Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Unsere Bestimmung - Sakura & Sasuke (Part 3)

von JuliTales
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Het
Naruto Uzumaki Sakura Haruno Sarada Uchiha Sasuke Uchiha
29.01.2021
12.02.2022
43
192.131
31
Alle Kapitel
59 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
11.09.2021 9.096
 
Sakura Pov

༻❀༺


„Hier, Sakura!", rief der Jonin aus Kirigakure. Er saß an einem der Tische, mitten im Raum des Restaurants, und winkte ihnen sofort zu, nachdem er sie erblickt hatte. Neben ihm saß sein Teamkollege, so nahm Sakura an, denn er trug, genau wie Ryugo, ein Stirnband aus Kirigakure. Locker hing es Ryugo um den Hals.

Sasuke verharrte erst demonstrativ an Ort und Stelle, folgte seiner Ehefrau dann aber doch, da diese seine Dickköpfigkeit einfach ignorierte.

Von der stickigen Luft des Vorabends, durchdrungen von altem Schweiß und Alkohol, war absolut nichts mehr zu vernehmen. Sakura nahm einen tiefen Atemzug; die Luft war jetzt frisch, kühl und roch nach gutem Essen. Als sie sich genauer umsah, zählte sie lediglich sieben Gäste, die, neben den beiden Shinobi aus Kirigakure, verteilt an den anderen Tischen saßen und ihr Frühstück aßen.

„Setzt euch." Ryugo deutete wohlwollend auf die freien Plätze, die ihnen direkt gegenüberlagen. „Das ist Mikau", sagte er und deutete beiläufig auf seinen Kollegen, der zur Begrüßung nickte. Mikau sah zwar nett aus, legte aber ein auffällig schiefes Grinsen auf, was Sakura stutzig mache. Er war ein gewöhnlicher Kerl, dunkle kurze Haare, mit eher unauffälligen Gesichtszügen. Im Gegensatz zu Juli und Ryugo, schien er kein Schwerkämpfer zu sein, oder er trug seine Waffe einfach nicht offen bei sich. Das Zeichen aus Kirigakure zierte seine Stirn und er wandte sich sofort wieder seinem Essen zu, als er gegrüßt hatte.

Kaum hatten sie die Stühle zurückgezogen und sich gesetzt, da stellte ihnen die Wirtin Teller und Stäbchen vor die Nase. Ziemlich verblüfft sah Sakura ihr hinterher, denn bereits im nächsten Moment war sie schon wieder hinter dem Tresen verschwunden und rannte mit dem nächsten Tablett los, um andere Gäste glücklich zu machen.

Sakuras Blick ging über den Tisch. In der Mitte stand ein Topf mit Reis. Daneben befanden sich Teller, auf denen sich geschmortes Gemüse und gegrilltes Fleisch befand. Sie tat erst Sasuke etwas von dem Reis auf, denn das ging wesentlich einfacher, wenn man den Teller an den Topf hielt. Mit nur einer Hand ginge das schließlich schlecht. Gemüse und Fleisch nahm er sich eigenständig mithilfe der Stäbchen. Dann füllte sie auch ihren Teller, stellte ihn ab, nahm die Stäbchen, brach diese auseinander und sah zu Ryugo auf.

Er hatte sich kaum verändert. Seine warmen braunen Augen lächelten immerzu und ließen ein wohliges Gefühl in ihrer Brust aufblühen. Es war seine Aura, die einen sofort, selbst gegen seinen eigenen Willen, einfach einnahm. Er brauchte lediglich die Mundwinkel anzuheben und sofort war er einem sympathisch. Selig lächelte sie ihm zurück, was ihm ein Grinsen ins Gesicht meißelte. Er freute sich wirklich, Sakura zu sehen. Seine silbrigen und wuscheligen Haare, diese trug er wie eh und je, umrahmten das markante und männliche Gesicht, mit diesem immerzu schelmischen Grinsen. Allemal war aber auch etwas neu - er trug einen Bart. Einen Drei- Tage-Bart, um genau zu sein. Und besonders dieser ließ ihn noch männlicher wirken, als er es ohnehin schon tat. Er stand ihm wirklich gut, der Bart. Wie auch früher schon trug er ein ärmelloses Shirt, die seine trainierten Arme perfekt in Szene setzten. Und auch sein Schwert trug er bereits beim Frühstück auf seinem Rücken; immer griffbereit, genau wie Sasuke es handhabte. Nur zum Schlafen legte er es ab.

Sakura wandte sich wieder ihrem Essen zu, denn je länger sie ihn anstarrte, desto breiter grinste er. Nicht, dass er sich noch falsche Hoffnungen zu machen begann. Aber er sah noch immer unglaublich gut aus, das musste Sakura schon zugeben. In ihren Augen natürlich nicht so gut wie Sasuke. Das verstand sich ja von selbst.

Er sah gut gelaunt aus, während er kaute und zu Sasuke sah. Es schien ihm gutzugehen, und genau diese Tatsache ließ Sakura erleichtert durchatmen. Die Angst, er könnte noch immer vernarrt in sie sein, schrumpfte also mit jeder weiteren Minute. Oft hatte sie sich gefragt, wie es ihm wohl nach dem Kampf gegen Mangetsu und der Abreise aus Konoha ergangen war. Sasuke und er hatten nach dem Kampf noch eine persönliche Feindschaft ausgefochten. Keine schöne Erinnerung. Glücklicherweise war niemand ernsthaft zu Schaden gekommen. Nachdenklich sah sie nach rechts, als ihr etwas einfiel, worüber sie noch nie nachgedacht hatte. Sasuke hatte sich gerade ein Stück Gemüse in den Mund geschoben und hielt in seiner Bewegung inne, um ihren forschenden Blick zu erwidern. Ryugo hatte um Sakura gekämpft. Hatte Sasuke es damals auch schon getan? Wenn überhaupt, dann nur unterbewusst.

„Wie geht es euch?", fragte Ryugo vorsichtig, als wüsste er darum, sie beide aus ihren Gedanken reißen zu müssen. Nachdem Sakura ihn aber ansah, sprach er weiter. „Wieso seid ihr gemeinsam unterwegs?"

Sie holte Luft und öffnete die Lippen, um zu antworten, da preschte Sasuke ihr unverhofft ins Wort.

„Meine Ehefrau und ich befinden uns auf einer Mission", sagte er äußerst scharf. Das Wort Ehefrau hatte er zudem besonders deutlich betont. „Eine geheime Mission", ergänzte er cool, ohne aufzusehen.

Ryugo legte die Stäbchen ab und lehnte sich zurück. „Ehe ...Frau...?" Er kam ins Stottern.

So bedeppert wie dieser Sasuke nun anstarrte, fühlte sich auch Sakura. Sofort und unauffällig verpasste sie ihrem Ehemann daher einen saftigen Tritt gegen das Schienbein. Sasukes Blick zuckte flüchtig zu ihrem. Sie nutzte die Gelegenheit, um ihn mit schmalen Augen anzufunkeln. Gerade eben noch, da hatte er ihr versprochen, nett zu sein. Und jetzt hielt er sich nicht daran. Es gab absolut keinen Grund, Ryugo eine solch barsche Antwort zu geben.

Aber als sich wieder das breite Grinsen auf seinem Gesicht abzeichnete, ließ ihr Ärger über Sasukes Benehmen sofort nach.

„Wirklich?", fragte er ausgelassen. Wieder sah er zu Sasuke, dann zu Sakura. Seine Augen strahlten vor Begeisterung. „Das ist ja fabelhaft. Ich habe mich noch oft gefragt, was aus euch beiden wohl geworden ist. Aber gleich 'ne Hochzeit? Mensch, das ging aber schnell."

„Ja". Sakura lächelte reserviert. Sasuke machte selten halbe Sachen. Ryugos durchweg positive Reaktion ließ nun darauf schließen, dass er absolut keine romantischen Gefühle mehr für Sakura hegen konnte. Ein Zentner schwerer Stein fiel ihr vom Herzen. Denn der warmherzige Ryugo, der ebenso aufbrausend sein konnte, verlor er die Fassung, war mindestens genau so schlecht wie Sakura darin, Gefühle zu verbergen. Juli irrte sich also, und das war ja fabelhaft. Aber wie konnten sie ihr das nur deutlich machen?

„Was ist mit Juli?", fragte Sakura und tat so, als wäre dies eine völlig belanglose Frage. Wieder sah sie sich suchend um, fand sie aber noch immer nicht. „Ist sie eigentlich eine Kunoichi?"

„Ja genau. Habt ihr sie schon kennengelernt?", mischte sich jetzt Mikau ein.

