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Unsere Bestimmung - Sakura & Sasuke (Part 3)

von JuliTales
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Het
Naruto Uzumaki Sakura Haruno Sarada Uchiha Sasuke Uchiha
29.01.2021
12.02.2022
43
192.131
31
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
29.10.2021 6.982
 
Sasuke Pov


༻✾༺


Sämtliche Faserstränge, die Sasukes Muskeln formten und hielten, spannten sich schlagartig bis zum Zerreißen an. Seine Faust vibrierte unter der Anspannung leicht.

Verdammt, rief es in seinem Kopf, während er die geballte Hand betrachtete. Schnell spreizte er die Finger, um sich zu entspannen, und führte kleine Pumpbewegungen damit aus. Aber das half nur ein bisschen. Immerhin. Dann sah er wieder auf.

Es musste einen Weg aus dieser verblassenden Erinnerung hinausgeben. Es musste.

Narutos Bewegungen folgend behielt Sasuke seinen jungen Freund aufmerksam im Auge. Noch bevor es geschah, wusste Sasuke ganz genau, dass Naruto die Schüssel lautlos auf den Tisch knallen würde und anschließend ungehalten den Mund bewegte. Und wie er vermutet hatte, hatte auch diese Wiederholung keinen einzigen Ton für ihn übrig. Lediglich seine Geräusche, das Kratzen des Stuhls, den er nun nach hinten schob, und halb darauf sitzen blieb, um alles weiterhin genaustens beobachten zu können. Sein schwerer Atem drang durch die Stille, hallte zu ihm zurück, als befände er sich in einem leeren Raum mit einer sehr hohen Decke, und gab ihm nun zunehmend das Gefühl, gefangen zu sein. Auf lange Sicht hin würde ihn das sicherlich wahnsinnig machen.

Mit schmal geformten Lippen dachte Sasuke nun fieberhaft nach. Das war gar nicht so einfach. Seine Gedanken schweiften ständig zu Sakura und dem ungeborenen Kind ab. Der Gedanken, was mit den beiden passieren könnte, würde er scheitern, ließ ihn in ungewohnter Weise in Schweiß ausbrechen. Reiß dich zusammen, rief er sich innerlich zur Ordnung. Es musste einen Ausweg geben – es gab immer einen. Genau das waren auch die Worte der Mini-Sakura gewesen. Gibt es einen Eingang, dann gibt es auch einen Ausgang. Und an diese Aussage wollte er sich klammern.

Das Erste, was ihm jetzt in den Sinn kam, war, anderweitige Flüssigkeit für die Rückkehr zu nutzen. Und sogleich fiel ihm die Brühe ein, die sich in den Schüsseln seiner Mitstreiter befinden musste. Er lehnte sich also erst über Sakuras Schulter, dafür musste er nicht mal aufstehen, und starrte in ihre Schüssel. Nichts passierte.

Daraufhin schritt er an Naruto vorbei - seine Schüssel war ja bereits leer - und blickte in den Rest von Sensei Kakashi. Eine Spirale, die ihm den Weg zurückwies, suchte er jedoch auch hier vergebens. Selbiges stellte er bei seiner eigenen fest.

Die ihm bis zur Wiederholung verbliebene Zeit nutzte er, um den Raum nach anderen Flüssigkeiten abzusuchen. Fündig wurde er nicht. Dann flackerte es endlich.

Voller Hoffnung, Naruto wäre derjenige, der ihn aus dieser misslichen Lage retten könnte - er hatte es doch schon so oft getan - sprang er von seinem Hocker auf, und sah in dessen Schüssel, ehe er diese an seinen Lippen ansetzen konnte. Seine Schultern sanken, als wieder nichts passierte. Nein, diesmal schien das nicht der Ausweg zu sein.

Das Flackern kündigte erneut das Ende der Erinnerung an und Sasuke beobachtete nun wie paralysiert jede einzelne Person, angefangen bei Sakura. Danach ruhte sein Blick auf Naruto, wobei er dessen sowie Sakuras Bewegungen bereits in- und auswendig kannte. Und auch Kakashi gab ihm wenig Aufschluss in dieser Situation.

Sein jüngeres Ich nahm er sich zum Schluss vor. Er stand auf und platzierte sich hinter dem Tresen so, dass sie sich genau gegenüber befanden. Sasuke zog die Stirn in Falten, denn erst jetzt bemerkte er, dass der junge Uchiha kurz nach Narutos Knall mit den Achseln zuckte und etwas zu Naruto sagen musste. Scheinbar hatte er sich damals eingemischt. Aber was hatte er nur gesagt? Da es sich hierbei um eine von Sakuras Erinnerungen handelte und er offensichtlich Teil dieser war, musste doch auch er diese erlebt haben.

Aber wie sehr er sich nun auch anstrengte, grübelte und nachdachte; es gelang ihm nur sehr vage, sich an diese Situation zu erinnern. Zu oft waren sie in Ichirakus Nudelsuppen-Restaurant gewesen, weshalb es nicht einfach war, sich an einzelne Gespräche zu erinnern.

Mit aufeinander gepressten Kiefern streifte sein Blick Narutos Gesicht. Wenn er wenigstens wüsste, worum es hier überhaupt ging, was Naruto zu Sakura gesagt hatte. Dann würde er sich bestimmt einfacher daran erinnern können.

Nach einem weiteren Neustart stand er wieder hinter dem Tresen. Zum wievielten Mal Naruto nun seine Schüssel am Mund ansetzte, wusste Sasuke nicht. Tonlos schepperte er das Geschirr auf den Tresen, weshalb Kakashi ihn von der Seite genervt anfunkelte. Naruto nahm das überhaupt nicht wahr. Typisch. Dann bewegten sich Narutos Lippen und Sakura sah zu ihm. Ihre Augen wurden schmal, ihre Lippen spitz, während sie ihn mit einem bösen Blick ansah. Dann sah sie überrascht an Kakashi vorbei, zu Sasuke hinüber. Sasuke war diesmal nicht entgangen, dass sein jüngeres Ich mit den Schultern gezuckt hatte, kurz nachdem Naruto gesprochen hatte. Dann sagte er etwas, woraufhin Sakura mit gerötetem Gesicht in ihre Schüssel starrte.

Sasukes Augen zuckten kaum merkbar. Aha. Er hatte etwas gesagt, was sie in Verlegenheit gebracht hatte. Es flackerte erneut und einen Augenblick später saß er wieder am Tresen. Reglos verweilte er dort und wiederholte in Gedanken das Gesehene.

