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Unsere Bestimmung - Sakura & Sasuke (Part 3)

von JuliTales
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Het
Naruto Uzumaki Sakura Haruno Sarada Uchiha Sasuke Uchiha
29.01.2021
12.02.2022
43
192.131
31
Alle Kapitel
59 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
01.01.2022 3.727
 
Sasuke Pov


༻✾༺


Es war Winter. Der Wind eisig und Sasukes Füße wurden allmählich eiskalt. Aber das störte ihn nicht wirklich.

Sakura und Sasuke waren in den vergangenen Tagen so weit in den Norden gewandert, dass es nur noch eine Frage der Zeit war, bis Schnee fallen würde. Sasuke könnte darauf zwar gut verzichten, Sakura sprach jedoch häufiger den Wunsch aus, im Schnee herumlaufen zu können. So verlockend der Gedanke für seine Ehefrau auch sein mochte, Sasuke hingegen empfand das grelle Leuchten des Schnees im Sonnenlicht als eher lästig. Schnell schmerzten ihm davon die Augen.

„Weißt du überhaupt, weshalb Schnee weiß ist?“, hatte sie ihn einmal gefragt und Sasuke hatte den Kopf geschüttelt. „Na ja, Schnee besteht ja aus Eiskristallen. Aus gefrorenem Wasser. Und diese reflektieren das gesamte Spektrum des Sonnenlichts, weißt du? Mischt man alle Farben des sichtbaren Lichts, dann addieren sich die Wellenlängen zu Weiß. Das nennt man additive Farbmischung. Ein Körper muss erst eine Wellenlänge absorbieren, damit das menschliche Auge eine Farbe wahrnehmen kann. Dabei spricht mach wiederum von einer subtraktiven Farbmischung, da die sichtbaren Wellenlängen zunehmend absorbiert werden und dann jeweils eine bestimmte Farbe reflektiert wird, die wir sehen können.“

Anerkennend hob Sasuke die Augenbrauen. „Woher weißt du das nun wieder? Ist das nicht Physik? Auf der Akademie haben wir doch nur Flugbahnen und Geschwindigkeiten berechnet, oder nicht?“ Sakura war schon immer sehr talentiert darin gewesen, sich Wissen nachhaltig anzueignen.

„Ja und nein. Eigentlich auch etwas Chemie, da …“, sie brach den Satz ab und sah verlegen zur Seite weg. „`Tschuldige, das interessiert dich sicherlich gar nicht.“

Schnell schüttelte Sasuke den Kopf. Sie sollte ruhig erzählen, auch wenn er sich wohl kaum etwas davon merken, geschweige denn verstehen würde. Und wie geahnt sprengte Sakuras Universum des Wissens sein geringes Chemie-Genin-Wissen dermaßen, dass er sich richtig ungebildet fühlte. Aber er verstand einfach kein Wort, als sie von farbgebenden Pi-Elektronen, Chromophoren und großen Molekülbereichen sprach. Sakuras Wissen konnte wirklich einschüchternd auf einen wirken.

Jedenfalls gab es in Konoha nur selten Schnee. Die Winter in ihrem Heimatdorf waren überwiegend zu mild, als dass sich Schneewolken bilden konnte. Zudem war die kalte Zeit kurz. Das Land des Feuers wurde eben überwiegend von den wärmeren Jahreszeiten beherrscht, was Sasuke nur entgegenkam.

Zwei Tage später, als der Schnee endlich vom Himmel fiel, drehte sich Sakura mit ausgestreckten Armen freudig im Kreis. Sasuke hatte nur danebengestanden, innerlich geschwitzt und aufgepasst, dass sie dabei nicht ausrutschte. Mittlerweile war ihr Bauch groß. So groß, dass sie einfach wie ein nasser Sack unkontrolliert umfallen würde, bewegte sie sich im rutschigen Schnee ungeschickt. Das machte Sasuke glatt verrückt.

