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Unsere Bestimmung - Sakura & Sasuke (Part 3)

von JuliTales
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Het
Naruto Uzumaki Sakura Haruno Sarada Uchiha Sasuke Uchiha
29.01.2021
12.02.2022
43
192.131
30
Alle Kapitel
59 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
12.01.2022 3.821
 
Huhu. Im Nachhinein hat mich eine Leserin auf einen Logikfehler in diesem Kapitel hingewiesen. Leider habe ich gerade nicht die Zeit, es zu überarbeiten. Möglicherweise fällt es euch nicht auf ;) Verzeiht es mir bitte, denn eigentlich braucht so ein Kapitel noch viel mehr Überarbeitungsschritte und ich war/bin ziemlich im Stress, sodass es mir nicht aufgefallen ist! I'm sorry!

Sasuke Pov


༻✾༺


Sasuke fühlte sich leer; weder die Arme noch die Beine schienen seinem Willen gehorchen zu wollen. Sein Kopf war hohl, begleitet von einem plötzlich stark auftretenden Pochen in der Schläfe, und wurde dabei doch gleichzeitig so lästig schwer zu Boden gezogen. Starr war sein Blick auf die Pfütze gerichtet, die sich, wie die Blutlache eines abgestochenen Tieres, unter der Liege sammelte. Sakura lag darauf, die Hände in die schmalen Seiten der Liege gekrallt. Er spürte, wie ihre grünen Augen panisch nach seinen suchten, doch es gelang ihm nicht, auch welchem Grund auch immer, von der Pfütze aufzusehen.

Aber das, was von der Liege tropfte, war kein Blut; es war die Flüssigkeit ihrer Fruchtblase, was das Ganze nun notgedrungen nicht besser machte.

Es war noch zu früh. Das hatte Karin ihnen doch eben noch zu erklären versucht.

Die Nabelschnur. Sie könnte ...

Langsam hob er endlich den Kopf. Sein Blick wanderte direkt zu Karin, deren Lippen sich offensichtlich bewegt hatten. Sasuke zog die Augenbrauen zusammen, denn er hatte sie nicht verstehen können. Es klang eher wie ein Rauschen, das von den dunklen Wänden dieses Raumes widerhallte. Hatte sie mit ihm gesprochen? Oder mit Sakura? Er beobachtete daraufhin, wie sie energisch mit der Sonde des Ultraschallgeräts über Sakuras Bauch fuhr und dabei das Gel zu allen Seiten strich.

„Und ... jetzt?", stieß er plötzlich hervor und sah Sakura an. Was er sah, gefiel ihm ganz und gar nicht. Nervös presste er unter dem Anblick seiner Ehefrau die Lippen zusammen. Sakura war blass, ihre Brust hob und senkte sich unter ihrem hektischen Atem viel zu schnell. Sie musste sich beruhigen, dachte er. Aber was konnte er schon tun? Er war innerlich doch selbst total aufgelöst. Er wollte sich bewegen, etwas tun, schaffte es aber nicht.

Karin lehnte sich leicht zurück und schob selbstbewusst die Brille über das Nasenbein, sodass sie wieder ordentlich saß, und sah ihn eindringlich an. „Jetzt bringen wir dein Kind zur Welt, Sasuke Uchiha."

Ungläubig fixierte Sasuke ihr so unverhofft zuversichtliches Gesicht. Meinte sie das ernst? Tief in seinem Inneren, da wollte er ihr diesen Optimismus unbedingt abkaufen, aber die möglichen Komplikationen hielten seine Skepsis eisern aufrecht. Man sollte keine Dangos kochen, bevor der Teig nicht gerührt war. Sakuras Worte. Ein völlig unpassender Vergleich, wie er im nächsten Moment feststellte.

Positiv denken. Das strebte Karin wohl eher an. Und kürzlich hatte auch Sakura ihn aufgefordert, dies zu versuchen. Aber wie sollte er positiv denken? In dieser Situation? Ruhig Blut bewahren, natürlich. Aber gerne ein andermal.

Suigetsu, wisch das hier auf", rief Karin Sasukes altem Teamkameraden zu, der mit gesenkten Mundwinkeln ein paar Schritte hinter Karin stand und das Ganze nervös beobachtete.

