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Unsere Bestimmung - Sakura & Sasuke (Part 3)

von JuliTales
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Het
Naruto Uzumaki Sakura Haruno Sarada Uchiha Sasuke Uchiha
29.01.2021
12.02.2022
43
192.131
31
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02.10.2021 4.828
 
Sasuke Pov


༻✾༺

„Ich habe Angst."

Es war die flüsternde Stimme eines kleinen Mädchens, die Sasuke so deutlich vernahm, als säße dieses mitten in seinem Kopf. Besonders die Bange, die diesem reinen Klang so unmissverständlich beigemischt war, ließ ihn aufhorchen. Doch als es ihm endlich gelang, die Lider zu heben, um sich nach ihr umzusehen, um das zu erkennen, was sie bedrückte, war dort gegenwärtig niemand zu erkennen. Nur die Farbe Grün, deren Nuance ihn schlagartig an Sakuras Augenfarbe erinnerte, umgab ihn von allen Seiten, als stünde er in einem einzigen Farbklecks, der ihn in sich gefangen hielt.

Er wandte den Kopf zu allen Seiten. Aber er sah in jeder Richtung wieder nur Grün, Grün, Grün und abermals Grün. Während er den Kopf bewegte, seine Füße auf der Stelle traten und der Arm mitschwang, fiel ihm auf, dass er sich so unglaublich leicht fühlte, so unbeschwert. Das hatte er weniger erwartet. Auch der jetzt sein Ohr erreichende und sanft plätschernde Klang – er war wie aus dem Nichts aufgetaucht – ließ seine Gedanken zwar einen entsprechend kleinen Bach abbilden, seine Augen hingegen konnten diesen nicht erfassen. Und da ihm vorerst nichts anderes übrigblieb, lauschte er den rasant zunehmenden Klängen und versuchte, sich seine Umgebung vorzustellen.

Irgendwo, nicht sehr weit entfernt, befanden sich einige Vögel, die aufgeregt um die Wette eiferten. Und als er den Kopf anhob, pfiff ihm plötzlich der Wind um die Ohren und der Geruch von Gras und Grün stieg ihm in die Nase.

Dann zog plötzlich jemand an seinem Ärmel. „He, du. Wer bist du?" Wieder war es die Stimme des kleinen Mädchens, die er eben noch in seinem Kopf vernommen hatte. Jetzt, wo sie aber neben ihm zu stehen schien, kam ihm die Stimme äußerst bekannt vor.

Er senkte den Kopf und sah dorthin, wo er das Mädchen vermutete. Aber da war noch immer niemand. Er stöhnte laut. So langsam nervte das. Wie sollte er sich hier blind bewegen?

„Hallo? Hörst du schlecht?", fragte sie energischer und zog noch heftiger an Sasukes Ärmel.

Und dann - ganz plötzlich – zogen sich verschiedenste Farben zu Boden, als regneten sie hinab. Unmittelbar vor seinen Augen begannen sich die Primär- zu Sekundär- und Tertiärfarben zu vermischen. Sie bildeten helle und dunkle Nuancen aller Farben aus, um das gesamte für den Menschen sichtbare Lichtspektrum, mit all seinen elektromagnetischen Wellenlängen, abzudecken, welches die Sehsinneszellen des Auges zu vernehmen vermochten. Die Farben flossen ineinander, bildeten neue, formten das saftige grüne Gras, den plätschernden blauen kleinen Bach, die strahlende gelbe Sonne und schlussendlich Sakuras smaragdgrüne Augen, die ihn ungeduldig anfunkelten.

„Sakura", keuchte Sasuke überrascht und beobachtete, wie das Mädchen aufgebracht ihre dünnen Ärmchen in die Hüften stemmte und die Lippen schürzte. Sie war jung und wohl um die 5 Jahre alt. An ihrem winzigen kleinen Körper flatterte ein weißes Sommerkleidchen im Wind und kleine, filigrane Kirschblütenapplikationen leuchteten ihm in einem grellen Pink entgegen. Im Haar trug sie zwei kleine rote Schleifen, als symbolisierten sie kleine Hasenohren, was Sasuke schnauben ließ. Auch, wenn er solchem Kitsch wenig abgewinnen konnte, musste er tief in seinem Inneren dennoch zugeben, dass es schon recht niedlich aussah. Und sie grinste jetzt. Frech, selbstbewusst, und streckte ihm die Zunge heraus. Dann wurde ihr Ausdruck wieder ernster.

