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In Sickness and in Health [1. Teil]

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Historisch / P18 / MaleSlash
30.01.2021
23.10.2021
35
89.786
24
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12.10.2021 2.340
 
Chapter 27:

Die nächsten Tage im St. Thomas Hospital waren für Grayson sehr anstrengend, denn immerzu wanderten seine Gedanken zu dem kleinen Oliver.
Würde es dem Jungen bei Mr. Smith denn gutgehen?
Natürlich konnte er sich nicht einfach eine Droschke rufen oder zu Fuß zu dem Haus des reichen Fabriken Besitzers in Belgravia gehen, um nach seinem Schützling zu sehen. Grayson nahm sich vor, demnächst einen Brief an die Adresse zu verfassen und sich nach Olivers Befinden zu erkundigen und machte sich dann wieder an seine von Schwester Margaret aufgetragene Tätigkeit.
Der blondhaarige Krankenpfleger wirkte dadurch, dass er sich während seiner Arbeitszeit immerzu auf den kleinen Oliver Twist konzentrierte, abgelenkt und natürlich hatte sich Grayson in den letzten Tagen über bereits diverse Ermahnungen und Rüppel von der brummigen Oberschwester eingehandelt.
Als sich Schwester Margaret ihm näherte, während er gerade dabei war die Bettdecken auf der Krankenstation im Ostflügel des Gebäudes aufzuschütteln, ahnte Grayson bereits Böses.
Jedoch hatte die Oberschwester ein viel anders Anliegen.
Sie legte dem Blonden eine Hand auf den Unterarm und wollte von ihm wissen: „Grayson, hast du vorhin deine Schwester gesehen?“
Nachdem der Angesprochene seufzend den Kopf geschüttelt hatte, runzelte die stämmig gebaute Oberschwester ihre Stirn und sie meinte: „Ich habe sie eben in Professor Abernathys Laboratorium geschickt…Sie sollte ihm ein paar Proben zur Untersuchung bringen…“
„Könntest du vielleicht kurz nach ihr sehen? Vielleicht hat sich auf den langen Fluren ja verlaufen…“
„Mhm…“, entgegnete Grayson und biss sich hastig auf die Unterlippe, „Das könnte eventuell sein…Charlie arbeitet ja noch nicht lange hier im St. Thomas, Schwester Margaret…“
„Dann schau bitte mal nach ihr“, befahl die brummige Oberschwester daraufhin dem blonden Krankenpfleger und Grayson machte sich sogleich auf den Weg.

„Wo könnte sich seine jüngere Schwester wohl rumtreiben?“, fragte sich der Blonde in Gedanken, während er die langen Flure des Klinikums entlangschritt und suchend nach seiner kleinen Schwester Ausschau hielt.
Als er auf den ersten Blick keine Person auf den Fluren entdeckte, welche auch nur ansatzweise nach seiner blond gelockten, schlanken Schwester aussah, wollte Grayson schon umkehren, bis er aus der hinteren Abstellkammer ein Geräusch vernahm.
Der blonde Krankenpfleger presste sein Ohr gegen die schwere Eichentür und er zuckte zusammen, als er Charlies glockenhelles Kichern sowie zu seinem Entsetzen auch eine tiefere Männerstimme aus der kleinen Kammer vernahm.
Nicholas Satz damals auf der Feier der Studentenverbindung schoss ihm in diesem Augenblick in den Kopf: „Ja kleines Helferlein…
Diese kleine Abstellkammer muss sich ja hervorragend für kleine Schäferstündchen eignen.“
In einem Ruck riss Grayson die Tür zu der schmalen Abstellkammer auf und er konnte seinen Augen kaum trauen. Durch die kleine Dachluke strömte wenig Licht in den Raum und aufgrund dieser Tatsache war es in dem kleinen Zimmer sehr dunkel.
Dennoch konnte der blondhaarige Krankenpfleger gewisse Konturen erkennen und das, was er da sah, gefiel ihm ganz und gar nicht.
Charlie stand eng an Kieran, Harrys irisch stämmigen Kommilitonen gepresst und wenn Grayson nicht hereingekommen wäre, dann hätten sich die Lippen der beiden wohl zu einem zärtlichen Kuss vereinigt.
Charlie und Kieran O’Connor blinzelten Charlies großen Bruder ebenso geschockt wie dieser selbst an und schienen nicht zu wissen, was sie jetzt am besten tun sollten.
„Ich fass es nicht!“, rief Grayson aufgebracht und stapfte sogleich in die Kammer, um sich wütend vor seiner kleinen Schwester aufzubauen. Kieran O’Connor nahm sogleich seine Hände von Charlies schmaler Taille und er richtete sich seufzend sein graues Jackett.
Er strich sich unsicher durch seine rotblonden Strähnen und er stotterte leicht, während er in braunes Leder gebundenes Buch in die Höhe hielt: „Ich..ich wollte Charlotte nur das vorbeibringen…“
„Ja genau!“, unterbrach Grayson das hilflose Gestammel des Iren, „Auf diese Ausrede falle ich nicht noch einmal herein, Mr. O’Connor.“
„Grayson…Ich weiß, was du jetzt über mich denken magst, aber…“
Jedoch unterbrach der blondhaarige Krankenpfleger den Studenten wüst: „Das ist jetzt nicht so wie aussieht? Oh bitte, komm mir jetzt nicht damit, Kieran!“
„Grayson, lass es doch gut sein!“, versuchte Charlie ihren beschützenden, älteren Bruder zur Vernunft zu bringen und zu beruhigen, aber Grayson ignorierte sie einfach.
„Sie ist sechzehn Jahre alt! Sie ist viel zu jung und unschuldig, um sich von einem von euch reichen und hochnäsigen Studenten ausnützen zu lassen!“, redete sich der Krankenpfleger in Rage und er packte seine kleine Schwester am Unterarm, um sie aus Kierans Reichweite zu ziehen.
„Au! Lass mich, Grayson!“, protestierte Charlie, jedoch wirkte ihr großer Bruder in dieser Sekunde fuchsteufelswild und solch ein Verhalten war sie von ihrem älteren Bruder überhaupt gar nicht gewohnt.
Als sie einen Blick in das ernste Gesicht von Grayson warf, schluckte sie und ließ sich schließlich von ihm wie ein ungezogenes Kind aus der kleinen Abstellkammer zerren.
„Aua! Du tust mir weh, Grayson…“, beschwerte sie sich, als sie sich hilflos von ihrem großen Bruder mitziehen lassen musste.
„Charlotte, ich…“, hörten sie noch Kierans flehende Stimme aus dieser, jedoch schnitt ihm Grayson rüde das Wort ab: „Und du wechselt gefälligst kein Wort mehr mit ihr! Sonst bin ich gezwungen, diesen Vorfall Schwester Margaret zu melden!"

