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In Sickness and in Health [1. Teil]

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Historisch / P18 / MaleSlash
30.01.2021
23.10.2021
35
89.786
24
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Dieses Kapitel
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25.04.2021 2.710
 
C H A P T ER 10:

"We are here, not because we are law-breakers; we are here in our efforts to become law-makers." - Emmeline Pankhurst (englische Frauenrechtlerin)



Die darauffolgende Woche verlief sowohl für Grayson als auch die restlichen Angestellten des St. Thomas Hospitals relativ ruhig.
Es gab keinerlei besondere Vorkommnisse und bei den eingelieferten Notfällen handelte es größtenteils um bereits bekannte Probleme und Nöte, die den Mitarbeitern sowie Schwester Margaret bestens bekannt waren und folglich ausreichend versorgt werden konnte.
Grayson hatte zwar nach dem kleinen Zwischenfall in der Medikamentenkammer, bei welchem einer von Harrys Kommilitone ihn und den künftigen Duke in einer prekären Situation erwischt hatte, große Angst gehabt, dass dieser ihr kleines Geheimnis ausplaudern hätte können. Jedoch hatte Nicholas zu Graysons Verwunderung dichtgehalten und Stillschweigen über das Gesehene behalten.
Der Blondhaarige hätte sich gar nicht ausmalen können, was passiert wäre, wenn Nicholas ihn und Harry vor versammelter Mannschaft des Klinikums bloßgestellt hätte….
Aber dazu war es ja glücklicherweise nicht gekommen und seit diesem Zwischenfall hatte Grayson den braunhaarigen Medizinstudenten nicht mehr persönlich angetroffen. Und dies war auch gut so, dachte sich der junge Krankenpfleger….
Denn immer noch spukte ihm der freundliche Adelige durchs Gedächtnis und beeinträchtigte dadurch seine Arbeitstätigkeit im St. Thomas. Und es gab eine Sache, die die brummige Oberschwester mehr als Unpünktlichkeit hasste…. Und zwar wenn sich ihre Mitarbeiter als unzuverlässig erwiesen…
Grayson schüttelte diese trüben Gedanken ab und machte sogleich nach dem schnellen Mittagessen wieder an die Arbeit. Bevor er jedoch wieder Schwester Margaret zur Hand gehen würde, wollte er seiner geliebten jüngeren Schwester einen schnellen Besuch abstatten.
Nachdem sich Charlotte letzte Woche von ihrem urplötzlichen Fieberausbruch erholt hatte, hatte sich ihr momentaner Gesundheitszustand im Laufe der letzten Tage erheblich verbessert. Ihr leichenblasses Gesicht hatte schon langsam wieder ihren gewohnten rosigen Ton angenommen und nachdem sich ihre Körpertemperatur wieder normalisiert hatte, hatte Graysons Schwester sogar wieder eigenständig vom Bett aufstehen können und ein paar, wenn auch wackelige Schritte durch den Krankensaal machen können.