„Wieso kennst du meinen Namen?", fragte sie und legte den Kopf schief. Ehe Sasuke auch nur ansatzweise dazu kam, ihr eine Antwort zu geben, drehte sie sich bereits geschwind auf dem Absatz um und hüpfte unbeschwert davon.

Nachdenklich sah Sasuke ihr nach, überlegte noch kurz, ob es klug wäre, ihr zu folgen, verharrte aber vor Ort. Möglicherweise war dies eine Falle? Ebenso leicht, wie er sich fühlte, beobachtete er, wie auch die kleine Sakura durch die Luft tanzte, als wäre sie so leicht wie eine Feder. Leichtfüßig hüpfte sie über den kleinen plätschernden Bach, der sich wenige Schritte neben Sasuke befand und sich in scharfen Schlangenlinien endlos fortzog und in der Ferne eines grünen Waldes verschwand.

Sanft landeten ihre kleinen Füße, eingepackt in feine, grüne Schuhe, schließlich auf der anderen Seite in einer Blumenwiese, die Sasuke erst jetzt auffiel. Mit abgewandtem Gesicht blieb sie stehen und schob die faustgroßen und bunten Blüten zur Seite, die fast bis an ihre Nase reichten. Sasuke runzelte die Stirn, denn es sah so aus, als suchte sie dort nach Insekten.

Er nutzte die Zeit und sah sich nun genauer um. Die Farben in seiner Umgebung wirkten hier so viel greller, als hätte jemand den Kontrast und auch die Sättigung auf ein Maximum erhöht, das gerade noch mit den Augen auszuhalten war. Neben dem Bach und der Blumenwiese entdeckte er in seinem Rücken außerdem noch einen Wald.

Wo war er noch gleich? Ach ja. In Sakuras Unterbewusstsein, um das Jutsu zu lösen, welches er hier verankert vermutete. Vermutlich, nein, sehr wahrscheinlich sogar suchte Mangetsu sie in ihrem Träumen heim, um sie auszuspionieren; wie sonst hatten seine Leute sie immer und immer wieder finden können? Das tat er, weil er das Sharingan an sich nehmen wollte. Vornehmlich nun wohl das seines Kindes, denn er musste über Sakuras Träume davon erfahren haben. Nur so konnte sich Sasuke erklären, weshalb diese Arisu davon wusste. Das Byakugan hatte er vermutlich schon und so würden sie unweigerlich sein nächstes Ziel sein.

Bei diesem, und noch viel mehr bei dem nächsten, Gedanken begann seine Faust zu zittern und sein Gesichtsausdruck wurde hart, als er zu Boden starrte und sich erneut den Ernst der Lage vor Augen führte. Er befürwortete diesen Schritt nicht; zu viel Angst saß in ihm, Sakura könnte hierbei zu Schaden kommen. Schließlich schien ihr Feind sogar mit toten Organen umgehen zu können und genau diese Tatsache könnte ihre Lage erheblich verschlimmern, wenn er sie nicht mal lebendig benötigte. Und dennoch sagte ihm sein Gefühl, dass Mangetsu es nicht darauf anlegen würde. Längst hätte er sie töten können, hätte er es gewollt. Bei dem Gedanken schluckte Sasuke schwer. Hass brodelte in seinem Bauch auf - er würde diesen Mangetsu eigenhändig das Herz herausreißen, auch wenn es gegen die Politik des Dorfes verstoßen würde. Manchmal musste der Gegner eben auch sterben.

Tief atmete er durch und fing sich dann endlich wieder.

Bereits Arisu hatte das Zeitliche gesegnet. Sasuke hatte sie mit seinem Chidori durchbohrt. Eigentlich so, dass erst ihre Prothese abgetrennt wurde, dann so, dass Mangetsus Anhängerin zwar schwer verletzt, aber nicht sterben würde. Jedoch war es im Anschluss wohl der Kopf ihrer Puppe, der sie in einem unachtsamen Moment gebissen hatte, um ihr Gift einzulösen. Wahnsinn, dachte Sasuke. Wie konnte ein einziger „Mensch" einen solchen Einfluss auf Menschen haben und sie andauernd in den Selbstmord treiben. Das war doch krank.

„Worauf wartest du?" Sasuke blinzelte erschreckt; plötzlich schwebte die Mini-Sakura direkt vor seinem Gesicht. Er senkte gleichzeitig den Blick und zog die Augenbraue in die Höhe. Sie schwebte in der Luft. Und ehe er sich versah, hatte sie ihm bereits mit den kleinen Händchen die Haare beiseitegeschoben, die sein Rinnegan bedeckten.