„Mhm. Gestern. Dort am Tresen", erklärte Sakura und deutete mit dem Finger auf die beiden Plätze ganz links, an denen sie gestern Abend gesessen hatten.

„Juli ist ein Mitglied unseres Teams", klärte Ryugo auf. „Eigentlich möchte sie Shinobi an der Akademie in Kirigakure ausbilden. Dazu gehört aber ein gewisser Praxisanteil, der im Außendienst, also auf Missionen, absolviert werden muss, die mindestens den A-Rang umfassen. Und diese absolviert sie mit uns."

„Aha. Du bewertest sie also?", fragte Sakura, um Julis Unsicherheit bezüglich der beruflichen Beziehung nachvollziehen zu können. Dass man sich unwohl damit fühlte, seinen Ausbilder zu lieben, würde Sakura schon eher nachvollziehen können.

„Nein, nein", sagte er verwirrt. „Wie kommst du darauf? Hat sie das gesagt? Wir sind ein ganz normales Team", erklärte er weiter und runzelte die Stirn, während er Sakura eindringlich musterte.

„Nein, das hat sie nicht gesagt", erklärte Sakura sich schnell, sah von ihrem Gesprächspartner ab und aß weiter. Heiliger Jashin, hoffentlich hatte sie da nichts losgetreten.

„Kirigakure hat im letzten Jahr viel Geld in die Infrastruktur investiert", fuhr Ryugo fort. „Dazu gehört auch der Ausbau der Akademie und die Ausbildung des entsprechenden Personals. Das ist ein enormer Fortschritt."

Das stimmte. Sakura erinnerte sich noch zu gut an die Teilnehmer der Chunin-Prüfung, die aus Kirigakure kamen. Die drei waren völlig abgedreht gewesen. Völlig weltfremd und nur auf Tod und Hass aus.

Obwohl sich die Treppe zu den Schlafräumen in Ryugos Rücken befand, reagierte er viel eher als alle anderen. Sakura, und auch die anderen, folgte seinem Blick.

Schleichend und mit geöffneten Haaren sowie einem gesenkten Blick kam eine völlig zerstört aussehende Juli die Treppe hinabgewandert.

Ryugo wartete und zog ihr höflich den Stuhl zurück, der an seinem Kopfende stand, aber Juli ging, abwesend und wie ein vollgefressener Zombie, einfach an ihm vorbei. Sie sah ihn nicht mal an. Ryugo schien genauso verwirrt zu sein wie alle anderen; er blinzelte heftig und zog missverständlich die Augenbrauen zusammen. Überhaupt sah Juli niemanden an, als sie sich auf den Platz bei Mikau fallen ließ, am anderen Kopfende des Tisches. Man könnte fast meinen, es sei Zufall, aber so saß sie am weitesten von Sakura und Ryugo entfernt.

Wortlos zog sie eine Schale mit Reis heran, tat sich etwas Gemüse auf und aß schweigend und ohne aufzusehen.

Sakura sah zu Ryugo. Er lächelte angespannt.

„Juli ...", begann Mikau zögerlich. „Geht's dir nicht gut?" Dann lachte er und klopfte ihr hart auf den Rücken. „Hast wohl zu tief ins Glas geschaut, was?"

Julis Augenbraue zuckte erregt, als sie mit einem wütenden Feuer in den Augen zu ihm aufsah. Mikau quiekte erschrocken, als hätte sie ihm mit einem Flegel eine übergebraten. Nach kurzer Zeit schloss sie langsam die Augen, atmete tief ein und wieder aus, und sah dann zu Sakura.

Ihr Blick war völlig anders, als es gestern Abend der Fall gewesen war. Heiter hatte sie geplappert und geseufzt, ihr Dinge erzählt, als wäre Sakura eine ihrer Freundinnen gewesen. Aber jetzt, da war weder ihr Blick warm und fröhlich, noch ihre Körpersprache. Mit Kälte und Abneigung traf Julis Blick auf ihren, was Sakura nervös schlucken ließ. Dabei war sie doch völlig zu Unrecht mies gelaunt. Nur, würde Sakura ihr das jetzt so sagen, dann liefe das Fass wohl endgültig über.

„Sakura, also." Juli klang überrascht sachlich, aber dennoch energisch. „Schön dich kennenzulernen. Sag, wieso hast du mich angelogen?"

Sakura sah Sasukes Hand zucken, weshalb sie entgeistert zu ihm aufsah. Was hatte er vor? Eine missverstandene verliebte Kunoichi mit seinen Essstäbchen erdolchen? Sein Schwert wäre wohl zu auffällig.

Hilfesuchend wandte sie sich zu Ryugo, gerade er war doch am ehesten in der Position, das Missverständnis aufzuklären. Aber er starrte nur auf den Tisch und knirschte mit den Zähnen. Was war denn jetzt mit ihm los? Hoffnungslos atmete Sakura innerlich aus. Männer. Maßlos überfordert, wenn es um Gefühle ging. Irgendwo waren sie doch alle gleich. Selbst Ryugo.

„Wieso hast du mich angelogen?", wiederholte Juli ihre Frage scharf.

„Nun ja ...", begann Sakura zögernd. Sasukes bohrenden Blick, der ihr predigte, sich eine plausible Lüge ausdenken, fraß sich penetrant in ihre Wange. Wütend darüber, andauernd flunkern zu müssen, biss Sakura die Zähne zusammen. Das nervte doch einfach nur noch alles.

„Juli", mischte sich Ryugo nun mit einem mahnenden Ton endlich ein. Etwas forsch fuhr seine Teamkollegin mit dem Gesicht zu ihm, während die kurzen Haarsträhnen stürmisch um ihren Kopf flogen, als hätten sie ein Eigenleben. „Sie hatte sicher einen Grund dafür, dich anzulügen. Sakura würde so etwas sonst niemals tun."

„So", erwiderte sie mit scharfer Zunge und musterte ihn mit schmalen Augen über den Tisch. Unsicher zuckte Ryugo darüber zurück. „Du weißt das wohl ganz genau, was?"

Zerknirscht ließ er die Schultern hängen.

„Sag mal Ryugo, woher kennst du sie eigentlich?", mischte sich nun wieder Mikau ein. „Eine verflossene Liebe?"

Badam. Alle anderen, die am Tisch saßen, erstarrten. Selbst Sasuke. Lauter hätte Mikau wohl kaum mit der Tür ins Haus fallen können. Der Typ musste aber echt ein Unsensibelchen vom feinsten sein. Offensichtich musste Ryugo Sakura erwähnt haben, zumindest gegenüber Juli.

„Man, Mikau", blaffte Ryugo jetzt wütend. Ruckartig stand er auf, sodass sein Stuhl krachend zu Boden fiel. „Was sollte das denn jetzt wieder?!"

„Du Idiot", zischte Juli nur einen Augenblick später und stürmte zur Tür hinaus. Verwirrt sah Mikau ihr nach.

Sakura versenkte stöhnend ihr Gesicht in den Händen. Zugegeben, ein wenig irreführend war das Verhalten, und damit die Beziehung der beiden, schon. Und es machte den Anschein, als wüsste Ryugo um ihre Gefühle. Sakura kratzte sich am Kinn und dachte nach. Was war also das Problem? Erwiderte er diese etwa nicht?

„Oh man, da hab' ich wohl nen wunden Punkt getroffen."

„Ach", fauchte Ryugo wütend. „Denk doch einmal nach, bevor du solche Sprüche klopfst. Idiot."

„Ja, sorry. Ich gehe mich entschuldigen", sagte er kleinlaut und stand auf. Ryugo hielt ihn aber entschieden am Arm zurück.

„Nein. Das erledige ich selbst."

Als Ryugo durch die Tür verschwand, um Juli hinterherzueilen, stöhnte Mikau frustriert.

„Mikau", sagte Sakura. „Was genau läuft zwischen den beiden?"

Mikau zuckte gleichgültig mit den Schultern. Sakura sah ihn streng an.

„Ach, ich weiß es nicht genau", gab er zu. „Ich will nichts Falsches sagen, da musst du Ryugo fragen. Sonst bekomme ich wieder Ärger."

Mit verschränkten Armen ließ sie sich an die Lehne fallen. Na das fiel ihm ja früh ein.

Eine Weile warteten die drei, aber Ryugo und Juli kamen nicht zurück. Sakura und Sasuke verabschiedeten sich daher von Mikau und gingen wieder hinauf. Dass selbst Sasuke Mikau als Schwachkopf bezeichnete und verständnislos den Kopf schüttelte, überraschte Sakura positiv. Auf ihrem Zimmer angekommen, sah sie sich seine Hand an. Sie war gut verheilt, noch etwas empfindlich, aber fast vollkommen genesen. Da er sich die Salbe aber nicht an der Kleidung abwischen sollte, verband Sakura die Hand vorsichtshalber erneut.

