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In Sickness and in Health [1. Teil]

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Historisch / P18 / MaleSlash
30.01.2021
23.10.2021
35
89.786
24
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05.05.2021 3.405
 
CHAPTER 11:

„Deeds- not words“ (Taten statt Worte)

Harry und Grayson sahen sich immer noch vollkommen fassungslos an, während Liam und Eleanor ebenfalls in den Krankensaal kamen. Die junge Krankenschwester legte den Stapel an frisch gewaschenen Bettlaken auf einem freien Bett ab und blickte sich suchend nach Graysons kleiner Schwester um.
Liam hingegen musterte immer noch verwirrt diese kleine Ansammlung: „Was ist denn passiert?“, wollte er von den beiden jungen Männern wissen, welche immer noch regungslos herumstanden.
„Miss Edwards ist passiert!“, strömte es auf einmal aus Grayson heraus und er musterte aufgebracht den jungen Medizinstudenten. Sein Kollege sah ihn immer noch verblüfft an und wusste nicht so recht, woraufhin der blondhaarige Krankenpfleger hinauswollte.
„Meine Schwester Gwen hat Graysons kleine Schwester zu dieser Demonstration am Convent Garden mitgenommen“, erklärte Harry hastig Graysons Kollegen und knetete unruhig die Ärmel seines Anzughemdes zwischen seinen Händen.
„Wohl eher entführt- gegen meinen Willen!“, schnaubte Grayson und er konnte es nicht verhindern, dass sich seine Stimme in diesem Augenblick wohl sehr schnippisch anhören musste. Jedoch hatte er einfach eine irrsinnig große Angst, dass seiner jüngeren Schwester etwas bei dieser Veranstaltung der Suffragetten zustoßen könnte.
„Ach, unser liebes Prinzesschen… Spielt sie denn heute also wieder einmal politische Aktivistin?“, klinkte sich Eleanor nun ebenfalls in ihre Konversation ein.
Sie strich sich eine zerzauste Haarsträhne, welche sich aus ihrem hohen Dutt gelöst hatte, hinter die Ohren und meinte in Harrys Richtung: „Es ist ja schön, dass sich ihre reizende Schwester für die Belange des Frauenrechts einsetzen möchte… Sich jedoch auf diese vollkommen wahnsinnigen und ausartenden Veranstaltungen zu begeben, verbessert die Situation der Frauen auch nicht gerade!“
Harry hob abwehrend seine Hände in die Höhe: „Gwen hatte sicherlich keinerlei böse Absichten… Sie möchte doch nur etwas bewirken!“
„Dann sollte sie sich mal aus ihrer Blase herausbegebe!“, sagte Eleanor zu dem Adeligen, „Man kann leicht reden, wenn man mit einem goldenen Löffel geboren wurde! Sie und ihre Schwester mussten doch noch niemals richtig leiden!“
Harry verschränkte die Arme vor seiner Brust und versuchte sich vor der jungen Krankenschwester zu verteidigen: „Glaub mir… Ich habe, als ich meinem Vater zu Untersuchungen begleitet habe und auch während meiner Ausbildung hier im St. Thomas schon mehr als genug Elend gesehen.“
„Dann begeben sie sich nur mal außerhalb dieser ehrwürdigen Mauer, Herr Medicus!“, fauchte Eleanor nun und Grayson war wahrlich erschrocken über den aufgebrachten Tonfall seiner sonst so freundlichen Kollegin.
