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Unsere Bestimmung - Sakura & Sasuke (Part 3)

von JuliTales
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Het
Naruto Uzumaki Sakura Haruno Sarada Uchiha Sasuke Uchiha
29.01.2021
12.02.2022
43
192.131
33
Alle Kapitel
59 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
28.08.2021 6.185
 
Sakura Pov

༻❀༺


„Sakura, Sie müssen gehen. Sofort."

Verwirrt schüttelte Sakura den Kopf. Während ihre Füße den Boden berührten und sie sich wackelig vom Bett abstieß, starrte sie in das angespannte Gesicht der Besitzerin der Pension. Es war stockdüster, man musste sich wirklich anstrengen, um überhaupt etwas sehen zu können.

Das war kein Traum, oder? Aus dem Augenwinkel registrierte sie, dass Sasuke ihre Sachen hektisch in die Taschen stopfte. Sakura atmete tief ein, und ein ungutes Gefühl staute sich in ihrem Bauch. Dann blitzte es wieder. Sakura sah erschrocken auf und biss die Zähne aufeinander. Mussten sie das Haus verlassen? Bei dem Unwetter? Und was genau war hier eigentlich los?

Im nächsten Augenblick erschütterte ein lauter Donner die Hütte, sodass Sakura und die Frau zusammenzuckten.

Rasch kniff sie die Augen zusammen, aber es war bereits zu dunkel, und der Regen viel zu stark, als dass man etwas außerhalb der Hütte erkennen könnte. Und zu allem Überfluss stürmte es auch noch wie verrückt.

Sakura fuhr um, als Sasuke sie hart am Arm packte.

„Zieh seine Schuhe an", zischte er und ließ sie wieder los.

„Aua. Ja, ja. Sofort. Sasuke. Was ist los?" Bisher hatte ihr das doch niemand ausführlich erläutert. „Wer sucht nach uns?" Sasuke?", rief sie empört, da er scheinbar nicht antworten wollte. Aber er war bereits wieder beschäftigt.

Flehend sah sie daher die Frau an, während sie sich einen Schuh überstreifte, Sasuke hatte ihr die beiden gerade zugeworfen.

„Ich habe sie gesehen", murmelte sie geheimnisvoll.

„Wen?" Langsam wurde Sakura richtig sauer.

„Die Leute, die nach Ihnen suchen."

Sakura verdrehte jetzt die Augen. Das sagte sie doch bereits.

„Es waren mehrere. Sie fragten nach einer jungen Frau, mit rosafarbenem Haar", erklärte sie endlich und sah dann in Sasukes Richtung. „Und einem großen dunkelhaarigen Mann. Aus Konohagakure. Da kommen Sie beide doch her, richtig?"

Sakura stockte der Atem. „Wie bitte?"

„Sie sind auf dem Weg hierher", sprach sie weiter und sah ständig ängstlich aus dem Fenster. „Ich habe sie vorhin im Dorf getroffen, in dem ich die Lebensmittel besorgt habe. Sie haben den Leuten Geld dafür geboten, wenn sie Hinweise über Ihren Aufenthalt geben konnten", fügte sie dann noch hinzu.

Das wurde ja immer schlimmer. Glücklicherweise hatten sie die letzten Dörfer gemieden. Entsetzt sah Sakura auf und suchte nach Sasukes Blick. Konnte das wirklich sein? Flüchtig erwiderte er ihn nur, warf sich bereits im nächsten Moment den Umhang über und war mit einem weiteren Satz an der Tür. Bereit zum spontanen Aufbruch.

Im nächsten erhellenden Moment, der sich auf Grundlage des Wetters bot, sah sie Sasukes harten Gesichtszüge. Während auch sein Blick unruhig zum Fenster ging, hielt er den Kiefer angespannt.

Bedeutete das etwa ... Mangetsu war ihnen auf den Spuren? Das konnte doch nicht sein.

„Und sie haben uns ...?" Sakuras Stimme versagte, ehe sie den Satz beenden konnte. Ihr Hände fuhren zwangsläufig zu ihrem Bauch hinab, um diese schützend davor zu halten. Schlagartig wurde ihr bewusst, in welch potenzieller Gefahr sie sich befinden könnten. Sasuke und sie ... und ... der kleine Strudel. Ihr Atem wurde flach, das Herz schlug ihr bis zum Halse.

„Wo denken sie denn hin?", schimpfte die Frau und riss empört die Augen auf. „Ich habe gute Menschenkenntnisse. Was wäre ich für eine Gastgeberin, wenn ich meine eigenen Gäste verraten würde. Das würde sich rumsprechen und keiner käme mehr zu Besuch."

Überrascht sah Sakura sie an und atmete ein wenig durch. Auch, wenn sie andere Absichten angab, schien ihre Moral in dieser Entscheidung wohl doch überwogen zu haben.

„Rasch. Sie müssen gehen. Sie werden bald hier sein", sagte die Frau nachdrücklich und schob Sakura zur Tür.

„Danke für alles", rief sie der Frau nach, die sofort die Tür hinter ihnen verschloss. Man konnte wohl schon meinen, sie wollte die beiden recht schnell loswerden. Aber suchten schräge Vögel nach ihnen, dann war ihr Verhalten doch kaum verwunderlich.

Sakura seufzte niedergeschlagen; es war ätzend. Verzweifelt versuchte sie zumindest ihr Gesicht mit der Hand zu schützen. Aber es war aussichtslos. Der Regen schlug ihnen fast senkrecht auf sie ein, sodass man kaum einen Meter weit sehen konnte. Wenigstens war das Wasser nicht eiskalt.

„Los jetzt", schrie Sasuke gegen den lauten Regen und den Wind an. Nur widerwillig setzte Sakura einen weiteren Fuß in ein solches Unwetter, jedoch schien ihnen nichts anderes übrigzubleiben.

Sie liefen also los.

