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Unsere Bestimmung - Sakura & Sasuke (Part 3)

von JuliTales
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Het
Naruto Uzumaki Sakura Haruno Sarada Uchiha Sasuke Uchiha
29.01.2021
12.02.2022
43
192.131
32
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12.02.2022 3.398
 
Sakura Pov
༻❀༺


Energisch fuhr Sakura mit dem Lappen über die Regale, um den Staub zu entfernen, der sich dort seit mehreren Wochen tummelte. Selten kam sie dazu, alles so penibel zu reinigen, wie ihre Mutter es immerzu tat. Aber Haus war nun mal viel größer als ihre alte Wohnung, und die Zeit knapper, seit Sarada ich Leben bereicherte.

Während sie den Lappen in einem immerzu gleichbleibenden Muster über die einzelnen Möbel zog, und ihn in einem mit Wasser gefüllten Putzeimer reinigte, trug sie ihre weiße Schürze mit der filigranen Kirschblütenapplikation. Das Haar, welches ihr mittlerweile fast bis zum Po reichte, hatte sie heute früh fein säuberlich geflochten, wodurch es ein wenig kürzer wirkte.

So lang wie jetzt waren ihre Haare noch nie gewesen, dachte sie, als sie das Bild in die Hand nahm, auf dem Team 7 noch diese kindlichen Gesichtszüge trug. Sie hielt inne und begutachtete ihre alte Haarpracht misstrauisch, deren Länge sie damals nur für Sasuke gezüchtet hatte. Dabei hatte es ihn nicht die Bohne interessiert. Tief saß die Erinnerung auch daran, wie sie sich das Haar in einer heiklen Situation mit dem Kunai durchtrennt hatte. Und eigentlich, so fand sie, war die jetzige Länge wieder unglaublich unpraktisch. Irgendwann, da würde sie sich sicher wieder für eine kürzere Frisur entscheiden.

Sakura stellte das Bild lächelnd ab und wandte sich wieder dem Staub in ihren Regalen zu.

Warum Sakura heute so peinlich genau das Haus putzte? Nun, heute war Saradas zweiter Geburtstag, der 31. März. Am Nachmittag würden einige Gäste kommen, und Sakura hatte sich einen Tag freigenommen, um alles vorbereiten zu können. Sasuke befand sich zurzeit bei einer Besprechung im Hokage-Anwesen. Fest hatte er ihr zugesichert, am frühen Mittag heim zu kommen.

Seit ihrer Rückkehr nach Konoha waren ziemlich genau 2 Jahre vergangen. Mangetsu war tot und seither war es zu keinen ereignisreichen Vorfällen mehr gekommen. Sakura empfand es manchmal sogar als furchterregend, welche Stille sich um das Dorf sowie die Shinobi-Allianz gelegt hatte. Alle schienen sie einem einigermaßen geregelten Alltag nachzugehen. Der eine mehr, der andere weniger. Die Kinder wuchsen und gediehen prächtig, fernab von den Schatten, welche die Kindheit der vorherigen Generationen so sehr geprägt hatte. Und Naruto - zugegeben, er brauchte schon ziemlich lange mit allem - befand sich auf einem wirklich guten Weg, um in den nächsten vier bis fünf Jahren den Titel des Hokage entgegennehmen zu können.

So könnte man meinen, alles liefe perfekt. Viel zu perfekt.

Am nächsten Regal angekommen begann Sakura dort die Bücher einzeln hervorzuziehen, um sie abzustauben. Ihre guten Stücke waren so unglaublich staubig, dass ihr das Herz blutete, sie so lange nicht angefasst zu haben. Wann hatte sie überhaupt zuletzt gelesen?

Als ihr ein überaus alt aussehendes und ledernes Buch in die Hand fiel, sah sie sich den Buchdeckel an. Einen Schriftzug trug es nicht. Sakura zog nachdenklich die Brauen zusammen. Wem gehörte dieses Buch? Aber auch auf dem Buchrücken stand nichts geschrieben. Sakura blinzelte; sie konnte sich nicht entsinnen, jemals ein solch altes Buch besessen zu haben. Und Sasuke hatte keine Bücher mitgebracht, als sie dieses Haus bezogen.