In der darauffolgenden Schleife stand er auf und drehte sich zur Wand. Etwas Besseres fiel ihm gerade nicht ein. Außerdem wollte er jede Option in Betracht ziehen. Langsam zog er sein Schwert und begann auf die Wand einzuschlagen. Aussichtslos. Danach probierte er sämtliche Techniken aus, die ihm einfielen und in dieser Welt einsetzbar waren. Aber nichts half. Einfach gar nichts.

Als er nun zum x-ten Mal am Tresen erwachte, fehlte ihm die Kraft, sich ein weiteres Mal aufzuraffen. Mit einer zittrigen Hand fuhr er sich durch das schweißnasse Gesicht und presste die Augen zu. Er fühlte sich augenblicklich so ohnmächtig wie schon lange nicht mehr.

Je länger er dasaß, desto mehr beschlich ihn der Verdacht, dass er sich an das erinnern musste, um diesem Gefängnis entrinnen zu können. Alles andere hatte er bereits versucht. „Denk nach“, murmelte er sich selbst zu. „Denk nach. Du musst dich erinnern.“

Tief atmete er ein und schlug die Augen entschlossen auf. Wie viel Zeit er nun hier verplempert hatte? Keine Ahnung. Aber als er nun die Augen aufschlug, wusste er, dass er sich beeilen musste. Seine Aufmerksamkeit widmete er nun den kleinen Dingen der Umgebung. Hinweise, vielleicht gab es hier Hinweise darauf, was er gesagt haben konnte. Manchmal reichte lediglich ein kleines Puzzlestück, um sich an etwas zu erinnern.

Als ihm der Teller mit dem Obst auffiel, blieb sein Blick automatisch daran hängen. Obst. Da war doch was mit dem Obst und … Er beugte sich langsam über den Tresen, näher an die Schale heran, die hinter dem Tresen in einem Regal stand. Nach Luft schnappend schlug er schließlich mit der Faust auf den Tresen. Das wars!

Er wartete die nächste Schleife ab, sprang mit einem Satz über den Tresen und starrte Naruto abwartend an. Als Naruto die Schüssel auf den Tisch schepperte, konnte Sasuke seinen Ohren kaum trauen; der Knall ertönte laut und wäre Sasuke nicht froh um das Geräusch, so hätte er seinem blonden Freund wohl denselben genervten Blick zugeworfen, wie Kakashi es nun wieder tat.

Es schien zu funktionieren. Das musste es sein. Nur das über die Lippen zuckende triumphierende Lächeln verriet seinen ungewohnt jubelnden Gemütszustand. Er hatte es geschafft. Er hatte sich erinnert.

„Man war das gut“, rief Naruto ausgelassen und sah zu Sakura. „Sakura. Gehst du jetzt mit mir auf ein Date? Ich lade dich auch zu einer Nudelsuppe ein.“

Entnervt funkelte Sakura ihn an. Offensichtlich hielt sie wenig von Narutos Einladung.

„Vollidiot“, murmelte der junge Sasuke unfreundlich und zuckte mit den Schultern. „Wenn du jemanden einlädst, dann doch nicht dorthin, wo man sich fast täglich aufhält. Selbst du musst doch wenigstens ein paar wenige funktionierende Gehirnzellen besitzen.“ Sasuke sah von den beiden ab und atmete tief aus. „Sie mag Eis. Mit Früchten“, sagte er beiläufig. „Du solltest besser zuhören, Naruto.“

Sasuke hatte die Worte seiner jüngeren Ausgabe stumm mitgesprochen. Ja, er erinnerte sich daran. Sie hatte es mal erwähnt und Sasuke schien es sich tatsächlich gemerkt zu haben. Gut, dass es ihm wieder eingefallen war. Damals war ihm jedoch entgangen, wie verlegen Sakura darüber, dass er es sich gemerkt hatte, in die Schüssel gestarrt hatte. Es erstaunte ihn immer wieder, wie früh sie für ihn Gefühle gehegt hatte.

Verwirrt darüber, dass jetzt doch das Licht flackerte, stockte sein Atem. War das etwa doch nicht des Rätsels Lösung? Aber was sollte er denn bitte noch tun?

Er zischte und donnerte blindwütig die Faust auf den Tresen, als er sich wieder dort sitzend vorfand. „Das kann nicht wahr sein“, zischte er.

„Warum so verzweifelt?“

Verwirrt fuhr sein Gesicht nach rechts. Es war die junge Sakura, die neben ihm saß und urplötzlich mit ihm sprach. Konnte sie ihn etwa doch sehen?

Aufmunternd lächelte sie. „Danke für das Auffrischen dieser Erinnerung. Hier.“ Sie hielt ihm ihre Schüssel unter die Nase, in welche er automatisch hineinsah. „Du musst dich beeilen. Und noch was …“, fügte sie hinzu. „Manchmal sind die Dinge anders, als sie einem auf den ersten Blick erscheinen“, sagte sie. „Unsere Sinne sind nicht perfekt, weißt du? Wir sind nur Menschen und so sind auch unsere Sinne menschlich.“

Sasuke runzelte die Stirn. Wieder diese rätselhaften Formulierungen. Aber ehe er aufsehen und sich nach der Bedeutung erkundigen konnte, plumpste er bereits auf den matschigen Waldboden und blinzelte gegen die hölzerne Pforte. Er war zurück.

„Sasuke, du musst weiter.“ Die 16-jährige Sakura kniete plötzlich mit ernstem Gesicht neben ihm.

„Wie bin ich-?“

„Unglaublich, dass du deine Rückkehr aus eigener Kraft geschafft hast“, unterbrach Sakura ihn. „Du hattest großes Glück, dass du selbst Bestandteil dieser Erinnerung warst. Nur deshalb konntest du so einfach entkommen.“

Einfach? Sasuke hob skeptisch eine Augenbraue, was Sakura zwar sah, aber ignorierte. „Was erwartete mich am Ende des Waldes?“, erkundigte er sich schließlich und erhob sich vom Boden.

„Das, was du suchst“, sagte sie und nickte zuversichtlich. Indem sie eine lockere Faust ballte und diese wieder öffnete, offenbarte sie Sasuke das, was sie am Waldboden gefunden hatte. Erstaunt weiteten sich seine Augen, während er das warme Licht in ihrer Hand inspizierte. Es schimmerte hell, spendete ein seichtes Licht in der Dunkelheit des Waldes und löste ein heiteres Gefühl in Sasuke aus, sodass er doch tatsächlich den Drang danach verspürte, es berühren zu dürfen. Sakura jedoch war schneller als er. Wie ein Pfeil schoss ihre Hand zu seiner und drehte seine Handfläche gen Himmel. Sasuke zuckte zusammen, zum einen, weil Sakuras Hand eiskalt war und weil sie ihm gleichzeitig das warme Licht auf die Handfläche legte. Gerne hätte er es näher betrachtet, jedoch verschmolz es im nächsten Augenblick mit seiner Hand.

