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Unsere Bestimmung - Sakura & Sasuke (Part 3)

von JuliTales
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Het
Naruto Uzumaki Sakura Haruno Sarada Uchiha Sasuke Uchiha
29.01.2021
12.02.2022
43
192.131
30
Alle Kapitel
59 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
08.01.2022 3.816
 
Sakura Pov

༻❀༺


„Waaaahnsinn." Sakuras Ausruf war den unzähligen zart rosafarbenen Kirschbäumen gewidmet, welche sich in einer endlosen Reihe vor ihnen erstreckten. Selbst als sie sich auf Zehenspitzen stellte, war das Ende nicht zu erkennen. „Sieh dir das an, Sasuke", rief sie beinahe außer sich vor Überwältigung. „Die Kirschbäume hier stehen bereits in voller Blüte. Und es sind so viele."

Heute wies ihnen mal wieder ein strahlender Himmel den Weg. Winzige und fluffige Wolken, die aussahen, als wären sie im Nachhinein auf das strahlende Blau getupft worden, zogen in einer ermüdenden Geschwindigkeit über ihre Köpfe hinweg. Die Bäume hingegen, die den Weg endlos umrahmten, sprühten vor lauter Leben und waren ummantelt von lieblichen Kirschblüten, die einen Duft aussandten, der die Sinne jeglicher Passanten benebeln würde.

Es war Frühling. Endlich. Und somit auch etwa nur noch drei bis vier Wochen bis zur Geburt ihres Kindes.

In den letzten Wochen hatte Sakuras Bauch an enormem Umfang dazugewonnen. So fiel es ihr zunehmend, längere Distanzen am Stück zu gehen. Sie war schneller müde denn je, aber noch viel schneller war sie außer Atem.

Schlussendlich hatte Sasuke sich darauf eingelassen, etwas früher nach Konoha zurückzukehren, ehe sie sich gar nicht mehr bewegen können würde. Und auch überhaupt war Sakura wirklich froh, dass er ihren Wunsch, das Kind in Konoha zur Welt zu bringen, akzeptierte. Nach ausgiebigem Abwägen von Vor- und Nachteilen schien er es ebenso zu befürworten.

Jeder Schritt, den sie tun musste, war einfach nur noch anstrengend und Sakura fieberte, auch wenn die Angst vor der Geburt durchaus präsent war, mittlerweile der Entbindung einfach nur noch entgegen. Schuhe wieder schließen können, eine Hose ohne fremde Hilfe anziehen. Dinge vom Boden aufheben, ohne das Gefühl zu haben, vorne überzukippen. Das alles waren Dinge, die langsam aber sicher unglaublich nervten.

Während sie die traumhaft duftende Kirschbaumallee durchquerten, hob Sakura die Nase und schloss die Augen, um ihre Sinne lediglich auf den Duft kanalisieren zu können. Sasuke packte sie jedoch sofort am Handgelenk und Sakura schlug empört darüber die Augen auf.

„Du solltest schauen, wo du hintrittst", sagte er streng und blickte ihr ermahnend tief in die Augen, als wäre sie ein kleines Kind, dass er einzuschüchtern versuchte.

„Ich passe schon auf", zischte Sakura übertrieben entrüstet und befreite ihre Hand aus seinem Griff, um weitergehen zu können. Diese übervorsichtige Seite von Sasuke ging ihr manchmal gehörig gegen den Strich. Er schien ihr auch gar nichts mehr zu gönnen, dachte sie. Nicht er war schwanger, sondern sie. Nicht er sah aus wie ein aufgequollener Ballon, der kurz vor dem Platzen stand. Nicht seine Füße waren es, die aussahen wie die eines Tyrannosaurus, und die dazu auch noch unglaublich schmerzten. Nein. Das war bei ihr so. Nicht bei ihm.

Aufgebracht stapfte Sakura also davon. Auf der einen Seite war ihr völlig klar, dass diese Laune ein Ergebnis ihrer Schwangerschaft war, getriggert durch eine Kombination von Emotionen und Schmerz, verhindern konnte sie den Ausbruch dieser leider dennoch nicht. Es war also besser, sie suchte in solchen Situationen einfach das Weite, ehe sie noch völlig an die Decke gehen würde. Das war zumeist das kleinere Übel. Besonders seit der letzten Woche war sie äußerst leicht reizbar, und das schien selbst einen Sasuke Uchiha an seine Grenzen stoßen zu lassen.