Mit diesen Worten knallte Grayson die Tür zur kleinen Abstellkammer hinter ihnen zu und als die Geschwister Brown wieder auf dem menschenleeren Gang standen, drehte sich Charlie mit einem ebenso wütenden und aufgebrachten Gesichtsausdruck zu ihrem älteren Bruder um.
„Was sollte das denn eben, Grayson!“, echauffierte sich Charlie und sie stierte ihn zornig an: „Kieran hat doch gar nichts gemacht!“
„Noch nicht…“, antwortete der Krankenpfleger grimmig und er meinte fragend in Richtung seiner kleinen Schwester, „Möchtest du etwa als gefallenes Mädchen enden, Charlie?“
„Nein… natürlich nicht, Grayson…“, gab Charlie kleinlaut zu und sie fummelte an ihren langen, blonden Locken herum, um ihrem Bruder nicht in die Augen sehen zu müssen.
„Eben…Diese reichen Studenten sind doch lediglich auf ihr eigenes Wohl bedacht…Das Schicksal von uns armen Leuten ist ihnen doch komplett egal…“
„Kieran ist aber nicht so, Grayson…“, widersprach Charlie ihrem großen Bruder, „Er kennt auch die andere Seite…“
„Ach, ist das so?“, fragte Grayson und hob eine Augenbraue in die Höhe.
Seine um vier Jahre jüngere Schwester nickte eifrig: „Ja, seine leibliche Mutter war eine Varieté Künstlerin in Whitechapel…Nachdem sie verstorben war, hatte sich sein Vater ihm angenommen und hatte ihn daraufhin zu sich nach Irland geholt…Dort ist er als neben seinem Halbbruder sowie seiner Stiefmutter aufgewachsen…Kieran ist keineswegs wie der arrogante Nicholas Brentwood, welcher sich für etwas Besseres als wir hält…“
Grayson verschränkte die Arme vor der Brust: „Ach ja, und wie ich sehe, hast du dir bereits eine Bilderbuch Zukunft mit Kieran O’Connor ausgemalt, Charlie?
Charlies Lippen hatten sich schon zu einer schmalen Linie gepresst und sie rollte trotzig mit den Augen, als sie ihren Bruder wütend anstarrte.
„Was ist denn, wenn sein großer Bruder, der Erstgeborene Sohn seines Vaters plötzlich verstirbt? Dann tritt Kieran an seine Nachfolge… Und ich kann dir jetzt schon mal garantieren, dass selbst für einen Baron des irischen Landadels ein ärmliches, elternloses Mädchen aus East End keine geeignete Schwiegertochter ist!“
„Du bist so gemein, Grayson!“, schrie Charlie nun aufgebracht und sie stapfte zur Unterstreichung ihrer Worte mit einem Fuß auf den Boden.
„Du gönnst mir gar kein winziges bisschen Glück, Grayson!“
Der blondhaarige Krankenpfleger seufzte leicht: „Ich möchte dich doch nur beschützen, kleine Nervensäge…“
„Das ist mir egal! Du wirst mich nicht abhalten Kieran weiterhin zu sehen!“, entgegnete Charlie und schniefte leicht, während sie sich mit dem Ärmel des grauen Krankenschwestern Kleides über die Augen fuhr.
„Charlie, ich…“, versuchte Grayson es nun auf die verständnisvolle Art und er wollte nach dem Ärmel von Charlies Uniform greifen, als sich diese auf einmal von ihm losriss und weinend den Gang in Richtung der Schlafräume stolperte.
„Charlie, warte!“, rief der Krankenpfleger ihr noch, aber da war seine kleine Schwester schon verschwunden. Grayson fuhr sich mit einer Hand über seine angespannte und gestresste Stirn…
Vielleicht würde er Eleanor Bescheid geben, dass sie später einmal nach Charlie sehen sollte, sobald sie sich von ihrem Wutanfall beruhigt hatte, und hoffentlich würde seine kleine Schwester dann vernünftig sein und einsehen, dass ihre Verliebtheit in Kieran O’Connor keine Zukunft hatte…
Grayson wollte doch auch nur ihr Bestes und er wollte auf keinen Fall, dass seine jüngere Schwester als ledige Mutter auf dem Strich in Whitechapel ihr Täglich Brot verdienen musste…
Irgendwann würde er ihr für den heutigen Tag und sein Handeln dankbar sein…