„Wooaaa", schrie sie begeistert auf und ihre Augen wurden groß wie Teller. „Ist das 'ne Kontaktlinse? Bekomm ich sowas im Spielwarenhandel?" Sasuke wich rasch einen Schritt von ihr, um sich das Haar wieder so zu richten, dass man sein Rinnegan nicht entdecken konnte. „Ich hab nur ein Furzkissen", fuhr sie mit einem fortwährenden Leuchten in den Augen fort und Sasuke blickte sie entgeistert an. „Vielleicht können wir tauschen?"

Bitte? Sasuke stieß einen ungläubigen Laut aus, der die kleine Sakura sofort traurig stimmte. Weshalb sollte er sein Rinnegan gegen ein Furzkissen tauschen? „Dies wäre ein denkbar schlechter Tausch", meinte er trocken und das kleine Mädchen senkte traurig den Blick. Erneut wunderte er sich darüber, dass ihn die kleine Sakura nicht zu erkennen schien. Er vermutete, dass ihre Erinnerung mit ihrem Alter in Verbindung stehen musste. Daher war völlig klar, dass sie ihn niemals erkennen können würde. „Ich habe keine Zeit", ergänzte er mit einer Schärfe in der Stimme, die man wohl eigentlich bei keinem Kind anwendete. „Ich-"

„Ich habe auch keine Zeit", unterbrach ihn das Mädchen und tippte mit dem Zeigefinger auf ihr Handgelenk, als trüge sie eine imaginäre Uhr.

„Wieso hast du keine Zeit?", erkundigte Sasuke sich jetzt und seine Augen wurden schmal.

„Na, weil ich etwas Wichtiges suche."

„Und was genau?"

Während sie jetzt laut mit der Zunge schnalzte, verdrehte sie theatralisch ihre Augen. „Na, eben Das. Und du hast noch viel weniger Zeit."

„Ach so", erwiderte er trocken, denn er verstand nur Bahnhof. „Und was genau meinst du damit?"

„Ist geheim", rief sie und sah plötzlich apathisch an ihm vorbei.

„So?" Er seufzte ausgelassen. „Ich suche auch jemanden", begann er sich einen Augenblick später zu erklären. „Hast du vielleicht jemanden gesehen, der nicht hierher gehört? Jemand, der dir fremd ist?"

Nachdenklich griffen die kleinen Finger des rosahaarigen Mädchens an ihr Kinn. Sie sah nach oben, überlegte und kratzte sich daran. „Mmmmmhhhhhhhh", machte sie ausgiebig.

„Nun?", hakte Sasuke nach etwa einer halben Minute nach.

„Was?"

„Was?"

„Ich dachte, du überlegst". Sasuke wurde so langsam wirklich ungeduldig und nervös. Er hatte keine Zeit für Spielchen.

„Ich darf nicht mit Fremden sprechen", murmelte das Mädchen plötzlich.

Tief atmete Sasuke ein, um die Fassung nicht zu verlieren. „Mich meinte ich damit nicht", presste er angestrengt hervor.

„Ja, und?"

„Du redest doch längst mit mir", konterte er wieder scharf und betrachtete sie ernst.

Mini-Sakuras Augen wurden schmal. „Stimmt, jetzt ist's sowieso zu spät", sagte sie und kickte einen Kieselstein von sich fort. Dann begann sie verträumt zu summen und wippte auf ihren Fersen, während sie sich umsah, als hielte sie nach jemandem Ausschau.

Das reichte nun. Endgültig. Die mentale Miniausgabe von Sakura würde ihn noch um den Verstand bringen. Er würde Mangetsu wohl auf eigene Faust suchen müssen. Er drehte sich in Richtung Wald und setzte einen Fuß nach vorne, ohne sich zu erklären, da schrie die Mini-Sakura entsetzt auf. „Haaalt. Wo willst du hin?"

„Denjenigen finden, den ich suche", sagte er genervt.

Dass sie ihren Kopf heftig schüttelte, vernahm er aus dem Augenwinkel. „Falsche Richtung", rief sie und deutete mit dem Finger auf die Wiese. „Da lang musst du." Rasch sprang sie wieder über den Bach und blieb in der Wiese stehen. Sie wartete.

„Ich dachte, du wüsstest nichts", rief Sasuke vorwurfsvoll.

„Das habe ich nie behauptet", erwiderte sie eingeschnappt und verschränkte die Arme.

Wieder entfuhr ihm ein tiefes Seufzen, bevor er sich achselzuckend umdrehte, um ihr zu folgen. Da er ja sowieso nicht wusste, wo er mit der Suche starten sollte, konnte er auch einfach der Mini-Sakura folgen. Sie schien nämlich doch mehr zu wissen, als sie zunächst zugeben wollte.

