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Unsere Bestimmung - Sakura & Sasuke (Part 3)

von JuliTales
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Het
Naruto Uzumaki Sakura Haruno Sarada Uchiha Sasuke Uchiha
29.01.2021
12.02.2022
43
192.131
31
Alle Kapitel
59 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
30.01.2021 6.304
 
Sakura Pov

༻❀༺


„Oh Gott sei Dank", rief Ino erleichtert, als Sakuras beste Freundin ihr unverhofft die Arme um den Hals schlang. Gerade noch vernahm sie das Klicken von Kakashis Bürotür, die Sasuke hinter ihnen ins Schloss zog, da war ihre blonde beste Freundin auch schon um die Ecke gesprungen. Sakura hatte Inos Gesicht nicht mal richtig erkennen können, so schnell bewegte sich ihre Freundin. „Ich habe alles stehen und liegen lassen, als ihr hörte, du wärest wieder da."

„Offensichtlich." Sakura lächelte schwach. „Du erdrückst mich Ino", presste sie nun unter der etwas zu leidenschaftlichen Umarmung ihrer Freundin hervor.

„Tschuldige", sagte Ino fröhlich und lachte. Ihr blumiger Duft stieg Sakura natürlich sofort in die Nase und versetzte sie für einen Atemzug lang in die guten alten Zeiten mit ihrer Freundin zurück. Sie hatte Ino wirklich vermisst.

Entschieden drückte diese Sakura nun sanft von sich, umfasste behutsam, aber gleichzeitig auch entschlossen, ihre Schultern und musterte sie besorgt. Inos Gesichtszüge wurden schließlich hart. Sakura schluckte schwer, denn Ino war sauer. Sehr sauer.

„Was machst du denn auch immer?", schrie sie Sakura jetzt an. Und erst nachdem Ino tief Luft einsog, sah sie auch endlich zu Sasuke auf. Er hatte sich direkt hinter Sakura platziert, ein wenig versetzt, sodass sie ihn nicht verdeckte.

„Und du", begann sie zornig und ließ von Sakura ab. Mit ihrem Zeigefinger stach sie etliche Male in die Luft, als wollte die Sasuke in Gedanken damit erdolchen. Gleichzeitig tanzte ihre Augenbraue vor Wut auf und ab. Ihr Mund ging währenddessen einige Male auf und zu, als ringe sie nach Worten.

Unauffällig linste Sakura zu Sasuke hinauf. Er verzog weder eine Miene, noch sagte er ein Wort. Mit einem gleichgültigen Ausdruck schien er geduldig abzuwarten, sein Blick ruhte auf Inos Gesicht. Und genau das schien Sakuras Freundin nur mehr anzustacheln.

Kurz stieß Ino einen kurzen Wutschrei aus und funkelte Sasuke böse an.

„Kannst du nicht besser auf sie aufpassen?", rief sie aufgebracht. „Ich bin fast umgekommen vor Sorgen. Vor allem, nachdem euch das Team nicht finden konnte."

Stimmt. Sasuke hatte erzählt, dass ein Team aus Konoha vergeblich nach ihnen gesucht hatte. Da Kato Sakura aber kurzerhand in ein anderes Land verschleppt hatte und Sasuke ihnen gefolgt war, kam es nie zu einer Begegnung.

„I-Ino," versuchte sie ihre Freundin nun verzweifelt zu beruhigen und hob die Hände, um eine schlichtende Geste damit auszuüben. Vergeblich. Inos Nasenflügel bebten wieder vor Wut, als sie die Arme in die Hüften stemmte, Sakura zur Seite stieß und sich jetzt bedrohlich vor Sasuke aufbaute.

Sasuke blinzelte genau drei Mal und hielt eisern seinem Ausdruck stand.

Scharf sog Ino Luft ein, bevor sie wieder loslegte. Ihre Augen formten sich zu Schlitzen.

„Da ist sie mit einem der stärksten Shinobi überhaupt unterwegs und dann wird Sakura entführt?" Wild gestikulierte sie indessen mit ihren Armen. „Ich dachte, sie wäre dir zumindest so viel wert, dass du gut auf sie aufpassen würdest, Sasuke Uchiha. Ich bin enttäuscht, denn ich hätte mehr von dir erwartet."

Sasukes Gesichtszüge verhärteten sich schlagartig. Sein Blick wurde kühl und aus seinen Augen wichen jegliche Emotionen. Sakuras Alarmglocken gingen mit einem Mal los.

Sofort sprang Sakura zwischen die beiden, ehe die Situation eskalieren konnte. Sie machte sich weniger Sorgen um Ino, mehr um Sasuke. Ino wusste ja nicht, was sie da überhaupt sprach und auslösen konnte, wenn sie ihm die alleinige Schuld zuwies. Sicher, sie hatte sich große Sorgen gemacht.  Völlig verständlich und nachvollziehbar. Wäre es anders herum, dann  hätte Sakura sicherlich auch Sai zur Verantwortung gezogen. Aber Ino  hatte nicht die leiseste Ahnung, was sie mit ihren Anschuldigungen in  Sasuke auslösen konnte. Er gab sich für Vieles die Schuld und  keinesfalls sollten sich noch weitere Ereignisse in seiner Lichte  einreihen.
Am Ende lud sie ihn womöglich noch aus.

„Ino, es ist nicht so wie du denkst." Eindringlich versuchte sie nun auf ihre Freundin einzureden. „Wir wurden in einen Hinterhalt gelockt. Wir beide." Die beiden letzten Worte betonte sie besonders deutlich.

Wütend verschränkte Ino die Arme und sah Sakura unentschlossen an. Den innerlichen Kampf, nicht erneut die Fassung zu verlieren, den konnte Sakura ihrer Freundin eindeutig am Gesicht ablesen. Dann seufzte Ino endlich und rümpfte ein letztes Mal die Nase, bevor Sasuke, über Sakuras Schulter hinweg, einen letzten strafenden Blick von ihr erhielt. Dann entspannte sich ihr Körper deutlich, für Sakuras Geschmack beinahe schon zu viel. Ino ließ die Schultern und den Kopf leicht hängen; sie wirkte müde und kraftlos.