„Ich ... äh ich glaube, ich möchte das doch nicht sehen", gestand er jetzt unsicher und kratzte sich am Hinterkopf.

„Zu spät", keifte sie ihn an. „Hol Lappen und Wischmopp. Sonst rutscht noch einer aus. Beeil dich."

Sasukes Herz pochte heftig, als Suigetsu gehorchte und den Raum verließ. Vielleicht hätte er seine Ehefrau nicht alleine lassen sollen? Einen Augenblick später kehrte Suigetsu zurück, und begann maulend den Boden zu wischen.

„Sasuke, du stehst im Weg", meinte dieser gereizt, nachdem er mit dem Wischmopp mehrfach gegen seine Füße gestoßen war, ohne dass Sasuke ihm Aufmerksamkeit geschenkt hatte. Wie ferngesteuert trat Sasuke einen Schritt nach hinten. Konzentriert fixierte er dann abwechselnd den Bildschirm des Ultraschallgeräts und Karins Gesicht, um eine Veränderung ihrer Mimik sofort deuten zu können. Wahrscheinlich suchte sie nach der Nabelschnur, während sie die Sonde an den unterschiedlichsten Stellen in Sakuras mächtigen Bauch drückte.

„Karin", flüsterte Sakura leise und ruhiger. Sie schien sich wieder etwas beruhigt zu haben. „Ist die Nabelschnur ...?"

Karins Mundwinkel zuckte nach unten. Dann fuhr sie mehrfach mit der Sonde über dieselbe Stelle, bis sich auf dem Monitor ein deutliches Bild zeigte. „Hier ist die Nabelschnur", sagte sie recht neutral und deutete mit dem Finger auf ein Band, das auf dem Bildschirm zu sehen war. „Sie liegt nun am Ausgang, also vor dem Kopf."

„Oh nein." Sakura schlug entsetzt die Hand vor den Mund.

Endlich erwachte Sasuke aus seiner Starre. Tief atmete er ein und strich sich die Haare zurück. Auch seine Stirn war feucht vor lauter Stress. Er trat zu Sakura und sofort griff sie nach seiner Hand, als hätte sie nur darauf gewartet. Sie drückte schlagartig so fest zu, dass sie ihm beinahe die Hand brach.

„Noch ist nichts passiert", erklärte Karin nachdrücklich und sah ernst von Sakura zu Sasuke, ehe sie den Mund wieder öffnete. „Und tatsächlich ist eine Nabelschnur länger als man denkt, wodurch ein großer Spielraum entsteht. Die Gewebestruktur ist zudem recht elastisch; selbst wenn sie sich um den Hals wickeln sollte, muss es nicht zwangsweise dazu führen, dass die Luftzufuhr unterbrochen wird.

„Und wie kann man dem vorbeugen?", fragte Sakura. Vorbeugen ist immer so ein kompliziertes Wort, ich musste gerade selber nochmal nachschauen, ob das jetzt mit Dativ oder Akkusativ steht :D

„Schwierig. Wir kontrollieren regelmäßig die Lage der Nabelschnur. Eine normale Geburt ist noch immer die beste Option und absolut nicht unwahrscheinlich."

Sakuras Muskeln schienen sich zu entspannen, ihr Griff um Sasukes Hand lockerte sich, woraufhin seine Schultern sanken. Langsam kehrte auch etwas Farbe in ihr Gesicht zurück.

Sasuke fühlte sich völlig unnütz. Irgendwas müsste er doch machen können. „Und wie gehen wir nun weiter vor?"

„Warten", meinte Karin und schaltete das Ultraschallgerät wieder aus.

Überrascht hob Sasuke die Augenbrauen. In vielen Situationen ergab es durchaus Sinn, abzuwarten. Aber hier? Jetzt und heute? Sollte man das Kind nicht lieber sofort holen? Das Gefühl, keine Kontrolle über diese Situation zu haben, nagte an ihm.

„Werd' mal locker, Sasuke", sagte Karin und schüttelte demonstrativ ihre Hände aus, aber Sasuke machte natürlich nicht mit. „Du bist ja noch steifer als sonst."