Neugierig schlug sie also die ersten Seiten auf und fing an zu blättern. Mit jeder weiteren Seite wurden ihre Augen größer und größer, ihre Erinnerung klarer und klarer, bis sie schließlich mit offenstehendem Mund aufblickte.

„D-das kann nicht wahr sein", flüsterte sie. „Wie ... wie kommt das hierher?"

Es war das Tagebuch. Sein Tagebuch. Das Tagebuch von Mangetsu.

Sakura schaffte es noch gerade zum Sofa, ehe die Muskeln in ihren Beinen erschlafften und sie sich setzen musste. Damals, da wurde die Höhle, in der Sakura auf Mangetsu getroffen war, gründlich durchsucht. Dieses Tagebuch aber, welches sie jetzt und in diesem Moment in ihren Händen vorfand, hatte als verschollen gegolten.

Fieberhaft dachte Sakura darüber nach, wie es hierhergekommen sein könnte. Mehrere Szenarien schossen ihr durch den Kopf, bis eines davon ihr am wahrscheinlichsten erschien: Damals hatte Mangetsu ihre Tasche entdeckt und entleert, und Sakura hatte diese letztlich aus den Trümmern geborgen und ihre Bücher eingepackt. Es muss dazwischen gelegen haben, dachte sie entsetzt. Sie hatte es also aus Versehen eingesteckt. Ihre Mutter hatte die Tasche an einem Tag ausgeräumt, das wusste sie noch genau, denn Sakura hatte sich im Nachhinein über die Fürsorge ihrer Mutter laut aufgeregt.

Völlig überfordert von ihrem Fund und davon, dass es tatsächlich über zehn Monate in ihrem Regal gestanden hatte, wo sie doch danach gesucht hatten, musste sie das alles erst einmal verdauen. Es hatte sich unmittelbar vor ihrer Nase befunden.

Den Putzlappen hielt sie bis eben fest umklammert; jetzt legte sie ihn jetzt auf dem Tisch vor sich ab, bevor ihre Finger über das alte und raue Papier fuhren. Katos Notizen von damals, seine Übersetzung der fremden Schrift; fein säuberlich stand sie am Rand geschrieben. Seite für Seite. Ganz offensichtlich hatte er sich hierfür große Mühe gegeben.

Während sie das raue Papier unter ihren Fingern spürte, wurde ihr zunehmend flauer in der Magengegend. Ein eigenartiges Gefühl breitete sich in ihr aus, und etwas in ihr schrie danach, dieses Buch einfach heimlich zu vernichten. Es roch förmlich nach Ärger und Schmerz, und dass, obwohl sie Mangetsu als Hochstapler enttarnt hatten. Obgleich der Drang danach so intensiv, die Versuchung so verlockend schien, führt ihr Gewissen ihr Augenblicklich vor Augen, dass es wäre nicht richtig, die Schriften zu unterschlagen. Freunde und Familie für Egoismus zu hintergehen, war keiner ihrer Wesenszüge. Schließlich lastete als Kunoichi und Mutter eine hohe Verantwortung auf ihren Schultern.

Tief atmete sie ein und starrte wie versessen auf den Einband. Schließlich überwand sie sich, schlug den alten Buchdeckel auf und begann zu lesen. Seite für Seite, und tatsächlich stand zunächst nicht allzu viel Neues darin. Nur der übliche Kram, der ihr mehrfach von Kato und Mangetsu zu Ohren gekommen war. Mangetsus angebliche Geschichte über seine Abstammung, irgendwelche Rituale, die dazu dienten, Kaguya zu ehren und ihn mit Chakra zu versorgen, sowie viele weitere Details über die Hasengöttin. Einige davon mussten frei erfunden sein; andere waren, nach Sakuras Wissen, sehr wohl wahr.

Rasch und gleichzeitig hoch konzentriert überflog sie die Zeilen, sodass sie zum einen die Zeit völlig vergaß und perplex blinzelte, als die Texte auf einer der späteren Seite einfach endeten.

Dann aber weiteten sich ihre Augen, das Buch glitt ihr fast aus der Hand und sie stieß ein heißeres Geräusch aus. Das Zeichen auf der nächsten Seite, es weckte eine weitere Erinnerung in ihr, denn sie sah es nicht zum ersten Mal. Und sie hatte es über die ganzen letzten zwei Jahre völlig verdrängt.

