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In Sickness and in Health [1. Teil]

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Historisch / P18 / MaleSlash
30.01.2021
23.10.2021
35
89.786
24
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16.05.2021 2.212
 
CHAPTER 13:

Nachdem sich Grayson und Eleanor zunächst für eine Weile wieder ihrer jeweiligen Arbeit gewidmet hatten, erwartete der blonde Krankenpfleger gespannt auf die Ankunft des „großzügigen“ Gönners des St. Thomas.
Professor Hamilton sprach ja immer nur in den höchsten Tönen von jenem Mann, der dem Hospital jährlich große Summen stiftete und sich als Mitglied der Londoner High Society so offenbar für die Krankenfürsorge engagierte.
Eleanor und Grayson sahen überrascht auf, als ein kleiner Mann in Begleitung von Professor Abernathy in den Krankensaal der Frauen stürmte und sich mit verschränkten Armen vor den beiden Angestellten des St. Thomas aufbaute.
Grayson betrachtete unauffällig die gedrungene und stämmige Gestalt von Mr. Smith, während er weiterhin saubere Verbände sowie Leinentücher einsortierte, und er fragte sich, wie dieser kleine Mann nur mit der schönen, anmutigen Miss Smith verwandt sein könnte.
Der blondhaarige Krankenpfleger kam zu dem Schluss, dass Annabeths Mutter wohl ebenso schön und schlank wie ihre reizende Tochter sein müsste, denn mit ihrem griesgrämig aussehenden Vater hatte die Fabrikantentochter wohl auf den ersten Blick sehr wenig gemeinsam.
Die Gestalt von Ernst Smith wirkte geduckt und er trug einen gewaltigen Bauch vor sich her, während seine Oberlippe ein kratziger Schnauzbart zierte. Seine kräftigen Wangen wirkten voll und gerötet und Grayson erinnerte er im ersten Augenblick an ein kleines Schweinchen, das sich die Jahre über aufgrund des Nahrungsmittelüberflusses fett gefressen hatte und nun kurz vor der Schlachtung stand.
Grayson musste für einen kurzen Moment über seine Gedankengänge schmunzeln. Jedoch ließ ihn ein strenger Blick von Schwester Margaret wieder zum Verstummen bringen.