Fluchend stand Sakura anschließend vor dem Spiegel und zog an ihrem BH herum. „Man", schimpfte sie. „Nichts passt mehr." Und es tat weh.

Neugierig beobachtete Sasuke ihre Bewegungen vom Bett aus. Für den Bruchteil einer Sekunde hätte Sakura schwören können, dass Sasuke geschmunzelt hatte.

Verzweifelt ließ sie ihre Hände sinken. Es nützte nichts. Sie brauchte neue Unterwäsche.

„Sasuke", begann sie jammernd und legte verzweifelnd den Kopf in den Nacken „Ich werde noch verrückt. Nichts passt mehr. Ich kann meine Brust auch nicht abbinden. Das tut einfach nur echt weh." Würden ihre Brüste nicht so empfindlich auf den kleinsten Druck reagieren, könnte sie über ihren Zuwachs an Oberweite jubeln.

Mit dem nächsten Wimpernschlag stand er plötzlich bei ihr und starrte ihr konzentriert auf das Dekolleté.

„Sie sind wirklich gewachsen", stellte er mit dem Anflug eines Schmunzelns fest.

„Ahhh, Sasuke." Sakura spürte, wie ihr die unverblümte Hitze ins Gesicht schoss. „Hör auf mich so anzustarren. Und vor allem so etwas zu sagen. Das ist mir peinlich", rief sie und schlug vor lauter Verlegenheit nach ihm aus.

Mit einer gekonnten Leichtigkeit bremste er ihre Faust mit seiner Hand; er kannte sie längst zu gut. Er zog sie zu sich und betrachtete sie eine Weile so gemütlich, als hätte er alle Zeit der Welt. Ihr Puls schnellte unterdessen in die Höhe. Offensichtlich schien es ihm Spaß zu machen sie zu necken, denn er taxierte ihre glühenden Wangen äußerst akribisch, während er mit dem Finger an dem Saum ihres BHs fühlte und die Stellen berührte, an denen Brust bereits leicht hervorquoll. Sakura schnappte überrascht nach Luft, Sasuke zog darüber nur dezent den Mundwinkel in die Höhe. Unter seinen Blicken und Berührungen wurde ihr wärmer und wärmer, und sie hätte schwören können, dass er andere Absichten gehegt hatte, ehe er amüsiert einen Mundwinkel in die Höhe zog und sich dann ruckartig umdrehte.

„Lass uns in die Stadt gehen", sagte er mit einem lässigen Ton in der Stimme. „Wir kaufen dir neue Kleidung. Und ich brauche vielleicht eine neue Hose", er räusperte sich und sprach erst dann weiter. „Ich glaube, mein Reißverschluss ist kaputt."

„D-dein Reiß ... verschluss?", stammelte Sakura.

„Oder kannst du den reparieren?"

Schnell fing sie sich wieder. „Äh ... nein. Reißverschlüsse kann ich nicht reparieren. Aber geht das denn in Ordnung? Ich meine, nicht das wir entdeckt werden."

„Wir passen auf", sagte er und bewegte sich auf die Tür zu. „Lass uns gehen."

Während sie durch die Seitenstraßen eines Stadtteils von Iwagakure gingen, sah Sakura sich nach einem geeigneten Geschäft um. Auch heute waren die Straßen übermäßig belebt, weshalb sie sich problemlos in den Menschenmassen bewegen konnten, ohne großartig aufzufallen. Nervös, und bemüht darum, ihr Haar versteckt zu halten, zupfte sie ständig an dem Tuch, welchen sie erst vorhin in dem Kleiderschrank ihres Zimmers gefunden hatte, und anstelle ihres Ponchos trug. Dies war wesentlich angenehmer, denn die Temperaturen kletterten mit enormer Geschwindigkeit in erstickende Höhen. Hierzulande war es wohl nicht ganz so heiß, wie es derzeit in Konoha sein musste, aber die großen Menschenmassen und die unbarmherzig und knallende Sonne verwandelten die eng bebauten Straßen dieses Stadtteils gefühlt in den Schlund eines Vulkans.

Über Ryugo, den Vorfall beim Frühstück und auch über Juli, hatte Sasuke nicht ein weiteres Wort verloren. Neben der Tatsache, dass ihn die Situation augenscheinlich genervt hatte, interessierte ihn der Konflikt zwischen den beiden wohl auch nicht sonderlich. Aber dafür, dass er an diesem Morgen noch einen unübersehbaren Groll gegen Ryugo gehegt hatte, verhielt er sich nun unerwartet gelassen. Das ließ Sakura nun wiederum hoffen, ihre Ehemann habe verstanden, dass von Ryugo weder eine Konkurrenz ausging, noch Gefühle, die ihre Beziehung gefährden könnte. Hin und wieder sah sie seinen Blick sogar für wenige Sekunden zu einen der Schaufenster flitzen, woraufhin er sich wieder aufmerksam umsah. Sein Blick war scharf, äußerst konzentriert und durchdringend, während er ihr nicht einen Schritt von der Seite wich.

Sakura wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn. Die stickige Luft, sie war anstrengend. Die gesamte Szenerie bot ihnen jedoch zumindest einen Schutz, um sich in gewisser Art und Weise in einer Sicherheit wiegen zu können. Auch wenn es nur ein Gefühl sein mochte. Beide mochten sie ihr Chakra zwar unterdrücken, auf dauerhaft würde das jedoch unglaublich anstrengend werden. Ein zusätzliches Hindernis bildeten zudem die ineinander verschwimmenden Energien, verursacht von jedem einzelnen Chakrastrom, welche in der Masse zu einer riesigen blaue Wolke verschmolzen, und ihr Chakra zweitweise verschlucken würden, versuchte der Feind sie aufzuspüren. Sie hatten bisher zwar erfolgreich flüchten können, verfolgt mussten sie aber noch immer werden. In Sakuras Augen war es nur eine Frage der Zeit, bis die Feinde sie erneut fanden. Beharrlich hielt Sasuke trotzdem an seiner Meinung fest, es hätte sich um einen Zufall gehandelt, dass sie in ihrer Nähe gesucht hatten. Ihren genauen Aufenthaltsort hatten sie schließlich nicht bestimmt, sonst hätten sie wohl kaum nach ihnen erkundigen müssen. Und vor allem in einem Dorf, in dem sie nie gewesen waren. Irgendwer musste sie gesehen haben, meinte er. Da war schon was dran, das sah auch Sakura ein. Dennoch meinte sie zu spüren, dass das nicht alles gewesen sein konnte. Und dann war noch immer die Frage, ob es Mangetsu gewesen war, oder Arisu, oder vielleicht sogar jemand völlig fremdes?

Sakura seufzte unzufrieden. Sie fühlte sich in diesem Augenblick zwar sicher, lange würden sie an diesem Ort trotz alledem nicht verweilen können. Irgendwann würden sie auffallen.

Zumindest sah Sasuke nach dieser Nacht deutlich erholter aus. Das stellte sie fest, als sie nun sein Gesicht im Sonnenlicht genauer betrachtete. Er war so vertieft darin, einen potenziellen Fein zu finden, dass er ihren Blick nicht wahrzunehmen schien. Seine Augenringe waren längst nicht mehr so tief und auch seine Augen längst nicht mehr so klein. Und auch Sakura fühlte sich, trotz eines Alptraums in dieser Nacht, in welchem Mangetsu ihren Bauch berührte, energiegeladener. Dachte sie an diesen Traum zurück, überkam Sakura stets eine Gänsehaut. Er wollte es haben - ihr Baby. Es musste einige Tage her sein, dass sie zuletzt von ihm geträumt hatte. Und auch, dass sie überhaupt träumte. Sie vermutete, dass ihre schwangerschaftsbedingten Schlafstörungen der Auslöser dafür waren, dass sie nicht tief genug, oder eben zu tief geschlafen hatte, um bewusst zu träumen. Insgeheim hoffte sie darauf, die Träume würden ein Ende finden, sobald sie wieder richtig schlafen konnte.

Als sie endlich einen Laden entdeckte, in dem es Unterwäsche zu kaufen gab, hielt Sasuke an.

„Kommst du nicht rein?", fragte Sakura, als er keinen Anstand machte, ihr in das Geschäft folgen zu wollen.

Kopfschüttelnd drehte dieser sich mit dem Rücken zur Tür und lehnte sich lässig gegen die Mauer des Geschäfts, um den Bereich im Blick behalten zu können.