Am Morgen darauf erreichten sie eine verlassene Jagdhütte, in der sie vorerst ihr Quartier aufschlugen. Schnell stellte sich aber heraus, dass die Hütte im Winter nicht genutzt werden konnte, denn sie war an diversen Stellen undicht. Kurzerhand, obwohl er ja von Handwerken wenig Ahnung hatte, stopfte Sasuke die Löcher in den Wänden erfolgreich und das wärmende Feuer im Kamin nahm die Hütte rasant ein. Bereits nach zwei Tagen fühlten sich die beiden in dieser Einsamkeit geborgen und beschlossen daher, eine Weile hier zu verweilen. Niemand wusste schließlich, dass sie sich hier aufhielten.

Seit Monaten war es sehr still um Mangetsu geworden. Kakashi hätte Sasuke über außergewöhnliche Ereignisse umgehend informiert, und so ging er davon aus, dass ihr Feind sich bewusst zurückgezogen hatte. Sakura hoffte dagegen, dass Mangetsu einfach gestorben sei. Schließlich war er doch uralt. Daran glaubte Sasuke allerdings nicht.

An einem Tag teilte Sakura ihm mit, dass sie mit dem Gedanken spielte, von hier aus direkt zurück nach Konoha zu gehen, um ihr gemeinsames Kind in ihrer Heimat zur Welt zu bringen. Da er ihre Intention dahinter verstand, sich und das Kind in einer sicheren und bekannten Umgebung zu wissen, wollte er sich Zeit nehmen, um darüber ausgiebig nachzudenken. Bereits in etwa zwei Monaten würde es nämlich schon so weit sein. Die Geburt stand praktisch vor der Tür und sie mussten sich langsam darauf einigen, wo das Ganze stattfinden sollte.

In den nächsten Wochen, in denen sie einsam und abgeschieden im Wald lebten, versorgte Sasuke sie mit Nahrung, die der Wald im Winter hergab. Und das war tatsächlich mehr, als er zuvor angenommen hatte. Die Hütte, in der die lebten, setzte sich aus zwei voneinander getrennten Räumen zusammen: Ein kleines Bad, ohne fließend Wasser, und einem größeren Raum, der eine kleine Küche und Schlafbereich umfasste. An dem kleinen und alten Tisch aus Holz, der an einem der Fenster stand, nahmen sie täglich ihr Essen zu sich. Der Kamin war zumeist für die abendlichen Stunden vorgesehen. Manchmal saßen sie einfach nur nebeneinander davor und Sakura las in einem ihrer neuen Bücher, die sie bei Gelegenheit in den Dörfern kaufte. Die alten verschenkte sie zumeist, denn sonst würde sie längst einen unglaublichen Stapel an Büchern mit sich tragen. Manchmal legte Sasuke aber auch einfach nur seine Hand auf den Bauch seiner Frau und zog sie an sich, wenn ihm danach war. Und obgleich es unmöglich war, zu übersehen, dass Sakura schwanger war, konnte er noch immer nicht glauben, bald Vater zu werden. Zudem schätzte er es sehr, dass sie sowohl gemeinsam schweigen, als auch sich unterhalten konnten. Wobei Sakura meistens den Ton dabei angab. Aber das war gut so. Mit ihr war alles einfach so ungezwungen.

An einem anderen Tag, an dem es mal nicht schneite und der Himmel tiefblau erstrahlte, entfernte Sasuke sich ein Stückchen weiter als gewöhnlich von der Hütte, auf der Suche nach neuen essbaren Pflanzen.

Der gesamte Wald erschien in einem strahlenden Weiß, als hätte jemand die Natur einfach in einen Farbtopf getunkt. Jeder einzelne Ast war gefroren, überzogen von feinen Eiskristallen, die, wie er ja nun von Sakura wusste, das gesamte Sonnenlicht reflektierten und einen perlenartigen Glanz erzeugten.

Vor einer kleinen Höhle wurde Sasuke auf eine Menge Sträucher mit essbaren Beeren aufmerksam. Erst als er die ersten vom Ast pflückte, begann er sich darüber zu wundern, dass die Blätter mitten im Winter so saftig grün erschienen. Schnell stellte sich heraus, dass sich in der Höhle eine unterirdische heiße Quelle befand und diese den Erdboden rings um die Höhle erwärmte, sodass die Pflanzen in der Nähe gedeihen konnten. Eilig füllte er den Korb, den er bei sich trug, und legte sich auf einem der Bäume auf die Lauer, um nach einem Tier zu jagen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Wildtiere hier nach Nahrung suchen würden, war groß.