„Komm jetzt. Die Zeit läuft." Wiederholt deutete sie bei ihren Worten energischer mit dem Zeigefinger auf ihr Handgelenk.

Sasuke setzte zu einem großen Schritt an, um den klaren Bach zu übersteigen. Im Gegensatz zu der kleinen Sakura war es für ihn ein Leichtes, das schmale Gewässer zu übertreten. Seinen Blick senkte er nach unten, als er sich direkt darüber befand, denn die unnatürlich bunt gefärbten Kieselsteine zogen seine Aufmerksamkeit auf sich.

Abrupt verharrte er auf der anderen Seite und drehte den Körper zurück zum Wasser; er hätte schwören können, etwas in der Spiegelung des Wassers wahrgenommen zu haben. Rasch ging er in die Knie, um besser hineinsehen zu können. Überrascht stellte er kurz darauf fest, dass es Sakura war, die er in dem höchstens knöcheltiefen Wasser erkannte. Fassungslos rieb er sich die Augen, denn möglicherweise war es nur eine Reflexion der Sonne – eine optische Täuschung – und da war eigentlich gar nichts. Aber als er jetzt erneut hineinsah, war das Bild sogar noch schärfer. „Interessant", murmelte er mehr zu sich selbst und fuhr noch näher mit dem Gesicht an die Wasseroberfläche. Dass er sich nicht selbst sah, bemerkte er gar nicht, so konzentriert starrte er ins Wasser. Es musste eine von Sakuras Erinnerungen zeigen, stellte er fest. Sie war noch recht jung.

Und bereits im nächsten Augenblick – alles ging mal wieder so schnell – drehte sich Sasukes Umgebung zu einer Spirale zusammen, ehe sie sich daraufhin entwirrte und er sich mitten auf einem gepflasterten Weg wiederfand. Verwirrt wandte er den Kopf zu allen Seiten, um die Umgebung in Windeseile zu analysieren. Es war Nacht. Rechts von ihm befand sich eine Bank, und als er diese erkannte, wusste er sofort, wo er war, und auch, aus welchem Jahr diese Erinnerung stammte. Er wusste sogar ganz genau, was an diesem Tag geschehen war.

Er war in Konoha - in einer von Sakuras wahrscheinlich schmerzlichsten Erinnerungen.

Wieso musste es ausgerechnet diese sein?

Krampfhaft zogen sich seine inneren Organe zusammen, als er hinter sich Schritte hörte. Unbeholfen fuhr er um - Chakra von Personen war in diesen Erinnerungen nicht zu spürbar - und wich dann unsicher nach hinten. Einen Moment lang, da stand er sogar unmittelbar davor, sich mit einem Hechtsprung in das nächste Gebüsch zu stürzen, um sich zu verstecken, denn er sah sich selbst. Einen jungen Uchiha im Alter von 13 Jahren. Sofort bemerkte er jedoch, dass seine jüngere Ausgabe ihm keinen Deut Aufmerksamkeit schenkte. Natürlich, dies war nur eine Erinnerung, rief er sich vor Augen. Der junge Sasuke würde ihn nicht sehen können.

Während sein vergangenes Ich auf ihn zuging, hielt dieser den Blick gesenkt. Sasuke erkannte die Wut, den Hass und das Verlangen nach Rache, welche in seinem Blick geschrieben standen. Er spürte diese Gefühle sogar; schließlich waren es einst seine gewesen.

Und als würde dieses Empfinden ihn nicht bereits genug quälen, da schnürte ihm etwas anderes endgültig die Luft ab. Er hörte sie erst, ihre eiligen Schritte, dann sah er sie, wie sie angelaufen kam. Direkt auf ihn zu. Der junge Sasuke hatte ihn längst hinter sich gelassen.

Bei jedem ihrer überhasteten Schritte, sah er ihre kurzen Haare wippen. Sie keuchte, Schweiß perlte an der Stirn hinab, während ihre Augen glasig im Mondlicht schimmerten. Nach Luft ringend kam sie knapp hinter Sasuke zum Stehen, nachdem sie einfach durch ihn hindurchgelaufen war, als wäre er ein Hologramm. Verzweifelt sah sie auf und stützte die Hände auf den Knien ab, um besser Luft holen zu können. Der junge Sasuke stand nur wenige Schritte von ihr entfernt, er hielt ihr jedoch den Rücken zugekehrt.

Verdammt. Vollidiot, schrie er gedanklich seinem jüngeren Ich zu. Hör auf sie. Bleib hier. Aber es war aussichtslos. Die Vergangenheit war nicht zu ändern.