„Was soll das denn, Herr Professor?“, brummte der Sponsor des St. Thomas mit tiefer Stimme und er blickte Professor Abernathy und die stämmige Oberschwester streng an.
Während er Liam immer noch vor dem Bett der Verletzten knien sah, verengten sich die schmalen Schweinsäuglein von Ernest Smith. Liam schien die Anwesenden im Raum nicht zu bemerken und er streichelte immer noch mit einer Hand über Annabeths Stirn. Mister Smith räusperte sich kurz und Graysons Kollege erwachte endlich aus seiner Trance.
Als Liam den Vater seiner Angebeteten im Krankensaal bemerkte, zuckte er erschrocken zusammen und stand schnell von der Kante von Annabeth Smiths schmalen Bett auf und richtete sich hektisch seine weiße Krankenpfleger Uniform.
„Ich … Ich wollte gerade die Körpertemperatur von Miss Smith messen, Margaret…“, stammelte Liam leicht verunsichert und Grayson war verwundert über das zurückhaltende Verhalten seines Arbeitskollegen. Denn normalerweise fürchtete sich Liam vor niemanden und der muskulös gebaute Krankenpfleger mit den kurz geschorenen Haaren ließ sich nicht einfach so schnell einschüchtern.
Und genauso wirkte es in diesem Moment. Der Krankenpfleger zitterte vor dem prüfenden Blick des reichen Industriellen, obwohl dieser mehr als zwei Köpfe kleiner als Liam war. Ernest Smith ließ es sich aber nicht anmerken, dass er die Verbindung, welche Graysons Kollege zu Annabeth Smith hatte, durchschaut hatte oder er war einfach nur wenig aufmerksam.
Professor Abernathy und Schwester Margaret warfen sich einen flüchtigen Blick zu. Offenbar hatten auch die beiden geahnt, dass Liam etwas für die hübsche und freundliche Miss Smith übrighatte. Jedoch taten sie in Anwesenheit von Ernst Smith so, als wüssten sie nichts von dem Verhältnis, das Liam mit der jungen Miss Smith pflegte.
„Oh Gott…“, rief Ernest Smith dann und drängte sich rüde an Liam vorbei, um an das Krankenbett seiner Tochter zu eilen.
„Was ist denn passiert, Liebling?“, wollte Mr. Smith sogleich wissen und da sein Töchterlein aufgrund der Beruhigungsmittel noch leicht benommen war und ihrem besorgten Vater nicht antwortete.
Professor Abernathy erklärte dem reichen Fabrikanten: „Ihre Tochter wurde mit einer Glasflasche am Kopf verletzt… Sie brauchen jedoch keine Sorge haben, Mr. Smith… Es handelt sich lediglich um eine harmlose Platzwunde und hier im St. Thomas ist ihre Tochter ja bestens versorgt.“
„Ja, das sehe ich…“, entgegnete Mr. Smith dem ausgebildeten Arzt mit einem leicht pikierten Blick in Liams Richtung. Ernest Smith schnaubte dann und sah sich leicht angewidert in dem einfach eingerichteten Krankensaal um: „In diesen Gemäuern lasse ich meine Tochter auf keinen Fall zurück!“
„Da kann sich Annabeth ja sonst was einfangen… Und sich noch mit weiteren gefährlichen Keimen anstecken…“
Eleanor lächelte Mr. Smith mit einem gespielt süßen Lächeln an und sagte dann: „Mr. Smith, die Laken in den Krankenbetten sowie die Umschläge werden täglich von uns gewechselt… Bezüglich der Hygiene müssen sie sich mit Sicherheit keine Sorgen machen, das kann ich ihnen versichern.“
„Pah…“, schnaubte Ernest Smith weiterhin verärgert, dass seinen Worten und Ausführungen keine Aufmerksamkeit geschenkt wurden und er meinte dann: „Meine Tochter wird nicht hier in diesen dreckigen Gemäuern bleiben! Soweit kommts noch…Benachrichtigen sie gefälligst Professor Hamilton, dass er jeden Tag Hausbesuche bei uns im Haus in Belgravia machen soll!“
Schwester Margaret und Professor Abernathy sahen sich überrascht an, während der reiche Fabrikant weiter zeterte: „Wo ist denn eigentlich Professor Hamilton? Gibt es denn in diesem Krankenhaus keine kompetenten Ärzte mehr?“
„Mein werter Kollege befindet sich gerade im OP, Mister Smith… Ich denke jedoch, dass ihre Tochter bei uns in den besten Händen ist… Ihr wird hier mit Sicherheit kein Schaden zugefügt werden…“, erklärte Professor Abernathy ruhig und gefasst dem zeternden Industriellen.
Diese musterte ihn mit verengten Augen und er zischte dann: „Von einem Juden und Halsabschneider lasse ich mir gar nichts sagen!“
Grayson und Eleanor zuckten bei diesen abwertend geklungenen Worten aus Mister Smiths Mund erschrocken zusammen. Der blonde Krankenpfleger hatte bis zu diesem Moment gar nicht gewusst, dass der freundliche Professor Abernathy einer anderen Religion zugehörig war. Erst jetzt fiel Grayson auch die sternförmige Kette unter dem weißen Kittel des Professors ins Auge.

