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In Sickness and in Health [1. Teil]

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Historisch / P18 / MaleSlash
30.01.2021
23.10.2021
35
89.786
24
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05.06.2021 3.015
 
C H A P T E R 16:

Grayson debattierte innerlich nach dieser Entdeckung noch gefühlt eine Ewigkeit, bevor er sich dazu entschloss, den Vorfall erst einmal nicht Schwester Margaret zu melden.
Er hatte zum Glück auch noch andere Ersparnisse, auf die er im Notfall zurückgreifen konnte und er benötigte im Moment ohnehin nicht viel Geld, während er im St. Thomas arbeitete.
Er und Charlie bekamen zwei warme Mahlzeiten pro Tag gestellt und zudem hatte der junge Krankenpfleger ohnehin eine beschränkte Freizeit, welche sich für kleine Ausflüge in die Stadt und damit verbundene Geldausgaben eignete.
Grayson nahm sich vor seinen Kollegen auf seinen Verdacht anzusprechen, jedoch wirkte Liam die gesamte Woche über sehr abwesend. Er war mürrisch und launisch und nicht nur einmal kam er deswegen mit der brummigen Oberschwester in Konflikt. So kannte der Blondhaarige seinen normal sehr stillen, muskulös gebauten Kollegen eigentlich nicht.
Aber Grayson wusste, weshalb Liam so verstimmt war. Denn diese Woche fand dieser bereits hoch umschwärmte Wohltätigkeitsball statt, bei welchem Mr. Smith vor der gesamten, versammelten Londoner High Society die Verlobung seiner einzigen Tochter mit einem Adelssprössling verkünden würde.
Kieran, Harrys bester Freund, hatte Grayson einmal über den neuesten Klatsch und Tratsch in Kenntnis gesetzt, als er ihn erneut im Krankensaal seiner jüngeren Schwester aufgefunden hatte.

Derek Richardson  war der älteste Sohn eines wohlhabenden Lords und hatte gerade letzten Sommer sein Studium an der Universität von Oxford abgeschlossen. Sein alter Herr hatte vor wenigen Monaten das zeitliche gesegnet und so hatte der junge Mann noch vor seinem dreißigsten Lebensjahr den gesamten Besitz seines Vaters geerbt.
„Und somit war er natürlich eine hervorragende Partie für sein schönes Töchterlein…“, hatte Kieran dem jungen Krankenpfleger erklärt und kurz spöttisch geschnaubt.

Ebenso hatte Kieran den Blonden darüber in Kenntnis gesetzt, dass Derek ebenso wie er und Harry Mitglied derselben Studentenverbindung waren. Der irischstämmige Medizinstudent hatte sich gefühlt noch Ewigkeiten über den arroganten Mann ausgelassen, der vor allem mit Nicholas sehr gut befreundet war und sich immerzu über Kieran lustig machte, da dieser lediglich der uneheliche Sohn eines Mitglieds des irischen Landadels war und folglich kein großes Erbe erwarten konnte.
Grayson hatte nur den Kopf über Kierans lebhafte Ausführungen geschüttelt und Annabeth Smith tat ihm jetzt schon leid, dass ihr Vater sie mit so einem schrecklichen Mann verheiraten würde.