Sakuras schwerer Atem drang deutlich durch die Stille der Nacht. Sasuke griff sich an die Brust, denn sein Herz raste plötzlich so schnell, so erregt, so schmerzhaft.

Er wollte diesen Moment nicht sehen. Er wünschte sich mit aller Macht hinfort, zurück an das Ufer des Baches. Er hatte eine andere Aufgabe zu erledigen, eine äußerst wichtige. Aber wie würde er zurückkommen?

Dass ihm jemand am Ärmel zog, bemerkte er erst, als derjenige es wiederholte. „Wo bleibst du denn?" Verblüfft sah er hinab. Es war die Mini-Sakura, die ihn wütend anfunkelte. „Du bist auch echt blöd, oder? Du darfst doch nicht so lange ins Wasser starren, sonst wirst du in eine Erinnerung gezogen. Weißt du das denn nicht?"

Sasuke grummelte mürrisch. Es nervte ihn, dass das kleine Mädchen so viel in seinem Wissen vorauszusetzte, was diese mentale Welt betraf. Woher zum Teufel hätte er das bitte wissen sollen? Diese Information wäre vorher sinnvoll gewesen.

„Wir müssen zurück!"

„Und wie?", fragte Sasuke.

„So, wie du hergekommen bist."

Er unterdrückte ein Stöhnen; es würde nichts bringen, genauer nachzufragen. Also wandte er suchend den Kopf zu allen Seiten. Dabei stellte er als Erstes fest, dass die Erinnerung mit dem Auftauchen von Mini-Sakura eingefroren war. Das kam ihm nur gelegen.

Ein Tor zu Sakuras Erinnerung hatte sich in diesem Bach gebildet, dachte er jetzt, als er tief hineingesehen hatte. Wieder sah er sich um. Aber etwas, das einem Bach glich, gab es ringsherum nicht. Zudem wäre es sinnlos, sich großartig fortzubewegen - natürlich würde er in wenigen Minuten in Konoha etwas Geeignetes finden können - die Erinnerung war jedoch räumlich begrenzt. Das erkannte Sasuke daran, dass die Farben zu allen Richtungen nach wenigen Metern ineinander verschwammen.

„Gibt es einen Eingang, dann gibt es gleichzeitig auch immer einen Ausgang", summte Sakura fröhlich und wippte dabei im Takt der Melodie auf und ab.

Konzentriert ließ Sasuke den Blick ein weiteres Mal über die Landschaft streifen. Ihm fiel dabei eine kleine Pfütze auf, nicht weit von ihm entfernt lag. Sofort deutete er mit einer lockeren Handbewegung darauf. „Geht das auch?"

„Natürlich."

Als er jetzt hineinsah, stutzte er und hob den Blick. „Ich sehe mich selbst", teilte er seine Feststellung laut mit.

„Ja, ja. Richtig. Du musst länger und tiefer hineinsehen", erwiderte sie bestimmt. „Sonst funktioniert es doch nicht."

Sasuke kam erneut ihrer Aufforderung sofort nach und betrachtete sein Gesicht in der Pfütze etwas ausgiebiger. Das war äußerst ungewohnt, denn er tat dies selten. Er sah müde aus, das war unverkennbar. Gerade wollte er wieder aufsehen, da nichts passierte, da drehte sich seine Umwelt bereits und nur einen Augenblick später war er schon wieder zurück.

Augenblicklich ließ er sich zurückfallen und wandte den Blick vom Wasser ab.

„Ist das nur bei diesem Bach so?", fragte er die kleine Sakura, die neben ihm stand und zufrieden lächelte.

„Die Spiegelung zeigt die Erinnerungen", erklärte sie knapp.

Sasuke runzelte die Stirn. Das beantwortete nicht seine Frage. „Also passiert das bei jedem Wasserloch?"

Die Mini-Sakura nickte eifrig. „Ja."

„Gut zu wissen", murmelte er unverständlich. Sakuras Unterbewusstsein war durchaus beeindruckend; noch nie war er einer solchen Komplexität von Anordnung der Erinnerungen begegnet. Vielleicht lag das auch nur daran, dass sie ihm freiwillig Einblick gewährte. Oder, da sie auf eine gewisse Art und Weise miteinander verbunden waren. Vielleicht auch beides. Nutzte er sonst sein Sharingan, dann war er derjenige, der die Gedanken formte, um die Menschen zu täuschen. In diesem Fall wirkte es sogar eher so, als wäre es Sakura, die ihn in ein Jutsu zwang.