„Ich warte", erwiderte er knapp.

„Na gut." Achselzuckend trat sie ein.

Bestückt mit einer Papiertüte verließ Sakura den Laden. Lindernd tätschelte sie unauffällig ihr Dekolleté, denn das Pochen hallte noch schmerzhaft nach. Die Verkäuferin hatte ihr einige edlere Stücke verkaufen wollen, Sakura bevorzugte aber eher die schlichten und praktischen. Trotz dessen ließ diese es sich nicht nehmen, Sakura einige der teureren Stücke in die Kabine zu hängen und Sakura hatte sie aus Höflichkeit anprobiert.

„Den müssen sie ganz eng tragen", hatte sie noch eingewandt, bevor sie ohne Vorwarnung die Träger unerbittlich so kurz zog, dass Sakura vor Schmerzen in der Brust sogar kurz schwindelig wurde. Heftig hatte sie sich auf die Zunge beißen müssen, um nicht loszuschreien. Im Spiegel hatte sie dann gesehen, dass ihr Vorbau nun noch größer und praller wirkte und völlig unnatürlich nach oben stand. Ach du heilige, war es ihr durch den Kopf geschossen, während sie sich im Spiegel entsetzt betrachtete. Beinahe hätte sie ihre Gedanken sogar laut ausgesprochen, aber die Verkäuferin musste es bereits an ihrem Ausdruck abgelesen haben. Schnippisch hatte sie mit der Zunge geschnalzt, als sie ihr die Teile wieder aus der Hand gerissen und, ohne ein Wort zu sagen, wieder weggehängt hatte. Sakura entschied sich letztendlich für ihre eigene Auswahl.

Auf dem Rückweg mussten sie eine Straße zu früh eingebogen sein, denn am Ende dieser war nicht, so wie angenommen, die Straße des Gasthauses, sondern ein kleiner Park. Er sah mickrig aus, wenn Sakura ihn mit einem aus Konoha verglich. Nicht auf die Größe bezogen; es waren eher die Farben, die ihn trostlos wirken ließen. Viel brauner Stein, Kies und Sand.

„Huch? Wo sind wir hier?", murmelte sie mehr zu sich selbst. Sasuke war bereits im Inbegriff, sich umzudrehen, um die lange schmale Straße zurückzugehen, aber Sakura hielt ihn am Ärmel zurück. „Da muss es doch auch einen Weg hindurch geben. Das Gasthaus muss sich doch links davon befinden."

Sasuke zuckte gleichgültig mit den Achseln und wandte sich wieder zum Park.

Oder eher Garten, so stand es zumindest auf dem Schild, welches Sakura entdeckte. Stein- und Erdgarten stand darauf geschrieben. Und wie das Schild prophezeite, führten schmale Wege zwischen den teilweise sehr eindrucksvollen Formen von verschiedensten Steinen hindurch, die sich in kleinen Beeten, befüllt mit Sand, Kies oder Erde befanden. In einigen Steinen schien etwas eingearbeitet zu sein. Sakura meinte, Teile von Tieren und Menschen zu erkennen. Ob das hier eine Art Kunst war? Gerade war sie an einem stehen geblieben, der sie an den Kyuubi von Naruto erinnerte, vielleicht war es aber auch nur ein gewöhnlicher Fuchs. Nah fuhr sie mit dem Gesicht an diesen besagten Stein, er war mindestens doppelt so groß wie sie, heran und versuchte, die neun Schwänze zu erkennen. Sasuke befand sich nur einen Stein weiter und hielt die Augen ebenso zusammengekniffen, wie Sakura es tat, um die Bilder erkennen zu können. Nein. Es war nur ein Fuchs. Sie war sich sicher.

Im nächsten Augenblick hörte Sakura plötzlich eine leise Stimme. Intuitiv drückte sie sich an den Felsen, der vergleichsweise breit war, anders als die anderen, die um sie herumstanden.

„Was machst du da?", fragte Sasuke und kam zu ihr hinüber. Sasuke musste gerade noch hinter dem Felsen mit dem Fuchs verschwunden sein, denn es gingen zwei Leute an ihnen vorbei.

„Was machst du?", wiederholte er verbissener.

„Psssst", zischte Sakura ihm energisch zu. Er hatte sie doch auch gesehen, Ryugo und Juli. Vorsichtig schob Sakura sich bis zur Kante des Steines vor und linste nach den beiden. Sie hörte Sasuke entnervt seufzen. Aber das war ihr egal.

Die beiden hatten angehalten und standen sich jetzt gegenüber. Die Kunoichi aus Kirigakure hielt den Blick gesenkt und Sakuras Kiefer spannte sich automatisch an, als sie ihren betrübten Blick bemerkte. Sie standen sehr dicht beieinander, nur ein einziger kleiner Schritt trennte die beiden voneinander, woraus Sakura ableitete, dass sie sich wohl doch näherstanden, als zuvor vermutet. Ryugo lächelte schwach und bewegte seine Lippen. Nein. So ein Mist. Er flüsterte, Sakura verstand kein einziges Wort. Dafür standen sie zu weit entfernt.

„Seit wann belauschst du denn streitende Liebespaare?", murmelte Sasuke, der mit dem Rücken zum Stein stand und die Augen geschlossen hielt.

„Mensch, Sasuke", zischte Sakura wütend. „Sei leise. Außerdem streiten sie doch gar nicht." Redete er, dann würde sie erst recht nichts verstehen, und dafür interessierte sie die Beziehung der beiden doch zu sehr.

Es nützte leider nichts. Sie standen zu weit entfernt. Sakura sah lediglich, dass ihre Lippen sich öffneten und schlossen. So ein Mist, im Lippenlesen war sie nie gut gewesen. Sasuke konnte es besser, aber er würde das wohl kaum machen.

Sakura sah wie gebannt dabei zu, wie Ryugo Julis Hand in seine nahm. Sakura hielt die Luft an. Eigentlich fehlte nur noch das Popcorn, schoss es ihr durch den Kopf. Juli zuckte bei der Berührung jedoch erst zusammen und schien ihre zurückziehen zu wollen. Ryugo hielt sie aber bestimmt fest. Dann sagte er wieder etwas. Sakura konnte ihre Namen aus seinen Lippen lesen, mehr aber nicht. Juli nickte schwach und hob dann den Blick, um schwach zu lächeln. Ryugo hob einen Mundwinkel, auch er lächelte. Gleichzeitig strich er ihr mit dem Daumen über den Handrücken. Ha. Am liebsten wäre sie hinter dem Stein hervorgeprescht, um Ryugos Geste der ganzen Welt zu zeigen. Er schien ihre Hand gar nicht mehr loslassen zu wollen und eigentlich hatte Sakura erwartet, dass sie sich gleich küssten, aber dazu kam es leider nicht. Stattdessen fuhr Sakura erschrocken in die Höhe, als jemand hinter ihnen grüßte. Sasuke schnaufte leise, als ein spazierendes altes Ehepaar Sakura skeptisch musterte. Mit hochrotem Kopf verbeugte sie sich rasch und sah erst wieder auf, als die beiden an ihnen vorbeigegangen waren. Böse sah sie ihren sonst so wachsamen Ehemann an, er hätte sie warnen können. Stattdessen hatte er sie absichtlich auflaufen lassen. Als hätte er ihren Gedanken gelesen, musterte er sie skrupellos, so als amüsierte ihn diese Tatsache.

„Oh nein", entfuhr es Sakura jammernd, nachdem sie das Gesicht wieder hinter dem Stein hergeschoben hatte, um einen freien Blick genießen zu können. Ryugo und Juli gingen bereits, jeder seine Hände bei sich. Was war denn nun? Waren sie ein Paar? Sakura unterdrückte ein enttäuschtes Stöhnen. Diese Beobachtung hatte sie nur noch mehr verwirrt.

„Hast du genug gegafft?"

„Ich habe nicht gegafft", protestierte Sakura leise und beobachtete gleichzeitig, wie die beiden hinter der nächsten Ecke verschwanden. „Es interessiert mich nur, vielleicht kann ich irgendwie helfen!"

„Wir sollten uns nicht in jede Angelegenheit einmischen. Das ist privat, wie würdest du dich fühlen?"

Sakura blinzelte dreimal und öffnete dann zögernd den Mund. „Sasuke. Sie scheinen meinetwegen eine Auseinandersetzung zu haben. Siehst du das denn nicht?"

Er seufzte genervt.

