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In Sickness and in Health [1. Teil]

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Historisch / P18 / MaleSlash
30.01.2021
23.10.2021
35
89.786
24
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15.10.2021 2.873
 
C H A P T E R 28:

“We are each our own devil, and we make this world our hell.”- Oscar Wilde

Als Grayson den Namen seines Geliebten vernahm, riss er erschrocken seine Augen auf und er fragte die beleibte Oberschwester leise: „Was ist denn mit Harry?“
Schwester Margaret schüttelte bedauernd den Kopf und sie sagte zu dem blondhaarigen Krankenpfleger: „Er befindet sich im östlichen Krankenflügel in einem kleinen Nebenraum…Professor Abernathy und Professor Hamilton sind gerade bei ihm…Grayson, warte doch bitte einen Moment!“
„Verdammt, Grayson!“, rief ihm die brummige Oberschwester nach, aber da war der Krankenpfleger schon aus dem Krankensaal gestürmt, um nach seinem Liebsten zu sehen.
Grayson hetzte durch die weitläufigen Flure des großen Klinikums, bis er schließlich keuchend und mit hektischem Atem vor der Tür ankam.
Davor stand bereits Professor Abernathy. Der Arzt musterte den jungen Mann mit einem für ihn ungewohnten, sehr ernsten Blick und in diesem Augenblick befürchtete Grayson schon das Schlimmste.
Was, wenn im St. Thomas wirklich eine Seuche oder sehr ansteckende Krankheit umging und der Medizinstudent somit vielleicht schon in Lebensgefahr schwebte?
Professor Hamilton putzte sich mit dem Ärmel seines weißen Kittels sein Monokel und er blickte Grayson daraufhin ernst in die Augen. Er verschränkte die Arme vor seiner Brust: „Ah Mister Brown…Ich kann mir schon denken, weshalb sie hier sind…“
Ohne auf den komischen Tonfall des ältlichen Professors zu achten, fragte Grayson die beiden Ärzte mit gepresster Stimme: „Was ist denn mit Harry, ähm Mr. Edwards?“
„Es geht ihm doch gut…oder?“, bohrte der blondhaarige Krankenpfleger, als sich die beiden Professoren lediglich ansahen und dann ihren Blick wieder auf den schmächtig gebauten Mann richteten.
„Es geht ihm den Umständen entsprechend…“, meinte Professor Hamilton dann und misstrauisch beäugte Grayson den ältlichen Professor, welcher schon als Chirurg unter dem Siegel der englischen, königlichen Kavallerie tätig gewesen war.
„Was wollen sie denn damit andeuten, Herr Professor?“, wollte Grayson ungeduldig von den beiden Ärzten wissen und es beunruhigte ihn immer noch mehr, dass ihm in diesem Moment keine konkrete Antwort über Harrys Gesundheitszustand geben wollten.
„Mister Edwards geht es den Umständen entsprechend…gut…“, meinte Professor Abernathy und er setzte Grayson darüber in Kenntnis, dass dem zukünftigen Duke of Richmond wohl während Professor Hamiltons Medizinvorlesung plötzlich schlecht geworden war. Zudem war ihm sehr schwindlig geworden, sodass er noch während der Vorlesung vor den Augen seiner Kommilitonen zusammengebrochen war.
Daraufhin hatten sie Harry unter vereinten Kräften direkt in das kleine Zimmer gebracht und Schwester Margaret über diesen Vorfall benachrichtigt.
„Es sind wohl unschöne Nebenwirkungen der Koch-Salz Lösung, welche ich Mr. Edwards gestern Abend verabreicht habe…“, murmelte Professor Hamilton kaum hörbar, aber Grayson hatte ihn natürlich doch verstanden.
Verwirrt blinzelte er und er wollte von den beiden Ärzten wissen: „Aber…aber wieso sollten sie denn so etwas derartiges tun, Herr Professor…Wenn es keinen Grund für eine solche Behandlung gibt? Oder ist Harry schwer krank?“
Professor Hamilton seufzte er und er betrachtete Grayson von oben bis unten, bis er dem jungen Krankenpfleger ernst in die Augen schaute und meinte: „Mr. Brown…Wir wissen, welch besonderes Verhältnis sie zu Mr. Edwards pflegen…“
Grayson keuchte erschrocken auf, als er in dieser Sekunde realisierte, dass seine heimliche Liebschaft mit einem adeligen Medizinstudenten enttarnt worden war und er schluckte tief.
Er wusste, dass er jetzt Farbe bekennen musste. Zu sich… zu seinem wahren Ich…und zu Harry…
„Aber…aber sie wollen uns beide doch nicht an die Sittenpolizei verraten, oder?“, flehte der blonde Krankenpfleger die beiden Professoren an und er blickte erwartungsvoll in deren ernst aussehende Gesichter.
„Nein, Mr. Brown…Das beabsichtigten wir natürlich keineswegs…“, beruhigte Professor Abernathy den Krankenpfleger und zumindest ein wenig erleichtert atmete Grayson auf.
„Aber was ist jetzt mit Harry?“