„Genug getrödelt. Du hast zu viel Zeit verloren." Sakura riss ihn aus seinen Gedanken.

„Wieso sprichst du andauernd davon, dass mir die Zeit davonläuft?"

„Wie? Das tue ich gar nicht."

Ehe Sasuke ausfallend werden konnte, schüttelte er lediglich abwinkend den Kopf.

Während sie nun die Blumenwiese durchquerten, wurden die Schritte der kleinen Sakura mit der Zeit immer schneller. Darüber, dass ihre kurzen Beine sie so rasch über das Farbenspiel der Wiese führten, wunderte Sasuke sich erst gar nicht. Eine Mini-Ausgabe von Sakura, die schweben konnte und leichtfüßig wie ein Hase hüpfte, Blumen, die ihre Farbe wechselten – gerade eben erst hatte er dieses Phänomen beobachtet - sowie Bäche und Pfützen, die einen in Erinnerungen zogen. Was sollte man dazu noch sagen? Dies war augenscheinlich eine von Sakuras Fantasien erschaffene Welt. Sie mochte das Geräusch von fließendem Wasser, Blumen und das saftige Grün, das Sasuke so penetrant blendete.

„Ab hier musst du alleine weiter." Endlich kamen sie vor dem Wald zum Stehen, der direkt nach der endlos erscheinenden Blumenwiese aufgetaucht war.

Stumm und mit einem unguten Gefühl betrachtete er die sterbenden Bäume und die negative Aura, die diesen Wald umgab. Vereinzelt entdeckte er braune und sich in sich kräuselnde, hängende Blätter, die im seichten Wind zitterten und hinabzufallen drohten. Das Holz der meisten Bäume jedoch war tiefschwarz und somit in Sasukes Augen leblos.

„Was ist in diesem Wald?", fragte er vorsichtig.

„Das, was du suchst", meinte sie und Sasuke wunderte sich, denn ihre Stimme kam ganz plötzlich von einem entfernteren Ort.

Kurz darauf entdeckte er sie auf einem Ast hockend, auf einem Baum, der sich abseits vom Wald befand, und völlig gesund wirkte.

„Fang", rief sie und warf ihm etwas Leuchtendes zu. Es flog so schnell, dass Sasuke es nicht mit dem bloßen Auge erfassen konnte, und als es seine Handfläche berührte, verschmolz das Leuchten mit ihm.

„Was war das?", fragte er verdutzt.

„Vielleicht wird es dir noch nützlich sein", sagte die kleine Sakura freundlich und lächelte breit. „Beeil dich", fuhr sie fort und ihre Stimme hallte auf einmal laut in seinem Kopf wider. Dann - Sasuke blinzelte einige Male, um es zu realisieren - begann sie sich langsam aufzulösen. Erst verschwanden ihre Füße, dann ihre Arme und ihr Körper, bis nur noch ihr Kopf übrigblieb und in der Luft schwebte. „Und komm nicht vom Weg ab", fügte sie mit einer Dringlichkeit hinzu, die man nur ernst nehmen konnte. „Sonst gerätst du in eine Erinnerung, die unwichtig oder sehr, sehr alt ist. Du wirst dich in ihnen verfangen, sodass du nicht wieder herausfindest. Nach und nach wird sie blasser werden, bis sie irgendwann verschwindet. Deshalb sind sie hier, sie sterben."

„Mo-Mo- Moment", stotterte Sasuke, aber sie war bereits verschwunden.

Seufzend drehte er sich zum Wald und betrachtete den Pfad, der in diesen hineinführte. Dann setzte er sich in Bewegung. Dieser Nachdruck, dem die kleine Sakura ihm mit auf den Weg gab, unter allen Umständen auf dem Weg zu bleiben, ließ ihn den Blick konzentriert auf der kaum erkennbaren Furche im Boden halten, die ihn durch den düsteren Wald führen sollte. Während er ging, verspürte er weder einen Windhauch noch den Laut eines einzigen Tieres. Es war einfach nur still. Totenstill.

Die toten Silhouetten der Bäume rauschten an ihm vorbei, während er sich seinen Weg durch die Düsternis bahnte. Dabei fiel ihm auf, dass die faltig erscheinende Rinde jedes Baumes eine individuelle Fratze besaß, die allesamt gequält wirkten. Sasuke schenkte ihnen wenig Aufmerksamkeit; er war keinesfalls jemand, der sich von solchen Spielereien beeindrucken ließ, auch, wenn die Gesamtatmosphäre durchaus eine kleine Unbehaglichkeit in ihm erweckte. So schnell wie möglich würde er Mangetsu finden, ihn beseitigen und diesen Wald wieder verlassen wollen. Eines verwunderte ihn plötzlich ungemein. Wieso tauchte Mangetsu nicht auf, wenn er doch scheinbar hier war? Oder legte er ihm Steine in den Weg? Wenn er die Kontrolle über all das hier hatte, dann musste er Sasuke doch längst bemerkt haben.