Sakura hörte ihn hinter sich schnauben, als er weiterging.

Aber nicht nur die Schmerzen in Füßen und Rücken machten ihr die letzten Wochen fast zur Hölle, hin und wieder wurde ihr auch schlagartig schwarz vor Augen, überanstrengte sie sich beim Gehen. Sasuke hatte ihr deshalb vorgeschlagen, zu fliegen, aber ihr wurde speiübel, als sie es probierten. Aus diesem Grund waren sie nun doch wieder auf das Gehen angewiesen, nur mit langen und vielen Pausen. Sie hatten ja Zeit. Nachdem Sasuke ihr gestern mitgeteilt hatte, dass sie in etwa drei bis vier Tagen Konoha erreichen würden, hatte Sakura nur trocken geantwortet, dass sie bei diesem Tempo wohl eher noch fünf bis sechs brauchen würden. Zunehmend sank ihre Laune seitdem und erreichte an dem heutigen Tag einen völlig neuen Tiefpunkt.

Ihre Füße pochten vor Schmerz, ihr Rücken zog schlagartig so arg fies, dass sie sich nach vorne lehnen musste, um Luft bekommen zu können.

„Was ist mit dir?", fragte Sasuke gepresst, als sie am Ende der Kirschbaumallee anhalten musste, um sich auf den Knien abzustützen. „Sollen wir eine Pause machen?"

Sakura öffnete nur ein Auge und sah zu ihm hinauf, aber sie brachte kein Wort hervor. Bereits im nächsten Augenblick sank sie einfach zu Boden, da ihre Beine unter den Qualen einfach nachgaben. Es war ihr Unterleib, er schmerzte so unfassbar, als stäche ihr plötzlich jemand mehrfach mit einem Messer hinein. Keinen Wimpernschlag später spürte sie Sasukes Arm um sich, der sie festhielt, damit sie nicht auf dem Boden aufschlug. Stöhnend umfasste sie schließlich ihren Bauch und krallte die Finger krampfhaft in die Haut hinein. Aber der Schmerz blieb.

Panik durchfuhr sie blitzartig, während ihr Atem unfassbar hektisch wurde. Schweißperlen traten an ihrer Stirn hervor. Was war plötzlich los? Den Druck, der so überraschend an ihrem Bauch zugenommen hatte, er schien so beengend, und er schrie danach, nach außen ausbrechen zu wollen.

„Ist es etwa so weit?", fragte Sasuke mit zusammengebissenen Zähnen und sah sich dann suchend um, als hoffte er, ein Krankenhaus würde einfach aus dem Boden wachsen.

„Nein", hauchte Sakura atemlos. „Das sind keine Wehen." Senkwehen hatte sie ja schon erlebt. Das aber war etwas völlig anderes. Sie schluckte und stöhnte dann quälend unter den Schmerzen in ihrem Unterleib auf. Ihr Körper drückte sich dabei automatisch hilfesuchend an Sasukes. „I-irgendwas stimmt nicht, Sasuke", stotterte sie hilflos und blickte verängstigt in die ebenso weit aufgerissenen Augen ihres Ehemanns. „Irgendwas stimmt nicht", wiederholte sie dann lauter, denn er hatte nicht reagiert.

Erst als sie im nächsten Augenblick unter dem Schmerz scharf Luft einsog, schien Sasuke aus seiner Schockstarre gerissen zu werden.

Sakura biss die Zähne aufeinander und vergrub die Finger in Sasukes Oberteil, voller Hoffnung, dass ein Teil ihres Schmerzes darin übergehen könnte. Es fühlte sich so unerträglich an, als schlitze sie jemand von innen auf.

Was Sasuke in diesen Momenten fühlte oder tat, bekam Sakura nicht mehr mit; der Schmerz lähmte sie. Er pochte ihr schlagartig so penetrant im Ohr, dass ihr schwindelig und dann kalt und heiß zugleich wurde. Das Einzige, was sie jetzt noch konnte, war, auf den Boden zu starren und zu hoffen, dass sie ohnmächtig werden würde oder der Schmerz nachließe.