Das Rascheln eines Buschs ließ ihn schließlich nach seinem Kunai greifen und zum Abwurf ansetzten. Hoffentlich würde gleich ein Wildschwein oder ein Fasan hervortreten, schoss es ihm durch den Kopf. Aber ein Hase wäre ebenso brauchbar. Aber weder das eine, noch das andere trat ein.

Murrend musste er beobachten, wie ein schmächtiger blauer Vogel aus dem Gebüsch hüpfte. Da war kaum was dran, dachte er, das reichte niemals, selbst nicht für eine Person.

Erst wartete Sasuke darauf, dass der Vogel wieder zurück ins Gebüsch sprang oder fortflog. Als er sich aber müde in den Schnee fallen ließ, zog Sasuke die Augenbrauen zusammen. Was war mit dem Vogel?

Mit einem Satz sprang er vom Baum und landete fast lautlos wenige Meter vor dem Tier. Es sah wirklich außergewöhnlich aus; es musste also ein seltener Vogel sein. Sasuke trat näher. Sein Bauch war orangefarben getupft, sein Gefieder eisblau und sein Schnabel war fein und lang.

Erschrocken über Sasukes Auftauchen sprang der Vogel auf seine dünnen Beinchen und begann panisch mit den Flügeln zu flattern. Und da erkannte Sasuke das Dilemma. Sein einer Flügel, er war gebrochen. Aus diesem Grund konnte der Vogel nicht abheben und fiel stattdessen kopfüber in den Schnee, was zugegebenermaßen wirklich ulkig aussah. Dann drehte er sich rasch von Sasuke fort, mit dem Hintern voran, als würde er davon ausgehen, so unsichtbar zu sein.

Erneut überrascht über diese pure Naivität des Tierreichs, zog Sasuke abermals in Erwägung, ob man den Vogel nicht doch essen konnte. Aber seine Intuition bremste ihn auch bei diesem Mal. Das äußere Erscheinungsbild des Tieres deutete einfach zu sehr darauf hin, dass es ein seltenes war. Höchstwahrscheinlich war es sogar vom Aussterben bedroht. Sakura nahm solche Themen sehr ernst, und sie würde ihm die Hölle heiß machen, brachte er ihr diesen Vogel tot, um ihn in den Suppentopf zu schmeißen.

Mit dem Korb Beeren in der Hand fuhr Sasuke um und ließ den Vogel hinter sich zurück. Sie hatten noch genug Fleisch für ein, zwei Tage. Morgen oder übermorgen würde er erneut losgehen und versuchen, etwas zu finden.

Ein panisches Piepsen, das einem Hilfeschrei glich, ließ Sasuke alarmierend umfahren. Da war ein Fuchs, ganz dicht an dem Vogel. Unentschlossen wippte Sasuke vor und wieder zurück und starrte den Räuber an, der sich dem ängstlichen Vogel langsam aber sicher näherte. Im allerletzten Augenblick zog er sein Kunai und jagte es in den Schnee, direkt vor den Füßen des Fuchses, ehe er abspringen konnte. Aufgeschreckt davon suchte das Tier sofort das Weite.

Hervorragend, dachte Sasuke genervt und trat näher an den Vogel heran. Er würde sterben, ließe er ihn hier zurück. Er zögerte, bückte sich dann aber doch und nahm den Vogel auf, nachdem er den Korb in seine Armbeuge rutschen ließ. Wenn er eines wusste, dann, dass Sakura fragen würde, ob etwas Sonderbares vorgefallen wäre. Und er würde nicht lügen können. Und sicher würde sie wütend werden, wenn sie hörte, Sasuke hätte ein verletztes Tier zurückgelassen, welches wohlmöglich sogar vom Aussterben bedroht sein könnte.

Ich bin doch Arzt, würde sie sicher in einem Rausch von Hilfsbereitschaft sagen, wieso hast du ihn mir nicht gebracht?

