzt.
Wenn Margaret nur wüsste, dass sie sich diesbezüglich keinerlei Sorgen machen müsste.
Er würde niemals eine unschuldige, ledige Frau schwängern und diese damit in ihr eigenes Unglück stürzen.

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Danke für die 4 Empfehlungen :))) Schreibt mir auch gerne eure Meinung zur bisherigen Story.. Wie gefallen euch die Charaktere?
Im nächsten Kapitel lernen wir dann Harry ein wenig näher kennen!
Einen schönen Abend wünsche ich euch noch! LG Laura
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