„Im East End leiden viel mehr Menschen an Hunger und Verletzungen, als sie sich je vorstellen können!“, rief Eleanor, „Meine Mutter hat sich damals ihren Rücken in einer Wäscherei krumm geschuftet…Irgendwann wurde sie durch die giftigen Chemikalien so krank, dass sie keine Luft mehr gekriegt! Als es mit ihr zu ende ging, hat sie nur noch Blut gehustet!“
Eleanors blaue Augen wirkten eisig, als sie den künftigen Doktor mit einem wütenden Blick bedachte: „Könnt ihr euch reiche und verwöhnte Söhnchen euch das etwa vorstellen?“
Grayson spürte, dass seine Kollegin durch diese schmerzliche Erinnerung an ihre Vergangenheit merklich aufgebracht war und schnell legte er einen tröstenden Arm um ihre schmalen Schultern: „Pscht ..Es ist doch alles okay, Eleanor…“
Die hübsche Krankenschwester schniefte und wischte sich schnell über die Augen: „Nein, das ist es eben nicht… Wir müssen Charlie schleunigst schnell zurückbringen, bevor ihr noch etwas zustößt!“
Der künftige Duke sah die beiden Angestellten des St. Thomas Hospitals ernst an und er zupfte unruhig an seinem dunkelgrauen Jackett seines Anzugs herum, da er offenbar nicht wusste, was er auf Eleanors Worte erwidern sollte. Dann aber sagte er gepresst und seine Stimme zeugte von aufrichtigem Mitgefühl: „Meine Schwester würde doch niemals Charlotte wissentlich einer unnötigen Gefahr aussetzen!“
„Das sind aber genau diese Demos!“, fuhr Grayson auf und raufte sich in einer verzweifelten Geste seine dunkelblonden Strähnen.
„Und sie hat sich meiner Anweisung widersetzt!“, fügte der junge Krankenpfleger hinzu, „Ich habe Charlie ausdrücklich verboten, dass sie dieser Veranstaltung beiwohnt!“
„Ruhig!“, rief zu Graysons und Harrys Verblüffung plötzlich der muskulöse Krankenpfleger und stellte sich zwischen die beiden Streithähne: „Ruhig, alle beide!“
Harry und Grayson unterbrachen hastig ihr Gespräch und blickten den stämmigen Mann aufmerksam an. Dieser sagte nun: „Wir müssen Miss Edwards und Graysons kleine Schwester schleunigst zurückholen…Bevor noch ein Unglück geschieht und die beiden verletzt werden!“
Eleanor nickte ernst und meinte dann: „Ihr müsst gleich aufbrechen, Grayson.“
Der blonde Krankenpfleger sah seine Kollegin unsicher an und flüsterte dann kaum hörbar: „Aber Eleanor… Was ist denn mit Schwester Margaret? Sie wird doch niemals erlauben, dass wir am helllichten Tag unseren Arbeitsplatz verlassen…“
Eleanor blickte den jungen Mann an und schenkte ihm ein beschwichtigendes Lächeln: „Ach, mach dir um den alten Drachen mal keine Sorgen… Ich decke euch bei Schwester Margaret, bis ihr wieder da seid…“
Liam und Harry nickten zustimmend und Grayson ergab sich seufzend seinem Schicksal. Eigentlich gefiel ihm dieser Plan gar nicht und er wusste schon jetzt, dass ihnen eine gehörige Standpauke der brummigen Oberschwester blühen würde, wenn sie wieder ins Klinikum zurückkommen würde. Auf der anderen Seite wollte er unbedingt verhindern, dass sich Charlie auf dieser Veranstaltung von den Suffragetten einen Schaden zuziehen würde…
„Gut, Eleanor…“, meinte Grayson dann zu seiner Kollegin und legte ihr eine Hand auf die Schulter; „Vielen Dank für deine Hilfe.“
„Ach Grayson…“, meinte die hübsche Krankenschwester dann sanft und zog ihren Kollegen in eine herzliche Umarmung. Als sich die beiden wieder voneinander lösten, bemerkte Grayson den stechenden Blick von Harry in seinem Rücken und verwundert drehte er sich zu dem jungen Adeligen um.
Der Medizinstudent hatte die Stirn in tiefe Furchen gelegt und er musterte die beiden Mitarbeiter des St. Thomas mit einem ernsten Blick.