Der Davidsstern…

Zu Graysons Verwunderung blieb Professor Abernathy aber wie gewohnt freundlich, als wäre er die Beleidigung und offen getragene Abneigung aufgrund seiner religiösen Zugehörigkeit bereits gewohnt und er nickte Mister Smith zu: „Wenn sie es so wünschen…“
Liam knetete nervös seine Hände und Grayson sah von weitem, wie sein Adamsapfel bei diesen Worten hüpfte. „Aber Mr. Smith…“, sagte er dann in Richtung des Vaters seiner Angebeteten, „Wir passen hier doch im St. Thomas gut auf ihre Tochter auf, das kann ich ihnen versprechen.“
Ernest Smith schnaubte abermals, während er die einfache Uniform des Krankenpflegers mit einem abschätzigen Blick musterte: „Ach ja? Das glaube ich, habe ich schon mal gehört… Und jetzt liegt sie hier… schwer verletzt…“
„Das ist aber keineswegs Liams Schuld, Mr. Smith!“, rutschte es Grayson heraus und sogleich traf ihn ein vorwurfsvoller Blick aus Margarets Augen.
„Ach ja?“, jetzt war der reiche Fabrikant neugierig geworden und er drehte sich zu dem blondhaarigen Krankenpfleger um. Unter dem strengen Blick von Mister Smith sank Grayson noch ein Stück in sich zusammen und er traute sich kaum, dem dicken Mann in die Augen zu blicken.
„Ähm… Miss Smith war zusammen mit Miss Edwards und meiner kleinen Schwester auf einer Veranstaltung der Suffragetten am Convent Garden…“
Ernst Smith fluchte einmal laut und er fuhr sich mit einer Hand über seine Glatze: „Oh diese Miss Edwards… Graham Edwards missratene Tochter…“
„Es war sogar Emmeline Pankhurst dort anwesend…“, meinte Liam dann leise, „Sie setzt sich für die Rechte der Frauen ein, das ist sehr wich…“
„Papperlapapp!“, unterbrach Mister Smith Graysons Kollegen rüde und er meinte dann, „Sie setzt jungen Frauen ein Hirngespinst ins Gedächtnis… Dass sie wählen gehen und sich politisch engagieren sollen…So ein ausgedachter Quatsch kann nur von diesen dummen Weibern kommen!“
„Und solche Frauen wie diese Emmeline Pankhurst und Emily Davison setzen meiner Tochter dumme Flausen in den Kopf!“
„Und natürlich Gwendolyn Edwards…“, ergänzte Ernest Smith noch seufzend, „Graham hat seiner Tochter einfach zu viele Freiheiten gelassen…Deswegen ist diese jetzt außer Rand und Band! Er hätte sie besser mit einem der zahlreichen jungen Gentlemen, die um ihre Hand angehalten hatten, vermählen sollen!“
Der reiche Fabrikant schüttelte missbilligend seinen Kopf und rief dann: „Frauen sollten wissen, wo ihr von Gott angestammter Platz ist!“
„Und dieser wäre wo, Mr. Smith?“, Eleanor blickte den Fabrikbesitzer herausfordernd an.
„Natürlich in ihrem angetrauten Heim! Sie soll die Küche und den Haushalt führen und ihrem Mann eine gute Ehefrau sein“, erklärte Mr. Smith ihr jung, als wäre die junge Krankenschwester zurückgeblieben.
Eleanor wollte ihm gerade etwas wenig Schmeichelhaftes erwidern, jedoch fasste sie Grayson am Unterarm und sah seine Kollegin eindringlich an. Er wusste, dass dieser reiche Mister Smith bereits erzürnt und erregt war und er wollte nicht, dass die Situation noch erklären konnte.
„Ruft jetzt endlich jemand mal nach Professor Hamilton?“, sagte Ernest Smith und verschränkte abwartend die Arme vor seiner Brust.
Professor Abernathy seufzte und meinte dann mit gefasster Stimme: „Natürlich, Mister Smith… Ich werde gleich mal nach meinem Herrn Kollegen sehen und nachschauen, ob er den komplizierten Eingriff schon beendet hat.“
Der freundliche Professor lächelte Eleanor und Grayson noch einmal zu und verabschiedete sich dann mit diesen Worten von Mr. Smith.
Zusammen mit Liam verließ er den Krankensaal der Frauen, sodass Grayson und Eleanor zusammen mit Schwester Margaret dort zurückblieben.
Die stämmige Oberschwester drehte sich zu dem blondhaarigen Krankenpfleger um und sagte dann: „Und nun zu dir, Grayson…Ich habe da noch eine kleine Aufgabe für dich…“
Grayson schluckte und er wusste, dass ihm jetzt die angedrohte Strafarbeit von Schwester Margaret drohte. Diese lächelte ihm kurz zu und meinte dann: „Komm mal kurz mit mir mit… Ich habe eine kleine Tätigkeit für dich, die unbedingt gemacht werden muss…“