Aber er musste sich auf seine Arbeit hier im Klinikum konzentrieren.
Heute mussten sie sich um eine junge Frau kümmern, welche mit Mutterkorn eine verbotene Abtreibung durchführen hatte wollen und bei diesem wahnwitzigen Versuch beinahe verblutet wäre.
Eleanor und er waren gerade im Begriff die Bettlaken zu wechseln, welche mit mehren Blutflecken gesprenkelt waren, da die Patientin noch starke Blutungen nach dieser Tortur gehabt hatte.
Glücklicherweise war es Schwester Margaret und ihrem Team aber gelungen, die heftige Blutung zu stoppen und das Leben der jungen Frau zu retten.
Grayson schmiss gerade die benutzten Leinenbinden in einen bereitstehenden Metalleimer, welche sie um den heftig blutenden Unterleib der Frau bei ihrer Einlieferung gelegt hatten, als plötzlich Schwester Margaret den Raum betrat.
„Es ist ein Jammer…“, begann die stämmige Oberschwester und legte ihren Kopf leicht schief, um die junge Frau, welche kaum älter als achtzehn Jahre sein musste, zu betrachten.
„Sie hatte eine Mischung aus verschiedenen Kräutern zu sich genommen…“, erklärte Schwester Margaret den beiden Angestellten, „Salbei, Scharfgarbe, Muskatnuss, Anis und Zimtrinde…“
„Diese Kräuter sind besonders zu Anfang einer Schwangerschaft gefährlich, da sie menstruationsfördernd wirken und somit eine Fehlgeburt auslösen können…“, führte dies die Oberschwester weiterhin aus und ein sorgenvoller Blick legte sich über faltiges Gesicht.
Schwester Margaret erkundigte sich bei den beiden Angestellten des St. Thomas, ob die Körpertemperatur der Patientin bereits gesunken war. Eleanor verneinte dies mit einem bitteren Blick in Richtung der strengen Oberschwester.
Diese seufzte und meinte dann mit einem schnippischen Unterton in ihrer Stimme: „Mir tun diese jungen Dinger ja so leid… Sie lassen sich mit einem gutmütig und freundlich wirkenden Mann ein… Und dann lassen sie die Frauen im Stich und entziehen sich ihrer Verantwortung…“
„Das muss ja aber nicht immer so sein, Margaret…“, widersprach Grayson leise der brummigen Oberschwester leise und im nächsten Moment bereute er sogleich seine voreiligen Worte.
Schwester Margaret stemmte die Hände in die Hüften und sah den blonden Krankenpfleger ernst an. Sie hob eine Augenbraue in die Höhe und wollte von ihm wissen: „Ach wirklich? Kennst du denn etwa deinen leiblichen Vater?“
Leicht beschämt schüttelte Grayson den Kopf und innerlich musste er sich wohl eingestehen, dass Schwester Margaret wie immer Recht hatte.
„Er hat in den Docks hier in London am Hafen gearbeitet…“, entgegnete ihr der junge Krankenpfleger dann, „Das ist die einzige Sache, die mir meine Mum von ihm erzählt hatte, bevor sie gestorben war… Ich kenne nicht einmal seinen Namen…“
Schwester Margaret seufzte leise und legte zu Graysons Überraschung sanft eine Hand auf die schmale Schulter des Krankenpflegers: „So geht es den meisten… Die Frauen sind dann meistens als Schlampen gebrandmarkt, wenn sie Kinder auf die Welt bringen… Und dann in der Geburtsurkunde nicht einmal den Namen des Vaters ihres Kindes angeben können…“
Die brummige Oberschwester wechselte einen auf Grayson mehr als seltsam wirkenden Blick mit der hübschen Krankenschwester und er bemerkte aus den Augenwinkeln, wie sich Eleanor hastig ihren unordentlich gemachten Dutt richtete, damit keine ihrer haselnussbraunen Strähnen.
Ein dunkler Schatten erschien auf Eleanors sommersprossengesprenkelten Gesicht und sie schien über eine Sache nachzudenken.
Grayson sah überrascht zwischen den beiden Frauen hin und her aber keine der beiden wollte den blonden Krankenpfleger über diese seltsame Situation aufklären und so beließ es Grayson dabei.
„Bei Oliver, unserem Sorgenkind ist ebenso gewesen…“, sagte Eleanor dann leise und sie ergänzte noch, „Das hat mir diese unfreundliche Miss Walker vor einer Woche erzählt… Dass seine Mutter bei einem Fabrikunfall plötzlich verstorben ist und sein Vater als unbekannt gilt… Deshalb ist er im Waisenhaus gelandet, da er keine anderen Angehörigen besäße…“
Grayson seufzte nochmals und ihm tat Oliver von Herzen leid, dass er in diesem schrecklichen Waisenhaus unter der Leitung dieser Vogelscheuche von nun an aufwachsen musste.
Am liebsten hätte er den kleinen Waisenjungen ebenfalls bei sich aufgenommen. Aber das ging wahrscheinlich gar nicht, weil Grayson mit seinem schmalen Gehalt als Krankenpfleger kaum sich selbst und seine kleine Schwester Charlie über Wasser halten konnte.
Und zudem hatte er leider bei weitem andere Probleme und Baustellen, womit er sich befassen musste.