Sie waren doch noch viel zu weit von Konoha entfernt, schoss es Sakura durch den Kopf. Aber sie musste zu Shizune. Oder zu Tsunade. Sie würden wissen, was nicht stimmte.

Als Sasuke seinen Griff verstärkte und Sakura spürte, wie er ihren Körper in die Höhe hob, wurde sie endlich ohnmächtig.

Als es ihr gelang, die Lider ein Stück weit aufzuschieben, meinte sie ein violettfarbenes Glitzern erkennen zu können. Sasukes Augen, die ruckartig zu ihr hinabsahen, leuchteten so penetrant rot, dass Sakuras Augen schmerzten. Aber ehe sie sich sicher sein konnte, dass sie nicht träumte, spürte sie wieder diesen schrecklichen Schmerz und verlor erneut das Bewusstsein.

„Leg sie hier hin, Sasuke."

Als Sakura etwas Weiches in ihrem Rücken spürte, versuchte sie abermals die Augen aufzuschlagen. Jedoch war ein Blinzeln das Einzige, was sie in diesem Moment fertigbringen konnte. Dabei erhaschte sie mehrere Silhouetten, die um sie herumwirbelten. Wo war sie? Wo hatte Sasuke sie hingebracht?

Als Sakura beim nächsten Mal erwachte, ging es ihr überraschenderweise wesentlich besser. Sie lag flach auf einer Arztliege und blickte an sich hinab. Sofort stach ihr der Zugang an ihrem rechten Arm ins Auge, und kurz darauf vernahm sie das regelmäßige Piepen eines Gerätes. Sie blinzelte den Schleier von ihren Augen fort und sah sich danach um. Das Geräusch ertönte links von ihr.

Als sie eine warme Hand auf ihrer vernahm, wandte sie den Kopf sofort zur anderen Seite. Es war Sasuke, der eine ziemlich ernste Miene aufsetzte. In seinen tiefschwarzen Augen stand eine Art von Sorge, sie Sakura noch nie erlebt hatte. Es ging ihm nicht sonderlich gut, das erkannte Sakura sofort. Aber wieso war er so betrübt?

„Was ist mit dir, Liebling?", hauchte Sakura leise. Dann schnellte ihr Herzschlag in die Höhe, als sie sich daran erinnerte, was passiert war. „Sag nicht, dass..." Tränen sammelten sich in ihren Augen. Das konnte nicht sein. Sie konnte es nicht aussprechen. Es würde sie umbringen.

„Ssschhhh", machte Sasuke dann und zwang sich zu einem müden Lächeln. „Es ist alles in Ordnung", erklärte er leise. „Das ist sein Herzschlag." Sasuke deutete auf das Gerät, welches auf der anderen Seite vom Bett stand. Da war ein CTG-Gerät und es machte die Herztöne des Kindes hörbar.

Sakura stockte der Atem, als sie dem kräftigen Herzschlag ihres Kindes lauschte. Tränen der Erleichterung strömten ihr die Wangen hinab und schniefend wischte sie diese rasch mit dem Ärmel fort. Es war alles in Ordnung. Dann sah sie sich wieder um. Sie befanden sich in einem Raum. Es gab keine Fenster und nur eine Tür. Das einzige Licht kam von einer Stehlampe, die sich neben Sakura auf dem Beistelltisch befand.

Ehe sie die Frage in den Mund nehmen konnte, wo sie sich überhaupt befanden, schwang die Tür auf und Karin kam hereingelaufen.

Als sie bemerkte, dass Sakura wach war, lächelte die Frau erleichtert. Sie befanden sich also in Orochimarus Versteck, schloss Sakura daraus.

„Sakura, endlich bist du wach", rief sie und trat zu ihr ans Bett. „Du hast mir einen ultimativen Schrecken eingejagt."

„Karin", hauchte Sakura und versuchte ihren Oberkörper in die Höhe zu hieven. Als ihre Arme unverhofft nachgaben, fing Sasuke ihren Sturz ab. Karins Hände fuhren dann flink unter die Kopflehne, um diese so zu verstellen, dass sich Sakuras Oberkörper in einer etwas aufrechteren Position befand.

