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In Sickness and in Health [1. Teil]

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Historisch / P18 / MaleSlash
30.01.2021
23.10.2021
35
89.786
24
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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23.09.2021 2.999
 
C H A P T E R 23:

„Und?“, fragte Grayson bei seiner Kollegin fordernd nach, während er gleichzeitig versuchte, seinen rasenden Atem unter Kontrolle zu bringen.
Die hübsche Krankenschwester seufzte frustriert auf und strich sich ein paar ihrer haselnussbraunen Haarsträhnen, welche sich aus ihrem hohen Dutt gelöst hatten: „Nein, leider nicht… Grayson…“
„Das gibt’s doch nicht…“, murmelte der blonde Krankenpfleger leise, „Ein kleiner Junge kann doch einfach so aus den Räumen des St. Thomas spurlos verschwinden…“

Natürlich hatte der junge Krankenpfleger sogleich den Butler von Mr. Smith und die von ihm beauftragte Nanny verdächtigt, den ehemaligen Waisenjungen aus den Räumlichkeiten des St. Thomas entführt zu haben und sich somit seiner strikten Anweisung widersetzt zu haben.
Jedoch waren die beiden von dieser unheilvollen Nachricht ebenso bestürzt wie Grayson gewesen und si hatte er ihnen geglaubt, dass sie nichts mit Olivers plötzlichem Verschwinden zu tun hatten.
Schon seit zwei Stunden durchsuchte Grayson zusammen mit Eleanor und seiner jüngeren Schwester Charlie das weitläufige Gelände des Klinikums, doch der kleine Oliver Twist blieb wie vom Erdboden verschluckt.

Schwester Margaret, welche gerade dabei war, die Körpertemperatur bei einem Patienten zu messen, drehte sich zu den beiden Angestellten um und sie zeigte auf das große Fenster des Krankensaals, vor dem bereits ein heftiger Sturm wütete: „Ich denke nicht, dass sich unser kleiner Oliver Twist bei diesem Unwetter überhaupt nach draußen getraut hat…Ich denke, dass er sich hier im Inneren des Klinikums verkrochen hat…“
„Und dass er wohl hofft, dass ihn dieser schreckliche Mr. Crawley oder Mister Smith nicht finden würden…“, beendete Eleanor den angefangenen Satz der brummigen Oberschwester und warf dieser einen leicht grimmig anmutenden Blick zu. Ihr war es wohl ein wenig zuwider, dass Schwester Margaret immer noch sehr ruhig in Anbetracht der Tatsache wirkte, dass Oliver schon seit mehreren Stunden unauffindbar war.
Grayson sah dies anders. Obwohl die stämmig gebraute Oberschwester nach außen hin ruhig wirkte, konnte er dennoch die Sorge um den kleinen Waisenjungen in ihrem faltigen Gesicht erkennen.
Die ruhige und womöglich ein wenig abweisende Körperhaltung war wohl die Art und Weise, wie die erfahrene Krankenschwester mit Olivers Verschwinden umging.
„Und Charlie? Hast du ihn gesehen?“, wollte Grayson sogleich von seiner jüngeren Schwester wissen, sobald diese die eichene Tür zum großen Krankensaal aufgezogen hatte. Die Sechzehnjährige schüttelte traurig mit dem Kopf und ihr blonder Bruder seufzte daraufhin frustriert auf.
Grayson raufte sich seine dunkelblonden Strähnen und er flüsterte: „Das ist alles meine Schuld…Ich hätte diesen arroganten Pinguin und diese Nanny niemals zu Oliver lassen sollen…Ich bin schuld, dass er daraufhin vollkommen verschreckt aus seinem Bett getürmt ist…“
„Du musst dir keine Schuldvorwürfe machen, Grayson…“, meinte Eleanor daraufhin und sie zog ihren Kollegen in eine warme Umarmung. Schwester Margaret betrachtete diese innig wirkende Umarmung zwischen ihren beiden Angestellten mit hochgezogener Augenbraue und als sie sich daraufhin leicht missbilligend räusperte, lösten sich Grayson und Eleanor wieder voneinander.
„Grayson…“, mahnend betrachtete die brummige Oberschwester ihn mit einem tiefen Blick, „Du erinnerst dich sicher noch an die Sache, welche ich dir damals an deinem allerersten Tag hier in St. Thomas erzählt habe…“
„Ja Schwester Margaret…“, nickte der blondhaarige Krankenpfleger und rückte sogleich ein Stück von der jungen Krankenschwester ab. Seine kleine Schwester schaute verwirrt zwischen Eleanor und ihrem großen Bruder hin und her und insgeheim musste Grayson doch ein wenig schmunzeln.