Immer wieder sah sie Sasuke zum Himmel aufsehen, er lief voraus, denn ein Blitz nach dem anderen zuckte über ihren Köpfen hinweg. Sakura schluckte. Das gefiel ihr ganz und gar nicht. Die Bäume wackelten so sehr im Wind, als schienen sie sich gegenseitig auszupeitschen zu wollen. Tote, von den Bäumen abgebrochene Äste, schlugen Sakura ständig gegen die Knöchel und Schienbeine.

Um sicherzugehen, dass sie nicht verfolgt wurden, sah sie jetzt, über ihre Schulter hinweg, nach hinten. Erkennen konnte sie niemanden. Wohl oder übel war diese oberflächliche Einschätzung aber kaum etwas wert.

Ganz plötzlich – aus heiterem Himmel – schlug es, nur wenige Meter neben ihnen, ohrenbetäubend laut ein. Sakura entwich ein erschrockenes Quieken und ihre Füße blieben wie angewurzelt stehen. Entsetzt riss sie die Augen auf, als sie eine bedrohliche Flamme in einem der mächtigen Bäume auflodern sah. Jedoch nur kurz, denn der starke Regen löschte es direkt wieder.

Sasuke war sofort bei ihr und packte sie wieder am Handgelenk. „Wir müssen weiter. Nicht stehen bleiben", sagte er nachdrücklich und zerrte sie mit sich.

Er lief sehr schnell, hielt sie dabei am Handgelenk, weshalb Sakuras Füßen keine andere Möglichkeit blieb, als sich seiner Geschwindigkeit anzupassen.

Misstrauisch ging ihr Blick jetzt immer wieder zum dunklen Himmel hinauf, denn sie hatte höllische Angst, der Blitz könnte wieder einschlagen und sie diesmal sie beide treffen. Aber Sasuke lief einfach immer weiter und weiter, als interessierte ihn diese Gegebenheit weniger.

Es machte den Eindruck, als suchte er den schnellstmöglichen Weg aus diesem Sturm hinaus. Die Schatten der Bäume, mehr waren sie in diesem Moment für Sakura nicht, flogen zu zahlreichen an ihnen vorbei. Wie er es bei diesem Tempo gleichzeitig noch schaffte, diesen so geschickt auszuweichen, war ihr ein Rätsel. Ohne seine Führung, da wäre sie wohl gegen den nächstbesten Baum gelaufen. Zu allem Überfluss war der Boden völlig aufgeweicht, schlammig und unglaublich rutschig. Sakuras Füße rutschten hin und wieder nach hinten weg, aber Sasukes Hand gab ihr den nötigen Halt, um nicht zu fallen.

Nach etwa zehn Minuten ließ der Regen endlich etwas nach, wodurch die Sicht ein wenig besser wurde. Während sie noch immer schnell liefen, flogen ihre Füße praktisch über den nassen Waldboden. Sasuke hatte sogar noch einen Schritt zugelegt.

Als er jetzt plötzlich eine Vollbremsung hinlegte, und dabei eine ordentliche Portion Schlamm aufschreckte, verlor er fast den Halt, als sie ihm unbeabsichtigt in den Rücken stieß.

„Was ist?", fragte sie flüsternd und linste vorsichtig an ihm vorbei, als er sie mit der Hand hinter seinen Rücken wies. Chakra spürte sie keines. Das musste aber nichts heißen. Aber als sein Sharingan in der Dunkelheit bedrohlich aufleuchtete, hielt Sakura die Luft an.

Waren sie etwa nicht allein? Konzentriert kniff sie wieder die Augen zusammen, erkannte, aufgrund der Dunkelheit, aber nicht sehr viel.

Da. Sie sah es. Etwas raschelte tüchtig in einem der Büsche, nur wenige Meter vor ihnen. Wegen des noch immer anhaltenden Regens und der Dunkelheit, konnte man es wirklich nur verdammt schlecht erkennen.

Angespannt hoch zehn beobachtete sie schließlich, wie Sasukes Finger sich langsam von ihrem Handgelenk lösten und nach dem Kunai in seiner Tasche griffen.

Als er es schließlich auf den Busch zuwarf, sprangen plötzlich ein Hirsch und ein Reh hinaus und flüchteten in die entgegengesetzte Richtung. Sakura atmete erleichtert auf und auch Sasuke ließ seine Schultern wieder sinken.

„Wie kann das sein? Haben sie uns aufgespürt?", keuchte sie, während sie sich die nassen und klebrigen Strähnen aus dem Gesicht schob. So wie Sasuke es tat, musste wohl auch sie wie ein begossener Pudel aussehen. Schwer atmend stützte sie schließlich ihren Oberkörper auf den Knien ab, da sie wirklich sehr schnell gelaufen waren, und sah sich dann um. Das grummelnde und blitzende Unwetter entdeckte sie in der Ferne, denn endlich hatten sie es hinter sich lassen können.

Sasuke schüttelte als Antwort nur ratlos den Kopf und folgte zähneknirschend ihrem Blick.

So peinlich genau hatten sie doch darauf geachtet, keine Spuren zu hinterlassen. Was hatten sie also übersehen? Oder war es reiner Zufall? Und ob es wohl Mangetsu selbst war, der sich auf ihren Fersen befand? Oder einer seiner Untergebenen? Zu gerne wüsste sie es. Die Frau hatte ihr keine weiteren Details genannt und auch Sasuke hatte sie wohl keine näheren Angaben dazu machen können, so sagte er.

Nach nur wenigen Minuten liefen sie auch schon weiter. Es war viel zu früh, um sich in Sicherheit wiegen zu können.

