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Unsere Bestimmung - Sakura & Sasuke (Part 3)

von JuliTales
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Het
Naruto Uzumaki Sakura Haruno Sarada Uchiha Sasuke Uchiha
29.01.2021
12.02.2022
43
192.131
32
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59 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
27.02.2021 6.122
 
Sakura Pov


༻❀༺


Sakura fühlte sich erschöpft und strich mit dem Handrücken über die Stirn. Längst hatte sie das Zählen aufgegeben, um die Betätigung des Spenders für Handdesinfektionsmittel im Auge zu behalten. Sie hob die Hände ins Licht und betrachtete diese genau. Die Haut war rissig, trocken und spannte fies, weil sie diese nebenbei noch regelmäßig wusch. Sakura ließ die Hände wieder sinken und widmete sich der nächsten Patientenakte. Zig Mal hatte sie ihre Hände schon in diesem Zustand erlebt, aber nicht nach einer so kurzen Zeit. Und deshalb war sie es eigentlich gewohnt, wenngleich sie sich niemals mit diesem Gefühl anfreunden könnte. Spreizte sie die Finger etwas zu weit, so wie jetzt, um die Finger vom vielen Schreiben zu lockern, dann sog sie schmerzhaft Luft ein. Es fühlte sich fast so an, als wäre ihre Haut bis zum Reißen gespannt. Sicherlich würde es früher oder später auch dazu kommen, aber da es sich in diesem Moment nicht ändern ließ, ignorierte sie diese Unannehmlichkeit so gut es nur ging.

Der spontane Arbeitstag, welchen Sakura auf Zuruf Tsunades angetreten war, erwies sich als anstrengend. Die dunklen Schatten unter den Augen ihrer Meisterin, waren also aus einem guten Grund entstanden. Zusätzlich drückten die Masken die allgemeine Stimmung im Krankenhaus doch sehr. Und obgleich es Sakura sonst so leichtfiel, kostete es sie heute eine Menge Überwindung, rege Gespräche mit den Patienten zu führen. Sie musste schwach lächeln: Möglicherweise hatte Sasuke ein wenig auf sie abgefärbt. Aber nach nur kurzer Zeit, handelte sie wieder ganz intuitiv, so wie immer.

Schwester Lilian und Sakura waren heute ganz alleine für die Kinderstation verantwortlich. Was nach reinem Wahnsinn klang, war heute Realität. Normalerweise war die Station tagsüber mit vier Schwestern besetzt, es hatten sich aber fast alle infiziert, da das Virus auf der Kinderstation ausgebrochen war. Aber auch alle anderen Stationen waren recht knapp besetzt, weshalb die beiden alleine auskommen mussten.

Alles war genauso, wie Tsunade es beschrieben hatte: Den Kindern ging es relativ gut, den Erwachsenen hingegen weniger. Aber nicht jeder zeigte einen schweren Verlauf, so berichtete es ihr auch eine der anderen Schwestern auf dem Flur. Sakura stellte zudem fest, dass besonders die kleinsten der Patienten fast symptomfrei erkrankten. Glücklicherweise, denn der Grund ihres Krankenhausaufenthalts war in jedem Fall ein anderer. Viele der Kinder waren zudem noch zu klein, um nachvollziehen zu können, weshalb sie die Station nicht verlassen und keinen Besuch empfangen durften. Es kosteten Lilian und Sakura daher viel Kraft und Mühe den Kindern immer und immer wieder gut zuzureden und ihnen die Angst vor dem Virus zu nehmen.

Ein kleines Mädchen weinte sogar so bitter, dass es Sakura fast das Herz brach. Nicht mal umarmen durfte sie die Kleine. Hilflos und wütend über ihre derzeitige Machtlosigkeit, hatte Sakura sich an das Bett gesetzt und versuchte, dem Mädchen gut zuzureden. Es fühlte sich so furchtbar unzufriedenstellend an, in diesem Moment nicht mehr für sie tun zu können.

„Wer kam eigentlich auf die dämliche Idee, den Kindern von dem Virus zu erzählen?", fragte Sakura Lilian in einer ruhigen Minute.

„Ich weiß es nicht", Lilians sonst so volle Lippen wurden schmal. „Entweder eine der anderen Schwestern, oder sie haben es zufällig aufgeschnappt." Lilian zuckte hilflos mit den Schultern. „Ihnen jetzt noch etwas vorzulügen, wäre auch nicht in Ordnung. Es sind zwar noch Kinder, blöd sind sie aber nicht."

Sakura nickte und murmelte dann: „Natürlich nicht. Da hast du recht.“

Lilians besorgten Gesichtsausdruck fasste Sakura nur aus den Augenwinkeln auf. Selbst ihre gutmütigen blauen Augen spiegelten ihren Unmut wider, was Sakura im ersten Moment sehr überraschte. Noch nie hatte sie Lilian so aufgebracht gesehen. Sie war eine so bescheidene und zuverlässige Frau, Mitte zwanzig und hatte ein sehr hübsches Gesicht mit Sommersprossen auf der Nase. Ihre langen, braunen und vollen Haare trug sie immer in einem geflochtenen dicken Zopf, den sie über der Schulter trug. Die Kinder liebten sie. Lilian war in all ihren Ausführungen bedacht und mit ihrer einfühlsamen Art und Empathie überall gerne gesehen. Und auch heute hatte Lilian erfolgreich Sakuras Knoten über ihre einfühlsame Art gelöst, was ihr jetzt die Kraft gab, den restlichen Tag mit der nötigen Ruhe und Gelassenheit fortzuführen.

⋯  ♡ ⋯


Neben der hohen Arbeitsbelastung zerrte diese ewige Leier an Ermahnungen, die Maske doch auch bitte über der Nase zu tragen, an Sakuras Nerven. Gesunde erwachsene Patienten durften zu bestimmten Zeiten die kleine Außenanlage des Krankenhauses betreten. Zum Wohle aller wurde das Virus, so gut es ging, geheim gehalten, um eine Panik zu verhindern. Nicht, weil das Virus sich rasant schnell ausbreiten würde, dafür war es glücklicherweise nicht ansteckend genug, sondern, weil die Menschen in ihrer Panik und Angst zu selbstsüchtigen Monstern werden konnten.