Wenn die beiden nur wüssten, dass er sehr wohl ein heimliches Verhältnis mit einer Person aus dem St. Thomas unterhielt…
Jedoch nicht mit seiner hübschen Krankenschwesterkollegin, sondern mit einem der reichen und schnöseligen Medizinstudenten…

„Was machen wir denn nun, Schwester Margaret?“, fragte Grayson stattdessen seine direkte Vorgesetzte und diese seufzte auf: „Nun ja… Da wir den kleinen Oliver nicht gefunden haben und er mit Sicherheit vor lauter Angst nicht von selbst auftauchen wird, benötigen wir wohl Verstärkung…“
„Eleanor?“, sagte Schwester Margaret in Richtung der jungen Krankenschwester und deutete auf den älteren Herren, welcher sich in hitzigen Fieberträumen geplagt immer noch auf dem schmalen Krankenbett hin- und her wälzte.
„Kümmerst du dich bitte um ihn? Er benötigt dringend neue fiebersenkende Wadenwickel…“
„Ja Schwester Margaret“, entgegnete die junge Krankenschwester darauf und sie sah die Oberschwester leicht verwirrt an: „Wo wollen sie denn jetzt hin, Schwester Margaret?“
Die stämmige Oberschwester drehte sich nochmals zu Grayson und den anderen beiden Frauen um und erklärte: „Dann muss ich jetzt wohl Professor Hamilton über diesen Vorfall informieren… Als Leiter des Klinikums wird er wohl am besten wissen, was wir nun tun können, um den kleinen Oliver Twist zu finden…“
„Begleitest du mich, Grayson?“, fragte Schwester Margaret noch den jungen Krankenpfleger und dieser nickte zustimmend.

Der blondhaarige Mann muss jedoch ein wenig tief schlucken, er und die stämmige Krankenschwester sich dem Vorlesungssaal der Studenten näherten. Der manchmal sehr arrogant wirkende Professor Hamilton würde mit großer Wahrscheinlichkeit nicht sehr begeistert sein, dass man ihn einfach so ohne jegliche Vorankündigung mitten in seiner Vorlesung unterbrach.
Als Grayson und Schwester Margaret die schwere Tür zum Vorlesungssaal aufzogen, richteten sich sogleich zahlreiche Augenpaare auf die beiden Angestellten des Klinikums.
Wie immer war der Vortrag von Professor Hamilton gut besucht und unter der Masse an jungen Adeligen entdeckte Grayson sogleich Harry, welcher neben seinem besten Freund Kieran O’Connor saß und dem jungen Krankenpfleger einen warmen Blick schenkte.
Nur eine Sache hatte sich verändert. Harrys schwarzhaarige Kommilitone, Nicholas, hatte nun ein paar Reihen unter Harry und seinem rothaarigen Freund Platz genommen und starrte Grayson grimmig an.
Grayson erschauderte bei der Erinnerung an den einen verhängnisvollen Abend in der Studentenverbindung, an welchem Nicholas versucht hatte, den Blonden zu einer sexuellen Handlung zu zwingen und ihn mit seiner heimlichen Beziehung zu dem künftigen Duke of Richmond zu erpressen.

