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In Sickness and in Health [1. Teil]

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Historisch / P18 / MaleSlash
30.01.2021
23.10.2021
35
89.786
24
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Dieses Kapitel
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10.10.2021 3.368
 
Chapter 26:

Endlich war der langersehnte (und wahrscheinlich von Grayson meistgefürchtete) Tag gekommen.
Heute war der Tag, an welchem der kleine Oliver aus der Obhut des St. Thomas entlassen werden würde und Grayson war heute mehr als nervös.
Denn Annabeth Smith und Liam hatten ebenfalls angeboten, dass sie den kleinen ehemaligen Waisenjungen bis zur Türschwelle des reichen Fabrikanten begleiten würden und Grayson war keineswegs überzeugt, dass dies eine gute Idee sein würde.
Der blonde Krankenpfleger wusste nicht, wie Ernest Smith wohl reagieren würde, wenn seine geliebte Tochter, die vor wenigen Wochen mit einem ärmlichen Krankenpfleger durchgebrannt war, plötzlich wieder vor seiner Tür stehen würde.
Und ob der griesgrämige Mr. Smith überhaupt wieder froh sein würde, dass Annabeth zusammen mit ihrem Nun- Ehemann wieder in London weilte.
Grayson seufzte nur und er warf einen unsicheren Blick in Harrys Richtung, welcher ihm ein beruhigendes Lächeln schenkte. Der Medizinstudent schaffte es immer, ihn runterzubringen und seine Nervosität zu mindern, wofür ihm Grayson mehr als dankbar war.
Der hochgewachsene Adelige hatte zusammen mit seiner älteren Schwester Gwendolyn angeboten, dass sie den kleinen Oliver zu seinem leiblichen Erzeuger begleiten würden.
Der reiche Fabriken Besitzer hatte selbstverständlich auch angeboten, dass sein Butler in Begleitung mit der von ihn engagierten Nanny seinen unehelich geborenen Sohn abholen könnte, jedoch hatte die Belegschaft des St. Thomas jenen Vorschlag dankend abgelehnt.
Denn sowohl Grayson und Eleanor als auch Schwester Margaret hatten wenig Lust sich nochmals mit diesem arroganten Pinguin auseinandersetzen müssen, welcher sich aufgrund seiner hohen Stellung in Mr. Smiths Haushalt sehr wohl für etwas Besseres hielt.
Der kleine Oliver wurde gerade von Graysons Kollegin mit dem weiß- blauen Marineanzug angezogen, welche der arrogante Mr. Crawley letzte Woche verpackt in einem kleinen Paket im St. Thomas Hospital vorbeigebracht hatte. Währenddessen Oliver in das für ihn ungewohnt teure Gewand schlüpfte, unterhielten sich Professor Hamilton und Professor Abernathy weiterhin über den reichen Mr. Smith und das weitere Schicksal des Waisenjungen.
Der arrogant wirkende Professor Hamilton putzte sich mit dem Ärmel seines weißen Kittels sein Monokel und er seufzte: „Ich bin mir nicht sicher, wie Ernest Smith auf das plötzliche Auftauchen seiner einzigen Tochter reagieren wird…“
„Ich bin überzeugt, dass sich Mr. Smith sehr darüber freuen wird, dass sein Kind wieder wohlbehalten aufgetaucht ist…“, antwortete Professor Abernathy und warf einen aufmunternden Blick in Olivers Richtung, welcher nun fertig angezogen war und sich in der förmlichen, teuren Kleidung sichtlich unwohl fühlte.
„Wenn sie wohl der Meinung sind, dass Ernest Smith wohl Luftsprünge machen wird, wenn er erfährt, dass seine Tochter mit einem armen Krankenpfleger des St. Thomas verheiratet ist…“, erwiderte Professor Hamilton mit einem leicht missbilligenden Ton in seiner Stimme, denn natürlich hieß er das Verhalten von Annabeth und Liam ebenfalls nicht gut.