Zischend wandte er den Blick von Karin ab. Sie nervte langsam. Machte sie sich lustig über ihn? In dieser Situation? Das war mehr als nur makaber.

Enttäuscht wandte Karin sich von ihm ab und widmete sich wieder Sakura. Als sie sich unter der Decke zu schaffen machte, um den Muttermund zu untersuchen, so sagte sie zumindest, behielt Sasuke Suigetsu gut im Auge. Gut für ihn, dass er keinen Anschein machte, sich neben Karins Händen unter die Decke begeben zu wollen. Aber allgemein schien er ziemlich angespannt zu sein. Nervös sah er sich ständig in eine andere Richtung um, als fühlte er sich unwohl. Musste er überhaupt noch hier sein? Der Boden war doch gewischt.

„Das Kind muss erst noch weiter ins Becken rutschen und der Muttermund ist noch nicht weit genug geöffnet", berichtete Karin ihnen schlussendlich.

„Und das heißt?", Sasuke wusste mit der Aussage nicht wirklich etwas anzufangen. Er konnte es nur vermuten.

„Dass es noch nicht losgeht, Liebling", antwortete Sakura unerwartet sanft. Irritiert über ihre plötzliche Gelassenheit sah er sie an, aber als ihre zittrigen Finger über seinen Handrücken fuhren, wusste er, dass sie das nur spielte.

Sasuke schloss die Augen und atmete tief durch. Er musste sich zusammenreißen. Für Sakura. „Und wie erreichen wir, dass sich dieser Muttermund weiter öffnet?", fragte er mit fester Stimme.

„Natürlich wird es noch dauern", meinte Karin und kratzte sich am Kinn. „Erst, wenn der Muttermund weit genug geöffnet ist, kann die Geburt richtig beginnen. Das dauert aber noch. Am besten geht ihr eine Weile spazieren."

Sasuke wollte seinen Ohren nicht trauen. „Spazieren gehen", wiederholte er langsam und betrachtete sie skeptisch.

„Schon mal was von der Schwerkraft der Erde gehört, mein Lieber? Die funktioniert bekanntlich zu jeder Tag- und Nachtzeit. Das Kind liegt ungeschützt. Je schneller es kommt, desto besser. Aber bitte bleibt im Versteck. " Mit diesen Worten streckte Karin die Arme in die Luft und gähnte. „Ich leg mich kurz aufs Ohr, es ist spät. Ich komme bald wieder und überprüfe die Lage des Kindes und der Nabelschnur. Falls was sein sollte. Mehr können wir gerade nicht tun." Sie drehte sich auf dem Weg zur Tür ein letztes Mal um. „Du weißt ja, wo du mich findest, Sasuke."

Sasuke macht zwar eine zustimmende Kopfbewegung, tief in seinem Inneren wollte er jedoch, dass Karin blieb. Wie konnte sie nur so entspannt sein, wenn sein Herz doch so pochte?

Das sanfte Drücken seiner Hand ließ ihn abermals in die Gegenwart zurückkehren. „Hilfst du mir beim Aufstehen?", fragte Sakura und lächelte müde.

„Bist du sicher, dass das wirklich förderlich ist?"

„Ja. Das ist es. Gibst du mir das Krankenhemd, Liebling?" Sie deutete mit der noch leicht zitternden Hand auf einen hellen Fetzen Stoff, der über einem Stuhl hing. Karin musste es wohl dort hingelegt haben, was Sasuke augenscheinlich entgangen war.

In dem kurzen Nachthemd und am Bettrand sitzend senkte Sakura schließlich ihren Kopf und atmete schwer aus. Gedankenverloren strich sie mit der Hand über ihren Bauch. Ihre Augen schimmerten plötzlich feucht. „Es tut mir leid, Sasuke, ehrlich. Ich habe Panik bekommen, mit unserem Kind könnte etwas nicht stimmen. Ich hatte eine solche Angst, verstehst du? Nein. Ich habe sie auch jetzt noch."

Verständnisvoll nickte Sasuke. „Ich auch", gab er flüsternd zu und hob aufmunternd den Mundwinkel. Er würde sich an ihrer Stelle sicherlich noch viel verrückter machen. Es beeindruckte ihn, wie gefasst Sakura jetzt mit der Situation umging. Dann seufzte er leise und schloss die Augen. „Es bringt nichts, sich Vorwürfe zu machen. Karin sagte doch, dass du nichts dafür kannst."