Der blondhaarige Krankenpfleger sank unter den erstaunten und verwunderten Blicken der reichen Studenten ein wenig zusammen und er hielt sich mit zittrigen Fingern am Türrahmen fest.
Die stämmige Oberschwester ließ sich von den jungen Männern jedoch keineswegs aus der Ruhe bringen. Energisch stapfte sie auf Professor Hamilton zu, welcher gerade dabei gewesen war, den Medizinstudenten mehrere kompliziert klingende lateinische Knochenbezeichnungen an einem anatomischen Skelett Modell zu erklären.
Der Professor nickte kurz, als ihm Schwester Margaret wohl die Situation mit Oliver erklärt hatte und er räusperte sich kurz, um die Aufmerksamkeit seiner Studenten auf sich zu ziehen.
„Meine Herren!“, verlangte Professor Hamilton noch ein wenig energischer nach Ruhe, da die jungen Männer aus der Oberschicht die kurze Sprechpause des Professors wohl zum Schwätzen genutzt hatten.
„Wenn ich um ihre Aufmerksamkeit bitten dürften, meine Herren…“, verschaffte sich der ältliche Professor nochmals Gehör und sogleich verstummten Harry und die anderen, als sie den strengen Gesichtsausdruck des Professors erkannten.
„Wie mir meine werte Kollegin ist es heute Nachmittag zu einem bedauerlichen Zwischenfall gekommen…“, begann Professor Hamilton mit seiner Erklärung.
„Wer ist denn heute wieder gestorben?“, hörte Grayson leise Harrys schwarzhaarigen Kommilitonen sagen und Nicholas schnaubte verächtlich auf: „Ist ja nicht das erste Mal, dass ein Patient hier in den Mauern des St. Thomas das zeitliche segnet…“
„Mister Brentwood!“, unterbrach Professor Hamilton scharf und der Angesprochene zuckte bei dem stechenden Klang der Stimme sogleich zusammen.
„Wenn sie mich bitte ausreden lassen würden, meine Herren…“, fuhr der ältliche Professor unbeirrt fort und er setzte die restlichen Medizinstudenten über das Verschwinden des kleinen Olivers in Kenntnis.

Sogleich brach ein hektisches Gemurmel unter den jungen Herren Studiosi aus, welches Professor Hamilton aber sogleich Einhalt gebot. Harry warf einen besorgten Blick in Graysons Richtung und der junge Adelige wirkte ebenso bestürzt über Olivers Verschwinden wie der schmächtige Krankenpfleger.
„Hiermit erkläre ich unsere heutige Vorlesung für beendet…Meine Herren, packen sie ihre Unterlagen sowie ihre Bücher zusammen… Der junge Oliver muss sich wohl immer noch innerhalb der Räumlichkeiten des Klinikums befinden…“, befahl der ältliche Professor seinen Studenten und diese folgten seiner Anweisung, wenn auch zögerlich.
Lediglich Nicholas blieb stur auf seinem Platz sitzen und er verschränkte die Arme vor seiner Brust: „Wieso sollen wir Studenten uns auf die Suche nach einem kleinen, unbedeutenden Waisenjungen machen?“
Sein Blick fiel zu der stämmigen Oberschwester und er meinte in ihre und Graysons Richtung: „Können sie sich nicht auf die Suche nach dem Knaben machen, Schwester?“
Schwester Margaret schnaubte leicht verächtlich auf und nahm dem reichen Studenten sogleich den Wind aus den Segeln: „Ich kann meine anderen Patienten ja schlecht in eine Kammer sperren, damit ich ihren sorgenvollen Anblick nicht mehr zu Gesicht bekommen…“
Der angesprochene Professor seufzte kurz, bevor er die Studenten in Kenntnis über Olivers wahre Abstammung in Kenntnis setzte: „Der kleine Oliver ist Ernest Smiths unehelich geborener Sohn… Ursprünglich hatte ich strikte Anweisung von Mr. Smith dies geheim zu halten, aber in Anbetracht des Ernstes der Lage, sehe ich es besser, welche Wichtigkeit der kleine Oliver für Mr. Smith besitzt…“
Mit einem spöttischen Lächeln ergänzte Professor Hamilton noch in Nicholas Richtung: „Und sie können sich womöglich auf ihren adeligen Stammbaum berufen, Mister Brentwood… Jedoch verfügt Mister Smith als einer von Londons reichsten Industriellen über ein größeres Vermögen, das sie wohl niemals mehr erben werden…“