Als sie nun auch den Regen endlich hinter sich ließen, musste es längst nach Mitternacht sein. Und obwohl die Sonne nicht mehr schien, wirkte die Luft plötzlich ein wenig schwül. Sie musste den Boden wohl tagsüber so stark erwärmt haben, dass es selbst dem Regenguss nicht gelungen war, diesen ausreichend auszukühlen. Und so stieg das Wasser als Dampf langsam wieder auf. Beide waren sie eh völlig durchnässt, sodass die Luftfeuchtigkeit kaum eine nennenswerte Rolle mehr spielte. Sakura würde sogar ihre Unterwäsche auswringen können.

Wieder hielt Sasuke jetzt an.

„Wieso bleibst du stehen?" Ihre Brust hob und senkte sich unter der ganzen Anstrengung etwas hektischer als sonst.

„Ist bei dir alles in Ordnung?", fragte er, nachdem er sich zu ihr umgedreht hatte.

„Natürlich", antwortete sie, ohne auch nur zu zögern. Wie kam er plötzlich darauf?

„Und bei ...", er hielt inne, sah ganz unvermittelt auf ihren Bauch und dann wieder zu ihr auf.

Überrascht über sein Interesse legte sie den Kopf schief und schmunzelte flüchtig.

„Bei dem Strudel? Ich denke schon", erwiderte sie und senkte ihren Blick. Aber jetzt wo er es ansprach, würde sie es doch nochmal überprüfen wollen.

„Strudel?", Sasuke hob skeptisch die Augenbrauen.

„Ja", lachte Sakura unsicher. Hatte sie das wirklich laut ausgesprochen? „Strudel", wiederholte sie. „Weißt du, das Chakra schlägt seine kleinen Kreise und sieht dabei aus wie ein kleiner Strudel." Während sie sprach, versuchte die das Muster in der Luft nachzuzeichnen, damit er es sich besser vorstellen konnte.

Sasuke blinzelte zweimal und verfolgte aufmerksam die Bewegungen ihrer Finger.

Anschließend hob sie die Hände über ihren Unterleib. Erleichtert lächelte sie ihm zu, als die den kleinen Strudel völlig wohlauf vorfand, woraufhin Sasuke ausatmete, als wäre er erleichtert. Dann drehte er sich um.

Ihr Herz schlug einen Purzelbaum, als sie verstand, dass er sich große Sorgen um den kleinen Strudel zu machen schien. Trotz der Situation lächelte Sakura wohlig in sich hinein.

Nach einer kurzen Rast liefen sie dann die restliche Nacht am Stück durch. Diesmal war es aber Sasuke, der seine Geschwindigkeit an die von Sakura anpasste. Zum Glück. Das vorherige Fluchttempo hätte sie nie und nimmer so lange durchhalten können. Schwanger hin oder her. Das war eine Geschwindigkeit, die wohl nur ein Sasuke Uchiha auf Dauer halten konnte.

Sasuke nahm an, dass die Feinde sich nicht sicher sein konnten, wo sich die beiden genau befanden. Schließlich wären sie doch sonst direkt bei der Pension aufgetaucht. Er hielt daher Spitzel, welche die beiden irgendwo auf der Durchreise gesehen haben mussten, für wesentlich wahrscheinlicher. Das klang auch für Sakura einleuchtend. Mittlerweile mussten sie zudem einen so großen Abstand gewonnen haben, dass eine solch überstürzte Flucht nicht mehr vonnöten war. Außerdem hatte der Sturm ihre Spuren vollständig verwischt. So hatte das Wetter zumindest einen Vorteil mit sich gezogen.

Sie liefen so lange, bis Sakura erschöpft auf die Knie fiel. Mit zittrigen Händen und einem flauen Gefühl im Magen suchte sie in der Tasche nach etwas Essbaren. Sie hatte es wohl ein wenig übertrieben. Aber dass ihr Blutzuckerspiegel dann doch so rapide gesunken war, kam unerwartet. Sicher hatte das wieder etwas mit der Schwangerschaft zu tun. In ihren Augen war es sowieso ein Wunder, dass sie so lange durchhalten hatte können.

Die ersten frühen Sonnenstrahlen kitzelten ihr im Gesicht, während sie in das einzige noch Essbare aus ihrer Tasche biss, das nicht vom Regen aufgeweicht worden war.

„Wir legen eine Pause ein", sagte Sasuke ausdrücklich und Sakura nickte nur heftig.

Der schmierige Film, welcher ihr auf der Haut klebte, setzte sich aus einem Gemisch von Schweiß, Regen und Schlamm zusammen. Die Klamotten waren ihr bereits angetrocknet, und lagen ebenso lästig am Körper an, als wären sie eine zweite Haut. Was würde Sakura nun für ein einfach Bad tun. Sie empfand ja schon eine gewisse Abscheu gegen ihr eigenes Aussehen, welches sie nur vermuten konnte, und fühlte sich auch dementsprechend. Obendrein stanken sie sicherlich auch noch mindestens bis zum Mond.

Als sie Sasuke einige frische Vorräte auspacken sah, fielen ihr fast die Augen aus dem Kopf. Die Besitzerin der Pension musste die ihm wohl heimlich zugesteckt haben, denn Sakura sah diese zum ersten Mal. Sofort lief ihr das Wasser im Munde zusammen, verspürte aber sogleich ein tiefes Schuldbewusstsein.

„Jetzt sind wir so schnell weg", sagte sie und nagte an ihrer Unterlippe. „Meinst du nicht, sie wird in Schwierigkeiten kommen, weil sie uns geholfen hat?"

„Nein", Sasuke schüttelte den Kopf und schob ihr etwas zum Essen zu. „Wir waren so schnell weg, sie können keinen Verdacht schöpfen. Und selbst wenn, sie würde ihnen doch kaum Auskunft geben können."

Sakura nickte schwach und nahm es entgegen. „Aber wie kam es, dass sie uns so nah auf den Fersen gewesen waren?"

Langsam schloss er die Augen und atmete beschwerlich aus.

„Ich weiß es nicht", presste er unzufrieden hervor. „Es kann nur ein Spitzel gewesen sein", wiederholte er. „Ein Zufall kann das wohl kaum sein. Irgendwo müssen wir unaufmerksam gewesen sein."