„Was ist das?“ Fragend sah er von seiner leeren Handfläche in Sakuras grüne Augen.

„Etwas, dass du möglicherweise noch brauchen wirst. Mehr kann ich dir dazu nicht sagen. Tut mir leid.“ Traurig sank ihr Blick zu Boden. „Ich würde dir gern mehr sagen können … aber.“ Sie verstummte.

Sasuke nickte einmal. Es musste einen triftigen Grund geben, wenn sie ihm nicht mehr sagen konnte. „Aber wann werde ich es brauchen?“

Matt lächelte sie, während sie antwortete: „Du wirst es merken.“ Ihre rosigen Lippen, die Sasuke so liebte, verzogen sich zu einem flüchtigen Lächeln, welches sein Herz kurzzeitig höherschlagen ließ. Ehe sie dann ging, sah sie ihn über die Schulter hinweg ein letztes Mal an. „Je stärker die Erinnerung, desto besser die Reflexion. Merk dir das!“

Sasuke blinzelte und schüttelte perplex den Kopf. „Was hat das alles zu bedeuten?“

„Geh nun weiter“, drängelte sie, ohne ihn anzusehen. „Die Zeit ist fortgeschritten.“ Dann verschwand sie in dem weißen und immer dichter werdenden Dunst, der sich plötzlich vom Boden erhob und Sasukes Sicht anwachsend trübte.

Mit dem Gedanken, keine Zeit mehr verlieren zu wollen, richtete Sasuke rasch den Blick auf den Weg, den er so unachtsam verlassen hatte, und schritt zielsicher voran.

Die Luft war längst voller Nebelschwaden, seine Kleidung davon angefeuchtet, als Sasuke endlich anhielt und den Kopf hob, um das zu begutachten, was ihm so plötzlich mitten im Wege stand. Ein altes Haus. Würde er dort endlich Mangetsu finden? Bevor er einen weiteren Schritt darauf zu machte, versicherte er sich mehrfach, ob der Weg auch wirklich dorthin führte, wo ihn seine Neugierde so unerbittlich hinzog. Und als er sich wirklich sicher war, dass der Weg zur Tür, und nur zur Tür, führte, kam er davor zum Stehen.

Rasch trat er wieder einen Schritt zurück und versuchte durch das Fenster zu spähen, welches sich rechts neben der Tür befand. Wäre es klug, einfach anzuklopfen? Vielleicht sollte er einfach eintreten, um sich nicht zu verraten. Die verschmierten Fenster gaben bedauerlicherweise wenig Aufschluss darüber, ob sich jemand in dem Haus befand. Im Haus selbst schien es stockdüster zu sein, man sah also nichts. Während er in einer rasenden Geschwindigkeit seine Optionen durchging, wurde ihm die Entscheidung augenblicklich abgenommen. Knarzend schwang die Tür auf – wie von Geisterhand.

Als er eintrat, fand er niemanden hinter der Tür vor, der diese geöffnet haben konnte. Mit zusammengekniffenen Augen sah er sich deshalb eilig um. Er stand in einem Raum, von dem er keine weiteren Türen abgehen sah. Ein Kamin, erbaut aus Backsteinen, war ihm gegenüber in der Wand eingelassen und beherbergte ein kleines prasselndes Feuer. Neben einigen Regalen und anderen alten Möbelstücken, die man wohl als antik bezeichnen konnte, befand sich neben ihm keine weitere Person in diesem Raum. Stirnrunzelnd betrachtete Sasuke die tänzelnde Flamme im Kamin. Sie erhellte den Raum, Sasuke hatte sie durch das Fenster aber gar nicht sehen können. Seltsam, dachte er.

Dass die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, ignorierte Sasuke. Stattdessen betrachtete er den Raum, der einer einzigen Rumpelkammer glich, etwas genauer. Überall stand alter Krempel herum, der in Sasukes Augen keinen besonderen Wert besaß. Jedoch war er wohl der letzte, der dies beurteilen konnte. Das Einzige, was er besaß, trug er doch stets am Körper. Mehr brauchte er nicht.

Mit einem mulmigen Gefühl ging er schließlich auf das Feuer zu und berührte die Steine des Kamins. Sie waren kühler, als er angenommen hatte. Gedankenverloren ließ er seine Hand über das raue Material gleiten und dachte nach. Wie viel Zeit ihm wohl noch blieb? Sein Blick blieb am Fenster hängen, denn in der Scheibe konnte er das flackernde Feuer aus dem Kamin erkennen. Was sollte er an diesem Ort tun? Er hob die Hand und starrte diese an. Brauchte er jetzt dieses Licht? Er sah sich nach allen Seiten um. Aber wofür? Und wie konnte er es zu seinen Gunsten nutzen?

Als ihm jemand eine Hand über die Schulter legte, lief es doch tatsächlich einem Sasuke Uchiha kalt den Rücken hinunter; er hatte niemanden hinter sich bemerkt oder gar gespürt. Das Aufspüren von Chakra war hier nämlich unbrauchbar, das war ihm bereits mehrfach aufgefallen. Überrascht fuhr er um und atmete erleichtert aus, als er in ein bekanntes Gesicht blickte. Es war Sakura aus der Gegenwart.

„Sakura!“

Sie lächelte. Ihre Haarlängen fielen ihr locker über die Schultern und selbst ihre Kleidung war exakt dieselbe, welche sie am heutigen Tag getragen hatte. Im Schein des schwachen Feuers wirkten ihre Augen müde.

„Schön, dass du da bist“, sagte sie mit brüchiger Stimme, die Sasukes Mundwinkel ungewollt zucken ließ. Er fühlte sich immer schlecht, wenn es ihr nicht gutging.

„Wo ist Mangetsu?“, fragte er sofort.

„Dort, wo er am meisten Einfluss auf mich hat.“

Sasuke kniff die Augen zusammen und schüttelte den Kopf. Er war es langsam leid. „Hör auf in Rätseln zu sprechen“, presste er hervor. „Das ist kein Spiel.“

„Ich weiß“, antwortete sie unerwartet scharf. „Aber du musst es selbst herausfinden. Sonst wird es dir verborgen bleiben.“ Stumm deutete sie auf den Boden und sah ihn dann abwartend an.

Seine Augen folgten ihrer Deutung. Er stutzte, als er erkannte, was sie ihm zeigen wollte. Der Weg. Er endete mitten im Haus. War dies also sein Ziel? Und jetzt? Fragend sah er wieder zu Sakura. Hier war doch nichts.

„Die Zeit läuft“, sagte sie, ohne ihren ernsten Ausdruck zu verändern oder von ihm abzusehen. Der Nachdruck in ihrer Stimme war überdeutlich, machte die Sache aber gerade deshalb nicht wirklich einfacher. Zeit, dachte er und sah sich um.

