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In Sickness and in Health [1. Teil]

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Historisch / P18 / MaleSlash
30.01.2021
23.10.2021
35
89.786
24
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Dieses Kapitel
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04.07.2021 3.035
 
CHAPTER 19:

„The love that dare not speak it’s name“ – Alfred Douglas

Während Grayson mit einem verzerrten Gesichtsausdruck, welcher mehr einer Grimasse ähnelte, seine ehemals weiße Uniform in dem kleinen Abstellraum abwusch, öffnete sich plötzlich die Tür zu dieser.
Im Türrahmen stand die beleibte Oberschwester und sie musterte mit zusammengekniffenen Augen den blondhaarigen Krankenpfleger, wie dieser mithilfe des Wassers aus einer kleinen Metallschüssel versuchte, seine beschmutzte Kleidung zu reinigen.
Schwester Margaret deutete mit einem Finger auf den leicht gelblichen Fleck auf Graysons Uniform und sie wollte von ihm wissen: „Wie ist das denn bitte passiert?“
„Ein Patient hat sich kurz vor dem Ende meiner Frühschicht und somit auch nur kurz vor der Ausgabe des Mittagmahls wohl noch einmal seinen Frühstücksbrei durch den Kopf gehen lassen, Margaret…“, erklärte der Blonde mit grimmiger Miene seiner Vorgesetzten.
„Oh… naja, das kann ja mal vorkommen, Grayson…“, entgegnete die füllige Oberschwester dem Krankenpfleger und sie fragte ihn noch: „Wurde das Malheur denn schon beseitigt?“
Grayson nickte kurz: „Ich habe es schon zusammengewischt… Und Eleanor hat auch das Nachthemd des Patienten sowie das Bettlaken schon gegen ein neues ausgetauscht.“
„Sehr gut…“, meinte Schwester Margaret dann und wandte sich daraufhin an ihren jungen Mitarbeiter.
„Grayson, Professor Hamilton benötigt dringend eine Assistenz bei seiner heutigen Vorlesung vor den Medizinstudenten…“
Der Angesprochene krauste leicht die Nase, als ihm der saure Geruch von seiner Uniform entgegenströmte und er rieb noch einmal über den festen Stoff, um die letzten Flecken aus dieser zu entfernen.
„Ähm, Margaret… Ich weiß nicht, ob ich dafür zwingend geeignet bin…“, sagte Grayson ausweichend und blickte die bullige Oberkrankenschwester schüchtern an.
„Das war keine Bitte, Grayson…“, erklärte ihm diese daraufhin mit einem strengen Gesichtsausdruck, „Sondern ein Befehl!“
In diesem Moment kam wohl wieder die strenge Oberkrankenschwester des Klinikums in Margaret zum Vorschein, welche Eleanor hinter vorgehaltener Hand auch gelegentlich mit dem wenig schmeichelhaften Namen „der Drache des St. Thomas“ bezeichnete.
Grayson seufzte leise, fügte sich dann aber Schwester Margarets Bitte. Der blonde Krankenpfleger spülte noch schnell die schmutzige Schüssel in dem kleinen Spülbecken ab und wischte sich dann seine nassen Hände an seiner Hose ab.
Er hatte ursprünglich vorgehabt, seine kleine Mittagspause bei seiner kleinen Schwester zu verbringen und auch noch einen kleinen Abstecher zu Oliver zu machen, jedoch schien sich dieser Plan mit Schwester Margarets Anweisung wohl zerstreut zu haben.
„Danke, Grayson…“, sagte dann diese noch in Graysons Richtung und klopfte dem jungen Angestellten des St. Thomas auf die Schulter.
„Ursprünglich hatte ich Eleanor für diese Aufgabe vorgesehen… Jedoch möchte ich sie nur ungerne den anzüglichen Blicken der Herren Studiosi aussetzen…“, merkte die brummige Oberschwester im nächsten Moment noch an und Grayson nickte zustimmend.
„Bei einem Mann wird dies ja wohl nicht der Fall sein…“, ergänzte Schwester Margaret noch und Grayson musste sich in diesem Augenblick wahrhaftig zusammenreißen, damit seine Vorgesetzte sein Schmunzeln nicht bemerkte und einen Verdacht hegen konnte.
Es gab sehr wohl einen der jungen Medizinstudenten, welcher wohl äußerst erfreut sein würde, wenn er den blondhaarigen Krankenpfleger in dem großen Vorlesungssaal erblicken würde.
Und insgeheim freute sich Grayson darauf, einen gewissen jungen Adeligen mit halblangen, braunen Locken und strahlend grünen Augen wiederzusehen.