„Na wenigstens ist dir nichts passiert", sagte sie jetzt matt, seufzte und warf ihr langes blondes Haar nach hinten. Anschließend trat sie einen Schritt zurück. „Willkommen zurück, Sakura. Und natürlich auch Sasuke." Sasukes Namen fügte sie einen scharfen Unterton hinzu, der nicht zu überhören war.

Erleichterung machte sich in Sakura breit, als sich ihre Freundin endlich entspannte. Ehe sich Sakura nun versah, fasste Ino nach ihrer Hand und drückte sie liebevoll. Überrascht sah Sakura auf und wurde sogleich in den Bann ihres herzerwärmenden Lächelns gerissen. Die Freude, die Ino ausstrahlte, übertrug sich zugleich wie ein wärmendes Gefühl über ihre Hände und formte automatisch ein schwaches Lächeln auf Sakuras Lippen.

Ja. Sie hatte Ino wirklich vermisst.

„Wie siehst du eigentlich aus Sakura?" Mit gehobenen Augenbrauen musterte Ino sie kritisch von Kopf bis Fuß. „Hast du etwa keine anderen Klamotten dabei?"

„Nein, die liegen leider noch im Gasthaus", antwortete Sakura und lachte unsicher. Diese Frage konnte sie ihrer Freundin nicht mal übelnehmen. Die Löcher hatte sie zwar notdürftig stopfen können, dennoch wertete dies die Kleidung natürlich nicht auf. Im Gegenteil. So könnte sie sich wahrscheinlich an die nächste Straßenecke setzen, ihr auffälliges Haar verdrecken und die Leute würden ihr aus Mitleid Geld vor die Füße werfen.

„Ach so", erwiderte Ino trocken und zog unzufrieden die Mundwinkel nach unten. „Na dann, lass uns mal zu dir gehen und dir etwas anständiges besorgen."

Mit diesen Worten drehte sich Ino um und zog Sakura beinahe schon grob mit sich mit.

„M-moment Ino", rief Sakura und brachte ihre Freundin mit einem kräftigen Ruck zum Stehen.

„Sasu- ?" Sie stutze, denn vergeblich suchte ihr Blick den Gang nach ihm ab.

Wo war er so plötzlich hin?

„Der kommt schon alleine klar", stöhnte Ino genervt und zog Sakura wieder mit sich mit.

Eigentlich hätte Sakura ein heißes Bad, ein Essen und das Bett bevorzugt, aber Inos Bitte, sie heute bei der Blumen- und Kuchenauswahl zu unterstützen, konnte sie ihrer Freundin einfach nicht abschlagen. Und so trottete sie ihr müde hinterher.

„Die Zeit ist knapp", hatte Ino gesagt. „Schlafen kannst du auch noch später."

Da dieser Hochstapler Kato Sakuras Tasche ins Meer geworfen hatte und sich in dieser zu ihrem Leid natürlich der Haustürschlüssel befand, unternahmen sie einen kurzen Abstecher zu Inos Wohnung. Neben Sakuras Eltern besaß nur Ino einen weiteren Ersatzschlüssel. Sakura zog sich also zu Hause in Windeseile etwas sauberes an, bevor die beiden Mädchen dem Blumenladen von Inos Familie einen Besuch abstatteten.

Nachdenklich sah Sakura nun an die viel zu große Uhr, die an der Wand des Cafés hang. Modern nannte man solch überdimensionale Bahnhofsuhren wohl. Die beiden Freundinnen saßen jetzt an einem Tisch, vor ihnen standen mindestens 10 Teller mit den unterschiedlichsten und ansehnlichsten Tortenstücken, die Sakura je zu Gesicht bekommen hatte. Mit dem Backen hatte Sakura noch weniger am Hut, als mit dem Kochen. Und so hatte sie nur eifrig genickt, als Ino ihr die unaussprechlichen Namen der Torten vorgestellt hatte. Dass sie sich diese überhaupt merken konnte hatte Sakura schon schwer beeindruckt.

Geistesabwesend folgte Sakuras Blick jetzt dem Sekundenzeiger, der bestimmt zum hundertsten Mal denselben Weg abstotterte. Ino war gerade so in ihre Planung vertieft, dass Sakuras Gedanken wieder zu Sasuke abschweiften.

Sasuke hatte Inos Hochzeit zwar nicht mehr angesprochen, sagte ihr aber, dass es an der Zeit wäre, eine kleine Pause in Konoha einzulegen.

Wieso waren sie also hier? Wollte er sie etwa doch begleiten? Aber wieso hatte er ihr dies noch nicht mitgeteilt?

Apropos Hochzeit. Bei diesem Wort schlug ihr das Herz wieder bis zum Hals. Sie musste verdammt nochmal zusammenreißen, sich den Wechseln ihres Gemütszustandes nicht anmerken zu lassen. Bisher hatte sie noch niemandem davon ein Sterbenswörtchen erzählt.

Hatte sie ihm eigentlich eine Antwort auf sein Angebot gegeben? Sie war sich unsicher. Hatte er ihre Reaktion als ein Ja aufgefasst?

War es denn ein Ja? Hatte sie ja gesagt?

„Sakura? Was ist los mit dir?", fragte Ino leicht gereizt und schob ihr die nächste Kuchengabel unter die Nase. „Du musst dieses noch probieren."

Schnell schüttete Sakura ihren Frust ab, denn sie wollte Ino keinesfalls die Vorfreude auf die Hochzeit verderben. Schließlich waren es nur noch wenige Tage und in dieser wenigen Zeit wollte sie ihrer Freundin so gut beistehen, wie es nur ging.

„Es ist nichts. Ich bin nur müde", log Sakura schnell und öffnete brav den Mund, um das Stück Torte entgegenzunehmen. Um sich nichts anmerken zu lassen, kaute sie ausgiebig, schob das Stück in ihrem Mund hin und her, bis sie es hinunterschluckte. Eindeutig. Dies war ihr Favorit.