Eilige blätterte sie die letzten Seiten des Buches durch. Sie zählte nicht mit, es mussten aber in etwa 15 Seiten sein, die sich allesamt durch die dieselben tiefschwarzen Tintenzüge auszeichneten, die in ihrer Gänze an ein Siegel erinnerten. Sakura legte das Buch quer, um das Zeichen besser betrachten zu können. Dann senkte sie die Lider und entsandte ihre Gedanken in die Vergangenheit.

Als Mangetsu sie gefangen gehalten hatte, da hatte sie sich über dieses Siegel ebenso gewundert. Sakura konnte sich nur vage daran erinnern, was bestimmt mit den Drogen zusammenhing, die sie ihr verabreicht hatten. Sie wusste jedoch noch, dass ihr das Zeichen damals schon bekannt vorgekommen war; sie hatte es dummerweise nur einen kurzen Blick darauf erhaschen können.

Jetzt, da sie die nötige Zeit dafür hatte, es genauer unter die Lupe zu nehmen, meinte sie, etwas eindeutig unter den Verschnörkelungen zu erkennen. Auf den ersten Blick sah man es kaum, man musste wirklich sehr genau hinschauen, den Winkel etwas verändern. Betrachtete man es länger, konnte man fast meinen, es wäre eine optische Täuschung. Ein einziges Bild, in welchem zwei verschiedene zu sehen waren, hatte man den richtigen Blick dafür.

Sie runzelte die Stirn. Vielleicht mochte sie sich auch irren, aber eigentlich meinte sie ziemlich sicher zu erkennen, dass dort das Rinnegan abgebildet sein musste. Auf den ersten Blick sah dieses Kunstwerk eher wie ein einfaches Siegel aus, mit Verschnörkelungen und einem Muster, in welches immer kleiner werdende Kreise eingearbeitet waren.

Rasch formte sie deshalb ein Fingerzeichen und versuchte es zu lösen, aber nichts passierte. Dann versuchte sie noch ein anderes und erinnerte sich daran, dass auch Mangetsu in der Vergangenheit an dem Lösen des Siegels gescheitert war.

Sakura schlug das Buch seufzend zu und legte es auf dem Tisch vor sich ab. Dann sah sie zur Uhr. „Verdammt", stieß sie entgeistert aus. Es war über eine Stunde vergangen. Hektisch griff sie zum längst staubtrockenen Putzlappen und lief zu dem Putzeimer, der auf dem Boden stand.

Ob das Buch hier nun einen Tag mehr oder weniger liegen würde, machte nun wirklich keinen Unterschied mehr, dachte sie. Heute war Saradas Geburtstag.

Eigentlich wollte Sakura das Buch erst am späten Abend thematisieren, aber Sasuke entdeckte es sofort auf dem Tisch liegen, als er heimkam.

Nervös atmete sie ein, als er sie erwartungsvoll ansah. Es ihm jetzt noch zu enthalten, um es ihm erst später zu zeigen, wäre sicher keine gute Idee gewesen. Und vielleicht könnte Sasuke Entwarnung geben. „Sieh mal, was ich gefunden habe, Liebling", sagte sie und schob es Sasuke zu.

„Was ist das?" Er nahm das Buch in die Hand und schlug es auf. Als er die Augen aufriss, schob er kurzerhand den Stuhl vor sich zurück, setzte sich und sah etwa 40 Minuten nicht mehr auf. Ähnlich wie es bei Sakura gewesen war, klebten auch seine Augen förmlich an dem Papier, als seien sie unwiderruflich miteinander verschmolzen.

Erst hatte Sakura danebengestanden und gewartet. Da sie das Warten dann langsam aber sicher in den Wahnsinn trieb, beschäftigte sie sich lieber mit der Creme für den Geburtstagskuchen. Geistesabwesend schlug sie die Creme beim ersten Versuch etwas zu lang und heftig, weshalb sie zu Butter wurde. Zum Glück hatte sie aber noch ein weiteres Paket Sahne im Kühlschrank, welches sie sogleich verarbeitete. Beim zweiten Mal passte sie dann besser auf.

„Wieso hast du das?", fragte Sasuke mit zusammengezogenen Augenbrauen, als sie wieder neben ihn trat.

„Ich muss es wohl versehentlich eingesteckt haben", erklärte sie unsicher. „Es tut mir leid, ich wusste nicht, dass ich es habe."

