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In Sickness and in Health [1. Teil]

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Historisch / P18 / MaleSlash
30.01.2021
23.10.2021
35
89.786
24
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Dieses Kapitel
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06.10.2021 2.165
 
C H A P T E R 25:

„Hast du etwa Angst?“, erkundigte sich Harry bei dem immer noch leicht zitternden Krankenpfleger und jener schüttelte schnell seinen Kopf. Jedoch konnte der junge Adelige sogleich erkennen, dass Grayson sehr wohl vor dem hatte, was sie auf dem Gang erwarten könnte.
„Poltergeister gibt es nicht, Grayson…“, schmunzelte Harry leicht, während er mit einer Hand die brennende Petroleum Lampe schwenkte, um den weitläufigen Gang des alten Gebäudes auszuleuchten und er mit der anderen weiterhin die kleinere Hand des blonden Krankenpflegers fest umschlossen hielt.
„Ach was…“, gab Grayson leicht genervt zurück und ärgerte sich sogleich ein wenig über sich selbst, dass er sich hier insgeheim als kleiner Angsthase erwies, während der Medizinstudent keineswegs besorgt wirkte.
Harry schenkte seinem Geliebten ein kleines Lächeln, bevor er sagte: „Weißt du, Gwen hat mich früher, als wir beide noch sehr klein gewesen waren, gerne veralbert…Sie hat sich die schaurigsten Gespenster Geschichten ausgedacht, nur um mich zu ärgern…“
Grayson war natürlich sehr klar, dass ihm der künftige Duke in diesem Augenblick nur so viel über sich und seine Kindheit erzählte, weil er ihn vor der gruseligen Situation ablenken wollte. Aber er schätzte Harrys Geste natürlich sehr und klammerte sich noch ein Stück an seine Hand.
Dem Medizinstudenten schien dies jedoch nichts auszumachen, denn er strich mit einem Daumen sanft über Graysons Handoberfläche und er erzählte weiter: „Einmal hatte sie mir weisgemacht, dass sich aus dem großen Bogenfenster unseres Salons im Landsitz meiner Eltern ein junges Burgfräulein, vergrämt und verzweifelt über das plötzliche Ableben ihres Verlobten, in den Tod gestürzt hat… Und seitdem das Gebäude als Geist durchwandert… bekleidet mit einem langen, weißen Kleid…“
Harry grinste und fuhr sich mit seiner freien Hand durch seine halblangen Locken: „Ich habe mich immer zu Tode erschreckt, als unsere Mutter in ihrem weißen Nachthemd noch einmal kurz in unser Zimmer gekommen war…Ich habe manchmal vor Schreck geschrien, obwohl sie uns beiden nochmal Gute Nacht hatte sagen wollen…“
„Hat deine Schwester nicht mächtig Ärger dafür bekommen, dafür dass sie dir einen solchen Unsinn eingeredet hat?“
Der junge Medizinstudent schüttelte mit dem Kopf und als Grayson diesen ungläubig ansah, fügte er noch hinzu: „Du musst wissen, dass Gwen immer der heimliche Goldschatz meines Vaters gewesen…Aus diesem Grund lässt mein Herr Papa meinem Schwesterherz auch vieles durchgehen, was nicht viele Väter heutzutage tun würden… Wenn mein Vater auf die Meinung seiner engen Freunde Wert legen würde und ihren Rat ernst nehmen würde, dann hätte er für Gwen schon längst einen passenden Ehemann gesucht…Aber sie weigert sich ja bisher auch beharrlich, diesem Drängen der Gesellschaft nachzugeben…“
„Ich verstehe in diesem Bezug aber deine Schwester, Harry…“, entgegnete Grayson darauf, „Denn an ihrer Stelle würde ich lieber frei und unabhängig leben können, anstatt mich einem Ehemann fügen zu müssen.“