Seufzend platzierte Sasuke den kleinen Vogel unter seinem Mantel. Er wehrte sich weder, noch gab er einen Laut von sich. Sein rasendes Herzchen verriet aber unverkennbar, dass ihn die Situation ziemlich gestresst hatte. Mit dem Korb in der Armbeuge und dem Vogel an der Brust stapfte der Retter durch den Schnee zurück, bis er die Hütte erreichte.

Als er eintrat, saß Sakura am Tisch und schrieb etwas in ihr Buch, welches sie seit ihrer Reise ständig mit sich trug. Bisher hatte er nicht dingfest machen können, welche Funktion dieses Stück für seine Frau erfüllte. Sie schrieb in den unterschiedlichsten Situationen etwas hinein, und so war es sicherlich ein einfaches Notizbuch.

„Oh", stieß sie verblüfft aus, als ihr Blick den Vogel in Sasuke Hand fixierte. „Ein Eisvogel." Rasch sprang sie auf und nahm ihm Sasuke aus der Hand.

„So nennt man diese Art?", erkundigte sich Sasuke.

„Ja genau.“ Vorsichtig setzte Sakura den Vogel auf dem Tisch ab. Mit beiden Händen hielt sie ihn erst umschlossen, entfernte die Finger aber zunehmend, als sie bemerkte, dass er keinen Anstalt machen würde, zu fliehen.

„Ist er vom Aussterben bedroht?", wollte Sasuke wissen.

„Der Eisvogel?“ Sakura drehte sich zu ihm um und lächelte. „Nein. Nicht, dass ich wüsste. Wieso interessiert dich das?"

Sasuke zuckte mit den Schultern. „Ich meine nur, er sieht so besonders aus und ist verletzt. Sein einer Flügel scheint nicht in Ordnung zu sein."

Sakura zog eine Augenbraue in die Höhe. „So? Aber ich bin doch keine Tierärztin“.

Nach dieser Aussage kam Sasuke sich urplötzlich albern vor, den Vogel mitgebracht zu haben, denn natürlich war sie keine Tierärztin. „Aber … sonst wäre er doch gestorben. Da war ein Fuchs … und …“, versuchte er sich zu verteidigen.

Sakura blinzelte nur irritiert.

„Vielleicht ... können wir ihn kochen?", schlug Sasuke schnell vor.

Sakuras riss entsetzt die Augen auf. „Spinnst du? Jetzt hast du ihn hergebracht, damit ich ihm helfe, und dann willst du ihn in den Kochtopf schmeißen? Erzähl das bloß nie unserem Kind, Sasuke Uchiha.“

„Ich meine ja nur ... er ist doch nicht vom Aussterben bedroht. Und du bist keine Tierärztin“, fügte er unsicher hinzu.

„Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun“, murmelte sie kopfschüttelnd, was Sasuke nun gänzlich verunsicherte. Hatte er nun richtig gehandelt, oder nicht? „Ein solches Tier isst man nicht. Schau", sie deutete auf den Eisvogel und lächelte. „So ein hübsches Kerlchen. Ich glaube ... ich nenne ihn ... Blauer Blitz."

Sasuke runzelte irritiert die Stirn. Was war das denn wieder für eine Logik? Hasen fand sie doch auch niedlich, und trotzdem hatte sie das Fleisch gestern noch gegessen.

„Wieso Blauer Blitz?", fragte er schließlich und unterdrückte mühevoll den Drang, die Logik ihrer Entscheidung zu hinterfragen.

„Weil er schnell wie ein Blitz direkt aus dem Flug ins Wasser taucht, um sich Fische zu fangen", antwortete Sakura und betrachtete den Flügel des Vogels nun genauer, indem sie ihn vorsichtig anhob. „Natürlich nur, wenn die Flügel intakt sind."

Brav blieb das blaue Wesen sitzen und ließ die Untersuchungen über sich ergehen.

„Aha“, antwortete Sasuke und stellte den Korb mit Beeren auf dem Tisch ab.