Ja, sicher. Das war kein Notfall, niemand würde sterben oder körperlich zu Schaden kommen. Aber Sakura mochte den Shinobi aus Kirigakure, er hatte ihr während Sasukes Abwesenheit viel Kraft und Mut verliehen. Und so wünschte sie sich, dass auch er endlich sein Glück finden würde.

⋯ ♡ ⋯

Gemeinsam beschlossen die beiden, noch eine Nacht zu bleiben. Iwagakure bot ihnen Schutz, in welchem sie sich, zumindest für einen gewissen Zeitraum, in Sicherheit zu wiegen wussten.

Es war bereits Abend. Sakura lag im Bett und las in einem Buch, welches sie sich aus der kleinen Bibliothek des Gasthauses, genau genommen war es eigentlich nur ein einzelnes Regal, geborgt hatte. Sasuke saß, mit geschlossenen Augen und brütendem Kopf, über der Landkarte, die vor ihm auf dem Tisch ausgebreitet lag. Sakura wollte ihn nicht stören, weshalb sie ihn machen ließ. Würde er fertig werden, oder ihren Rat brauchen, würde er sich schon melden oder ihr eben das Ergebnis seiner Brüterei mitteilen. Die Zeiten, in welchem sie ihm alles aus der Nase ziehen musste, waren vorbei – zumindest die meisten Angelegenheiten betreffend.

Als es an der Tür klopfte, sahen sie sich an.

Sakura klappte das Buch zu, um aufzustehen, Sasuke war aber bereits an der Tür und öffnete sie einen Spalt breit.

„Äh ... hallo. Sasuke, richtig?", hörte Sakura Juli sagen. „Entschuldige die Störung ... aber ... ist Sakura da?"

Sasuke zögerte, aber Sakura kam bereits angelaufen und schob Sasuke beiseite, um die Tür weiter zu öffnen.

Überrascht fixierten die markanten Augen der Kunoichi aus Kirigakure Sakuras Gesicht. Unsicher ging ihr Blick anschließend zu Boden, als schämte sie sich. Aufmunternd lächelte Sakura. „Was gibt es, Juli?"

„Könntest du ..." Juli führte beide Hände vor sich zusammen und drückte sich selbst fest, um sich Mut zu machen. „Ich wollte mich bei dir entschuldigen. Für mein Verhalten. Das war nicht angemessen. Es tut mir leid. Ich glaube, ich habe da was durcheinandergebracht."

Sakura legte den Kopf schief und dachte nach. Hatte Ryugo sie dazu überredet? Oder kam sie aus freien Stücken?

Als hätte Juli ihre Gedanken gelesen, antwortete sie prompt darauf. Sie schüttelte den Kopf. „Und nein, Ryugo weiß nicht, dass ich hier bin. Wahrscheinlich wäre er sonst mitgekommen."

Sakura lächelte. Das wäre sicherlich so gewesen. „Danke, Juli. Ich weiß es sehr zu schätzen, dass du hier stehst und mit mir sprichst. Macht dir keine Gedanken." Sakura grinste jetzt. „Es ist alles in Ordnung. Das war es immer."

Juli fuhr ein verlegenes Lächeln über die Lippen. Dann verbeugte sie sich tief. „Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten." Dann drehte sie sich um und ging wieder.

--

Am nächsten Morgen saßen Sakura und Sasuke an einem kleineren Tisch im Restaurant des Gasthauses und frühstückten. Die junge Kunoichi lächelte ihren Ehemann gut gelaunt an, während sie sich einen Nachschlag auftat. Heute war ein weiterer Tag, an welchem die Schwangerschaftsübelkeit ausblieb. Und es sah tatsächlich so aus, als wäre diese Phase nun endgültig überwunden. Die gute Laune, die sie prickelnd durchfuhr, wirkte überaus erheiternd, vertrieb all die negativen Gedanken, die sie an diesem Morgen umgaben. Denn Sakura hatte ihn wieder gesehen. In ihrem Traum. Schnell schluckte sie den Kloß hinunter, der sich in ihrem Hals bildete; allein die Erinnerung daran ließ sie Panik verspüren. Seine eisigen und dürren Finger hatten ihren Bauch berührt, sich in ihre Haut gepresst. Er hatte es gewollt. Ihr Kind. Schnell schüttelte sie unauffällig mit dem Kopf, um den Traum aus ihren Gedanken zu verbannen und sich nicht noch die schmerzhaften Details ins Gedächtnis rufen zu müssen.

Der gemeinsame Plan sah nun vor, noch heute aufzubrechen und Richtung Westen zu wandern, bis kurz vor die Grenze des großen Shinobi-Reichs, welche, für Sakura, in völlig fremde Länder führte. Beide waren sie der Meinung, genug Zeit in der Stadt verbracht zu haben. Länger zu verharren, könnte nur unnötige Aufmerksamkeit auf sie lenken.

Das Frühstück hatten sie beinahe beendet, da setzten sich Ryugo und sein Trupp an den Tisch, der sich neben ihrem befand. Julis und Sakuras Blicke trafen sich augenblicklich und freundlich lächelte die Kunoichi, die sich direkt neben Ryugo gesetzt hatte. Sakura erwiderte die freundliche Geste.

„Wie lange bleibt ihr noch?", erkundigte sich Ryugo nach einer Weile bei Sasuke. Sakura fiel die Kinnlade hinab, als Sasuke, zwar mit seiner gewöhnlichen Reserviertheit, aber dennoch sofort auf Ryugos Frage einging.

„Nach dem Frühstück", erklärte er knapp.

„Und was ist euer Ziel?", fragte Ryugo und wartete kurz, riss aber im nächsten Moment wieder den Mund auf, als wäre ihm etwas eingefallen. „Geheim. Du meintest, eure Mission wäre geheim. Blöde Frage, sorry."

Sakura lächelte entschuldigend; so gerne würde sie ihm mehr erzählen. Dass sie ihn im Dunkeln tappen lassen musste, schien in jedoch nicht zu stören. Verständnisvoll nickte er sogar.

„Vielleicht können wir ein Stück gemeinsam gehen?" Juli hatte ihren Oberkörper vorgelehnt, um besser hinter Ryugo hervorsehen zu können. Ihr Blick wirkte hoffnungsvoll, und Ryugo sah sie für einen Moment stirnrunzelnd an, zuckte dann aber mit den Achseln.

„Wir habe einen Auftrag angenommen", führte er Julis Idee weiter aus. „Wir könnten ihn gemeinsam ausführen. Gleich im nächsten Dorf, nur einen kurzen Fußmarsch von hier entfernt. Vielleicht können wir im Anschluss gemeinsam nach Spuren suchen." Eindringlich sah er die beiden an, als wartete er auf eine bestimmte Reaktion. Er nahm wohl an, dass sie auf der Suche nach Mangetsu waren. Ganz daneben lag er damit nicht, allerdings liefen sie vor ihm davon.

„Nein", brummte Sasuke. Nun wieder ein bisschen unfreundlicher.

Sakura seufzte nachdenklich und rümpfte die Nase, was Ryugos Sinnen nicht entging. Seine Augen wurden schmaler und schmaler, als er versuchte, sie zu lesen.

Sakura ignorierte ihn und sah Sasuke bittend an. Das war doch die Gelegenheit, auf welche sie ihn aufmerksam hatte machen wollen. Sie würden ihre Verfolger aufspüren und angreifen können.

„Wir haben etwas anderes zu tun", ergänzte Sasuke kühl, schob den Stuhl zurück und stand auf. Er war fertig. Sowohl mit dem Essen als auch dem Gespräch. Sakura eilte ihm zugleich aufs Zimmer nach.

Während sie nun langsam ihre Sachen packte, sah sie immer wieder unsicher zu ihrem Ehemann. Dieser nahm seinen Umhang vom Stuhl, schmiss ihn sich über die Schultern und schloss die Schnalle am Hals.

„Sasuke", sagte sie endlich mit fester Stimme. „Vielleicht sollten wir Ryugo um Hilfe bitten. Wenn wir es ihm erklären, dann wird er bestimmt-"

„Nein." Schneidend beendete er ihren Gedankengang, schloss dabei seine Tasche. Und wandte sich ihr seufzend zu. „Es gibt keinen Grund dazu." Sein Gesicht wurde hart.

Sakura stemmte aufgebracht die Hände in die Hüften. „Es gibt keinen Grund? Natürlich", rief sie empört. Es gab mehrere. „Es bereitet mir Sorgen, wenn ich nur daran denke, dass du alleine gegen diese Meute antreten musst."

Seine Lippen wurden plötzlich schmal und eine dezente Bitterkeit zog sich durch sein Gesicht. „Du brauchst dir darum keine Gedanken zu machen", sagte er dann fest und sah aus dem Fenster. „Je größer die Gruppe, desto wahrscheinlicher, dass wir gefunden werden."

