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Unsere Bestimmung - Sakura & Sasuke (Part 3)

von JuliTales
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Het
Naruto Uzumaki Sakura Haruno Sarada Uchiha Sasuke Uchiha
29.01.2021
12.02.2022
43
192.131
32
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59 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
04.09.2021 4.351
 
Sakura Pov

༻❀༺


Die rauen Stimmen der betrunkenen und gut angeheiterten Gäste verstummten schlagartig. So wie ihre Blicke brannte sich jetzt auch das hitzige Licht der viel zu hellen Glühbirne, die direkt über Sakura hing, unnachgiebig in ihre Haut.

Sie selbst saß, Juni stand direkt vor dem Barhocker, der sich unmittelbar neben dem ihrem befand. Irgendwo hinten rechts in der Ecke nieste jemand laut und von der anderen Seite wurde ein Gesundheit zurückgeflüstert. Problemlos war die Antwort im gesamten Raum zu hören. So still war es. Als hielten alle den Atem an, während Juni dem Kerl mit dem ekelhaften Grinsen die Spitze ihrer Schwertscheide an die Kehle hielt.

Unauffällig wandte Sakura sich mit dem Körper etwas vom Geschehen ab; fort von den Blicken der Leute, in der Hoffnung, so weniger Aufmerksamkeit zu erhalten. Das tat sie, da sie fürchtete, ein Spitzel von Mangetsu könnte sie erkennen. Aufmerksamkeit hatte sie doch um jeden Preis zu vermeiden versucht. Aufgeregt malträtierte sie ihre Unterlippe, ihr Herz schlug schnell. Sie musste hier raus, aber der Kerl stand hinter ihr, und sein Freund ebenso. Ohne sich zur Wehr zu setzen, würde sie nicht an ihnen vorbeikommen können.

„Schätzchen." Gespielt unschuldig und mit großen Augen, als hielte er sich für den verkleideten Wolf aus Rotkäppchen, der sie gleich fressen wollen würde, warf der Kerl, der Sakura auf die Schulter getippt hatte, die Hände in die Luft. Juni drückte ihm für diese Bemerkung das Leder nur noch tiefer in den Hals. Aber anstatt zurückzuweichen, grinste er nur noch breiter. „Wir wollten doch nur mit euch plaudern."

Plaudern. Leise japste Sakura nach Luft. Ganz sicher. Sie musste sich wirklich heftig auf die Zunge beißen, denn der große Klumpen Wut, der sich gerade in ihrem Bauch anbahnte, würde sich liebend gerne einmischen. Aber sie hielt sich wacker zurück.

Und glücklicherweise schien ihre neue Bekanntschaft nicht gerade auf den Mund gefallen zu sein. Bereits wenige Sekunden später hörte sie Juni kurz zynisch auflachen. „Die Einzige, mit der du nun plaudern kannst, ist die Klinge meines Schwertes. Du Hornochse", sagte sie dann schroff und lächelte etwas süffisant, was Sakuras Blick flüchtig auffing.

Ja! Hornochse. Was für eine treffende Bezeichnung.

Neugierig auf die Reaktion des Kerls linste Sakura nun zu seinem Gesicht. Es hatte sich verfinsterte und sein Grinsen war nun heimtückischer, was Sakura eine Faust ballen ließ. Und als er daraufhin einen energischen Schritt auf Juni vollbrachte, direkt an Sakura vorbei, sah sie jetzt zur linken Seite, zu Juni. Kurz wurde ihr beim nächsten Gedanken übel. Und das lag nicht nur an dem strengen Geruch, ein Gemisch aus Schweiß und Alkohol, den der Kerl ausdünstete. Sicher verhielt er sich nicht zum ersten Mal so. Dafür agierte er zu selbstbewusst. Wie viele Frauen hatte er wohl schon gezwungen, mit sich zu kommen? Und was hatte er mit ihnen gemacht?