Sakura sah Ino nicht direkt an. Und trotzdem spürte sie den misstrauischen Blick ihrer Freundin auf sich ruhen. Die Gefahr, dass Ino sofort erkennen würde, dass Sakura etwas bedrückte, war zu groß. Zum einen war Sakura noch nicht bereit über diese Angelegenheit zu sprechen, zum anderen war der Zeitpunkt so kurz vor der Hochzeit in ihren Augen einfach unpassend. Daher tat sie nun so, als begutachtete sie die anderen Tortenstücke erneut und würde eine Weile über ihren Favoriten nachdenken müssen. „Ich finde diese am besten Ino", sage sie schließlich und zeigte mit dem Finger auf das Stück Torte mit den Erdbeeren. Aber eigentlich waren alle gut.

Ino seufzte schwer und Sakura zuckte erschrocken zusammen. Hatte sie doch etwas bemerkt? Innerlich suchte sie schon nach der nächsten Ausrede und kurz schoss ihr sogar die Option durch den Kopf ihrer Freundin die Wahrheit zu gestehen. Dann sagte Ino aber plötzlich: „Sehr gut. Ich finde diese Torte auch am besten", und erhob sich vom Tisch. Sakura sah ihr verdattert nach. Hatte Ino wirklich nichts bemerkt? Oder tat sie gerade nur so?

Möglicherweise trübten die Müdigkeit und der Hochzeitsstress Inos sonst so scharfen Blick. Ein klein wenig hatte Sakura vielleicht nun doch gehofft, dass ihre Freundin sie auffordern würde, über diese Angelegenheit zu sprechen. Aber wieso fiel ihr das eigentlich so schwer? War Inos Hochzeit vielleicht nur ein Vorwand?

Während Ino nun mit dem Konditor die Bestellung besprach, beobachtete Sakura das Gespräch von Weitem. Verstehen konnte sie jedoch nicht viel, also ging ihr Blick wieder zu dem Sekundenzeiger hinauf.

Wo Sasuke wohl gerade war?

Was er gerade machte?

Erst als Ino seufzend das Gesicht mit der Wange auf dem Tisch ablegte, schreckte Sakura wieder aus ihren Gedanken. Skeptisch zog Ino eine Augenbraue nach oben und betrachtete Sakura eine ganze Weile.

„Du glaubst nicht, welch große Sorgen ich mir um dich gemacht habe", begann sie schließlich und stöhnte übertrieben schwerfällig. „Wir hatten die Hochzeit erst verlegt, aber als der Brief von Sasuke kam in dem stand, er hätte dich gefunden, haben wir direkt eine Nachricht an euch geschickt." Ino setzte sich wieder aufrecht hin und nahm einen der vielen Teller in die Hand. Müde betrachtete sie das Stück Torte darauf. „Ich hatte gehofft, dass es ein weiterer Grund für euch sein würde, nach Konoha zurückzukehren. Nach der ganzen Aufregung solltest du dich eine Weile ausruhen. Deshalb werden wir sie so spontan doch stattfinden lassen." Lautlos stellte sie den Teller wieder auf den Tisch und sah Sakura ernst an. „Und, ich wollte dich gerne wiedersehen."

„Ino", flüsterte Sakura überrascht. Bestürzt darüber, dass Ino wegen Sakuras Verschwinden die Hochzeit verschieben wollte und nun doch alles stattfinden sollte, betrachtete sie nun den Zustand ihrer Freundin besorgt.

Sofort durchfuhr Sakura das schlechte Gewissen und bereitete ihr ein mulmiges Gefühl in der Magengrube. Dass Sakura es überhaupt in Erwägung gezogen hatte, nicht auf ihrer Hochzeit aufzutauchen, war alleine schon schlimm genug. Wütend auf sich selbst biss sie unauffällig die Zähne aufeinander und sah dann wieder ernst zu Ino auf.

„Ich helfe dir so gut ich kann Ino", sagte Sakura bestimmt und lächelte ihrer Freundin aufmuntern zu. „Du brauchst dir keine Sorgen zu machen."

„Danke." Ino lächelte schwach und atmete tief ein, bevor sie Sakura wieder eindringlich ansah. „Was ist los?", fragte sie nun doch. „Du wirkst in Gedanken so weit weg. Seid ihr euch etwa nicht nähergekommen?"

Sakura lächelte schwach und senkte den Blick. Sollte sie es nun ansprechen?

„Wieso bist du dann noch bei ihm?"

Sakura öffnete den Mund und schloss ihn sofort wieder. Was sollte sie Ino nun sagen? Ihr war gerade einfach nicht danach ihre beste Freundin noch zusätzlich mit ihren Problemen zu belasten. Daher schüttelte sie einfach den Kopf und lächelte aufgesetzt fröhlich. Eigentlich ging es ihr doch auch nicht schlecht.

Ein wildes Klopfen am Fenster ließ die beiden Mädchen im nächsten Augenblick zusammenzucken.

Das dümmliche Grinsen, welches wie die grellen Sonnenstrahlen durch die große Schaufensterscheibe des Cafés blendete, war nicht zu verwechseln. Seine leuchtend blauen Augen waren fest auf Sakura gerichtet und strahlten pure Freude und Begeisterung aus.

Ino seufzte genervt und rollte mit den Augen.

„Naruto", rief Sakura überrascht und stand sofort auf, um das Café zu verlassen.

Grinsend kam sie vor ihm zu stehen. Sie freute sich unglaublich, ihren besten Freund wiederzusehen. Vor Aufregung schlug sogar ihr Herz ein wenig schneller als gewöhnlich. Und das hatte schon was zu heißen.

„Sakura", sagte er verlegen und kratze sich am Hinterkopf. „Sensei Kakashi erzählte, du seist wieder da. Zusammen mit Sasuke. Stimmt das?"

Sakura nickte übereifrig und lächelte. Als sie nun durch die Scheibe zu Ino sah, saß diese noch immer am Tisch. Mit einer lässigen Handbewegung deutet sie Sakura an, mit Naruto mitzugehen. Die heutigen Vorbereitungen waren schließlich abgeschlossen. Dankend hob Sakura die Hand und gesellte sich neben Naruto.