Sakura dachte scharf nach. „Mir ist aber nichts aufgefallen", gab sie nach einer Weile betrübt zu.

Genau viermal biss Sakura von dem Reisbällchen ab, ehe sie nachdenklich ihre Hand in den Schoß sinken ließ. „Sasuke, wir werden nicht ewig davonlaufen können."

Dass er die Luft angehalten hatte, entging ihr nicht. Dann sah er sie an. Gleichzeitig zog er schmerzlich den Mundwinkel nach oben. „Du solltest dir darüber nicht den Kopf zerbrechen. Überlass das lieber mir."

„Sasuke", rief Sakura aufgebracht. „Ich werde irgendwann keine solchen Strecken mehr laufen können. Vielleicht ...", sie zögerte. Sie war sich unsicher, ob es eine kluge Idee war, dies auszusprechen. Es könnte unter Umständen bedeuten, dass er sie allein lassen musste. Aber dann setzte sie ihren Gedanken laut fort. „Vielleicht solltest du dich diesen Leuten doch stellen. Wir können Hilfe aus Konoha anfordern. Oder Hilfe in Iwagakure suchen. Man wird uns dort sicher helfen."

Sein Kiefer begann nervös zu mahlen. Aber anstatt ihr sofort zu widersprechen, dachte er erst über ihre Worte nach. Gerade erst hatte er ebenfalls beim Essen zugegriffen, legte es nun wieder beiseite. Er stand auf, ging zum nächsten Baum, um sich daran zu setzten, schloss die Augen und schwieg.

Sakura blinzelte verwirrt. Dachte er jetzt ernsthaft darüber nach? Donnerwetter.

Um ihn nicht zu stören, aß sie still weiter. Ihr Kohldampf drängte sie einfach dazu.

Nachdem sie sich ein stilles Örtchen gesucht hatte, und von dort aus zurückkehrte, war Sasuke aufgestanden. Er schien auf sie zu warten.

„Wir sollten vorerst niemanden vertrauen", teilte er ihr seine Entscheidung mit.

„Aber-„

„Vorerst", unterbrach er sie entschieden. „Lass uns erst nach Iwagakure gehen, dann sehen wir weiter. Es besteht auch noch immer die Möglichkeit, dass dies einfach nur ein unglücklicher Zufall gewesen ist. Wir sollten nichts voreilig riskieren."

Sakura seufzte unentschlossen. Und was, wenn es nicht so wäre? Was wäre so falsch daran, einen Verbündeten zu haben? Jemanden, dem sie sich anvertrauen konnten. Derjenige musste ja nicht jedes Detail erfahren. Es sagte ihr nach wie vor nämlich nicht zu, dass Sasuke sich Mangetsu ganz allein, ohne ihre Hilfe stellen würden könnte. Dass er das in der nächsten Zeit nicht eingeplant hatte, war ihr durchaus bewusst. Seine Prioritäten schienen sich tatsächlich etwas verlagert zu haben. Er schützte vornehmlich seine Familie, machte zugleich aber auch Mangetsu einen Strich durch die Rechnung. Denn ohne das Sharingan würde er nicht weiterkommen. Aber was würde passieren, wenn sie ihren Verfolgern allein begegnen würden. Er konnte nicht kämpfen und Sakura gleichzeitig durchweg beschützen.

Als sein Blick sanfter wurde, löste sich der Knoten, der bis eben ihr Gemüt gedrückt gehalten hatte. Bitter lächelte Sakura. Die Situation war nicht einfach, das wussten sie beide. Jede Entscheidung trug bestimmt Schattenseiten mit sich, die sie jetzt noch nicht mal erahnen konnten.

„Wieso nach Iwagakure?", erkundigte sich Sakura. „In eine große Stadt?" Die Entscheidung war verwirrend, denn das hatten sie doch zu vermeiden versucht.

„Dort würden sie uns wohl am wenigsten vermuten. Außerdem erhoffe ich mir durch die Menschenmassen einen gewissen Schutz. Aus dem Hinterhalt können sie uns dort ganz gewiss nicht einfach angreifen. Sie würden zwangsweise die Aufmerksamkeit der dortigen Shinobi auf sich ziehen. Das wäre sicher nicht in ihrem Interesse."

Sakura fasste sich nachdenklich ans Kinn. Iwagakure hatte mehr Einwohner als Konoha. In belebten Straßen würden sie daher sicherlich gut untertauchen können. Deshalb war die Idee gar nicht so verkehrt, wie sie sich anfangs anhören mochte. Möglicherweise würde sie Sasuke vor Ort überzeugen können, Hilfe anzunehmen. Wenn es dann noch nötig sein würde.

„Einverstanden", stimmte sie daher zu. Bei der Strecke, welches sie an den Tag gelegt hatten, konnte Iwagakure in keiner weiten Ferne mehr liegen.

⋯ ♡ ⋯

Kurz bevor sie Iwagakure endlich erreichten, schwankten Sakuras Beine so sehr, dass sie kurzfristig befürchtete, sie würden jeden Moment in sich zusammenbrechen. Als sie jedoch die Tore der großen Stadt, die sich im Land der Erde befand, erblickten, wurde sie schlagartig munterer und legte einen Zahn zu. Kurz ließ sie sogar Sasuke hinter sich zurückfallen, der aber in der nächsten Sekunde bereits aufgeholt hatte.

Ein Bad. Frisches Wasser. Warmes Essen. Ein Bett. Angetrieben von all diesen Gedanken lief sie, wie ein von seinen Trieben gesteuertes Tier, auf das Tor zu.

Als Sasukes Hand sie sanft zurückhielt, sah er sie eindringlich an.

„Du solltest dein Haar bedecken", sagte er leise.