Als Grayson die Tür zum Krankensaal der Frauen aufzog, stutzte er für einen Moment.
„Miss Edwards“, keuchte der Blondhaarige überrascht auf, nachdem er Harrys ältere Schwester an der Bettkante von Charlies Krankenbett erkannt hatte.
Der junge Krankenpfleger räusperte sich kurz und meinte dann schüchtern: „Was… was machen sie denn hier, Miss Edwards?“
Harrys Schwester schüttelte leicht belustigt ihren Kopf, sodass ihre hochgesteckten braunen Locken sich ein wenig aus ihrer Frisur lösten. Sie lächelte Grayson an und sagte dann zu ihm: „Ach, du musst mich doch nicht siezen, Grayson… Du darfst mich ruhig Gwen nennen. Das habe ich dir doch schon des Öfteren gesagt.“
Grayson nickte daraufhin lediglich als Antwort und legte die mitgebrachten Leinenstreifen auf einem Beistelltisch ab und kam zu den beiden Frauen herüber.
„Wie geht es dir denn heute, Charlie?“, erkundigte er sich bei seiner kleinen Schwester und diese grinste ihn freudig an.
Charlottes himmelblaue Augen strahlten ihren Bruder aufmerksam an und sie meinte daraufhin euphorisch an: „Gwendolyn hat mir gerade viel von der Suffragetten Bewegung erzählt…. Es findet sogar heute eine politische Veranstaltung am Convent Garden hier in London statt… Kannst du dir das vorstellen, Grayson?“
Die Stimme seiner jüngeren Schwester überschlug sich beinahe vor Euphorie und Aufregung über diese in ihren Augen wohl sehr spannende Veranstaltung, welche dazu diente, die Rechte der Frauen innerhalb der Gesellschaft durchzusetzen.
„Das würde ich gerne sehen…“, fügte Charlie noch ihren Erzählungen über diese Veranstaltung hinzu, jedoch schnitt ihr Grayson sogleich das Wort ab.
Er kam näher an seine jüngere Schwester heran und blickte ihr eindringlich in die Augen: „Untersteh dich, Charlie! Das ist zu gefährlich… Die Londoner Polizei löst diese Versammlungen meistens unter brachialer Gewalt auf und die Proteste enden meist nicht friedlich…“
„Aber Grayson…“, probierte Charlotte ihren älteren Bruder doch noch zum Umstimmen zu bringen. Der junge Krankenpfleger machte jedoch einen unerbittlichen Eindruck und ließ sich erst gar nicht auf eine Diskussion mit seiner kleinen Schwester ein.
„Vergiss es, Charlie!“, rief Grayson und seine Stimme klang auf einmal sehr aufgebracht, „Ich lasse dich auf keinen Fall zu dieser Veranstaltung gehen!“
„Du bist so ein Spielverderber, Grayson…“ Charlie verschränkte beleidigt die Arme vor ihrer Brust und blitze ihren großen Bruder mit ihren wachen, blauen Augen wütend an.
„Diese Veranstaltungen und politischen Reden enden meistens im puren Chaos…Diese Suffragetten sind vollkommen skrupellos… Sie werfen mit Steinen Schaufenster ein und setzten Briefkästen in Brand!“
„Also, ich muss doch sehr bitten, Grayson“, schmunzelte Gwen und lächelte den Blondhaarigen belustigt an.
„So eine radikale Suffragette bin ich dann doch nicht, dass ich willkürlich fremdes Eigentum zerstöre“, rechtfertigte sich Harrys Schwester und sie sah Grayson ernst an: „Falls ich einmal mit Charlotte solch eine Veranstaltung aufsuchen werde, werde ich gut auf sie Acht geben, Grayson… Das verstehe ich dir hoch und heilig.“
„Dein großzügiges Angebot schätze ich natürlich sehr…“, erwiderte der Krankenpfleger ausflüchtig in Richtung der jungen Adeligen, jedoch war er sich sicher, dass er Charlie in ihrem derzeitigen Zustand niemals auf solch eine gefährliche Veranstaltung gehen lassen würde. Harry hatte ja schon selbst einmal seinen Unmut über diese politisch motivierten Rede Veranstaltungen breit getreten.
„Man, Charlie…“, seufzend strich sich Grayson durch seine zerzausten dunkelblonden Haare und er ließ sich ebenfalls auf der Kante des Krankenbettes nieder.
„Du hast dich immer noch nicht vollständig von deiner Appendizitis erholt, Charlie…“, versuchte der junge Krankenpfleger ihr seinen Standpunkt und seine Besorgnis, welche er um seine kleine Schwester hatte, klarzumachen.
„Du bist immer noch sehr geschwächt und kannst vermutlich kaum mehr ein paar Schritte ohne fremde Hilfe gehen… Und zudem wäre es fatal, wenn die Fäden deiner Operationsnarbe durch die ungewohnte Bewegung aufplatzen könnten…“
„Aber, Grayson… Gwendolyn hat gemeint, dass…“, versuchte Charlie einen letzten Versuch, Grayson in seiner festgesetzten Meinung umzustimmen… Jedoch biss das junge Mädchen hierbei auf Granit. Sie wusste, dass ihr beschützender, älterer Bruder sie niemals auf diese von der Suffragetten Bewegung Londons organisierte Veranstaltung gehen lassen würde.
„Du wärst vor wenigen Wochen beinahe gestorben, Charlie!“, rief Grayson verärgert und der blonde Krankenpfleger merkte, wie ihm bereits wieder einmal die Tränen in die Augen schossen.
„Professor Hamilton hatte gemeint, dass der Eingriff wirklich in letzter Sekunde erfolgt ist! Wenn ich dich nicht geschwächt hier ins St. Thomas gebracht hätte, wäre dein Blinddarm geplatzt und die eitrige Flüssigkeit wäre in deinen Bauchraum ausgetreten!“
„Jaja, Herr Professor!“, spöttelte Charlie leicht über die medizinischen Ausführungen ihres älteren Bruders und dieser schüttelte leicht fassungslos den Kopf über das Verhalten seiner vier Jahre jüngeren Schwester. Aber Grayson atmete dennoch erleichtert auf. Wenn sich Charlie schon wieder über ihn lustig machen konnte, dann hatte sich ihr momentaner Gesundheitszustand wirklich erheblich verbessert.
Dennoch dachte er gar nicht daran, Charlotte zu dieser hirnsinnigen und auch gefährlichen Veranstaltung gehen zu lassen.
„Du bist so ein Spielverderber, Grayson…“, grummelte die blondgelockte Schwester des Krankenpflegers immer noch verstimmt. Dieser jedoch zog seine kleine Schwester schnell in eine warme Umarmung und murmelte ihr kaum hörbar zu: „Ich brauche dich doch, Charlie… Du bist das einzige Stück Familie, das ich noch habe…“
Gwendolyn Edwards betrachtete mit einem angetanen Blick das junge Geschwisterpaar und sie meinte dann anerkennend in die Richtung des Blondhaarigen: „Du bist ein toller großer Bruder, Grayson… Du kümmerst dich wirklich äußerst rührend um deine kleine Schwester.“
„Dankeschön, Miss Edward…“, entgegnete Grayson ihr und korrigierte sich schnell, „Gwen…“