„Ja, sein Flügel ist gebrochen“, stellte sie nach wenigen geschickt aussehenden Handgriffen fest. Dann murmelte sie etwas undeutlich zu sich selbst: „Aber wie richte ich den Bruch denn nur? Ich bin weder Ornithologin* noch Expertin für Vogelanatomie." Nachdenklich kratzte sie sich am Kinn, während sie überlegte.

Sasuke beobachtete seine Frau schweigend, nachdem er sich auf einen Stuhl am Tisch niedergelassen hatte. Ihre Ausdauer und das Einfühlungsvermögen beeindruckten ihn immer wieder von neuem. Egal wie verzwickt eine Situation auch zu sein schien, Sakura gab niemals auf.

Während sie am Vogel hantierte, wanderte sein Blick zu ihrem Bauch hinab. Sakura musste sich nicht mal großartig über den Tisch beugen, da stieß die große Rundung auch schon an den Tisch.

Sie beide hatten sich tüchtig verändert, dachte Sasuke. Sakura mehr äußerlich als innerlich. Ihr Haar war so lang geworden, wie er es noch nie gesehen hatte, und natürlich hatte sich ihr Körper gehörig verändert. Er war runder und fülliger als sonst, was durchaus ebenso seinen Charme hatte. Außerdem konnte man wohl behaupten, dass diese Reise sie beide reifer und erwachsener hatte werden lassen. Gemeinsam und miteinander hatten sie aufgrund des Erlebten und der gemeinsamen Zeit an Größe gewonnen. Es gab mittlerweile so viel, was sie beide eng miteinander verband. Und das, was ihr Band allezeit aufrechterhalten würde, trug Sakura liebevoll unter ihrem Herzen.

„Das Feuer, Sasuke." Sakuras gereizte Stimme riss ihn aus seinen Gedanken.

Aufs Wort gehorchte er und schmiss Holz im Kamin nach. Dass das Feuer ständig brannte, war enorm wichtig, denn es war ihre einzige Wärmequelle.

Nach einer weiteren Analyse des Flügels atmete Sakura schwer aus. Sie wirkte schlagartig niedergeschlagen und unentschlossen. „Ich kann nur den Versuch einer Richtung der Knochen vornehmen“, erklärte sie. „Dabei kann ich aber nichts versprechen. Wächst er falsch zusammen, dann wird der keine nicht mehr fliegen können.“

Innerlich schlug sich Sasuke die Hand an die Stirn. Er war so blöd gewesen. Hätte er den Vogel doch einfach sitzen lassen. Gefressen und gefressen werden. So läuft es doch in der Natur. Würde Sakura an der jetzigen Aufgabe scheitern, so wäre sie sicher unglaublich niedergeschlagen. Und das brauchte sie jetzt wohl am wenigsten.

Mit einem Stück Holz, das als Schiene diente, verband Sakura den Flügel nach bestem Wissen. Anschließend regte sie mit ihrem Chakra die Heilung der Knochen an.

„So, das wäre geschafft.“ Erschöpft strich sie sich über die Stirn. Sasuke war bereits häufiger aufgefallen, dass ihre Ausdauer in Bezug auf ihre Physis und ihr Chakra im Laufe der Schwangerschaft abnahm. Wohl ein Zeichen dafür, dass sie sich schonen sollte. „Jetzt braucht er nur was zu essen", meinte Sakura und sah Sasuke auffordernd an.

„Wir können ihm Beeren geben“, sagte er und deutete mit einem Nicken auf den Korb.

„Schöner Gedanke, aber das wird er nicht fressen. Er braucht Fisch."

„Bei diesen Temperaturen werde ich garantiert nicht in einen See springen", teilte Sasuke eindringlich mit.

„Kaulquappen oder Frösche gehen auch." Sakura schmunzelte verschmitzt.

„Lustig", meinte er trocken. Wo sollte er zu dieser Jahreszeit Frösche finden? Und Kaulquappen würde er schon gar nicht finden können. „Frisst er noch was anderes?"

„Insekten."

„Wir haben Winter, Sakura."