„Aber wenn wir gefunden werden, dann sind wir doch zu fünft."

„Ja, aber es ist deutlich vorteilhafter, werden wir erst gar nicht von ihnen aufgespürt. Es ist besser, wir gehen unseren Feinden aus dem Weg, ehe sie merken, weshalb wir sie überhaupt meiden."

Sakura nagte unentschlossen an ihrer Unterlippe. Sie konnte seine Sichtweise schon nachvollziehen, aber war das der klügere Weg?

„Aber Sasuke", setzte Sakura erneut an und versuchte ihn ein letztes Mal umzustimmen.

Sasukes Gesicht wurde langsam aber sicher zornig.

„Ich möchte nicht-", setzte sie erneut an.

„Sakura", rief er plötzlich unerwartet laut, was sie heftig zusammenzucken ließ. Sie erstarrte und beobachtete, wie er sich beunruhigt durchs Haar fuhr, die Augen schloss und schwerfällig ausatmete. „Hör bitte auf, mir zu widersprechen", sagte er ermattet. „Es ist so am besten."

Sakura öffnete den Mund, ihre Lippen formten aber weder Worte noch Töne.

Als er zu bemerkten schien, dass sein Ausruf der Grund ihrer Sprachlosigkeit war, umfasste er eine ihrer langen Haarsträhnen, um sie zwischen seinen Finger fließen zu lassen. Er lächelte dabei träge. „Ich lasse dich nicht alleine", sagte er leise und seine Worte erweichten ihre Knie. „Nicht, wenn es nicht sein muss." Er sah sie an, taxierte abwechselnd ihre Augen und atmete gleichmäßig ein und aus. Sakuras Atem stimmte sich auf seinen ein und langsam kam ihre Sprache wieder.

Nach einer endlos wirkenden Pause sprach er weiter. „Die drei befinden sich doch sicher ebenfalls auf den Spuren von Mangetsu. Somit helfen sie uns doch bereits."

„Aber dann sollten wir ihnen wenigstens den Tipp geben, dass sich möglicherweise Feinde in der Nähe befinden. Nicht, dass sie überrascht werden.", wandte Sakura ein.

Sasuke nickte schwach. „Wenn du dich damit besser fühlst." Vorsichtig zeichnete er die Konturen ihres Kinns mit seinem Daumen nach. Ein wohliges Gefühl durchfuhr sie, ausgehend von dieser Berührung. Kurz schloss sie die Augen und genoss das warme Gefühl, dass sich in ihren Wangen staute.

Abrupt riss sie jetzt die Augen auf und blinzelte. Wie von der Tarantel gestochen, packte sie Sasukes Hand und führte sie hinab. Ihre Blicke trafen sich, kurz bevor seine Hand ihren Bauch berührte und sie ihre auf seine legte. Irritiert über ihr plötzliches Handeln folgte sein Blick schließlich ihren Händen. Sakura konzentrierte sich. Sie musste diese Gelegenheit nutzen. Es war der kleine Strudel, er hatte ebenfalls auf Sasukes Berührung reagiert. Und floss das Chakra so aufgeregt, würde er ihn mit ihrer Hilfe vielleicht spüren können.

Rasch tauschte sie ihre Hand in Chakra und wartet ab. Dann stutzte Sasuke leise und hob überrascht den Blick. Seine Augen waren geweitet, als konnte er kaum fassen, was er da gerade spürte. Sakura lächelte, sie fühlte mit ihm. Ihr war es schließlich ganz ähnlich ergangen.

„Siehst du", sagte Sakura leise. „Er macht sich auch Sorgen um dich."

Lange blickten sie sich so tief in die Augen, wie sie es seit Ewigkeiten nicht mehr getan hatten. Sasuke verlor sich für diesen einen Moment sogar so sehr, dass sich seine Augen in einen Spiegel seiner Seele wandelten.

Sakuras Muskeln spannten sich, unter dem, was sie sah und fühlte, krampfartig an. Die Angst, die ihn belastete, lag wie ein erdrückender Schleier auf ihm und breitete sich wie eine stechende Kälte jetzt auch in ihrer Brust aus. Und ihr Herz schlug schneller, heftiger, als wollte es diese Kälte davon abhalten, ihren Körper einzunehmen. Aber es war nur ein Gefühl, es konnte ihr nicht ernsthaft schaden. Dennoch tat es einfach nur unendlich weh, ihn so zu sehen. Er litt unheimlich darunter, nicht mehr tun zu können, als sie durch die Welt zu jagen. Mehr für Sakura und den kleinen Strudel. Sie lächelte sanft. Jetzt verstand sie ihn ein wenig besser, und so wollte sie ihm in dieser Hinsicht keine Last mehr sein. Er tat sein Bestes. So wie immer.

Sie ließ von seiner Hand ab, die er an Ort und Stelle hielt, und sah ihn an. Er wirkte zerrissen; schien nicht genau zu wissen, wie er sich verhalten sollte, was er tun sollte. Kurzerhand umrahmten Sakuras zierliche Hände sein markantes Gesicht. Sie drückte sich mit den Zehenspitzen vom Boden ab und führte ihre Lippen auf seine warmen. Ein prickelndes Gefühl benetzte die dortige feine Haut, als er den Kuss erwiderte und sie anschließend in eine feste Umarmung zog.

„Lass uns jetzt aufbrechen", flüsterte er ihr ins Ohr, nachdem er sich zweimal vergeblich von ihr zu lösen versucht hatte. Erst das dritte Mal erwies sich als erfolgreich, aber auch nur widerwillig.

Sakuras Gesicht glühte, während sie zustimmend nickte. Gerne hätte sie noch eine Weile in seinen Armen verweilt, aber sie mussten los.

Vor den Türen des Gasthauses trafen sie Ryugo und seinen Trupp. Es schien so, als warteten sie auf die beiden, um sich zu verabschieden. Ihre Rucksäcke hatten sie bereits geschultert und den Blick in die Richtung gewandt, in welche sie aufbrechen wollten.

„Ich wünsche euch alles Gute", sagte der silberhaarige Shinobi und lächelte warmherzig. „In Kirigakure seid ihr immer willkommen."

„Schön, euch kennengelernt zu haben." Juli verbeugte sich tief.

„Gleichfalls", Sakura folgte ihrem Beispiel. „Passt auf euch auf."

„Ihr auch auf euch." Ryugo zwinkerte Sakura zum Abschied zu, und als die drei davongingen, sah sie ihnen unerwartet traurig nach. Schade, denn noch immer konnte sie lediglich vermuten, was zwischen den beiden lief. Zu schnell hatten sich ihre Wege wieder getrennt. Nur ein kurzes Wiedersehen. Mehr war es nicht gewesen.

Kurz darauf brachen auch Sakura und Sasuke auf. Bevor sie jedoch den Weg nach Westen einschlugen, besorgten sie noch einige Vorräte auf dem Markt.

Sie gingen eine Weile, da rutschte es Sakura einfach heraus. Es brannte ihr zu sehr auf der Seele, als dass sie es hätte für sich behalten können. „Glaubst du, die beiden finden zueinander?" Sie sah Sasuke an, der neben ihr ging und eindruckslos den Blick nach vorne gewandt hielt.

„Wieso interessiert dich das?" Fragend zog er die Augenbraue nach oben und blickte sie von der Seite an.

„Na ja. Ryugo ist schon ein netter Kerl. Ich wünsche ihm nur das Beste."

Sasuke schloss die Augen und schmunzelte schief.

„Machst du dich lustig über mich?", rief sie und schürzte beleidigt die Lippen. Dass er ihr gar nicht widersprochen hatte, war ihr überhaupt nicht aufgefallen.

„Niemals." Sasuke lachte schwach. „Ich bin nur immer wieder erstaunt, wie selbstlos du an das Wohl anderer Menschen denkst", erklärte er in einem Ton, der sich nur schwer deuten ließ.

Überrascht über seine Aussage sah Sakura mit brennenden Wangen zu Boden. War das nun ein Kompliment, oder zog er sie damit auf?

Plötzlich zupfte er leicht an ihrem Pferdeschwanz. Verwundert darüber sah sie ihn an - das hatte er noch nie gemacht.

„Zerbrich dir nicht den Kopf", wandte er erst cool ein und räusperte sich dann ein wenig befangener. „Sicher wird alles gut werden." Zuversichtlich nickte er einmal fest.

Sakura fuhr ein Lächeln über die Lippen. Irrte sie sich, oder war die Abneigung gegen Ryugo nicht mehr ganz so groß?