Das Jucken in ihrer Faust nahm unweigerlich zu. Als Juni ihre Hand, und damit auch das Schwert, sinken ließ, fuhr Sakura entsetzt zu ihr um. Was war los? Hatte er sie nun doch eingeschüchtert? Der Klumpen Wut in ihre drohte vor Druck zu platzen, woraufhin ihre ungehaltene Wut zu entfesseln drohte. Sie konnte doch nicht einfach tatenlos zusehen, wenn sich die junge Frau für sie einsetzte und dadurch in Gefahr geriet. Das war absolut nicht ihre Art. Innerlich focht sie in diesen wenigen Sekunden einen Konflikt gegen ihr Gewissen und die Verantwortung aus, die sie sowohl gegenüber dem Kind, als auch Sasuke trug. Was, wenn etwas passieren würde? Müsste sie sich verteidigen? Bekäme sie vielleicht einen Schlag in den Bauch? Andersherum trieb es sie in den Wahnsinn, nichts zu tun. Und mit am meisten störte sie tatsächlich gerade die Tatsache, dass der Kerl nun denken musste, er hätte Sakura mit seinem Auftreten gebrochen. Dem war ja keinesfalls so.

„Du kleines Miststück", knurrte der vordere, der etwas breiter war als sein Freund, und blieb direkt vor Juni stehen. Er war mindestens zwei Köpfe größer als sie. Sein schmalerer Freund folgte ihm und befand sich nun unmittelbar in Sakuras Rücken.

„Hochnäsige Pute", rief der schmalere Juni zu.

„Die braucht doch nur einen ordentlichen Mann", lallte ein anderer, der noch an der Tischgruppe saß, von welcher sich die beiden Männer erhoben hatten. Sakura betrachtete ihn mit schmalen Augen.

Sakura hörte Juni über die Bemerkungen leise stutzen. Und auch sie selbst war über diese Äußerung mehr als nur entsetzt. Was waren das nur für frauenverachtende Idioten? Der Klumpen in ihrem Bauch wurde immer und immer rissiger, weshalb sie die Augen schloss, um sich zu beruhigen. Aber dann hielt sie überrascht die Luft an. Sie spürte etwas. Es war das erste Mal. Das erste Mal, dass sie den kleinen Strudel fühlte, ohne ihre Hand auf den Bauch aufzulegen. Vor ihrem inneren Auge, da wandte er sich im Flackern ihres eigenen Chakras. Unruhig. Erst nach links, dann nach rechts und dann wieder nach links. Sakura spürte es deutlich. Es fühlte sich so an, als feuerte er sie an, der kleine Strudel, um für Gerechtigkeit zu sorgen. Leise atmete Sakura daher die angestaute Luft aus und setzte einen Fuß von dem Barhocker zu Boden. Sie musste ja nicht gleich kämpfen.

Aber dann kam doch alles anders.

Mit einem Mal flog die Tür auf und zwei Shinobi aus Iwagakure stürmten aggressiv herein, als würden sie eine illegale Auktion stürmen. Sie fuchtelten mit ihren Kunais und forderten die Kerle auf, sich auf die Erde zu legen. Wie dressierte Hunde gehorchten sie aufs Wort und klagten gleichzeitig darüber, dass sie doch nichts verbrochen hätten. Fast freiwillig ließen sie sich schließlich abführen.

Sakura wollte ihren Augen nicht trauen und schüttelte abwesend den Kopf. Während sie das Szenario beobachtet hatte, war sie wie erstarrt gewesen. Vor ihnen hatten sie noch auf dicke Hose gemacht, vor den Shinobi aus Iwagakure machten sie sich jetzt in die Hose.

Juni zischte und sprach das aus, was Sakura dachte.

„Elende Weicheier."

„Ihr habt lebenslanges Hausverbot", rief die an der Tür stehende Wirtin ihnen aufbrausend hinter. Dann drehte sie sich um und verbeugte sich tief vor allen Gästen. „Entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten. Ich bediene Sie sofort weiter."

Sakura nahm an, dass sie die Shinobi informiert haben musste. Und auch, wenn sie den Kerlen liebend gerne die Leviten gelesen hätte, war es nun doch besser so.

Es plumpste neben ihr. Juni war zurück auf den Stuhl gefallen und griff zur Flasche.

„Danke ... dass du mir geholfen hast", sagte Sakura und setzte sich ebenfalls wieder. Die Hände platzierte sie auf dem Bauch auf und atmete erleichtert durch. Der Strudel hatte sich ebenfalls wieder beruhigt.