Nach einer Weile sanken seine Füße im Boden ein, unbeirrt stapfte Sasuke jedoch weiter. Bei jedem Mal, wenn er einen Fuß aus dem matschigen Boden zog, schmatzte der Schlamm genüsslich unter ihm auf. Die Feuchtigkeit im Boden nahm mit jeder Minute zu und genau das ließ Sasukes Alarmglocken läuten. Käme er in eine Erinnerung, die schwach wäre, so bestünde nach ihrer Aussage eben die Möglichkeit, daraus nicht wieder zurückkehren zu können. Nasser Boden bedeutete natürlich gleichzeitig, dass sich hier ein kleines Gewässer befinden musste. Vielleicht war das hier sogar ein Sumpf.

Als er einen offenstehenden Gartenzaun neben sich entdeckte, blieb er davor stehen. Verdutzt darüber runzelte er die Stirn. Wieso stand ein einzelnes Element eines hölzernen Gartenzauns mitten im Wald? Er blickte darüber hinweg, denn er meinte, etwas in der Dunkelheit aufflackern gesehen zu haben. Das Tor führte zu einem Bereich des Waldes, den mal wohl als eine große Lichtung bezeichnen würde. Nur ohne Licht. Wieder flackerte etwas in der Ferne auf und Sasuke fixierte es mit seinem Blick, um es nicht zu verlieren. Anstatt wieder zu verschwinden, wurde es nun immer größer. Es bewegte sich auf ihn zu.

„Sasuke?", fragte die 16-jährige Sakura, die jetzt aus dem Schein der Dunkelheit trat und ihn überrascht ansah. „Du ... siehst ... anders aus, als ich gedacht hätte", gab sie zögernd zu. Aha, sie erkannte ihn jetzt also doch. Entsprechend ihres Alters schien diese Version von Sakura in der Lage zu sein, einen entsprechenden Vergleich zu dem ihr bekannten Sasuke zu ziehen.

So schnell sie gekommen war, drehte sie sich auch wieder um. Auch diese Erscheinung wirkte weniger gesprächig, als Sakura es eigentlich war. Stumm beobachtete er sie eine Weile dabei, wie sie von der einen zur anderen Seite der Lichtung lief, als suchte sie etwas. Dann stieß sie einen überraschten Laut aus und lief wieder zur anderen Seite. Sasukes Blick folgte ihren hastigen Schritten, bis sie vor einem schwachen Leuchten, welches von etwas auszugehen schien, das am Boden lag, innehielt. Sie bückte sich, schloss ihre Hände darum und dann war es verschwunden. Sasuke zog die Augenbrauen in die Höhe; das erinnerte ihn an das, was ihm die kleine Sakura zuvor bereits gegeben hatte.

„Was war das?", erkundigte er sich und trat durch den offenen Gartenzaun ein, um zu Sakura zu gelangen. Vielleicht würde sie ihm darauf eine Antwort geben können.

„Halt", rief Sakura panisch und riss den Kopf zu ihm um. Während er in ihre weit aufgerissenen Augen starrte und sofort anhielt, fiel ihm siedend heiß ein, welchen Fehler er gerade begangen hatte. Er hatte den Weg verlassen. Ehe er sich versah, sank er bereits hüfttief in den Schlamm ein. Sumpf. Überall war Sumpf. Er spürte, wie sich das kalte Wasser durch seine Klamotten fraß und seine warme Haut berührte. Es war so kalt, dass er augenblicklich Stiche verspürte, die ihn scharf Luft einsaugen ließen.

„Verdammt", zischte er leise. Sakura hatte doch ohne Probleme darauf gehen können.

Er könnte schwören, nur flüchtig zu seinen Füßen hinabgesehen zu haben, und dennoch wurde er so augenblicklich und gewaltsam in eine Erinnerung gezogen.

Noch bevor sich ihm ein Bild zeigte, stieg ihm ein angenehmer Duft in die Nase, wovon sein Magen plötzlich knurrte. Verwirrt blinzelte er gegen ein gelbes und warmes Licht, welches sich langsam ausbreitete und seine Umgebung formte und zusammenfügte. Es handelte sich um eine Umgebung, die ihm äußerst bekannt vorkam.

