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Unsere Bestimmung - Sakura & Sasuke (Part 3)

von JuliTales
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Het
Naruto Uzumaki Sakura Haruno Sarada Uchiha Sasuke Uchiha
29.01.2021
12.02.2022
43
192.131
31
Alle Kapitel
59 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
20.02.2021 4.236
 
Juhu, ich habe das letzte Kapitel überarbeitet. Es gefiel mir so gar nicht und deshalb darfst du es gerne erneut lesen :) Es läuft aufs Selbe hinaus, ist aber schon ein wenig anders

Sakura Pov
༻❀༺


Ein schrilles Klingeln riss Sakura aus dem Schlaf. Für sie wirkte es im ersten Moment so ohrenbetäubend laut, als hielte ihr jemand einen Wecker ans Ohr. Sakura stöhnte genervt und presste sich die Hand fest auf das freie Ohr, um dem schrillen Klang verzweifelt zu entfliehen..

Nach wenigen Augenblicken erst, gelang es ihr endlich sich zu orientieren. Sakura schlug die Augen auf und blinzelte müde gegen den verschwommene Kleiderschrank in ihrem Schlafzimmer, der unmittelbar in der Mitte ihres Gesichtsfelds auftauchte.

Es war das Telefon. Es klingelte.

Und es hörte einfach nicht auf. Genervt stöhnte sie erneut und zog sich jetzt sogar das Ende des Kissens über den Kopf. Innerlich schimpfte sie mit sich selbst, den Ton so laut eingestellt zu haben. Schließlich stand das Telefon doch eigentlich im Wohnzimmer. Wieso hörte sie es dann also so laut? Und wer um alles in der Welt konnte das sein? Es wusste doch bisher kaum einer, dass Sasuke und Sakura wieder in Konoha waren. Gerade mal einen Tag war sie wieder zurück, da ging das Leben auch schon wieder drunter und drüber.

Wie lange das Telefon nun letztendlich Alarm schlug, konnte Sakura nur schätzen. Sie kniff die Augen zusammen und bettelte inständig um das Schweigen des Telefons. Einen Netzausfall oder einen Kurzschluss, egal, Hauptsache, es hörte endlich auf zu Klingeln. Aber nichts dergleichen passierte. Verzweifelt versuchte Sakura den ohrenbetäubenden Lärm auszublenden, und drückte das Kissen noch fester an ihr Ohr. Insgesamt erreichte sie aber den gegenteiligen Effekt: Anstatt sich zu beruhigen, steigerte sie sich innerlich immer weiter in den Ärger über das Telefon hinein, bis sie nur noch wütend mit den Zähnen knirschte. Kurz vor dem Überkochen ihrer Wut, dachte sie sogar ernsthaft darüber nach, aufzustehen und das Telefon gegen die Wand zu pfeffern.

Dann verstummte es endlich.

Erleichtert seufzte Sakura, ließ das Kissen wieder vom Ohr sinken und blinzelte dem schwachen Licht hinter der Gardine entgegen. Die Sonne musste schon am Himmel stehen. Genüsslich öffnete sie jetzt den Mund und gähnte lang und ausgiebig. Es wäre nun sinnlos zu versuchen, weiterzuschlafen.

Sakura lag an der Bettkante, den Rücken der Wand zugedreht und rieb sich die Augen, um die Sicht für den Tag zu schärfen.

Wahrscheinlich handelte es sich bei dem Anrufer sowieso nur wieder um diesen lästigen Kerl, der immer und immer wieder versuchte, ihr am Telefon ein Zeitungsabonnement zu verkaufen. Egal wie oft sie dies verneinte, er rief aus Prinzip einmal im Monat an und ließ sich immer nur schwer abwimmeln. Und eigentlich konnte er froh darüber sein, dass Sakura sein Gesicht nicht kannte. Wären sie sich zufällig über den Weg gelaufen, dann hätte sie die Gelegenheit keinesfalls verstreichen lassen, ihm auch auf persönlichem Wege zu verdeutlichen, kein Interesse an seinem Käseblatt zu haben. Nicht heute, nicht morgen und auch nicht in einem Jahr. Selbst in zehn Jahren nicht.