                               ***

Ein paar Tage später machte sich der junge Krankenpfleger auf den Weg zur Kinderstation, um noch einmal nach Oliver zu sehen.
Heute war auch der Tag, an welchem der Wohltätigkeitsball der Londoner „Wealthfair Society“  stattfinden sollte, an welchem Ernest Smith die Verlobung seiner einzigen Tochter bekannt geben würde.
Grayson hatte es nicht gewundert, dass Liam besonders in den letzten Tagen mehr als gereizt und auch nervös gewesen war.
Aber wer konnte dem muskulösen Krankenpfleger auch dieses Verhalten verübeln?
Seine große Liebe würde heute Abend mit einem anderen verlobt sein und diesen schrecklichen Sir Derek Richardson ehelichen müssen.
Grayson tat es sehr leid, dass sein Kollege dies miterleben musste, wie die anmutige und liebreizende Miss Smith diesen Grobian an Mann heiraten würde…
Aber er wusste sich bedauerlicherweise auch keinen Rat, wie Liam diese Vermählung verhindern konnte.

Als Grayson die Kinderstation betrat, hielt er überrascht inne, als er diese Miss Walker mitten im Raum stehen sah. Die Leiterin des Waisenhauses hatte sich vor Olivers Krankenbett aufgebaut.
„Was hast du dir eigentlich nur dabei gedacht?“, schrie sie den kleinen Jungen so heftig an, sodass dieser zusammenzuckte und sein schmales Gesicht in seinen kleinen Händen vergrub.
„Nun muss ich auch noch für diese teure Krankenbehandlung eine Menge Geld bezahlen!“, rief Miss Walker immer wieder und ging aufgebracht in dem großen Saal hin und her.
„Ihr Bälger fresst mir noch die letzten Haare vom Kopf!“, zeterte die dürre Frau weiter und noch bevor Grayson einschreiten oder ihr auch nur ein Wort entgegnen wollte, war sie wieder aus der Kinderstation gestürmt.
Dem blonden Krankenpfleger brach es beinahe das Herz, wie der kleine Waisenjunge so herzzerreißend schluchzte und seine schmalen Hände in die blütenweiße Bettdecke des Krankenbettes gekrallt hatte.
„Hey…Oliver…“, flüsterte ihm Grayson zu, während er sich auf der Bettkante niederließ und dem Waisenjungen sanft über die verwuschelten, blonden Strähnen strich.
„Alles gut…“, meinte der junge Krankenpfleger dann und fuhr mit seinen Händen beruhigend über den bebenden Rücken von Oliver, welcher immer noch leise weinte.
In diesem Augenblick erinnerte Grayson der kleine, vierjährige Junge an seine jüngsten Geschwister. Es waren Zwillinge gewesen, ein Junge und ein Mädchen. Sie waren kaum einmal der Brust ihrer Mutter entwachsen, als sie ebenfalls die Cholera, welche zu dieser Zeit in Londons East End gewütet hatte, hinweggerafft hatte.
Grayson schüttelte es bei der düsteren Erinnerung, wie die kleinen beinahe zeitgleich mit ihrer gemeinsamen Mutter gestorben waren und er weder ihnen noch seiner Mutter hatte helfen können.