                                   ***
Kieran O’Connor, Harrys bester Freund, hatte sich die Drohung des blonden Krankenpflegers wohl sehr zu Herzen genommen und war seitdem nicht mehr auf der Krankenstation aufgetaucht.
Auch bei den wenigen Malen, als die Medizinstudenten Professor Hamilton oder Professor Abernathy bei ihrer täglichen Visite ihrer Patienten begleiteten, hatte sich der rotblonde Ire kaum getraut, Graysons Schwester anzusprechen oder auch nur einen Blick in ihre Richtung zu werfen.
Natürlich würde Charlie ihm sein Verhalten noch lange übelnehmen, aber Grayson wusste, dass es mit großer Wahrscheinlichkeit besser war.
Charlotte war noch sehr jung und hatte vor wenigen Monaten das sechzehnte Lebensalter erreicht. Sie würde sich noch oftmals neu verlieben und als großer Bruder wollte Grayson sie jedoch vor einem größeren Herzschmerz bewahren.
Und dieser würde auf jeden Fall eine logische Konsequenz auf ihre kleine Romanze mit dem unehelichen Sohn eines irischen Landadeligen sein, denn leider Gottes würde Charlie niemals ihre minderwertige Herkunft vor der hohen Gesellschaft verbergen können.
Charlie wirkte jedoch immer noch wuterbrannt über die Tatsache, dass ihr großer sie in der kleinen Abstellkammer in Anwesenheit von Kieran O’Connor erwischt hatte und sie schmollte weiterhin. Ebenso weigerte sie sich beharrlich, auch nur ein Wort mit ihrem großen Bruder zu wechseln.
Eleanor hatte schon mehrfach versucht zwischen dem Geschwisterpaar zu vermitteln, aber es hatte nichts gebracht.
Grayson seufzte leise und faltete daraufhin weiterhin die sauberen, frisch aus der Wäscherei kommenden Bettlaken zusammen, da Schwester Margaret ihm und seiner Kollegin aufgetragen hatte, die Betten im östlichen Krankenflügel  neu zu beziehen.
Auch hatte die brummige Oberschwester ihnen gesagt, dass sie sich um die vollen Bettpfannen kümmern sollten und diese leeren sowie sauber machen sollten. Aber da Liam wieder im St. Thomas weilte und er auch nach einem langen Gespräch mit Schwester Margaret und den beiden Professoren seine Stelle wiederbekommen hatte, würden sie sich die drei diese lästige Arbeit wie üblich teilen.
Grayson war gerade dabei, die dreckigen Laken, welche er und Eleanor gerade von den benutzten Betten abgezogen hatten, in einem Korb zu werfen, als seine Kollegin plötzlich grün im Gesicht wurde.
„Eleanor, geht es dir etwa nicht g…“, begann der blonde Krankenpfleger, bevor seine hübsche Kollegin hektisch nach einer der bereits geleerten Nachtschüsseln griff und sich geräuschvoll in diese übergab.
Grayson beobachtete besorgt, wie die junge Frau ihren spärlichen Mageninhalt in die Schüssel leerte und er stand für einen kurzen Moment vollkommen hilflos dar. Er wusste nicht genau, was er tun sollte und wie er seiner Arbeitskollegin helfen konnte.
„Alles in Ordnung, Eleanor?“, fragte er schließlich und er legte der Krankenschwester unterstützend eine Hand auf die Schulter, als diese sich hilfesuchend an dem eisernen Gestell des Krankenbettes festklammerte und sich auf diesem abstützte.
Sie wischte sich mit dem Ärmel ihrer Krankenschwester Uniform über die schweißnasse Stirn und sie atmete für einen Augenblick tief durch.
„Ist dir etwa schwindlig?“, wollte Grayson beunruhigt von Eleanor wissen, welche nun reichlich blass um die Nase wirkte, sodass ihre Sommersprossen noch mehr in Gegensatz zu der leichenblassen Haut mehr zur Geltung kamen. Dunkle Ringe lagen unter ihren Augen und Schweißperlen standen auf ihrer Stirn.
Der blondhaarige Krankenpfleger reichte er stumm einen sauberen Lappen und sie nahm ihn dankend entgegen, damit sie sich ihren Mund abwischen konnte.
„Hast du etwa Fieber?“, meinte Grayson dann und sanft legte er eine Hand auf ihre Stirn, um ihre Körpertemperatur zu überprüfen.
„Es ist wirklich nichts…“, entgegnete Eleanor mahnend und beinahe grob schubste sie die Hand ihres Kollegen beiseite und stemmte sich daraufhin wieder von der Bettkante hoch.
„Tut mir leid…“, flüsterte Grayson und er knetete das Bettlaken, welches er noch in der Hand hielt.
„Mir geht es gut, Grayson“, beschwichtigte Eleanor sogleich die Besorgnis ihres Arbeitskollegen und sie lächelte den blondhaarigen Krankenpfleger mit ihrem gewohnt beruhigenden Lächeln an: „Danke, dass du dich Sorgen um dich machst, Grayson…Aber es ist wirklich nichts…“

Eleanor wurde durch das plötzliche Auftauchen von Schwester Margaret unterbrochen und die stämmige Oberschwester kam sogleich zu den beiden herüber.
Die brummige Oberschwester wirkte ein wenig gehetzt und sie sagte: „Eleanor…Grayson…Ich brauche jetzt dringend einen von euch…“
Mit ihrem geübt stechenden Blick wanderte ihr Blick durch den Raum und sie meinte: „Wieso seid ihr denn noch nicht fertig mit der Arbeit? Die benutzten Bettlaken sind noch nicht einmal alle abgezogen…“
Dann fiel ihr Blick auf die Schüssel mit dem Erbrochenen und wollte von ihren beiden Angestellten wissen: „Wer war das denn?“
Als Eleanor und Grayson einen stummen Blick wechselten und der blonde Krankenpfleger seine Kollegin auch nicht einfach so an ihre Vorgesetzte verpfeifen wollte, schwiegen beide einfaches halber.
Schwester Margaret seufzte leise und ihr Gesichtsausdruck: „Da hoffe ich mal, dass hier bald keine ansteckende Krankheit umgeht… Eine Pestilenz hat uns hier gerade noch gefehlt…“
Die brummige Oberschwester stemmte einen Arm in ihre füllige Hüfte und sie winkte Grayson daraufhin zu sich: „Komm mit, Grayson…Ich brauche jetzt deine Hilfe…“
„Einer der Studenten ist einfach so mitten unter Professor Hamiltons Vorlesung zusammengeklappt…Er liegt jetzt im Krankensaal, aber die beiden Professoren wissen leider auch noch nichts…“
Der blonde Krankenpfleger blieb abrupt stehen und seine Augen weiteten sich geschockt. Dann fing er sich aber schnell wieder und er schluckte tief.
„Um wem handelt es sich denn, Schwester Margaret?“, fragte er sie und die stämmig gebaute Oberschwester gab dem Krankenpfleger Auskunft:
„Um Mister Edwards…“

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Was wird wohl mit Harry sein? Die nächsten folgenden Kapitel werden noch einmal dramatisch & auch ein wenig blutig werden...Und es wird einen großen Konflikt zwischen Grayson, Harry und Eleanor geben...
Ich bin gespannt auf eure Vermutungen :)
Heute hab ich nichts anderes mehr zu sagen, außer dass ich mich insbesondere über Reviews sehr freuen werden :))
LG Laura
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