Naruto schafft es einfach immer und immer wieder und auf eine mysteriöse Art und Weise, ihre Laune schlagartig zu heben. Dies war eines seiner Talente, welches sie so sehr an ihm schätzte.

„Bist du Sasuke etwa noch nicht begegnet?", fragte Sakura nun verwundert.

„Nö. Aber sicherlich wird er noch bei mir auftauchen", sagte Naruto und zuckte mit den Schultern. „Seid ihr wegen der Hochzeit hier?"

„Ich denke schon", begann Sakura zögerlich.

„Hm"? Fragend lehnte Naruto den Kopf nach vorne, um Sakura besser ins Gesicht sehen zu können. „Wieso denkst du das nur?"

„Ich weiß noch nicht, ob wie zusammen hingehen werden", sagte sie seufzend und ließ betrübt den Kopf hängen. „Wir haben da noch nicht direkt drüber gesprochen."

„Aber weshalb seid ihr sonst hier?", wollte Naruto wissen.

Sakura zuckte mit den Schultern. „Das solltest du besser Sasuke fragen. Er war derjenige, der hier eine Pause einlegen wollte."

„Echt jetzt?"

Sakura nickte leicht betrübt.

Nachdenklich verschränkte Naruto jetzt die Arme hinter dem Kopf. Während er Sakura zu ihrer Wohnung begleitete, erzählte er, dass Hinata und er ein Grundstück erworben hatten. Sie hatten einen Kredit aufgenommen und der Bau war, so erzählte es Naruto, wohl schon voll im Gange.

„Ein Haus", flüsterte Sakura verblüfft. „Das freut mich Naruto", sagte sie und lächelte aufrichtig. Dennoch versetzte es ihr einen kleinen Seitenhieb. Dann schnappte sie aufgeregt nach Luft, klopfte Naruto aufgeregt auf den Rücken und stotterte: „B-b-bekommt ihr etwa ein ein ..."

„W-was? Nein", schrie Naruto plötzlich und räusperte sich anschließend verlegen. „Nein. Nicht das, was du denkst. Aber die Preise sind gerade wohl ganz niedrig und daher passte es einfach ganz gut."

Ernüchtert lächelte Sakura. Schade, sie hätte sich sehr für ihren Freund gefreut.

Für einen kurzen Moment schoss ihr der Gedanken in den Kopf, sich ernsthaft Naruto anzuvertrauen. Aber zum einen war ihr blonder Freund das größte Plappermaul aller Zeiten und zum anderen musste er auch schon direkt wieder los, als sie endlich Sakuras kleine Wohnung erreichten.

„Bis bald Sakura." Naruto grinste breit, hob die Hand und lief eilig davon.

„Grüß bitte Hinata lieb von mir, ja? Vergiss es nicht Naruto. Hörst du?" So schnell wie er kam, war er nun auch wieder verschwunden.

„Naruto", flüsterte Sakura zu sich selbst. Dann lächelte sie und schüttelte über den kleinen Chaoten, der unter allen Umständen Hokage werden wollte, verzweifelt den Kopf.

Voller Vorfreude auf ein Bad und ihr Bett schloss sie die Haustür mit dem Ersatzschlüssel auf. Sie zog die Tür hinter sich zu und tastete sogleich nach dem Lichtschalter, der sich rechts neben der Eingangstür befand. Eilig streifte sie ihre Schuhe ab, das Stirnband hatte sie schon zuvor an dem gewohnten Platz auf der Kommode abgelegt.

Im Wohnzimmer blieb ihr Blick sofort an dem Bild von Team 7 hängen. Lächelnd betrachtete sie es. Naruto hatte Sasuke zurückgebracht und nun lag es an ihr, ihn zum Bleiben zu bringen. Auch wenn er noch nicht bereit war, wieder in Konoha zu leben. Möglicherweise würde er irgendwann ihretwegen bleiben. Dann, wenn er seine Aufgabe als erledigt ansieht. So lange würde Sakura ihn auf dieser Reise begleiten und ihm in jeder Hinsicht beistehen.

Erschrocken fuhr sie zusammen, als ein schwarzer Schatten unmittelbar an ihrer Balkontür vorbeihuschte. Zielsicher ging sie sofort darauf zu und riss die Tür auf.

Sie sah nach recht. Nichts.

Sie sah nach links. Nichts.

Verwundert runzelte sie die Stirn. Hatte sie sich das etwa nur eingebildet?

Plötzlich gurrte etwas zu ihren Füßen und ließ Sakura automatisch den Blick senken. Über die etwas zu pummelige Taube, die in der Ecke des kleinen Balkons hockte, musste Sakura nur müde schmunzeln. Ein kleiner Teil von ihr hatte gehofft, dass es Sasuke sei. Leise seufzend und mit einem gekonnten Handwedler verscheuchte sie das Tier - Taubenscheiße auf ihrem Balkon, das musste sie nun wirklich nicht haben.

Sicher hatte er sich längst wieder eine vorübergehende Wohnung von Kakashi zuweisen lassen. Hoffentlich, denn die andere Möglichkeit, dass er wieder rastlos umherlief und nicht zur Ruhe kam, ließ das Gefühl von Sorge in ihr aufsteigen. Halbherzig zog sie die Balkontür hinter sich zu.

Dann schnaubte sie verärgert, denn sie war weder seine Mutter noch seine Ehefrau. Sasuke konnte auch alleine zusehen, dass er ein Dach über den Kopf bekam.

Ehefrau.

Sofort begann ihr Herz zu rasen.

Waren sie jetzt verlobt?

Diese Ungewissheit trieb Sakura so langsam aber sicher in den Wahnsinn.

Während sie nun in der Badewanne lag und zunächst entspannte, drifteten ihre Gedanken – wie hätte es auch anders sein können - nach kurzer Zeit wieder zu Sasuke ab. Der heiße Wasserdampf stieg von der Oberfläche empor und versetzte das gesamte Badezimmer in einen nebelartigen Zustand. Hin und wieder fiel ein Wassertropfen von der Spitze des Wasserhahns hinab und erzeugte ein leises und wiederhallendes Platschen.