Sakura hielt sich aus Gewohnheit die Hand vor den Mund, als ihr ein gähnender Laut entwich.

Dann fiel ihr plötzlich siedend heiß etwas Wesentliches ein. Schlagartig erstarrte sie zur Salzsäule.

Sasuke.

Noch im selben Atemzug klappte sie den Mund zu und fuhr panisch mit Hand hinter sich, um nach ihm zu tasten.

Er war gestern hier eingeschlafen.

Direkt neben ihr.

In ihrem Bett.

In ihrer Wohnung.

Sakura wurde schlagartig kalt, dann wieder so heiß, als befände sie sich in einer Sauna. Ein Kloß bildete sich in ihrem Hals und blieb einfach stecken, als ihre Hand nur die kalte Matratze ertastete. Gefangen in ihrem Schwall von Panik, warf sie sich hektisch auf der Matratze um. Angst und Verzweiflung umschlossen ihr Herz und hielten es erdrückend lange fest, als sie lediglich auf das weiße Laken ihres Bettes starrte. Wie lange war er schon weg?

Ihr Atem ging flach, als sie in die Höhe fuhr und hektisch jeden Winkel des Schlafzimmers genaustens abscannte. War er weg? Nur wenige Augenblicke später stelle Sakura fest, dass die Schlafzimmertür halb offenstand. Ihr wurde schlagartig übel, ihr Magen rebellierte und ein leises, aber zunehmendes Sausen machte sich in ihren Ohren bemerkbar: Die Panik schien sich nun auch auf ihren Kreislauf auszuwirken. Sie erhob sich vom Bett und stolperte geradewegs auf die Tür zu, um sie mit zittrigen Fingern aufzuschieben. Sie gab den Blick ins Wohnzimmer frei. Kein Wunder, dass sie das Klingeln des Telefons als so laut empfand, wenn die Tür offenstand.

Und da - Sakura atmete erleichtert auf, während ihr ein heiseres und von Hysterie begleitetes Lachen entwich. Da, auf dem Sofa, da hingen noch einige seiner Klamotten. Entsetzt über das Ausmaß ihrer eigenen Paranoia, schüttelte sie im nächsten Moment den Kopf. Sakura würde sich noch irgendwann selbst in den Wahnsinn treiben, da war sie sich sicher. Mit einer schnellen Bewegung fuhr sie mit dem Handrücken über die Stirn, um den dünnen Film von Kaltschweiß zu trocknen, der sich darauf gebildet hatte. Ihr Herzschlag normalisierte sich wieder, der Kloß in ihrem Hals löste sich und die Sicht wurde wieder klarer.

Dabei konnte sie sich diese Reaktion nicht mal selbst verübeln: Immerhin hatte er mehrfach versucht sie zurückzulassen.

Ihr Füße setzten sich nun von alleine in Bewegung und führten sie zu Sasukes Shirt, welches er unordentlich über der Lehne des Sofas zurückgelassen hatte. Schlagartig glühten ihre Wangen, als sie sich daran erinnerte, wie er sich dieses Shirt vom Leib gerissen hatte und die beiden sich fast ihrer Leidenschaft, die sie füreinander empfanden, hingegeben hatten. Verlegen fuhr sich Sakura bei dem Gedanken durchs Haar. Wer hätte vor 5 Jahren gedacht, dass sie mal vor diesem Punkt stehen würden. Zudem entlastete es Sakura enorm, dass Sasuke, laut seiner Aussage, doch noch keine romantischen Erfahrungen auf seiner Reise gesammelt hatte. Er war in dieser Angelegenheit also genauso unerfahren, wie sie. Das war durchaus erleichternd. Allerdings plagte sie das schlechte Gewissen, denn in ihren Gedanken hatte sie ihn als männliche Hure bezeichnet. Sakura war deshalb umso beruhigter, dass Sasuke diese Angelegenheit so besonnen hingenommen hatte. Wahrscheinlich hatte er gar nicht so weit und verstrickt gedacht. Besser so. Sakura wäre sicherlich wütend gewesen, hätte er etwas Derartiges von ihr behauptet.