Professor Hamilton musterte den jungen Mann vor ihm durch sein Monokel und er seufzte kurz auf: „Sagt ihnen der Name „Sigmund Freud“ vielleicht etwas, Mister Brown?“
Grayson schüttelte ratlos seinen Kopf und der ältliche Professor informierte ihn: „Er ist ein sehr bekannter Arzt aus Österreich, welcher insbesondere auf dem Gebiet der Psychologie ein Koryphäe ist…Er hat jene Art der Therapie entwickelt…um diese Krankheit zu heilen und ich bin überzeugt, dass sie bei Mister Edwards nach einer Weile ebenso gut anschlagen wird…“
„Wenn ich sie in ihrem Monolog kurz unterbrechen dürfte, werter Kollege…“, wandte dann Professor Abernathy ein und er sagte:
„Wir haben ja gesehen, dass es Mister Edwards nach der Therapie nicht gut ging…Ich bin ja persönlich der Meinung, dass es sich keineswegs um eine psychische Krankheit, sondern um eine genetische Veranlagung handelt…Man wird entweder damit geboren oder nicht…“
„Was meinen sie denn damit, Herr Professor?“, unterbrach Grayson dann ungeduldig die beiden Ärzte in ihrer Fachsimpelei und er zupfte nervös an dem Ärmel seiner weißen Uniform herum: „Welche psychische Krankheit? Harry ist doch nicht verrückt!“
„Nein, das ist er sicherlich nicht…“, antwortete Professor Hamilton ihm dann, „Ein Fall für das Tollhaus ist Mister Edwards keineswegs…“
„Und weshalb behandeln sie ihn dann?“
Professor Hamiltons Gesicht wirkte sehr ernst, als er zu dem blondhaarigen Krankenpfleger: „Wegen dieser Abnormalität…Diese Therapie wird vorwiegend bei Männern angewandt, welche das Vergnügen mit Männern ihresgleichen suchen…“
Graysons Sichtfeld wankte bedrohlich und fürsorglich griff Professor Abernathy nach dem Unterarm des Krankenpflegers, um diesen zu stützen: „Grayson, du musst wissen, dass ich dies nicht befürwortet habe…Aber sowohl mein Kollege als auch Harry haben sich von dieser Idee nicht abbringen lassen…“

Bei diesem Satz brachen Graysons Dämme endgültig und die Tränen strömten ihm nur so übers Gesicht. Bis zuletzt hatte er gehofft, dass sein Geliebter von dem strengen Professor Hamilton mit seinem Geheimnis erpresst worden war und dieser ihn zu dieser Behandlung gezwungen hatte…
Aber die Tatsache, dass sich der Mann, in den er sich verliebt hatte, sich ernsthaft und in vollem Bewusstsein seiner geistigen Fähigkeiten für diese Konversationstherapie entschieden hatte, schockte den blonden Krankenpfleger zutiefst.

„Mein werter Kollege, darf ich sie erinnern, dass Homosexualität unter Männern bereits seit der Antike besteht? Die Päderastie, beziehungsweise umgangssprachlich gesprochen die sogenannte „Knabenliebe“… Und auch in der Tierwelt ist Homosexualität ein nicht gerade selten auftretendes Phänomen…“, sagte Professor Abernathy zu seinem Kollegen und dieser schüttelte leicht seinen Kopf: „Das mag wohl sein, Isaac…Dennoch befürworte ich persönlich ein solch sündhaftes Verhalten keineswegs…Man müsse schließlich strikt zwischen Liebe und Sexualität trennen…Wenn zwei Männer geschlechtlich miteinander, dann ist dieses Verhalten lediglich von Lust und menschlichem Trieb gesteuert…“
Professor Hamilton schnaubte kurz auf: „Sie müssen sich nur einmal an den Vorfall in der Cleveland Street erinnern…Ein wahrlicher Skandal, bei dem die Polizei ein homosexuelles Bordell entdeckt und aufgelöst hatte… angeblich war ja in diesen Skandal sogar der königliche Hofstallmeister ihrer Majestät sowie ein Mitglied der königlichen Familie involviert. Ebenso sprießen die Molly Houses neben den zahlreichen Opium Häusern derzeit in London aus allen Ecken…