Sasuke schnaufte leise, und Sakura ballte verunsichert eine Faust vor ihrer Brust. War er wütend? Dann setzte sie sich und beobachtete ihn mit schmal gezogenen Lippen. Wenn sie doch nur eher in die Tasche geschaut hätte ...

Verblüfft hob Sakura die Augenbrauen. Zu ihrem Erstaunen verzog Sasuke nicht einen Muskel seines Gesichts, als er die Seiten mit dem Rinnegan im Siegel aufschlug. Seine Augen bewegten sich so rasch, als stünde dort ein Text geschrieben.

Stirnrunzelnd erhob sich Sakura und blickte ihrem Ehemann neugierig über die Schulter, der, als wäre an den Seiten nichts Ungewöhnliches zu benennen, einfach auf die nächste Seite blätterte, und weiterlas.

„Was machst du da?", fragte Sakura unglaublich irritiert.

„Lesen", antwortete Sasuke emotionslos.

„Aber da steht doch gar nichts."

Sasuke hob den Blick und musterte sie stirnrunzelnd.

„Da ist doch bloß ein Siegel zu sehen, welches ich nicht lösen kann" erklärte sie und sah ins Buch. Ja, es war noch immer da. „Ich zerbreche mir schon mehrere Stunden den Kopf darüber, wie man es lösen kann."

Sasukes starrer und verwirrter Blick verriet, dass er wirklich absolut keine Ahnung hatte, wovon Sakura da gerade sprach.

„Du... du kannst da also was lesen?", stotterte Sakura nun verblüfft.

„Natürlich. Du ... nicht?"

Schnell schüttelte sie den Kopf. „Nein, ich sage es dir doch. Da ist ein Siegel, in dem das Rinnegan abgebildet ist. Kannst etwa nur du das lesen?"

Sasuke richtete den Blick wieder auf die Seiten und kniff die Augen zusammen. Dann bewegte er das Gesicht vor und zurück, nahm das Buch auf und betrachtete es aus verschiedensten Winkeln.

„Schrift. Nichts weiter", sagte er dann und zuckte mit den Schultern.

„Sonderbar", murmelte Sakura und setzte sich wieder auf den Stuhl. „Und was steht dort?"

„Etwas über den Ootsusuki-Clan", antwortete Sasuke knapp, aber ernsthaft.

Sakura atmete schockartig ein und ihr Puls schoss in die Höhe, als er den Namen des Clans aussprach. Ihre Hände begannen urplötzlich zu schwitzen, weshalb sie diese auf ihre Oberschenkel presste. „So?", fragte sie heiser. „Und was denn genau?" In dem Tagebuch hatte sie nur Informationen über Kaguya lesen können. Aber nicht allgemein über ihren Clan.

Entweder hatte ihr Mann die Nachfrage nicht gehört, weil er zu vertieft war, oder er ignorierte sie. Seine Augen flogen plötzlich noch viel schneller über die für Sakura unsichtbaren Zeilen, und sein Blick wurde mit jedem weiteren Umblättern düsterer.

Sakura spürte, wie unterdessen ihr Hals zunehmend trockener wurde.

Als Sasuke plötzlich aufsprang, sodass sein Stuhl hinter ihm krachend zu Boden fiel, hüpfte auch Sakura erschrocken davon auf. Dann stiefelte er, mit dem Buch unterm Arm, in Richtung Haustür.

„Was ist? Wo willst du hin?", rief Sakura ihm hinterher.

„Ich muss zu Kakashi", war das Einzige, was er noch sagte, bevor die Tür ins Schloss fiel.

Sakura stand wie angewurzelt im Flur und starrte gegen die geschlossene Haustür. Da ihr Mund und Hals so trocken waren, als wäre dort eine Wüste eingezogen, konnte sie den aufkommenden Kloß kaum hinunterschlucken. Mit schweren Schritten stolperte sie in die Küche, nahm sich ein Glas und füllte es mit Wasser aus der Leitung. Erst die kühle Flüssigkeit löste den Knoten in ihrem Hals.

Der Frieden, schoss es ihr durch den Kopf, war er vorbei? Auf den Seiten musste etwas gestanden haben, was selbst Sasuke den Schweiß auf die Stirn trieb. Und das war äußerst beunruhigend.