                                ***
Als er endlich vor dem Vorlesungssaal von Professor Hamilton ankam, stellte Grayson zunächst einmal das Sammelsurium an schweren Gegenständen, welche ihn Schwester Margaret noch vorhin in die Hand gedruckt hatte, auf dem Marmorboden des Flurs ab.
Er hielt sich keuchend seine Seiten, da er durch die langen Gänge des Klinikums hektisch gehastet war, um noch vor Beginn der Vorlesung den Raum zu erreichen.
Er sah sich nun unter der wartenden Masse an jungen Studenten nach Harry um. Jedoch konnte er auf den ersten Blick seinen bevorzugten Lieblingsstudenten nicht ausmachen.
Zu seinem persönlichen Unglück aber sah ihn aber gerade jemand, den Grayson nicht zwingend über den Weg laufen hatte wollen.
„Ach das kleine Helferlein…“, grinste ihn Nicholas, Harrys schwarzhaariger Kommilitone an und machte dabei keinerlei Anstalten, dem schmächtigen Mann etwas von seiner schweren Fracht abzunehmen.
„Was machst du denn hier?“, fragte er den Krankenpfleger munter weiter aus und dieser wischte sich mit dem Ärmel seiner ehemals weißen Uniform hektisch über seine schweißnasse Stirn.
„Ich… unterstütze heute den Professor bei seinem Vortrag…“, erwiderte Grayson dem arroganten Medizinstudenten kühl und wandte sich dann ab. Zu seinem Glück öffnete sich endlich die Tür zu dem Vorlesungssaal und die Masse an Menschen strömte einfach an Grayson vorbei.
Und dabei machte keiner der hochrangigen Herren Studiosi Anstalten, dem Blondhaarigen auch nur eine Kleinigkeit von seiner Last abzunehmen und diese in den Saal zu tragen.
Lediglich Kieran blieb vor dem jungen Krankenpfleger stehen und deutete mit einem Finger auf die schwere Last an Büchern und anderen Unterrichtsmaterialien, welche der Mitarbeiter des St. Thomas in den letzten zwanzig Minuten in Margarets Auftrag durch die weitläufigen Gänge des Klinikums geschleppt hatte.
„Kann ich dir vielleicht damit helfen?“, fragte der Ire diesen, jedoch winkte der Angesprochene mit einem leicht pikierten Blick ab.
Grayson verlagerte die Masse an Gegenständen umständlich auf seine Arme und er meinte in Kierans Richtung: „Es geht schon…“
Der sonst so schmal wirkende Krankenpfleger hatte das schwere Gewicht schon den langen Weg bis zu Professor Hamiltons Vorlesungssaal geschleppt, da würde er die letzten Meter auch noch bewältigen, ohne auf die Hilfe des irischen Bankerts angewiesen zu sein.
Zudem Grayson schon seit längerem den Verdacht hegte, dass der Sohn eines irischen Landadeligen nur aus dem Grund freundlich und zuvorkommend zu ihm war, da ihm seine jüngere Schwester äußerst gut zusagte.