Professor Hamiltons Blick richtete sich dann auf den blondhaarigen Krankenpfleger, welcher sich bei der Diskussion der beiden Gelehrten bisher stumm im Hintergrund gehalten hatte und nun ziemlich kleinlaut wirkte:
„Wollen sie Mister Edwards seine glänzende Zukunft vorenthalten, wenn er sich für sie entscheidet, Mr. Brown? Wollen sie wirklich dafür verantwortlich sein, dass Graham Edwards seinen einzigen Sohn enterbt, wenn ihm zu Ohren kommt, dass er ein bekennender Sodomit ist? Wollen sie ihn an seinem Glück hindern, einmal eine Ehefrau zu haben und mit ihr zusammen eine glückliche Familie zu haben?“
„Nein…Natürlich nicht, Herr Professor…“, murmelte Grayson leise und senkte bedrückt seinen Blick auf den Boden des Krankenflügels.
„Dann verstehen sie auch sicher, weshalb sich Mister Edwards zu einer solchen Therapie entschlossen hat, um seine sonderlichen Neigungen zu heilen…“, meinte Professor Hamilton dann und er klopfte dem Krankenpfleger flüchtig auf die Schulter.

„Seien sie nachsichtig und beenden sie besser ihr Verhältnis, das sie mit Mister Edwards pflegen…“, gab ihm Professor Hamilton noch einen letzten Rat, bevor dieser seinem Kollegen flüchtig zunickte und daraufhin in Richtung seines heißgeliebten Laboratoriums verschwand.
Immer noch mit zurückgehaltenen Tränen schniefte Grayson leicht und wischte sich mit dem Ärmel seiner Uniform über seine nassen Augen.
Flehend blickte er Professor Abernathy an und er bat diesen: „Bitte…Professor…kann ich zumindest einmal nach ihm sehen?“
„Aber natürlich, Grayson…“, entgegnete der Angesprochene dem blonden Krankenpfleger zu dessen Erleichterung und er lächelte ihn beruhigend an: „Ich teile keineswegs die antiquierten Ansichten meines werten Kollegen und ich bin definitiv auf eurer Seite…“

                            ***

Eine Stunde später saß Grayson immer noch an Harrys Krankenbett und hielt die größere Hand des Medizinstudenten fest umklammert.
Es war ihm in diesem Moment egal, dass ihn Schwester Margaret mit Sicherheit schon vermissen würde und ihm somit wieder einmal eine heftige Strafpredikt von der brummigen Oberschwester bevorstand.
Aber er musste den hochgewachsenen Adligen unbedingt fragen, ob er sich wirklich freiwillig für diese „Therapie“ entschieden hatte oder er sich doch von Professor Hamiltons Rede unter Druck hatte setzen lassen, seine widerwärtigen Neigungen zu unterdrücken.
Nach einer Weile flatterten Harrys Augenlider und er öffnete seine Augen, sodass Grayson in die faszinierenden grünen Augen des Studenten blicken konnte.
„Du bist ja wach…“, meinte der blondhaarige Krankenpfleger emotionslos und Harry strich sich unsicher mit seiner zittrigen Hand durch seine halblangen Locken.
Schließlich platzte all die aufgestaute Wut und Unverständnis über den heimlichen Verrat seines Geliebten aus Grayson heraus: „Du bist so ein verdammter Lügner, Harold George Edwards!“
„Noch vor wenigen Tagen gestehst du mir noch deine Liebe und dann machst du so etwas…“, schluchzte der blondhaarige Krankenpfleger auf und er schlug sich die Hände vors Gesicht, damit Harry seine Tränen nicht sehen konnte.
„Grayson…“, flüsterte der junge Student leise und er wollte nach der Hand des Krankenpflegers greifen. Dieser aber hatte sie dem festen Griff des Medizinstudenten schon entzogen und er verschränkte zornig die Arme vor seiner Brust.
„Es ist ja nicht so, dass ich dich nicht mehr liebe, Grayson…Aber…“, stammelte Harry leise und fummelte mit einer Hand an der blütenweißen Bettdecke herum.
„Aber…was ist es denn, Harry?“, wollte Grayson von seinem heimlichen Geliebten wissen.