Damals im Gasthaus, als sie sich das erste Mal geküsst hatten, als sie ihn zur Rede stellen wollte, da fühlte sich Sakura von Sasukes „Überfall" maßlos überfordert. Gestern hingegen, da wollte sie es selbst. Seine Nähe.

Der weiche Stoff des Shirts, welches über dem Sofa lag, war kühl, als ihre Finger diesen berührten. Sie schloss die Augen und atmete tief ein, um damit die Hitze aus ihrem Gesicht zu verdrängen.

„Sasuke?", rief sie anschließend fest und wartete ab. Auch wenn sie sicher war, sein Chakra nicht zu spüren, wollte sie auf Nummer sicher gehen.

Aber er war wirklich nicht da. Sakura hatte an dieser Stelle keinen Zweifel daran, dass er wiederkommen würde, dennoch sah sie betrübt zu Boden.

War es denn wirklich zu viel verlangt ihr mitzuteilen, dass er unterwegs sein würde? Gerade er müsste doch allzu gut wissen, dass Sakura sich verrückt machte, wenn er einfach so verschwinden würde. Sie seufzte schwerfällig.

Als nun wieder das Telefon klingelte, ignorierte Sakura es zunächst. Noch immer sah sie enttäuscht zu Boden, atmete dann aber tief ein und hob den Blick zum leuchtenden Display des Telefons.

Mit gemischten Gefühlen trottete sie nun auf das Telefon zu, das wieder seit einer gefühlten Ewigkeit klingelte. Da musste sich aber jemand ziemlich sicher sein, dass Sakura zu Hause war. Flüchtig warf sie einen Blick auf das Display, als sie den Hörer an das Ohr führte. Die Nummer kam ihr bekannt vor.

„Haruno?", meldete sie sich. Obwohl sie sich bemühte freundlich zu klingen, hörte man ihr die schlechte Laune deutlich an. Da ihre Stimme von der morgendlichen Frühe noch kratze, räusperte sie sich leise. Aus Höflichkeit brachte sie dafür etwas Abstand zwischen Hörer und Mund und hob anschließend überrascht den Blick, als sich eine aufgeregte Stimme einer Schwester aus dem Krankenhaus meldete. Sakura blinzelte verwirrt: Mit allem hätte sie gerechnet, nur nicht mit dem Krankenhaus. Aber ja: Das war eine Nummer aus einem der Schwesternzimmern.

„Bin sofort da", rief sie in den Hörer und verfehlte vor lauter Hektik die Ladestation des Telefons. Beim zweiten Mal traf sie die vorgesehene Öffnung.

In nur wenigen Minuten warf sich Sakura in ihre Alltagsklamotten, bestehend aus einer schwarzen langen Shorts, einem schwarzen Rock mit seitlichem Schlitz und einem roten Ärmellosen Oberteil. Wenn Tsunade sie persönlich bestellte, dann musste es wirklich dringlich sein, Sakura wollte also keine Zeit verschwenden. Zusätzlich war es der angespannte Unterton der Schwester am Telefon, der sie zur Eile trieb. Mit einem letzten Blick in den Spiegel schob sie sich die schulterlangen Haare hinter die Ohren und begab sich auf direktem Wege zum Krankenhaus.

Die wesentlichen Details des wunderschönen Tages rauschten unbemerkt an ihr vorbei, während sie zielsicher und schnellen Schrittes die kürzeste Route absolvierte. Weder dem in der Sonne strahlenden grünen Blattfarbstoff, noch dem beruhigenden Rascheln der Blätter im seichten Sommerwind, gelangen es, Sakuras Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Grüßte sie jemand, nickte sie nur knapp. Geradeswegs, und mit starrem Blick, ließ sie sich nicht von ihrem Ziel abbringen: Schnellstmöglich zum Krankenhaus zu gelangen. Auf dem Weg schlug ihre anfängliche schlechte Laune nun völlig in Besorgnis um das Krankenhaus über.