Bei der Hitze? Sakura stöhnte. Aber ja, er hatte nicht unrecht. So würde man sie nicht so schnell erkennen.

Ihr Poncho war vom Regen noch etwas feucht, in der Tasche hatte er kaum trocknen können. Er roch daher etwas muffig. Mit beiden Händen bedeckte sie nun mit der Kapuze ihr Haupt und kam sich dabei vor wie eine vornehme Prinzessin, die ihr blasses Gesicht vor der Sonne schützen musste. Eine dreckige und stinkende Prinzessin, rief ihr inneres Ich ihr zu.

„Ists so gut? Sieht man noch mein Haar?" Fragend sah sie zu Sasuke auf.

Er schüttelte den Kopf. „Man sieht nichts."

Gemeinsam traten sie in die Stadt ein und schlossen sich direkt einer größeren Menschengruppe an, die auf einen Markt zusteuerte. Es war verdammt ungewohnt, sich in solch großen Menschenmassen zu bewegen. In letzter Zeit hatten sie das doch so gemieden.

Sakura fühlte sich schlagartig unwohl. Niemand würde sie so erkennen können, das war klar. Aber der Gedanke, hinter jedem Gesicht könnte ein Spitzel oder ein Mitglied der Organisation stecken, beunruhigte sie zunehmend.

Mit einem Mal wurde es so eng, dass sich Körper und Körper berührten und sie plötzlich das Gefühl durchfuhr, keine Lust mehr zu bekommen. Ihr wurde ungemein heiß, woraufhin sie sich panisch nach Sasuke umsah. Aber er war nicht mehr hinter ihr.

„Sasuke?", rief sie, aber die Menschenmassen verschluckten ihren Ruf. Sie drehte sich mehrfach um die eigene Achse, so gut es in der Enge ging, und hielt nach ihm Ausschau. Wo war er? Wann waren sie getrennt worden? Je länger sie suchte, desto nervöser wurde sie.

Aber bereits im nächsten Moment sah sie ihn, wie er sich genervt hinter einem Mann hervorschob, der sogar größer und breiter als er selbst war, und von diesem einen unliebsamen Blick erntete. Sasuke schenkte ihm nicht einen Deut Aufmerksamkeit. Stattdessen legte er seine Hand sofort an ihren Rücken, überholte sie kurzerhand, nahm ihre Hand in seine und bahnte ihnen einen Weg aus der Masse.

Sie flüchteten sich in eine kleine und dunkle Nebengasse. Sofort riss sich Sakura die Kapuze vom Kopf und japste nach Luft. Als sie bemerkte, dass Sasuke sich ständig aufmerksam umsah, wurde sie stutzig.

„Weshalb bist du beunruhigt?", erkundigte sie sich.

Er senkte den Blick und zog einen Mundwinkel in die Höhe.

„Ich bin nur vorsichtig", erklärte er. „Geht's wieder?", dann wurde sein Blick schwer. „Es tut mir leid, ich habe mich nur einmal umgedreht, da hatte dich die Menge auch schon verschluckt."

„Alles gut", sagte sie und lächelte schwach.

Während Sasuke ab diesem Moment nicht einen Schritt von ihrer Seite wich, setzte sich langsam aber sicher wieder die Müdigkeit in ihren Gliedern durch. Als sie an einem Schaufenster vorbeigingen, in welchem sie sich spiegelten, erschrak Sakura sich vor ihrem eigenen Anblick. Ihre Kleidung war unter dem Poncho unendlich schmutzig und ihr Gesicht sah vor Müdigkeit regelrecht eingefallen aus.

Als sie jetzt Sasuke genauer musterte, fiel ihr mit einem Mal auf, dass er noch viel erschöpfter aussah als sie es tat. Seine Haut war von der Sonne völlig ausgetrocknet, sodass sich sogar kleine Fältchen um seine Augen gebildet hatten. Und seine tiefen Augenringe umfärbten fast seine gesamte Augenpartie. Sakura schluckte laut. Im Vergleich zu ihr musste er in den letzten Tagen noch viel weniger geschlafen haben. Beide hatten die Ruhe bitter nötig.

Im weiteren Verlauf entdeckten sie erst das eine Gasthaus, dann ein weiteres, für welches sie sich schlussendlich entschieden. Es schien nicht ganz so überlaufen zu sein wie das andere, war aber dennoch gut besucht.

Am Tresen wurden sie von einer jungen hübschen Frau, mit langem und vollem rotem Haar, begrüßt, die zur selben Zeit auch die Besucher, in dem integrierten Restaurant, mit Trank und Speisen versorgte.

Sasuke musste bereits am Ende seiner Kräfte sein. Kurz nachdem er das Gasthaus nach potenziellen Feinden abgescannt hatte, stand sein Blick auf halb acht, weshalb Sakura rasch den Schlüssel der jungen Dame entgegennahm. Überaus freundlich lächelte sie die beiden an und deutete in Richtung der Treppe.

„Die Küche hat bis 22 Uhr auf. Fall ihr also doch noch Hunger bekommen solltet, sagt Bescheid", rief sie ihnen noch hinterer, als die beiden bereits die ersten Stufen nach oben zu den Schlafräumen genommen hatten.

Im Zimmer angekommen und nach einer schnellen Dusche streifte Sasuke fast schon apathisch die saubere Hose von den Beinen und fiel einfach ins Bett. Sakura setzte sich zu ihm, nahm den Verband ab und kontrollierte die Verletzung. Matt lächelte sie, als seine kleinen Augen müde blinzelten, er sich aber bemühte, sie offenzuhalten. Bald, ginge er weiterhin so vorsichtig damit um, würde seine Hand wieder voll funktionstüchtig sein. Einen großen Kampf sollte er daher noch nicht beschreiten; aber so schnell reißen, wie es zu Beginn der Fall gewesen war, würde die Haut nun auch nicht mehr.