Als es einige Zeit später an der Tür klingelte, war Sakura noch lange nicht fertig mit den Vorbereitungen. Die unerwartete Situation hatte sie viel Zeit und Kraft gekostet, die sie noch nicht geschafft hatte zu überwinden, geschweige denn einzuholen.

Sakura erblickte Ino, mit Sarada und Inojin, als sie die Haustür aufgeschoben hatte. „Überraschung", rief ihre beste Freundin. „Ich dachte, wir kommen etwas eher, um dir zu helfen." Ino hatte angeboten auch Sarada aus dem Kindergarten abzuholen und dann direkt zu kommen. Sakura hatte das Angebot dankend angenommen.

Inos Überraschung verlangte ihr lediglich ein gezwungenes Lächeln ab, weshalb Inos Gesicht sofort ernst wurde. „Sakura, was ist los? Ist 'was passiert?" Eilig trat sie ein, setzte Inojin und Sarada auf dem Boden des Wohnzimmers ab und musterte ihre Freundin dann durchdringend. Die Arme hielt sie dabei in die Hüfte gestemmt.

„Nun erzähl schon", drängelte Ino sachte, aber mit der richtigen Portion Nachdruck.

Sakura presste nervös die Kiefer aufeinander und berichtete Ino schließlich von dem Fund des Buches, den Seiten und von Sasukes Reaktion. Es tat gut, sich jemandem anzuvertrauen.

„Ist nicht sein Ernst, dass er jetzt noch damit zu Kakashi läuft. Die Welt wird schon nicht an einem Tag untergehen. Heute ist doch der Geburtstag seiner Tochter."

„Es scheint wirklich ernst zu sein", meinte Sakura mit gepresster Stimme und gesenktem Blick. „Du hast sein Gesicht nicht gesehen."

Ino atmete schwer aus. Dann lächelte sie bitter, denn sie hatte Sakuras Gedanken natürlich längst erahnt. „Du hast Angst, dass er wieder gehen muss ..."

Blitzartig schnürte sich Sakuras Brust zu. Ino sprach genau das aus, was Sakura seit Monaten auf der Seele lastete. Mühsam schluckte sie den neuen fetten Kloß in ihrem Hals herunter. Als Ino die Arme um sie schloss und sie drückte, schlich sich dennoch eine kleine Träne über Sakuras Wange.

„Sakura, warte doch erstmal ab. Das ist doch nur ein blödes Buch, hm?" Sie drückte Sakura sanft von sich fort und sah ihrer Freundin tief in die Augen. „Sei nicht so niedergeschlagen. Für Sarada. Heute ist ihr Tag. Und ich schwöre dir bei Jashin, wenn Sasuke nicht auftaucht, dann kann der was erleben."

Lächelnd wischte Sakura die Reste von der Träne fort, die noch ihre Wange benetzte. „Danke, Ino. Ich bin froh, dass du da bist."

„Natürlich. Und jetzt lass mich dir helfen." Sie trat zurück und sah sich um. „Ich kümmere mich um die Luftballons", verkündete sie. „Bis Hinata und Naruto kommen, sollten wir das alles locker schaffen."

Sasuke kam tatsächlich gerade noch pünktlich nach Hause, ehe Naruto und Hinata mit Boruto eintrafen. Er begrüßte Ino mit einem nüchternen Nicken und verhielt sich im Laufe der Feier etwas stiller als üblich. Sakura fiel darüber hinaus auf, dass er ihren Blick zu meiden schien, als hätte er etwas zu verbergen. Den anderen mochte das nicht aufgefallen sein, sie alle kannten ihn zumeist als diesen stillen und verhaltenen Mann.

Aber nicht Sakura. Sie spürte förmlich, dass etwas nicht stimmte.

⋯ ♡ ⋯

In den nächsten zwei Wochen glänzte Sasuke mit seiner Abwesenheit. Aber dafür gab es gute Gründe und Sakura hatte vollstes Verständnis dafür. Auch wenn sie ihn natürlich lieber um sich gehabt hätte.

Wäre da nur nicht dieses Gefühl in ihr, dass sich mehr und mehr staute und sie nicht mehr in Ruhe ließ. Diese Angst, die sie an alte Zeiten erinnerte.