Als ihm eine große Standuhr auffiel, die halbherzig mit einem grauen Tuch bedeckt worden war, ging er darauf zu. Leicht zupfte er daran, woraufhin der Stoff zu Boden glitt und ein großes und altes Ziffernblatt offenbarte. In dem morschen Korpus, der ein regloses Pendel aus Metall behütete, fehlte die Scheibe. Das ungewöhnlich saubere und hochglänzende metallische Pendel stand still, und da der große Zeiger in die entgegengesetzte Richtung marschierte, nahm Sasuke an, die Uhr sei nicht funktionsuntüchtig. Im Gegensatz zu den anderen Gegenständen hier im Raum schien nur die Uhr nicht verstaubt zu sein. War er hier richtig?

Als Sakura plötzlich neben ihm stand und ihn erwartungsvoll ansah, überkam ihn augenblicklich eine ungute Vorahnung. „Läuft …“, begann er zögernd. „Die Zeit läuft ab?“

Sakura nickte zustimmend.

Vor Entsetzen weiteten sich seine Augen, als er das Dilemma nun erkannte. Die Uhr lief rückwärts, und der kleine Zeiger lag bereits auf der 12. Es waren nur noch der Sekunden- sowie der große Zeiger, welche sich bewegten und fünf Minuten davorstanden, sich mit dem kleinen zu vereinen.

Verdammt. Panik überkam ihn, als er den feinen Sekundenzeiger fixierte, der in einem erschreckenden Tempo seine Runden drehte. „Was passiert, wenn die Zeit …“, er stockte und ihm wurde schlagartig übel.

„Oh.“ Sakura lief plötzlich wie ein aufgescheuchtes Huhn los. „Moment, ich habe da doch noch was. Keine Panik.“

Keine Panik? Sasuke sah ihr fassungslos hinterher. Hatte sie das gerade wirklich gesagt? Er beobachtete sie dabei, wie sie in einer Kiste kramte und mit eben einem solchen Leuchten, das er bereits kannte, in der Hand zu ihm zurückkam. Unbeirrt und Sasukes verdutzten Ausdruck ignorierend hob sie ihre Hand und führte das Licht auf das Ziffernblatt der Uhr zu. Er staunte nicht schlecht, als das Licht darin verschwand und der Zeiger um etwa 5 Minuten zurücksprang.

Moment. Er betrachtete wieder seine Handfläche. So etwas hatte er doch auch. Und das gleich zweimal. Er spreizte die Finger, schloss die Hand und öffnete sie wieder, aber nichts passierte. Hilfesuchend sah er Sakura an. Aber wie konnte er es nutzen?

„Balle eine Faust und öffne sie ganz langsam und ungezwungen“, antwortete Sakura lächelnd, als hätte sie seine Gedanken gelesen. Sasuke gehorchte und zu seiner Erleichterung funktionierte es tatsächlich. Nachdem er die beiden Kugeln in das Ziffernblatt eingeführt hatte, sprang der große Zeiger um weitere 10 Minuten zurück. Sein Herzschlag beruhigte sich etwas - er hatte Zeit gewonnen. Das war gut. Zwar nicht viel, aber immerhin. Und eigentlich wusste er ja gar nicht, was passieren würde, liefe die Zeit ab. Sich darüber den Kopf zu zerbrechen, würde aber wohl keinem etwas bringen.

„Was war das?“, fragte Sasuke nun trotzdem. Es interessierte ihn einfach zu sehr.

„Ist jetzt unwichtig“, drängelte Sakura. „Denk nach, Sasuke“, sagte sie mit einem energischen Unterton, um ihn wohl an die Dringlichkeit seiner Aufgabe zu erinnern.

„Er ist also in einer deiner Erinnerungen,“ sagte Sasuke, denn er schloss dies aus ihren Worten und seiner Vermutung.

Sakura nickte schwach.

„In welcher?“, wollte er wissen und sah sich dann suchend um. Wasser, er brauchte Wasser.

„In jener, in welcher er den größten Einfluss auf mich hat“, wiederholte sie. Kurz sah er sie wieder an, nickte und fuhr dann zu einem der Regale neben dem Kamin um. Dort hatte er bereits beim ersten Analysieren des Raums diverse Schalen und Tontöpfe entdeckt. Irgendwo musste sich Wasser befinden, da war er sich sicher. Wahrscheinlich wie in den Schalen mit Ramen.

Während Sasuke nun nach und nach jeden Krug und jede Schale in die Hand nahm, um deren Inhalt zu überprüfen, dachte er an die Worte aller Versionen von Sakura zurück, die ihm in dieser mentalen Welt seiner Ehefrau begegnet waren.

Sicher musste diese Erinnerung sehr emotional, also stark, sein, dachte er. Nur logisch fand er, wenn unwichtigere Erinnerungen verblassen und gelöscht werden können. Es war doch so, dass man sich immer besser an die Dinge erinnern konnte, die mit starken Emotionen verbunden waren. Das kannte er nur zu gut. Die 16-Jährige hatte weiterhin davon gesprochen, dass die Reflexion stärker wäre, wenn die Erinnerung an sich emotionaler war. Er atmete tief ein und stellte auch die nächste Schale zurück, nachdem er hineingesehen hatte. Bisher waren sie allesamt leer gewesen. Das bedeutete, fuhr er in Gedanken fort und packte die nächste, er musste tief in das Wasser sehen, in welchem er sich selbst am besten sehen konnte. So musste es sein! Das war nur logisch.

Mit jedem Krug und jeder Schale, die leer waren, wurde er jetzt ein wenig hektischer und schneller, bis er schließlich das unbrauchbare Tongeschirr zu Boden fallen ließ, um sich das nächstbeste schneller greifen zu können. Scheppernd zerschellte es und Sakura beobachtete ihn dabei stumm.

Wieder nichts! Verdammt. Mehr und mehr Scherben sammelten sich zu seinen Füßen. Als er zum nächsten Regal eilte, blickte er beiläufig auf die Uhr. Laut dieser blieben ihm etwa noch acht Umdrehungen des kleinen Zeigers, bis die Zeit ablaufen würde. Vielleicht hatte er noch fünf oder sechs Minuten. Mehr wohl nicht.

„Scheiße.“ Seine Hand zitterte wieder, Schweißtropfen zeichneten sich auf seiner Stirn ab. Und er riss das nächste Gefäß einfach um, bevor er überhaupt hineingesehen hatte. Gerade noch so bekam er es zu packen. Leer, dann zerschellte es auf dem Boden. Verdammt, wieso konnte er nicht einfach kämpfen? Etwas mit Kraft und Verstand lösen können. Diese Fummel-Arbeit lag ihm so gar nicht.