„Hm?" Juni hatte bereits den Becher Sake wieder an den Lippen angesetzt und kippte den hochprozentigen Reisschnaps mit nur einem Zug hinunter. Sakura schauderte es bei dem Anblick etwas. Sie würde den Sake nicht einfach wie Wasser hinunterkippen können. Wie viel hatte sie eigentlich schon getrunken? Bis eben hatte sie einen stocknüchternen Eindruck hinterlassen, aber so wie sie trank, war das sicher nicht erst der dritte oder vierte Schnaps.

„Trinkst du das gerne?" Die Frage drückte ihr wie ein zu kleiner Schuh. Wie eine Alkoholabhängige wirkte sie jedenfalls nicht.

„Ichf kann echt nicht leiden, wenn Männer sich so herablaschend über uns Frauen äußern. In welchfem Jahrhundert leben die denn bitte?"

Sakura stutzte. Erstens wurde ihre Frage ignoriert und zweitens lallte sie plötzlich nun doch. Oder war der letzte Schnaps dafür verantwortlich? Manchmal ging das ja Schlag auf Schlag.

„Nein. Ich trinke eigentlif nich scho gern Sake. Aber manchmal heißts: Nischt lang schnacken Kopf in Nacken."

Sakura lachte irritiert.

„Und sowieso", fuhr ihre Sitznachbarin jetzt ernst fort, ohne zu lallen. „Nein heißt nein. Was gibts daran nicht zu verstehen? Außerdem hast du rosa Haare. Das ist toll. Ich mag rosa."

„Danke ... ", wiederholte Sakura zögerlich, was nicht auf das Kompliment bezogen war, sondern auf die Hilfe. Ohne Juni wäre das vielleicht nicht so glimpflich ausgegangen. Schließlich hatten sie Zeit gewonnen, bis die Shinobi eingetroffen sind.

„Möchtefst du auch einen?", fragte sie und sah Sakura mit ihren markanten großen braunen Augen direkt an. „Geht auf mich."

„Nein, danke, ich trinke nicht." Erst jetzt, wo Sakura die Hände hob, um dankend abzulehnen, fiel ihr auf, dass sie diese die ganze Zeit über an ihrem Unterleib gelegen haben mussten.

Juni schien das nicht entgangen zu sein, denn ihr Blick zuckte hinab. „Ach, du hast Bauchweh? Na das ist ungünstig. Du bif vorhin auch grün im Gesischt geworden. Geeehs dir wieder bescher?" Jetzt lallte sie nun doch wieder, ihre Zunge konnte sich wohl nicht entscheiden.

Ohje. Sakura musste besser aufpassen. Um davon abzulenken, lachte sie viel zu künstlich und nippte unschuldig an ihrem Wasser.

„Tenfen. Sag, warfst du schon mal verliebt?", fragte Juni und sah dabei nach oben, während sie abwesend am Saum ihres blauen Umhangs fummelte.

Sakura zuckte nach etwa 10 Sekunden erschrocken zusammen. Da hatte sie glatt vergessen, dass sie sich mit falschen Namen vorgestellt hatte. Genau aus diesem Grund kam ihre Reaktion auch eigentlich viel zu spät; jedem nüchternen Menschen wäre dies sofort aufgefallen. Aber nicht ihrer neuen brünetten Bekanntschaft. „Wie?", fragte Sakura und sah nach links, in Junis Gesicht.

Juni starrte sie neugierig an. „Na verliebt. So riftig meine ich."

Hatte sie etwa Liebeskummer? Trank sie deshalb Sake? Sakura runzelte die Stirn und beobachtete Juni, wie sie betrübt eine Strähne aus ihrem Gesicht pustete und anschließend bedröppelt den Kopf auf dem Tresen stützte. Mittlerweile waren auf ihren Wangen zarte rotfarbene Tupfer zu erkennen. Das kam wohl vom Sake.