„Hast du das gehört?“, fragte der blondhaarige Krankenpfleger auf einmal, als er ein weiteres Rascheln und Klirren aus der am Ende des Ganges gelegenen Abstellkammer wahrgenommen hatte. Harry nickte ernst, bevor er scherzhaft in Graysons Richtung meinte: „Hast du etwa Angst vorm schwarzen Mann, mein Lieber?“
Der Angesprochene schüttelte geistesabwesend mit dem Kopf und straffte seine Schultern, als er und Harry sich der kleinen Kammer näherten und die beiden jungen Männer vor der Eichentür stehen blieben.
Denn Grayson hatte sehr wohl vor dem, was sie beide dort in diesem Zimmer erwartete.
In East Ende, jenem Armenviertel mitten in London, hatte es fast niemand gewagt sich abends allein auf den Straßen, welche nur schummrig von vereinzelten Straßenlaternen ausgeleuchtet worden waren, herumzutreiben. Wegelagerer und obdachlose Landstreicher bevölkerten die schmalen Gassen und jene Art von Menschen war wohl für viel weniger Geld als einen Taler dazu bereit, über Leichen zu gehen.
Selbst die Huren hatten spätestens seit den Vorfällen mit dem gruseligen Phantom „Jack the Ripper“ eingesehen, dass es wohl besser wäre, im Tagesschein auf Suche nach zahlungswilligen Freiern zu gehen, anstatt nachts ihren Körper fremden Männern anzubieten.
Obwohl sich die schrecklichen Serienmorde bereits mehrere Monate vor Graysons Geburt ereignet hatten, hatten sich die Leute in East Ende und White Chapel weiterhin die schaurigsten Geschichten über diesen Mann erzählt, welcher fünf Prostituierte ermordet sowie zerstückelt hatte…
Und welcher für diese Taten niemals gefasst worden war….
Grayson durchfuhr bei dem Gedanken an Jack the Ripper ein Schauer und er stellte sich in Gedanken die Frage, ob es wohl nicht doch besser gewesen wäre, wenn er und Harry Schwester Margaret oder gleich sogar Professor Abernathy oder Professor Hamilton Bescheid gegeben hätten.
Aber dafür war es jetzt ohnehin bereits zu spät. Der junge Medizinstudent löste ihre verschlungenen Hände und er drückte Grayson daraufhin die Petroleumlampe in die Hand.
Er schob die Ärmel seines Anzughemdes in die Höhe und machte einen entschlossenen Gesichtsausdruck, als er die Tür zu der kleinen Abstellkammer langsam öffnete.
Grayson bezweifelte, dass der junge Adelige einem mutwilligen Eindringling so einfach überwältigen könnte, denn obwohl er sicherlich hochgewachsen war, war der Medizinstudent wenig muskulös und trainiert. Jedoch zeigte die entschlossene Mimik des künftigen Dukes of Richmond, dass er mehr als gewillt war, sich sowie seinen heimlichen Geliebten vor möglichen Gefahren zu beschützen.
Harry blickte Grayson noch einmal tief in die Augen, bevor er in einem Ruck die Tür zur kleinen Kammer aufstieß und sich die beiden Personen in dieser daraufhin verwundert in das grelle Licht der Lampe starrten.
Auch der blonde Krankenpfleger schüttelte ungläubig seinen Kopf, als wolle er seinen Augen nicht trauen, was er dort in der Abstellkammer vorfand.
„Was macht ihr denn hier?“, krächzte Grayson nach einer kurzen Schweigepause, als er sich wieder gefangen hatte. Auch Harry stellte sich schützend neben den schmächtigen Krankenpfleger und er verschränkte abwehrend die Arme vor seiner Brust.
Annabeth Smith, bekleidet mit einem weitaus schlichteren Kleid als Grayson von der reichen Fabrikanten Tochter gewohnt war, lächelte ihn und Harry mit ihrem gewohnt sanften und lieblichen Lächeln an: „Hallo, Grayson…“