Mit einem Mal musste Sakura an Mangetsu und ihre Träume zurückdenken. Und beim letzten Mal war es Sasuke, der sie aus ihrem Albtraum errettet hatte. Zum Glück. Natürlich hatte er sich nach dem Grund ihrer Angst erkundigt. Aber da diese Träume immer mit Sasuke zusammenhingen, schämte sie sich einfach ein wenig, davon zu erzählen. Und es war schließlich nur ein Albtraum. Schon immer verarbeitete Sakura die Geschehnisse ihres Alltags sehr intensiv in ihren Träumen. Das war nichts Neues und auch nichts Ungewöhnliches. Aber dieser war bisher der schlimmste Traum, den sie bisher in Verbindung mit Mangetsu hatte. Noch immer verursachte ihr nur der Gedanke daran, einen kalten Schauer.

Mangetsu hatte Sasuke unter großer Folter die Augen gestohlen. Sasuke kroch letztendlich am Boden; hilflos, verletzt, allein und blind in der Dunkelheit. Sakuras Körper hatte sich in dem Traum schwer wie Blei angefühlt, weshalb sie nur hilflos zusehen konnte. Es war nur ein Traum, rief ihre innere Stimme ihr zu. Nur ein verdammter Traum.

Sie stieg nach einer gefühlten Ewigkeit aus der Badewanne, trocknete sich ab und entwirrte ihr Haar mit einer Bürste. Wie lange sie nun wirklich im Wasser saß, wusste sie nicht.

In ihrem größten Handtuch eingewickelt, stolzierte sie aus dem Bad direkt in die gegenüberliegende Küche, um nach etwas Essbarem zu suchen.

Sakura rollte genervt mit den Augen, als sie die vereinsamte Orangensaftpackung im Kühlschrank entdeckte. Ihre Mutter hatte offensichtlich alles ausgeräumt, was verderblich war, aber nichts wieder aufgefüllt. Und so griff sie unbegeistert nach der Packung, um sich etwas davon in ein Glas einzuschenken. Mit diesem in der Hand verließ sie nun die Küche, um sich endlich auf ihr Sofa setzten zu können.

Entgeistert betrachtete sie ihre Füße, während sie durch das Wohnzimmer auf das Sofa zuging. Die Nägel waren viel zu lang und am großen Zeh befand sich eine Blase. Verwundert, dass sie diese bisher überhaupt nicht bemerkt hatte, runzelte sie die Stirn.

Als sie vor ihrem Sofa zum Stehen kam und den Blick hob, glitt ihr vor Schrecken das Glas aus der Hand.

Noch ehe es ihr ganz aus der Hand gleiten konnte, hatte Sasuke es fest umfasst. Er war vom Sofa aufgesprungen und hatte danach gegriffen.

Mit offenem Mund starrte sie ihren unangekündigten Besuch an.

„Lässt du immer deine Balkontür offenstehen?", fragte er gelassen, hob aber misstrauisch die Augenbrauen.

„Sasuke", hauchte Sakura. Seine Worte hatte er ins Leere gesprochen. Tür? Was war mit der Tür?

So augenblicklich wie ihre Wangen zu glühen begannen, so raste auch ihr Herz. Und als sie sich daran erinnerte, dass sie nur im Handtuch vor ihm stand, durchzog sie diese unangenehme Erkenntnis wie ein Blitz.

„Sasuke", schrie sie nun erzürnt nach seinem Namen. Wie ferngesteuert grub sich ihre Faust blitzartig in seine Magengrube. Wie konnte er es nur wagen, unangekündigt hier hereinplatzen? Sie hätte auch nackt sein können.

Sakura hatte das Glas mit dem Saft längst losgelassen. Sasuke hielt es noch tapfer nach oben. Gleichzeitig krümmte sich sein Oberkörper, während er anschließend und wie in Zeitlupe nach hinten auf das Sofa fiel. Der Inhalt des Glases schwappte gefährlich bis zum Rand hinauf, lief aber nicht über.

Als er jetzt mühsam seinen Kopf hob, war sein Gesicht leichenblass. Sakura erschrak. Er keuchte ein Mal, ein zweites Mal und auch ein drittes Mal. Dann schluckte er laut und stellte das Glas mit dem Saft aus dem Wohnzimmertisch ab.

„Oh." Sakura schlug sich die Hand vor den Mund.

„Mein Fehler", keuchte Sasuke ohne den Blick zu heben. „Geht schon."

„Es tut mir leid Sasuke", sagte sie sofort, geplagt von einem verdammt schlechten Gewissen. Es war nicht ihre Absicht so kraftvoll zuzuschlagen.

Als er jetzt zu ihr aufsah, verfärbte sich sein Gesicht von Weiß zu Blau und dann zu Grün.

„Herjemine", rief Sakura aufgeregt und griff panisch nach der leeren Obstschale, die auf dem Tisch stand, um sie Sasuke an die Brust zu drücken.

Einmal stieß er auf. Dann atmete er tief ein, woraufhin langsam die Farbe wieder in sein Gesicht zurückwich. Dann schob er energisch die Schale zu Sakura zurück.

„Alles in Ordnung", sagte er gemächlich und räusperte sich, als wäre nichts weiter geschehen. Ruhig lehnte er sich zurück, legte seelenruhig die Hand auf dem Bein ab und schloss die Augen. Echt jetzt? Sakura verdrehte innerlich die Augen.

Misstrauisch beäugte Sakura ihn weiterhin, bis ihr eine nicht ganz unwesentliche Tatsache zurück in Erinnerung gerufen wurde: Noch immer stand sie nur im Handtuch vor ihm. Tief atmete sie ein, um die aufkommende Panik zu unterdrücken. Nun war es auch egal.

„Sasuke. Wo bleibst du heute Nacht? Hat Kakashi dir keine Wohnung zugewiesen?", fragte sie schließlich und verschränkte die Arme.