Die Augen des künftigen Duke of Richmonds bohrten sich in Graysons blaue und er murmelte leise: „Ich kann das mit uns nicht mehr, Grayson…Es geht einfach nicht mehr…“
„Ist es etwa wegen Nicholas? Hast du wegen seiner Drohung so viel Angst, dass er unser Verhältnis an die Öffentlichkeit bringen könnte und er deinen Vater über uns in Bescheid setzen könnte?“
Harry schwieg nur und er wich Graysons Blick aus: „Nein, das ist es nicht…“
„Was ist es dann, Harry?“, rief der blondhaarige Krankenpfleger daraufhin: „Bin ich dir etwa nicht fein genug? Schämst du dich etwa, dass ich buchstäblich aus der Gosse stamme? Dass ich im Gegensatz zu dir nur ein ärmlicher Krankenpfleger bin und ich niemals so reich und gebildet wie du sein werde?“
Den letzten Satz hatte Grayson beinahe herausgeschrien, da er sich so gekränkt von dem widersprüchlichen Verhalten des Medizinstudenten fühlte.

„Nein…“, erwiderte Harry leise und er seufzte kurz auf, während er sich weiterhin an seiner weißen Bettdecke festklammerte, „Das ist es nicht…Du bist einfach wundervoll, Grayson…“
„Warum stößt du mich dann von dir, Harry?“, wollte Grayson von seinem heimlichen Geliebten wissen, welcher nun wie ein Häufchen Elend auf der schmalen Krankenliege in sich zusammensank und er traute sich kaum, Grayson in die Augen zu blicken.
„Weil du ein Mann bist, Grayson…“, murmelte er leise und dem blonden Krankenpfleger liefen bei diesem Satz sogleich die Tränen übers Gesicht.
„Wenn das so ist…“, entgegnete Grayson ihm tonlos und er meinte zu ihm: „Dann müssen sie sich wohl demnächst eine passende Braut suchen, damit sie die Erblinie ihres Herren Papas fortsetzen können, Mister Edwards…“

Mit diesen Worten knallte Grayson die Tür zum Krankensaal ins Schloss und er hastete den langen Gang des St. Thomas entlang, während ihm die bitteren Tränen nur so übers Gesicht strömten.

                                ***

Innerlich konnte Grayson über sich nur noch den Kopf schütteln…
Wie ein Häufchen Elend kauerte er draußen vor dem Hintereingang des St. Thomas im strömenden Regen unter dem Vordach herum und leerte mit großzügigen Schlucken den billigen Schnaps, welchen er sich heute an seinem einzigen freien Wochentag von seinem schmalen Wochengehalt als Krankenpfleger gekauft hatte.
Seitdem er die Wahrheit über Harrys Geheimnis mit Professor Abernathy herausgefunden hatte, war er dem Medizinstudenten partout aus dem Weg gegangen und hatte versucht, den Medizinstudenten mit den strahlend grünen Augen aus seinem Gedächtnis zu verbannen.
Was ihm jedoch bisher nur mäßig gelungen war…
Denn er vermisste den jungen Adeligen bei jedem Tag, welchen er ohne dessen Anwesenheit verbrachte, umso mehr…
Die Hintertür des Klinikums öffnete sich knarzend und Grayson zuckte zusammen, als er seine hübsche Kollegin plötzlich erkannte. Was musste sie nur über ihn denken?
Während die junge Krankenschwester sich neben den blonden Krankenpfleger stellte, musterte sie mit gerunzelter Stirn die noch halbleere Flasche in seiner Hand.
Grayson musterte seine Kollegin von der Seite und er musste aber in diesem Moment zugeben, dass Eleanor auch nicht gerade besser aussah…Ihr haselnussbraunes Haar floss anstatt in dem üblichen akkurat gerichteten Dutt ungekämmt um ihren Kopf und sie war blass. Zudem hatte sie tiefe Ringe unter den Augen.
Stumm hielt Grayson ihr die halbleere Schnapsflasche entgegen und er meinte: „Möchtest du auch einen Schluck?“
Zögerlich betrachtete die junge Krankenschwester das billige Gesöff in den Händen des Blonden, bevor sie rasch ihren Kopf schüttelte.
Bitter starrte sie die alte Backsteinmauer an und sie murmelte leise: „Ich wünschte, ich könnte in diesem Moment all meine Sorgen einfach wegtrinken…“
„Es ist nicht die beste Art, mit seinen Problemen umzugehen…“, entgegnete Grayson ihr und seufzte kurz, „Aber es lindert den Schmerz zumindest für einen kurzen Augenblick…“
Er sah, wie seine Kollegin plötzlich sehr blass ums Gesicht wurde und wie schwankte und vor Schwindel an der Außenmauer des St. Thomas abstützen musste.
Dann übergab sie sich keuchend in den Rinnstein der Straße.
„Hey Eleanor…“, meinte Grayson und kam schnell zu seiner Kollegin herüber. Er streichelte ihr beruhigend über den Rücken und er meinte in einem sanften Tonfall zu ihr: „Vielleicht solltest du dich doch einmal von Professor Abernathy untersuchen lassen, Eleanor… Vielleicht hast du dir doch einen Keim hier im Klinikum eingefangen…“
Zynisch lachte die Krankenschwester nun auf und sie sagte mit tränenden Augen: „Es ist..es ist nicht ansteckend, Grayson…“
„Wieso denn nicht? Was hast du denn, Eleanor?“, erkundigte sich der blondhaarige Krankenpfleger bei seiner Kollegin und plötzlich brach diese in lautes Schluchzen aus.
„Ich erwarte vielleicht ein Kind, Grayson…“, gab Eleanor nun preis und diese Offenbarung schockte ihren Kollegen zutiefst.
„Bitte was?“, stammelte Grayson und er war sichtlich überfordert mit der Situation. Da Eleanor immer weiter aufschluchzte, zog der Krankenpfleger sie schnell in eine warme Umarmung und dankbar schmiegte sich die hübsche Krankenschwester an ihn.
„Aber Eleanor…Du musst dich unbedingt jemanden aus dem St. Thomas anvertrauen!“, meinte Grayson dann zu ihr, „Die Leute aus dem Klinikum können dich bestimmt dabei unterstützen…Sie kennen sie doch mit dem Thema Geburt bestens aus…“
„Nein!“, rief die junge Krankenschwester aufgebracht und löste sich aus Graysons Umarmung, „Untersteh dich, auch nur irgendjemanden von dieser Sache zu erzählen! Besonders nicht Schwester Margaret…“