Grayson hievte die Gegenstände schnell auf den großen Holztisch, welcher vor das Pult des Professors gestellt worden war und atmete erst einmal tief durch. Währenddessen hatten sich die jungen Medizinstudenten schon auf den erhöht angesetzten Sitzbänken niedergelassen und unterhielten sich noch leise.
Als jedoch der bereits weißhaarige Professor Hamilton das Wort ergriff, verstummten diese und lauschten eifrig dem Vortrag ihres Lehrmeisters.
„Nun, ich freue mich, dass sie heute so zahlreich die Lust verspürt haben, meiner Vorlesung beizuwohnen, meine Herren…“ Der Professor ließ seinen Blick prüfend über die Sitzreihen schweifen und er hielt daraufhin für eine Sekunde inne.
Er runzelte kurz seine Stirn und fragte dann die Herren Studiosi: „Wo befindet sich denn Mister Edwards?“
„Weiß jemand von ihnen, weshalb er nicht unter ihnen weilt?“
Just in diesem Moment öffnete sich die schwere Tür zum Vorlesungssaal und der angesprochene Student stolperte mit hektischen Schritten in dem großen Raum.
„Entschuldigen Sie bitte vielmals mein Zuspätkommen, Herr Professor“, keuchte Harry und er hielt mehr als überrascht inne, als er den blonden Krankenpfleger neben Professor Hamilton erkannte.
Der Professor musterte den jungen Adeligen mit einem strengen Blick und er wollte von diesem wissen: „Darf ich fragen, weshalb sie sich zu meiner heutigen Vorlesung leicht verspätet haben, Mr. Edwards?“
„Meine kleine Verspätung bedauere ich zutiefst, Herr Professor… Ich befand mich noch vor weniger als einer halben Stunde beim Lunch mit meiner Schwester und als ich mit einer Droschke hier ins Klinikum zurückgefahren bin, ereignete sich auf der Straße ein Unfall mit einem Pferdegespann… Ich entschuldige mich vielmals für mein Zuspätkommen, Professor Hamilton…“
Der Herr Professor schien mit sich zu hadern, ob er den Studenten noch einmal für seine Verfehlung tadeln sollte oder ob er es damit beruhen lassen sollte.
Dann aber seufzte er kurz und meinte in Harrys Richtung: „Setzen Sie sich, Mister Edwards…“

Der künftige Duke deutete eine kleine Verbeugung vor dem Professor an und warf noch einem einen flüchtigen Blick in Graysons Richtung, bevor er die Stufen des Vorlesungssaals erklomm und sich daraufhin neben Kieran O‘ Connor niederließ. Harry schien also damals Recht mit seiner Annahme gehabt haben, dass er und auch Gwen einen Stein bei dem arroganten Herrn Professor Hamilton im Brett hatten. Immerhin waren ihre Väter offenbar schon jahrzehntelang lose miteinander befreundet.
„Nun, da wir nun endlich vollzählig sind…“, begann Professor Hamilton seinen Vortrag und blickte nochmals in Harrys Richtung, während er Grayson anwies, die mitgebrachten Leinwände und Fotografien an der Seite des Vorlesungssaals anzubringen.
Der blonde Krankenpfleger machte sich sogleich an die Arbeit, denn dadurch würde er sich weniger den prüfenden Blicken der Herren Studiosi ausgesetzt fühlen.
„Mister Brown hat sich freundlicherweise bereit erklärt, mir bei der heutigen Vorlesung unter die Arme zu greifen…“, setzte Professor Hamilton derweilen auch den Rest seiner Studenten darüber in Kenntnis, weshalb der schmächtige Krankenpfleger heute ebenfalls bei diesem Vortrag mit von der Partie war.
Die Menge an jungen Adeligen und jungen Männern aus dem Bürgertum keuchten teils erschrocken, teils entsetzt, aber auch leicht amüsiert über die Fotografien auf, welche Grayson eben noch an der Seitenwand des Saals befestigt hatte.
„Ja, lachen sie nur, meine Herren…“, tadelte Professor Hamilton die Medizinstudenten mit erhobenem Zeigefinger.
„Derartige Fälle werden ihnen in ihrer späteren Karriere als Medicus noch des Öfteren begegnen… Vielleicht sogar mehr, als ihnen eigentlich lieb ist…“