„Nun meine Herren…“, Professor Hamilton hängte seinen weißen Kittel an dem Garderobenhaken im Vorlesungssaal und klatsche euphorisch in die Hände: „Dann machen wir uns mal auf die Suche nach dem kleinen Oliver Twist!“

                                 ***

„Wir werden ihn niemals rechtzeitig finden!“, rief Grayson im folgenden Moment aus, als er, Eleanor und Harry gerade den kompletten östlichen Krankenflügel durchsucht hatten.
Frustriert raufte sich der blonde Krankenpfleger seine zerzausten, dunkelblonden Strähnen und blickte verzweifelt zwischen Eleanor und dem hochgewachsenen Medizinstudenten hin und her.
„Doch, das werden wir, Grayson…“, versuchte Harry den aufgebrachten jungen Mann vor sich zu beruhigen und bei dieser Aussage pflichtete Graysons Kollegin sogleich dabei.
„Ich bin mir sicher, dass sich Oliver hier im Inneren des St. Thomas vor dem Sturm verkrochen hat…Schwester Margaret hat doch schon längst den Portier benachrichtigt und wenn unser kleiner Oliver Twist in der Eingangshalle aufgetaucht wäre, dann hätte dieser doch bereits Alarm geschlagen…“
Grayson schnaubte kurz spöttisch auf und blickte seine Arbeitskollegin ungläubig an: „Was ist aber, wenn der Portier für einen Moment nicht aufgepasst hat? Du weißt genau, dass er gerne mal nachmittags ein kurzes Nickerchen einlegt, Eleanor…“
„Hol mal bitte kurz Luft, Grayson…“
Der blondhaarige Krankenpfleger warf die Arme in die Luft und er sah Harry und Eleanor mit einem gehetzten Gesichtsausdruck an: „Ich kann mich jetzt nicht ausruhen und mich beruhigen! Wir müssen Oliver finden…Bevor ihm noch etwas zustößt…“
Eleanor strich ihrem Kollegen mit einer tröstenden Geste flüchtig über den Rücken: „Mach dir keine Sorgen, Grayson…Wir werden ihn schon finden…“
Die hübsche Krankenschwester warf einen kurzen Blick in die Richtung des adeligen Medizinstudenten und sie setzte die beiden darüber in Kenntnis: „Ich werde mich mal auf den Weg zurück auf die Kinderstation machen, um unseren Drachen zu informieren, dass wir mit unserer Suche bisher leider keinen Erfolg gehabt haben…“

Erst als die junge Krankenschwester hinter einer Säule des Flurs aus dem Blickfeld der beiden Männer verschwunden war, wagte es Harry mit seinen Fingerspitzen hauchzart über Graysons geöffnete Handfläche zu streicheln.
„Alles wird gut werden, Grayson…“, flüsterte ihn der Medizinstudent mit beruhigender Stimme ins Ohr und sogleich schossen dem schmächtigen Krankenpfleger die Tränen, welche er vor seiner Kollegin gerade noch so zurückhalten könnte, in die Augen.
„Was ist… was ist, wenn er nach draußen auf die Straße gelaufen ist…und er von einer Droschke…“, murmelte Grayson und lehnte seinen Kopf gegen die kräftige Schulter des Dukes.
„Oliver ist mit Sicherheit nicht so dumm, Grayson…“, flüsterte Harry ihm beruhigend ins Ohr und strich dem kleineren in sanfter Geste über seine dunkelblonde Haarpracht.
„Er möchte einfach unter keinen Umständen zu Ernest Smith und deshalb hat er sich hier im St. Thomas irgendwo versteckt…Früher oder später werden wir ihn finden…“, sagte der junge Medizinstudent mit solch einer Überzeugung in seiner Stimme, sodass Grayson gar nichts anderes übrig blieb, als seinen Worten ebenfalls Glauben zu schenken.
Grayson seufzte kurz auf, als Harry ihm einen kleinen hauchzarten Kuss auf die Schläfe gab und er vergrub sein Gesicht ein wenig tiefer in dem dunkelgrauen Jackett des Adeligen.