Zum Anbruch der nächsten Stunde durchquerten sie ein bergiges Gebiet. Wo man auch hinsah, schossen Nadelbäume aus dem Boden, deren Stämme sich mehrere Meter weit in die Höhe erstreckten. Die Spitzen befanden sich einer schwindelerregenden Höhe, und die meisten konnte Sakura mit dem bloßen Auge gar nicht erkennen, legte sie den Kopf in den Nacken. Erst mehrere Meter über ihnen ragten die ersten Äste aus der dunkeln Rinde und verzweigten sich zu mehreren feineren, an denen die schmalen grünen Nadeln thronten und diesen würzigen Duft absonderten. Sakura atmete tief ein - es roch nach Harz und Tanne. Der Boden war stellenweise von riesigen Moosflächen überzogen, die, setzte man einen Fuß darauf, wie ein weicher Teppich nachgaben. Geistesabwesend kickte Sakura die alten und braunen Tannenzapfen aus dem Weg, tauchten sie vor ihren Füßen auf.

Als ihr ein auffällig grüner Tannenzapfen plötzlich direkt vor die Füße fiel, blieb sie abrupt stehen. Fast hätte er sie am Kopf getroffen. Sakura bückte sich, nahm ihn auf und betrachtete ihn stirnrunzelnd. Wieso fiel ein so grüner Zapfen so einfach vom Baum? Nachdenklich hob sie den Blick und betrachtete die dunkelgrünen Äste, die leise im Wind raschelten. Ehe sie selbst auf die Idee kam, jemand könnte sich über ihnen befinden, war Sasuke bereits bei ihr. Sein Susanoo breitete sich innerhalb weniger Millisekunden aus, und als Sakura mit konzentriertem Blick in die Wipfel der Bäume starrte, um etwas zu erkennen, bohrten sich bereits einige Kunais in die violette Masse. Die Spitzen blieben einfach darin stecken und explodierten, kurz nachdem Sakura die Briefbomben an ihren Enden identifiziert hatte. Sie schluckte. Sasuke hatte wirklich verdammt schnell reagiert.

„Pass doch auf, du Schwachkopf", rief eine Stimme aus dem Wald.

Ungehalten wandten sich die beiden unter dem Schutz des violetten Schleiers zu allen Seiten. Sakuras Herz flatterte in der Brust. Ihr Atem ging so flach, dass sie ein unangenehmes Stechen in der Brust vernahm. Wie konnte das sein? Sie hatten doch niemanden bemerkt.

Sakura wurde schlecht, denn nach und nach ploppten mehr und mehr Chakraquellen auf. Wie von Zauberhand, als wuchsen sie plötzlich aus der Rinde der Bäume oder dem moosigen Boden. Wie hatte der Feind sie nur finden können?

„Scheiße", presste Sasuke hervor. „Woher-?"

Sakura zückte ihr Kunai; im Zweifel musste sie sich selbst verteidigen. Sasuke musste es aus dem Augenwinkel bemerkt haben, denn er deutete ihr mit der gehobenen Hand an, sich zurückzuhalten. Zähneknirschend ließ Sakura die Hand wieder etwas sinken.

Es war unglaublich. Überall waren Feinde. Vorne, hinten, sogar über ihnen kletterten sie jetzt die hohen Bäume hinab. Einige trugen Masken, andere hatten sich das Gesicht halbseitig mit einem Tuch abgebunden, wieder andere zeigten schadenfroh ihre grinsenden Fratzen.

Als Sakura eine ganz spezielle Person im Baum entdeckte, stockte ihr schlagartig der Atem. Ihre Augen wurden schmaler, um sich zu vergewissern, aber ja. Die schwarzen vollen und welligen Haare, waren nicht zu verkennen. Sie war es.

„Arisu", knurrte Sakura.

Als hätte das puppenhafte Mädchen ihren Namen aus der Ferne gehört, lachte sie lauthals auf und warf sich das lange schwarze Haar elegant zurück. Mit den Füßen wackelnd saß sie auf einem Ast und blickte breit grinsend hinab.

„Endlich", rief sie.

„Ist das...?", flüsterte Sasuke.

„Ja, diese Gestalt hat Hinata und mich in Konoha überfallen."

Sasuke nickte knapp. Sein Kiefer mahlte nervös. Erst als sie ihn jetzt ansah, bemerkte sie, wie sich sein Sharingan pausenlos zu allen Seiten bewegte. Ob ihm auf Dauer schwindelig werden könnte? Eins stand jedenfalls fest: Er konnte niemals alle Gegner gleichzeitig bekämpfen, dafür waren es einfach zu viele. Sakura sah sich nach einem Ausweg suchend um. Was sollten sie nur tun? Sie waren umzingelt.

„Sasuke Uchiha", rief Arisu zu ihnen hinab und lachte schadenfroh. „Du hast die Wahl. Entweder, du gibst mir dein Sharingan freiwillig, oder ich nehme mir deine reizende Frau mit. Schließlich trägt sie den Samen deines Clans in sich, oder nicht?" Amüsiert lachte sie wieder und riss den Kopf in den Nacken.

Ihre giftigen Worte brannten sich so heiß wie glühende Kohlen in Sakuras Brust. Sie hustete, würgte kurz, und beinahe hätte sie sich übergeben müssen. Panik durchfuhr sie, als sie aufsah und für einen Augenblick keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte. Die Angst, Sasuke, oder ihrem Kind könnte etwas zustoßen, lähmte sie, trieb ihr die Galle nach oben. Rasch fing sie sich jedoch wieder, denn jetzt war weder die Zeit, um zu heulen noch, um ohnmächtig zu werden.

Suchend ging ihr Blick zu Sasuke, dessen Augen, ebenso entsetzt aufgerissen, zu Boden starrten. Knurrend hob er im nächsten Moment den Kopf und funkelte Arisu wutentbrannt an. Sein Blick war so hasserfüllt, dass Sakura ein kalter Schauer über den Rücken lief.

„W-woher", stotterte Sakura und folgte seinem Blick. Es brachte nichts, es weiterhin zu leugnen.

Arisu grinste unschuldig. „Ach, ihr seid noch immer nicht darauf gekommen?"

„Worauf gekommen?", zischte Sasuke wütend.

Arisus Grinsen wurde breiter und ihre riesigen Augen funkelten, als sie Sasukes und Sakuras Ratlosigkeit über ihre Worte vernahm.

„Ach. Das ist ja nun auch völlig belanglos", trällerte sie zu einer vermutlich spontan eigens komponierten Melodie, wackelte mit dem Kopf und lächelte zuckersüß. „Wenn du auf keine meiner Forderungen eingehst, dann hole ich mir eben das mit Gewalt, was am Ende am Leben bleibt."

Sakura sah Sasuke schwer schlucken. Kleine Schweißperlen bildeten sich an seiner Schläfe und flossen hinab. Seine Nervosität ließ den Griff um ihr Kunai fester werden. Anschließend grinste sie, um ihre eigene Nervosität zu überspielen. Sie musste nur ausweichen und mit jedem Schlag treffen. So, wie Tsunade es sie gelehrt hatte. Ein Medizinninja dürfte niemals verletzt werden.

„Du bleibst in meiner Nähe, unter dem Susanoo", zischte er ihr eindringlich zu. Ehe Sakura antworten konnte, schlug das mächtige schillernde Schwert auch schon in die Bäume ein; genau dort, wo Arisu saß. Sakura hörte Äste knacken, Bäume brechen und zu Boden rumsen. Männerstimmen schrien verzweifelt und laut.

Sakura rang hektisch nach Luft. Ob er sie erwischt hatte? Sasukes Angriff hatte so viel Staub aufgewirbelt, dass außerhalb des Susanoos kaum etwas zu erkennen war. Sie umfasste ihr Kunai noch fester, als einige Männer, rechts von ihnen, auf den schillernden Schleier einzuschlagen begannen. Sasuke würdigte sie keines Blickes und beförderte sie gekonnt, mit einem einzigen Schlag des Susanoos, in die Ferne. Sakura sah seine Augen zu allen Seiten flitzen, stets nach einem Ausweg suchend. Als er endlich einen gefunden zu haben schien, packte er Sakura und wollte mit dem Susanoo zur Flucht ansetzen.

Aber kurz nachdem sie sich in Bewegung gesetzt hatten, ging sein Sharingan augenblicklich nach oben. Nur eine Sekunde darauf schlug etwas heftig ein und drückte das Susanoo wieder zu Boden. Der Nachteil am Susanoo war eben, dass es, trotz seiner enormen Stärke, in seinen Bewegungen recht schwerfällig erschien. Sasuke selbst war wesentlich flinker, kämpfte er ohne diese Kraft, die sein Mangekyou Sharingan ihm verlieh.