„Da mir ein solcher Fall unter einem der hier Anwesenden zu Ohren gekommen ist, dachte ich, dass dies wohl ein guter Anlass wäre, um sie über dieses Phänomen in unserer Gesellschaft zu informieren…“
Als der junge Krankenpfleger einen Blick in die Gesichter der Herren Studiosi warf, bemerkte er, dass Harrys bester Freund immer mehr unter dem strengen Blick des Professors auf seinem Sitz zusammensank.
Grayson verzog das Gesicht, als er die eitrigen Beulen an einem männlichen Geschlechtsteil auf der schwarzweißen Fotografie sah und innerlich schauderte es ihm.
„Weiß zufällig jemand von Ihnen, wie man diese Krankheit bezeichnet?“, Professor Hamiltons Blick wanderte prüfend über die Stuhlreihen und er fragte daraufhin Nicholas, Harrys schwarzhaarigen Kommilitonen: „Mister Brentwood, können sie mir vielleicht den Namen dieser Pestilenz nennen?“
„Natürlich, Herr Professor…“, sagte dieser dann und stand währenddessen vom Tisch auf.
„Syphillis, Professor Hamilton“, antwortete Nicholas diesem und warf noch einen hämischen Blick in Richtung des rotblonden Iren. Innerlich musste Grayson schmunzeln, denn eigentlich war es nicht seine Art, sich über fremde Menschen lustig zu machen.
Aber er würde es insgeheim dem tollpatschigen Iren sehr zutrauen, dass er sich bei einem heimlichen Besuch in einem Hurenhaus mit solch einer Krankheit angesteckt haben könnte.
„Jene Krankheit, welche auch umgangssprachlich unter dem Begriff „Lustseuche“ bekannt ist…“
Ein Raunen ging durch die Reihen der Studenten und Grayson sah, dass ein paar von ihnen schmunzelten.
„Meine Herren!“, ermahnte Professor Hamilton die jungen Medizinstudenten wieder zur Ordnung und richtete seine Krawatte, bevor er seinen Vortrag fortsetzte.
„Dieses Leid wird in der gängigen Literatur auch mit dem lateinischen Namen „Lues venerea“ betitelt…“, erklärte der ältliche Professor den jungen Männern und die Herren Studiosi machten sich währenddessen eifrig Notizen.
Professor Hamilton stützte sich mit einem Arm auf das eichene Pult ab und fragte die anwesenden Medizinstudenten: „Meine Herren, da sie alle, wie ich hoffe, das große Latinum einst erworben haben, können sie mir mit Sicherheit sagen, was diese beiden Wörter bedeuten…“
„Mr. O’Connor…“, der strenge Blick des Professors fiel auf Harrys besten Freund, welcher sich bei den Worten des Professors sogleich hektisch erhoben hatte und stotternd erklärte: „Lues bedeutet … Seuche… oder Unheil…“
Weil der junge Ire offenbar die richtige Antwort wiedergegeben hatte, nickte Professor Hamilton zufrieden. Dann aber blickte er Kieran erneut fordernd an, da dieser ihm noch nicht die Bedeutung des zweiten Teils des lateinischen Begriffes genannt hatte.
Harry beugte sich ein wenig zu seinem besten Freund und versuchte diesem unauffällig etwas ins Ohr zu flüstern, jedoch war dies dem arroganten Professor Hamilton natürlich nicht verborgen geblieben.
Er seufzte kurz und meinte dann: „Hätte Mr. Edwards die Güte seine Gedanken auch dem Rest seiner Kommilitonen mitzuteilen?“
Der junge Adelige stand daraufhin ebenfalls von der Bank auf und richtete sein Jackett, während er mit fester Stimme erklärte: „Der zweite Bestandteil des lateinischen Namens leitet sich von „Venus“ ab…. Der römischen Variante der griechischen Liebesgöttin Aphrodite…“
Harrys Blick wanderte kurz in Graysons Richtung und der junge Krankenpfleger schluckte kurz, als sich die faszinierenden grünen Augen des Studenten in seine bohrten.
Professor Hamiltons Stimme riss die beiden Männer wieder aus seinen Gedanken und anerkennend nickte er in Harrys Richtung: „Sehr gut, Mr. Edwards…“
Er wies Grayson an, ein weiteres Schaubild auf der Wandseite des Hörsaals aufzustellen und der blonde Krankenpfleger kam dieser Aufforderung sogleich nach.
„Der Erreger der Syphillis ist das Bakterium namens Treponema pallidum subspecies pallidum“, führte der ältliche Professor weiter aus.
„Wie Mr. Edwards vorhin schon mitgeteilt hat, wird diese Krankheit auch mit dem Begriff „Liebeslust“ oder „Liebesgenuss“ benannt. Diese wird nämlich hauptsächlich durch Schleimhautkontakt beim Geschlechtsverkehr übertragen…“
„Auch ein kürzlich geborenes Kind kann sich bei der Geburt durch seine Mutter mit der Krankheit infizieren… Diese Form wird dann als „syphilis connata"bezeichnet. Erste Krankheitssymptome einer möglichen Ansteckung sind zunächst schmerzlose Geschwüre an der Eintrittsstelle des Erregers und oftmals auch angeschwollene Lymphknoten…“, erklärte Professor Hamilton seinen Studenten, während diese ihm eifrig lauschten und sich immer wieder ihre Vorlesungsaufzeichnungen vervollständigten.
„Mit dieser anfangs harmlos erscheinenden Pestilenz ist jedoch nicht zu spaßen, meine Herren…“, ermahnte der ältere Professor die Medizinstudenten mit einem strengen Blick.
„Es können auch Komplikationen bei einer möglichen Infektion mit Syphilis auftreten… Wenn sich der Erreger im Körper ausbreitet, können unter anderem die inneren Organe, Entzündungen im Rückenmark oder im Gehirn als mögliche Folgen der Erkrankung auftreten…“
„Jedoch ist mithilfe einer Behandlung mit Penicillin leicht zu umgehen…“, merkte Professor Hamilton noch an und zeigte den Herren Studiosi weitere Bilder, welche anscheinend ein Fotograf von den verschiedenen Stadien der Krankheit aufgenommen hatte.
„Insbesondere die Prostituierten und die zahlreichen Bordelle, welche unsere Stadt bevölkern, stellen ein Problem und ein großes Risiko für die Ausbreitung dieser Krankheit dar…Daher ermahne ich sie dringlich…“