Der blondhaarige Krankenpfleger sah überrascht auf, als er ein Klopfen am Türrahmen des Krankensaals vernahm.
„Na wie geht es denn unserem Oliver Twist?“, fragte Harry ihn mit einem sanften Lächeln im Gesicht und Grayson runzelte leicht missmutig seine Stirn.
„Das ist eine Figur aus einem Roman von Charles Dickens, Grayson…“, erklärte der künftige Duke dann dem Krankenpfleger und dieser nickte nur kurz mit dem Kopf.
„Faszinierend…“, war Graysons schmal angebundene Antwort und er verschränkte die Arme vor seiner Brust, während er den jungen Medizinstudenten vor sich musterte.
Der adelige Mann hatte sich offenbar schon für den Wohltätigkeitsball herausgeputzt und Grayson hätte wohl lügen müssen, wenn er jetzt gesagt hatte, dass Harry äußerst attraktiv in seinem schwarzen Smoking und den mit Pomade in Form gebrachten, braunen halblangen Locken wirkte.
Hinter Harry erkannte Grayson auch Gwendolyn Edwards ausmachen, welche ebenso in ihrem weinroten Abendkleid und den nach oben gesteckten Locken eine reizende Erscheinung abgab.

Sie winkte Grayson kurz und grüßte den Angestellten des St. Thomas mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht.
Der Medizinstudent hielt ein in Leder gebundenes Buch in die Höhe und er sagte zu Grayson: „Oliver hatte mir letzte Woche, während Professor Hamiltons Visite erzählt, dass er gerne einmal eine Gute- Nacht Geschichte hören würde… Aus diesem Grund habe ich ihm dieses Buch mitgebracht… Der Titel lautet ‚David Copperfield‘ und es stammt ebenso aus der Feder von Charles Dickens…“
„Das ist ja eine schöne Idee…“, entgegnete Grayson dem jungen Adeligen mit einem leicht schnippischen Unterton in der Stimme, „Aber für solche Sachen habe ich im Augenblick leider keine Zeit… Ich muss unbedingt noch die anderen Betten hier auf der Kinderstation versorgen…“
Harry nickte verständnisvoll und zur Überraschung des jungen Krankenpflegers schlug er vor: „Ich könnte ja Oliver derweilen ein wenig vorlesen…“
„Bitte Grayson!“, bat Oliver dann den blonden Krankenpfleger und sah ihn flehend mit seinen großen blauen Augen an.
Grayson rollte kurz mit den Augen und er fragte den Medizinstudenten dann: „Ich dachte, dass du heute doch auf diesen Wohltätigkeitsball erscheinen musst…Wird man dich etwa dann nicht dort vermissen?“
Harry schüttelte kurz seinen Kopf und er wandte sich an seine ältere Schwester: „Es macht bestimmt nichts, wenn ich ein oder zwei Stündchen später dort auftauche…Ich werde dann später mit einer Droschke nachkommen, Gwen…“
Gwendolyn Edwards nickte kurz und sie schenkte Grayson und auch Oliver noch einmal ein freundliches Lächeln. Sie verabschiedete sich von ihrem jüngeren Bruder mit einer flüchtigen Umarmung und winkte dem kleinen Waisenjungen nochmals zu. Dann war sie auch aus dem großen Krankensaal verschwunden.

Oliver strahlte sowohl Grayson als auch den jungen Medizinstudenten an und seine Tränen von vorhin wirkten vergessen.
Grayson seufzte nochmals und strich sich seine widerspenstigen, dunkelblonden Strähnen hinter die Ohren, bevor er sich wieder an die Arbeit machte.
Währenddessen er volle Bettpfannen leerte, Bettdecken aufschüttelte und die Körpertemperatur von mehreren Kindern überprüfte, hatte sich Harry einen freien Stuhl herangezogen und hatte mit dem Vorlesen begonnen.