Die Formulierung einer passenden Antwort ließ ihre Gedanken augenblicklich zu Sasuke abdriften, weshalb sie selig lächelte. Ihr Herz machte einen Purzelbaum, als sie daran dachte, wie er ihr indirekt sein Liebe gestanden hatte, als sie auf dem Schiff über das Meer segelten. „Ja, natürlich. Ich liebe ihn sogar sehr."

Junis Augen weiteten sich etwas, als sie wieder zu Sakura aufsah. „Liebt er ... liebt er dich denn auch?"

„Natürlich", sagte Sakura fest. Daran gab es keinen einzigen Zweifel mehr. Auch, wenn er es nie zu ihr gesagt hatte.

„Dasch ist schön", säuselte Juni und wiegte behaglich ihren leeren Becher in der Hand. Da schien wohl wirklich der Schuh zu drücken.

„Und was ist mit dir?", erkundigte sich Sakura, nachdem ihre neue Bekanntschaft eine halbe Minute geschwiegen hatte. Nun war sie doch neugierig geworden.

„Da .. da gibt es schon jemanden", begann sie stockend. „Aber wir arbeiten zusammen."

„Und das ist ein Problem?"

„Ja, natürlif", rief Juni so energisch, dass sich die Männer rechts von ihnen nach ihnen umsahen. „Hör mal, wie sieht das denn aus?", sagte sie dann wieder leiser. „Befimmt feuern sie misch. Oder noch viel schlimmer. Ihn auch nof. Das könnte ich nischt verantworten."

„Ich denke, du siehst das viel zu eng. Wir arbeiten auch zusammen und bisher war das für niemanden ein Problem." Aufmunternd sah Sakura sie an. Juni machte einen viel zu gewissenhaften Eindruck auf sie.

Diese schien sich Sakuras Worte nun ernsthaft durch den Kopf gehen zu lassen, denn sie sah eine ganze Weile wirklich angestrengt konzentriert aus. Dann seufzte sie aber betrübt und ließ hoffnungslos die Schultern sinken.

„Aber ...", sagte sie. „Aber ... da gab esch diese andere Frau", sagte sie bitter und legte ihre Stirn nun auf dem Tresen ab.

„Oh." Sakura hielt die Luft an. Das war natürlich eine ganz andere Sache. „Sind sie zusammen?"

„Nein. Und er sagt, dass er sie längsch vergessen hätte."

„Und? Das ist doch gut."

„If glaube ihm nicht", sagte sie trotzig.

„Wie?", Sakura zögerte, sprach dann aber doch aus, was ihr dazu einfiel. „Ich denke, wenn du ihn magst, dann solltest du seinen Worten schon ein wenig mehr Glauben schenken." Das musste ausgerechnet aus Sakuras Mund kommen. Sie selbst hatte so verdammt lange gebraucht, um zu erkennen, dass Sasuke immer an ihrer Seite bleiben würde. Aber aufgrund ihrer schmerzlichen Vergangenheit konnte sie Juni natürlich trotzdem nur zu gut verstehen. Da ihr genauere Details nach wie vor unbekannt waren, konnte sie ihr nur diesen Ratschlag geben. Zumindest entsprang dieser aus ihrer eigenen Erfahrung – das war doch schonmal was wert.

„Dasf sag sich scho leicht. Und dann isssch da ja noch die Arbeit."

Sakura pustete angestrengt Luft aus; Juni war stur. Aber diese Frau sah so niedergeschlagen aus, dass ihr eigenes Herz schlagartig schwer wurde. Wie konnte sie ihr nur helfen?

„Ist er denn auch hier?" Sakura sah sich jetzt um. Hoffentlich war es nicht einer dieser besoffenen Kerle.

„Nein." Juni winkte ab. „Ersch mit seinemm Kumpel unterwegsch. Ich warte hiea, hatte keine Luscht mizukommen. Irgendwasch wollten sie regeln, oder erledigen. Oder scho. Ich hab nischt rischtisch zugehört", sagte sie gelangweilt.

„Soll ich ihm mal die Leviten lesen, wenn ich ihn sehe?" Freundlich hob Sakura die Mundwinkel und grinste. Sie wollte Juni so gerne irgendwie aufmuntern. „Weißt du, manchmal brauchen Männer das. Und ich habe einen guten Faustschlag, weißt du? Oder wir brennen gemeinsam sein Haus nieder", scherzte sie.

Juni blinzelte, schmunzelte und hob belehrend den Finger. „Du kannscht es ja versuchen. Aber er ischt flink."

„Bestimmt nicht flinker als ich", erwiderte Sakura zwinkernd.

Juni exte noch drei weitere Sake und hüpfte dann plötzlich vom Stuhl. „If dengge, ich follte insch Bett fehen." Ihr Lallen schien heute Abend den Höhepunkt erreicht zu haben. Sakura hatte Mühe, sie überhaupt zu verstehen.

„Das wäre wohl besser", erwiderte Sakura gähnend und streckte die Arme in die Höhe. Ganz plötzlich, wo Juli von einem Bett sprach, erinnerte ihr Körper sie dran, wie erschlagen sie sich doch heute Abend fühlte. Dem Trubel hatte sie es wohl zu verdanken, dass sie es völlig vergessen hatte.

Juni schwankte, als sie wackelig einen Fuß vor den anderen setzte, weshalb Sakura aufsprang und sich rasch unter ihren Arm schob, um sie zu stützen. Nicht das sie auf der Treppe stürzte.

„Ich helfe dir", sagte sie und stützte sie mit einem Arm. Das war kein Problem, denn Juni war nicht schwer. Mit der anderen Hand griff Sakura nach ihrem Schwert, das sie augenscheinlich in ihrer Trunkenheit hätte stehen lassen. Es musste so ähnlich wie das von Sasuke sein, stellte Sakura fest, als sie es kurz betrachtete.

Gemeinsam gingen sie also nun hinauf zu den Schlafräumen.

„Dangge. Du bist wirklich nett, Tenfen", nuschelte Juni und lächelte glücklich.

Sakura lachte wieder unsicher. So langsam bekam sie echt ein schlechtes Gewissen, dass sie der jungen Frau nicht ihren wahren Namen genannt hatte.

Fast schon schleichend schlurften sie an den Zimmertüren vorbei. Ausgerechnet an der Tür, hinter der Sasuke schlief, schlug Juni unglücklich und heftig mit der Hand dagegen, da sie sich abstützen musste, um nicht zu stolpern. Bange ging Sakuras Blick auf die Türklinke; sie konnte nur hoffen, dass sie ihren Ehemann damit nicht geweckt hatten. Er brauchte doch seinen Schlaf.

Vor Junis Zimmertür lehnte sie die schwankende Frau an die Wand und suchte in ihrer Bauchtasche nach dem Schlüssel.

„Was machst du da?", brummte plötzlich eine wohlbekannte Stimmte hinter ihr. Sakura ließ vor Schreck den Schlüssel fallen.

„Sasuke, ich-", Sakura brach mitten im Satz ab, denn sie hörte Juni scharf einatmen.

„Ach du heilige ...", flüsterte Juni leise und hielt sich die Hand vor den Mund, sodass es nur Sakura hören konnte. Was war denn nun los? Sasuke stand wenige Meter von ihnen entfernt, etwa fünf Zimmertüren entfern. Junis Augen waren weit aufgerissen und leuchteten begeistert, während sie Sasuke anstarrte. „Sieht der gut aus. Ist das ... ist das Mr. Sexy?"

Mr. Sexy? Auch Sakura presste sich in Sekundenschnelle die Hand auf die Lippen, um nicht laut prusten zu müssen. Aber ja. Selbst mit verschlafenem Blick, verwuschelten Haaren und ... offenem Hosenstall – er hatte sich offensichtlich zu hektisch angezogen, aber immerhin stand er hier nicht ohne Hose - sah er noch unglaublich gut aus.

„Das ist ... mein Ehemann", meinte Sakura, unterdrückte ein Glucksen und legte den Kopf leicht schief. Nur unter größter Mühe gelang es ihr, sich das Lachen verkneifen. Mit einem knappen Handzeichen deutete sie ihm an, seinen Hosenstall zu schließen. Juli bekam dies gar nicht mit, denn sie starrte pausenlos in sein Gesicht. Sofort, und ohne von seinem nüchternen Ausdruck abzuweichen, kam er der Aufforderung nach.

„Was?", flüsterte sie Sakura überrascht zu. „Nicht dein Ernst."

„Doch", jetzt musste sie aber wirklich lachen. Junis verdatterter Blick war einfach zu lustig.

„Nischt übel", antwortete Juni und musterte Sasuke, als wäre er ein teurer Zuchthengst.

Im Gegensatz zu seiner Ehefrau schien ihm das Theater weniger zu gefallen, denn er sah jetzt noch grimmiger drein. Er musste sie für zwei gackernde Hühner halten.

„Kann mir mal bitte einer erklären, was hier los ist?", fragte er nachdrücklich.

„Wow", flüsterte Juni. „Er siegt ja sogar gut aus, wenn er wütend ist."

Wohl wahr. Sakuras Mundwinkel zuckte wieder in die Höhe, fast hätte sie wieder gelacht. „Ich bringe sie nur zu ihrem Zimmer", erklärte sie dann schnell und räusperte sich, um ein Gekicher zu unterdrücken.

„Ja, Tenfen ischt nur nett", sagte Juni aufgeweckt.

Es war unverkennbar, wie das Fragezeichen in Sasukes Gesicht immer größer und größer wurde. Sein Kopf fuhr etwas nach vorn, seine eine Augenbraue senkte, die andere hob sich, als er von Sakura zu der sich an die Wand krallende Juni blickte. Er verstand nur noch Bahnhof. Das konnte wirklich jeder sehen.

„Ich erkläre es dir nachher, Liebling", warf Sakura schnell ein.

Als Juni plötzlich langsam zu Boden sank, fuhr Sakura hektisch um. „Alles in Ordnung?"

„Ja, ja, isch schaff das schnoo. Dangge."

„Ich helfe dir doch gerne", sagte Sakura und beugte sich hinab, um den Schlüssel aufzuheben. „Wir sind doch schon an der Tür."

„Neeeneee", murmelte Juni, schloss die Augen und legte den Kopf auf den angezogenen Knien ab, und begann zu nuscheln. „Isch mussch misch nur gaaanz gurz auschruhn."

„Nicht schlafen", rief Sakura. „Nicht hier auf dem Flur."

Ein genervtes Stöhnen ließ Sakura aufsehen. Sasuke stand neben ihr. „Ich helfe dir", sagte er, hielt aber mitten in der Bewegung inne und deutete auf Junis Schwert in Sakuras Hand. „Wem gehört das?"

„Na ihr", sagte Sakura und deute auf die vor ihnen sitzende Juni.

Sein Blick verfinsterte sich. „Woher kennst du sie?"

„Von unten aus dem Restaurant", erklärte Sakura. Übertrieb Sasuke nicht etwas?

„Du warst alleine dort?"

„Ich hatte Hunger." Entschuldigend legte sie den Kopf schief. Sie fand schon, dass das ein triftiger Grund war, um essen zu gehen.

„Dann hättest du mich wecken sollen."

„Du brauchtest Schlaf", erwiderte sie sanft. Geschweige denn der Tatsache, dass er sich nicht mal von einem lauten Knallen hatte stören lassen. Ihn zu wecken, wäre sicherlich mühselig gewesen. Und der Hunger hätte sicher ihr nur kurz die nötige Geduld gewährt.

Sakura zuckte im nächsten Moment leicht zusammen, als ihnen jemand vom Treppenaufgang etwas zurief. Sie hatten ihn nicht kommen gehört. „He, was macht ihr da mit ihr?", rief derjenige schneidend.

Sasuke hatte sich noch vor ihr nach der Quelle der Stimme umgesehen. Bevor Sakura es ihm gleichtat, hielt sie einen Moment inne, denn die Stimme, die sie hörte, kam ihr durchaus vertraut vor - aber wem gehörte sie noch? Auf dem Absatz wandte sie sich um und riss verblüfft riss sie die Augen auf, als sie ihren Gegenüber sofort erkannte. Diese warmen Augen würde sie wohl nie aus ihrem Gedächtnis verbannen können. Nicht nur Sakura schien völlig baff über dieses unerwartete Widersehen zu sein, nein, auch er war es. Seine großen braunen Augen waren zunächst geweitet, als er von der Treppe auf den Flur trat. Während er sie überrascht musterte, fuhr er sich beiläufig durch die wuscheligen Haare, woraufhin sich sein Ausdruck augenblicklich entspannte. Dann grinste er breit.

„Ryugo", murmelte Sakura und blinzelte.

Sasuke hörte sie neben sich nur leise schnauben.

„Sakura!" Ryugo grinste noch breiter und schüttelte ungläubig den Kopf. „Was machst .. ich meine." Er räusperte sich plötzlich höflich und sah zu Sasuke hinüber. Er nickte ihm zu. „Was macht ihr hier?"

„Übernachten, was sonst?", sagte Sakura und grinste jetzt zurück. Am liebsten wäre sie auf ihn zugelaufen und hätte ihn umarmt. Aber zum einen würde das Sasuke wohl weniger gefallen und wahrscheinlich loderte auch eher die Freude darüber in ihr auf, endlich ein bekanntes Gesicht zu sehen, als der Drang, wirklich Ryugo um seinetwillen zu umarmen. Nichtdestotrotz freute sie sich unglaublich den Shinobi aus Kirigakure wiederzusehen. Oft hatte sie sich in der Vergangenheit gefragt, wie es dem Jonin wohl nach seinem Aufbruch aus Konoha, dem Kampf gegen Mangetsu und der Einsicht, dass Sakura nur Sasuke liebte, ergangen war.

„Ihre aufgeweckte Art hat sie nicht verloren", stellte Ryugo fest und nickte zufrieden. Dann verschwand sein Grinsen schlagartig. „Aber ..." Sein Blick ging an ihnen beiden vorbei. „Was ist mit Juli?" Er klang plötzlich besorgt.

„Du meinst Juni", korrigierte Sakura ihn.

„Nein", er schüttelte heftig den Kopf. „Juli."

„Ob nu Juni, Juli oder Auguscht. Is doch völlig eggal", meldete sich jetzt die Brünette schroff zu Wort. Der vorwurfsvolle Ton, der ihr Gelalle begleitete, rief in Sakura große Irritation hervor. „Sie hat suerst gelogen," fügte sie noch beiläufig hinzu und starrte links gegen die Wand.

Das stimmte wohl. Also hatte Juni ... äh Juli sie wohl doch durchschaut. Aber weshalb war sie, wenn Sakura doch aufgeflogen war, dennoch so nett zu ihr gewesen und hatte ihr sogar geholfen? Dass Juli eine Teamkollegin von Ryugo zu sein schien, machte die ganze Sache nur noch unangenehmer. Es war durchaus peinlich vor allen so offen als Lügnerin dargestellt zu werden. Auch, wenn sie dafür einen triftigen Grund hatte, den sie wiederum nicht nennen durfte. Oh man!

In nur einem Wimpernschlag glitt Ryugo an Sasuke, dann an Sakura vorbei, ohne sie auch nur anzusehen, und kniete sich hinab zu der am Boden sitzenden Juli.

Während sie den besorgten Ryugo beobachtete, wie er mit Juli umging, sanft auf sie einredete und sie zum Aufstehen überreden wollte, kam ihr eine Idee. War er es, den sie liebte? Wenn es so wäre, dann... oh! Das Herz rutschte ihr in die Hose. Dann musste sie von Sakura gesprochen haben. Oder? Kein Wunder also, dass sie so schroff reagierte, als Ryugo ihren Namen nannte.

„Wieso hast du so viel getrunken?", wiederholte er mit einer so weichen Stimme, welche wohl die Knie aller Frau würde weich werden lassen. Aber nicht Sakuras; nicht mehr heute. „Was machst du denn? Seit wann trinkst du so viel?"

Julis Gesicht wurde zunehmend röter, während sie wie versessen zu Boden starrte.

Ryugo packte sie schließlich unter dem Arm und hievte ihren Körper in die Höhe. Sie sah aus wie ein Häufchen Elend, das in der Luft hing, als könnte es nicht auf eigenen Beinen stehen.