Als jetzt endlich das Krankenhaus vor ihr auftauchte, ging ihr Blick automatisch auf das Nebengebäude, in dem Sakura selbst die Kinderpsychiatrie nach dem Wiederaufbau des Krankenhauses verortet hatte. Hauptsächlich arbeitete sie seit der Eröffnung dort und nicht in der medizinischen Versorgung. Trotz alledem kam es in der Vergangenheit hin und wieder vor, dass sie aus dem Dienst gerufen wurde, da einige wenige Patienten angereist waren, um sich von ihr behandeln zu lassen. Und zwar nur von ihr. Dabei war es äußerst selten, dass die Krankheiten so schwerwiegend waren, dass niemand anderes diese Menschen hätte behandeln können. Sicher, Sakura war gut; Shizune und Tsunade aber ebenso. Und selbiges galt auch für das restliche Personal des Krankenhauses. Nachdenklich kratze sich Sakura am Kinn und wunderte sich zugleich darüber, welche Flut an Gedanken in nur einem Wimpernschlag stecken konnte.

Und jetzt, wo sie so darüber nachdachte, ärgerte sie sich doch ein wenig darüber, am Telefon nicht nach dem Grund gefragt zu haben. Nicht, dass man sie wegen etwas Belanglosem rief, wobei Sakura dies heute nicht wirklich annahm. Dafür war die Schwester zu nervös. Dafür hätte Tsunade sie nicht von zu Hause aus herkommen lassen.

⋯ ♡ ⋯

In Gedanken versunken und mit einem ernsten Gesichtsausdruck stolzierte Sakura, wie gewohnt, durch den Haupteingang. Um ins Hauptgebäude zu gelangen, musste man zwangsweise einen Vorflur durchqueren.

„Heee. Stopp, spinnst du?", ertönte plötzlich eine männliche Stimme hinter ihr. Sakura fuhr erschrocken in die Höhe und anschließend auf dem Absatz um. Sie hatte den jungen Mann, der sie so unfreundlich zurückwies, überhaupt nicht bemerkt. Sie entdeckte ihn an der Wand des Ganges stehend, versteckt hinter einem hohen Stehtisch. Lässig hatte er sich mit dem Ellenbogen darauf abgestützt, hielt eine Zeitschrift in der Hand und sah mit einem gelangweilten Blick davon auf.

Im ersten Moment stimmte seine schroffe Art Sakura unglaublich wütend. Dann aber blinzelte sie verwundert über das Gesicht des jungen Mannes: Er trug einen medizinischen Mund- Nasen-Schutz. Sakura setzte an, um etwas zu erwidern, war dann aber doch zu überrascht und schloss den Mund daher wieder. Er machte sie im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos.

Der Kerl trug eine ausgeblichene blaue Cap, unter der er sein kurzes schwarzes Haar versteckte. Auch wenn er Sakura auf eine so energische Art zurückgehalten hatte, wirkte sein Blick gleichzeitig völlig desinteressiert. Seine lässige Körperhaltung unterstütze sie zudem in ihrer Annahme, ihm sei vieles im Leben völlig egal. Sakura runzelte verwundert die Stirn. Er sprach zwar nicht, aber dennoch bewegte sich seine Maske unter der permanent kreisenden Bewegung seines Kiefers. Und genau das irritierte Sakura nur noch mehr. Kaute er etwa ein Kaugummi? Sie konnte einfach nicht damit aufhören, ihn entgeistert anzustarren. Ihn selbst schien dies nicht wirklich zu jucken.

„Sie müssen sich hier eintragen", erklärte er und deutete mit dem Finger auf eine Liste, die vor ihm auf einem Stehtisch lag. Wenn Sakura den Klang seiner Stimme beschreiben müsste, dann wäre hier die letzte Steigerung von gelangweilt am zutreffendsten: Gelangweilt, gelangweilter am gelangweiltesten. Gab es dieses Wort überhaupt?

Während er sprach, schmatzte er unter seinen kauenden Bewegungen auch noch laut. Sakuras Nackenhaare stellten sich blitzartig auf, denn sie hasste diese kauenden und schmatzenden Geräusche. Dieses unerträgliche Gefühl, welches sie gerade empfand, war wohl mit dem zu vergleichen, als wenn jemand mit bloßen Fingernägeln über eine Schultafel kratzen würde. Sie konnte es also absolut nicht ausstehen. Schnell schüttelte sie sich unauffällig, um das Gefühl irgendwie abwerfen zu können. Natürlich vergeblich.