„Keine Ursache“, antwortete Gwendolyn Edwards dem jungen Krankenpfleger und schenkte ihm ein kleines Lächeln.
„Weißt du eigentlich, wodurch die gesamte Suffragetten Bewegung entstanden ist, Grayson?“, fragte Gwen ihn und Grayson konnte hierauf nur mit den Schultern zucken.
„Wie kam es denn zustande?“, wollte er dann neugierig von Harrys Schwester wissen und sah sie erwartungsvoll an.
„Die heutigen Suffragetten formten sich aus den Gegnerinnen, welche sich gegen das 1864 erlassene Gesetz „Contagious Diseases Act“ auflehnten. Dieses in den Augen der damaligen Frauen unverhältnismäßige Gesetz wurde 1886 endgültig aufgehoben. Aus dieser Bewegung formten sich die Befürworterinnen des Frauenwahlrechts und manifestierten somit neue Methoden des politischen Protests“, erklärte die gebildete Adelige dem jungen Krankenpfleger.
Grayson nickte kurz und wollte dann weiter von Gwen wissen: „Und um welches Gesetz hat es sich hierbei gehandelt? Also weshalb waren diese Frauen dagegen und waren mit dieser neuen Gesetzgebung nicht einverstanden?“
„Dieses Gesetz wurde vom britischen Parlament des 19. Jahrhunderts zur Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten erlassen… Man wollte die Anzahl von diesen ansteckenden Krankheiten unter den Angehörigen des britischen Militärs bekämpfen und durch dessen Entdeckung sowie Identifizierung die Anzahl der Infizierten erheblich reduzieren… Jedoch war es sehr unverhältnismäßig und auch höchst diskriminierend, dass man lediglich junge Frauen und Mädchen, welche sich ihr karges Brot mithilfe von Prostitution verdienten, untersucht hatte…“
„Und nicht etwa bei männlichen Soldaten?“, fragte Grayson und war fassungslos über solch eine Ignoranz seiner früheren Geschlechtsgenossen.
„Ja, das ist es…“, entgegnete Gwen ihm, „Daraufhin entstand auch eine rege gesellschaftliche Diskussion über die Ursachen der Prostitution, die Lebensbedingungen von jungen „gefallenen“ Mädchen sowie der in der Gesellschaft vorherrschenden sexuellen Doppelmoral… Diese Frauen werden gesellschaftlich geächtet. Wir Frauen sollen immer als rein und unschuldig gelten… Während Männer als tun können, wozu sie Lust haben… Und gleichzeitig über uns Frauen urteilen können… … Ohne sich überhaupt die Frage zu stellen, wie die jungen Prostituierten dazu gekommen sind, ihren Körper anzubieten… Der Großteil ist ja durch Armut dazu gezwungen… Und nicht etwa, weil es ihnen Vergnügen bereitet.“
„Da hast du wohl Recht, Gwendolyn“, entgegnete Grayson ihr und seine Gedanken flogen zu dieser Nacht, als Eleanor ihm ihre bewegte Lebensgeschichte erzählt hatte.
Wenn Schwester Margaret sie nicht im St. Thomas aufgenommen hätte und ihr nicht als ungelernte Kraft eine Chance gegeben hätte, hätte die junge hübsche Krankenschwester wohl dasselbe Schicksal ereilt…
Grayson schüttelte es sogleich bei diesem Gedanken.
Er kannte die jungen Dinger aus dem East End, die für ein paar Groschen ihren Körper an ekelige Männer anbieten mussten. Er hatte ihre ausgemergelten Gesichter und leeren Augen vor Gesicht und der junge Krankenpfleger erschauderte… Die Mädchen waren meist kaum älter als Charlie… Wenn sich Grayson vorstellen müsste, dass es seine kleine Schwester ebenfalls treffen hätte können, wenn er nicht als Ernährer nicht imstande wäre, Geld zu verdienen…
Nein, diesen Albtraum wagte es sich Grayson kaum auszumalen.

„Warst du denn auch schon mal im Gefängnis, Gwen?“, fragte Charlie eifrig Harrys Schwester aus und diese beantwortete dem jungen Mädchen nur zu gern ihre neugierigen Nachfragen.
„Ja, ich wurde schon mehrmals verhaftet… Beziehungsweise habe mich verhaften lassen…“, sagte Gwen daraufhin mit entschlossenem Gesichtsausdruck, welcher sich im nächsten Moment zu einer grimmigen Maske verzog.
„Leider habe ich bisher noch an keinem Hungerstreik der Suffragetten teilnehmen können… Denn mein Herr Papa hatte mich meistens schon nach wenigen Stunden wieder aus dem Gefängnis holen lassen…“
„Darüber sollten sie sehr froh sein, Miss Edwards“, betrat Schwester Margaret auf einmal den Krankensaal und Grayson sowie die beiden Frauen zuckten bei der lauten und herrischen Stimme der beleibten Oberschwester erschrocken zusammen.
„Weshalb sind sie dieser Meinung, Margaret?“, wollte Gwen dann von ihr wissen und verschränkte die Arme vor ihrer Brust: „Dadurch zeigen sie ihr Engagement für die Frauenbewegung und machen durch ihre Entschlossenheit ihren Standpunkt klar… Und differenzieren sich zudem von der gesellschaftlichen Dekadenz…“
„Miss Edwards“, begann Schwester Margaret und blickte Harrys Schwester streng und zugleich ein wenig spöttisch an, „Ich schätze ihr Engagement für diese in meinen Augen sinnlose Bewegung… Jedoch zeigt dieses Verhalten weniger ihre Entschlossenheit und ihr Durchhaltevermögen, sondern es ist einfach nur töricht…“
„Aber, Schwester Margaret…“, begann Grayson. Die brummige Oberschwester schnitt ihm sogleich das Wort ab: „Miss Edwards kann froh sein, dass sie während ihres kurzweiligen Gefängnisaufenthaltes nicht zwangsernährt wurde…“
„Was ist denn das, Margaret?“, erkundigte sich Charlie bei der stämmigen Oberschwester und dessen Gesicht wirkte auf einmal sehr ernst.
„Ich habe einmal einen Arzt zu einer solchen Untersuchung begleitet…Man hält die durch den Hungerstreik geschwächten Suffragetten fest und führt einen Schlauch gewaltsam durch ihren Mund… Oder wahlweise durch ihre Nase… Danach wird ihnen gegen ihren Willen eine Mischung aus Milch und Eiern zugeführt… Diese Behandlung ist äußerst schmerzhaft für die Patienten… Und dient weniger der Zwangsernährung… Sondern vielmehr, um ihren Willen zu brechen…“
„Aber das ist doch Folter, oder nicht?“, rief Grayson entsetzt und Schwester Margaret stimmte ihm zu seiner Verwunderung zu.
„Ja, das ist es, Grayson…“, meinte Margaret und die sonst so taffe Oberschwester wirkte auf einmal sehr bedrückt, „Ich habe bei dieser unmenschlichen Behandlung nur einmal assesstieren müssen… Danach habe ich mich geweigert, dieser beizuwohnen und habe Professor Hamilton auch meine Meinung dazu gesagt…“
Grayson stand von Charlies Bettkante auf und sagte eindringlich zu seiner kleinen Schwester: „Ich verbiete es dir, dort hinzugehen, Charlie! Ich möchte nicht, dass dir etwas passiert…“
„Gwen wird doch auf mich Acht geben und auf mich aufpassen, Grayson“, unternahm die blondgelockte Schwester einen letzten Versuch, ihren älteren Bruder umzustimmen.
„Emmeline Pankhurst wird heute sogar eine Rede halten, Grayson…“, erzählte Gwen lächelnd dem jungen Krankenpfleger.
„Ach bitte, Grayson!“
„Vergiss es, Charlie… Schlag dir diese hirnrissige Idee sogleich aus dem Kopf!“, Grayson blickte seine jüngere Schwester noch einmal streng an und erhob drohend seinen Zeigefinger in Charlies Richtung.
Gwendolyn Edwards seufzte kurz und stand dann ebenfalls vom Bett auf und richtete den ausladenden Hut, welche auf ihrem dunkelbraunen Haar thronte.
„Dann werde ich mal meinem Bruderherz noch einen Besuch abstatten“, meinte sie und winkte noch einmal lächelnd in Charlies Richtung und zwinkerte dieser noch einmal zu.
Schwester Margaret stemmte die Hände in ihre fülligen Hüften und sie befahl dem Blondhaarigen: „Grayson, ich benötige dich auf Station 8… Ein kleiner Notfall mit einer Schneiderschere…“
Grayson verzog sein Gesicht, denn obwohl er inzwischen viele grausame Dinge gesehen hatte, war er es immer noch nicht ganz gewöhnt, mit verstümmelten Körperteilen konfrontiert zu werden.
„Ich komme später noch einmal kurz vorbei“, flüsterte der blonde Krankenpfleger ihr zu und hauchte ihr einen schnellen Kuss auf ihre blonde Haarpracht. Im Anschluss daran machte er sich wieder an die Arbeit.
Nach mehreren anstrengenden Stunden, in denen Grayson von Schwester Margaret herumgescheucht worden war, sehnte er sich nach einer kurzen Pause.

Als er abermals den Krankensaal der Frauen an diesem Nachmittag betrat, hielt er erschrocken inne. Auf den ersten Blick konnte er seine kleine Schwester im Raum nicht ausfindig machen und auch ihr Krankenbett war leer und verlassen.
Grayson strich sich ratlos über seine dunkelblonden Strähnen und er wollte schon Schwester Eleanor oder Margaret nach Charlie fragen, als plötzlich hinter ihm jemand an den Türrahmen klopfte.
Der junge Krankenpfleger drehte sich langsam um und hätte am liebsten wieder das weite gesucht, als er einen ihm gut bekannten, braunhaarigen Medizinstudenten im Türrahmen erkannte.
„Was willst du denn hier?“, fragte er Harry und verschränkte die Arme vor seiner Brust. Grayson schalt sich in Gedanken einen Narren, dennoch musste er heimlich zugeben, dass er den hoch gewachsenen Medizinstudenten immer noch sehr ansehnlich fand. Seine lockigen Haare hatte der junge Adelige ordentlich hinter seine Ohren gebürstet und der dunkelgraue Anzug betonte seine schlanke Gestalt und seine langen Beine. Unter seinem Arm trug er ein paar Vorlesungsaufzeichnungen sowie ein paar dicke Wälzer.
Der künftige Duke sah sich zögerlich in dem großen Saal um und er kratzte sich unsicher an der Schläfe.
„Ich bin auf der Suche nach meiner Schwester…Wir waren ursprünglich verabredet“, meinte Harry ausweichend.
Da sind wir ja dann schon mal zwei, Mister Edwards, dachte sich Grayson in Gedanken.
„Gwen hatte zu mir eigentlich gemeint, dass wir uns nach meiner Vorlesung in der großen Eingangshalle treffen sollten… Hast du meine Schwester heute schon gesehen oder hast du mit ihr geredet?“
„Ja, wir haben uns über die Frauenrechtsbewegung und über diese heutige Suffragetten Veranstaltung in Convent Garden unterhalten…“, erklärte Grayson dem jungen Adeligen, „Charlotte war ganz angetan von ihren Erzählungen und sie…“
Grayson durchfuhr es wie ein Blitz und auf einmal hatte er eine üble Vermutung, wohin Gwendolyn Edwards mit seiner kleinen Schwester verschwunden war.
„Oh nein! Das darf doch nicht wahr sein!“, stöhnte der Blondhaarige entsetzt, woraufhin ihn Harry verwundert ansah.


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Da hat sich wohl die kleine Charlie Graysons Verbot widersetzt und ist doch auf diese Veranstaltung gegangen... Was werden Harry und er jetzt wohl unternehmen?
Das Kapitel hat mich heute einiges an Recherche über die Suffragetten Bewegung  gekostet, deshalb hoffe ich, dass es auch gefällt! :) [Deshalb muss ich auch leider die etwas lange Wartezeit entschuldigen]
Es freut mich, dass die Geschichte nach den Aufrufen/Favoriteneinträge etc. so gut bei euch ankommt & und ich danke vor allem den drei Reviewschreibern vom letzten Kapitel ganz herzlich <3
Viel Spaß beim Lesen.
LG Laura
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