Grayson wunderte sich in Gedanken über das seltsame Verhalten des sonst so freundlichen Studenten. Aber in diesem Augenblick konnte er sich darüber keine Gedanken machen.
„Komm, wir dürfen keine Zeit verlieren!“, drängte Liam seinen Kollegen zum Aufbrach.
„Ich muss nur noch kurz Kieran in Kenntnis setzen, dass er mich bei Professor Hamiltons Vorlesung entschuldigen muss…“, meinte Harry noch und Liam schnaubte kurz: „Na gut… Meinetwegen…“
Grayson nickte noch einmal zustimmend und so machte er sich zusammen mit den zwei Männern auf den Weg.


                                                                                            ***
Kurze Zeit später befanden sich Grayson und die anderen auf den Weg in Londons Zentrum. Liam und Grayson hatten ursprünglich vorgehabt, zu dem Platz, an dem die Demonstration für die Frauenbewegung stattfand, zu Fuß zu laufen. Harry hatte jedoch, bevor die beiden Krankenpfleger überhaupt reagieren konnten, eine vorbeifahrende Droschke herbei gewunken und in dieser saßen sie nun.
Grayson saß neben Liam auf der einen Bank und kaute unruhig auf seiner Unterlippe, während er dem stechenden Blick aus Harrys strahlend grünen Augen auszuweichen versuchte.
„Hey, Grayson…“, unterbrach der junge Adelige die drückende Stille in dem schmalen Raum der Kutsche und der blonde Krankenpfleger hob zögerlich seinen Kopf.
„Es wird schon alles gutgehen… Ich verspreche dir, dass wir sie so schnell wie möglich finden werden, Grayson.“
„Ihr Wort in Gottes Namen!“, meinte Liam daraufhin nur brummend und starrte aus dem kleinen Fenster der Droschke. Grayson wurde immer nervöser und er knetete unruhig seine Hände.

Was wäre, wenn sie zu spät kamen?
Wenn sich Charlie bereits durch irgendeine dumme Unachtsamkeit oder durch Ausschreitungen verletzt worden war?


Als die Kutsche klappernd zustehen blieb, erwachte der blonde Krankenpfleger aus seiner Starre und er zuckte erschrocken zurück, als er Harrys Hand an seinem Handgelenk spürte.
„Wir sind da…“, lächelte ihn der Medizinstudent an und er versuchte wohl Grayson ein wenig zu beruhigen. Dies gelang ihm aber nur mäßig und Grayson zog hastig seine Hand zurück, als hätte er sich verbrannt.
Grayson atmete noch einmal tief durch und verließ dann die Droschke, nachdem sowohl Liam als auch Harry schon ausgestiegen waren.
Vor lauter Unachtsamkeit und Sorgen über seine jüngere Schwester verfehlte er beinahe die letzte Stufe der Kutsche und Grayson wäre beinahe gestürzt, wenn Harry ihn nicht geistesgegenwärtig aufgefangen hatte. Der künftige Arzt hielt den schmächtigen Körper des jungen Mannes fest umklammert und die beiden sahen sich tief in die Augen, bevor Harry ihn wieder auf seine Füße stellte.
„Danke…“, hauchte Grayson kaum hörbar und richtete seinen Blick auf den Boden, während er nicht auf das rasende Herz in seiner Brust und die umherflatternden Schmetterlinge zu hören versuchte.
Der Droschkenfahrer, ein ältlicher Mann mit einem staatlichen Schnauzbart, musterte die seltsame Ansammlung ein wenig verwundert und zog eine hölzerne Tabakpfeife aus seinem Revers. Er räusperte sich kurz und sah sie abwertend an.
„Vielen Dank, Sir“, bedankte sich Harry höflich bei ihrem Fahrer und öffnete seine Geldtasche, um den schon ungeduldig wartenden Mann zu bezahlen.