„Dann streng dich mal ein bisschen an, du hast ihn schließlich mitgebracht. Deren Larven sind auch in Ordnung. Willst du nun Eisbaden gehen oder lieber ein wenig in der Erde wühlen? Du hast die Wahl. Ich bin körperlich verhindert, wie du siehst." Sie deutete mit den Händen an sich hinab. „Sonst würde ich es ja selbst tun. Unserem Kind kannst du in den ersten Jahren auch keine Beeren oder Hasenfleisch servieren, wenn ich dich mal kurz alleine lassen muss."

„Wenn es so weit ist, dann haben wir Frühling. Ich suche ihm dann die besten Insekten", antwortete Sasuke.

„Bah“, machte Sakura und verzog angeekelt ihr Gesicht. Sasuke entfuhr ein amüsiertes Schnaufen.

„Insekten sind äußerst nahrhaft, enthalten viele Proteine. Das ist wichtig für den Muskelaufbau“, entgegnete Sasuke.

„Jaja", murmelte Sakura und winkte hektisch ab. „Genug. Sonst wird mir noch schlecht."

Kurz darauf wühlte er auch schon im Boden. Natürlich kam er sich dabei unglaublich dämlich vor, aber was hätte er sonst machen sollen? Den Vogel verhungern lassen? Oder Sakura auf dem Boden rumkriechen und nach Larven suchen lassen? Wohl kaum. Wenigstens war er so klug gewesen und hatte sich direkt zur Höhle begeben, denn dort würde der Boden einfacher zu durchwühlen sein, als im Rest dieses Waldes. Lange dauerte es nicht, und er wurde fündig. Sakura sagte ihm, er solle ruhig eine größere Menge mitbringen und vor der Tür stehen lassen, denn dann würden die Viecher einfrieren und sie hätten einen Vorrat.

Mit der Ausbeute, die Sasuke erwirtschaftet hatte, schien Sakura zufrieden zu sein. Kurz darauf verfütterte sie bereits die ersten fingerbreiten Larven an den blauen Vogel, der so gierig schlang, als hätte er seit Wochen nichts zwischen den Schnabel bekommen.

„Ob es sich so anfühlen wird?", fragte Sakura, während sie Blauer Blitz eine Larve nach der anderen anreichte.

„Was meinst du?"

„Na, wenn unser Kind da ist.“

„Wenn ich ihm Larven bringe, dann wird es mich wohl nicht gerade mögen“, erwiderte Sasuke und lehnte sich auf dem Stuhl zurück.

Sakura grinste schief und sah ihn an. „Ich bin mir sicher, es wird dich über alles lieben", sagte sie dann sanft und hielt dem Vogel eine neue Larve entgegen.

„Wenn du meinst“, murmelte Sasuke plötzlich unzufrieden und blickte abwesend ins Leere. Selbstverständlich war er heilfroh über Sakuras Liebe zu ihm. Ganz ohne Zweifel, denn ihm hätte nie etwas Besseres passieren können. Aber wenn er ehrlich war, verstand er selbst heute noch nicht so ganz, weshalb sie so für ihn fühlte. Andere hätten ihr ein bodenständiges Leben bieten können. Und was machte er? Er, als abtrünniger Ninja Konohas, schleppte seine Frau hochschwanger durch die Gegend, nur weil er der Vater ihres Kindes war, und es aus diesem Grund in Lebensgefahr schwebte. Das war doch verrückt.

Als hätte Sakura jeden einzelnen seiner Gedanken gelesen, wurde ihre Miene zunehmend finsterer. „Sasuke“, meinte sie dann streng und stemmte die Hände in die Hüften, nachdem sie aufgestanden war. Schwer schluckte er, denn Sakura sah in dieser imponierenden Position unglaublich bedrohlich aus. Und dann schien sie kein Blatt mehr vor den Mund nehmen zu können: „Hör auf, so negativ zu denken. Deine Einstellung ist nicht gut“, schrie sie ihn beinahe an. „Du hast dich verändert, du bist einer der gutherzigsten Menschen, die ich kenne. Du wirst ein wunderbarer Vater sein, und zwar genau so, wie du bist. Hörst du? Hör auf, dir immer wieder irgendwelche Ereignisse aus der Vergangenheit vor Augen zu rufen. Du hast bald ein Kind. Das ist wichtig. Nicht die Vergangenheit! Werde endlich erwachsen, Sasuke. “

Mit weit aufgerissenen Augen atmete Sasuke endlich aus, denn bis eben hatte sich die Luft in seinen Lungen gestaut. Das hatte gesessen.