Jedoch traute er sich hierbei nicht, seine Augen komplett zu schließen, denn jeden Augenblick könnte jemand von dem Krankenhauspersonal des St. Thomas vorbeikommen und ihn und Harry sehen.
„Wo könnte sich der kleine Oliver Twist denn sonst noch rumtreiben?“, fragte Harry nun leise und blickte Grayson mit seinen strahlend grünen Augen an. Grayson hob daraufhin wieder seinen Kopf von seiner Schulter und er fuhr sich flüchtig mit dem Ärmel seiner weißen Uniform über die Augen.

„Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, Harry…Es gibt so viele Schlupfstellen und versteckte Plätze hier im St. Thomas…Aber ich kann mir nicht vorstellen, wo sich Oliver noch versteckt halten könnte…Immerhin haben wir fast schon das gesamte Gebäude des Klinikums abgesucht…“
„Mhm…Ich weiß schon langsam nicht mehr weiter, Harry…“, seufzte Grayson verzweifelt auf und er warf einen Blick aus dem weitläufigen Bogenfenster des langen Flurs.
Da sie sich hier im zweiten Stock befanden, hatte der blonde Krankenpfleger einen sehr guten Ausblick auf die Dachgiebel der Eingangshalle. Denn die große Eingangshalle befand sich im Erdgeschoss des Klinikums. Die weiteren Stockwerke hatten man vor wenigen Jahrzehnten erst nach und nach durch Spendengelder der Londoner Bürger finanziert.
Grayson kniff überrascht die Augen zusammen, als er kleine Gestalt über den Dachgiebel tapsen sah, während draußen immer noch ein gewaltiger Gewittersturm wütete.
„Siehst du das auch, Harry?“ Der Medizinstudent folgte dem Zeigefinger des Blonden und auch seine Augen weiteten sich, als er die seltsame Gestalt auf den Dächern des St. Thomas gehen sah. Wie es schien, trug diese Person auch ein blütenweißes Nachthemd.
„Vielleicht handelt es sich um einen Poltergeist…“, scherzte der künftige Duke, jedoch wurde sein Gesichtsausdruck sogleich wieder ernst, nachdem er die unbekannte Person auf dem Dach für mehrere Sekunden beobachtet.
„Oh mein Gott!“, schrie Grayson entsetzt auf und die Erkenntnis durchzuckte ihn wie einen Blitz. Dem Blonden stockte der Atem, als er Oliver dabei beobachten konnte, wie dieser auf dem kleinen Vordach des Klinikums kauerte.
Der Kleine hatte gerade mal sein verletztes Bein auskuriert und nun befand er sich im strömenden Regen draußen auf den rutschigen Dachziegeln…
Das konnte nur auf eine große Katastrophe hinauslaufen…

Der kleine Waisenjunge musste wohl so verzweifelt über seine derzeitige Situation sein und eine solch große Abneigung gegen den reichen Mr. Smith hegen, dass er dieses Risiko unfreiwillig in Kauf genommen hatte.
„Wie er ist denn nach draußen gekommen?“, wollte er von Harry wissen und bevor dieser ihm auch nur antworten konnte, war der blonde Krankenpfleger schon losgestürmt, um den kleinen Waisenjungen vom Dach zu holen.