„Was zum ...", presste Sasuke. Sakura wich einen Schritt zurück, als sie wieder auf dem Boden aufkam, und stieß rücklings gegen ihren Ehemann. Beide konnten sie ihren Augen nicht trauen.

Arisu drückte ihre Handfläche auf den violetten Schleier. Es war die Prothese, ihr rechter Arm. Sie glühte kurz und brachte anschließend das Susanoo zum Wabern. Es vibrierte stark und ließ die Außenwelt plötzlich so erscheinen, als befände sie sich unter Wasser. Sakura biss die Zähne aufeinander. Scheiße. Was konnte sie nur tun?

Was Sakura nun sah, überraschte sie sehr. Es war ganz fein, aber es war da - ein kleines Loch im Susanoo. Völlig ausreichend, um das umzusetzen, was Arisu vorhatte. Das etwas flog, vernahm Sakura am Windhauch, den sie nahe an ihrem Ohr vernahm.

Sasuke hatte es bereits abgewehrt, bevor es Sakura hatte erreichen können. Er stand vor ihr, und als sie zu seinen Füßen sah, japste sie nach Luft wie ein Fisch an Land. Nadeln. Unzählige feine Nadeln. Sie waren für das bloße Auge fast unsichtbar.

Alles ging Schlag auf Schlag. Sakuras Herz machte einen Aussetzer, als Sasuke plötzlich in die Knie ging, ihm das Schwert aus der Hand fiel und er angestrengt stöhnte.

„Sasuke", rief sie erschrocken.

„Ich kann meinen Arm nicht bewegen", presste er hervor.

Sakura stand sofort bei ihm und untersuchte seine Schulter. Und da. Ja, es steckte eine feine Nadel darin, die sie sogleich herauszog. Arisu lachte amüsiert auf. Wütend sah Sakura sie durch das Susanoo an. Diese Schlange musste gezielt einen seiner Chakrapunkte getroffen haben, weshalb sein Arm kurzzeitig gelähmt sein würde. Sakura sah sich um. Das Loch, welches sie eingebrannt hatte, war verschwunden. Dennoch schien der Angriff auch Auswirkungen auf den Erhalt des Susanoos zu haben. Es waberte noch immer stark und begann sich, wie ein großer Luftballon, der langsam an Luft verlor, zusammenzuziehen.

„Scheiße", knurrte Sasuke und kniff ein Auge zu. Es schien ihm sichtlich schwerzufallen, das Susanoo aufrecht zu erhalten. Arisu war inzwischen vor das Susanoo getreten. Mit verschränkten Armen und siegessicherem Grinsen schien sie nur darauf zu warten, bis sie freie Fahrt hatte.

„Du Miststück", zischte Sakura zornig.

Arisus Grinsen wurde breiter. „Ich habe dir doch gesagt, ich werde mich rächen. Ich halte mein Wort stets."

„Amaterasu", rief Sasuke plötzlich und die tödliche schwarze Flammenbrunst baute sich vor dem Susanoo auf. Er erwischte Arisu am Saum ihrer Kleidung, als sie zurücksprang. Laut hörte Sakura sie schreien und sah dann, wie sie sich panisch den Umhang vom Körper riss. Er landete auf einem ihrer Komplizen, der von den schwarzen Flammen sofort eingenommen wurde und lauthals um sein Leben schrie. Sakura beobachtete die Szene mit Entsetzen. Wie widerwärtig konnte man eigentlich sein?

„Lauf weg", befahl Sasuke ihr plötzlich keuchend. Sakura sah in die Richtung, in die er mit dem Kopf gedeutet hatte. Und tatsächlich. Da war ein kleiner Durchgang, gerade so breit, dass Sakura hindurchschlüpfen könnte. „Du musst dich in Sicherheit bringen."

Sakura sah ihn entgeistert an. „Ich lasse dich nicht alleine, Liebling", erwiderte sie eisern und umfasste ihr Kunai wieder fester. Sie war bereit dazu, ihren Ehemann zu verteidigen. Wütend darüber, dass sie nicht hörte, biss er die Zähne aufeinander, sie ignorierte es einfach. Sakura erwiderte ein mattes Lächeln. Natürlich blieb sie. Mit großer Wehmut betrachtete sie nun sein blutunterlaufenes Auge und seufzte. Sie mochte es irgendwie nicht leiden, wenn er dieses tödliche Feuer benutzte. Ihre Hand war ungewöhnlich ruhig, als sie ihm jetzt mit dem Daumen über die Wange fuhr, um das warme Rot hinfortzuwischen. Dabei hinterließ sie eine blutige Spur, die entgegen der Fließrichtung lag. Sasukes Lippen wurden schmal und sein Blick schwermütig. In seinen Augen sah sie Reue und Wut auf sich selbst.

„Wir schaffen das, Liebling", sagte Sakura entschlossen und lächelte. Bisher hatten sie doch alles geschafft. Für eine Flucht war es längst zu spät. Sie mussten kämpfen.

Kurz bevor das Susanoo endgültig über ihnen zusammenbrach, musste Sakura ihm das Schwert anreichen. Er biss mit den Zähnen auf den Griff, sodass er es bei sich tragen und verwenden konnte; wenn auch nur eingeschränkt. Dann ging er in die Knie, bereit für den Kampf. Besorgt betrachtete Sakura seinen hängenden Arm, als sie seinem Beispiel folgte. Hoffentlich würde er sich rasch wieder erholen.

Das Susanoo war jetzt endgültig verschwunden und Sakuras Puls schnellte blitzartig in die Höhe. Es war nur die schwarze Feuerbrunst, die sie noch von Arisu und ihrer Mannschaft trennte. Alle, selbst ihre Feinde, schienen für einen letzten Moment die Luft anzuhalten, sodass nur das Knistern und das Flackern der brünstigen Flammen in der Stille vernehmen war.

Dann aber – völlig überraschend – zog ein schneidender und eisiger Wind auf. Schlagartig wurde es kalt und düster, als befänden sie sich im tiefsten Winter. Trotz des Wetterumschwungs ließ Sakura Arisu nicht aus den Augen. Möglicherweise handelte es sich hier um einen üblen Trick.

Aber als es zu schneien begann, sah sich selnst die puppenhafte Gestalt irritiert um, was Sakura kurz verunsicherte.

„Was ist das? Zum Teufel", fauchte Arisu.

Sakura streckte sofort die Hand aus und fing eines der leise fallende Schneeflöckchen, die nun vermehrt über ihnen zu Boden sanken. Innerhalb weniger Sekunden, und ehe sie es überhaupt genauer betrachten konnte, war es ihr bereits unter der Wärme ihrer Handfläche geschmolzen.

Stirnrunzelnd legte sie den Kopf in den Nacken und blickte zum Himmel hinauf.

Wieso schneite es plötzlich?

༻❀༺


Freunde der Sonne,

mal wieder ein längeres Kapitel ;) Bei genug Zeit, hätte ich es gerne ein weiters Mal überarbeitet ... aber die kann ich aktuell einfach nicht aufbringen ^^

Wie immer dasselbe ... Wenig Zeit, Zeit, Zeit. Ich denke, wenn meine Hochzeit gelaufen ist, dann wird es auch endlich wieder entspannter. In den letzten 1,5 - 2 Jahren ist auch einfach echt viel passiert in meinem Leben ^^ Ich bin langsam echt müde davon. Ich freue mich daher auf die Ruhe.

Achso: Das Kapitel wird heute so früh veröffentlicht, da ich der Meinung bin, dass heute mein JGA ist Eigentlich wollte ich keinen ... Ich bin todesmüde ... Aber was soll man machen. Ich ziehe mich also gleich an, hau mit ein bisschen Tagescreme ins Gesicht und tu dann so, als würde ich jeden Morgen so frisch aussehen xD
Aber vielleicht irre ich mich auch xD Möglich ist aber nur heute und im Oktober noch zwei weitere Termine. Und irgendwie haben sich sowohl mein Männchen, als auch ne andere Freundin seltsam verhalten.

Falls ich etwas in dem Kapitel gedoppelt haben sollte, gerne anmerken. Ich habe gestern Abend noch was geändert und war mir dann unsicher, aber hatte keine Zeit, nochmal alles durchzugehen^^

Lieben Dank an meine Jenny ❤ Und für die neuen Empfehlungen und an die Mitleser*innen :)

Bleibt gesund und fresh ❤❤❤

Eure Juli
<3
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast