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Unsere Bestimmung - Sakura & Sasuke (Part 3)

von JuliTales
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Het
Naruto Uzumaki Sakura Haruno Sarada Uchiha Sasuke Uchiha
29.01.2021
12.02.2022
43
192.131
30
Alle Kapitel
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26.01.2022 4.501
 
Sakura Pov

༻❀༺


„Sasuke!" Sakura sah ihn eindringlich an und vielleicht war ihr Tonfall ein wenig zu forsch gewählt gewesen - obgleich sie es gar nicht beabsichtigt hatte. Ihr Ehemann, der gegenüber am Esstisch saß, blickte mit hochgezogenen Brauen von der Schriftrolle auf, in welcher er bis eben noch gelesen hatte. Sarada hielt unterdessen einen Mittagsschlaf, der länger ging als gewöhnlich, aber so hatten sie mal mehr Zeit für sich.

Eine ganze Weile hatte Sakura ihren Ehemann beim Lesen beobachtet, gedankenverloren die etliche Küchenhandtücher gefaltet, welche sie von ihrer Mutter geschenkt bekommen hatte, weil Sakuras, Zitat ihrer Mutter: „Schrecklich schmutzig aussahen." Aber dafür waren doch Küchenhandtücher da, die mit der Zeit eben etwas fleckig wurde, völlig normal, deshalb entsorgte man doch nicht gleich. Jetzt hatte sie sicher einen Vorrat für ganze drei weitere Leben, wenn sie weiterhin nach ihrem sparsamen Verbraucht leben würde. Jedenfalls fragte Sakura sich, währenddessen sie die Tücher stapelte, wie sie ihrem Ehemann etwas sagen konnte, ihr Anliegen ansprechen sollte; sie wusste nicht, was er davon halten würde. Dann jedoch hatte sie beschlossen, ihm ihre Entscheidung einfach mitzuteilen, es entschlossen auszusprechen, was sie nun offensichtlich zu einer ihrer misslungenen Tat zählen musste, so verwirrt, wie er sie nun dreinblickte. Sie sah ihm an, dass er innerlichen den Tag Revue passieren ließ, als suchte er nach einem potenziellen Fehler, den sie ihm ankreiden wollte. Dabei tat sie das doch nie, wie kam er also überhaupt darauf?

„Ich möchte wieder arbeiten gehen", führte sie rasch aus, um ihm die Unsicherheit zu nehmen. „Im Krankenhaus. Auf der Kinderstation. In der Psychiatrie." Sie blinzelte; das waren nicht die Worte, die sie sich so sorgfältig zurechtgelegt hatte. Und erst recht nicht so abgehackt.

Sasuke legte das Schriftstück langsam ab und betrachtete sie eindringlich.

„Was ist?", fragte Sakura nach etwa einer halben Minute. Das Schweigen seinerseits löste einen Anfall von Nervosität in ihr aus, sodass sie automatisch die Hände unter dem Tisch zu kneten begann. Dachte er in dieser Hinsicht etwa altmodisch? Wenn sie jetzt darüber nachdachte, dann hatten sich noch nie darüber unterhalten. Sicher war aber, dass sie sich von ihrem Vorhaben nicht abbringen ließe. Sie liebte ihren Job.

„Was ist mit Sarada?", fragte Sasuke emotionslos.

„Was soll mit ihr sein? Wir hatten doch schon besprochen, dass sie in den Kindergarten geht."

„Verstehe", antwortete er knapp. Dann hob er die Schriftrolle wieder an und las weiter.

Irritiert von Sasukes Gleichgültigkeit zog Sakura die Stirn in Falten. Mehr hatte er dazu nicht zu sagen?

„Mit Boruto?" Sasuke sah wieder auf.

Sakura entfuhr ein müdes Lachen und legte die Hände auf den Tisch, um sich in die Höhe zu drücken. „Das ist deine einzige Sorge? Sasuke, wir verheiraten die beiden doch nicht. Sei also nicht albern. Außerdem habe ich dir das alles schonmal erzählt, hast du das etwa vergessen?"

Als er sie nur ansah, als hörte er das gerade zum ersten Mal, seufzte Sakura leise. Er musste es vergessen haben.

„Das ist schon Wochen her", sagte er dann doch und rollte die Schriftrolle endlich zusammen.

„Vielleicht ein paar Wochen", antwortete Sakura trocken. Na gut, vielleicht waren es doch Monate. „Wir werden es dennoch wie geplant durchziehen. Hinata verlässt sich darauf. Die beiden Kinder verstehen sich gut. Besser könnte es nicht laufen."

Sasuke zuckte erst gleichgültig mit den Schultern und nickte dann zustimmend. „Wenn du es für das Beste hältst."

„Das tue ich, Sasuke." Sakuras Stimme wurde ernster. „Kontakt zu anderen Kindern fördert Saradas soziale Entwicklung. Das ist wichtig."

Sie sah Sasuke ausatmen. „Du hast recht."

Und so kam es nur wenige Tage später endlich dazu, dass Hinata und Sakura die Kinder zum ersten Mal in den Kindergarten brachten. Eigentlich hatte Sakura erwartet, dass Sarada sich sträuben würde, sich nach ihr umdrehen und sie nicht gehen lassen würde, schließlich waren die beiden noch nie lange voneinander getrennt gewesen. Und wenn, dann war ja Sasuke da. Oder ihre Mutter.

Aber es kam völlig anders. Das kleine Mädchen, welches zwischen den ganzen anderen Kindern mit den rabenschwarzen Haaren und Augen durchaus herausstach, lief, mit wackelnden Beinen und Boruto an der Hand, zu den anderen Kindern. Borutos blonder Schopf und die blauen Augen waren natürlich ebenso auffällig. Schon lustig, dachte Sakura, dass ausgerechnet ihre beiden Kinder sich äußerlich so auffallend von den anderen unterschieden.

Kurz darauf verließen die beiden jungen Mütter auch schon das Gebäude, entfernten sich wenige Meter und blieben, ohne sich miteinander verständigt zu haben, gleichzeitig stehen. Stockend drehten sie sich wieder zum Kindergarten um und stöhnten beide plötzlich laut.

„Komisches Gefühl ... oder?", murmelte Hinata brüchig.

„Mhm", machte Sakura. „Und wie. Wir können doch jetzt nicht einfach hier stehen bleiben. Oder doch?"

Hinata zuckte flüchtig mit den Schultern. „Wieso denn nicht? So sind wir doch sofort zur Stelle, wenn was passiert."

Je länger sie dort standen, desto dämlicher kamen sich die beiden Frauen vor. Als nach etwa fünfzehn Minuten eine Frau einen Kinderwagen an ihnen vorbeischob, starrten sie beide wie versessen darauf und tauschten einen schnellen Blick aus. Hinata hatte wohl dasselbe gedacht und gefühlt wie Sakura – Sehnsucht nach ihrem Kind. Der Kloß, der sich augenblicklich in Sakuras Kehle bildete, stellte sie auf eine harte Probe, und nur mit großer Mühe gelang es ihr, ihn hinunterzuschlucken. Das Ganze hier gestaltete sich doch gerade als ein einziges Drama. Nie hätte sie erwartet, dass es so schwer werden würde, Sarada loszulassen. Aber was wäre, wenn sie plötzlich weinen und nach ihr suchen würde? Sakura spürte bei dem Gedanken einen Stich in ihrem Herzen. Seit wann ging ihr das denn so an die Nieren?

Als sie von dem alten Herrn angesprochen wurden, vor dessen Laden sie scheinbar patrouillierten – das war ihnen bisher nicht mal aufgefallen – liefen die beiden rot an und entschuldigten sich mehrfach. Peinlich berührt bogen sie um die nächste Ecke und kamen erst dort wieder zum Stehen.

„Miwa und Tako sind ausgebildete Shinobi", murmelte Hinata verbissen. So hießen die beiden Erzieher, die sich um die Kinder kümmerten.

„Ja ... Du hast recht. Was soll schon passieren?", stimmte Sakura zögernd zu.

Die ersten Tage im Kindergarten wurden so gehandhabt, dass der Aufenthalt sich lediglich auf wenige Stunden beschränkte. Eingewöhnung nannte man dieses Prozedere. Der Aufenthalt würde langsam aber sicher immer weiter verlängert werden, bis die Kinder letztendlich einen ganzen Tag dortbleiben mussten.

Sakuras und Hinatas Sorge, ihre Kinder könnten sich unwohl fühlen, erwies sich als völlig unbegründet, denn fröhlich miteinander spielend fanden sie ihre kleinen Zöglinge nach zwei Stunden vor. Ähnlich zog es sich auch über die nächsten Tage, weshalb Sakura von Stolz durchfuhren wurde. Sie entwickelte und integrierte sich so gut, und dass, obwohl sie doch zu den jüngsten in der Gruppe zählte. Und besonders Tako schien zunehmend angetan von dem kleinen Mädchen zu sein.

Kinder werden so schnell groß. So schnell, dass man beinahe Angst haben musste, etwas zu verpassen.

Dachte Sakura hin und wieder über das Glück nach, welches ihr auf magische Weise in dem letzten Jahr zugutegekommen war, konnte sie es stets kaum fassen – niemals hätte sie sich ausmalen können, gemeinsam mit Sasuke und ihrer Tochter unbeschwert in Konoha leben zu können. Aber wie lange würde das noch so sein? Wie lange würde das noch gutgehen? Und leider war es nun so, dass die Bewahrheitung dieser gefürchteten Vorahnung nicht lange auf sich warten ließ.

Nach nur wenigen Tagen berichtete Sasuke, dass sie wieder auf Fälle von Menschen- beziehungsweise Kindeshandel aufmerksam geworden waren, woraufhin zwei endlose Wochen vergingen, in denen er den Untersuchungen beiwohnte.

An einem dieser Tage berichtete die Kindergärtnerin Miwa, dass Sarada einen Jungen gekniffen haben sollte, so kräftig, dass er einen großen blauen Fleck davontrug und wie am Spieß gebrüllt hatte. Sakura wollte es erst nicht glauben, aber der überdimensionale Fleck auf dem Arm des Jungen war nicht zu übersehen.

„Sie hat noch nie gekniffen!", verteidigte Sakura ihre Tochter erst und hob sie dabei in die Höhe, um das Kind zu mustern. Stimmte vielleicht etwas nicht mit ihr? Saradas Wangen glühten in einem zarten Rosa, als sie eines ihrer kleinen Patschhändchen sanft an Sakuras Wangen legte und ein unschuldiges Lächeln auflegte. Wusste sie etwa, was sie verbrochen hatte?

„Sie hat ihren Freund verteidigt", erklärte Tako, als er nähertrat.

„Etwa Boruto?" Sakura sah abwechselnd von Miwa zu Tako.

Miwa nickte eifrig und blickte vorsichtig zu dem jammernden Jungen, dessen Mutter ihn nun auf dem Arm trug. Sakura kannte die Frau nur vom Sehen. Bereits im nächsten Augenblick stürmte diese auch schon wütend an ihnen vorbei und schnaubte wie ein aufgebrachtes Ross, als sich Sakuras und ihr Blick trafen.

„Ähm ... es tut mir leid ...", murmelte Sakura dieser hinterher, aber die Frau ignorierte ihre Worte.

Hörbar erleichtert blies Miwa Luft aus, als die Tür hinter der Frau zuschlug.

„Machen Sie sich keine Sorgen, Sakura", sagte sie und setzte einen freundlichen Gesichtsausdruck auf. „Sarada ist ein tolles Kind, sie hat nur ihren Freund beschützt. Dieser kleine Bengel terrorisiert die Kinder ständig und die Mutter ist gegen Beratung resistent. Ich muss es einfach so sagen, aber er hat es wirklich verdient. Manche Kinder lernen eben nur so. Es ist ja nichts passiert. Ein blauer Fleck, das kommt häufig vor."

Sakura nickte unentschlossen. Es war das erste Mal, dass Sarada so etwas getan hatte. Unsicher darüber, ob sie jetzt nicht trotzdem mit ihrer Tochter schimpfen musste, auch, wenn sie ja nur ihrem Freund geholfen hatte, musterte sie ihr Kind etwas misstrauisch.

Tako schien ihre Unsicherheit durchaus wahrzunehmen, weshalb er sich kurzerhand in Sakuras Gedanken einmischte.

„Sakura, machen Sie sich keine Sorgen", sagte er erneut. „Sarada neigt zu keinem aggressiven Verhalten. Im Gegenteil. Sie hat ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden und Selbstbewusstsein. Das sind tolle Eigenschaften. Und dass sie sich gegen ein älteres Kind durchgesetzt hat, sollte man ihr positiv anrechnen. Sie lässt sich nicht unterdrücken, das ist gut."

Wieder nickte Sakura, diesmal jedoch etwas zuversichtlicher, und irgendwie auch nicht. Ein Empfinden für Gerechtigkeit - wohl ein weiterer Punkt, beziehungsweise einer von Sasukes Charakterzügen, der ihren erschreckend ähnelte. Wobei diese Eigenschaft ja zu keiner schlechten zählte. Der Gedanke hinter dieser für andere wohl unergründlichen Bange, versprach natürlich ein völlig anderer zu sein.

---

Weitere Tage vergingen ohne Zwischenfälle. Auf der Arbeit hatte Sakura so viel zu tun, dass sie Sarada statt den drei geplanten Tagen an vieren in dem Kindergarten anmelden musste. Die zwei Wochen waren leider noch nicht ganz um, Sasuke war also noch immer unterwegs. Und wer wusste schon, ob es überhaupt bei den zwei Wochen bleiben würde. Der Feind hielt sich schließlich nicht an geregelte Arbeitszeiten. Und Sasuke genauso wenig.

Sakura trat gerade in den Empfangsbereich der Kinderpsychologie ein, um einen Ordner zu holen, da spürte sie plötzlich Sasukes Chakra hinter sich auflodern. Verwirrt fuhr sie um, denn hier hatte sie ihn am wenigstens erwartet, und tatsächlich entdeckte sie ihn. Mit strammen Schritten betrat er die Station. War etwas passiert? Sprunghaft suchte ihr Blick nach offenen Wunden, oder einem humpelnden Bein, es schien aber alles in Ordnung zu sein. Dann bemerkte sie, dass er Shikamaru und fünf Kinder, die hintereinander eintraten und völlig erschöpft und vernachlässigt aussahen, im Schlepptau hatte. Sakura zog besorgt die Augenbrauen zusammen. Zwei Mädchen und drei Jungen, die völlig besudelt von Erde und Staub, in zerrissener Kleidung steckend, hinter Sasuke hertrotteten und einen völlig ausgehungert und verängstigt Eindruck machten.

„Sasuke, woher kommen die Kinder?", fragte sie und begutachtete sie der Reihe nach an.

„Wir haben diese Kinder gefunden", erklärte Shikamaru. „Wir haben eines der Verstecke der Menschenhändler ausfindig machen können, nachdem wir ihren Spuren nachgegangen waren."

„Wirklich?" Sakuras Herz flatterte von dieser guten Nachricht vor Freude. „Habt ihr sie fassen können?"

Mit gesenktem Kopf schüttelte Shikamaru den Kopf. Schade. „Können wir sie bei dir lassen?", fragte er dann und Sakura nickte eilig. Natürlich konnten sie das.

Während die Kinder von einer Krankenschwester weggeführt wurden - Shikamaru begleitete sie - trat Sakura hinter dem Empfang hervor. Sasukes angespannter Blick verriet, dass Sakura längst nicht alles wusste.

„Sie haben kein Zuhause mehr", begann er. Sein Blick wirkte dabei ungewohnt leer. „Ihre eigenen Eltern haben sie verkauft."

Erschrocken sah Sakura auf. „Bitte?" Unter Anbetracht dessen, dass sie ja nun selbst ein Kind großzogen, wurde Sakura von dem Gedanken übel. „Das klingt ja furchtbar."

Sasuke nickte. „Wir nehmen sie vorerst in Konoha auf. So wollte es Kakashi. Glücklicherweise waren sie wohl nur wenige Tage eingesperrt, ehe wir sie gefunden haben."

„Ich kümmere mich um die Kinder, natürlich", teilte Sakura unverhohlen pflichtbewusst mit und Sasuke senkte beruhigt die Lider. Er seufzte tief.

Ihr Fuß setzt zu einem Schritt an, stoppte dann aber abrupt. Sie sah sich nach links und dann nach rechts, und erst als sie sich versichert hatte, dass sich niemand auf den Fluren um sie herum befand, trat Sakura entschlossen einen Schritt auf Sasuke zu. Nur wenige Zentimeter trennten ihre Körper, als sie das Gesicht hob, um ihn anzusehen. Zugegeben, Sasuke roch nach der Mission etwas streng, aber es störte sie aber jetzt nicht. „Liebling", flüsterte sie leise und er schlug seine dunklen Augen auf. „Ist alles in Ordnung?" Er wirkte bedrückt, als nehme ihn das ganz mehr mit als sonst.

Sasuke schien ein flüchtiges Zucken seines Mundwinkels zu unterdrücken. Nachdem sie sich einen Augenblick in die Augen gesehen hatten, schüttelte er dezent den Kopf. „Es ist alles gut. Wir sehen uns später."

Nachdem die Kinder eine der Krankenhausmahlzeit zu sich genommen, sich gewaschen hatten und neue Kleidung trugen, nahm Sakura sich die Zeit, um mit jedem ausgiebig zu sprechen und sie zu untersuchen. Allesamt wiesen sie Spuren von körperlichen und psychischen Misshandlungen auf, sowohl von zuhause, als auch von dem Mann, der sie jeweils käuflich erworben hatte. Die Blicke der Kinder waren zudem leer, als hätten die Eltern ihren Kindern die Seele entrissen, berichteten sie von ihrem bisherigen kurzen und brutalen Leben. Der älteste von ihnen, Riku, zehn Jahre alt, machte die meisten Angaben von allen. Für sein Alter zeigte sein Körper eine ganz beachtliche Größe.

„Ein Mann sagst du, Riku. Wie war er so?", erkundigte sich Sakura.

„Ich habe ihn stets nur im Schatten gesehen", berichtete der Junge. „Ich denke, er war groß und stark, als er mich packte. Aber es war ein anderer, der mich holte."

„Mhm", machte Sakura nachdenklich. Die Antwort zeugte nicht gerade von Aussagekraft.

Über die Aussage des Jungen dachte Sakura in den folgenden Tagen oft nach. Keines der Kinder wies Bissmale auf, wie Mangetsu sie zurücklassen würde. Aber vielleicht war er einfach noch nicht dazu gekommen, die Kinder auszusaugen. Sasuke hatte noch vor Ort mit seinem Sharingan ausgeschlossen, dass sie mit seinem Jutsu belegt waren. Somit bestand also kein näherer Verdacht auf eine Verbindung.

In den folgenden Tagen nahmen die Kinder Sakura völlig ein, und mit jeder weiteren Stunde an Investition wurde die eisige Schicht, die zwischen ihnen lag, zunehmend dünner. Besonders schnell taute die Stimmung bei den beiden jungen Mädchen auf, und Sakura musste ihnen sogar ein Foto von Sarada mitbringen und zeigen, da sie ihre Tochter unbedingt sehen wollten. Die beiden fanden das Mädchen so unglaublich süß und meinten immer wieder, dass sie es so gerne einmal treffen wollten.

„Irgendwann mal bestimmt", hatte Sakura freundlich geantwortet. Schließlich durften sie Konoha von nun an ihre Heimat nenne, wenn sie es denn wollten. Früher oder später würden sie sich bestimmt über den Weg laufen.

An diesem Nachmittag hatte Sakura länger arbeiten müssen, weshalb Sasuke ihre Tochter vom Kindergarten abholte.

„Wer ist eigentlich dieser Tako?", fragte er, als Sakura gerade zur Tür reinkam und noch nicht mal ihren zweiten Schuh ausgezogen hatte.

„Wieso, Liebling? Er ist Kindergärtner. Wie Miwa auch", sagte sie, als sie zu ihm ins Wohnzimmer trat.

„Ich kenne ihn aber nicht."

„Das ist richtig. Er kommt von außerhalb, ist aber schon lange im Dorf."

Sakura trat näher und berührte sein Schultern. „Ist was vorgefallen?"

„Nein", antwortete er knapp.

„Du machst dir aber offensichtlich Sorgen um etwas. Hat es mit deiner aktuellen Mission zu tun?"

Sasuke schwieg.

„Hast du Angst um Sarada?"

Wieder schwieg er.

Da sie absolut nicht deuten konnte, was ihn belastete, riet sie frei ins Blaue. „Liebling. Sarada ist rund um die Uhr betreut", sagte sie sanft. „Niemand fremdes kommt doch ungeachtet ins Dorf hinein."

Sasuke stieß angestrengt Luft aus und schloss die Augen.

„Wo ist Sarada überhaupt?", fragte Sakura dann und sah zum leeren Laufstall.

„Na, im Laufstall", antwortete er und sprang entrüstet auf, als er erkannte, dass seine Aussage nicht der Wahrheit entsprach. „Wie ist das ...?", stieß er verblüfft aus.

Für wenige Augenblicke standen sie beide wie gelähmt da. Und als Sasuke begann, das Wohnzimmer auf den Kopf zu stellen, folgte ihr Blick seinen Ausführungen. Eilig riss er Schränke und Türen der Kommoden auf und lief dann zur Terrassentür, die er so stürmisch aufriss, dass sie fast aus den Angeln flog. Sakura atmete dann aber tief durch und sah sich den Laufstall genauer an. Wie sollte das Kind bitte plötzlich verschwinden? Das ergab doch keinen Sinn.

„Sie hat die Stäbe rausgedreht", stellte Sakura fest und lachte, als sie Sarada hinter dem Sofa fand. Sie war auf dem Boden eingeschlafen. „Sie hat dich ausgetrickst."

„Das ist nicht lustig", brummte Sasuke genervt.

Sakura hob das schlafende Kind vom Boden und lehnte sich dann gegen Sasukes Brust, der an der offenen Tür zu Veranda stand. Sein Herzschlag ging schneller als sonst, stellte Sakura fest, er musste sich also wirklich erschrocken haben.

„Mach dir nicht so viele Sorgen", sagte sie leise. „Wir sind doch zu zweit."

Als sich unter ihren Worten sein Körper anspannte, sah Sakura mit einem flauen Gefühl im Magen zu ihm hinauf.

„Morgen muss ich wieder auf eine längere Mission", gestand er gepresst.

Sakura versenkte das Gesicht schnell tief in seiner Brust, damit ihm ihre Enttäuschung darüber entgehen würde. Sein Duft raubte ihr wie immer den Atem. „Wirklich?", murmelte sie leise und presste die Lippen fest aufeinander. Sasukes Missionen zogen sich in letzter Zeit häufiger über Mehrere Tage bis zu Wochen. „Keine Sorge, ich nehme mir ab morgen Mittag frei", wandte sie dann ein, um ihm zumindest die Sorge um Sarada zu nehmen und um das Thema zu wechseln. „Ich habe sowieso viele Überstunden gesammelt. Das sollte kein Problem sein."

„Das ist wirklich in Ordnung?" Sasuke klang so, als peinigte ihn das schlechte Gewissen doch mehr, als er es eigentlich zugeben wollte.

„Klar!" Sakura setzte ein breites Grinsen auf und sah ihn an. Er sollte mit keinem schlechten Gefühl aufbrechen. Das war ihr immer enorm wichtig.

---

„Was ist denn das?", fragte Sakura, als sie Sarada am nächsten Tag bereits am Mittag aus dem Kindergaren abholte und vor einem Zettel stehen blieb, der am Ausgang hing. Wiesenpicknick, stand darauf geschrieben.

„Wir machen doch morgen einen Ausflug", erklärte Miwa. „Das habe ich Ihrem Mann gestern doch noch gesagt. Er hatte sogar genickt."

Nur genickt? Dann hatte er sicher nicht richtig zugehört, dachte Sakura seufzend. „Ausflug?", wiederholte sie unsicher. Sasuke hatte davon nichts erzählt, auch nicht, als er heute Morgen aufgebrochen war.

„Wir machen einen Ausflug, auf die große Wiese vor dem Westtor. Für ein Picknick."

„Die Wiese vor dem Westtor? Wieso denn außerhalb von Konoha?"

„Sakura? Ist das ein Problem für Sie?"

„Ich weiß nicht...", erwiderte Sakura unsicher und biss sich auf die Unterlippe. „Ich wollte Sarada doch ein paar Tage zu Hause behalten ... Und wieso außerhalb von Konoha?", fragte sie erneut.

„Nun ja. Obwohl unsere Stadt durchaus eine gewisse Pflanzenvielfalt enthält, unterscheidet sich die Flora und Fauna von unseren Straßen deutlich von der außerhalb."

Saura nickte bedachtsam. Das erschien ihr korrekt. Nur wenige Wildtiere fühlten sich dort wohl, wo Menschen siedelten. Und seltene Pflanzen, die im Volksmund als Unkraut galten, wurden allesamt entfernt.

„Die Kinder müssen auch mal etwas Neues sehen. Sie können Sarada doch auch erst ab übermorgen zu Hause behalten, Sakura", wandte Miwa energisch ein.

Unauffällig rümpfte Sakura die Nase. Prinzipiell fand sie ja auch, dass die Kinder früh in Kontakt mit der Natur kommen sollten ... Aber Sasukes Misstrauen ging ausgerechnet in diesem Moment auf sie über. Wieso fühlte sie so? Eine Vorahnung? Naruto und Hinata waren mit Boruto in Sunagakure. Naruto hatte dort einen Termin und seine Familie kurzerhand mitgenommen, und so konnte sie sich nicht mal mit Hinata kurzschließen.

„Dass die Kinder mit der freien Natur in Berührung kommen, ist Teil unseres pädagogischen Konzepts", meinte Tako, der das Gespräch still verfolgt hatte und sich nun einmischte. „Es war meine Idee. Sie sollten uns vertrauen, Sakura."

Zugegeben verwirrte es Sakura, dass die beiden, besonders Tako, sie zu dieser Entscheidung so penetrant drängeln wollten. „Ich weiß..." Und natürlich würde sie die Fähigkeiten der beiden nie infrage stellen, schließlich waren auch Miwa und Tako speziell ausgebildete Shinobi, die in Notfällen genau wussten, wie die Handlungsanweisungen aussahen und ausgeführt werden mussten. Trotz alledem war Sakura bei der Sache nicht ganz wohl zumute. „Ich denke darüber nach", sagte sie dann schließlich, um der Situation entfliehen zu können, denn sie fühlte sich unter diesem Druck nicht wohl. Wahrscheinlich bildete sie sich das einfach nur ein, die beiden wollten nur das Beste für die Kinder. Aber die Tatsache, sofort eine unüberlegte Entscheidung treffen zu müssen, setzte sie dermaßen unter Stress, dass sie Abstand brauchte, um einen klaren Kopf zu bekommen.

Sakuras Füße trugen sie in einem ungewöhnlichen Eiltempo vom Kindergarten fort.

„Mooom...ma?", wimmerte Sarada nach einer Weile und wandte sich störrisch in Sakuras Armen.

Sie erschrak. „Oh, entschuldige, mein kleiner Schatz", sagte sie und löste den krampfhaften Griff um ihre Tochter. In ihrem Fluchtwahn hatte sie das Kind wohl etwas zu fest an sich gedrückt gehalten. Durchdringend musterten die großen, dunklen Augen nun das Gesicht ihrer Mutter, als sie ihre Tochter zurücklehnte. Es fühlte sich tatsächlich so an, als fühlte Sarada die tiefsten Sorgen von Sakura.

Ein schmerzliches Lächeln fuhr ihr beim nächsten Gedanken über die Lippen. Das Kind schien wirklich mit einer ungewöhnlichen Sensibilität ausgezeichnet zu sein, das stellte Sakura in letzter Zeit immer wieder fest. Bedenklich dabei war, so fand sie, dass diese Sensibilität, gekoppelt mit der möglichen Übernahme ihrer Weinerlichkeit, eine vernichtende Kombination mit dem Sharingan ergeben könnte. Schwer stieß Sakura Luft durch die Nase aus, während sie die Zähne fest aufeinandergepresst hielt. Ihr Mund fühlte sich trocken an. Aber als die kleinen Hände ihrer Tochter Sakuras Wange tröstend berührten, schlug Sakuras Herz wieder ruhiger.

„Es ist alles gut, mein kleiner Schatz", sagte sie schnell und drückte ihr einen langen Kuss auf die Wange. Anschließend gingen sie auf direktem Wege heim.

Für den Rest des Tages grübelte Sakura viel darüber nach, ob Sarada an diesem Ausflug nun teilnehmen sollte oder nicht. Am liebsten hätte sie ihren Mann um Rat gefragt, aber er war ja nicht da. Aber eigentlich sprach doch nichts dagegen. Oder? „Argh", stieß sie irgendwann völlig verzweifelt aus und fasste sich an den Kopf.

Sarada hob ihr Gesicht und wunderte sich nur über den seltsamen Laut ihrer Mutter.

Wenn Sakura noch weiter darüber nachdenken musste, dann würde ihr Kopf bald platzen. Also fasste sie kurzerhand einen Entschluss: „Du gehst morgen auf den Ausflug, Sarada." Entschieden verschränkte sie dann die Arme. Sakura würde sich einfach in der Nähe aufhalten – so, wie eine dieser paranoiden Mütter, die ihr im Krankenhaus ständig auf die Finger guckten. Sie hatte es gehasst. Aber heute, da verstand sie dieses Verhalten zum ersten Mal. Eine Helikoptermutter. Sie würde als eine dieser furchtbaren Helikoptermütter abgestempelt werden. Aber das war ihr jetzt völlig egal.

In der folgenden Nacht tat Sakura dennoch kein Auge zu. Jede halbe Stunde änderte sich nämlich ihre Meinung bezüglich des Ausfluges, bis sie letztendlich am nächsten Morgen unentschlossen vor dem Telefon landete und zögerte. Wie würde nun ihre endgültige Entscheidung lauten?

Tief atmete sie ein und griff zum Hörer, um die Nummer von Miwa zu wählen.

„Hallo Miwa? Ja, Sarada wird heute nicht mitkommen. Es tut mir wirklich leid, beim nächsten Mal klappt es ganz bestimmt."

Als sie den Hörer ablegte, fiel unerwartet eine zentnerschwere Last von ihr ab; der Entschluss musste also richtig gewesen sein.

Da der Blick aus dem Fenster jedoch versprach, dass heute ein wunderbarer Tag werden würde, beschloss Sakura einfach, ihren eigenen Ausflug mit ihrer Tochter in Konoha zu unternehmen. Da sprach ja nun wirklich nichts dagegen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück packte sie eine Tasche mit Windeln, Babynahrung und anderen Dingen zusammen, die Sarada für einen halben Tag etwa brauchen würde. Ihre eigenen Bücher durften dabei natürlich nicht fehlen, denn sie würde lesen wollen, hielte Sarada einen Mittagsschlaf. Anschließend brachen sie zu einer Wiese auf, die sich in der Nähe des Osttors befand.

Dort angekommen breitete Sakura eine Decke aus, aus welcher sie die nächsten Stunden gemeinsam verbrachten. Sarada rupfte Blümchen aus dem Rasen, aus denen Sakura ihr ein kleines Kränzchen für die Haare anfertigte. Sie beobachteten kleine Insekten und Tiere, sie sich um die Decke tummelten, und sie lachten viel und gemeinsam. Kurz vor Mittag bemühte Sakura sich darum, ihre Tochter in einen Mittagsschlaf zu wiegen. Unter ihrem melodischen Summen, dem warmen Wind und dem Zwitschern der Vögel klimperten Saradas Äuglein gefährlich, bis sie irgendwann zufielen.

Gerade wollte Sakura ihre Tochter ablegen, um sich ein Buch zu nehmen, da ließ sie ein lauter Knall innehalten. Blitzartig stand sie aufrecht und sah sich nach der Quelle des ungeheuren Kraches um. Die abrupte Aufwärtsbewegung riss Sarada wohl unsanft auf dem Schlaf, denn das Mädchen weinte plötzlich bitterlich.

„Shhh", machte Sakura, stand auf und wippte ihre Tochter in den Armen, um sie zu beruhigen. „Du hast dich erschrocken, weil ich mich erschrocken habe, nicht? Es tut mir leid."

Als Sakura in die Ferne sah und die Augen zusammenkniff, wehte ihr der warme Wind die langen Haare vors Gesicht. Mit ihrer Hand schoben sie sie zur Seite, um besser sehen zu können. Wo kam der Knall her? Eine weitere Explosion, rechts von ihr und diesmal mitten in Konoha, ertönte. Ihr Atem stockte. Was war hier los?

Als Rauchschwaden aufstiegen und Sakura registrierte, dass diese aus Richtung des Westtores kamen, erstarrte sie.

„Nein", flüsterte sie. Sicher hatte das nichts mit dem Ausflug des Kindergartens zu tun. Das wäre ein äußerst komischer Zufall. Sarada hatte sich endlich etwas beruhigt und linste ängstlich von Sakuras Brust in die Richtung, wo der Rauch aufstieg.

Dann erschütterte eine weitere Explosion das Dorf; diesmal lauter, was wohl daran lag, dass sie unmittelbar in der Nähe von Sakura stattfand. Vielleicht zwei Straßen weiter. Als sie die Menschen von der nächsten Straße aus schreien hörte, schlug ihr das Herz augenblicklich bis zum Hals. Fester drückte sie ihre Tochter an sich.

Was passierte hier nun wieder?

༻❀༺


Hello Freunde der Sonne,

leider bin ich erst jetzt zum Hochladen des Kapitels gekommen. Und wir gehen jetzt mit großen Schritten auf das Ende zu

Heute nur kurze Meldung von mir, hab' wenig Zeit ;) Wir lesen uns am Samstag.

Bleibt gesund!

Eure Juli
<3
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