Obwohl Harry Grayson um mindestens einen Kopf überragte, hatte der hochgewachsene Medizinstudent Mühe mit dem blondhaarigen Krankenpfleger mitzuhalten. Die Sorge um Oliver verlieh Grayson gefühlt Löwenkräfte und so erreichten er und Harry bald den kleinen Dachvorsprung, von dem der kleine Waisenjunge balancierte.
„Wir müssen umgehend Professor Hamilton und Schwester Margaret darüber informieren…Vielleicht besitzt der Hausmeister eine lange Leiter oder…“
„Das ist zu spät, Harry!“, widersprach der blonde Krankenpfleger dem Adeligen daraufhin energisch und schüttelte mit dem Kopf.
„Wir müssen ihn sofort da runterholen!“, meinte Grayson und als er das große Fenster, welches zu dem kleinen Giebelvorsprung führte, aufzog, schlug dem Krankenpfleger sogleich dicke Regentropfen ins Gesicht.
Nachdem der schmächtige Krankenpfleger Anstalten machte, ebenfalls nach draußen auf den kleinen Dachvorsprung zu klettern, wurde er von Harry bestimmt am Arm zurückgehalten.
„Ich muss ihm doch helfen, Harry…“, murmelte Grayson verzweifelt und der Medizinstudent nahm das schmale Gesicht des kleineren Mannes in die Hand. Er presste seine Lippen auf die zitternden des jungen Krankenpflegers und er zog ihn kurz in eine Umarmung.
„Keine Sorge, Grayson…Ich werde ihn holen und aufpassen, ihm nichts zustößt!“
„Vertrau mir, Grayson!“
Mit entschlossenem Gesichtsausdruck zog Harry sein Jackett seines Anzugs aus und drückte es dem Blondhaarigen in die Hand. Im nächsten Moment hielt er sich am eisernen Rahmen des Fensters fest und hievte sich nach draußen auf dem schmalen Dachvorsprung.
„Pass bitte auf, Harry!“, flüsterte der Krankenpfleger dem hochgewachsenen Mann über dem starken Wummern des Regens zu, sodass dieser es beinahe nicht verstanden hatte.
„Mir passiert schon nichts, Grayson… Vertrau mir…“
Grayson verfolgte mit bebendem Atem, wie sich Harry vorsichtig aufrichtete und sich in kleinen Schritten dem kleinen Waisenjungen näherte, während der Regen ihm nur so ins Gesicht peitschte und seine halblangen Locken bald durchnässt waren.
Seine zittrigen Finger umklammerten das graue Jackett von Harry und Grayson sah, wie Harry endlich bei Oliver angekommen war und den kleinen Jungen sanft am Arm nahm, um ihn zumindest ein Stück weg von dem Ende des schmalen Dachvorsprungs wegzuziehen.

Der blonde Krankenpfleger bemerkte im nächsten Moment aus seinen Augenwinkeln, wie Harry mit dem kleinen Oliver Twist redete und Oliver daraufhin zögerlich nickte.
Erleichtert entließ Grayson die aufgestaute Luft aus seinen Lungen, denn Oliver musste unbedingt zurück ins Warme. Bereits aus dieser Entfernung sah der Krankenpfleger, dass der kleine Waisenjunge bereits erheblich in dem klammen Nachthemd zitterte und seine schmalen Lippen bereits blau angelaufen waren.
„Ihr habt es gleich geschafft!“, rief Grayson den beiden über das Rauschen des Sturms zu und Harry hatte einen Arm um die schmalen Schultern des Jungen geschlungen, um ihn vor den starken Windböen abzuschirmen.
Als es erneut blitzte, schwankte Harry kurz und er verlor auf den von Regen nassen Dachziegeln den Halt. Graysons Augen weiteten sich vor Entsetzen und er biss sich vor lauter Aufregung auf die Unterlippe.
„Harry!“, schrie er verzweifelt, als er mit ansehen musste, wie der junge Medizinstudent auf dem schmalen Dachvorsprung schwankte und hinunterzufallen drohte.


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Hallo meine Lieben! Endlich komme ich bei "In Sickness and in health" mal wieder aus der Versenkung gekrochen. Derzeit fehlt es mir leider so an Zeit, dass ich zu gefühlt gar nichts komme... Ich muss noch zwei Hausarbeiten beenden und zusätzlich hat diese Woche wieder der Examenskurs angefangen
Dieses Kapitel hatte ich eig. schon am Sonntag geschrieben, aber hab bisher keine Zeit gefunden es hochzuladen .. Schande über mein Haupt...
Ich bemühe mich aber, bald zügig weiterzuschreiben...Damit ihr bei diesem Cliffhänger nicht wieder einen Monat auf das nächste Kapitel warten müsst...
Ihr dürft mir gerne eine kleine Aufmunterung hinterlassen :)
LG Laura
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