„Nein."

„Nein? Wieso nicht?"

„Ich habe nicht gefragt", antwortete er trocken. Sakura klappte die Kinnlade hinunter. Immerhin war er ehrlich.

Einen Moment schwiegen sie sich an. Er hatte erst gar nicht gefragt? Wollte er etwa ... ?

„Nun denn", sagte Sakura nach einer Weile und drehte sich salopp um. „Dann musst du wohl hierbleiben. Sehe ich das jetzt richtig?" Sie gab sich größte Mühe, ihrer Stimme einen selbstbewussten Klang zu verleihen. Nervös biss sie sich aber auf die Lippe und war einfach nur froh, mit dem Rücken zu ihm zu stehen. War das gerade klug? Einerseits wollte sie ihn bei sich haben, andererseits machte sie schon der Gedanke daran extrem nervös.

Sasukes zustimmendes Brummen ließ Sakura nervös Schlucken. Mist. Selbst schuld, wenn sie das so frei heraussagte.

„Im Badezimmer sind Handtücher, falls du dich duschen möchtest", sagte Sakura schnell und blieb in der Tür zu ihrem Schlafzimmer stehen. Jetzt drehte sie sich doch nach ihm um. „Klamotten habe ich aber leider keine Passenden für dich."

„Ich habe etwas dabei", antwortete er sofort.

Sakura nickte und zog sofort die Tür hinter sich zu. Keine drei Minuten vergingen, da hörte sie auch schon das prasselnde Wasser der Dusche.

Während Sasuke sich nun im Bad aufhielt, hielt sie angespannt vor ihrem Schrank inne und dachte ernsthaft darüber nach, welche Unterwäsche sie doch heute auswählen sollte. Mit hochrotem Kopf schüttelte sie sich und griff nach der schlichten Schwarzen und sank erst einmal zu Boden.

Sachte legte sie den Kopf auf den Knien ab. Nur unter größter Disziplin gelang es ihr, sich zur Ruhe zu zwingen. Die Welt schien sich gerade viel zu schnell zu drehen. Schneller als ihr eigentlich lieb war. Nervös ging ihr Atem flach und ihre Wangen glühten vor Aufregung. In den letzten Tag war so viel passiert. Und Zeit, alles Revue passieren zu lassen, die gab es bisher nicht. Sie war viel zu aufgewühlt, um klare und vernünftige Gedanken fassen zu können.

Die alarmierende Stille ließ sie urplötzlich aufhorchen. Das Wasser in der Dusche - es prasselte nicht mehr. Panisch fuhr sie in die Höhe. Wie lange schon? Wie von der Tarantel gestochen schmiss sie sich in Windeseile in ihre Klamotten. Als Hose griff sie nach der lockeren und gemütlichen Dreiviertelhose, die sie zu Hause immer gerne trug.

Als sie nun aus dem Schlafzimmer hinaustrat, stach ihr glücklicherweise nicht ihr Gast ins Auge, sondern die Supermarkt-Papiertüte, die direkt neben dem Sofa stand. Sasuke musste sie mitgebracht haben. Neugierig linste sie nun hinein, woraufhin ihre Augen vor Begeisterung leuchtete - Instantsuppen. Noch nie hatte sich Sakura wohl so sehr über die kleinen Pappbecher gefreut wie heute. Der Kuchen hatte zwar eine vorübergehende Abhilfe geschaffen, aber den Hunger nicht endgültig gestillt.

Auch wenn die sie Anzahl der Suppen mit dem bloßen Auge erkannte, zählte sie die Packungen vor lauter Vorfreude nun trotzdem, indem sie mit dem Zeigefinger auf jede einzeln zeigte. Vier Stück. Fein.

Während sie nun ungeduldig auf das verheißungsvolle Klicken des Wasserkochers wartete, starrte sie immer wieder nervös aus der Küche gegen die Tür des Badezimmers, in dem Sasuke sich noch immer aufhielt.

Ihre Wangen glühten zart rosa, als sie die Becher mit Suppe schlussendlich auf dem Esstisch platzierte und Sasuke just in diesem Moment aus dem Bad kam. Sakura zog innerlich beeindruckt die Augenbrauen in die Höhe - er hatte es wirklich drauf, genau in den passenden Momenten aufzutauchen. Meistens zumindest ...

Er sah sich erst zu den Seiten um, bevor er auf den Tisch zukam. Und so nutzte Sakura die Gunst der Stunde und schielte verstohlen zu ihm hinüber. Ob er eigentlich nur schwarze und dunkle Klamotten besaß?

Als er sich mit der Hand durch das noch feuchte Haar fuhr, hätte Sakura fast die Stäbchen auf den Tisch fallen lassen. Seine Haare hingen ihm willkürlich ins Gesicht, was sie schwer schlucken ließ. Er sah einfach immer gut aus. Mit aller Mühe versuchte sie sich zusammen zu reißen und biss sich unauffällig auf die Unterlippe.

Aber als ihr Blick auf das winzige Uchiha-Wappen gezogen wurde, sie sah es erst, als er näher herantrat, war all die Mühe umsonst.

Er hatte ihr Angeboten, dass es auch ihres sein konnte. Wenn sie denn wollte.

Sofort stützte sie sich mit den Händen an der Stuhllehne ab. Ganz plötzlich waren ihre Beine in einen wackelpuddingartigen Zustand umgeschlagen. Ihr Atem ging flach, nervös starrte sie nun auf die Holzplatte und wagte es nicht aufzusehen. Alleine bei der Erinnerung an seine Worte und an die Emotionen, die sie in diesem Moment verspürt hatte, wurde ihr ganz anders.

„Was ist?" Plötzlich stand er direkt neben ihr und machte es damit nur noch schlimmer. Seine Nähe schnürte ihr zusätzlich noch die Luft ab. Gefährlich flatterte ihr das Herz in der Brust, als wäre es kurz vor einem Herzstillstand, als sie ihn seine düsteren Augen aufsah.