Dankend schloss Sakura die Augen und trocknete die Tränen mit der Hand. „Lass uns etwas gehen", sagte sie schließlich.

Seit das Fruchtwasser nun nicht mehr drückte, schien es Sakura besser zu gehen. Das beruhigte Sasuke enorm. Aber auch nur so lange, bis er ihre erste Wehe miterleben musste. Sie wäre unter den Schmerzen wohl zusammengesackt, hätte er sie nicht festgehalten. Machtlos konnte er nur mit ansehen, wie sie den Schmerz aushalten musste, den er ihr so gerne abnehmen würde. Dass eine Geburt zu den schmerzhaftesten Erlebnissen zählen sollte, war ja durchaus bekannt.

Ihre Wanderung erschien endlos lang. Hin und wieder legten sie eine Pause ein, bis die Wehen immer regelmäßiger und häufiger kamen, und Sakura ihm erklärte, dass dies der normale Weg hin zu einer Geburt war. Das mochte sicherlich stimmen, wirklich anfreunden konnte Sasuke sich mit dieser Gegebenheit dennoch nicht.

„Sieht gut aus, Sakura", teilte Karin zufrieden mit, nachdem sie die Öffnung des Muttermundes erneut kontrolliert hatte. „Es sollte bald soweit sein."

„Was heißt bald?", fragte Sasuke.

„Kann ich dir nicht sagen. Vielleicht in einer Stunde, oder auch in zwei Stunden. Vielleicht auch erst in drei."

„Aha", machte er. Sonderlich genaue Angaben waren das hier ja nicht. „Und die Nabelschnur?"

„Liegt noch neben dem Köpfchen", sagte Karin und nickte zuversichtlich.

Wider Erwarten schickte ihre Gastgeberin sie erneut auf einen Spaziergang, der versprach, genauso endlos zu werden, wie der davor. Niemals hätte Sasuke gedacht, dass sich eine Geburt über einen so langen Zeitraum ziehen würde.

Und nach einer gefühlten weiteren Ewigkeit drückte Sakura seine Hand so fest, dass sie unmittelbar davorstand, diese erneut in kleinste Teilchen zu pulverisieren. So rasch es eben nur ging, kehrten sie zurück. Karin nickte zufrieden, als sie die Gegebenheiten prüfte und meinte, dass es nun so weit wäre. Suigetsu ließ sich glücklicherweise nicht mehr blicken.

In dieser besonderen und zugleich unerträglichen Zeit sah Sasuke Sakura erneut mit völlig anderen Augen. Sie trug eine neue und viel stärkere Entschlossenheit in sich, die er bisher noch nie erlebt hatte. Ständig versuchte sie, wenn vielleicht auch nur unbewusst, das Gute im Menschen und in dessen Leben mit mehr Bedeutung zu versehen, um es für andere, und auch die Person selbst, sichtbar zu machen. Das hatte sie ihr Leben lang getan. Sein Leben über ihres gestellt. Und selbst heute, in einem für sie so wichtigen Moment, konnte er nur danebenstehen und zusehen, konnte ihr den Schmerz nicht abnehmen, um ihr auch nur einen Deut Dankbarkeit zu erweisen, für das, was sie für ihn getan hatte. Nur ihre Hand halten, das konnte er. Er sah sie vor Schmerz laut stöhnen und schreien, ständig das Gesicht verzweifelt verziehen, nur um im nächsten Moment wieder mit voller Kraft an dem festzuhalten, was sie zu diesem Zeitpunkt als am wichtigsten erachtete – ihr Kind auf die Welt zu bringen.

Irgendwann meinte Karin, dass es nicht mehr lange dauern würde - ein Hoffnungsschimmer für alle.

Als Sakura in einer ihrer Pausen ihren schweißnassen Kopf erschöpft ablegte und Sasuke schwer atmend anblickte, bestimmte Karin die Lage der Nabelschnur erneut. Mit Sorge betrachtete Sasuke das Gesicht seiner Frau, denn langsam aber sicher schien sie am Ende ihrer Kräfte zu sein. Angespannt sog er Luft in den Brustkorb. Würde sie noch lange genug durchhalten?