„Aber ich arbeite hier", erklärte Sakura jetzt mit Nachdruck in der Stimme. Sie bemühte sich, möglichst bestimmend zu wirken, denn sie hatte gerade absolut keinen Nerv, sich lange mit diesem Kerl auseinanderzusetzen zu müssen. Vor allem aber, musste sie eine enorme Selbstbeherrschung aufbringen, um ihm nicht eigenhändig und auf der Stelle das Kaugummi aus dem Mund zu reißen.

Arg. Sakura biss die Zähne aufeinander.

„Ausnahmen. Gibt. Es. Nicht.", sagte er schließlich und betonte die einzelnen Silben so deutlich, als hielte er Sakura für schwer von Begriff. Diese ballte unterdessen automatisch eine Faust und atmete gezwungen ruhig aus. Dann hob sie die Augenbrauen und sah den Kerl misstrauisch an. Sie konnte ihn absolut nicht ausstehen, stellte sie fest. Nicht mal ein bisschen. Würde sie sich zwischen der Rettung eines Steins oder ihm entscheiden müssen, so würde sie sich in diesem Augenblick wohl für den Stein entscheiden. Selbst, wenn sie den Stein aus tobenden Flammen entfernen müsste.

Ihr Kiefer mahlte nervös, als sie schließlich nach dem Stift griff und auf dem Papier ansetzte, um ihren Namen und die aktuelle Uhrzeit einzutragen. Die Miene des Kulis kratze unter dem aggressiven Druck ihrer Hand laut auf dem Papier, während sie schrieb. Ihren Namen würde man sicherlich auch auf dem letzten Blatt des Stapels lesen können, da war sie sich sicher.

„Was ist denn eigentlich hier los? Und wieso muss ich mich eintragen?", erkundigte sich Sakura, nachdem sie den Stift abgelegt hatte. Große Mühe, freundlich zu wirken, gab sie sich nicht mehr.

„Reine Vorsichtsmaßnahme", nuschelte er undeutlich und zuckte mit den Schultern. Dabei hielt er es nicht mal mehr für angebracht, Sakura in die Augen zu sehen. Angeekelt von seiner Art, musterte sie erst seine obere Gesichtshälfte und starrte dann wie versessen auf die sich noch immer bewegende Maske. Er kaute einen Kaugummi wirklich sehr intensiv, stellte Sakura erneut fest. Sicher hatte er diesen, bei so einem Kauapparat, bald pulverisiert. Es war wie ein Unfall, Sakura konnte einfach nur schwer wegsehen. Ein und ausatmen. Ein und ausatmen, sprach sie in Gedanken, bevor sie den Blick wieder hob, um sich auf seine Augenpartie zu konzentrieren.

„Vorsichtsmaßnahme? Wofür?"

Er zuckte wieder gleichgültig mit den Schultern und antwortete: „Ich führe nur den Befehl von oben aus. Jeder der ins Krankenhaus hineinmöchte, muss sich in der Liste eintragen und bekommt eine Maske von mir. Und man muss einen triftigen Grund vorweisen können, um überhaupt eintreten zu dürfen."

Befehl? Von Shizune? Von Tsunade? Von wem kam die Anweisung?

„Du hast mich nicht nach meinem Grund gefragt", wies Sakura ihn schadenfroh auf seinen Fehler hin.

„Sie haben gesagt, Sie würden hier arbeiten", erwiderte er monoton.

„Aber das könnte doch jeder behaupten."

Seine Miene verfinsterte sich plötzlich. Überrascht darüber, dass er überhaupt in der Lage war, Emotionen zu zeigen, sah Sakura nicht von ihm ab.

„Mir wurde gesagt, dass eine Frau mit rosafarbenen Haaren käme", antwortete er nun eingeschnappt.

„Du solltest trotzdem vorher Fragen. Die Haarfarbe ist zwar selten, aber sicher nicht einzigartig", wies Sakura ihn kopfschüttelnd darauf hin.

Konzentriert kniff sie jetzt die Augen zusammen und betrachtete das Gesicht des Mannes nun etwas genauer. Dafür trat sie einen Schritt an ihn heran. „Kennen wir uns eigentlich?"