Er erstarrte schlagartig, als ihm das letzte Gefäß aus der Hand glitt, bevor er sich hilflos nach weiteren umsah. Es gab keine weiteren, hier gab es kein Wasser. Angst durchfuhr ihn, ließ ihn ein lautes Pochen in seinem Ohr vernehmen. Wieso war hier kein Wasser, verdammt?

Als er wieder zur Uhr sah, blieben ihm nur noch knapp drei Umdrehungen. Es musste hier doch irgendetwas geben, was seine Gestalt reflektierte. Seine Gedanken begannen sich zu überschlagen, ehe er augenblicklich erstarrte. Und erst, als er sich zum Fenster drehte, biss er sich so heftig auf die Lippe, dass er sogleich sein eigenes Blut schmeckte. Er war so unglaublich dumm. Nicht nur Wasser zeigte sein Spiegelbild. Nein, auch die Scheibe, schließlich hatte er doch das Feuer darin gesehen. Und worin würde man sich am besten sehen können? Natürlich, in einem Spiegel.

Ein Spiegel. Er fuhr suchend um; er brauchte mehr Zeit, aber er hatte keine. Gleiches traf auf einen Spiegel zu. Sein Herz raste, schlug ihm so heftig gegen die Brust, als wollte ihm sein Körper den Sauerstoff vorenthalten. Das Fenster war so schmierig, man sah sich nur schlecht darin. Vielleicht gab es etwas Besseres, er wollte auf den letzten Metern nichts riskieren. Als sein verzweifelter Blick erneut zur Uhr ging, stutzte er. Das Pendel. Es war aus Metall. Das runde Stück am Ende schien besonders akribisch poliert worden zu sein. Vielleicht nicht ohne Grund.

„Das Pendel“, rief er laut hinaus und sprang gleichzeitig mit einem Satz vor die große Standuhr, um sich das Pendel nun genauer anzusehen. Flüchtig sah er Sakura an, die wieder bei ihm stand und so lächelte, wie er es kannte. Er wusste, sie gab ihm ein Zeichen, ein unauffälliges, vielleicht auch ein unbewusstes, welches nur er bemerken konnte.

Der laute Gong, der jetzt ertönte, ließ Sasuke so zusammenzucken, als hätte ihm jemand unverhofft eine übergebraten. Die Uhr. Sie schlug 12. War es etwa zu spät? Panisch wollten seine Augen nach dem Ziffernblatt suchen und dann Sakura ansehen, aber er zwang sich, stattdessen das Pendel zu fixieren, und beugte sich zu diesem hinab. Die Uhr schlug ein zweites Mal und ein drittes Mal. Er sah sich selbst, und da das Metallstück nach hinten abgerundet war, verzerrte es Sasukes Anblick. Ein vierter Gong ertönte, ein fünfter und dann ein sechster. Sasuke bewegte das Gesicht noch näher an das Pendel heran und biss die Zähne aufeinander. So kurz vor dem Ziel konnte er doch nicht scheitern, es musste doch gehen. Als der achte Gong ertönte, begann er darüber nachzudenken, ob er nicht anfangen sollte, zu einem der vielen Götter zu beten. Der neunte Gong ließ ihn sein Vorhaben in die Tat umsetzen. Noch nie hatte Sasuke ein Gebet gesprochen, und um ehrlich zu sein, kannte er nicht mal eines. Aber das war nun völlig irrelevant. Der elfte Gong. Schweiß lief ihm die Stirn hinab. Hatte er doch falsch gelegen? Sasuke riss die Augen auf. Endlich. Da tat sich endlich die lang ersehnte Spirale auf und verschluckte seinen Körper noch im selben Wimpernschlag.

Als er die Augen aufschlug, war alles um ihn herum weiß.

War er tot? Er warf den Kopf zu allen Seiten. Hatte er den Moment verpasst? Schließlich schlägt die Uhr doch um Punkt 12, und so musste er den Moment verpasst haben, oder nicht?

Hastig fuhr er um, als ein lautes Klatschen hinter ihm ertönte. Sasukes Augen nahmen die Form von bedrohlichen Schlitzen an, als er ihn sah – Mangetsu. Die bis eben endlich fesselnde Panik wandelte sich augenblicklich in ungehaltene Wut um, die so sehr loderte, dass Sasuke sie kaum zurückhalten konnte. Er wollte ihn tot sehen. Sofort. Ohne zu zögern, umfasste er den Griff seines Schwertes und legte den Oberkörper leicht nach vorne, um auf jegliche Überraschungsangriffe gefasst zu sein. Dann atmete er tief ein, um keinen unüberlegten Schachzug zu vollziehen, den er im Nachhinein vielleicht bereuen würde.

„Sasuke Uchiha“, sagte Mangetsu in einem gleichgültigen Ton, der weder Freude noch Trauer oder Ärgernis versprühte.

Sasuke beantwortete die Begrüßung lediglich mit einem verachtenden Zischen. Mehr hatte dieser Dreckskerl nicht verdient. Nur einige Meter entfernt stand sein Gegner einfach da, bewegte sich nicht vom Fleck und musterte ihn mit seinen giftgelben Augen. Die schwarze Lederkutte umhüllte seinen dürren Körper und zeigte nur seine knochigen Finger, die auf den Rest seines Körperbaus schließen ließen. Die Kapuze der Kutte ruhte auf seinem Rücken, und so präsentierte er ungeniert sein blasses und eingefallenes Gesicht. Dass Mangetsu mittlerweile anders aussah, viel gesünder und muskulöser, wusste er von Sakura. Weshalb sah er hier also noch so krank aus?

„Was eine Überraschung“, gestand Mangetsu plötzlich. „Nie im Leben hätte ich gedacht, dass wir uns hier treffen würden. Wie seid ihr darauf gekommen, hier nach mir zu suchen?“ Er lachte auf. „Deine süße Ehefrau hat doch nie ein Wort darüber verloren, dass ihre Träume Auslöser eurer pausenlosen Verfolgung sein könnten.“

Sasukes Lippen wurden schmal. Es stimmte also. „Was ist das für ein Genjutsu?“, rief er seine Gegenfrage laut.

„Ein äußerst praktisches, oder nicht?“ Mangetsu lachte amüsiert auf, ehe sein Gesicht ernst wurde. „Weißt du, uns ist nicht mal bewusst, dass wir zu so etwas in der Lage sind.“

„Wie meinst du das?“ Sasukes Augenbrauen zogen sich zusammen.