Als ihm auffiel, dass Karin den Monitor des Geräts wegdrehte, wurden seine Gesichtszüge ernst. Und als sich ihr Kiefer anspannte, schluckte er schwer. Als sie bemerkte, dass er ihre Reaktion richtig gedeutet hatte, hob sie mahnend die Augenbrauen. Sakura hatte in ihrer Erschöpfung den stummen Austausch wohl nicht bemerkt. Und das war wohl auch besser so. Die Nabelschnur musste nun um dem Hals des Kindes liegen.

„Sakura, es ist fast geschafft", teilte Karin ihr mit. „Ich sehe das Köpfchen. Du musst jetzt all deine Kraft zusammennehmen und noch kurz durchhalten. Bei der nächsten Wehe presst du bitte mit all deiner Kraft. Wenn du dich anstrengst, dann sollte es in wenigen Augenblicken vorbei sein." Karin begann plötzlich zu drängeln, was Sasuke unruhig werden ließ.

„Aber ich kann nicht mehr", sagte Sakura plötzlich völlig verzweifelt und schüttelte den Kopf. „Ich brauche eine Pause. Sonst schaffe ich das nicht."

„Du musst. Du hast es fast geschafft." Karin biss die Zähne aufeinander und warf Sasuke einen auffordernden Blick zu.

Rasch reagierte Sasuke und drückte Sakuras Hand fest. Sie sah ihn daraufhin mit ihren grünen Augen keuchend an. „Sakura, du kannst alles schaffen", sagte er und meinte das auch völlig ernst.

Glücklicherweise schienen seine Worte eine völlig andere Wirkung auf sie zu haben als die von Karin. Sie nickte fest und kämpfte schließlich, mit ihren letzten Kraftreserven, tapfer und bis zum bitteren Ende.

Als Karin das Kind endlich in ihren Armen hielt, stockte Sasuke der Atem. Die Nabelschnur, sie befand sich tatsächlich um dem Hals des kleinen Wesens. Rasch, und ohne, dass Sakura es sah, entfernte Karin die Nabelschnur.

„Warum schreit es nicht?", fragte Sakura mit zittriger Stimme und sprach damit das aus, was Sasuke ebenso dachte. „Karin?"

„Sofort, Sakura", erwiderte Karin angespannt. Sorgenvoll betrachtete sie sein Kind, aber als es schlagartig Luft einsog und ein ohrenbetäubender Krach ertönte, atmeten alle erleichtert auf. „Was ein Organ", meinte Karin müde lächelnd.

Es war der 31. März, als Karin Sakura ihr Kind auf die Brust legte.

„Herzlichen Glückwunsch", verkündete sie grinsend. „Es ist ein Mädchen."

„Ein Mädchen. Sieh nur, Sasuke", hauchte Sakura schwach und mit kratziger Stimme. „Sieh nur", sagte sie wieder und lachte leise. „Das ist unserer Tochter, Sasuke."

Unsere ... Tochter ..., wiederholte er ihre Worte ungläubig in Gedanken. Als hätte er eben gerade einen Stock verschluckt, trat er zögernd und steif näher. Dieses kleine Wesen auf Sakuras Brust, dessen verknautschtes Gesicht jetzt langsam von einer roten zu einer rosigen Farbe überging, es räkelte sich und machte seltsame und ulkige Geräusche. Ihre Arme und Beine waren so winzig, dass Sasuke kaum fassen konnte, dass es sich um einen echten Menschen und nicht um eine Puppe für Kinder handelte.

Klein und hilflos, dachte er, seine Haarfarbe tragend und berührt von seinem Blut – Sie war seine Tochter. Das war nicht zu übersehen.

„Sie ist ganz weich", sagte Sakura vergnügt und drückte mit den Fingern in die kleinen Ärmchen. Verwundert darüber, dass für Sakura all die Schmerzen und die Müdigkeit plötzlich keine Rolle mehr spielten, als sie ihre Tochter sah, legte Sasuke den Kopf schief. „Du musst sie berühren, Sasuke. Na los."