Noch am Abend von Saradas Geburtstag hatte er ihr alles offengelegt. Im Tagebuch hatten sie Hinweise und Prophezeiungen über weitere Mitglieder des Ootsutsuki-Clans, deren Kern und Quelle Kaguya war, gefunden. Das war durchaus beunruhigend und im Nachhinein verstand Sakura, weshalb Sasuke so entsetzt vom Tisch aufgesprungen war. Wären sie damals Toneri Ootsutsuki auf dem Mond nicht begegnet, so hätten die Schriften wohl nicht eine solche Priorität erhalten, wie es nun der Fall war. Es war zwar nicht eindeutig geschrieben, aber Sasuke und auch Kakashi stimmte die ganze Sache ziemlich nachdenklich. Und natürlich musste dem Ganzen nachgegangen werden, das war keine Frage. Die Schriften enthielten also Hinweise über Orte auf dieser Welt, die angeblich von einem Ootsutsuki aufgesucht oder genutzt worden waren. Mehr wollte Sasuke ihr vorerst nicht erzählen.

Kakashi sandte ein spezielles Team aus, um den Hinweisen nachzugehen, und natürlich durfte Sasuke da nicht fehlen. Auch Naruto wohnte den Untersuchungen bei.

An jedem einzelnen Tag, der ohne Sasuke verging, erwarteten Sakura und ihre kleine Tochter sehnlichst seine Rückkehr, um endlich mehr Gewissheit über ihre gemeinsame Zukunft erlangen zu können. Die Ungewissheit darüber war quälend.

An dem Tag, an welchem der Trupp zurückkehrte, stand Sakura am Tor von Konoha und wartete. Sie grüßte die Shinobi, die vorweggingen und entdeckte dann Naruto, dem sie fröhlich zuwinkte. Sein Ausdruck veränderte sich schlagartig, als er Sakura bemerkte, und erst jetzt fiel ihr auf, dass Sasuke gar nicht bei ihnen war.

„Wo ist er? Ist 'was passiert?", fragte sie, als sie ihm entgegenlief.

„Er ist noch geblieben", antwortete Naruto, während sein Blick schwer wurde, als täte es ihm unendlich leid, dass er ihn nicht mitgebracht hatte. „Ich soll dir sagen, es tut ihm leid. Er kommt so schnell es geht nach."

„Er kommt ... nach? Aber warum seid ihr nicht alle dortgeblieben?"

„Er war der Meinung, wir hätten etwas übersehen. Er wollte noch nicht zurückkehren, erst einige Dinge überprüfen. Du weißt doch wie er ist, lässt sich nichts sagen."

Typisch, dachte Sakura. Jetzt musste sie doch schwach lächeln, denn sie war einfach nur froh, dass es ihm gutging.

Es vergingen weitere drei Tage, bis er am späten Abend endlich heimkehrte. Sakura hatte sich so fest vorgenommen, sich ihm nicht wie ein kleines naives Mädchen um den Hals zu werfen. Aber als er jetzt in der Tür stand, ging sie nun doch eiligen Schrittes auf ihn zu und drückte ihr Gesicht an seine Brust.

„Es tut mir leid", sagte er sofort.

„Schon gut", nuschelte sie und schüttelte den Kopf. „Die Hauptsache ist doch, dass es dir gut geht." Sie sah auf und lächelte. Er sollte kein schlechtes Gewissen haben. Nicht ihretwegen.

Als wäre es ein unausgesprochenes Tabuthema, verloren sie an diesem Abend kein Sterbenswörtchen über Kaguya, den Ootsutsuki-Clan oder die Mission, die Sasuke auf eigene Faust für sich verlängert hatte. Gemeinsam gingen sie stattdessen in Saradas Zimmer und beobachteten ihre Tochter eine Weile beim Schlafen.

Als sie daraufhin zu Bett gingen, zog Sasuke seine Frau sofort an sich und presste seine Lippen so fest auf ihre, als hätte er seit Tagen nach nichts anderem gelechzt. Seine großen warmen Hände erkundeten ihren Körper so detailbesessen, wie er es seit dem ersten Tag nicht mehr getan hatte. Und auch Sakura hatte jeden einzelnen seiner fein definierten Muskeln so sehr vermisst, dass ihre Finger ständig den Kontakt zu seiner Haut suchten.

Als er sich ihr hingab, und sie sich ihm, fühlte es so besonders an, so intensiv, irgendwie anders. Als würde es ein letztes Mal für eine lange Zeit sein.

༻❀༺
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