„Nun gut…“, meinte Professor Hamilton dann und er betrachtete den kleinen Waisenjungen, dessen hellblondes Haar nun noch von Eleanor gekämmt worden war, sodass es in einem ordentlichen Scheitel glatt auf seinem Kopf lag.
„Unter Mr. Smiths Obhut stehen Oliver wohl weit mehr Chancen und Möglichkeiten offen, als wenn er weiterhin im Foundling Hospital unter Miss Walkers Aufsicht geblieben wäre…“
Professor Abernathy nickte seinem Kollegen zustimmend zu und auch Grayson dachte sich in Gedanken, dass es wohl ein Wink des Schicksals gewesen war, dass die Leiterin des Londoner Waisenhauses den unterernährten Jungen einfach so im St. Thomas zurückgelassen hatte, ohne sich groß um Olivers weiteres Schicksal zu kümmern.
Professor Abernathy hatte ihr zwar einen Brief geschrieben, jedoch hatte Amanda Walker niemals auf diesen Brief geantwortet und hatte ihren Schützling auch seit dem Tag, an welchem sie ihn wie ein unliebsames Paket im St. Thomas abgegeben hatte, niemals besucht.
Für die hohen Arztkosten, welche durchs Olivers Pflege sowie die lebensnotwendige Notoperation war schließlich Ernest Smith aufgekommen.
Grayson dachte sich in Gedanken, dass dieses Verhalten zwar sehr anständig von dem reichen Industriellen gewesen war, für die Arztkosten des ehemaligen Waisenjungen zu zahlen.
Aber das, was Oliver zu jenem Zeitpunkt am dringendsten benötigte, waren Liebe und Zuneigung…Und der blondhaarige Krankenpfleger war sich nicht sicher, ob der vielzeit beschäftigte Fabriken Besitzer ihm dies geben konnte.
Der Zeit des endgültigen Abschieds war gekommen und der schmächtige Junge wurde von allen Angestellten des Klinikums noch einmal herzlich gedrückt und in eine kurze Umarmung gezogen.
Grayson sah aus seinen Augenwinkeln, dass sich sowohl Eleanor als auch seine kleine Schwester ein paar Tränen verdrücken mussten, als sie endlich von Oliver abließen. Er bemerkte, dass Harrys Kommilitone dabei näher an Charlie herangerutscht war und Anstalten machte, die frischgebackene Krankenschwester in den Arm zu nehmen, um sie zu trösten.
Als sich Grayson jedoch laut räusperte, zuckte Kieran O’Connor sogleich zurück und rückte sogar ein Stück von Graysons kleiner Schwester ab. Charlie im Gegenzug rollte in Richtung ihres älteren, beschützenden Bruders mit den Augen und verschränkte daraufhin leicht trotzig die Arme vor ihrer Brust.
Auch Schwester Margaret machte sich nun im nächsten Moment daran, sich von ihrem Schützling zu verabschieden und obwohl die stämmig gebaute Oberschwester immer sehr taff wirkte, sah Grayson, dass auch ihr der Abschied von dem kleinen Waisenjungen an die Substanz ging und Schwester Margaret doch nicht ganz kalt ließ.
„Professor…“, sagte auf einmal der Portier der Eingangshalle, welcher nun in der Tür der Kinder Krankenstation des St. Thomas erschienen war und er setzte die Anwesenden darüber in Kenntnis: „Die von ihnen bestellte Kutsche ist angekommen…“
„Dann machen wir uns mal besser auf den Weg…Wir wollen ja Mr. Smith sicherlich nicht warten lassen…“, meinte Gwendolyn Edwards dann und sie lächelte Oliver aufmunternd an, welcher sich vertrauensvoll an Graysons Seite schmiegte und nach dessen Hand gegriffen hatte.
„Ja, das wollen wir ja nicht…Dann machen wir uns mal besser auf den Weg…“, stimmte Harry seiner älteren Schwester zu und Grayson nahm derweilen den kleinen Waisenjungen auf den Arm.
Im Anschluss machten sich die Anwesenden auf den Weg zur großen Eingangshalle des Klinikums.