Er zögerte wieder und blinzelte, denn sie wirkte so zart, unschuldig und zerbrechlich, dass er Angst hatte, sie mit seiner negativen Energie verseuchen zu können.

Sakura suchte nach seiner Hand, packte sie und legte sie sanft auf dem warmen Rücken ihrer kleinen Tochter ab. Im Verhältnis zu dem kleinen Wesen war seine Hand kühl, und kurz dachte er, sie würde unter der Hitze verbrennen, als seine Haut auf ihre traf. Aber blitzartig wandelte sich das Brennen in eine wohltuende Wärme, die bis in den letzten Winkel seines Körpers fuhr. Es war beinahe so, als würde ihm neues Leben eingehaucht werden. Als würde er neu geboren werden, und das lebendiger und intensiver denn je.

Er musste wohl sehr verdutzt geschaut haben, denn Sakura begann sich über ihn zu amüsieren. Sie sah so glücklich aus, stellte er fest, als sie ihm strahlend ins Gesicht sah. Und irgendwie war das ein wenig ansteckend, sodass sich seine Mundwinkel von ganz allein nach oben schoben.

„Sie schläft", flüsterte Sakura dann und Sasuke zog die Hand vorsichtig zurück.

Karin musste unterdessen den Atem angehalten haben, um sich unsichtbar zu machen; Sasuke hatte völlig vergessen, dass sie überhaupt da war.

„Darf ich?", fragte sie jetzt leise, nachdem sie an Sakura herangetreten war. Sie streckte die Hände nach dem Mädchen aus, um es zu nehmen. „Ich würde sie gerne noch untersuchen."

Neugierig trat Sasuke von hinten an Karin heran und sah ihr über die Schulter, während sie die kleine Brust seiner Tochter zunächst abhörte. Als Karin die winzigen Arme und Beine hob und diese bewegte, um vermutlich deren Funktion zu testen, färbte sich das Gesicht des Mädchens in nur wenigen Augenblick tiefrot. Gleichzeitig, und wie in Zeitlupe, verzog sich das ohnehin knautschige Gesicht, bis hin zu einem überaus leidenden Ausdruck. Sasuke wurde skeptisch, denn er konnte es nicht deuten. Mit aufgerissenen Augen sah er Karin von der Seite entsetzt an. Tat ihr etwas weh? Karin schien sich davon nicht beirren zu lassen.

„Ihr ist kalt, Sasuke", sagte sie und warf ihm einen flüchtigen Blick zu. „Mehr nicht."

Endlich wiegte sie das Mädchen wieder in den Armen und drehte sich zu Sasuke um. „Soweit ich das beurteilen kann, ist alles in Ordnung", teilte sie daraufhin erfreut mit. „Sie ist natürlich noch etwas klein, aber das verwächst sich ja mit der Zeit. Ihr solltet in Konoha noch zu einem richtigen Arzt gehen, der auf Kinder spezialisiert ist. Sie wird bestimmt groß und stark." Karin grinste und hielt Sasuke das Mädchen entgegen.

Seine Hand zuckte zwar, aber er traute sich nicht, das kleine Wesen zu nehmen. Das Köpfchen schien ihm viel zu instabil zu sein; er hatte Angst, es würde nach hinten wegknicken, würde er nicht gut genug aufpassen. Und aus Angst, er könnte etwas falsch machen, ließ er es deshalb lieber bleiben.

Erst seufzte Karin enttäuscht und schüttelte den Kopf, als verstünde sie ihn ganz und gar nicht, und brachte das kleine Mädchen schließlich zurück zu ihrer Mutter.

„Ich bewahre die Nabelschnur auf, Sakura", teilte Karin mit, als sie das wabbelige Gewebe in eine Nierenschale platzierte.

Sasuke hob nur die Augenbrauen, denn es war ihm nicht ersichtlich, weshalb Karin so etwas tun wollte. Sakura bemerkte seine Verwirrung natürlich sofort und führte Karins Vorhaben aus. „Über die Nabelschnur können Stammzellen gewonnen werden, Sasuke. Im Falle schlimmer Krankheiten können diese Leben retten. Eingefroren oder auch in speziellen Flüssigkeiten können diese quasi haltbar gemacht werden."