„Eigentlich hatte Mangetsu den Plan, deine Frau mit seinem Genjutsu zu manipulieren, um dich erpressen zu können.“ Er hob die Arme und schwenkte die Hand so, als präsentierte er ihm etwas. „Dabei ist aber das hier entstanden.“

„Und was ist das?“

„Nicht das Genjutsu, welches er eigentlich anwenden wollte. Den Grund dafür kennen wir nicht. Vielleicht vertragen sich die beiden Chakraströme nicht. Wir saugen zwar fremdes Chakra, wandeln es aber mit der Zeit in unser eigenes um. Für das eigentliche Genjutsu leiten wir unser Chakra unbemerkt in die Körper anderer. Ganz genau genommen, in das Gehirn der jeweiligen Person. Dort bleibt es verborgen und geht irgendwann in eine Form des eigenen über. Dabei kann es sich im gesamten Körper verteilen und kann nicht mehr als fremdes lokalisiert werden. Wir können dabei festlegen, in welchen Situationen es die Zellen dazu anregt, sich sofort zu teilen, und damit die Person augenblicklich in Stücke zerreißen zu lassen. Es zerfetzt einen also von innen heraus.“ Mangetsu lachte begeistert. „Ist das nicht toll? Dafür sind eine innige Berührung und ein längerer und direkter Blick in die Augen notwendig.“

Sasuke zischte wieder. Der Kerl war wirklich verrückt. Und es irritierte ihn zunehmend, dass Mangetsu von sich in der Mehrzahl sprach.

„Und worin unterscheidet sich jetzt diese Form des Jutsus,“ Sasuke deutete mit einer leichten Kopfbewegung um sich,“ vom eigentlichen?“

Mangetsu grinste zufrieden und schloss kurz die Augen. „Es hat bei Sakura nicht funktioniert. Stattdessen hat ihr Chakra einen echten Teil von uns eingesogen. Einen Teil unserer Persönlichkeit, so vermute ich. Bei einem normalen Menschen wäre sowas wohl nicht möglich, aber unser Leben ist unwiderruflich an vergängliches Chakra gebunden. So ist es bei jeder Zelle und auch bei unserer Persönlichkeit. Die meisten Menschen haben mehrere, auch, wenn es vielen vielleicht nicht bewusst ist.“

„Wieso erzählst du mir das alles?“

„Nur so. Gewinnen kannst du sowieso nicht“, antwortete Mangetsu und zuckte mit den Schultern. „Niemand sollte unwissend sterben. Selbst du nicht.“

Sasuke zog unbeeindruckt über die Drohung dieses Kerls, der offensichtlich eine multiple Persönlichkeitsstörung haben musste, die Augenbrauen in die Höhe. „Und damit kannst du ihre Träume beeinflussen?“

„Bingo“, rief er begeistert und grinste breit. „In ihren Träumen ist deine süße Ehefrau wie ein offenes Buch. Unschuldig und naiv. Mädchenhaft und verträumt.“ Er grinste. Es schien ihn zu amüsieren, dass er Sasuke in der Hand hatte. Und Mangetsus Worte ließen ihn innerlich rasend werden. Nach außen hin sah man es ihm jedoch nicht an.

Dann erschien Mangetsu plötzlich nachdenklich. „Aber wie bist du zu mir gelangt? Ich hätte dich doch bemerken müssen, schließlich verfüge ich über den Zugriff auf ihr gesamtes Unterbewusstsein.“ Als er sich die Faust auf die Handfläche schlug, schien ihm eine Erleuchtung gekommen zu sein. „Ich weiß. Sie haben dir Zeit gesucht.“

Sasuke stutzte. „Zeit? Zeit kann man doch nicht wie einen verlorenen Gegenstand suchen.“

„Doch, Zeit. Die leuchtenden Kugeln. Und natürlich, Zeit liegt überall, man muss nur die richtige Entscheidung treffen, eine, die Zeit einspart, dann gewinnt man welche. Ist doch völlig logisch.“

Sasuke starrte Mangetsu an. Für ihn war das keineswegs logisch. Aber hier erschien rein gar nichts nach rationalen Prinzipien zu laufen. Wobei wohl ein bisschen Wahrheit in seinen Worten liegen mochte.

„Sag mir, wo ich dich finden kann,“ forderte Sasuke. „Dein echtes Ich.“

„Selbst wenn ich es wollte, ich könnte es nicht.“

„Red‘ keinen Unsinn.“ Langsam wurde Sasuke wütend. Eben war der Teil von Mangetsus Persönlichkeit doch noch ganz mitteilungsbedürftig gewesen.

„Es ist die Wahrheit. Ich selbst habe keine direkte Verbindung zu dem Original. Ich bin lediglich ein Teil seiner Persönlichkeit.“

„Seid ihr hinter dem Sharingan her?“

„Ja“, gestand Mangetsu unverblümt und legte grinsend den Kopf schief.

„Und auch hinter dem Byakugan?“

„Ja.“

„Was habt ihr damit vor?“

„Den Götterbaum zu erwecken und Kaguya wiederzubeleben, unsere Mutter und Göttin.“ Mangetsu betrachtete gelangweilt seine Finger.

„Bist du wirklich ihr dritter Sohn?“

„So steht es geschrieben.“

„Und du weißt es?“, bohrte Sasuke jetzt genauer nach.

„Wir haben unser Gedächtnis verloren. Das ist das, was wir unseren Unterlagen entnommen haben.“

„Du hast also wirklich 100 Jahre geschlafen?“

„Das haben wir. Große Chakrareserven ermöglichen es uns, in einen tiefen Dämmerzustand zu fallen. Man könnte es wohl mit dem Winterschlaf von Tieren vergleichen. Nicht mit der Winterruhe zu verwechseln. Nur, dass dabei jegliche Körperprozesse pausieren, so auch das Altern.“

Sasuke seufzte leise. Neben seiner Ausdrucksweise, die unglaublich nervte, war er noch ein unglaublicher Klugscheißer. Alles in ihm sehnte sich danach, den Kerl auszuschalten, und dass, obwohl sie in Konoha ihre Feinde lediglich gefangen nahmen. Aber hier handelte es sich nicht um den echten Mangetsu. So galt die Regelung hier wohl kaum.

„Aber eigentlich willst du mich doch etwas ganz anderes fragen, oder nicht?“ Er grinste gehässig, verschränkte die Arme und machte sich größer, um seine Macht über Sasuke zu demonstrieren.

Sasuke zögerte, stellte dann aber diese eine Frage. „Ist es ein solches Jutsu, bei dem Sakura sterben könnte?“

„Nein. Die Dinge waren zwar anders geplant, es drehte sich aber nun alles zu unseren Gunsten. Es wäre alles andere aus vorteilhaft für uns, wenn wir mögliche Quellen des Sharingans eliminieren.“

Entschlossen, dem Ganzen endlich ein Ende zu setzen, zog Sasuke sein Schwert.

Mangetsus Augen weiteten sich, als er in das Metall der scharfen Klinge blickte. Unbeholfen wich er einige Schritte zurück.

„Hast du keine anderen Fragen mehr?“, fragte er plötzlich mit einem Anflug von Angst in seiner Stimme.

„Nein“, antwortete Sasuke und ging einen Schritt auf ihn zu.

„Willst du nichts mehr über mein Original wissen?“

„Nein“, meinte er trocken. „Ich will dich auslöschen.“

„M-mo-ment.“, stotterte Mangetsu und riss die Hände in die Luft. „Ich kann dir noch etwas über unsere Geschichte erzählen.“

„Die kenne ich bereits“, erwiderte Sasuke gelangweilt und unternahm einen weiteren Schritt, hielt dann aber augenblicklich inne. Wollte Mangetsu mit seinem Gerede etwa Zeit gewinnen? „Du spielst auf Zeit“, blaffte er ins Blaue und Mangetsus verblüffter Ausdruck verriet ihm sofort, dass er ins Schwarze getroffen haben musste. Dann sah er auf. Erst jetzt fiel ihm nämlich dieses penetrante Ticken auf, welches für seine Ohren zuvor verborgen geblieben war. Er senkte den Blick und erkannte plötzlich ein riesiges Ziffernblatt, das offensichtlich als Boden diente. Diesmal lief der große Zeiger jedoch im Uhrzeigersinn auf die Zwölf zu.

Unterdessen drehte sich Mangetsu um und lief in die Ferne. Sasuke schnaubte darüber nur amüsiert, denn das würde wenig bringen. Die wenige Zeit, die ihm noch blieb, würde zehnmal dafür ausreichen, um ihm das Schwert in die Brust zu rammen.

Nichtsahnend tat sich plötzlich eine Welt um ihn herum auf.

„Was … zum …“ Blinzelnd sah sich Sasuke um. Vor ihm hatte sich eine eindrucksvolle Schlucht gebildet, die nun zwischen ihnen lag. Auf der anderen Seite grinste Mangetsu triumphierend. Sasuke trat an die Schlucht heran. Sie war tief und zum Springen zu weit. Sein Susanoo konnte er hier nicht verwenden und so war das Fliegen ebenso ausgeschlossen. Zum ersten Mal seit langem beneidete er Naruto um seine Fähigkeiten. Er konnte schließlich einfach fliegen.

„Ha“, rief Mangetsu ihm zu. „Dir bleiben nur wenige Minuten, bis du diesem Ort entfliehen kannst. Ich habe ihn geboren, Sakuras Erinnerungen beiseitegeschoben und konnte somit ein Zeitlimit nach meiner Wahl erschaffen. Dann sind sowohl du als auch deine Frau leblose Hüllen, die wir lediglich einsammeln müssen. Er lachte schallend.

Sasukes Faust vibrierte vor Wut. So eine Scheiße. Natürlich war Mangetsu ihm hier im Vorteil, schließlich war das seine Welt, obwohl Sasuke sein Genjutsu nutzte, um darin eintauchen zu können. Rasch sah er sich um. Er würde einen großen Umweg im Kauf nehmen müssen, um über die Schlucht gelangen zu können. Wenn es überhaupt einen Weg gab, daran zweifelte er arg.

„Wir sind nur Menschen und somit sind auch unsere Sinne menschlich.“

Es war Sakuras Stimme, die ihm plötzlich im Kopf widerhallte. Stimmt. Was hatte sie noch gesagt? Sinne können getäuscht werden. Manchmal sind die Dinge anders, als man auf den ersten Blick annimmt.

„An deiner Stelle würde ich mich ja beeilen“, rief Mangetsu und lachte.

Den Hinweis ignorierend beugte sich Sasuke hinab und betrachtete die Schlucht vor seinen Füßen genauer. Jetzt, wo er akribisch genau hinsah, da wirkte die Erscheinung vor ihm irgendwie seltsam. So matt.

Ihn durchfuhr eine Vorahnung, weshalb er Mangetsus Ausdruck genau fixierte. Je länger Sasuke starrte, desto unruhiger schien sein Feind zu werden. Das erschien ihm äußerst verdächtig, denn bis eben war er sich doch noch so sicher gewesen, gewonnen zu haben.

„Worauf wartest du?“, rief Mangetsu zu ihm hinüber. So sehr er sich auch bemühte, die Fassung zu behalten, Sasuke sah genau, dass er danach nervös die Zähne aufeinander gebissen hielt. „Willst du etwa unbedingt als lebloser Körper in der echten Welt zurückbleiben?“

Ein tückisches Lächeln fuhr Sasuke über die Lippen, als er verstand und entschlossen einen Schritt auf die Schlucht zuging. Mit diesem penetranten Drängeln hatte er sich nun endgültig verraten. Er hob seinen Fuß und hielt diesen über die Schlucht. So einfach würde er sich nicht mehr von dem Schwachkopf verarschen lassen, dachte er und beobachtete dabei, wie Mangetsu unsicher seine Hände ballte. Sasuke schnaubte triumphierend, als er auf den harten Boden trat, und nicht, wie diese optische Täuschung ihm vorspielte, hinabfiel. Da war gar keine Schlucht. Dabei handelte es sich lediglich um eine Täuschung seiner Sinne – mehr nicht! Vielleicht benötigte er mehr Zeit, um eine echte Schlucht zu bilden. Und eigentlich interessierte es ihn wenig, wie dieser läppische Taschenspielertrick funktionierte.

Keine Sekunde mehr verschwendend stürmte er los und rammte Mangetsu noch im selben Atemzug die Klinge in die Brust. Keuchend ging dieser zu Boden und löste sich einfach auf.

Es war vollbracht.

Erleichtert ließ Sasuke den Arm sinken. Das Ticken der großen Uhr verstummte und auch die optische Täuschung verschwand. Dann sah er sich um. Sollte dies nicht Sakuras emotionalste Erinnerung sein? Hier war doch nichts. Nur weiß.

Ein einziger Lichtblitz zog sich in Sekundenschnelle von oben herab und füllte den Raum komplett aus. Sasuke wurde so sehr geblendet, dass er sich reflexartig die Hand vor die Augen riss. Dann hörte er Geräusche, vernahm Wärme auf der Haut und einen Geruch, der ihm sehr vertraut vorkam – es roch nach Sakura.