„Danke", flüsterte Sakura. So würde sie sich unterhalten können, ohne dabei ständig den Kopf anheben zu müssen. Der Schmerz, den Sakura abermals in ihrem Unterbauch identifizierte, war noch immer präsent, aber absolut nicht mit den Schmerzen zu vergleichen, die sie bis in die Besinnungslosigkeit getrieben hatten.

„Du bist etwa in der 36. Schwangerschaftswoche würde ich schätzen, Sakura", stellte Karin fest, als sie mit dem Ultraschallgerät den riesigen Bauch abfuhr.

„Mhm", machte Sakura und starrte auf den Bildschirm des Gerätes. Eine Schwangerschaft ging ja eigentlich bis zu 40 Wochen. Damit wäre es noch etwas zu früh für das kleine Wesen, dessen Silhouette die Eltern zum ersten Mal auf einem Bildschirm sehen konnten.

Bei dem Anblick des kleinen Köpfchens, der kleinen Finger, die man einzeln abzählen konnte, schlug Sakura das Herz höher. Als sie blind nach Sasukes Hand tastete, und ihn daraufhin ansah, schien er ebenso die Luft anzuhalten und förmlich erstarrt zu sein.

„So ein Pech aber auch. Es liegt so ungeschickt, ich kann nicht sehen, ob es ein Junge oder Mädchen ist", sagte Karin enttäuscht. Saura schüttelte darüber nur schwach den Kopf. Das war doch völlig unwichtig.

Nachdem Karin das Gerät wieder abgeschaltet hatte, blickte Sakura besorgt an ihrem Bauch hinab und legte eine Hand darauf ab. Dann hörte sie Sasuke schwer ausatmen. „Was ist mit ihr?", wollte er wissen. „Waren das Wehen?"

„Nein, keine Wehen.", Karin schüttelte heftig den Kopf. Ihr Gesicht wurde ernst, ehe sie weitersprach. „Ich vermute, dass Sakura zu viel Fruchtwasser produziert. Das ergibt übrigens auch die Messung des Fruchtwasser-Indexes. Dieser gibt quasi die Menge an."

„Und was bedeutet das nun?", fragte Sakura besorgt.

Karins angespanntes Seufzen hinterließ ein beengendes Gefühl in Sakuras Brust. „Man spricht von einem Polyhydramnion, auch Fruchtwassersucht genannt", erklärte sie gefasst. „Meistens verläuft das asymptomatisch, also die Betroffenen bemerken gar nichts. Andere spüren starke Schmerzen im Unterbauch und einen unangenehmen Druck, der vom gesamten Bauch ausgeht. Rückenschmerzen und allgemeine Kreislaufprobleme gehören ebenfalls zu den Symptomen, werden aber selten mit der Fruchtwassersucht in Verbindung gebracht."

Sakura biss die Zähne aufeinander. „Und wieso tritt das ausgerechnet bei mir auf? Was habe ich falsch gemacht?"

„Beruhig dich, Sakura", sagte Karin nachdrücklich und schob ihre Brille auf dem Nasenbein hinauf. „Du kannst nichts dafür. Es tritt bei einigen Frauen auf, bei anderen eben nicht. Da kann man nichts machen."

„Ist das nun gefährlich?", mischte sich Sasuke jetzt ein.

„Kommt darauf an." Karin senkte den Blick, als wollte sie den Blicken der beiden ausweichen. Sakuras Fingernägel krallten sich tief in Sasukes Haut.

„Was heißt das, Karin?" Sakura wurde ungeduldig.

„Bleib ruhig, Sakura", sagte sie und atmete tief ein. „Auf den ersten Blick kann ich keine Missbildungen oder anderweitige Schädigungen erkennen. Du musst ruhig bleiben. Der Druck auf die Fruchtblase ist zu hoch. Deine Aufregung könnte zu einem frühzeitigen Blasensprung führen. Und das Kind sollte noch ein wenig darin verbleiben, es ist noch nicht tief genug ins Becken gerutscht. Hattest du schon Senkwehen?"