                            ***

Eine Stunde später saßen Grayson und Oliver in Begleitung von Harry und Gwendolyn sowie Annabeth, Olivers Halbschwester und ihrem frisch gebackenen Ehemann Liam in der von Professor Hamilton bestellten Kutsche und warteten darauf, dass sie endlich in Belgravia ankommen würden.
Grayson, auf dessen Schoß der kleine Oliver saß, bemerkte, wie Mr. Smiths Sohn merklich zitterte und in sanften Kreisen fuhr er dem kleinen Jungen über den schmalen Rücken: „Es wird schon alles gut werden, Oliver…Du wirst schon sehen, dass es dir bei Mr. Smith sehr gut gehen wird…“
„Er wird sich bestimmt gut um dich kümmern…“, ergänzte Harry noch, da auch er im Sinn hatte den kleinen Waisenjungen zu trösten und ihn zumindest einen winzigen Teil seiner Angst und Aufregung zu nehmen.
Annabeth Smith hingegen starrte nur abweisend aus dem Fenster der kleinen Kutsche und wirkte in ihren eigenen Gedanken versunken, sodass sie nicht einmal großartig wahrgenommen hatte, wie Liam ihr einen Arm um ihre schmalen Schultern gelegt hatte.
„Hast du etwa Angst, wie dein Vater reagieren wird, Annie?“, fragte Liam seine Ehefrau, aber diese nickte nur leicht und wirkte weiterhin ein wenig teilnahmslos.
Die Anwesenden in der Kutsche schluckten allesamt, als die Droschke laut klappernd stehen blieb und der Kutscher seine Pferde zum Stehen bleiben animierte.

Alle stiegen aus und Grayson, an dessen Hand sich der kleine Oliver schützend klammerte, betrachtete staunend und mit großen Augen das imposante Wohngebäude, welches er vor sich erblickte.
Er hatte ja schon gewusst, dass Ernest Smith äußerst wohlhabend war und zahlreiche Fabriken sowohl in London als auch in anderen englischen Städten besaß, aber dass er sich ein solch großes Haus mitten in einem von Londons teuersten und wohlhabendsten Viertel Belgravia leisten konnte, war Grayson dann doch erstaunt.
Harry hatte schon den Türklopfer der imposanten Eingangstür des ehrwürdigen Hauses geklopft und als hätte bereits ein Angestellter hinter der Tür auf die angekündigten Besucher geantwortet, öffnete sich innerhalb weniger Sekunden diese.
In der Tür stand der arrogante Mr. Crawley und er war wie üblich mit der edlen Uniform eines Butlers bekleidet.
„Guten Tag…“, begrüßte er die Angestellten des St. Thomas sowie Harry und sein ältere Schwester aus kühlen Augen und er fügte noch leicht pikiert zu: „Sie sind zu spät….Mister Smith hatte sie schon längst erwartet…“
„Sie wissen ja…Der Londoner Stadtverkehr ist nicht zu unterschätzen…“, antwortete Harry dem arroganten Pinguin mit seinem gewohnt charmanten Lächeln und dieser starrte den hochgewachsenen Mann noch einmal leicht genervt an, bevor er sich wieder fasste und die Besucher wie gewohnt höflich hereinbat.
„Wenn sie mir wohl folgen würden…“, gab Mr. Crawley die Anweisung, dass sie ihm ins Innere des Hauses folgen sollten und sogleich kamen mehrere Stubenmädchen heran, um ihnen ihre Jacken und Mäntel abzunehmen.

Da sich Annabeth Smith bisher hinter Liams breitem Rücken versteckt gehalten hatte, hatte der Butler die Tochter seines Arbeitgebers bisher noch nicht erkannt. Als sich diese hinter ihrem Ehemann vorbeischob und Mr. Crawley endlich einen Blick auf diese werfen konnte, erstarrte der Butler urplötzlich.
Der ältere Mann blinzelte leicht, als würde er seinen Augen nicht trauen, und er musterte Annabeth Smith leicht ungläubig: „Sind sie…sind sie es Miss Smith?“
„Ja, Crawley…Ich bin es…“, entgegnete Annabeth Smith dem Angestellten ihres Vaters mit leiser Stimme und dieser wirkte noch immer so, als könnte er es gar nicht glauben, dass die junge Frau, welche mit einem armen Krankenpfleger aus dem St. Thomas durchgebrannt war, urplötzlich wieder zurück in London war.
„Crawley!“, ertönte nun die donnernde Stimme von Ernest Smith vom oberen Treppenabsatz und bei der lauten Stimme des Fabriken Besitzers zuckte der kleine Oliver sogleich zusammen.
„Alles gut, Kleiner…“, flüsterte Grayson ihm beruhigend zu und streichelte Mr. Smiths unehelichen Sohn sanft über den blonden Haarschopf.
„Sie sind reichlich spät!“, merkte Ernest Smith an und er kam laut polternd die hohe Treppe herunter gestolpert und sein dicker Bauch dabei mitwippte. Er wollte gerade an eine missbilligende Bemerkung in Richtung von Grayson und der anderen machen, als sich seine Augen vor Schreck und Unglauben weiteten und er sichtlich schluckte: „Annie…Bist du das etwa?“
Die Wangen des reichen Industriellen wirkten vom Alkohol gerötet und zu Graysons Verwunderung fingen die Augen von Mr. Smith auf einmal zu glänzen an, als würde der sonst so rüde Mann plötzlich vor Freude zu weinen anfangen.
Ungläubig beobachten Harry, Grayson und Gwendolyn, wie der beleibte Mann auf seine zierliche Tochter herankam und diese plötzlich in seine Arme riss: „Ich habe dich so vermisst!“
„Ich dich auch Vater…“, murmelte Annabeth Smith leise und erwiderte überrascht die warme Umarmung ihres reichen Vaters, welcher wohl einfach nur erleichtert darüber wirkte, dass seine Tochter wieder wohl behalten in London zurück war.