„1. Kapitel ‚Ich komme zur Welt‘…Ob ich mich in diesem Buche zum Helden meiner eigenen Leidensgeschichte entwickeln werde oder ob jemand anders diese Stelle ausfüllen soll, wird sich zeigen. Um mit dem Beginn meines Lebens anzufangen, bemerkte ich, daß ich, wie man mir mitgeteilt hat und ich auch glaube, an einem Freitag um Mitternacht zur Welt kam. Es heißt, dass die Uhr zu schlagen begann, gerade als ich zu schreien anfing...“ ( Quelle: David Copperfield, 1849/50,  Charles Dickens)

Sowohl der kleine Waisenjunge als auch die anderen Kinder im Krankensaal hatten dem Medizinstudenten aufmerksam gelauscht, wie Harry mit sanfter Stimme aus dem Roman von Charles Dickens vorlas.
Grayson erwärmte es das Herz, wie Harry den kleinen Jungen unter dem Vorlesen immer wieder sanft über die blonden Haare streichelte und mit lebhafter Stimme die Lebensgeschichte der Romanfigur David Copperfield wiedergab.
Seine hellen, grünen Augen strahlten, als es der blonde Krankenpfleger einmal wagte direkt in Harrys Richtung zu blicken und Grayson hätte sich wohl Hals über Kopf in den jungen Adeligen verliebt…

Wenn er ihm nicht schon längst sein Herz geschenkt hatte…

Nachdem Harry bereits eine halbe Stunde aus dem Buch rezitiert hatte, hatte auch Grayson seine Tätigkeiten beendet und er kam zu ihm herüber.
„Er ist eingeschlafen, Grayson…“, setzte ihn Harry in Kenntnis und klappte das Buch zu. Er stand von dem klapprigen Holzstuhl auf und stellte sich ebenfalls neben Olivers Krankenbett.
Grayson strich noch einmal hauchzart über Olivers blasse Wange und zog die blütenweiße Bettdecke höher über die schmalen Schultern des kleinen Waisenjungen.
Dann wandte er sich an den Medizinstudenten: „Danke, Harry…“
Verlegen fuhr sich der junge Adelige durch seine halblangen Locken und er flüsterte Grayson leise zu: „Das habe ich doch gerne gemacht…“
Für eine Sekunde schwiegen sowohl der junge Krankenpfleger als auch der Medizinstudent und sie vergaßen beinahe, wo sie sich eigentlich befanden.
Die beiden kamen sich immer näher und beinahe hätte sich ihre Lippen zu einem zärtlichen Kuss vereinigt, als Grayson sich plötzlich räusperte und sich daraufhin hektisch ein Stück von dem künftigen Duke entfernte.
Harrys faszinierende grüne Augen bohrten sich in die des jungen Krankenpflegers und aufmerksam blickte er Grayson ins Gesicht und suchte offenbar nach Anzeichen, weshalb jener wieder einmal vor ihm zurückgezuckt war.
Grayson ignorierte das heftig pochende Herz in seiner Brust und er sah Harry ernst an: „Ich wollte dir noch einmal sagen, dass sich dein bester Freund von meiner Schwester in Zukunft fernhalten soll…“
Harry zog überrascht eine Augenbraue in die Höhe und er steckte das kleine Buch wieder in die Seitentasche seines Anzugs.
„Sie ist gerade mal sechzehn Jahre alt geworden… Sie ist viel zu jung, um sich zu verlieben…“
Harry lachte kurz auf: „Man kann sich ja nun einmal nicht entscheiden, in wen man sich verliebt ….Und ich kann dir versichern, Grayson, dass Kieran ein feiner Kerl ist… Zwar kann er sich manchmal ein wenig tollpatschig und plump anstellen… Jedoch besitzt er ein gutes Herz…“
„Und außerdem…“, fügte der junge Medizinstudent noch seiner Rede hinzu, „Ist sechzehn in den meisten Adelskreisen noch gar kein Alter… In diesem Alter sind die meisten Mädchen schon verheiratet… Oder sind zumindest schon einem anderen versprochen…“
„Charlie ist aber nicht ein Mädchen aus der Oberschicht!“, rief Grayson dann aufgebracht und Harry griff sogleich nach der schmalen Hand des Krankenpflegers.
Beruhigend strich er mit einem Daumen über die bebende Handfläche des Blondhaarigen und seine grünen Augen bohrten sich in Graysons.
„Ich verspreche dir hoch und heilig, dass er deiner kleinen Schwester nicht wehtun wird… Genauso wenig wie ich dir jemals Schaden zufügen könnte, Grayson…“, meinte Harry dann und blickte ihn aufmerksam an.
Der junge Krankenpfleger spürte, wie sein heftig schlagendes Herz in seiner Brust beinahe aufgrund dieser sanften Worte explodierte und er musste sich zusammenreißen, um Harry nicht einfach so in die Arme zu fallen und den Adeligen stürmisch zu küssen.