Sich selbst fand er auf einem Hocker sitzend wieder. Nicht mal großartig umsehen musste er sich, er erkannte sofort, wo er sich befand. Er saß am Tresen, mitten in Ichirakus Nudelsuppenrestaurant.

Gleich rechts neben sich, da entdeckte er die junge Sakura. Neben dieser saß wiederum Naruto, daneben Sensei Kakashi und ganz rechts - Sasuke musste sich nach vorne lehnen, um an Kakashi vorbeisehen zu können - entdeckte er sich selbst sitzen. Allesamt schlürften sie genüsslich an ihrer Nudelsuppe. Sie mussten in dieser Erinnerung wohl etwa 12 Jahre alt sein.

Sasuke lehnte sich wieder zurück und analysierte die Lage. Alles hier, der Raum und der Duft, sie wirkten viel zu real, als dass es sich hierbei um eine verblassende Erinnerung handeln konnte. Vielleicht hatte er einfach nur Glück gehabt? Seine Überlegung erübrigte sich jäh, als er etwas ganz Bestimmtes aus seinem Augenwinkel vernahm: Als Naruto seine leere Schüssel auf den Tresen donnerte, blieb das erwartete Scheppern des Geschirrs aus. Und auch, als er etwas sagte, bewegte sich lediglich sein Mund. Sasuke presste die Lippen angespannt aufeinander. Die Erinnerung hatte keinen Ton, sie war also unvollkommen. Und das war gar nicht gut. Sakura musste scheinbar entfallen sein, worüber sie sich an diesem Abend unterhalten hatten. Während er fieberhaft nachdachte, suchte sein Blick die Umgebung gleichzeitig ab. Es musste einfach einen Ausweg geben.

Als Nächstes wurde seine Aufmerksamkeit auf Sakura gezogen. Sie zuckte zusammen, sah kurz zur Seite, um heimlich an Kakashi vorbeizusehen und blickte anschließend mit hochrotem Kopf in ihre Schüssel, die sie vor sich abstellte. Narutos Lippen hatten sich unterdessen wieder bewegt, ohne, dass ein Ton hervorkam. Eilig schob Sasuke nun den Stuhl zurück und stand auf, um die Umgebung genauer zu betrachten. Einen Bach oder eine Pfütze gab es in diesem Restaurant nicht, das stellte er sofort fest. Kurz bevor er hinter den Tresen treten wollte, flackerte plötzlich das Licht unglaublich grell und blendend auf, sodass er praktisch gezwungen wurde, seine Augen zu schließen.

Und dann war es wieder der gewohnte Duft von Ramen, welcher ihm in die Nase stieg. Er schlug die Augen auf und saß wieder auf dem Hocker, genau wie eben. Seine Starre nahm ungewollt weiter zu, während er das Szenario beobachtete. Genau wie eben war es Sakura, die neben ihm saß. Ein Naruto, der seine Schüssel lautlos auf den Tresen knallte und die Lippen bewegte, und eine Sakura, die das Verhalten von vorhin exakt wiederholte. Sasukes schluckte schwer. War er hier wirklich gefangen?

Wieder flackerte das Licht nach einer Weile auf und der Spaß begann erneut.


༻✾༺


Freunde der Sonne!!!
Ich hab heute ausgeschlafen! War bitter nötig!!! Eine wichtige Sache vorweg:

Alles alles Liebe nachträglich zum Geburtstag, liebste Jenny ❤️❤️❤️

Ich bin so unendlich froh, dass wir uns näher kennenlernen durften Und ich bin dir nach wie vor so unglaublich dankbar, deine Unterstützung bedeutet mir wirklich sehr viel ❤️ Bleibe gesund und so wunderbar, wie du eben einfach bist

Zur Geschichte:

Leider bin ich mit dem nächsten Kapitel noch nicht ganz fertig ... Wenig Zeit eben... Hochzeitsvorbereitungen! Meiner lieben Jenny möchte ich immer genug Vorlaufzeit geben. Falls ich also länger brauche, als es üblich sein sollte, verschiebt sich die Veröffentlichung vielleicht um ein paar Tage. Schaut am Freitagabend auf meinem Profil vorbei, in der Beschreibung vermerke ich dann, ob ich es zu nächsten Samstag schaffe oder es sich einmalig um einen anderen Tag handeln wird.

Tut mir leid! Ich merke auch an der Menge meiner Tippfehler in den Kapiteln, dass ich mit dem Kopf völlig woanders bin ^^

Gestern wurde mein Kleid abgesteckt Es hat gepasst und es war sogar noch Luft.

Bleibt gesund und munter!

Eure Juli
<3
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