                            ***

Nachdem sich Annabeth Smith und ihr Vater für gefühlt eine halbe Ewigkeit in den Armen gehalten hatten, war nun schließlich der endgültige Abschied von Oliver und den Angestellten des St. Thomas gekommen.
Grayson blutete es zwar das Herz, dass er den ehemaligen Waisenjungen hier unter Mr. Smiths Obhut zurücklassen musste, aber ihm war auch klar, dass ein Kleinkind im St. Thomas nichts zu suchen hatte. Er und Eleanor hatten im Klinikum weitaus zu viel zu tun, um sich zusätzlich auch noch um den kleinen Oliver kümmern zu können.
Er kniete sich nun leicht zu dem zierlich gebauten Jungen hinunter und er zog den kleinen noch einmal in eine warme Umarmung.
„Mach’s gut, Kleiner…“, flüsterte Grayson erstickt und er versuchte mit aller Kraft die aufsteigenden Tränen in seinen Augen zurückzuhalten.
Auch dem kleinen Oliver Twist liefen bereits die Tränen übers Gesicht und er klammerte sich mit seinen kleinen Händen an dem Hals des blonden Krankenpflegers fest: „Bitte geh nicht, Grayson!“
„Es muss aber sein, Oliver…“, antwortete der blondhaarige Krankenpfleger ernst und strich dem Jungen noch einmal durch die blonden Haare, bevor er ihn aus seinen Armen entließ und in die Obhut von der Nanny Wilcox übergab.
Die mollige Frau mit den rosigen Wangen lächelte den kleinen Oliver herzlich an und meinte mit vergnügten Augen: „Dir wird es hier sicher gefallen, Kleiner…Dafür werde ich schon sorgen…“
Grayson war gewissermaßen erleichtert, dass die freundlich wirkende Nanny von nun an wohl hauptsächlich für Olivers Erziehung verantwortlich sein würde, dennoch fiel ihm der Abschied von dem kleinen Waisenjungen sichtlich schwer und auch er musste sich ein paar Tränchen verkneifen.
„Ich wünsche Ihnen dann noch eine gute Heimfahrt…“, verabschiedete sich Mr. Crawley mit einem einstudierten, falschen Lächeln von den Besuchern und er hielt Grayson und den anderen die große Eingangstür auf.

„Tut mir leid…Ich muss hier aus…“, brachte der blonde Krankenpfleger hervor und er krächzte: „Ich benötigte einen kurzen Moment für mich…alleine…“
Denn er wusste, dass er umdrehen und sich den kleinen Oliver einfach schnappen und wieder ins St. Thomas mitnehmen würde, wenn er den Kleinen weiterhin im Arm halten und in seine hellblauen Augen, welche ihn traurig anstarrten, schauen würde.
Mit diesen Worten stürmte er aus dem ehrwürdigen Haus und ohne auf seine weitere Umgebung zu achten, stolperte er den Gehweg entlang.
„Grayson, warte!“, hörte der blondhaarige Krankenpfleger die besorgt wirkende Stimme von Harry und er blieb schließlich stehen, als er die warmen Hände des Medizinstudenten spürte, welche sich unterstützend um seine Taille schlangen.
„Du bist ja total durchnässt, Grayson!“, sagte der künftige Duke of Richmond anklingend und erst zu diesem Moment merkte der Blondhaarige erst, dass es wie aus Strömen regnete.
Grayson drehte sich wortlos um und er vergrub sein Gesicht an Harrys warmer Halsbeuge.
„Komm…“, meinte der Adelige mitfühlend und er streichelte sanft über die nassen Strähnen des Blondhaarigen: „Du musst unbedingt ins Warme…Sonst ziehst du dir noch eine Lungenentzündung zu…“
„Meine Wohnung befindet sich ganz hier in der Nähe…“, vernahm Grayson auch die Stimme von Harrys Schwester neben sich und sie fügte noch hinzu: „Da können wir uns aufwärmen…Bevor wir ins St. Thomas zurückkehren…“
Grayson nickte leicht und er ließ sich von den Edwards Geschwistern zu der bestellten Droschke führen.