„Danke, dass ihr euch um sie gekümmert habt", sagte Ryugo und lächelte freundlich. „Eigentlich trinkt sie nicht so viel. Ich übernehme ab hier und bringe sie in ihr Zimmer. Wir sprechen uns morgen?"

Sakura nickte. Sasuke aber drehte sich in einem Satz um, brummte ein komm mit und verschwand in ihrem Zimmer. Sakura seufzte leise, Ryugo ließ sich von der schlechten Laune ihres Ehemannes nicht beunruhigen. Stattdessen drehte er sich im Türrahmen um und zwinkerte aufmunternd, bevor er die Tür zuzog. Dann folgte Sakura ihrem grummeligen Ehemann.

Dass Sasuke über ein solches Wiedersehen nicht sehr erfreut sein würde, hätte Sakura sich denken können. Ein wenig mürrisch ließ er sich auf das Bett fallen und sah sie nicht an. Erst hatte sie sich wirklich gefreut, aber Sasukes Verhalten dämmte ihre Begeisterung zugleich ein. Ein drückendes Gefühl von Besorgnis umhüllte ihr Herz. Würde Ryugo, so wie Juli es annahm, noch Gefühle für Sakura hegen, dann würde dies gewiss keine angenehme Begegnung werden. Ganz zu schweigen davon, dass es Juli wahrscheinlich das Genick brechen würde. In dieser Hinsicht kannte sie sich doch bestens aus.

„Sasuke", begann Sakura in einem ernsten Tonfall. Vielleicht würde sie ihn vorweg und so auch die Situation positiv beeinflussen. „Ich bitte dich, sei nett zu ihm. Es ist lange her, dass wir ihn gesehen haben. Die Dinge stehen nun völlig anders, vergiss das nicht."

„Ja, ja", murmelte Sasuke abwesend, als hätte er nicht richtig zugehört. Und so verbissen, wie er jetzt gegen die Wand ihres Zimmers starrte, glaubte Sakura ihm sowieso kein Wort.

„Was heißt hier ja, ja?" Empört stemmte sie die Hände in die Hüften und baute sich vor ihm auf. „Versprich es mir", sagte sie scharf und sah ihn auffordernd an. „Sasuke." Sakuras Stimme sprang schlagartig eine Oktave höher, als er nicht reagierte. „Er hat dir doch gar nichts getan."

Plötzlich wurden seine Augen schmal; ihm schien dazu wohl doch so einiges einzufallen. Aber das juckte Sakura nicht.

„Bitte", sagte sie eindringlich und berührte seine Hand.

Sasuke schloss die Augen und seufzte leise. Dann nickte er. „Ist gut."

„Danke", sagte sie zufrieden, drückte ihm einen Kuss auf die Stirn, nachdem sie ihre Alltagskleider ausgezogen und ordentlich über einen der Stühle gehängt hatte und ließ sich ins Bett fallen. Sie seufzte tief und rieb sich vorsichtig die Brust. Sie tat weh. Bereits seit einigen Tagen vernahm Sakura dieses spannende Gefühl sowie eine zunehmende Druckempfindlichkeit. Und heute Abend war es nun besonders schlimm.

༻❀༺


Freunde der Sonne,

puh, ich bin so erschlagen von der Woche und auch irgendwie nicht richtig zufrieden mit dem Kapitel. Mir steht der Kopf momentan woanders, nämlich auf der Arbeit. Wenig Zeit, für fantasievolle Gedanken und wenig Zeit, um mein Schreiben so zu verwirklichen, wie ich es gerne hätte.

Erklärungen zum Verlauf der Geschichte, gebe ich in etwa zwei Kapiteln ab ;) Eins aber vorweg: Nicht alles entspricht dem Original Einiges ist abgewandelt, anderes ausgedacht oder deutlich übertrieben bzw. zugespitzt dargestellt, oder enthält Visionen und/oder Träume vergangener Tage Das gilt auch für das nächste Kapitel, am Samstag ;P Was nun stimmt und was nicht ‍♀️ Who knows. Das wissen nur die Wenigen (: Ich bitte um Diskretion

Lieben Dank an die liebste und beste Jenny der Welt!!! ❤

Bleibt fit und gutgelaunt. <3

Eure Juli
<3
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