Während sie den Verband fixierte, wurde seine Hand plötzlich schwer. Sakura sah auf und schnaufte überrascht. Er war tatsächlich einfach eingeschlafen. Selig lag er da und schlief wie ein kleines Kind, welches einen viel zu aufregenden Tag hinter sich gebracht hatte.

Liebevoll strich sie ihm über die Wange, nachdem sie ihre Arbeit verrichtet hatte. Sie war ihm so dankbar. Für alles, was er tat und was er ihr gab. Und in nächster Zeit würde sie ein wenig mehr Acht auf ihn geben müssen, denn er hatte sich mal wieder viel zu sehr für sie verausgabt. Mit Absicht hatte er seine Müdigkeit wohl verborgen, sein Zustand sprach aber Bände.

Ein Anflug von schlechtem Gewissen verdarb ihr augenblicklich den Anblick ihres lieblich schlafenden Ehemanns. War sie ihm nicht ein lästiger Klotz am Bein? Ein betrübter Seufzer entwich ihr. Er wäre sicherlich außer sich, würde er diesen Gedanken hören. Und genau aus diesem Grund wollte sie ihn schnell wieder vergessen.

„Ich bin gleich wieder da", flüsterte sie dem schlafenden Sasuke ins Ohr. Womöglich hörte er es ja doch, dann würde er sich wenigstens nicht fragen, wo sie war, wachte er auf. Sie wollte ebenfalls noch schnell ins Bad, die klebrige Suppe von ihrer Haut waschen, ehe sie ins Bett ging. Und vielleicht auch noch etwas essen. Sakura hatte einen unglaublichen Kohldampf auf etwas Warmes.

Als sie frisch gebadet zurückkehrte, schlief er noch immer tief und fest. Sogar so tief, dass er nicht aufwachte, als ihr etwas zu Boden fiel. Das war äußerst ungewöhnlich. Wie schon gesagt, eigentlich zeichnete er sich durch einen leichten Schlaf aus. Wohl aber nicht heute. So entschied Sakura sich auch dazu, ihn ruhen zu lassen und sich allein etwas zu essen zu bestellen. Das müsste ja wohl in Ordnung sein. Schließlich befand er sich fast direkt über ihr. Und auch sowieso - er musste ja nicht ununterbrochen ihren Schatten imitieren. So manche Dinge würde sie wohl auch selbst noch regeln können. Immerhin war sie eine eigenständige Frau und angesehene Kunoichi. Das musste doch was heißen.

Während sie die Zimmertür hinter sich zuzog, drangen bereits die lauten Stimmen der Gäste die Treppe hinauf. Bei der Lautstärke hätte man fast den Eindruck gewinnen können, dort unten wurde zu einem besonderen Anlass gefeiert.

Sakura nahm die letzte Treppenstufe, warf sich das Haar zurück und blieb am Treppenabsatz stehen, um sich umzusehen. Das Restaurant war jetzt rappelvoll, was zum einen gut war, denn so würde sie kaum auffallen. Zu ihrem Bedauern war, als sie sich erneut umsah, kaum noch ein Platz frei und zwischen irgendwelchen besoffenen und ekeligen Männern zu speisen, wäre nicht unbedingt ihre erste Wahl.

Sie quetschte sich daher an der Wand entlang, unauffällig hinter den Rücken einiger Männergruppen, welche allesamt Krüge voll mit Sake auf dem Tisch stehen hatten. Dabei fiel ihr auf, dass kaum Frauen anwesend waren. Neben der netten Wirtin, ihr, und drei betrunkenen Frauen, die verteilt an den Tischen zwischen den Männern saßen und sich begrabschen ließen, entdeckte sie nur eine weitere, die am Tresen saß. Ihr Gesicht konnte Sakura nicht erkennen, denn sie saß mit dem Rücken zu ihr. Neben dieser besagten Frau, sie hatte schulterlanges braunes glattes Haar, waren zwei Plätze frei. Auf dem nächsten, da saß wieder ein Mann, der einen Becher Sake in der Hand hielt und wiederum mit dem Nachbarn, der wieder neben ihm saß, anstieß und laut lachte.

Puh. Sakura wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn. Wieso war plötzlich so viel los? Schnell steuerte sie auf die freien Plätze am Tresen zu, ehe sie irgendjemand großartig bemerken konnte.

Um nicht neben dem Mann mit dem Sake sitzen zu müssen, wählte sie den Platz direkt neben der Brünetten. Diese schien bisher das kleinste Übel zu sein.

Die Wangen der Wirtin glühten vor Anstrengung rot, als sie ihre freundlichen Augen auf Sakura richtete. Ihre Haut war so blass und Sakura musste lächeln, da sie wohl Leidensgenossinnen waren, was die ausgeprägte rote Gesichtsfarbe anging. Die knallroten Haare hatte sie sich mittlerweile zu einem Dutt hochgebunden; höchstwahrscheinlich störten sie beim Arbeiten. Ein wenig neidisch auf ihre umwerfende Haarpracht war Sakura schon. Ihre wurden zwar auch immer länger, waren hingegen aber dünn und leblos. Ähnlich wie die von der brünetten Frau, links neben ihr, die ihre Haare ein Stückchen länger trug, als Sakura es zuvor immer getan hatte.

„Na? Doch hungrig geworden?" Die Wirtin grinste und reichte Sakura die Speisekarte.

„Ja, irgendwie schon", antwortete sie und nahm die Karte dankend entgegen.

Die Auswahl war nicht groß, weshalb Sakura sich schnell entschieden hatte. Suppe und Wasser.

„Kommt sofort", rief die Bedienung zwinkernd und verschwand in der Küche. Sakura machte große Augen, als sie im nächsten Augenblick, mit randvollen Tellern, wieder hinausstürmte, und diese auf einen der Tische in der Mitte des Raumes platzierte. Ob sie das Tempo den ganzen Abend würde halten können?