                             ***

Kaum eine Stunde später lag Grayson in Harrys Armen in einem mit warmem Wasser und duftendem Rosenblütenöl gefüllten Badewanne und der Krankenpfleger seufzte genießerisch auf.
Nachdem die drei an Gwendolyn Edwards Wohnung angekommen waren, welcher der Vater der Geschwister Edwards für sein liebes Töchterlein angemietet hatte, hatte sich ein Hausmädchen sogleich auf Anweisung von Harrys Schwester daran gemacht, Wasser für ein warmes Bad auf dem gusseisernen Ofen der Küche aufzuwärmen.
Im Anschluss daran hatte sich Gwendolyn mit einem verschwörerischen Zwinkern von den beiden jungen Männern verabschiedet und hatte sich stattdessen in ihr Schlafgemach zurückgezogen und die beiden allein gelassen.
Harry hatte schließlich den noch immer völlig apathisch und aufgelöst wirkenden Grayson aus seiner durchnässten Krankenpfleger Uniform des St. Thomas geholfen und ihn sobald das Badewasser eingelassen worden war, in die Wanne gescheut.
Als der Blondhaarige nach einer Weile seine Hände suchend nach dem Adeligen ausgestreckt hatte, hatte sich Harry seines Anzugshemdes, der ledernen Hosenträger sowie seiner Hose und seiner Schuhe entledigt und war ebenfalls zu seinem Geliebten in die Wanne gestiegen.
„Harry…“, begann Grayson leise, nachdem die beiden Männer zunächst still schweigend zusammen in dem warmen Badewasser gelegen hatten und ihre vom Regen durchgefrorene Körper gewärmt hatten.
„Was ist denn, Grayson?“, fragte der Medizinstudent ihn und der Blondhaarige drehte seinen Kopf leicht, damit er Harry ins Gesicht blicken konnte.
„Danke, dass du heute dagewesen bist… Ich hatte nicht gedacht, dass mir der Abschied von Oliver so schwer fallen würde…“
„Keine Ursache, Grayson…“, erwiderte Harry ihm und er strich sanft über den dunkelblonden Haarschopf des Krankenpflegers.
„Weiß deine Schwester eigentlich etwa von uns?“, wollte Grayson wissen und Harry lächelte leicht ertappt, bevor er dem Krankenpfleger erklärte: „Ja, ich habe es ihr einigen Wochen gestanden…Obwohl Gwen es ohnehin bereits lange vermutet hatte, dass ich mich in dich verliebt habe, Grayson.“
„Wirklich?“
„Natürlich…Was denkst du denn, Grayson?“, erwiderte er und er lächelte, sodass die hinreißenden Grübchen an seiner Wange erschienen.
Der junge Adelige presste einen zärtlichen Kuss auf Graysons nackte Schulter. Mit einem besorgten Medizinerblick betrachtete er die knochige Schulter des schmächtigen Mannes und er fragte sich in Gedanken, ob sein heimlicher Geliebter im St. Thomas wohl genug zu essen bekam.
„Auch wenn mein Vater von mir möchte, dass ich mir eine Frau nehme und die Erblinie der of Richmonds weitersetze…“
„Mhm… Das ist wohl das, was die Gesellschaft von einem Mann deiner Position erwartet…“, fügte Grayson missgünstig klingend hinzu und er verzog seinen Mund zu seiner Grimasse.
„…Weiß ich, dass ich den Rest meines Lebens mit dir verbringen möchte, Grayson…“, versicherte Harry dem blonden Krankenpfleger und er griff nach Graysons schmaler Hand, um diese miteinander zu verschränken.
Der Blondhaarige betrachtete seufzend ihre verschränkten Hände und bemerkte, wie viel größer eigentlich die Hand des jungen Adeligen war und wie seine kleinere Hand beinahe in dieser versank.
Auch äußerlich unterschieden sich die beiden Hände sehr voneinander.
Während Graysons aufgrund seiner rauen Kindheit in East End sowie der harten Arbeit im St. Thomas von Narben, Kratzern und Schwielen geplagt war, war die Hand des wohlhabenden Studenten makellos weiß.
„Wie sollte ihre Verbindung überhaupt funktionieren?“, fragte sich in Grayson in Gedanken und dachte sich, „Wir beide sind doch so unterschiedlich…Wir stammen aus komplett unterschiedlichen Gesellschaftsschichten…“
Und dennoch fühlte er sich in Harrys Anwesenheit so vertraut und beschützt, dass er dieses warme Gefühl niemals mehr missen wollte.
„Hey was machst du denn für ein Gesicht?“, wollte Harry von ihm wissen, als er den grüblerischen Ausdruck auf dem Gesicht des Blonden bemerkte.
„Ich würde dich niemals verlassen, Grayson…“, beteuerte Harry und Grayson drehte sich zu dem größeren Mann um, damit er diesem ins Gesicht blicken konnte.
„Ich liebe dich nämlich!“, sagte der Medizinstudent schließlich und Grayson zuckte vor Überraschung zusammen. Denn niemals hätte er es für möglich gehalten, dass ihm Harry so schnell seine komplette Gefühlswelt offenbaren würde.
Gerührt nahm der Blondhaarige mit seinen schmalen Fingern das Gesicht des Adeligen in seine Hände und er haschte nach den weichen Lippen des Mannes.
„Ich liebe dich auch…“, gab Grayson flüsternd preis und er bemerkte, wie gerührt Harry den zärtlichen Blick aus seinen strahlend grünen Augen erwiderte.
Sie hielten sich eng umschlungen in den Armen und es schien so, als würden sie sich gar nicht mehr voneinander lösen wollen.
„Ich würde am liebsten für immer mit dir in dieser Wanne sitzen bleiben…“, scherzte Harry leise und schlang seine warmen Arme noch enger um die schmale Taille des zierlichen Krankenpflegers.
„Ich auch…“, meinte Grayson leise und er lehnte sich in Harrys warmer Umarmung zurück. Er warf einen Blick aus dem Fenster des kleinen Badezimmers und er fügte mit einem bedauernden Unterton in seiner Stimme hinzu: „Ich muss aber bald ins St. Thomas zurückkehren, bevor die Sonne untergeht…“
Eigentlich hätte Grayson noch Stunden lang zusammen mit Harry in dem warmen, duftenden Badewasser liegen können, denn im St. Thomas konnten sie kaum eine solche Zweisamkeit genießen.
Dennoch wusste der Krankenpfleger, dass ihm ein gewaltiges Donnerwetter von Schwester Margaret drohen würde, wenn er zu spät zu seiner Abendschicht im Krankenhaus erschienen sollte.