Mit einem entschlossenen Gesichtsausdruck wischte sich Eleanor die Tränen von den Wangen und sie verkündete: „Ich werde es weglassen machen…In East End gibt es einen Arzt, der angeblich solche Eingriffe heimlich durchführt…“
„Aber das ist doch illegal, Eleanor!“, entgegnete Grayson ihr aufgeregt und er packte seine Kollegin am Arm, „Du kannst doch nicht zu einem Engelmacher gehen!“
„Doch, das werde ich, Grayson…“, antwortete die hübsche Krankenschwester ihm, „Schwester Margaret würde mich sofort vor die Tür werfen, wenn sie erfahren würde, dass ich schwanger bin…“
Mit flehendem Blick griff Eleanor nach dem schmalen Handgelenk des blonden Krankenpflegers und sie schluchzte: „Bitte Grayson! Du musst mir helfen…Allein schaffe ich es nicht rechtzeitig, das benötigte Geld für diesen Arzt aufzutreiben…Er verlangt nämlich eine horrende Summe für diesen Abbruch…“
Grayson befand sich im Zwiespalt und er schluckte zunächst tief. Natürlich wollte er seiner Kollegin in dieser Misere beistehen, dennoch war ihm auch bewusst, dass auf illegale Schwangerschaftsabbrüche und Kindstötung hohe Strafen standen…
„Bist du dir wirklich sicher, Eleanor?“, fragte er deshalb noch einmal die hübsche Krankenschwester und diese nickte entschlossen mit dem Kopf, während immer noch dicke Tränen ihr Gesicht benetzten und sie nochmals aufschluchzte: „Bitte Grayson…Noch einmal stehe ich diese beschämende Prozedur nicht durch!“

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Heute kommt schon wieder ein neues Kapitel, denn ich bin derzeit irgendwie echt im Schreibflow...Hoffentlich bleibt mir diese Motivation noch lange erhalten...
Nun ist das Geheimnis um Harrys Gespräch mit Professor Abernathy gelüftet und auch Eleanor hat sich Grayson anvertraut...Eleanors Schwangerschaft wird die nächsten Kapitel noch für einiges an Drama sorgen.

Kurzer Side Fact: Engelmacher nannte man im 19./Anfang des 20. Jahrhunderts jene Menschen, welche illegale Schwangerschaftsabbrüche durchführten. Durch die mangelnde hygienische Versorgung sowie schlechte medizinische Kenntnisse  kam es oftmals zu schwerwiegenden Komplikationen und Folgeschäden der Frauen.
Da können wir uns heutzutage sehr glücklich darüber schätzen, dass jeder Frau das Recht in Deutschland zusteht frei über ihren Körper entscheiden zu dürfen! (Auch wenn natürlich ethische Aspekte einer Abtreibung jedem selbst überlassen und jeder eine eigene Meinung zu diesem Thema besitzt)
Aber ich möchte die medizinischen Verhältnisse zu dieser Zeit ja auch keineswegs beschönigen.
Ich hoffe euch hat das Kapitel gefallen & ich wünsche einen schönen Start ins Wochenende!
LG Laura
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