Sakura begann sich nun etwas genauer umzusehen, während sie wartete. Dabei kam sie zu dem Entschluss, dass viele Männer sicherlich wegen der Wirtin sehr gerne hierherkamen. Mit ihrem Charme konnte sie jedenfalls spielen, blieb dabei aber stets auf Distanz. Und auch keiner der Männer wurde ausfällig, oder fasste sie an, was Sakura nun doch ein wenig verwunderte. Aber vielleicht sahen hier in Iwagakure ja auch alle Wirtinnen so gut aus. Und damit war es wieder nichts Besonderes, oder? Ach, eigentlich konnte ihr das ja auch egal sein.

Die Männer, rechts von ihr, lachten laut, weshalb sie ihre Aufmerksamkeit auf sich zogen. Dass diese sie weiterhin ignorierten, kam ihr nur gelegen.

Dann ging ihr Blick nach links. Sie stutzte augenblicklich, denn die Frau, links neben ihr, sah sie mit hochgezogenem Mundwinkel an, während sie ihren Kopf mit der Hand auf dem Tresen abstützte.

Erschrocken sah Sakura erst weg, sie fühlte sich wie ertappt. Moment mal. Eigentlich müsste doch die Frau wie ertappt wegsehen und nicht andersherum, schließlich hatte sie gestarrt. Schnell sah Sakura also zurück.

Die Frau, sie musste etwa in Sakuras Alter sein ... Nein, vielleicht doch ein wenig älter? Sie war sich unsicher. Jedenfalls starrten sie großen braune Augen mit dichten Wimpern an, die Sakura an ein Reh erinnerten. Sie wirkten freundlich und einladend. Als ihr Blick zu ihren Augenbrauen wanderte, man konnte sie nicht übersehen, musste sie kurz an Lee denken, aber natürlich waren sie längst nicht so buschig, wie es die von ihrem verrückten Freund waren. Für eine Frau aber schon recht auffällig. Auf einen zweiten Blick stellte Sakura aber fest, dass Augen und die Brauen gut aufeinander abgestimmt waren. Und plötzlich wirkten sie gar nicht mehr so auffällig, zwar noch markant, aber keinesfalls unförmig oder unpassend. Den oberen Haarkranz trug sie nach hinten weggeflochten und ihre dünnen Haarlängen fielen, mit einem dezenten Schwung, nach innen. Und sie grinste Sakura breit an, nachdem sie scheinbar bemerkt hatte, dass die Kunoichi ihr Gesicht studiert hatte.

„Wie hübsch", sagte sie dann fröhlich. „Weißt du, Rosa ist meine Lieblingsfarbe."

Erschrocken fasste Sakura sind an den Kopf und sah sich um, als die Frau ihre Haarfarbe erwähnte. Hätte sie ihn lieber bedecken sollen?

Verwirrt blinzelte die Frau dreimal. „Habe ich dich irgendwie gekränkt? Das wollte ich nicht. Tut mir leid."

„Nein, nein", sagte Sakura schnell. „Mir ist nur etwas eingefallen." Erst jetzt fiel ihr auf, dass die Frau einen dunkelblauen Reiseumhang trug.

„Achso?", sagte Sakuras neue Bekanntschaft und kratzte sich am Kinn.

„Bitteschön." Die rothaarige Wirtin stellte der Dame erst Sakuras Essen vor die Nase und dann das Wasser daneben. Anschließend stemmte sie die Hände in die Hüften und sah zu Sakuras Nachbarin.

„Noch einen?", fragte die Wirtin.

„Lass doch am besten gleich die Flasche hier", antwortete sie seufzend.

Unentschlossen nagte die Wirtin erst an ihrer Lippe, stellte dann aber eine Flasche Sake vor ihr ab. Sakura beobachtete das Szenario, während sie genüsslich ihre Suppe löffelte, die ganz nebenbei unglaublich gut schmeckte.

„Danke", sagte die Brünette in einem melodisch klingenden Ton und ließ den Korken der Flasche laut ploppen, um sich den Sake einzuschenken.

„Endlich mal ein nettes Gesicht", sagte sie nach einer Weile und nahm einen kräftigen Schluck. „Wie heißt du und woher kommst du?" Neugierig blinzelte sie.

Sakura zögerte. Die offene Art der Frau sprach sie eigentlich absolut an und gerne hätte sie sich mit ihr unterhalten. Aber sie kannten sich nicht. Was wäre, wenn sie zur Organisation gehört? Ein Spitzel wäre? Gar nichts zu sagen, würde sie aber auch verdächtig machen.

„Mein Name ist ähm, Tenten", antwortete sie daher. In der Kürze war ihr absolut nichts Besseres eingefallen. Tenten würde ihr das schon verzeihen.

„Ten ... ten ...", wiederholte die Brünette nachdenklich, als ließe sie sich die beiden gleich klingenden Silben auf der Zunge zergehen.

„Ja. Und ich komme aus Kirigakure. Und du?" Sakura lachte schnell und hoffte nur, dass ihre Lüge nicht durch ihre Unsicherheit hindurchschien.

Kurz wurden die Augen der Bekanntschaft sehr schmal und sie betrachtete Sakura so scharf, dass diese kurz ins Schwitzen kam. Aber dann lehnte sie sich zurück und griff zu ihrem Becher. „Mensch, da hast du aber einen weiten Weg hinter dir", sagte sie und leerte ihn in einem Sturz. „Juni Yosikawa ist mein Name. Ich komme ganz aus der Nähe von hier, aus einem kleinen Dorf. Der Name wird dir wohl kaum etwas sagen.

„Wohl wahr", lachte Sakura. Irgendwie verunsicherte sie die Reaktion der jungen Frau, die sich als Juni vorgestellte.