Professor Hamiltons Blick wanderte nochmals eindringlich über die Reihen seiner Studenten und er blickte schließlich auch Grayson an: „Meine Herren, falls sie einmal der Hafer stechen sollte, dann muss ich sie tunlichst daran erinnern, dass sie entsprechende… Vorsichtsmaßnahme ergreifen…“
Das Gesicht des blondhaarigen Krankenpflegers färbte sich bei den Worten des Professors leicht rötlich und der sonst so strenge Professor Hamilton lachte nun auf, als er Graysons verschreckten Blick bemerkte.
„Machen sie doch nicht so ein Gesicht, Mr. Brown… Ich habe ihnen ja versichert, dass für sie diese Stunde ganz lehrreich sein würde…“
Über das faltige Gesicht des ehrwürdigen Professors huschte nochmals ein kleines Lächeln und Grayson sank unter dem Blick von Professor Hamilton noch weiter in sich zusammen.
Professor Hamilton hatte wohl fälschlicherweise angenommen, dass der junge Krankenpfleger natürlich ebenso auf das weibliche Geschlecht stand und sich deshalb für seine Ausführungen schämte und errötet war.
Innerlich schüttelte es Grayson aber bei dem Gedanken, mit einer Frau zu verkehren…
Ihm war schon früh klar gewesen, dass er nicht wie ein Großteil der anderen Männer war. Der blonde Krankenpfleger knetete nervös seine Hände und er wagte einen kurzen Blick in Richtung eines gewissen braunhaarigen Adeligen, welcher seinen schüchternen Blick sanft erwiderte.

                                 ***
Als endlich Professor Hamiltons Vorlesung beendet war, seufzte Grayson erleichtert auf.
Auf Anweisung des strengen Professors brachte er die Fotografien noch zurück in den kleinen Lagerraum neben dem Laboratorium und machte sich danach auf den Weg in die kleine Vorratskammer für die Medikamente.
Schwester Margaret hatte dem jungen Krankenpfleger nämlich keine Verschnaufpause gegönnt, sondern hatte Grayson angewiesen, diverse Verbände und Leinenwickel in der Kammer zu sortieren.
Leicht erschöpft machte sich der junge Mann nun an die Arbeit und er war so in sein Handeln vertieft, sodass er gar nicht hörte, wie sich die quietschende Tür zur Kammer öffnete.