„Achso", murmelte er. Das hatte er nicht gewusst.

Kurz nach der ganzen Aufregung, und nachdem das Mädchen zum ersten Mal getrunken hatte, zog sich die frisch gebackene Familie in einen wohnlicheren Raum zurück.

Da es ihrer Tochter auf Sakuras Brust bisher am besten gefallen hatten, platzierte Sakura sie mit dem Bauch unmittelbar auf ihrer Haut. Sie schlief, die Kleine, und dabei sah sie aus wie ein Engel. Mit der Kopflehne im Rücken saß Sasuke neben ihnen im Bett und beobachtete die kleinen Atemzüge seiner Tochter. Ihre tiefschwarzen Haare schlugen kleine Locken, die Sakura verträumt lächelnd um ihren Finger wickelte.

Was Itachi wohl zu ihr gesagt hätte?

„Wie sollen wir sie nennen?", fragte seine Frau nach einer Weile.

Grübelnd zog er jetzt die Augenbrauen zusammen. Darüber hatte er noch gar nicht nachgedacht. So spontan fiel ihm auch nur der Name seiner Mutter ein. Deshalb zuckte er kurz darauf unentschlossen mit den Schultern.

„Weißt du", begann Sakura dann lächelnd und ihre Wangen wurden zunehmend rosa. „Ich denke schon länger darüber nach und ich hatte mehrere Namen im Kopf. Aber jetzt, wo ich sie sehe, da ist sie eindeutig eine Sarada."

„Sarada...", wiederholte Sasuke nachdenklich. „Wie kommst du darauf?"

„Gefällt er dir etwa nicht?" Sie blinzelte dreimal und strich dem Mädchen dann über den Kopf.

Sasuke lehnte sich hinab, um seine Tochter näher zu betrachten. Sie roch ganz besonders, erst jetzt fiel ihm das überhaupt auf. Er näherte sich deshalb noch weiter und schnupperte erneut.

Sakura lachte leise. „Was machst du da?"

„Sie, also ich meine Sarada, sie riecht ganz besonders."

„Ja sicher, sie riecht nach einem Baby. Riecht gut, oder?"

Sasuke nickte leicht.

„Also magst du den Namen?"

„Ja", antwortete Sasuke knapp und lehnte sich wieder zurück. „Er passt gut."

„Sag ich doch." Sakura strahlte und widmete sich dann wieder dem kleinen Wesen auf ihrer Brust. Sie hatte die Decke ein Stück weit nach oben gezogen, sodass nur Saradas kleines Köpfchen zu sehen war.

Als Sakura nach einer Weile eindöste, blieb Sasuke wach, um aufzupassen, dass Sarada nicht von der Brust rutschte. Endlich fühlte er sich nicht mehr überflüssig.

Eine ganze Weile, als wäre sein Blick unwiderruflich an sein Kind gebunden, konnte er nicht von ihr absehen. Irgendwann streckte er jedoch die Hand aus, um ihre warme Haut und das Gefühl von eben erneut spüren zu können. Sie war so weich und warm.

Als ihm ein leises und bedrücktes Seufzen entfuhr, war er froh, dass Sakura es nicht hörte. Hoffentlich würden die schwarzen Haare sein einziges Vermächtnis bleiben, dachte er. Hoffentlich würde sie mehr nach Sakura kommen.

Und er wünschte sich ab diesem Zeitpunkt nichts Inständigeres, als dass seine Tochter ein unbeschwertes Leben führen könnte. Fernab von dem Bösen und dem Schicksal der Uchiha.

༻✾༺


Meine lieben Freunde der Sonne,

die letzten beiden Kapitel waren für mich nicht einfach zu verfassen. Danksagungen gehen deshalb wieder an Jenny raus, die mir besonders viel Mut zugesprochen hat. ❤

Ich halte es heute kurz, denn irgendwie bin ich schon wieder total verwirrt von meiner Auffrischimpfung xD .. heut bekommen ... Ist wirklich so. Ich halte heute lieber die Finger still! Sorry, falls meine Worte hier keine Sinn ergeben sollten ^^

Bleibt gesund und bis Samstag!

Eure Juli
<3
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