„Missbildungen?", quiekte Sakura entsetzt. Karins Frage hatte sie überhaupt nicht mehr gehört. Schädigungen? Etwa irreversible? Im Gehirn? Was genau meinte sie damit? Panisch sah sie in Sasukes Augen, dessen Blick ebenso überfordert von Sakura zu Karin wechselte.

„Um Himmels Willen, beruhigt euch", sagte Karin und fuchtelte mit den Händen in der Luft. „Es wird schon nichts sein. Sakura scheint sich in diesem Zustand noch nicht sehr lange zu befinden. Gut, dass ihr hier seid."

Karins Worte linderten Sakuras Angst leider nur mäßig. Was wäre, wenn der Druck der Fruchtblase die Versorgung des Kindes beeinträchtigte? Sie mussten schnellstens etwas unternehmen.

Aufmunternd lächelte Karin Sakura jetzt an und berührte ihre Schulter. „Ohne Weiteres ist das Kleine lebensfähig. Deine Fruchtblase ist noch intakt. Mach dir keine Sorgen, Sakura. Hattest du schon Senkwehen?", fragte sie erneut.

Einfacher gesagt als getan, dachte sie. „Äh ja", antwortete Sakura knapp.

„Sehr gut. Danach sah es auch aus. Aber es braucht noch etwas Zeit, um vollständig ins Becken zu rutschen. Ihr solltet überlegen, ob ihr nicht lieber hierbleiben wollt. Es wäre zu riskant, weiterzureisen."

Als es klopfte, sahen alle drei zur Tür.

„Was willst du?", keifte Karin unfreundlich in Richtung Tür.

Die Tür schwang auf und Suigetsu stand mit zugekniffenen Augen davor. „Ist es schon da?", fragte er, und hielt eine Schüssel mit dampfendem Wasser vor seinen Körper. Am Arm trug er ein gefaltetes Handtuch.

„Du Trottel. Ich habe doch gesagt, dass es noch nicht so weit ist."

„Achso." Er schlug die Augen auf und grinste. „Dann habe ich ja noch nichts verpasst."

„Was willst du mit dem Wasser?", fragte sie skeptisch und trat mit verschränkten Armen vor ihn, um ihn wohl am Eintreten zu hindern.

„In Filmen habe ich gesehen, dass man so etwas bei einer Geburt br-."

Karin hatte ihm kurzerhand die Tür vor der Nase zugeschlagen.

„Eeey", hörte man ihn hinter der Tür protestieren. Karin stöhnte genervt und fasste sich an den Kopf. „Ich wollte doch noch fragen, ob ich mir das ansehen darf", rief er durch die Tür.

„Ignoriert ihn einfach", murmelte sie und schüttelte den Kopf.

„Bitte. Sasuke", begann er zu flehen. „Wir sind doch alte Kumpels. Ich wollte so was schon immer mal echt miterleben."

Oh bitte nicht. Flehend sah Sakura zu Sasuke. Der ignorierte Suigetsu aber so gekonnt, als hätte er ihn nicht gehört.

„Suigetsu, was läuft eigentlich falsch bei dir? Wenn du nicht sofort gehst, dann weißt du gleich nicht, wie eine Geburt abläuft, sondern wie sie sich anfühlt."

Mit einem Mal war es totenstill. Und nach einer weiteren Minute hört man ihn auf dem Gang davonschlurfen und etwas laut murren: „Man kann ja wohl noch nachfragen."

„Bin ich eigentlich nur von hirnlosen Trotteln umgeben?" Karin seufzte erst und widmete sich dann wieder Sakura. „Du solltest dich entspannen, Sakura. Jede kleinere Aufregung könnte dazu führen, dass die Fruchtblase platzt. Euer Kind liegt noch nicht in der richtigen Position, und das könnte durchaus zum Problem werden. Außerdem würde ich dazu raten, dass wir auf der Stelle etwas Fruchtwasser ablassen, um das zu umgehen. So können wir den Druck reduzieren, er erscheint mir doch recht hoch."

„Und das ist ungefährlich? Kannst du das überhaupt?" Sakura sprach aufgeregt und schnell, und es fiel ihr wirklich nicht leicht unter dieser emotional belastenden Situation die Nerven zu behalten. Schlimmstenfalls drohte schließlich das Leben ihres Kindes ihren Fingern zu entgleiten.