Wütend drehte sich Sakura auf dem Absatz um und verschränkte die Arme vor der Brust. Ihr Gesicht hatte zunehmend an tobender Röte gewonnen und man konnte den Rauch aus ihrem Kopf quasi aufsteigen sehen. So sauer hatte Sasuke seine Ehefrau schon lange nicht mehr erlebt. Und dabei hatte sie in vielerlei Hinsicht recht.

„Ich brauche frische Luft“, sagte sie, griff grob nach ihrem Poncho und Schal, und stapfte in den Schnee hinaus.

Erschöpft sanken Sasukes Schultern, als sie die Tür so fest zuschlug, dass ein Teil des Schnees vom Dach fiel.

Als Sakura nach einer Weile wieder zurückkehrte - Sasuke hatte mit seinem schlechten Gewissen, Sakura unnötig belastet zu haben, keinen Finger rühren können - verhielt sie sich ungewohnt wortkarg. Erst fütterte sie den Vogel, den sie in einer Box mit Stroh verstaute, und bereitete dann etwas zu Essen zu.

Als sie am Abend zu Bett gingen, drehte sich Sakura endlich zu Sasuke um und sah ihm direkt in die Augen. Sasuke fiel dabei ein Stein vom Herzen. Er hatte schon befürchtet, sie würde ihn die nächsten Tage über ignorieren.

„I-ich wollte dich nicht so anschreien“, sagt sie niedergeschlagen. „Tut mir leid.“

„Es ist alles in Ordnung, Sakura“, flüsterte er und musterte genügsam ihr Gesicht. Dann lächelte er schief, um seine Frau wieder aufzumuntern.

„Du bist gut, genau so, wie du bist, Liebling“, nuschelte sie verschwommen in ihre Decke, um ihr röter werdendes Gesicht zu verbergen.

„Danke“, sagte Sasuke ehrlich, und sein Lächeln wurde etwas breiter, nachdem er die Lider gesenkt hatte.

Sakura konnte es jedoch nicht gesehen haben, denn sie vergrub ihr glühendes Gesicht noch viel tiefer in der Decke.

Nun waren sie schon so lange zusammen und sie brachte sein Herz noch immer zum Hüpfen, wie am ersten Tage. Genüsslich atmete Sasuke tief ein. Ihre Nähe tat einfach nur gut.

Nach etwa zwei Wochen ging es Blauer Blitz wieder so blendend, dass Sakura ihn freilassen konnte. Sein Flügel war so gut zusammengewachsen, dass sie es selbst kaum glauben wollte.

Und nach weiteren Wochen begann der Schnee endlich zu schmelzen. In Rekordzeit setzten sich die grünen Pflanzen auf dem trostlosen Winterboden des Waldes durch und übernahmen die Oberhand der Farbgebung.

Nun wäre es bald an der Zeit, aufzubrechen.


*Ornithologe: Ornithologie, auch Vogelkunde genannt. Ornithologen sind also Menschen, sie sich mit dem Aussehen, dem Körperaufbau und dem Verhalten von Vögeln beschäftigen und erforschen.

༻✾༺


Freunde der Sonne,

frohes neues Jahr wünsche ich euch! Mögen all eure Vorsätze in Erfüllung gehen
Ich habe keine :)

Und schon wieder ist ein Jahr rum. Der zweite Jahreswechsel dieser Geschichte! Das Thema dieses Kapitels, passend zur Jahreszeit, nur ohne Schnee (Bei mir zumindest!). Es tut gut, auch mal wieder ein wenig Ruhe in die Geschichte zu bringen, auch wenn es mir in den Fingern juckt.

Tatsächlich haben wir den Abend gestern ganz gemütlich Zuhause verbracht. Hoffentlich können wir im nächsten Jahr wieder größer feiern :)

Bleibt gesund und bis nächsten Samstag,

Eure Juli <3

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