„Hallo Grayson…“, vernahm der Krankenpfleger die melodische Stimme des jungen Adeligen, welcher ihn sanft anlächelte und ihn fragte: „Wie geht es dir heute? Hast du dich nach dem schlimmen Schrecken der letzten Tage gut erholt?“
Grayson nickte kurz und er legte die Leinenstreifen kurz zur Seite, damit er den Medizinstudenten vor sich betrachten konnte. Harry hatte seine Augenbrauen zusammengezogen und er musterte den jungen Krankenpfleger mit einem besorgten Blick.
„Ja, alles in Ordnung… Oliver geht es den Umständen entsprechend gut…“, erklärte der Blonde Harry, wobei er es unterließ, den Adeligen über die wahre Herkunft des kleinen Waisenjungens zu unterrichten. Zuerst mussten sie noch ein ernstes Gespräch mit Mister Smith führen, bevor sie Oliver überhaupt in seine Obhut entlassen würden.
„Sehr gut…Da fällt mir ein Stein vom Herzen, Grayson…“, flüsterte Harry und hob eine Hand, um dem Krankenpfleger sanft über die Wange zu streicheln.
Die Lippen des Studenten näherten sich Graysons und die beiden jungen Männer sahen sich für einen Moment in die Augen, bevor sich ihre Lippen trafen. Zärtlich schmiegten sich Harrys Lippen an Graysons und dieser schlang sogleich seinen Arm um Harrys Nacken, um den künftigen Duke näher an sich heranzuziehen.

Der Blondhaarige keuchte überrascht auf, als er Harrys kühle Hände an seiner Taille spürte und mit einem Ruck hatte ihn dieser auf den kleinen Holztisch gehievt, sodass die beiden Männer nun ungefähr auf einer Höhe waren.
Grayson grinste leicht in den Kuss, als er abermals die kühlen Hände des Studenten unter seiner weißen Krankenpfleger Uniform verspürte und er löste für einen Moment ihren zärtlichen Kuss, um Harry ins Ohr zu flüstern: „Sollten wir… wollen wir dieses Vorhaben etwa nicht in meine Schlafkammer verlagern?“
Der junge Medizinstudent streichelte mit einem Daumen sanft über Graysons Wange und er küsste ihn nochmals, bevor er ihn grinsend fragte: „Dürft ihr denn überhaupt Besucher mit in eure Schlafkammern nehmen?“
Grayson lachte nochmals frech, während Harry mit einer Hand durch die verwuschelten, dunkelblonden Haare des Krankenpflegers strich: „Nun ja… Schwester Margaret hatte damals nur gesagt, dass keine Frauen in dem Schlaftrakt der Männer gestattet sind… Und du bist ja keine Frau…“
„Das bin ich wahrhaftig nicht, Grayson…“, grinste Harry nun und stahl sich noch einen weiteren Kuss von den weichen Lippen des Blonden.
„Was Margaret nicht weiß, das macht sie auch nicht heiß…“, raunte Grayson mit vergnügter Stimme dem jungen Adeligen zu, während er sich enger an ihn schmiegte und seine Lippen auf die seinen presste.


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Wahnsinn das sind insgesamt schon 20 Kapitel für In Sickness and in health (Mit dem Prolog)
Ich freue mich, dass diese Story so Zuspruch für euch findet! Vielen Dank für die 19 Empfehlungen und natürlich auch für die insgesamt vier Reviews zum letzten Kapitel! Hat mich sehr gefreut
In den letzten Wochen habe ich bereits ein Konzept für den zweiten Teil ausgearbeitet: Schauplatz  -> der Landsitz von Harrys Vater und zeitlich wird es während des ersten Weltkriegs spielen.
Wie immer freue ich mich über jegliche Rückmeldung!
LG Laura
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