                                   ***

„Wieso seid ihr denn überhaupt ins St. Thomas zurückgekommen?“, abwertend musterte Eleanor, Graysons Kollegin, die beiden unerwarteten Besucher und sie reichte den beiden seufzend zwei warme Decken, damit sich diese aufwärmen konnten.
Annabeth und auch Liam lächelten die junge Krankenschwester zurückhaltend an, während der ehemalige Krankenpfleger einen Arm, um die vor Kälte zitternde Miss Smith zu pflegen und diese näher an sich zu ziehen.
„Hier…“ Grayson drückte den beiden Ausreißern jeweils eine heiße Tasse Tee, welche er vorhin noch einem Rest Milch verfeinert hatte, in die Hand.
Der blondhaarige Krankenpfleger hatte sich zu dieser späten Uhrzeit noch in die kleine Küche für die Angestellten des St. Thomas geschlichen und hatte für Annabeth und Liam noch etwas Heißes zum Trinken vorbereitet, damit sich die beiden aufwärmen konnten.
„Danke, Grayson…“, lächelte Annabeth Smith den zierlichen Krankenpfleger an und Grayson bemerkte, wie veränderte die reiche Industriellen Tochter wirkte. Ihr blondes, engelsgleiches Haar hatte sie anstatt ihrer in aufwendigen Locken gelegten Hochsteckfrisur in einem schlichten Knoten am Hinterkopf zusammengefasst und das Kleid, welches sie trug, wirkte geradezu ärmlich in Vergleich zu ihrer früheren Garderobe.
Auch die dunklen Ringe unter ihren Augen verrieten, dass sie wohl in den letzten Wochen wenig erholsamen Schlaf genossen hatte.
„Wo seid ihr denn hingegangen? Was habt ihr denn gemacht, als ihr aus London abgehauen seid?“, fragte Harry die beiden aus und er zeigte mit einem Finger anklagend auf Liam: „Nachdem du als sein Zimmerkamerad auch noch Graysons Ersparnisse mitgenommen hattest…“
„Harry, es ist okay…“, beschwichtigte Grayson den jungen Adeligen und brachte diesen somit zum Verstummen. Jedoch ließ sein verkniffener Gesichtsausdruck darauf schließen, dass er Liam dieses schändliche Verhalten noch mehr als übelnahm.
Denn aufgrund der Tatsache, dass der Blonde in Londons Armenviertel East End aufgewachsen war, war es dieser gewohnt, mit sehr wenig Geld auszukommen und er nahm Liam dieses Verhalten längst nicht mehr übel…
Insgeheim konnte er die Beweggründe seines Arbeitskollegen nämlich sehr gut nachvollziehen.

„Also… Ich höre…“, bohrte Harry weiter und Grayson musste sich in dieser Sekunde ein kleines Grinsen mehr als verkneifen. Denn der Medizinstudent sah nun dem strengen Professor Hamilton mehr als ähnlich.
„Annie und ich wollten ursprünglich zu meinen Eltern, welche im Norden Englands in der Nähe von Manchester wohnen, gehen… Aber als sie erfahren haben, dass ich so überstürzt und schäbig quasi aus dem St. Thomas ausgeschieden war, haben sie uns unmissverständlich klargemacht, dass sie unseren Plan ebenso wenig gutheißen. So haben Annie und ich beschlossen, dass wir nach Schottland gehen wollen…“
Liam griff nach der zierlichen Hand der reichen Industriellen Tochter und diese schmiegte sich an seine Seite und dieser streichelte sanft über ihre Taille, bevor er weitererzählte: „In Schottland haben wir uns dann trauen lassen und ich habe diverse, schlechtbezahlte Tätigkeiten ausgeführt, während ich nach einer festen Anstellung gesucht habe…“
Der blonde Krankenpfleger dachte sich in diesem Moment, wie sehr wohl Mister Smiths Tochter in seinen ehemaligen Kollegen verliebt sein müsste, damit sie all die Strapazen ihrer plötzlichen Flucht sowie den kargen Lebensstandard für Liam in Kauf nahm.
„Aber irgendwann haben wir beschlossen, dass es wohl besser wäre, wenn wir wieder nach London zurückkehren“, beendete Annabeth den Satz ihres Ehemannes und blickte diesen liebevoll in die Augen.
„Und jetzt denkst du, dass dir Schwester Margaret und Professor Hamilton einfach so wieder deinen Job im St. Thomas aufnehmen lassen?“, fragte Harry Graysons ehemaligen Kollegen, woraufhin dieser seufzte: „Ich weiß ja, wie falsch es gewesen war, Graysons Geld zu stehlen…Aber damals…zu diesem Zeitpunkt wusste ich mir keinen anderen Ausweg, um unsere überstürzte Reise zu bezahlen…“
„Es ist in Ordnung, Liam…“, versicherte Grayson dem abgekämpft und mehr als erschöpft wirkenden Mann, an dessen Seite sich immer noch die junge Miss Smith schmiegte.
„Ihr Herr Papa wird sicherlich erfreut sein, zu hören, dass sein liebes Töchterlein wieder in Englands Hauptstadt weilt…“, bemerkte Eleanor mit einem sarkastischen Unterton und Annabeth Smith seufzte daraufhin leise.
„Naja…“, erwiderte Harry ihr, „Selbst Ernest Smith wird nichts gegen den heiligen Bund der Ehe ankommen…Und er wird sicherlich nicht den Papst in Rom um einen päpstlichen Dispens schreiben, damit diese junge Ehe annulliert wird.“
„Da ist noch eine andere Sache, Miss Smith…“, sagte Grayson zögerlich und beschloss sogleich mit der Sprache rauszurücken.
Denn Annabeth Smith wusste ja bisher noch gar nichts über ihren unehelich geborenen Bruder und er wusste nicht, wie Mister Smiths Tochter auf diese verwunderliche Botschaft reagieren würde.
Als der blonde Krankenpfleger ihr dies, was sich in den letzten Wochen im St. Thomas Krankenhaus abgespielt hatte, schließlich erzählt hatte, weiteten sich die hellblauen Augen der hübschen Fabrikanten Tochter und sie blickte Grayson ungläubig an.
Auch Liam wirkte ebenso geschockt über diese Nachricht und er legte seinen Arm um die schmalen Schultern seiner Frau.
„Stimmt das wirklich?“, fragte Annabeth Smith nochmals nach und Grayson nickte daraufhin: „Ja…Sie haben noch einen Bruder…“
„Bitte, führ mich zu ihm!“, bat die reiche Industriellen Tochter und zögerlich meinte der Blonde daraufhin: „Ich weiß ehrlich gesagt nicht, Miss Smith … Oliver benötigt dringend etwas Schlaf nach dem heutigen aufregenden Tag…“
„Bitte, Grayson!“, sagte Annabeth noch einmal und stand auf. Sie legte ihre Hände auf die schmalen Schultern des Krankenpflegers und blickte ihn flehentlich mit ihren hellen, blauen Augen an, welche Grayson so sehr an die des ehemaligen Waisenjungen erinnerten.
Wieso hatte er nicht schon früher die Ähnlichkeiten zwischen Oliver und Mister Smiths Tochter bemerkt?