Währenddessen sahen sich Liam und Grayson suchend nach Gwendolyn Edwards und Graysons kleiner Schwester um. Der junge Krankenpfleger kniff seine Augen zusammen, jedoch konnte er Charlie trotz seiner Bemühungen in der dichten Masse an Frauen nicht entdecken.
Staunend beobachtete Grayson diese riesige  Ansammlung an Leuten an diesem öffentlichen Platz mitten in London und die Geräuschkulisse wurde sogar noch lauter, als eine Frau um die fünfzig eine provisorisch aufgebaute Bühne betrat.
„Das ist Emmeline Pankhurst, Grayson…“, flüsterte Harry ihm ins Ohr, wofür er sich ein wenig zu dem jungen Krankenpfleger hinunterbeugen musste.
„Sie ist eine der führenden Vertreterinnen der Frauenbewegung… Sie hat beispielsweise eine Organisation namens „Womens Social and Political Union“ gegründet, die sich für das Wahlrecht der Frauen einsetzt.“
Grayson nickte und musterte die Frau fasziniert, wie sie selbstbewusst zu dem Podest schritt und ihre Stimme erhob: „Ich freue mich, dass sie alle heute so zahlreich zu unserer heutigen Veranstaltung erschienen sind!“
Die ältere Frau winkte freundlich in die Menge und die Anhängerinnen der Suffragetten Bewegung jubelten begeistert auf.
„Die Männer erstellen den moralischen Code und machen die Gesetze… Während sie hingegen von uns Frauen erwarten, dass wir dies alles so hinnehmen… Sie haben entschieden, dass es vollkommen in Ordnung ist für sein Freiheiten und Rechte zu kämpfen- jedoch nicht für uns Frauen! Für uns wäre es unsittlich, dass wir uns für diese Rechte einsetzen…“
„Die uns auch zustehen!“
, rief Emmeline Pankhurst und die aufgebrachten Schreie und Rufe ihre Anhängerinnen pflichteten ihr bei.
„Ich sage euch… Ich bin lieber ein Rebell als ein Sklave dieser patriarchalischen Gesellschaft zu sein!“
Grayson und Harry sahen sich für einen Moment in die Augen und der junge Krankenpfleger war immer noch höchst beeindruckt von der reißenden Rede der älteren Frau. Wie mutig und stolz sie auf diesem provisorisch konstruierten, hölzernen Podest wirkte und mit fester Stimme zu dem Publikum sprach.

„Wie lächerlich!“, ertönte auf einmal eine spöttisch anmutende Stimme neben Grayson und er hob neugierig seinen Kopf. Am Rande der Bühne stand eine kleine Ansammlung von Männern, welche alle eine Flasche Bier in der Hand hielten und über die reißende Rede von Emmeline Pankhurst lediglich den Kopf schütteln konnten.
Harry straffte seine Schultern und richtete hastig die Krawatte seines Anzugs, bevor er zu den Männern hinüber ging.
„Entschuldigen sie…“, begann Harry, „Ich möchte sie keineswegs bei ihrem Tun unterbrechen, aber haben sie vielleicht meine Schwester gesehen?“
Der Mann, welcher ungefähr schon in Professor Hamiltons Alter sein musste, musterte den feinen Anzug des jungen Adeligen mit einem missbilligenden Blick: „Was willst du denn, du feiner Pinkel?“
Liam schob sich durch die Menschenmenge und stellte sich unterstützend neben den Medizinstudenten: „Sir, wir sind nur auf der Suche nach zwei jungen Damen…Es ist wirklich eine höchst dringliche Angelegenheit…“
Die Gruppe an Männer blickten verwundert auf die blütenweiße Uniform von Liam und Grayson, welche die beiden zweifelsfrei als Krankenpfleger auswiesen und einer von ihnen meinte frotzelnd: „ Das wird aber Zeit, dass sie zumindest eine von diesen irren Weibern wieder einsperren und ins Irrenhaus zurückbringen...“
Grayson hob zunächst verwundert eine Augenbraue, aber dann verstand er den Sinn hinter diesen abwertend gemeinten Worten des Mannes.
Er dachte wohl, dass Harry und sie beide hier waren, um Gwen wieder einzusperren. Er dachte wohl, dass Harrys Schwester aus einer von Londons zahlreichen Nervenheilanstalten geflohen war und sie die junge Frau nun wieder zurückbringen mussten.
„Ich denke, das ist ein Missverständnis, Sir…“, versuchte Harry diplomatisch auf diese Frage zu antworten und bei der Männergruppe mehr über Gwens und Charlies Aufenthaltsort herauszufinden.
„Es ist nämlich so, dass…“
Plötzlich entdeckte Grayson innerhalb der Masse an Menschen den blonden Lockenkopf seiner jüngeren Schwester und sogleich drängte er sich durch die Zuhörer, welche immer noch Emmeline Pankhursts bahnbrechender Rede lauschten.

Als er endlich bei ihr angekommen waren, schloss er seine kleine Schwester hektisch in eine Umarmung.
„Charlie!“, stöhnte Grayson erleichtert und drückte den schmalen Körper seiner Schwester an den seinen, „Endlich habe ich dich gefunden!“
Der junge Krankenpfleger strich ihr sanft über ihre blonden Locken und er fuhr mit einem Zeigefinger zärtlich über ihr immer noch merklich blasses Gesicht: „Ich hatte solche Angst um dich, Charlie… Was machst du denn nur für Sachen…“
„Hilfe, Grayson…“, keuchte seine Schwester auf, „Du erdrückst mich!“
Der Blondhaarige lockerte ein wenig seinen klammernden Griff und blickte seine jüngere Schwester böse an: „Wieso hast du dich überhaupt aus dem St. Thomas geschlichen? Wie hast du denn das bewerkstelligt?“
Erst in diesem Moment fiel Grayson das schöne, dunkelgrüne Kleid auf, welches Charlotte trug und verwundert blickte er seine Schwester an. Neben ihr erkannte er nun auch Annabeth Smith, welche den jungen Krankenpfleger freundlich grüßte.
Wie auch bei ihrem letzten Besuch im St. Thomas trug sie ein aufwendig gearbeitetes, roséfarbenes Kleid mit Spitze und einen kecken Hut auf ihren sorgfältig frisierten Locken.
„Das musst du wohl mir zuschreiben, Grayson…“, meinte Gwen dann und lächelte den Angestellten des St. Thomas entschuldigend an, „Aber Charlie wollte unbedingt einmal einer Rede von Emmeline Pankhurst beiwohnen…“
„Du hast mich meiner Anweisung widersetzt!“, sagte Grayson nun zu Harrys Schwester und funkelte diese grimmig an.
„Ich weiß“, seufzte diese und hob abwehrend ihre Hände. Sie lächelte den jungen Krankenpfleger beschwichtigend an und meinte: „Aber es ihr ja nichts passiert… Ich habe dir ja gesagt, dass ich gut auf deine kleine Schwester Acht geben werde…“
„Du kommst jetzt wieder mit mir, Charlie…“, meinte Grayson seufzend und griff ruppig nach Charlottes schmalen Handgelenk.
„Ach Grayson…Du bist so ein Spielverderber! Ich möchte aber unbedingt noch die gesamte Rede hören!“, protestierte Charlie, jedoch wirkte der Blick ihres älteren Bruders unerbittlich.
„Komm jetzt, Charlie!“, versuchte Grayson seine Schwester zum Gehen zu bewegen und fügte noch hinzu, als er den störrischen Ausdruck auf ihrem Gesicht bemerkte: „Und keine Widerrede! Du hast dich immer noch nicht vollkommen erholt! Du gehörst ins Bett!“

Charlie ergab sich ihrem Schicksal und ließ sich am Ärmel, wie ein kleines ungezogenes Kind von ihrem älteren Bruder zu der Männergruppe schleifen, bei der Harry sowie Liam immer noch standen. Gwendolyn Edwards und auch Annabeth Smith, welche Grayson immer noch freundlich anlächelte, folgten dem Geschwisterpaar.