Stumm erwiderte er ihr Starren und griff, ohne den Blick abzuwenden, nach einer Pumpflasche, die vor ihm auf dem Tisch stand. Auffordernd hielt er diese Sakura entgegen. Desinfektionsmittel. Sakura verstand natürlich sofort, hob dennoch nur widerwillig die Hände. Mit einer knappen Bewegung seines Zeigefingers beförderte er die kühle Flüssigkeit in ihre Handflächen. Rasch und dabei Bedacht, nicht den Blickkontakt zu ihm zu unterbrechen, rieb sie das stechend riechende Mittel in die Hände ein. Seine Augen waren zu schmalen Schlitzen verzogen und auch er machte nicht den leisesten Anschein, den Blickkontakt unterbrechen zu wollen.

Nach etwa 30 Sekunden ließ Sakura die Hände sinken und war sich nun absolut sicher: Diese obere Gesichtshälfte hatte sie noch nie im Krankenhaus gesehen.

„Nein. Ich bin neu", sagte er vorsichtig, als würde er Sakura nicht vertrauen. Dann löste er den Blick von ihrem und stieß genervt Luft aus, griff in einen Karton und zog einen Mund-Nasenschutz hervor, welchen er ihr in die Hand drückte. „Nicht abnehmen", zischte er noch unfreundlich, bevor er mit einer Handgeste andeutete, bloß nicht im Eingang stehenzubleiben. Mit der anderen Hand hatte er gleichzeitig schon nach seiner Zeitschrift gegriffen und schielte bereits mit einem Auge hinein.

Sowas. Sakura rümpfte nur wütend die Nase, setzte die Maske auf und entfernte sich rasch, um Schlimmeres ihrerseits zu verhindern. Und erst, als sie um die nächste Ecke bog, verflog endlich der Drang, sich umzudrehen und dem Typen die Ohren langzuziehen.

Wer hatte diesen Rüpel überhaupt eingestellt? Aber eine noch viel wichtigere Frage, die sie sich stellen sollte, war: Aus welchem Grund verteilte er am Eingang Masken und Desinfektionsmittel?

⋯ ♡ ⋯

Recht ungewöhnlich für den Alltag im Krankenhaus war, dass Sakura auf dem Weg zum Büro niemandem begegnete. Nervös flog ihr Blick von der einen geschlossenen Tür, zur nächsten geschlossenen Tür, während sie die Gänge entlang ging. Den einzigen Personen, welchen sie bisher begegnet war, waren der unfreundliche Grinch am Eingang und die Mitarbeiterin an der Rezeption, die Sakura nur kurz zugewunken hatte.

Sakura blinzelte gegen die grelle Neonbeleuchtung der Decke und kniff ein Auge zu. Diese ungewohnte Stille, das Fehlen des alltäglichen Gewusels von Besuchern, Patienten und Mitarbeitern, verursachte eine unheimliche Stimmung auf den kahlen Gängen des Krankenhauses. Die hellen Farben der Wände strahlten so penibel sauber und wirkten in alleiniger Betrachtung viel zu steril und kühl, als dass man sich hier gerne aufhalten würde. Erst unter Anbetracht dieser Umstände fiel Sakura überhaupt auf, dass die Stimmung, die Sakura hier so gerne arbeiten ließ, durch die Menschen, die tagtäglich hier ein und aus gingen, dem Krankenhaus ihr Leben einhauchten. Es waren die lebendigen Stimmen und die Vielfalt der Menschen, die diesen Ort als lebendig und farbenfroh erschienen ließen und so unerlässlich zu sein schienen, um den tristen Nebengeschmack eines Krankenhauses überdecken zu können. Aber nicht heute. Sakura fühlte sich zum ersten Mal wirklich unwohl an ihrem Arbeitsplatz.

Aber wäre hier wirklich etwas Ernsthaftes im Busch, hätte Kakashi ihr dies nicht längst mitgeteilt? Ihre Schritte beschleunigten sich intuitiv und erst als sie fast rannte, bremste Sakura sich wieder etwas. Sie musste unbedingt wissen, was hier vor sich ging. Und zwar sofort. Die Büros lagen im hinteren Teil des Krankenhauses, weshalb sie zu ihrem Leidwesen, das gesamte Gebäude durchqueren musste.