„Natürlich kann ich das", sagte Karin und nickte selbstsicher.

„Und wie funktioniert das?"

„Mit einer Spritze, Sasuke."

„Und das ist wirklich ungefährlich?"

„Ich sagte doch, dass ich es kann. Risiken bestehen natürlich immer."

„Was wäre die Alternative?"

„Warten, bis das Baby vollständig in das Becken rutscht, damit es problemlos geboren werden kann. Dann könnten wir es holen. Das ist jedoch noch nicht der Fall, deshalb sollten wir einen Blasensprung unbedingt vermeiden."

„Und was ist, wenn vorher ein Blasensprung eintritt?", fragte Sakura angespannt.

„Dann könnte die Nabelschnur vor den Kopf des Kindes rutschen", antwortete Karin langsam und bedacht. „Das könnte gefährlich werden. Muss es aber nicht."

Sakuras Augen weiteten sich und die beiden Eltern wechselten einen entsetzten Blick. Sakura Hals wurde urplötzlich staubtrocken und als sie nach einem Wasserglas tastete, dass sie zuvor auf dem Tisch hatte stehen sehen, reichte Karin es ihr entgegen. An so etwas wollte sie jetzt nicht denken.

Karin schob das Ultraschallgerät beiseite und sah dann Sasuke an. „Würdest du mir vielleicht helfen?", fragte sie. „Ungern würde ich Suigetsu näher einweihen, sonst nervt er wieder. Wir sollten das Fruchtwasser so schnell wie möglich reduzieren. Danach könnt ihr euch dann ausgiebig ausruhen."

Unentschlossenheit erkannte Sakura in dem Blick ihres Ehemannes, als Karin ihm diese Frage stellte; er wollte sie nicht allein lassen. „Ist schon in Ordnung", erklärte sie daraufhin und drückte seine Hand schwach. „Ich mache kurz die Augen zu."

Sasuke nickte langsam und folgte Karin anschließend durch die Tür. Kurz darauf fielen der baldigen Mutter vor Erschöpfung, die sie einfach überkam, die Augen zu.

Für einen Augenblick hatte Sakura wirklich daran geglaubt, sich entspannen zu können, aber urplötzlich, als hätte jemand einen Schalter an ihr betätigt, liefen ihr die schlimmsten Szenarien durch den Kopf. Das Kind könnte bei der Geburt von der Nabelschnur stranguliert werden und ersticken. Sakura wurde bei dem Gedanken schlecht. Sie riss die Augen auf und packte nach der Nierenschale, die sie ebenso auf dem Beistelltisch gesehen hatte, um sich darin zu übergeben. Ihre Augen tränten davon, als sie aufsah und ihr das nächste Szenario durch den Kopf ging. Was wäre, wenn mit dem Kind etwas nicht stimmen würde? Wenn es nicht lebensfähig wäre, außerhalb ihres Körpers und unmittelbar nach der Geburt verstarb. Sofort schlang sie die Arme um ihren Oberkörper und begann zu zittern. Ehe Sakura registrieren konnte, dass sie an einer Panikattacke litt, um sich wieder zu beruhigen, flatterte ihr Herz. Ihr Atem ging viel zu flach und ihre Hände schwitzten plötzlich so unglaublich, dass ihr die Nierenschale aus der Hand glitt und zu Boden fiel. Das fiese Stechen kehrte schlagartig zurück und sie konnte nur Sasukes Namen hauchen, der sie ja nicht hören konnte, da er vor wenigen Minuten mit Karin das Zimmer verlassen hatte. Panisch sah sie sich um und bildete sich plötzlich ein, dass die Wände auf sie zukamen. Was war hier nur los? Würde der Raum ihr Baby und sie nun zerdrücken? Wo waren die anderen nur? Kopflos fuhr sie hoch, um nach ihnen suchen zu wollen. Sie versuchte aufzustehen, schrie aber atemlos auf und fiel zurück auf die Liege, als der Schmerz sie so sehr durchfuhr, dass ihr Unterleib in Feuer zu stehen schien. Mit ihrem Arm erwischte sie dabei das Inventar des Beistelltisches, welches laut scheppernd zu Boden fiel.