„Äh- äh", stotterte sie unbeholfen und kniff sich sofort und unauffällig kräftig in den Oberschenkel. Innerlich schrie sie laut auf, glücklicherweise half der Schmerz.

„Suppe", schoss es wie aus der Kanone heraus. „Ich habe uns die Suppe zubereitet."

Nüchtern flog sein Blick kurz zu den dampfenden Bechern hinüber, so als hätte er sie noch gar nicht bemerkt. Dann wieder zu Sakuras Gesicht. Aufmerksam ruhte sein Blick noch einen Augenblick auf ihrem, bevor er zögerlich den Mund öffnete.

„Danke", sagte er mit einem seltenen Klang in der Stimme, der Sakuras Herz hitzige Sprünge vollbringen ließ. Innerlich atmete sie tief ein und beruhigte sich kurz darauf wieder. Dann lächelte sie schief und nickte — es war doch nur eine Nudelsuppe.

Sasuke nahm am Esstisch Platz und griff wahllos nach einem der Becher. Alle Sorten, die er gekauft hatte, entsprachen sicherlich auch seinem Geschmacks, sodass ihm alle als recht erschienen.

Sakura setzte sich ebenfalls. Und auch, wenn sie generell ein wenig wählerischer zu sein schien als Sasuke, zumindest was die Wahl ihrer Mahlzeit anging, so war es ihr heute gleich. Zielsicher streckte sie den Zeigefinger aus und hakte ihn in den von sich nächsten dampfenden Becher. Unter einem leisem Kratzen zog sie diesen über den Tisch zu sich heran und sah sich erst das Etikett an, als es unmittelbar vor ihren Augen auftauchte. Entengeschmack. Ohne die anderen überhaupt in Betracht zu ziehen, begann sie zu essen. Mit vollem Mund musste sie schließlich nicht sprechen.

Hin und wieder linste sie automatisch zu Sasuke hinüber, der voll und ganz in seine Nudelsuppe vertieft war. Draußen dämmerte es bereits, sodass Sakura die Lampe über dem Esstisch angeschaltet hatte, bevor sie sich zu Sasuke an den Tisch gesellte. Nur ei schwaches Licht ging von ihr aus, und Sakura erinnerte schlagartig daran sich, dass sie eigentlich eine neue Glühlampe hatte besorgen wollen. Wieder hatte sie es vergessen.

Zaghaft ging ihr Blick nun wieder zu Sasuke, natürlich so unauffällig und kurz wie möglich. Ihr zögerliches Verhalten empfand sie ja selbst schon ein wenig zu befremdlich, dabei hatten sie schon oft gemeinsam und auch alleine gegessen. Aber noch nie in Sakuras Wohnung. Heute war alles irgendwie völlig anders. Es war so viel Vertrauter, so viel persönlicher. Sasuke wirkte ungezwungen und so ungewöhnlich entspannt, denn üblicherweise war sein Blick stets an mehreren Orten gleichzeitig. Und dann wollte sogar über Nacht bleiben, wollte er etwa wirklich bei ihr bleiben weil ... sie verlobt waren? Fast wären Sakura die Nudeln im Halse stecken geblieben.

Nur kurz würdigte Sasuke ihrem lauten Schlucken einen leeren Blick und starrte sofort wieder in den Inhalt seines Bechers, als würde ihn der leere Boden der Suppe völlig in seinen Bann ziehen wollen. Anschließen griff er nach der nächsten Suppe.

Sakura schob ihren mittlerweile leeren Becher ein Stück weit von sich fort und sah Sasuke nun direkt an. Da er sowieso nicht Aufsehen würde, musste sie ihren Blick auch nicht mehr abwenden. Und sowieso verhielt sie sich einfach nur albern. Eine ganze Weile starrte sie ihren Gast jetzt an und beobachtete ihn stumm beim Essen. Geschickt fädelte er die Nudeln wiederholt mit seinen Stäbchen auf und führte sie seinem Mund.

Sakuras Mundwinkel zuckte indessen zweimal, da sie irgendetwas sagen wollte. Sie atmete entschlossen ein, bevor der dritte Anlauf endlich glückte, um das unangenehme Schweigen zu durchbrechen.

„Wo warst du heute die ganze Zeit?", fragte sie und sah ihn interessiert an. Auch wenn sie sich diese Frage zuvor nicht überlegt hatte, wissen wollte sie es dennoch.

„Ich habe Dinge erledigt", antwortete er sofort, ohne aufzusehen.

„Dinge... erledigt... ", wiederholte Sakura seine Worte langsam.

„Ja."

„Was für Dinge"? Ungeduldig tippte nun ihr Finger auf der Tischoberfläche, während ihre Stimme mit einem gewissen Nachdruck unterlegt war. Wieso musste sie ihm denn alles aus der Nase ziehen? Über diesen Punkt waren sie doch schon lange hinaus. Das hatte Sakura zumindest bis eben angenommen.

„Erledigungen." Laut scheppernd stellte er den leeren Becher Suppe auf dem Tisch ab und seufzte tief. Darüber, dass ein Pappbecher in der Lage war, solch ein derartiges lautes Geräusch zu erzeugen, hob sie beeindruckt die Augenbrauen.

Wie ein hungriges Tier fixierte Sasuke flüchtig den letzten Becher Suppe , lehnte sich aber, anstelle ihn zu greifen, zurück und wartete ab.

„Nimm", sagte Sakura und nickte. Innerlich seufzte sie gleichzeitig über seine kargen Worte und fand sich widerwillig mit der kurzen Antwort ab.

Das ließ er sich nicht zwei Mal sagen, lehnte sich nach vorne, packte die Suppe und schlang sie in einer Rekordzeit hinunter.

„Na ja", sagte er ungefähr nach der Hälfte der Suppe und hielt plötzlich inne.

Verdattert darüber, dass er ihr nun doch antwortete, konnte Sakura vor Aufregung nicht mehr ihr Gesicht von ihm abwenden.