Mit Herzrasen, stieß Sakura die Tür zu ihrem Büro auf, ohne zuvor anzuklopfen. Der Drang, den Grund dieses Zustandes zu erfahren war größer, als die Ausführung höflicher Gesten.

Die legendäre Sannin blickte von Sakuras stürmischer Art sichtlich überrumpelt vom Schreibtisch auf. Die tiefen Schatten unter Tsunades Augen fielen Sakura sofort auf und verursachte ihr ein mulmiges Gefühl im Magen. Tsunade sah müde aus. Trotz alledem ließ sie dieser Makel nicht einen Tag älter wirken. Das beinahe schon zu jugendliche Gesicht ihrer alten Meisterin verzog sich zu einem schwachen Lächeln, bevor sie nach einer Maske griff und die Gummizüge ordentlich hinter die Ohren schob.

„Sakura", seufzte sie erleichtert unter der Maske.

„Tsunade", erwiderte Sakura angespannt, trat ein und zog die Tür hinter sich zu. Eigentlich hatte sie so schnell nicht mit der Rückkehr ihrer Meisterin gerechnet, denn Tsunade hatte sich ursprünglich und für unbestimmte Zeit aus dem Dienst des Krankenhauses befreien lassen. „Was genau ist hier los?" Unter der Maske presste Sakura nervös ihre Lippen aufeinander, während sie gebannt auf eine Antwort wartete.

Tsunade atmete erschöpft aus und fasste sich an die Schläfe, um mit den Fingern kleine kreisende Bewegungen daran auszuführen. Nach etwa einer halben Minute sah sie wieder zu Sakura auf.

„Gut, dass du wieder da bist Sakura", erwiderte sie entschieden und ließ sich erschöpft gegen die Lehne ihres Bürostuhls fallen. „Ich komme gleich zur Sache. Ich weiß, du bist nicht im Dienst. Genau wie ich. Und eigentlich ist das auch gar nicht dein Bereich, dennoch muss ich dich darum bitten. Shizune sind sämtliche Schwestern weggebrochen, sodass wir nun selbst alle Hand anlegen müssen."

„Weggebrochen? Was meinst du damit?"

„Auf der Kinderstation geht eine neuartige Lungenerkrankung umher. Ein Virus, das einen starken Hustenreiz auslöst. Glücklicherweise ist es aber nur mäßig anstecken." Kurz hielt sie inne, schloss die Augen und schob sich eine blonde Strähne aus dem Gesicht. „Unser Problem liegt nun darin, dass der Ernst der Lage zu spät erkannt wurde und sich viele der Schwestern angesteckt haben, da sie direkten Kontakt hatten. Deshalb auch die Maske", erklärte Tsunade und deutete mit dem Finger auf ihr Gesicht. Sakuras Gesichtszüge verhärteten sich unter dem ernsten Klang ihrer Meisterin. „Wehe, du nimmst sie ab Sakura.", warnte Tsunade ihre ehemalige Schülerin eindringlich. „Wir brauchen gerade jede Hilfe, die wir bekommen können. Weitere Krankheitsfälle im Personal können wir uns einfach nicht leisten."

Sakura nickte sofort und griff nach ihrem Kittel, der an der Garderobe hing. Dann sagte sie mit fester Stimme: „Natürlich helfe ich. Was gebt ihr ihnen? Antibiotika? Und gibt es auch Fälle außerhalb des Krankenhauses?"

Tsunade schüttelte den Kopf und antwortete: „Nein, bisher sind nur Fälle im Krankenhaus selbst aufgetreten. Den Ausbruch selbst bemerkte das Krankenhaus zwar erst spät, jedoch wurde im Unterbinden der Verbreitung vorbildlich gehandelt. Ich bin erst danach hier eingetroffen." Erleichtert atmete Sakura auf und stülpte sich den Kittel über. Während Tsunade sprach, wagte Sakura es nicht mal zu blinzeln, denn keines der Details sollte ihr entgehen.