Einen Moment lang dachte Sakura sogar darüber nach, welche Produkte die Bewohner von Konoha wohl horten würden, wenn es im schlimmsten Fall zu einer Ausgangssperre kommen würde.

Reis? Nudelsuppen? Dosen? Sake? Wasser? Medikamente?

Was war denn noch lebensnotwendig? Wenn sie an ihren leeren Kühlschrank dachte, wurde ihr ganz unwohl zumute. Und dann erwischte sie sich selbst bei einem panischen Gedanken. Ja ja, so schnell konnte das gehen. Was wäre, wenn sie nichts mehr abbekommen würde? Müsste sie dann hungern? Vielleicht sollte sie ausnahmsweise doch eine Dose mehr kaufen als sonst?

Schwachsinn. Sie wollte auf die Vernunft der Bewohner vertrauen.

Sakura kratzte sich nachdenklich am Kinn, als sie den Flur entlang ging, um zum Pausenraum zu gelangen und ihre Aufmerksamkeit auf ein lautstarkes Gespräch gezogen wurde. Abrupt hielt sie an und beobachtete das Szenario aus einiger Entfernung.

Ein älterer Herr regte sich furchtbar über seine Maske auf, dass ihm vor lauter Ärger die Adern auf dem kahlen Kopf hervortraten. Penetrant und mit einem äußerst unfreundlichen Ton, setzte er eine der Schwestern so unter Druck, dass diese sichtlich in Bedrängnis kam. Als der alte Mann begann, von Verschwörungstheorien zu sprechen, verdrehte Sakura die Augen.

Genau, Hashirama lebte und wollte alle Menschen mit einer Krankheit infizieren, um ihnen seine Zellen als Heilung einzupflanzen. Dabei würde er Unsummen an Geld einnehmen und anschließend auch noch die Menschheit kontrollieren können, um die Weltherrschaft an sich zu reißen, witzelte Sakura in Gedanken. Vielleicht hatte man ihn wieder mit dem Edo Tensei beschworen. Vielleicht steckte Orochimaru ja dahinter. Oder Madara? Oder sogar wieder Zetsu?

Gott war das trocken.

Eine andere Schwester flüsterte ihr im Vorbeigehen zu, dass der alte Mann an Gedächtnisverlust litt und sich jeden Tag über ähnliche Dinge beschwerte. Nun hatte er sich wohl auf die Masken eingeschossen.

Als er die Schwester nun wiederholt unfreundlich anfuhr, wurde es Sakura aber doch zu viel. Gedächtnisschwund hin oder her. Zielsicher ging sie auf den Mann zu, der sichtlich erleichtert aufatmete, als er, so sagte er dann, endlich mit einem Arzt sprechen konnte. Sakura verdrehte innerlich abermals die Augen. Sie hasste es, wenn zwischen den Schwestern und ihr so offensichtlich unterschieden wurde. Alle in diesem Krankenhaus waren wichtig und unersetzbar.

In Kürze berichtete sie dem Mann einfach, man schütze sich vor der Grippe, die gerade wieder umhergehe. Viele Patienten seien aktuell besonders gefährdet und dürften sich damit nicht anstecken. Erst nickte er steif und Sakura wandte sich mit einem guten Gefühl zum Gehen um, als er noch etwas einwarf.

„Im Juni?“, hatte der Mann sie zurecht skeptisch gefragt.

Oh. Sakura verharrt kurz in ihrer Bewegung. Das hatte sie nicht bedacht.

„Sommergrippe“, ergänzte sie also schnell und atmete erleichtert auf, als der Mann nickte und schwieg.

Lange würde das wohl nicht anhalten.

⋯ ♡ ⋯


In der Mittagspause fiel Sakura die heutige Zeitung in die Hand. Die Pausenzeiten waren fest eingeteilt und Tsunade hatte ihre zusammengelegt. Da sie unmittelbar nach Sakura den Raum betrat, las sie nur den Titel der Schlagzeile: Grabräuber auf dem Friedhof von Konoha unterwegs: Täter unbekannt.

Wie furchtbar.

„Unmöglich oder?“, kommentierte Tsunade Sakuras entgeisterten Blick, als diese von der Schlagzeile aufsah und die Zeitung beiseitelegte.

„Welche Gräber wurden denn geplündert?“, fragte Sakura, als Tsunade ihr Tablett mit dem Mittagessen auf dem Tisch abstellte. Die Tische waren mit roten Kreuzen markiert und gaben genau an, wo man sitzen durfte, um einen gewissen Abstand zueinander einhalten zu können.

„Das wird in dem Artikel nicht erwähnt“, antwortete Tsunade und beförderte schwungvoll einen Strohhalm in die Saftpackung, um sich diesen unter die Maske zu schieben. „Da musst du schon bei Kakashi nachfragen. Ich komme hier kaum raus.“

Apropos Kakashi. Während sie Tsunade beim Trinken des Orangensaftpäckchens beobachtete, schoss ihr kurzerhand etwas in den Kopf. In nur wenigen Zügen hatte Tsunade die 250ml Packung gelehrt und versuchte nun schlürfend die letzten Reste aus den Ecken zu erwischen. Das, was Tsunade da gerade mit der Maske machte, war doch super umständlich. Wie konnte Kakashi das sein Leben lang so standhaft durchziehen?

Sakura schüttelte beiläufig den Gedanken ab. Mittlerweile zerbrach sie sich kaum noch den Kopf darüber, was Kakashi unter seiner Maske verbarg.

„Jetzt erzähl schon Sakura“, drängelte Tsunade und fuhr mit ihrem Gesicht ein Stückchen näher heran. Die Markierung hielt sie dabei selbstverständlich ein. „Was hast du so erlebt?“

Nur in Kürze berichtete Sakura die wesentlichen Details ihrer Reise, viel Zeit blieb ihr in der Pause dafür nicht. Bedacht, besonders die privaten Aspekte bezüglich Sasuke auszulassen, plapperte sie munter drauflos. Und auch, dass sie verlobt waren, erzählte Sakura nicht. Dafür war zum einen die Zeit zu knapp und irgendwie konnte sie es ja selbst noch immer nicht so wirklich fassen. Geschweige denn, vor anderen aussprechen. Alleine der Gedanken ließ ihre Beine zu Wackelpudding werden. Gut, dass sie saß.

Tsunades Augenbrauen hoben und senkten sich gelegentlich, manchmal nickte sie ernst und atmete dann erleichtert auf. Wie gebannt klebten ihre Augen an Sakuras Lippen und sie stellte nur hin und wieder Nachfragen.

Besonders, als Sakura von der außergewöhnlichen Abwehrreaktion ihres Körpers berichtete, leuchteten Tsunades braune Augen hoch interessiert auf. Sakura musste kurz schmunzeln. Ihr weiser Blick verrieten das erfahrene Alter ihrer Meisterin nur zu gut, selbst wenn sie dieses durch die jugendliche Erscheinung vor den Meisten erfolgreich zu verbergen wusste.

Nach der Pause schleifte Tsuande Sakura regelrecht in ein Behandlungszimmer, um ihren Körper zu überprüfen. Nachdenklich legte sie die Stirn in Falten, als sie die Hände von Sakura hob.

„Ich kann nichts Außergewöhnliches erkennen Sakura. Versteh mich nicht falsch, natürlich glaube ich dir. Aber diese Enzyme, von denen du erzählt hattst, scheinen sich nicht mehr in deinem Körper zu befinden. Und da wir keinen blassen Schimmer haben, welches Mittel dir verabreicht wurde, können wir die Bildung leider auch nicht mehr provozieren“, enttäuscht ließ Tsunade den Kopf hängen.

Geschockt sah Sakura auf. Wollte Tsunade sie etwa als Versuchskaninchen benutzen?

„Das war ein Scherz Sakura. Keine Sorge“, warf die legendäre Sannin schnell ein, als sie den empörten Blick bemerkte.

„Hast du denn schonmal von einem derartigen Ereignis gehört?“, fragte Sakura jetzt und rutschte an den Rand der Liege heran, auf der Tsunade sie untersucht hatte.

„Hm.“, ihre alte Meisterin legte ihren Zeigefinder an das Kinn und starrte nachdenklich gegen die Wand, direkt an Sakura vorbei. “Ich habe zwar viel gesehen und gehört. Aber … Vielleicht …“ Kurz überlegte Tsunade. „Vielleicht hängt das ja mit dem Jutsu der Hundertstärke zusammen“, fuhr sie fort. „Auch wenn du es nicht bewusst aktiviert hast, könnte eine gewisse Menge an Chakra freigesetzt worden sein, das ähnliche Enzyme in kürzester Zeit angepasst haben könnte.“

„Du meinst, so etwas wäre wirklich möglich?“

„Wieso nicht? Das Jutsu bewirkt schließlich Wunder. Oder hast du das etwa schon vergessen?“ Tsunades Augen lächelten freundlich. „Unsere Sakura“, rief Tsunade zufrieden und klopfte ihrer Schülerin freundschaftlich auf die Schulter. „Immer für eine Überraschung gut, was?“

⋯  ♡  ⋯


Als Sakura am Abend das Krankenhaus durch die Eingangstür verließ, verabschiedete sie anstelle des Grinchs ein älterer Mann mit freundlichen Worten.

Als sie auf dem Heimweg zum dunklen Himmel aufsah, fiel ihr plötzlich siedend heiß ein, dass Sasuke keinen Schlüssel besaß: Er würde alleine also nicht in die Wohnung kommen können. Hoffentlich hatte er vor Langeweile nicht einfach ein Fenster aufgebrochen oder gar die Tür. Sakura schluckte: Das würde teuer werden.

Sie atmete erleichtert auf, als sie den Treppenaufgang zu ihrer Wohnung hinaufstürmte, und Sasuke im Schneidersitz hockend vor der Wohnungstür vorfand. Gefolgt von dem stechenden Gefühl des unglaublich schlechten Gewissens, kam sie vor ihm zum Stehen. Sie hatte Sasuke doch tatsächlich im Krankenhausalltag völlig vergessen. Dass sowas überhaupt möglich war. Wie lange er wohl schon gewartet hatte?

Sasuke hob erst den Blick, als Sakura vor ihm zum Stehen kam. Sein Gesichtsausdruck war neutral und sein Blick leer, weshalb ihr in dem Lesen seiner Emotionen die Hände gebunden waren. Ob er sauer war?

„Wieso bist du nicht ins Krankenhaus gekommen und hast dir den Schlüssel abgeholt Sasuke?“, wagte Sakura vorsichtig zu erfragen, als sie den Schlüssel neben dem auf der Kommode liegendem Stirnband platzierte, nachdem sie die Tür aufschloss. Sakuras Magen krampfte, als er stumm an ihr vorbeihuschte. Sein Verhalten stärkte sie weiter in der Annahme, er könnte sauer sein. Ein wenig verunsichert trat sie nun zu ihm ins Wohnzimmer. Sasuke saß auf dem Sofa, den Rücken an der Lehne und die Augen geschlossen.

Oh je. Gerade wollte Sakura den Mund öffnen, um sich zu entschuldigen, da fiel er ihr ins Wort.

„So ein komischer Held mit Maske hat mich nicht vorbeigelassen. Ich wollte keinen Ärger machen“, erklärte er monoton.

„Oh“, verblüfft sah sie ihn an und konnte sich ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen. Der abwertende Unterton, gekoppelt mit der Bezeichnung „Held“, ließ Sakura ein klein wenig Genugtuung verspüren. Wenn Sasuke es wirklich darauf angelegt hätte, dann wäre er problemlos ins Krankenhaus gekommen. Niemand hätte ihn aufhalten können.

„Besucher sind derzeit nicht erlaubt“, erklärte sie ihm mit einem schiefen Lächeln und bewegte sich in Richtung Küche. „Ich hole morgen früh den anderen Ersatzschlüssel von meinen Eltern“, rief sie ihm noch über die Schulter zu, bevor sie aus dem Wohnzimmer verschwand.

Während die beiden gemeinsam an Sakuras Esstisch saßen und aßen, berichtete Sakura von der mutierten Atemwegserkrankung. Sasuke hörte aufmerksam zu, zuckte dann aber nur unbeeindruckt mit den Schultern.

Da er, nach Sakuras Auffassung, den Ernst der Lage nicht erkannt zu haben schien, formulierte sie ihr Anliegen nun ganz konkret.

„Ich möchte daher, dass du in der Zeit auf dem Sofa schläfst.“

Sasuke hielt mit in seiner Bewegung inne und blickte emotionslos auf. Die Stäbchen in seiner Hand waren auf halbem Wege zum Mund eingefroren und Sakura starrte kurz wie gebannt auf das Stückchen Fleisch, welches er zwischen diesen festhielt.

„Falls ich mich anstecken sollte, muss ich das Virus nicht auch noch an dich weitergeben“, ergänzte Sakura nachdrücklich.

Sasuke schnaubte nur amüsiert als Antwort.

„Ich werde nicht krank“, erwiderte er knapp und aß dann weiter.

Baff über seine hochgradige Ignoranz und Arroganz klappte Sakura der Kiefer runter. Ungläubig starrte sie ihn jetzt von dem einen Tischende, an dem sie saß, zum anderen an, an dem sich Sasuke befand. Dann sog sie scharf Luft ein und hielt sie sogleich an, um nicht explodieren zu müssen. Diese kopflose Leichtsinnigkeit, sie machte Sakura unglaublich wütend.

Ihre Brauen begannen zu beben, während Sakura unter großem Bemühen versuchte, ihre innere Wut in den Griff zu bekommen. Als Sasuke jetzt aufsah, verschluckte er sich beinahe und beobachtete sie aufmerksam, indem er nicht mehr von ihr absah.

Es war nicht das erste Mal, dass Sasuke leichtsinnig mit seiner Gesundheit umging. Er war zwar stark, aber nicht unbesiegbar. Nur zu gut erinnerte Sakura sich daran, wie Sasuke kurz vor Orochimarus Versteck zusammengesackt war. Glücklicherweise waren ihnen dort nur seine alten Teamkameraden über den Weg gelaufen. Das Ganze hätte unter Umständen auch schlimmer ausgehen können. Sasuke hatte das damals schon nicht einsehen wollen.

Männer!

Wütend schnaufte Sakura und schlug noch im selben Atemzug mit der Faust fest auf den Tisch. Ihr Glas fiel von der Wucht einfach um. Augenblicklich bildete der Inhalt eine kleine Pfütze auf der Tischplatte, die bereits im nächsten Moment zu Boden tropfte. Das Missgeschick war zwar ärgerlich, aber nicht tragisch. Tragisch wäre es, wenn sich die Krankheit ausbreiten würde. Wenn es Sasuke nicht gut gehen würde.

Böse, nein fuchsteufelswild, funkelte Sakura nun den sichtlich verunsicherten Sasuke an. Das Thema stand für sie absolut nicht zur Diskussion. Und genau das, wollte sie ihm nun unmissverständlich deutlich machen.

Sasuke saß wie versteinert am Tisch. Irgendwann hatte Sakura sogar den Eindruck, er würde nachdenken. Dann schloss er die Augen und nickte steif.

„Was soll das heißen?“, fragte sie scharf und verschränkte die Arme. Sie wollte es aus Sasukes Mund hören und sah ihn daher auffordernd an.

„In Ordnung“, murmelte er endlich leise und ließ die Worte in einem gekünstelten Hüsteln verschwinden. Dann fuhr er mit dem Essen fort.

⋯ ♡ ⋯


Sakura wälzte sich im Bett von der einen zur anderen Seite und sah immer wieder in Richtung Tür. In ihrem Schlafzimmer war es zwar stockdüster, ihre Augen hatten sich jedoch längst an die Dunkelheit gewöhnt und so konnte sie die Konturen der Zimmertür gut erkennen. Dort im Wohnzimmer, gleich hinter der Tür, da lag Sasuke auf dem Sofa und schlief.

Sakura schloss die Augen und spürte seine Präsenz plötzlich so intensiv, dass es ihr die Luft abschnürte. Erschrocken darüber, schlug sie die Lider auf und wurde zugleich enttäuscht, als sie neben sich blickte. Natürlich lag er nicht neben ihr. Sakuras Wahrnehmung hatte ihr wohl einen fiesen Streich gespielt. Sie seufzte also genervt und legte verzweifelt die Hände über die Augen, unter diesen sie die Lider wieder senkte.

Sie dachte erst an nichts, dann wieder an Sasuke, dann wieder an nichts. Und dann an ihre Träume und an ... Mangetsu. Ihr Körper versteifte sich sofort und drehte sich auf den Rücken.
Da lag sie nun wieder, hellwach, gefangen in ihren Gedanken und starrte an ihre Zimmerdecke. Die Erinnerung an die Träume und Mangetsu ließen wieder Angst und Hilflosigkeit in ihr aufsteigen. Sie nagte an der Unterlippe, als sie abermals zur Tür sah. War Sasuke bei ihr, dann fühlte sie sich irgendwie besser. Und sicherer. Es war das erste Mal seit längerem, dass er nicht da war, wenn sie einschlief.

Sakura erinnerte sich an ihren Aufenthalt in einem Gasthaus, kurz vor Konoha.

„Es sind Träume Sasuke“, hatte Sakura ihm eindringlich zu vermitteln versucht, als er sie aus ihrem Traum gerissen hatte. Sorgenvoll hatte er die Augenbrauen zusammengezogen und selten hatte Sakura ihn so gesehen. Aber sie war nach wie vor fest davon überzeugt: „Träume, mehr nicht“, hatte sie eindringlich wiederholt und aufmunternd gelächelt. Sie hatte ihm nur erzählt, dass sie hin und wieder von Mangetsu träumte. Die Tatsache, dass diese Träume von romantischer Art waren, trieben sie dazu, nur das Nötigste davon zu berichten.

Sakura schloss jetzt nachdenklich die Augen, um sie im nächsten Moment prompt wieder aufzuschlagen. Tatsächlich war es auch so, und das fiel ihr erst jetzt ein, dass es eine ganze Weile her war, dass sie von Mangetsu geträumt hatte. Seit sie in der Burg gefangen gehalten wurde, bis zu dem Zeitpunkt, an dem Sasuke sie geweckt hatte, war Mangetsu ihren Träumen ferngeblieben.

Sakura dachte intensiv nach und zog sich dabei die kühle Decke bis über die Nase. Möglicherweise hatte ihr Unterbewusstsein den Schreck endlich überwunden und erfolgreich verarbeitet. An die Träume der letzten Nächte konnte Sakura sich hingegen nicht erinnern. Aber an die Hoffnung, der Spuk könnte nun endlich zu Ende sein, klammerte sie sich nun hoffnungsvoll.

⋯  ♡  ⋯


Sasuke schlief nun also die nächsten Tage auf dem Sofa. Und er beschwerte sich nicht einmal darüber, was Sakura ihm hoch anrechnete.  

Schade, aber gleichzeitig auch nützlich in dieser Situation, war, dass Sakura lange Arbeitstage im Krankenhaus verbrachte und auch Sasuke viel in neue Missionen eingebunden wurde. Zum einen kamen sie so nicht in Versuchung, sich nahezukommen und zum anderen wusste Sakura sehr genau, dass Sasuke seine Füße nicht hätte stillhalten können. Und sicher war dies auch Kakashis Intention, als er Sasuke, aus heiterem Himmel, zu diversen Missionen einteilte.

Trotz alledem war es natürlich so, dass der Drang danach, ihm nahe zu sein, umso stärker wuchs, je länger sie seine Nähe missen musste. Hin und wieder fiel ihr der Zwiespalt in seinen Augen auf, den er fast spurlos mit seiner nüchternen Art verdecken konnte. Aber nur fast. Ein wenig freute Sakura sich immer darüber, wenn das Gefühl der Sehnsucht nach ihr in seinen Augen aufblitze.

Als Sakura nun an diesem Morgen den Wecker ausschaltete, blieb sie noch einen Moment liegen und blickte ins Leere. Sie erinnerte sich an gestern Abend und lächelte. Sasuke und sie hatten über Inos und Sais Hochzeit gesprochen.

Ino hatte Sakura zuvor nach ihrer Begleitung gefragt, oder besser gesagt, Sakura bei dem gestrigen Telefonat in ein hitziges Verhör verwickelt. Ino drohte damit, den Platz mit jemand anderem zu besetzen, damit Sakura nicht ohne Begleitung dastehen müsste. Sie erzählte etwas von einem Cousin vierten Grades, der unglaublich gut aussehen sollte. Die Stimme ihrer Freundin klang am Telefon so aufgeregt, dass Sakura den Hörer etwas vom Ohr entfernen musste und schnell ins Bad verschwand, damit Sasuke das Gespräch nicht mitbekam. Nicht dass er noch dachte, Sakura wollte ihn mit solch unseriösen Dingen erpressen und so zwingen, sie zu begleiten.

Ihre Freundin wusste ja noch nicht mal, dass Sasuke bei ihr wohnte. Sie würde durchdrehen.

„Ich komme mit Sasuke“, hatte Sakura schnell behauptet, um Inos ausschweifende Fantasie zu bremsen. Lieber säße sie alleine, als dass ein fremder Mann an ihrer Seite als Begleitung infrage kommen würde.

Ino hatte nur misstrauisch gebrummt, dann aber endlich lockergelassen.

Nach der Hochzeit würde sie es ihrer besten Freundin gleich erzählen wollen. Das hatte Sakura ihrer Freundin still von dem einen, bis zum anderen Ende der Leitung geschworen.

Nach dem Telefonat hatte Sakura ihr Gesicht mit kaltem Wasser gewaschen und sich so lange ernst im Spiegel angestarrt, bis sie selbstsicher vor Sasuke treten konnte. Und so hatte Sakura gestern Abend all ihren Mut zusammengenommen und Sasuke erneut darauf angesprochen, als sie aus dem Bad trat. Schließlich waren es nur noch ein paar Tage bis zur Hochzeit.

„B-begleitest du … mich?“, hatte sie ihn dann doch verlegener gefragt, als sie es sich eigentlich vorgenommen hatte.

Erst hatte er nachdenklich gebrummt und den Kopf schief gelegt. Dann sagte er aber langsam: „Wenn du das gerne möchtest…“

„Wenn du nicht willst, dann musst du natürlich nicht“, platze es aus Sakura heraus. Schnell wandte sie den Blick von ihm ab, denn ihre Gesichtsmuskulatur deuteten an, die Kontrolle über ihre Emotionen abzugeben. Natürlich würde es sie glücklich machen. Natürlich wollte sie das.

Aber wenn er nicht wollte, dann sollte er sich nicht gezwungen fühlen.

„Hm?“, offensichtlich zog er ganz beabsichtigt den nachdenklichen Laut in die Länge. Dann vernahm Sakura aus den Augenwinkeln, dass Sasuke knapp nickte. „Wir sind bald verheiratet. Also werde ich dich auch begleiten müssen“, kündigte er mit fester Stimme an und nicke wiederholt.

Sie. Sind. Bald. Verheiratet. Diese Worte hatte Sakura mehrfach in Gedanken wiederholt, bevor sich die Intensität ihres Herzschlags verdoppelte und ihr schlagartig heiß wurde. Erst jetzt hatte sie überhaupt verstanden, was er gerade zu ihr gesagt hatte. „Wirklich?“, hatte sie mit piepsiger Stimme gefragt. Um Himmels willen, sie kam sich wie ein pubertierender Teenager vor, der von Sasuke zu einem Abschlussball eingeladen wurde und kurz vor dem Ausflippen stand.

Er nickte erneut und musterte sie nüchtern.

Beinahe wäre sie Sasuke nun doch um den Hals gefallen. Kurz vor ihm war Sakura aber noch rechtzeitig zum Stehen gekommen und sah peinlich berührt zu ihm auf. Ihr Gesicht wurde prompt in eine peinliche Röte getaucht. Sasuke senkte den Blick zu ihr hinab und wartete.

Das Virus, war es Sakura in den Kopf geschossen, und sofort brachte sie wieder mehr Abstand zwischen ihnen. Eilig sah sie von ihm ab, denn die Sehnsucht, die in seinen Augen aufflackerte, war ihr keinesfalls entgangen.

Dann hatte sie sich leise geräuspert und schließlich verlegen gemurmelt:

„Ich freue mich sehr darüber. Danke.“ Schüchtern zog sie die Mundwinkel nach oben.

⋯  ♡  ⋯


Als Sakura ein paar Tage später die Wohnungstür aufschloss, war es bereits dunkel. Seelenruhig zog sie ihre Schuhe aus und wollte diese neben Sasukes platzieren, als sie stutzte. Sie waren nicht da.

Enttäuscht seufzte Sakura, denn, wenn sie ehrlich war, dann hatte sie sich tierisch auf Sasuke gefreut. Entgegen dieses Verlangens, hatte sie sogar bewusst ein wenig getrödelt, weil sie gleichzeitig wahnsinnig nervös gestimmt war: Sakura wurde negativ auf das Virus getestet.

Seit gestern war eine der Schwestern wieder zurück und Sakura bat darum, im Hinblick auf Inos Hochzeit, Abstand von den erkrankten Patienten nehmen zu dürfen. Und spann man diesen Gedanken nun weiter, so mussten die beiden keinen Abstand mehr zueinander einhalten, denn die Inkubationszeit betrug noch nie länger als zwei Tage. Sakura war also aus dem Schneider.

Im Badezimmer wusch sich Sakura gründlich die Hände. Dann zog sie die Schublade unter dem Wachbecken auf und holte ihre Haarbürste hervor. Anschließend ging ihre Hand zu ihrem Pillenstreifen. Rasch drückte sie eine der kleinen runden Plättchen heraus, um sie mit Wasser hinunterzuspülen.

Sakura nahm die Pille nicht zum Zweck der Verhütung, schließlich gab es bisher keinen Grund dazu. Es waren ihre regelmäßig und starken Unterleibschmerzen, die bereits vor zwei Jahren zu der Einnahme gedrängt hatten. Eine Kunoichi mit starken Unterleibschmerzen war nicht unbedingt nützlich.

Nun war es aber so, dass sie, seitdem Kato ihre Tasche direkt durch das Fenster ins Meer befördert hatte, keine mehr nehmen konnte. Ihr Reisevorrat lag im Meer.

Ihre Augen weiteten sich, als ihr vor Entsetzen kurz der Herzschlag aussetzte. Als sie sich vor wenigen Tagen auf dem Sofa so leidenschaftlich ausgetauscht hatten, da hatte Sakura wohl Glück im Unglück gehabt. Sie hatte gar nicht bedacht, dass es eine Weile dauern würde, bis sie sich wieder auf die Wirkung der Pille hätte verlassen können. Und eine Alternative hätte Sakura nicht in Petto gehabt. Und um ehrlich zu sein, zweifelte sie auch arg daran, dass Sasuke etwas Entsprechendes bei sich getragen hatte.

Sakura atmete erleichtert auf und verstaute den Pillenstreifen wieder in der Schublade. Glücklicherweise war es bei dieser Pille eben so, dass der Verhütungseffekt relativ schnell eintrat. Hätte sie eine gewöhnliche genommen, dann müssten erst 4 Wochen verstreichen. An den Fingern zählte sie nun schnell die Tage ab und stellte fest, dass sie sich schon wieder in einem sicheren Bereich bewegen müsste. Als ihr daraufhin bewusstwurde, worüber sie eigentlich gerade wieder nachdachte, glühte ihr Gesicht.

Tat man so etwas nicht erst nach der Hochzeit? Schnell hob sie eine Hand an die heißen Wangen, um diese damit zu kühlen. Oder war dieser Gedanke etwa zu altmodisch? Letztendlich würden sie es nach der Hochzeit sowieso irgendwann tun. Ihr wurde schwindelig bei diesen Gedankengängen, jedoch konnte Sakura nichts dagegen unternehmen. Die Gedanken prasselten einfach so auf sie ein, während sie sich verzweifelt an den Rand des Waschbeckens zu klammern versuchte.



Zu ihrer Erleichterung gelang es ihr endlich, die Gedanken zu sortieren und an andere Dinge zu denken. Sakura hob den Blick zur Uhr: Sie zeigte 19:27 Uhr.

Im Wohnzimmer entdeckte sie Sasukes Tasche am Boden stehen und auch sein Umhang hing über den Stuhl. Deshalb nahm Sakura an, Sasuke müsste lediglich einen Spaziergang machen. Aber Sasuke war noch immer nicht zurück, als Sakura den Tisch deckte und das dampfende Essen darauf platzierte.

Eine ganze Weile saß sie nun stumm am Tisch und beobachtete gedankenverloren den immer dünner werdenden aufsteigenden Dampf vom Essen. Unter dem tückischen Duft dieses, zog sich ihr Magen mehr und mehr zusammen, bis er sich so hohl anfühlte, wie der Korpus einer Gitarre. Und genauso schallend grölte er auch hin und wieder.

Vor Hunger wimmernd und ziemlich deprimiert legte Sakura das Gesicht in die Hände und stöhnte genervt.

Wo blieb er nur?

Nach einer halben Stunde war das Essen kalt. Und auch nach weiteren 30 Minuten war er nicht aufgetaucht.

Sakuras Hunger war nun zweitrangig. Stattdessen ging sie, wie eine streunende Katze, nervös in der Wohnung auf und ab, und zwischendurch auch auf den Balkon, um nach ihm Ausschau zu halten. Konzentriert schloss sie regelmäßig die Augen, um den Versuch zu unternehmen, sein Chakra aufzuspüren. Vergebens.

Irgendwann gab sie es dann auf und ließ sich wieder auf einen Stuhl sinken. Das Gefühl von Sorge und Ärger wechselten sich in einem regelmäßigen Rhythmus ab. Natürlich konnte er machen, was er wollte, aber Sakura hatte sich auf heute Abend gefreut. Und eine kurze Nachricht wäre sicherlich nicht zu viel verlangt gewesen.

Auf dem Sofa wartete Sakura noch einige weitere Stunden vergebens auf Sasuke. Irgendwann erfasste sie die Müdigkeit, sie nickte noch im Sitzen ein und rutsche mit dem Gesicht in Sasukes Kopfkissen. Sie nahm einen tiefen Atemzug und seufzte zufrieden, bevor sie das Gesicht tief darin vergrub und einschlief.



Aber auch am nächsten Morgen war Sasuke nicht da. Als Sakuras Blick auf den Kalender in der Küche fiel, fuhr ihr erst ein flüchtiges Lächeln über die Lippen, dann formten sie eine ernste Linie. Auf dem Kalender, den Sasuke in seiner Rage von der Wand gerissen hatte, leuchtete ein dickes rotes Kreuz: Morgen war Inos Hochzeit.

Im Krankenhaus angekommen, arbeitete Sakura ausschließlich im Büro. Tsunade platzierte die schweren Aktenordner sogar vor der Tür, anstatt sie einfach hineinzubringen, was Sakura als etwas übertrieben wahrnahm. Schließlich trugen sie beide eine Maske. Aber Vorsicht war besser als Nachsicht Sakura, hörte sie die alte Sannin in ihren Gedanken energisch sagen.

Ein Bericht von Shizune verdeutlichte, dass die Testungen der Medikamente recht positiv ausfielen, die Patienten jedoch, in dieser Hinsicht, noch weiter beobachtet werden mussten, um ein signifikantes Ergebnis aussagen zu können. Dennoch war dieses erste Zwischenergebnis als durchaus zufriedenstellend einzustufen. Dabei erstaunte es selbst Sakura, dass, bereits nach so kurzer Zeit, positive Ergebnisse von den Testungen abzuleiten waren. Das war einfach nur sensationell und würde hoffentlich so bleiben. Und so müsste sie wohl doch keine Bange darum haben, Reis oder Dosengemüse könnten ausverkauft sein.



Und auch heute Abend kam Sasuke nicht nach Hause.

Ob er sich doch umentschieden hatte?

Sakura schluckte ihre Enttäuschung hinunter und zwang sich ein Lächeln auf. Hätte er ihr gesagt, dass er nicht wollte, dann hätte sie es hingenommen. Aber sie anzulügen und dann nicht aufzutauchen … das war schon echt gemein.

Aber das Ganze war jetzt unwichtig, denn es ging um Ino.

Kurz hatte Sakura noch überlegt, Kakashi anzurufen und zu fragen, ob Sasuke sich auf einer Mission befand. Aber die Mischung aus Wut und Unsicherheit hielten sie von dem Vorhaben ab. Sasuke wusste genau, dass morgen die Hochzeit anstand. Entweder würde er kommen, oder eben nicht.

Sakura bereitete am Abend noch ihr rosafarbenes Kleid vor und bügelte die letzten Falten heraus. Gedankenverloren strich sie mehrfach über den feinen Stoff. Als plötzlich viel zu viel von dem heißen Dampf aufstieg, schrie Sakura erschrocken auf.

„Ah.“ Schnell hob sie das Bügeleisen in die Höhe und atmete erleichtert auf. Nichts passiert. Beinahe hätte sie wegen Sasuke auch noch ihr einziges Kleid zerstört. Ihr Gesichtsausdruck verfinsterte sich wieder bei dem Gedanken an ihn. Und auch als Sakura ins Bett ging, war ihre Laune nicht wirklich besser, weshalb sie auch nicht sonderlich gut schlief. Stets horchte sie nach Sasuke, aber rings um ihre Wohnung herum blieb es die gesamte Nacht über still.

⋯  ♡  ⋯


Am nächsten Morgen traf Sakura schon sehr früh bei Ino ein. Gerade half sie ihrer Freundin dabei, das feine festliche weiße Gewand anzuziehen, als Sakuras Gedanken einige Sekunden wieder zu Sasuke abdrifteten. Schnell fing sie sich wieder und hielt den Ärmel in die Höhe, damit Ino mit der Hand leichter den Weg hineinfinden konnte.

Ihre Freundin bemerkte ihre flüchtige gedankliche Abwesenheit nicht, was Sakura sehr entgegen kam. Inos lange blonde Haare waren in einer penibel sauberen Hochsteckfrisur zusammengerafft und eine weiße große Lilie zierte ihren Kopf. Sakura trug ihr rosafarbenes Kleid und ihre dazu passenden gleichfarbigen Haare, locker über ihre Schultern.

Ino war so aufgeregt, dass ihr die Hände permanent zitterten. Mit nur wenigen Handgriffen kaschierte die Dame, die Ino die Haare gemacht hatte, ihre blauen Schatten unter den Augen. Und auch die von Sakura kamen nicht davon.

„Soll ich dir auch die Haare machen?“, fragte sie noch, sah Sakura mit großen Augen an und zog indessen hoch motiviert die Haarbürste hervor.

„Nein, danke“, wehrte Sakura schnell ab. „Das ist nicht nötig.“ Mit einer aufwendigen Hochsteckfrisur würde sie sich bestimmt ein wenig unwohl fühlen und so verzichtete sie darauf.

„Du siehst umwerfend aus Ino“, staunte Sakura nicht schlecht, als sich ihre beste Freundin vor ihr im Kreis drehte. Sie war perfekt und bereit, vor Sai zu treten.

„Findest du?“, fragte Ino und lächelte verlegen. „Ob ich Sai auch gefallen werde?“

„Natürlich. Den haust du glatt von den Socken“, lachte Sakura über Inos plötzlichen schüchternen Einbruch. Sonst wirkte sie immer so stark und selbstbewusst, aber heute durfte auch mal eine taffe Ino aufgeregt sein.

Dass Sasuke wahrscheinlich nicht auftauchen würde, verschwieg Sakura bewusst. Ino hatte auch nicht danach gefragt. Und obwohl Inos hibbelige Nervosität auch auf Sakura überschlug, lag ihr Sasuke dennoch schwer im Magen und sorgte für einen sauren Beigeschmack. Zu ihrem eigenen Erstaunen gelang es ihr dennoch ziemlich gut, ihren Frust zu überspielen.

Da die Zeremonie in Kürze beginnen würde, mischte Sakura sich nun unter die Gäste. Die Feier war zwar noch lange nicht so groß, wie die von Naruto und Hinata, für Sakuras Geschmack hätte die Hochzeitsgesellschaft dennoch etwas kleiner ausfallen können.

Sakura sah Sai ganz vorne, am anderen Ende der Menschenmasse, stehen. Er trug ein dunkles feierliches Gewand und hatte sein typisches und nichts aussagendes Grinsen aufgesetzt. War er denn gar nicht aufgeregt?

Sakura sah sich um und hoffte nun doch wieder, Sasuke zu entdecken. Die Menschenmasse hatte sich unterdessen aufgeteilt und einen schmalen Gang gebildet, der von der Tür zu Sai führte. Ein paar Meter von sich entfernt entdeckte Sakura Shikamaru, Temari und Choji stehen, die sich aufgeregt unterhielten. Dann wandte sie sich der Menschenmenge zu, die ihr gegenüberstand. Sofort stachen ihr dort Naruto und Hinata ins Auge.

Hinatas und Sakuras Blicke trafen sich gleichzeitig und Hinata hob sofort die Hand und lächelte freundlich. Dann stieß sie Naruto, der gerade zur Seite sah, heftig in die Seite und deutete stumm mit dem Finger in Richtung Sakura. Als sich ihre Blicke trafen, runzelte Sakura die Stirn über Narutos verwirrten Gesichtsausdruck. Sein Ausdruck verfinsterte sich, als sein Blick suchend hinter und neben Sakura ging.

Sucht er nach Sasuke?

Sakura schüttelte mit dem Kopf und senkte zugleich traurig den Blick. Er würde ihn nicht finden.

Als Sakura jetzt von der Seite angerempelt wurde, kam sie ins Taumeln. Als sie sich schließlich nach dem Übeltäter umsah, hob ein älterer Herr entschuldigend die Hände und deutete an, dass er selbst geschubst wurde. Freundlich lächelte Sakura.

„Kein Problem“, sagte sie und wandte den Blick wieder nach oben.

So langsam wurde es richtig voll. Die Stimmen der Gäste wurden immer aufgeregter und lauter und Sakura fühlte sich zunehmend unwohler. Nervös sah sie sich wieder nach Naruto um. Vielleicht sollte sie zu ihm hinübergehen. Aber er war weg, als sie an die Stelle sah, an der er eben noch gestanden hatte. Und Hinata ebenso.

Als jemand ihr Handgelenk umfasste, fuhr Sakura erschrocken in die Höhe. Grob wurde sie aus der Menge gerissen und verlor dabei fast erneut das Gleichgewicht.

Warum schupsten und rissen plötzlich alle an ihr?

„He“, rief sie aufgebracht und blickte wütend in Narutos ernstes Gesicht. Ihr Handgelenk hielt er noch immer fest umschlossen und machte keinen Anschein, es loslassen zu wollen.

„N-Naruto“, stammelte Sakura verwirrt. Hinata tauchte hinter ihm auf.

„Wo ist Sasuke?“, fragte Naruto mit fester Stimme.

„W-was, wieso?“, irritiert starrte Sakura ihren Freund an. „I-ich weiß es nicht.“

„Ist er nicht zurückgekehrt?“, fragte Naruto jetzt.

Sakura rutschte mit einem Mal das Herz in die Hose. Ihre Beine wurden zittrig und kurz darauf taumelte sie. Naruto reagierte sofort und packte sie an beiden Armen, um sie festzuhalten.

„Sakura“, rief er energisch und schüttelte sie heftig.

„Naruto, was machst du da?“, mischte sich Hinata jetzt ein und berührte ihn auffordernd am Arm.

Verzweifelt sah Sakura erst in Hinatas besorgtes Gesicht, dann zu ihrem besten Freund auf. Alles drehte sich. Sie schluckte. Ihr war übel. Naruto jagte ihr eine höllische Angst ein.

„Wo ist Sasuke?“, hauchte Sakura so leise, dass ihre Worte vollkommen in dem lauten Geschwätz der anderen Gäste untergingen.

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Freunde der Sonne :)

ich verkünde feierlich ... ich bin ein Tunichtgut .. nein, das wäre tatsächlich gelogen ;P

Umso schöner ist es, dass wir Nachwuchs in der Familie meiner Geschichte erhalten haben :) Die liebe Jenny ist nun Teil meiner Betaleserinnen & Co KG.

Ich freue mich wirklich wirklich sehr darüber, denn ich empfinde meine beiden lieben Betas als enorme Unterstützung <3 Selbst an diesem Kapitel hat die fleißige Jenny, neben dem immer so zuverlässigen Turbo-Fuchs, bereits mitgewirkt und die letzten Wogen geglättet.

Also willkommen liebe Jenny :)


Da ich in weniger als zwei Wochen meine mündliche Prüfung bestreiten muss, wird das nächste Kapitel wohl nicht in der nächsten Woche folgen können. Ich hoffe aber auf das Wochenende darauf. Schaut gerne regelmäßig auf meinem Profil vorbei, um auf dem Laufenden zu bleiben!

Fühlt euch gedrückt :)

Eure Juli
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