Die Ähnlichkeit war unverkennbar…
Das helle, engelsgleiche blonde Haar…Diese blauen Augen und dieselbe zierliche, anmutige Gestalt….
„Folgen sie mir bitte, Miss Smith…“, sagte Grayson nun und so machte sich die Gruppe zurück auf den Weg zur Kinderstation des Klinikums.
Kaum dort angekommen stürmte Annabeth schon auf das schmale Krankenbett zu, in welchem der kleine Oliver lag. Sie zog den schlafenden Jungen sogleich in ihre Arme und kaum war dies geschehen, schluchzte die reiche Fabrikanten Tochter herzerfüllt auf.
„Oh… Oliver…Ich bin so froh, dich zu sehen…“, flüsterte Annabeth Smith unter Tränen und sie drückte den schmächtigen Jungen näher an sich.
„Was ist denn los? Grayson…“, schlaftrunken erwiderte der Junge die enge Umarmung der ihm eigentlich fremden Frau und er sah sich suchend nach dem blonden Krankenpfleger um.
„Ich habe mir immer ein Geschwisterchen gewünscht…“, wimmerte die blonde Frau leise und strich dem ehemaligen Waisenjungen mütterlich und liebevoll über die ebenso hellblonde Haarpracht
Grayson erweichte es das Herz, wie liebevoll Annabeth Smith mit ihrem kleinen Halbbruder umging und er wechselte einen kurzen Blick mit Harry, welcher ihm daraufhin sanft zulächelte.

Vielleicht würde jetzt doch noch alles gut für den kleinen Oliver Twist werden….

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Heute gibt es wieder mal ein neues Kapitel & ich habe es sogar innerhalb von einer Woche geschafft, eins hochzuladen...
Ich hoffe ihr verzeiht mir, dass es derzeit so langsam vorangeht. Aber immerhin geht es voran :D
Annabeth und Liam sind wieder zurück im St. Thomas und vielleicht wird sich nun alles für den kleinen Oliver regeln...Zu wünschen wäre es ihm :)
Ich würde mich freuen, wenn sich wieder mehr von den Lesern zu Wort melden würden & mir sagen würden, ob euch der weitere Storyverlauf gefällt.
LG Laura
PS: An meine Leser bei IRON HEART; ein neues Kapitel ist dort auch schon in Planung ;)
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