„So…“, meinte Grayson in Richtung der beiden jungen Männer, „Ich habe sie gefunden… Wir können nun wieder ins St. Thomas aufbrechen…“
Ein älterer Herr der Ansammlung betrachtete Gwen abschätzig und meinte in einem spöttischen Unterton: „Das ist doch eine vollkommen schwachsinnige Idee…Frauen und Politik, dabei kann doch gar nichts Gutes dabei rauskommen!“
„Ach, finden sie?“, meinte Gwen in Richtung des fremden Mannes und sie verschränkte die Arme vor ihrer Brust: „Finden sie es also lächerlich, dass wir Frauen für unsere Rechte kämpfen und einstehen wollen? Die uns im Übrigen auch ebenso wie unseren männlichen Geschlechtsgenossen zustehen?“, fragte sie den älteren Mann mit herausfordernder Miene.
„Genau…“, prustete der ältere Mann und es machte den Eindruck, als nähme er Gwendolyns Worte keineswegs ernst.
„Was kommt als nächstes…Etwa auch noch das Wahlrecht für Hunde?“ Der fremde Mann lachte schnaubend auf und ein weiterer pflichtete ihm zu: „Das wäre doch eher das richtige… Hunde können zwar nicht lesen oder schreiben...“
„Wuff!“, machte ein anderer und meinte daraufhin lachend in die Richtung des Mannes, welcher offenbar als Wortführer der kleinen Gruppe galt: „Anthony, dann könnte sogar dein alter Bruce sein Kreuzchen bei den nächsten Wahlen machen!“
„Ich glaube sogar, dass meine Dogge schneller das Lesen und Schreiben lernen würde als manch einfältige Weiber!“
„Nehmen sie das gefälligst zurück!“, fauchte Gwen die Männergruppe mit den Bierflaschen an und sie wollte schon auf diese zustürmen, jedoch packte Harry seine Schwester am Arm.
„Lass es, Gwen…“, murmelte er ihr beschwichtigend zu, „Diese Männer sind betrunken…Sie wissen nicht, was sie sagen…“
„Oh doch, darüber sind sie sich sehr bewusst!“, zischte Gwendolyn aufgebracht und sie funkelte die Männergruppe mit ihren grünen Augen wütend an.
„Diese Suffragetten sind doch alle vollkommen durchgeknallt!“, rief ein weiterer lachend und schnippisch meinte Gwen in seine Richtung: „Sie werden schon sehen, wie sich in Zukunft die Lage der Frauen erheblich verbessern wird! Darauf können sie sich gefasst werden!“
Der betrunkene Mann schwenkte lächelnd seine Bierflasche in der Luft und entgegnete ihr trocken: „Darauf könnt ihr lange Warten!“
„Komm, wir gehen, Gwen…“, griff Harry nun ein und fasste seine zornige Schwester an den Schultern, um sie von der betrunkenen Männergruppe wegzuführen. Grayson atmete erleichtert auf und griff nun ebenfalls nach Charlies schmaler Hand.
Er hoffte in diesem Augenblick einfach nur unbeschadet aus dieser Sache herauszukommen und obwohl ihnen bestimmt eine Standpauke von Schwester Margaret blühte, wünschte er sich lediglich in die schützenden Mauern des Klinikums zurück.
Die junge Adelige drehte sich aber noch einmal und rief störrisch: „Das werden sie schon sehen!“
Das war offensichtlich der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte und die Lage zur Eskalation führte.
Einer der betrunkenen Männer schnaubte nochmals und schmiss dann seine bräunliche Bierflasche in Richtung von Gwen. Diese jedoch verfehlte Harrys Schwester und traf stattdessen Annabeth Smith am Kopf.