Als er die Hand sinken lassen konnte, war der helle Lichtblitz verschwunden. Stattdessen spielten sich, wie in einem Film, unmittelbar vor seinen Augen die verschiedensten Erinnerungen von Sakura ab. Die meisten hatten tatsächlich mit ihm zu tun, was ihn schmunzeln ließ. Aber auch Naruto, Ino und ihre Familie waren häufig Inhalt dieser. Er sah unter anderem, wie sie beide zu ihrer gemeinsamen Reise aufgebrochen waren, wie er ihr einen Heiratsantrag gemacht hatte und wie sie - Sasuke wurde plötzlich ganz heiß - ihr erstes Mal vollbracht hatten. Wie sie gemeinsam vor der Tür gestanden hatten, kurz vor ihrer Hochzeit, Sakura von ihrer Schwangerschaft erfahren hatte … und und und …

So viele Eindrücke rieselten auf ihn ein, manchmal liefen mehrere Erinnerungen gleichzeitig ab, sodass er kaum wusste, wo er hinsehen sollte.

Im nächsten Augenblick fand er sich in der Hütte wieder, von der er durch die Uhr zu Mangetsu gelangt war.

„Das wars“, sagte Sakura erleichtert. Sasuke betrachtete blinzelnd die Uhr. Sie war zerstört.

„Ich glaube, du solltest ihr nicht erzählen, was du hier alles gesehen hast. Ich bin mir sicher, dass es deine Ehefrau in Verlegenheit bringen würde“, erklärte Sakura und blickte mit geröteten Wangen zu Boden.

Sasuke nickte. „Was genau hatte es mit dieser Zeit auf sich?“

„Ah, ja. Wir haben die Zeit permanent in der Vergangenheit gehalten. So konnte Mangetsu dich nicht wittern. Sonst hättest du ihn wahrscheinlich nie gefunden, weil er den Weg verschlossen hätte. Du kannst nicht ewig hier bleiben. Permanent haben wir, also Sakuras Unterbewusstsein, nach Zeit gesucht und diese gezielt gegen Mangetsu eingesetzt. Wir mussten uns möglichst unauffällig verhalten, er hätte es sonst bemerkt.“

Wieder nickte Sasuke. „War ich denn aber nicht zu spät? Die Zeit war doch abgelaufen.“

Heftig schüttelte Sakura den Kopf. „Da hat Mangetsu sich sein eigenes Grab geschaufelt. Er ließ die Zeit hier rückwärtslaufen und so kündigt der letzte Gong die Zwölf Uhr an, nicht der erste.“

Sasuke runzelte die Stirn. Sakura hatte ihm zwar eine Antwort gegeben, wirklich logisch klang das alles für ihn aber noch immer nicht.

„So, und nun ist es an der Zeit für dich, zurückzukehren“, sagte sie. „Ich hoffe, wir beide müssen uns nie wieder sehen.“ Auch wenn sie ihre Worte ernst meinte, lächelte sie.

Kaum hatte sie diese Worte gesprochen, verloren die Farben seiner Umgebung rasant an Kraft, bis sie vollkommen verschwanden.

Wie heißes Wasser drückte sich der Sauerstoff in Sasukes Lungen, als er wieder die Bäume des Waldes vernahm, in dem sie sich befanden. Sakuras Körper fiel wie ein nasser Sack schlaff nach hinten weg und es war Ryugo, der sie auffing.

„Habt ihr …“?, fragte er aufgeregt.

Sasuke nickte. „Es ist alles in Ordnung. Er ist weg.“

„Gott sei Dank“, stöhnte Juli so ausgelassen, als wäre sie eine alte Frau mit Atemproblemen. Sasuke sah die blasse Brünette an einem Baum lehnen.

„Wie viel Zeit ist vergangen?“ Sasuke nahm Sakura entgegen. Sie schlief.

„Etwa eine Stunde würde ich sagen“, antwortete Ryugo.

Sasuke hob die Brauen. So wenig? Ihm war das Ganze wesentlich länger vorgekommen.

Sanft lehnte er Sakura an einen Baum und fasste instinktiv, obwohl er doch wusste, dass ihr nicht kalt sein würde, nach seinem Umhang, um sie zuzudecken. Eine Weile betrachtete er sie stumm. Ihre zarten Lippen öffneten sich leicht, um in rhythmischen Abständen Luft auszustoßen. Dann lächelte er erleichtert, was keiner sah, denn er hatte ihnen den Rücken zugekehrt.

Er hatte es geschafft. Er hatte seine kleine Familie beschützt.

Bei seinem nächsten Gedanken verhärtete sich sein Gesicht jedoch schlagartig. Schlagartig. Die Gefahr bestand nur seinetwegen - wegen seines Sharingans.


༻✾༺


Bitte lest die Ankündigung unten!

Freunde der Sonne,

nun bin ich unter der Haube Vielleicht folgt demnächst mal ein Bild, sobald die Fotografin diese bearbeitet hat. Insgesamt hatten wir eine großartige Feier. Wir waren zwei Wochenenden voll involviert, weshalb mein Urlaub wie im Fluge vergangen ist :( Voll schade.

Es tut mir leid, dass dieses Kapitel so lange hat auf sich warten lassen, aber ich hatte einfach keine Zeit und keinen Kopf ^^

Wichtige Ankündigung:

Ich habe mich dazu entschieden, die Geschichte erst zu Ende zu schreiben, bevor ich weitere Kapitel veröffentliche. Es nervt mich immer wieder selbst, dass ich Unterbrechungen mit einbauen muss! Und es stresst mich enorm, dass ich jede Woche ein neues Kapitel schreiben und das alte überarbeiten muss. Das schaffe ich einfach nicht mehr, wo ich nun Vollzeit in arbeite! :( Der Druck macht mich müde, lustlos und unkreativ - und so sollte es nicht sein!

Ihr könnt auf meinem Profil, in dieser Infoleiste, dennoch weiterhin verfolgen, wie weit ich bin. Ihr sollt nicht den Eindruck erlangen, ich hätte keine Lust mehr, oder möchte die Geschichte nicht beenden. Das ist nicht der Fall! Deshalb möchte ich das für euch so transparent wie möglich gestalten. Ich würde ja so gerne mit meiner Neuen beginnen wollen, weshalb ich diese so schnell wie möglich fertig schreiben möchte! Aber es ist mir ebenso wichtig, diese ordentlich zu beenden!

Zum Kapitel:

Hoffentlich hat euch die kleine Reise ins Wunderland gefallen. Ich muss gestehe, die Idee mit dem "Wunderland" war recht spontan, wobei der Inhalt natürlich weitaus länger geplant war. Nämlich genau ab dem Zeitpunkt, an dem Mangetsu Sakura im ersten Teil berührt und in die Augen gesehen hat ;) Zum ersten Mal habe ich absichtlich versucht, etwas "Verrücktes" zu schreiben, etwas wirklich Unwirkliches, etwas , was nicht logisch ist, weil es an Zauberei und Magie erinnert. Es war eine Herausforderung, beim nächsten Mal gehe ich das Ganze etwas kleiner an ;) haha.

Bleibt gesund :)

Eure Juli
<3
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