                                       **

Grayson atmete durch die Nase und versuchte mit aller Kraft seinen Würgereflex zurückzuhalten, als er die Nachtschüsseln am Hintereingang des St. Thomas mit warmer Seife ausspülte und das dreckige Wasser dann in den in der Nähe liegenden Abfluss laufen ließ.
Der blonde Krankenpfleger kniff die Augen zusammen, als ihm der beißende Geruch von Urin und anderen Fäkalien in die Nase strömte und er nahm einen tiefen Atemzug, während er widerwillig weitermachte.
Als Schwester ihm die gestapelten Schüsseln mit einem Grinsen in die Arme gedrückt hatte, hatte Eleanor ihn mitleidig angesehen.
Denn diese leidige Angelegenheit war normalerweise eine Arbeit, die sich die Krankenpfleger und Krankenschwestern untereinander aufteilten, damit niemand es ganz alleine bewältigen und sich mit dieser ekeligen Aufgabe herumschlagen musste. Heute jedoch blieb dies allesamt als Strafarbeit an Grayson hängen.
Seufzend strich sich Grayson mit einer Hand seine dunkelblonden Strähnen nach hinten, während er mit der kleinen Stahlbürste die dreckigen Schüsseln schrubbte und verzweifelt versuchte, seinen Ekel ein wenig zu verbergen.
Als er plötzlich mehrere bekannte Stimmen hörte, drückte er sich näher an die massive Backsteinmauer und sah überrascht auf, als er Harry und seine ältere Schwester erkannte. Die beiden schienen ihn in dem matten Licht der abendlichen Dämmerung nicht zu sehen.
„Ach komm… Du brauchst mir doch nichts vormachen, kleiner Bruder…“, fing Gwendolyn an und fasste ihrem Bruder am Ärmel seines Anzugs.
„Woher weißt du es?“, fragte Harry mit entsetzter Miene und blickte seine ältere Schwester mit weit aufgerissenen Augen an.
Gwendolyn Edwards verdrehte ihre strahlend grünen Augen, die die ihres Bruders so ähnelten und sagte dann: „Ach komm… Du hast ein verletztes Fräulein einfach so stehen gelassen, um Grayson zur Hilfe zu eilen…“
Der blonde Krankenpfleger lauschte aus seinem Versteck neugierig dem Gespräch des Geschwisterpaars und hielt gepresst den Atem an.
„Das hätte doch jeder an meiner Stelle gemacht, Gwen…“, murmelte der junge Adelige dann, wurde aber von seiner älteren Schwester wüst unterbrochen.
„Du hättest dich beinahe vor eine fahrende Kutsche geworfen, um Grayson aus der Patsche zu helfen! Er hätte sich bei diesem Zusammenstoß alle Knochen brechen können …. oder er wäre möglicherweise so schwer verletzt worden, dass er gestorben wäre…“
„Das ist er aber nicht, Gwen...“, entgegnete ihr der Medizinstudent ernst und die Angesprochene nickte.
„Ja zum Glück ist ihm dieses Schicksal erspart worden… Dank dir, Bruderherz…“
Harry nickte leicht verlegen und aus seinem heimlichen Versteck sah Grayson, wie sich die Wangen des Studenten ein wenig rötlich bei diesen Worten färbten.
„Möchtest du mir eventuell etwas gestehen, mein liebster Harold?“
Spöttisch blickte Gwen ihren Bruder an und dieser seufze daraufhin: „Bitte, Gwen… Du darfst es keinem erzählen… Vor allem nicht Vater!“
„Was denn?“, erwiderte die selbstbewusste Miss Edwards ihrem Bruder und lächelte ihn sanft an, „Dass du dich etwa in einen armen Krankenpfleger aus dem St. Thomas verliebt hast, Harry?“

Bei diesen Worten keuchte Grayson erschrocken auf und aus lauter Unachtsamkeit rutschte dem schmächtigen Krankenpfleger eine der blechernen Metallschüsseln aus seinen schwitzigen Händen. Der Nachttopf fiel auf das Pflaster und es klapperte so laut, sodass sich Gwen und Harry erschrocken in Graysons Richtung drehten.
Sie hatten ihn doch noch entdeckt.
„So ein Mist kann auch nur mir passieren“, dachte sich Grayson und biss sich seufzend auf seine Unterlippe.

"Der Lauscher an der Wand hört seine eigene Schand."

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Danke für die 12 Empfehlungen! :)) Aufgrund dieser Rückmeldung gibt es heute schon
Ich hoffe es gefällt euch!
Grayson und Harry werden sich bald aussprechen können und dann kommen sich die beiden hoffentlich bald auch näher ...
Falls ihr noch mehr Lust auf LGBT/ Romance Men to Men Stories habt, könnt ihr gerne bei meiner (noch nicht, aber bald beendeten haha :D ) Trilogie vorbeischauen. Sie spielt zwar in der Gegenwart, aber vielleicht sagt sie ein paar von euch doch zu! Würde mich freuen, wenn ihr dort mal vorbeischaut! :)
1. Teil: DIONYSUS Angel
2. Teil: HERMES (Spin- Off zu zwei Nebencharakteren in DIONYSUS)
3. Teil: APOLLON (Sequel, komplett neue Hauptcharaktere, gleiches Setting wie HERMES/APOLLON)

Einen schönen Wochenstart wünsche ich euch morgen!
LG Laura
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