Das Knarzen der schweren Tür zur Kinderstation unterbrach leider diesen magischen Moment zwischen den beiden Männern und als Grayson die brummige Oberschwester erkannte, entfernte er sich schnell wieder von Harry und richtete seine weiße Uniform.
„Was ist denn hier los?“, wollte Margaret sogleich von den beiden wissen und Harry lächelte die Oberschwester schief an, bevor er ihr erklärte, dass er nur einen kurzen Abstecher auf die Kinderstation gemacht hatte und Oliver aus seinem Buch vorgelesen hatte, damit dieser unbehelligt hatte einschlafen können.
Schwester Margaret nickte nur und fuhr sich gestresst über ihre runzlige Stirn.
Angespannt sah sie Grayson an und fragte ihn: „Grayson, hast du heute Liam nach dem Mittagessen noch einmal gesehen?“
„Ähm, nein… Ich denke nicht, Margaret…“, antwortete Grayson ihr und der junge Krankenpfleger stellte sich die Frage, weshalb die brummige Oberschwester ausgerechnet dies von ihm in Erfahrung bringen wollte.
Schwester Margaret seufzte kurz, bevor sie Harry und Grayson erklärte: „Mister Smith ist vor knapp einer Stunde in der Eingangshalle aufgetaucht und hat hektisch herumgeschrien, dass einer der Krankenpfleger seine Tochter entführt hat…“
„Ich habe Eleanor informiert und gemeinsam haben wir eure Kammer untersucht, Grayson…“, meinte Schwester Margaret an und sie schüttelte nochmals mit ihrem Kopf.
„Seine gesamten persönlichen Sachen sind verschwunden… Und Eleanor hat Liam seit heute Mittag auch nicht mehr zu Gesicht bekommen… Die Nachmittagsschicht hat er jedenfalls nicht angetreten…“
Die stämmige Oberschwester nahm noch einmal einen tiefen Atemzug und sie blickte Harry und Grayson ernst an: „Darum müssen wir wohl annehmen, dass Mr. Smith bezüglich seiner Vermutung wohl richtig liegt…“
„Mit welcher Vermutung denn, Margaret?“, fragte Grayson noch einmal bei seiner Vorgesetzten nach und diese offenbarte ihm diese unheilvolle Nachricht: „Dass Liam offenbar zusammen mit Annabeth Smith durchgebrannt ist…“


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Derzeit mach mir das Schreiben der Story so viel Spaß, deshalb kommt heute schon wieder ein neues Kapitel online! Vielen Dank für eure Unterstützung! <3 Die Favoriteneinträge, Empfehlungen und Reviews steigen jeden Tag!
So jetzt ist es endlich raus, was Liam mit dem gestohlenen Geld vorhatte... Er wollte mit seiner großen Liebe durchbrennen und hat London zusammen mit Miss Smith verlassen....
Und Harrys und Graysons erster Kuss steht kurz bevor... Das verspreche ich euch haha :D
Und ich muss euch schon mal leicht vorwarnen, dass die nächsten Kapitel ernster werden (u.a mit plötzlichen Todesfällen, komplizierten Operationen und mit illegalen Abtreibungen...) Ihr dürft gespannt bleiben!
Wie es ja so schön in der Kurzbeschreibung heißt: "Das St. Thomas ist ein Ort, in dem Leben und Tod tagtäglich auf einer schmalen Linie balancieren..."
Ich wünsche euch noch einen schönen Samstag!
LG Laura :))
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