„Mhm…ich weiß…“, antwortete der Medizinstudent und er stieg aus der Wanne und griff sogleich nach einem der trockenen Handtücher, welches er zuerst seinem Geliebten entgegenhielt.
„Ich begleite dich noch zurück ins St. Thomas, Grayson.“

„But you'll never be alone
I'll be with you from dusk 'til dawn
I'll be with you from dusk 'til dawn
Baby, I'm right here

I'll hold you when things go wrong
I'll be with you from dusk 'til dawn
I'll be with you from dusk 'til dawn
Baby, I'm right here“ (lyrics: Dusk till dawn by ZAYN)


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Heute kommt schon  ein neues Kapitel, denn ich möchte diese Geschichte möglichst bald beenden :) Ein zweiter Teil um die Belegschaft des St. Thomas ist schon in Planung (Spielzeit: erster Weltkrieg)
Das Kapitel um den Waisenjungen Oliver ist nun endlich geschlossen & die nächsten Kapitel der Story werden sich wieder verstärkt um Graysons  & Harrys Beziehung widmen.
Mit dem heutigen Kapitel (insbesondere der Badewannen Szene) bin ich heute mal sehr zufrieden, obwohl ich sonst sehr selbstkritisch bin...
Die Rückmeldung geht leider immer mehr zurück, aber es würde mich wahnsinnig freuen, wenn die stillen Leser zumindest auf den Zielgeraden der Story wieder mit an Bord sind!
Ich wünsche euch einen schönen Sonntag noch :))
LG Laura
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