Nur wenige Sekunden später ging die Tür einen Spalt weit auf und Suigetsu spähte hinein.

„Was ist das für ein Krach?", fragte er und schob die Tür dann weiter auf. „Macht ihr jetzt 'ne Babyparty ohne mich?"

Als er aber die hechelnde und schwitzende Sakura erblickte, wurde er schlagartig noch bleicher, als er es ohnehin schon war.

Der Raum drehte sich um Sakura und als er endlich stoppte, war Suigetsu verschwunden. Wo war er, verdammt? Wieso hauten alle ab?

Als Sakura nun mit der Hand unter ihren Po tastete, stockte ihr der Atem. Alles war feucht und warm. Schnell zog sie die Hand zurück, und biss sich panisch in die Faust. Noch nie in ihrem Leben hatte sie eine solche Angst verspürt. Verdammt, verdammt, rief sie innerlich immer und immer wieder.

Tränen stiegen ihr in die Augen, bis ihre Panik von einem anderen Schmerz abgelöst wurde, auf den sie nicht vorbereitet war. Schlagartig presste er ihr die gesamte Luft aus dem Körper. Das war eine Wehe, dachte sie panisch, als diese nachließ.

Dann wurde endlich wieder die Tür aufgerissen. Sasuke kam voran, danach Karin und dann Suigetsu. Sie alle drei versammelten sich um die Liege und Sakura fixierte Sasuke mit aufgerissenen Augen, der fassungslos, genau wie die anderen, mit ansehen musste, wie das Fruchtwasser viel zu früh zu Boden tropfte.

Dass Karin ihr das kalte Gel auf den Bauch gespritzt hatte, bemerkte Sakura erst, als diese die Sonde über ihren Bauch führte, und angespannt auf den Bildschirm starrte. Sasuke stand währenddessen noch wie versteinert da und starrte auf die Pfütze unter der Liege.

„Was ist passiert?", fragte Karin aufgelöst, als sie erneut die Sonde auf Sakuras Bauch drückte und sich auf den Bildschirm des Ultraschallgerätes fixierte.

„I-i-i-ch weiß es n-icht. Ich ... m-meine ...", antwortete sie stotternd und begann dann laut zu schluchzen. Was sollte sie sagen? Dass ihre Vorstellungen sie gefoltert hatten? Dass sie den Gedanken, ihrem Kind könnte etwas zustoßen, nicht aushalten konnte?

„Ist schon gut, Sakura", sagte Karin beruhigend. „Der Druck auf die Fruchtblase war wohl einfach zu hoch. Jetzt ist es eh egal."

Nervös biss Sasuke sich auf die Unterlippe. „Und ... jetzt ?", fragte er endlich.

Karin schob selbstbewusst die Brille über das Nasenbein zurück, sodass sie wieder ordentlich saß, und sah Sasuke mit einem ernsten Ausdruck an. „Jetzt bringen wir dein Kind zur Welt, Sasuke Uchiha."

༻❀༺


Freunde der Sonne,

zunächst: Ich bin absolut kein Experte, was Schwangerschaften oder Geburten angeht Seid diesbezüglich etwas nachsichtig, dies hier ist eine Geschichte und natürlich habe ich einiges auch zu meinen Gunsten gedreht. Sicher würde das alles etwas anders ablaufen, wie ich es dargestellt habe und auch noch im nächsten Kapitel ausführen werde.

Und da ich kein Unmensch bin und mir gut vorstellen kann, dass dieses Ende des Kapitels ein wenig unzufriedenstellend sein könnte, würd' ich das nächste wohl schon am Mittwoch in den Ring geben. Etwa gegen 16/17 Uhr ;)

Fest steht nun, dass die Geschichte an einem Stück bis zum Ende geführt, ich habe in meinem Urlaub wirklich unglaublich viel geschafft, bräuchte davon jetzt eigentlich nochmal ein paar freie Tage mehr

Danke dir, liebe Jenny, für deinen unglaublichen Fleiß. Jetzt drücke ich dir erstmal die Daumen für deine Prüfungsleistung (:
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