„Ich war beim Schneider," begann er aufzuzählen. „Dann in der Waffenkammer, habe noch weiter Bericht erstattet, trainiert ... und so weiter." er räusperte sich kurz. „Das, was man halt macht, wenn man eine Pause einlegt", ergänzte er so selbstverständlich, als hätte Sakura dies wissen müssen.

Sakura verschränkte die Arme und zog, ein wenig irritiert über seinen Ton, die Augenbraue nach oben. Eigentlich musste sie seine schroffe Art doch schon lange gewohnt sein.

„So so", sagte sie langsam und bemüht sich nicht enttäuscht zu klingen. Irgendwie hatte sie etwas spannenderen erwartet, wobei es eigentlich nicht schlecht war, dass er zur Ruhe kam.

Sasuke sah kurz zur Seite, dann weiser zurück. Er wirkte etwas unsicher und riss, gegen Sakuras Erwartungen, urplötzlich den Mund auf.

„Und ... du?", fragte er. Es machte fast den Anschein, als zittere seine Stimme leicht.

Versucht er etwa einen ernsthaften Smalltalk mit ihr zu führen? Verwundert blinzelte Sakura. Er schien es zumindest zu versuchen. Interessierte ihn das etwa wirklich?

„Nun ja. Ich habe mit Ino Blumen und Kuchen ausgesucht. Dann habe ich Naruto getroffen und er hat mich nach Hause gebracht." Sasuke sah bei Narutos Sakura vorbei. „Warst du bei ihm?"

Er deutete mit seinem knappen Kopfschütteln ein Nein an. Er sah nachdenklich aus.

Sakura seufzte und sagt schließlich: „Das solltest du aber tun."

Jetzt nickte er zögerlich und tauchte sie Stäbchen wieder in die Suppe.

Nachdem Sasuke nun auch den letzten leeren Becher auf dem Tisch abstellte, schnappte sich Sakura diesen und führte alle übrigen Becher ineinander, um sie mit einer Hand tragen zu können. Die Stäbchen platzierte sie im Obersten und verschwand, ohne ein Wort zu sagen in der Küche. Sich irgendwie zu beschäftigen, beruhigte sie nach wie vor ungemein, denn Sasukes Anwesenheit und dieses Schweigen machte sie zunehmend nervöser.

Während sie den Fußtrittschalter des Mülleimers betätigte, war es erneut um ihr Herz geschehen. Es war zum Verzweifeln. Wütend über sich selbst, pfefferte sie den Müll in das dafür vorgesehene Behältnis.

Und so griff sie eilig nach den Stäbchen und wusch sie extra ausgiebig und lange ab. Genau drei Mal.

Sakura hatte die Stäbchen noch nicht ganz abgelegt, da spürte sie Sasukes heißen Atem in ihrem Nacken kitzeln. Ein aufgeregtes Prickeln durchfuhr sie bis in den letzten Winkel ihres Körpers. Die Muskeln ihrer Hand zuckten unkontrolliert, weshalb ihr der Inhalt der Hand die wenigen Zentimeter, die noch auf dem Weg zur Ablage fehlten, hinabfielen. Ein leises Klacken war zu hören, als sie auf der Arbeitsfläche zum Erliegen kamen.

Behutsam legte Sasuke seine Wange an ihrer Halsbeuge ab und atmete tief ein. Dann schloss er sie von hinten in eine Umarmung und überwand so den letzten Abstand, der zwischen ihnen lag. Sasukes kräftigen Herzschlag konnte Sakura deutlich an ihrem Rücken vernehmen. Es klopft heftig aber gleichzeitig so vorsichtig an ihre Haut, als wollte es ihren Herzschlag im ersten Moment wieder beruhigen wollen. Dann aber kann kam es ganz anders, denn plötzlich veränderte sich sein Rhythmus, um ihrem nahe kommen zu wollen. Kurz vergaß Sakura in diesem Moment das Atmen und sog daraufhin panisch die Luft ein. Dabei griff sie mit zittrigen Fingern verzweifelt nach den Küchentresen, um mach Halt zu suchen.

Verdammt. Wenn das so weiterginge, dann würde sie sicherlich irgendwann an einem plötzlichen Herzstillstand und direkt in Sasukes Armen sterben. Wobei, wenn sie die Wahl hätte, dann würde sie sich wohl immer für diese Option entscheiden. Sie war schliesslich so viel besser, als alleine und qualvoll in einem Kampf untergehen zu müssen. Verwirrt über diesen verstörenden Gedanken, schüttelte sie den Kopf, bevor Sasukes Atmen ihr erneut die Luft abschnürte.

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Freunde der Sonne,

Sooo, ich hoffe, der Start ist mir nur Ansatzweise so gut gelungen, wie ich wollte. Ich habe das Kapitel noch an der ein oder anderen Stellen abgeänderten, falls ihr also noch ein Wort finden solltet, das dort nicht hingehört, dann weißt mich gerne drauf hin, oder ich finde es sicherlich noch irgendwie. Irgendwann ist man für seine eigenen Fehler blind, und ich lasse gerne nach dem umformulieren eines Satzes ein altes Wort stehen ... Und so kurzfristig gebe ich meiner Beta natürlich keine Texte zum Lesen, sie hat auch eigene Dinge zu tun :)

An dieser Stelle natürlich lieben Dank an meine liebste Fuchsi (RedFuchs), für ihre Beteiligung an diesem und dem letzten Kapitel :) Sie hatte mir sogar noch extra einen Aspekt aus dem Anime herausgesucht. Danke dafür!! Fühl dich geknutscht.

Das nächste Kapitel folgt zunächst in zwei Wochen. Ich habe leider noch eine Prüfung (noch lange nicht die Letzte) abzulegen in dieser Zeit und bitte daher um Verständnis. Wenn sich geeignete Lücken ergeben, veröffentliche ich natürlich auch wieder mehr :)

Ich bin außerdem echt geflasht, wie viele von euch wieder dabei sind. Ich habe mich wahnsinnig gefreut :) Und das motiviert auch wieder unheimlich. Lieben Dank für eure Treue

Fühlt euch gedrückt und bis baaaald,

Eure Juli
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