Die Tochter von einem von Londons reichsten Industriellen sank verletzt und wie ein gefällter Pfahl zu Boden und Grayson keuchte entsetzt auf.
Auch das noch! Das hatte ihnen in diesem Moment gerade noch gefehlt!
Liam kniete sich erschrocken neben die blondhaarige Frau und hielt schützend ihren Kopf auf seinen Schoß. Sanft strich er der bewusstlosen Frau über die Wange und meinte immerzu verzweifelt: „Es tut mir so leid…so leid, Annie…“
In diesem Moment kamen Grayson Eleanors Worte wieder in den Sinn… Könnte es denn etwa sein, dass er und die ansehnliche Tochter von diesem wohlhabenden Mister Smith ein Verhältnis hatten?
Es war kaum zu übersehen, wie verzweifelt und besorgt Graysons Kollege um die junge Frau wirkte.
„Komm, Liam“, sagte Harry nun und stellte sich dicht neben den muskulösen Krankenpfleger und überprüfte mit geübtem Blick die heftig blutende Verletzung an Annabeths Kopf, welche ihre hübschen, engelsgleichen blonden Locken mit dreckigem Blut benetzten.
„Wir müssen sie umgehend ins St. Thomas bringen…Es ist sicherlich nur eine harmlose Platzwunde…“
Zusammen mit dem jungen Studenten schaffte Liam es in dem dichten Gedränge die junge Frau hochzuheben und vom dicht besiedelten Platz zu tragen.
Grayson folgte ihnen in hastigen Schritten und hielt noch immer Charlies Handgelenk umklammert, um seine kleine Schwester nicht erneut in diesem dichten Gedränge zu verlieren.
„Das wollte ich alles nicht…“, meinte Gwen leise und Grayson sah ihr an, dass sie sich sehr schuldig für dieses heutige Ereignis fühlte, „Ich hatte doch niemals gedacht, dass es so ausarten könnte…“
Kaum hatten sie auch das Ende der Versammlung erreicht, ließ Grayson für eine kurze Sekunde Charlottes Hand los, um nach einer vorbeifahrenden Droschke Ausschau zu halten.
Der blonde Krankenpfleger entdeckte eine und machte einen Schritt vom sicheren Gehweg weg und auf die dicht befahrene Straße zu, um die Kutsche zum Anhalten zu bringen.
Dabei bemerkte er zu seinem Unglück nicht das vierköpfige Pferdegespann, welches mit hoher Geschwindigkeit auf ihn zuraste und den schmächtigen Mann nicht zu sehen schien.
„Grayson! Vorsicht!“, hörte der junge Krankenpfleger nur noch Harrys erschrockene Stimme und er fühlte kräftige, warme Arme um seine Taille, bevor er von den Füßen gerissen wurde und er mit voller Wucht auf den harten Asphaltboden knallte.


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Ich weiß, das ist leider ein mieser Cliffhänger... Ob der gute Grayson jetzt auch noch bei dieser Demonstration verletzt wird? Ich verspreche euch, dass das nächste Kapitel diesmal nicht so lange auf sich warten lässt... Die lange Wartezeit tut mir aufrichtig leid :/
Die Worte von Emmeline Pankhursts Rede habe ich aus ein paar Zitaten von ihr frei übernommen
Ich danke euch ganz herzlich für die 11 Favoriteneinträge  & großes Dankeschön an nymphae, Gypsy254 sowie Periquito555, die jeweils sehr lange Reviews zum letzten Kapitel verfasst haben! <3 Lieben Dank dafür, das motiviert mich natürlich sehr zum weiterschreiben :))) [ auf diese werde ich dann morgen ausführlich antworten!]
Ich hoffe, das heutige Kapitel hat euch gefallen und dann bis zum nächsten Mal!
LG Laura
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