Juni schwieg einen Moment in ihren leeren Becher hinein, und wirkte plötzlich so betrübt, dass selbst Sakura ein mulmiges Gefühl im Magen vernahm. Sakura öffnete daher den Mund, um sie zu fragen, ob alles in Ordnung sei, entschied sich dann aber doch dagegen. Es war sicherlich nicht klug, sich zu viel mit ihr zu unterhalten.

Unauffällig sah sie sich darum wieder um, denn, dass Juni ihr Haar sofort aufgefallen war, verunsicherte sie nun doch zunehmend. Nicht, dass sie doch noch jemand erkennen würde.

Als sie sich wieder Juni zudrehte, sah diese sofort freundlich von ihrem Becher auf, griff wieder zur Flasche und schenkte sich nach.

„Geht es dir nicht gut?", fragte sie und stellte die Flasche wieder ab. „Du wirkst so ängstlich."

„Was? Nein." Sakura schüttelte heftig den Kopf, lächelte und starrte in ihre Schüssel.

Wie Juni nun am nächsten Sake nippte und dabei wieder sehr nachdenklich wirkte, beobachtete Sakura aus den Augenwinkeln. Eigentlich machte die junge Frau einen völlig normalen Eindruck auf sie. Aber etwas hielt Sakura zurück. War es die Angst? Oder einfach nur Vorsicht?

„He, schöne Unbekannte", rief jemand laut durch das Gasthaus. Sakuras Körper versteifte sich schlagartig. Oh nein. Hoffentlich meinte er eine der anderen wenigen Frauen, die sich hier befanden. Sie wollte doch nicht auffallen.

Erschrocken ging ihr Blick flüchtig zu Juni, die über Sakuras Gesichtsausdruck die Stirn zu runzeln begann.

Im nächsten Moment war das Kratzen eines Stuhls zu hören, den jemand zurückgezogen haben musste. Dann noch ein weiterer.

Als die auf sie zukommenden Schritte immer lauter wurden, formte Sakura nervös eine Faust. Er kam genau auf den Tresen zu. Hoffentlich meinte er Juni, betete Sakura innerlich.

„He, bist du taub?", hörte sie einen Mann lallend fragen.

Da Juni nicht reagierte, wusste Sakura noch immer nicht genau, wen genau der Mann nun ansprach. Aber sie ein Tippen auf ihrer Schulter vernahm, zuckte Sakura erschrocken zusammen.

„Hört auf damit", rief die Wirtin aufgebracht. „Hier wird niemand belästigt. Sonst fliegt ihr raus. Setzt euch wieder hin."

„Nana, wer redet denn von Beläschtigung. Die Kleine kommt doch schicher gerne mit unsch mit". Sakura wurde speiübel, als der Geruch von Alkohol in ihrer Nase kitzelte.

Dann wurde ihr heiß. Musste sie sich gleich etwa verteidigen? Wieso passierte denn immer ihr so etwas. Das war doch mal wieder zum Mäusemelken.

Um einer Konfrontation möglichst aus dem Weg zu gehen, entschied sie sich dazu, freundlich zu sein; vielleicht würde er dann beleidigt abziehen und sie in Ruhe lassen. Nur halb drehte sie ihm das Gesicht zu. „Nein danke", sagte sie aufgesetzt nett und starrte wieder auf den Tresen. Innerlich kochte sie gleichzeitig vor Wut und es fiel ihr schwer, dies zu verbergen. Bitte geh weg, hallte es ihr durch den Kopf. Bitte geh einfach weg. Im Normalfall hätte sie dem Kerl einfach das Gesicht poliert.

Junis Blick spürte Sakura förmlich auf ihrem Gesicht.

„Mäuschen", sagte die andere Stimme und berührte sie grob an der Schulter. Schlagartig überzog eine Gänsehaut ihren gesamten Körper und alle Haare stellten sich ihr auf.

Irritiert sah Sakura nach links, als Juni jetzt, mit entschlossenem Blick, den Stuhl laut kratzend an den Tresen schob, um aufzustehen. So schnell, wie sie den langen Gegenstand unter ihrem Umhang hervorzog, konnte Sakura ihn nicht identifizieren. Hart schlug sie ihm jedenfalls damit auf den Unterarm, woraufhin ein lautes Klatschen durch das Restaurant hallte. Sakura biss sie Zähne zusammen. Das musste wehgetan haben.

„Auaaaaa", rief er weinerlich, als wäre er ein Riesenbaby. „Wasch soll dasch denn, Mäuschen?", lallte er und streckte jetzt die Hände nach Juni aus, um sie zu packen.

Sakura sah Juni mit verblüfft an. Sie hatte ein Schwert gezogen. Es steckte noch in der Scheide und mit dem harten Leder dieser musste sie ihm wohl heftig aus dem Arm geschlagen haben. Die Stelle an seinem Arm leuchtete bereits auffällig rot.

Sakura sah wieder zu der jungen Frau. War sie etwa eine Kunoichi?

„Freunde der Sonne", rief sie mit bebender Stimme und hob erst dann den Blick, um das Leder ihres Schwertes an die Kehle des nach ihr greifenden Typens zu halten. Das bremste ihn abrupt aus. „Habt ihr Tomaten auf den Ohren, oder seid ihr einfach nur hirnlose Bratpfannen?" Ihre heitere Stimme klang plötzlich abwertend. „Sie sagte Nein." Und auch ihre bis eben so freundlich wirkenden Augen funkelten plötzlich so unglaublich wütend, als loderte ein unerbittliches Feuer in ihr auf.

Wer war die Frau nur?

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Freunde der Sonne,

Eine kleine Info für euch. Geplant sind noch mindestens 10 Kapitel. Ich habe mich noch nicht endgültig entschlossen, an welchem Punkt ich die Geschichte enden lasse. Davon wird die Länge der Geschichte letztendlich abhängig sein. Da verlasse ich mich aber völlig auf mein Gefühl und tue das, was es mir sagt :)

Nächsten Samstag gehts weiter

Fühlt euch gedrückt,

Eure Juli
<3
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