„Shizune testet gerade noch eine Reihe von Medikamenten durch. Darunter auch einige der Neuen, die ihr in den letzten Monaten entwickelt habt. Herkömmliche Medikamente haben bisher nicht angeschlagen." Tsunade machte nun eine kurze Pause und faltete sorgsam ihre Hände auf dem Tisch. Dann sprach sie weiter: „Darunter scheinen zwei bis drei zu sein, die in der ersten Testphase Wirkung gezeigt haben. Bisher ist noch niemand an dem Virus gestorben, aber zwei unserer Schwestern liegen mit hohem Fieber auf der Intensivstation. Ob es letztendlich tödlich enden könnte, wissen wir nicht. Die Situation ist also ernst Sakura. Das Virus scheint bei Erwachsenen heftiger anzuschlagen als bei Kindern. Es löst bei unseren kleinen Patienten lediglich einen starken Husten aus. Bei erwachsenen Personen glücklicherweise und nur in wenigen Fällen, ein andauerndes und daher lebensbedrohlich hohes Fieber. Bislang haben wir dieses aber auch unter Kontrolle halten können."

„Woher kommt das Virus. Wurde es eingeschleppt? Den Kindern geht es sonst gut? Weiß Kakashi nichts davon?" Sakuras Fragen sprudelten ungehalten hervor. Auch, wenn es den Eindruck machte, Tsunade hätte die Situation unter Kontrolle, wusste Sakura durchaus um den Ernst der Lage. Es reichte nur eine einzige Person aus, die das Virus aus dem Krankenhaus schleppte, um ein ganzes Chaos auszulösen.

„Es scheint eine Mutation einer gewöhnlichen Atemwegsinfektion zu sein. Wahrscheinlich hier entstanden und bisher, zu unserem Glück, auch hiergeblieben. Daher sollten wir es auch recht problemlos wieder von der Bildfläche verschwinden lassen können, sobald wir ein endgültiges Gegenmittel gefunden haben. Es darf sich nur nicht weiter ausbreiten. Die Erkrankten befinden sich also in Isolation, bisher haben wir das Virus dementsprechend unter Kontrolle. Die Kinderstation steht ebenfalls unter Quarantäne."

„Weiß Kakashi nichts davon?", wiederholte Sakura eine ihrer Fragen.

Tsunade erhob sich vom Schreibtisch und drückte Sakura ein Klemmbrett mit den Patientenbriefen in die Hand.

„Bitte, das sind deine Patienten", sagte sie und wandte sich dem Fenster zu. „Natürlich weiß er es", fuhr sie fort. „Aber noch gibt es keinen Grund zur Panik." Sie legte wieder eine Pause ein und drehte sich zu Sakura. „Pass auf, dass du dich nicht ansteckst. Desinfiziere dir bitte regelmäßig die Hände und wechsle die Kleidung, wenn du die Kinderstation verlässt. Und Sakura?", rief Tsunade ihrer Schülerin noch hinterer. Sakura war bereits halb aus der Tür verschwunden, als sie im letzten Moment den Kopf nach hinten lehnte, um Tsunade fragend anzusehen.

„Dir scheint es gut zu gehen. Oder?"

Das Lächeln, welches Sakura nun über die Lippen fuhr, konnte Tsunade unter der Maske natürlich nur erahnen. Dennoch schien es ihr nicht zu entgehen.

„Das freut mich Sakura. Lass uns nachher sprechen. Und nun an die Arbeit."

༻❀༺


Freunde der Sonne,

ich hoffe, es geh euch gut.

Ob es nun nächten Samstag weitergeht, kann ich gerade nicht abschätzen, da ich am kränkeln bin und das jetzt zum allgemeinen Stress noch dazukommt. Ich aktualisiere die Infos ja aber auch regelmäßig in meinem Profil.

Noch mal zum letzten Kapitel: Ich habe es mir im Nachhinein vorgeknöpft und war doch sehr, sehr unzufrieden. Ich habe es daher wieder überarbeit und hoffe nun, dass Version 2.0 besser gelungen ist xD
Eure Meinung würde mich natürlich brennend interessieren

Danke an Fuchsi ❤️☺️

Liebe Grüße und fühlt euch gedrückt!

Eure Juli
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